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Jüdische Rundschau · 1933-10-11 · Heft 81-82 (11.10.1933) · p. Seite 641

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 81-82 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
Seite 641 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 81 82. 11. X. 1933 jodische Rundschau Seite 639 Von jüdischer Jugend Der Weg zur Landarbeit Probleme der Berufsumschichiung jüdischer Jagend Bei der Durchführung der Beru fsumschichtung der jüdisehen Jugend ergeben sich u. a. eine Reihe wirtschaftlieh-technischer Probleme. So ist es ganz abwegig anzunehmen, daß die schnellste und gründlichste Erziehung für den bäuerlichen Beruf im Aufenthalt auf einem großen, erstklassig eingerichteten Gutsbetriebe zu finden sei. Das Gegenteil ist der Fall. Kein Vernünftiger wird im Ernst verlangen, daß aus einjähriger Arbeit auf dem Lande ein Administrator oder Gutsinspektor hervorgeht. Läßt man also die Ueberheblichkeit solcher Anschauungen beiseite, so ergibt sich die Forderung, einen Landarbeiter herauszubilden, der die Fähigkeit besitzt, sein Brot zu erarbeiten. Hierfür ist aber weder der Umgang mit Herdbuchvieh, noch die Kenntnis der Blutlinienforschung bei der Geflügelzucht notwendig — ich halte das geradezu für schädlich, weil eine Ausbildüng auf dieser Grundlage Verwirrung in den jungen Köpfen stiftet. Anmaßung, falsches Selbstbewußtsein, der Glaube, ein Neuerer in der Gestaltung von landwirtschaftlichen Betrieben werden zu können, wird gezüchtet, und die jungen Leute werden für die Zukunft als Mitarbeiter beim Aufbau Palästinas verdorben. So sagte mir kürzlich ein Sachverständiger, der als tüchtiger Getreidehändler Ruf genießt und auch sicher in der Lage ist, einen großen Gutsbetrieb kaufmännisch zu leiten, folgendes: ״Die Ausbildung von Cbaluzim muß auf großen, erstklassig eingerichteten Gütern erfolgen, so daß jeder Mann, wenn er auch einem Facharbeiter zugeteilt ist, doch das Gefühl hat, aut diesem Posten unentbehrlich zu sein.“ — Welche Verkennung der Erfordernisse und Tatsachen! Kein Melker oder Schweizer kann jemals durch einen ״Praktikanten“, der eben einjge Wochen den Betrieb kennt, auch nur annähernd ersetzt werden. Ob Umschichtung oder Umschulung gefordert wird, oder Erziehung der Jugend zu körperlicher Arbeit — in erster Linie muß die Gesinnung vorhanden oder geschaffen sein, daß in Palästina die Arbeit des Ein-?einen nicht nur für ihn selbst, sondern durch ihn für die Gemeinschaft, geleistet wird. Wer diese Gesinnung nicht besitzt, sio sich nicht aneignen kann, soll die Zeit nicht mit Melken und Pflügen verbringen. Er kann wohl den Gutsbesitzer markieren, niemals aber jüdischer Bauer werden. Und nur diesem gilt unsere Sorge, weil nur er unsere Zukunft gestalten kann. Die Ausbildung auf einem kleinen Bauerngehö ft an den einfachsten Geräten, im stündlich wechselnden Arbeitsverlauf, oder noch besser in der Gemeinschaft von einigen Kameraden ist unendlich wertvoller als der Anschauungsunterricht in gekachelten Kuhställen. Aus der Beobachtung deutscher Arbeitsdienstlager, auch in landwirtschaftlichen Betrieben, möchte ich einige Erfahrungssätze als Richtlinien aufstellen: Die ersten Tage Holzkloben sägen und zerkleinern, aus Schalbrettern Gestelle und Verschlage bauen; dabei Beobachtung auf Geeignetheit von Leuten, die eine gewisse Geschicklichkeit in der Handhabung von Axt, Säge und Hammer zeigen. Gibt es doch viele Juden, deren Großväter noch Landwirte und Handwerker waren, und die erste körperliche Betätigung beim Enkel entwickelt schlummernde Fähigkeiten. Zwei bis' drei Leute werden herausgenommen und beim Stellmacher des Dorfes mit dem Bau eines leichten Ackerwagens beschäftigt, in einer Tischlerei mit dem Bau von Spinden. Als Gegenleistung bekommt der Handwerksmeister den vollen Preis für einen solchen Wagen oder ein Spind. Ebenso die Beschlagsarbeiten beim Schmied. Diese Leute richten dann auf dem Hofe eine mehr oder weniger primitive Werkstatt ein oder bauen eine vorhandene aus. Nach einem gewissen Zeitraum, etwa zwei bis drei Monaten, treten diese Handwerker abwechselnd zum Stalldicnst oder Ackerbau über, nachdem wieder einige junge Leut« von ihnen angelernt wurden. Leichter ist es mit dem Erlernen von Ausbesserungen an Fenstern, Toren, Scheunen, Mauerwerk usw., wofür sich ohne weiteres die vorhandenen Knechte oder Gärtner als Lehrmeister eignen. Die Tätigkeit bei der Pflege von Pferd und Rindvieh, Kälberaufzucht und Geflügelhaltung ist ein Gebiet, auf dem keiner eine Meisterschaft aufzustellen braucht, die er jedoch niemals als tageweise Beschäftigung ausüben darf; es muß jeder mindestens vier Wochen d i e gleichen Tiere pflegen, sonst leidet die Tier- Haltung unter dem dauernden Wechsel. Sehr wiclitig ist die auch neuerdings im östlichen Deutschland in verstärkteni Maße wieder aufgenommene Bodenbearbeitung mit Kühen. Ich halte das für sehr wesentlich. Gleichbedeutend ist die Tätigkeit eines jeden beim Hüten des Viehs aul der *Weide. Leider wird hierüber noch oft von Fachleuten als unwesentlich hinweggegangen. Und doch gibt es keine Möglichkeit, das Leben der Tiere, die Wirkungen der Umwelt auf ihr Gedeihen so intensiv zu studieren wie auf der Weide. — Daß die jungen Mädchen, von der handwerklichen Ausbildung abgesehen, genau den gleieben Lehrgang durchmachen müssen, ist selbstverständlich. Hinzu kommt ein Lehrgang am Webstuhl, die Anfertigung von Stoffen im eigenen Haushalt durch Austausch der Schafwolle gegen Garne, durch Flachsanbau usw. Daß in den Wintermonaten das Ausdreschen mit dem Dreschflegel neben dem Motordrusch erfolgen muß, ist genau so selbstverständlieh wie das Mähen mit der Sense, das manuelle Garbenbinden usw. Immer und unbedingt die primitiven Formen lehren — nicht Fabrikanten von Nährmitteln dürfen wir heranbilden, sondern selbst schaffende Produzenten. Das Auslesen von Steinen auf dem Acker, ihre Verwendung im Wegebau ist hierbei wichtiger, als die Kenntnis der Kontrollo!)parate für den Fettgehalt der Milch. Daß im Winter die freie Zeit ausgenutzt wird für einen Lehrgang über Ackerbau, Vieh- und Geflügelzucht, Betriebslehre usw. bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Dagegen möchte ich auf einen Punkt hinweisen, über den noch viel gegenteilige Meinungen herrschen: Hat der Sport betrieb Sinn und Zweck für den landwirtachaftliehen Lehrling? Ich bejahe die Frage restlos. Wenn ich einen wesentlichen Punkt der Ausbildung bisher nicht berührt habe, 80 hat das mit seiner besonderen Beeleutung für die Umschichtung und Erziehung von Männern und Frauen jeglichen Alters Bewandtnis: die Ausbildung im Feldgemüsebau. In dieser Sparte der Landwirtschaft hängt die Zahl der Beschäftigten von den im Winter zu schaffenden Unterkunft» Möglichkeiten ab. Die Kosten sind gegenüber der vor geschilderten Ausbildung um 50 «,0 niedriger, der Erfolg vielfältiger und umfassender. Hier liegt eine wichtige Aufgabe für die deutschen Juden, die cs in den nächsten Monaten zu lösen gilt. Josef Fo&f6. Gat GramshoL Zionistische Jugend tagt ,,Habonlm"'F(ihreriagang in Berlin Der Zionismus war von Anbeginn an eine Bewegung der Jugend. Die junge Generation, die noch nicht an Besitz und Tradition gebunden war, verstand den Ruf, der an sie ging und den Einsatz all ihrer Kräfte für das große Werk des jüdischen Neuaufbaus auf dem Boden Erez Israels forderte. Lange bevor di« Massen des deutschen Judentums infolge der äußeren Ereignisse die Bedeutung Palästinas erkannten, war es ein Großteil der jüdischen Jugend Deutschlands, der sich der zionistischen Idee angeschlosscn hatte. So bedeutet denn das Frühjahr 1933 in der Entwicklung der jüdischen Jugend bei weitem nicht so viel, wie es bei der älteren Generation der Fall ist. Die in den zionistischen Jugendorganisationen vereinigten jungen Menschen stellten auch schon vorher den Kern der gesamten organisierten Jugend Deutschlands dar und bildeten sowohl zahlenmäßig wie auch ihrer inneren Haltung nach die lebendigste Zelle des jüdischen Lebens in Deutschland. Trotzdem spiegelt sieh naturgemäß die Fülle der Aufgaben, die neü an das deutsche Judentum herangetreten sind, auch in der Arbeit der zionistischen Jugend wider. Dies kam sehr deutlich bei einer Führertagung zpm Ausdruck, die vom 7. bis 10. Oktober in Berlin seitens der zionistischen Jugendorganisation ״II abonim nonr cha■ luzi“ abgehalten wurde. Die Tagung, die von etwa 120 Vertretern des Bundes nus der Provinz sowie von sehr zahlreichen Gästen aus Berlin besucht war, zeigte den außerordentlichen Aufschwung, den die zionistische Jugendarbeit in Deutschland genommen bat. Sic war erfüllt von dem liefen Ernst, den diese Jugend bei der Gestaltung ihres eigenen Lebens zu bewähren hat, und zugleich von dem Verantwortungsgeftihl für die Aufgaben der jüdischen Gesamtheit. Eine feierliche Eröffnung sah insgesamt etwa 500 Teilnehmer, die den an sie gehaltenen Ansprachen, die dem Gedenken an Chajim Arlosoroff und den zukünftigen Aufgaben des Bundes galten, sowie der künstlerischen Umrnhniung der Reden gespannt lauschten. Nach der Eröffnungsfeier schilderte Enzo S e r e n i die Situation des Zionismus und vermittelte ein reichhaltiges Tatsachenmaterial. Es ist wichtig zu erkennen, welche Bedeutung es hat, daß auf diese Weise die Verbindung der jüdischen Jugend mit der Ge- Samtlage des Judentums und des Zionismus geistig hergestellt wird. Am zweiten Tage beschäftigte man sich zunächst an Hand eines Referates von Leo Steinberg mit dem Problem des Verhältnisses von Galuth und Palästina. Es wurde die Frage gestellt, ob und inwieweit bei der jüdisehen Erziehungsarbeit einzig die Einstellung auf Palästina erforderlich sei oder ob man das Gesamtschicksnl des jüdisehen Volkes als verbindlich für sich anerkennen und entsprechend erzieherisch verfahren müsse. Den Bericht Uber die Arbeit des Bundes erstattete Georg Pape. Man erfuhr aus ihm, daß ia 37 Ortsgruppen 2500 Mitglieder zusammengefaßt sind, zu denen weitere 1200 Mitglieder treten, die etwa je zur Hälfte auf Kachscharnh und als Arbeiter in Palästina leben. Im letzten halben Jahr hat der Bund einen Zuwachs von etwa 700 Mitgliedern erlangt und in der gleichen Zeit 300 Menschen durch Auswanderung nach Palästina und in andere Länder abgegeben. Allein 400 Mensehen sind in den letzten 6 Monaten neu in die Berufsausbildüng für Palästina eingetreten. — Die Probleme, die für die Arbeit der palästinensischen Arbeiterschaft wesentlich sind, wurden in einem Referat von Elieser Liebenstein dargestellt. Am dritten Tage wandte man sich der Behandlung pädagogischer Fragen auf Grund eines Referates von Hans Gärtner zu. Die Diskussion bewegte sich in der Hauptsache um die Frage der Charakterbildung innerhalb eines Jugendbundes, Abends nahmen die Teilnehmer an der Abfahrt von über hundert Chaluzim teil, die vom Anhalter Bahnhol un'ter sehr starker Anteilnahme der jüdischen Bevölkerung erfolgte. Abgeschlossen wurde die Bundestagung durch «ine ßitzung des Bundesrates, die Wahl einer neuen Bundesleitung und eine Schlußfeier. Wer als Beobachter an dieser Zusammenkunft zionistischer Jugend teilgenommen hat, kann sich gegen den Eindruck nicht verschließen, daß hier mit außerordentlichem Ernst um die Bewältigung der erzieherischen und organisatorischen. Aufgaben gerungen wird. Man wird gewiß, wenn man den Standpunkt der älteren Generation einnimmt, auf diesem oder jenem Gebiete zu anderen Anschauungen gelangen, als sie die Jugend vertritt. Es bleibt jedoch demgegenüber die Tatsache bestehen, daß diese Jugend die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft mit großer Energie selbst in die Iland genommen hat und darauf verweisen kann, daß es ihr gelungen ist, eine erhebliche Gruppe junger Menschen aus Deutschland mit dem Arbeitsleben Palästinas fest zu verbinden. BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Bekanntmachung! Mitglieder der BZV, die trotz mehrfacher Mahnungen auf die Rundschreiben des HauptYOrstandes über die Beitragspflicht in keiner Weise reagiert haben, sind am 1. X. 1933 wegen der hierdurch bekundeten Disziplinlosigkeit ous den Mitgliederlisten der BZV gestrichen worden. Mitglieder, die dem Hauptvorstand dargelegt haben, daß sie z. Zt. nicht in der Lage sind, Beiträge zu zahlen, sind hiervon selbstverständlich ausgenommen. In der zionistischen Bewegung ist für Menschen, die ihre zionistischen Pflichten ständig verletzen, kein Raum. Der Hauptvorstand der BERLINER ZIONISTISCHEN VEREINIGUNG Leben im palästinensischen Kinderdori Von Dr. Kurt Wittkowski. ־ t. Die Landschaft Schefejas erinnert mit ihren sanften, weiten Bergketten ringsherum an die Berge Thüringens, aber es fehlt das reiche Grün der Wälder. Die Farben wiederum, das Gelb-Grau-Rot mit den grünen Tupfen hier und da, lassen einen an die Eifel denken, aber die bizarren Formen der Vulkanc, das Wechselnde, Ueberraschende fehlt. Es ist palästinensische Landschaft, mit ihrer klaren, durchsichtigen Luft, die jedes Steinchen über das Tal hinweg erkennen läßt und die in den Nächten den Sternenhimmel so reich und den Mond so hell macht. Kinder ־wissen nichts von dem Reichtum und der Schönheit dieser Landschaft, in der sie leben. Aber sie leben in ihr, und sie werden von ihr erzogen. Nur das eine erleben die Kinder hier bewußt, denn als palästinensische Kinder wissen sie es zu schätzen: daß nämlich Sehefeja mitten in einem Waldchen liegt. Jede freie Minute verbringen sie in ihm. in ihm werden Fußballkämpfe ausgetragen, in ihm wird geturnt, gesungen, erzählt. Und in der Schulzeit sieht man hier auch einzelne Gruppen arbeiten. Am Schabbafh ist alles dort versainmelt, einzelne mit ihrem Buch., Gruppen bei Spiel und Gespräch. in der Woche ist es den ganzen Tag über recht still im Wäldchen. Das Dorf arbeitet. Die Kinder, Jungen und Mädchen von 10—14 Jahren, haben entweder Unterricht oder praktische Arbeit. Es ist wirklich ein Dorf mit dem schlichten, primitiven Leben auf dem Lande und der täglichen schweren Arbeit der Bewohner. Nur daß hier einmal die Kinder die Dorfbewohner sind. Neben vier Unterrichtsstunden täglich vier Stunden praktische Arbeit. Jedes Kind ist zwei Monate lang einer bestimmten Arbeitsgruppe zugeteilt, so daß es im Laufe der!,׳ihre alle Arbeit kennenlernt. Es lernt die verschiedenen Arbeiten nicht bis zur Meisterreife, aber nach vier Jahren kann es tüchtig zupacken. In alle Zweige der Arbeit kommt es hinein. Eine Gruppe sorgt für die Hausordnung, da wird gefegt und gewischt, da werden Möbel unigestellt, Betten bezogen. Andere Gruppen arbeiten in Küche, Waschküche, Klinik. Die beliebtesten Zweige sind Feld- und Gartenarbeit, auch Kuh- und Hühnerstall sind sehr geschätzt. Innerhalb der Arbeitsgruppe erhalten einzelne Kinder oder je zwei und drei Kinder bestimmte, begrenzte Aufgaben zugeteilt, so daß sie früh lernen, auch Verantwortung für die geleistete Arbeit zu tragen. Es ist die schwere, kaum lösbare, weil in sich widerspruchsvolle Aufgabe der Erwachsenen — an jeder einzelnen Arbeitsstelle ist ein Erwachsener a's Leiter — die gar nicht geringe Arbeit zu schaffen und die Kinder gleichzeitig zu belehren. Es ist wirkliche, unaufschiebbare Arbeit, die in Küche, Haus, Werkstatt, Hof und Feld geleistet wird, keine künstlich geschaffene wie in manchen eur־׳'- päischen Erziehungsheimen, wo man die Kinder Wandschmuck und Stickereien anfertigen läßt. Es heißt also, schnell und hintereinander arbeiten, und wo das nicht geschieht, setzt Schlamperei ein, die sehr schnell von allen bemerkt und bekrittelt wird. Ich verweile noch einen Augenblick bei dieser Gruppenarbeit. Nicht nur weil die Arbeit hier durchaus i!n Mittelpunkt des Lebens steht, sondern weil hier ein allgemeines palästinensisch-pädagogisches Problem vorliegt. Palästina ist Kolonisation■;- land, d. h. ständig im Aufbau, Umbau. De Menschen stellen täglich vor neuen Situationen. Dazu jüdisches Kolonisationsland: Juden aus aller Welt kommen her, alle belastet mit 2000 Jahre«1 Galuth, alle im Begriff, umzuleruen, neu 7.11 beginnen. Da nm li jeder alles können. Und mit einer gewissen geschichtlichen Be■- rcchtigung lächelt man über den ,,Fachmann“, den Spezialisten, den man doch anderseits so nötig brauch! und dessen Fehle•! im Lande gerade den Neueimvanderer soviel Nervenkraft kostet. Sollte es da nicht die Aufgabe des veiferseltenden Pädagogen sein, die kommende Generation zu gewissenhafter, sorgfältiger Arbeit, zu Facharbeit zu erziehen? 11. Die Schule besteht aus vier Klassen, den vier oberen Klassen der Volksschule. Hie unterste und oberste Klasse hat Vormittag, die beiden mittleren haben Nachmittag Unterricht, und umgekehrt, immer im Hinblick auf die praktische Arbeit, die so am Vormittag und Nachmittag die etwa gleich leisfungsfähigen Kräfte zur Verfügung hat. Das Schulpensum ist das der Volksschule, unter Verzicht auf jegliche Fremdsprache, was in Palästina selten ist. Dieses Jahr will mau versuchsweies für die Erwachsenen, die Schulentwachsenen (viele Kinder bleiben nach Schulabschluß noch 1—2 Jahre hier und arbeiten praktisch weiter) und die besten Schüler der obersten Klasse Englisch cinfiihreii. Um so reichhaltiger und in sich geschlossener ist die Schularbeit. Sie sicht in unmitteibarem Zusammenhang mit der praktischen Arbeit. Das Rechnen schließt sich an die Zahler! der hiesigen Wirtschaft an, die Naturkunde geht vorn Leben des Menschen und der Tiere aus, Nahrungsmittellelire, Anatomie, Physiologie stellen im Zusammenhang mit der Küchenarbrjt, die jedes Kind derklasse kennt. Aber auch die ferner liegenden, rein-geisteswissenschaftlichen Fächer reihen sich in das tägliche Leben, ln die Erfahrungswelt degyKindes ein. So liest man im Buche ״Richter“ von den ״Bergen Ephraims“. Der Lehrer öffnet die Tür und zeigt nach Osten und Süden: ״Das sind die Berge Ephraims.“ Alle biblischen Orte werden genau beschrieben, der heutige Name festgestellt. Die um Sehefeja verstreuten Beduinenzelte, die großen Ziegen- und Schafherden bieten Anschaunngsrnaterial genug. Mau sammelt Steine, Pflanzen, Tiere zu naturwissenschaftlichen, geologischen Studien. Man singt die Lieder des nahegelegencn Emek. Man wandert in die Kolonien, läßt siel! deren Geschichte erzählen. So ist die Schule wirklich eine Schule des Lebens. Und über das selhstcrfahrenc Leben hinaus schaut die Phantasie zum Fremden: wißbegierig lauschen die Kinder dem Hospitanten aus Europa, der ihnen in der Erdkundestunde von dem Lande erzählt, das gerade behandelt wird und das er selbst gut kennt. So läuft der Wochentag in einem ganz natürlichen, geruhigen Rhythmus ab: Aufstehen um 6 Uhr, 7—■11 Uhr Unter-

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