Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 81-82 (11.10.1933)
- Date
- 1933-10-11
- Page
- Seite 642 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 640 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 11. X. 1933 rieht bzw. praktische Arbeit, Mittagsruhe, 2—6 Uhr wieder Arbeitszeit, 7 Uhr Abendbrot. Die Zeit von 6—7 Uhr dient dem Duschen, einer Betätigung, die mit viel Andacht ausgeübt wird, oft auch von lautem Singen und Zurufen begleitet ist. Nach einem Sommer-Arbeitstag voller Staub und Hitze tut das ki hie Wasser gut. Zumal Wasser hier nicht, wie in Europa, eine Selbstverständlichkeit ist. Seit Monaten ist grolle Wassernot in Schefeja, das Wasser ist Tagesgespräch: ״Wird der neue Brunnen viel Wasser geben?‘‘ Seit Monaten arbeiten die Poalim daran, ein Kunstwerk aus grauem Stein ist schon entstanden, 12 m tief. Jetzt bohrt man. Wird man auf eine Quelle stoßen? .Manche kühnen Optimisten träumen schon von der Anlage eines Schwimmbassins. Indessen wäre man zufrieden, wenn man wenigstens täglich morgens und abends je eine Stunde Wasser hätte. 11(. An den Abenden ist meistens etwas ״los“. Einmal wöchentlieh Massenversammlung. Der Klassenleiter, der gleichzeitig der verantwortliche Erzieher der Kinder seiner Klasse ist, bespricht mit Ihnen die verschiedensten Fragen. Meist gellt cs um dringende Dinge des Gemeinschaftslebens, z. B. uni die Höhe des Taschengeldes. Das sind die paar Piaster, die die Kinder als Lohn für die geleistete Arbeit erhalten und von denen sie sich die Kleidung kaufen müssen. Oder man spricht über die Ausgcstaltung der Feste, über die Arbeit, Kleidung, Sauberkeit. An Gesprächsstoff fehlt es nie. Am Sonntag abend ist Kino. Ein kleiner Vorführungsapparat mit sehr kindlichen, meist lustigen Filmen. An anderen Abenden ist Orchester (Mandolinen und Gitarren), Singen, Vorträge. Viele Gäste kommen nach Schefeja, die irgend etwas Pah men des schlichten Lehens dieser einfachen Kinder, die wißbegierig und dankbar alles Schöne und Interessante auf nehmen, blemen“ kommen und über ihre Köpfe hinwegreden. Man muß auch, wenn man ihnen etwas erzählt, wissen, daß ihnen die Welt des Orient vertraut ist, alles andere aber unbekannt. So hörte ich einen Lehrer von einer Reise nach Syrien erzählen und bis in alle Einzelheiten die Elektrische in Beyruth beschreiben. Auch vom Schiff, überhaupt vom Reisen kann man ihnen nicht genug erzählen. Sie lauschen so fieberhaft, wie die Kinder in Deutschland, wenn man ihnen vom Basar, von Kamelen und Giftschlangen spricht. Ebenso natürlich und schlicht vergeht auch der Schabbath. Nach dem Morgengebet wird die Schulzeitung vorgelesen, die einmal wöchentlich erscheint und zu der alle, Erwachsene und Kinder, beitragen. In Prosa- und Gedichtform hört man da von der Arbeit der Woche, von besonderen Ereignissen, von Gästen. Und in der Ruhe des Schabbath-Vormittags kommt dem Neuling zu Bewußtsein, wie reich und kraftvoll dieses Jugendleben hier ist, wie selbstverständlich und natürlich aber auch. Nichts von ״Jugendkultur“, nichts von ״Gesetzen“, die sich die Jugend gibt, nichts von irgendwelchen Zielsetzungen. IV. Und doch hat Schefeja sein Ziel fest vor Augen, das Ziel, brauchbare, tüchtige, stolze Arbeiter zu bilden. Der Poel ist das Ideal des Schefejaer Kindes. Und die meisten Gäste sind die ehemaligen Schefejaer, Jungen und Mädel, die jetzt in einer Kwuzah oder in einer Werkstatt arbeiten. Sie werden mit freudigem Hailoh begrüßt und sind gleich mitten drin, als wären sie gar nicht fortgewesen. Oft kommen sie in Gruppen über Schabbath, viele verbringen hier ihre Ferienwochen, und dann gibt es für sie nichts Schöneres und Selbstverständlicheres, als irgendwo mitzuarbeitert. Denn nur die Arbeit, die täglich notwendige Arbeit des Dorfes, vermag diese so temperamentvollen Kinder auszufüllen und nt einen. Und je größer sie sind, desto bewußter erfassen sie den Segen und Sinn dieser Arbeit. So hieß der Prüfungsaufsatz dieses Jahres: ״Die Existenzberechtigung des arbeitenden Menschen“. Es ist der gesunde, haßfreie Stolz des Arbeiters, der in die kindliche Seele gepflanzt wird und der Rückgrat und Leitstern fürs ganze Leben ist. In Deutschland hat man in den letzten acht Jahren von Schefeja wenig gehört. Es mag daran liegen, daß es im Gegensatz zu Ben Schemen weniger beweglich, weniger in ständiger Umbildung begriffen ist. Es hat sich einen Rahmen gesetzt, innerhalb dessen es gleichmäßig seine Arbeit leistet. Es ist ein Werk der Junior Hadassah (Amerika), für Waisen• und Halbwaisenkinder Palästinas bestimmt. Darum wird es auch kaum für die Aufnahme größerer Kindergruppen aus Deutschland in Frage kommen. Immerhin hat auch Schefeja, wie die meisten palästinensischen Erziehungsinstitutionen, sich bereit erklärt, im Rahmen der Kinder-Aiijah aus Deutschland Kinder aufzunehmen. Die Kinder aber, die hierher kommen, werden sorgfäitigst ausgesucht werden müssen, denn sie werden es nicht leicht haben: sie kommen in ein rein-hebräisches, man könnte fast sagen orientalisches Milieu, denn fast alle Kinder sind im Lande geboren und die meisten stammen aus jemenitischen, syrischen, persischen, bucharischen Familien. Fast alle sprechen auch arabisch. Araber kommen als Händler ins Dorf, man spricht und scherzt mit ihnen. Auch bei den Bauern der Kolonie Schefeja, die unmittelbar an das Kinderdarf angrenzt, arbeiten Araber. Es ist die Gegend Palästinas, wo Juden und Araber am friedlichsten Zusammenleben. 1929 ist hier kein Schuß gefallen. Das Kind aber, das sich hier einzuleben vermag, wird sich damit in das echte jüdische Palästina einleben, ln ein paar Jahren wird es den Weg gehen, den alle hier gehen, den Weg des jüdischen Arbeiters. Dann wird es, wie all die andern, am Schabbath hier erscheinen, freudig von allen begrüßt, und wird mit allen die Horrah tanzen. Ein Wort Herzls an me Jugend Die letzte zionistische Veröffentlichung Theodor Herzls war ein Wort an die fugend. Er schrieb im März 1904, wenige Monate vor seinem lode, einen Beitrag für die in Wien begründete zionistische fugend-Zeitschrift ״Unsere HoffnungDie Worte Herzls zeigen die Reinheit seines Ideals und die Kraft seiner Forderung, die er an die fugend richtete, mit besonderer Klarheit. Wir geben nachstehend das Faksimile seines Manuskriptes wieder. (Red.) •ML ^-0-י״«י£_ / Jt W<?_ .7ך ־^u Lj yifj- JtML-dc f oUj^ (Zr oU. M -1'4 -c*^ »•06. CjAsCuuAy*. 0^CUvv'VrCC-</ (fd*fd'U.-CL י״ ' ^d^rr( y ■€U<PoU^cjL yu -s-u«. y *lA-Vfi. *י Z-clAsQ. , d,t ■Cdy^e—r *d. o Jw*~r &JL*er cCul. d7f st-*, -tdsL^e *Zdediufi f Ltu^d 'dd. d&^u yLL. 1Lal~x^ 'XzdxsU. י׳י*r der ”* d-cl^ tdZf^uu / <£a^r» *'?-*Xu, dU. \r■ o ך » a ■''(J IfLAd <!>*-Z2A cf/Ly ־־jä-jsX,• / '?*A2Ä' d/Ly f . Zldd ea kJLouuyf ^י ־^יי* Jjj*.! * ״ ׳y O/Lr KytljJ- -U*d<. N׳< Jd! cttCjf kJL*\jusa Lui- 'Jtduu iJtft /Ar ^-י׳^/יז־^/