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Jüdische Rundschau · 1933-10-11 · Heft 81-82 (11.10.1933) · p. Seite 640

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 81-82 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
Seite 640 (sequence 8)
Language
German
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Seite 638 jüdische Rundschau Nr. 81/82, 11. X. 1933 Coadjutor: Schrei nicht so! Du weißt nicht, wss du tust! Niemand kennt dein Geheimnis! Bedenk es gut, bevor du Unabänderliches tust! Der Arm der heiligen Inquisition ist eisern; du entgehst ihm nicht! Casimir: Dennoch! Es muß sein! (Er stößt ihn heftig beiseite und geht hinaus.) Der Cardinal (schläft in der Ecke unausgesetzt). Coadjutor (verharrt einen Moment erregt; zögert, will dem Flüchtling folgen, überlegt es sich wieder): Nein. Keinen Skandal. Bloß keinen Skandal! (Er betrachtet den Cardinal, der in seinem Lehnstuhl schläft, zuckt mitleidig-verächtlich die Achseln, wendet der Tür den Rücken.) Laufe nur! Lauf, du Narr! Lauf! Wenn du weiter nichts tust, was liegt daran! Die Kirche wird einen treulosen Diener gern entbehren. Wenn aber deine Juden dich wieder aufnehmen, um so schlimmer für sie! (Er tritt zum Sekretär, öffnet verschiedene Schübe, kramt darin herum und nimmt eine große Papierrolle heraus, die er entfaltet. Dadurch wird die großgeschriebene Ankünriigung EDI TIC) SOPRA GLl EBREI sichtbar und darüber das kirchliche Wappen.) ... Um so schlimmer für sie! Sie könnten dann wieder einmal erfahren, was es mit der kirchliehen Gerechtigkeit auf sich hat! Die Herren Ebräer werden dir hübsch die Tür vor der Nase zumachen, wenn du in ihren schmutzigen Löchern Zuflucht suchen wirst! Ha, ha, ha! Er wird ihnen damit was Schönes einbrocken! (Zeigt auf einen Artikel des Edikts.) Er wird ihnen damit was Schönes einbrockefi! Da ... Artikel XVI ... Ha! ha! ha! Wenn du aber was verlauten läßt, wem! du zu sprechen wagst, Unseliger! Dann ist es um dich gescliehn! Kein Scheiterhaufen wird zu hoch, kein Feuer zu heiß sein, um dein verfluchtes Fleisch zu verbrennen! — Aber was kann man jetzt tun? (Er geht zum Lehnstuhl, auf dem der Cardinal schläft, zuckt die Achseln und betrachtet den schlafenden Greis.) — Summa summarum, nicht an uns ist es, zuerst zu schreien. Mag er doch laufen! Wir wissen von nichts. Mag er doch laufen! Er wird sich ja doch vc!raten :!las ist sicher, denn er wird sprechen, sprechen! e/cs 'erfahren, dalMmscJ 'gut^chnstlich Volk'es nicht zulullt, daß seine Priester mit der Kirche scherzen! ... Der Arm der!:eiligen Inquisition ist eisern! ... (Er geht auf und ab.) Was für eine merkwürdige Rasse sind doch diese Juden! Welch dunkler Drang mag sie dazu treiben, sich selber zu zerstören? Seltsam, seltsam! Dieser Casimir zum Beispiel. Im fernen Polen schwort sein Vater das Judentum ab, und läßt ihn als kleines Kind taufen. Dm siel) davor zu schützen, daß sein Sohn seine Herkunft erfährt, geht er mit den Seinen ins Exil. Er kommt nach Italien, bringt uns diesen Casimir, damit wir seine Seele formen. Unter ״:!seren Säulengangcn, in unseren Seminaren wachst er heran und nähert sich unseren Altären. Schon ist er im sicheren Hafen gelandet; Priesterschaft, Pfründe, man prophezeiht ihm den Purpur. So groß sind Eifer und Wissen, so echt scheint der Glaube, den man ihm eingab .. .? Aber nein! Da ist irgend etwas, was ihn peinigt, ein Nichts, ein Schatten, ein Phantom ... etwas, was wir absolut nicht verstehen! ... Immer ist seine Stirn gefurcht, nie ists ihm leicht ums Herz ... (er betrachtet den schlafenden Cardinal). Ha! der würde nicht so ruhig schlafen wie der da, wenn es sich um die grollen Seelenfragen handelte! Immer brodelt das Feuer unter der Asche ... kommt ein starker Windstoß, flackert die Flamme wieder auf und verlöscht nicht mehr! ... Aber an dieser Flamme wird er sich verbrennet!! ha! ha! Daran wird er sich verbrennen! (A. d. Französischen v. Alice Jacob-Loewcnson.) ״Ith will den Bart mir lassen siahn .. Als Süßkind von Trimberg, der jüdische Minnesänger, Land und Ritter genügsam kennengelernt und von Edeldamen Huld und Gnade zur Ueberfülle erfahren hatte, begannen ihn die Schnabelschuhc zu drücken, und das bunte Wams brannte durch sein linnen Hemd wie ein Nesselgewand auf seiner Haut. Er hatte jahrzehntelang an Turnieren und Kriegsfahrten Gefallen gefunden. Sein Judenherz ward aber all dieses Treibens nicht froh geworden und es sehnte sich nach Folianten. Er betrachtete sich im Spiegel und erschrak. Dann dichtete er seinen Schwanengesang vom langen Kleid, das er um seinen Leib schlagen und vom flirte, den er langwallend tragen wolle und von der Absicht, fortan als ״alter Jude“ zu leben. St!ßkind von Trimberg hat vor vielen Jahrhunderten ein Leben gelebt, symbolisch für unsere Zeit. Auch!vir habe׳!! gcnerationenlang Göttern gedient, die nicht unsere Götter, die. gar keine Glätter waren. Schnabelschuhe, HOfiingswams und oft auch Narrenkappe waren die äußeren Merkmale unserer ״Weltmannischkeit“. Bis wir plötzlich zur Erkenntnis gelangten, die einen aus Klarsicht, die anderen gezwungen, daß unsichtbar um uns lange Judengewänder flattern und weiße Bärte, ebenso virtuell, von unseren Gesichtern niederwallen. Viele von uns sehnen sich nunmehr, gleich Süßkind von Trimberg, als ״alte Juden“ zu leben. Süßkirid hatte es leichter. Er brauchte nur von den Ritterburgen niederzusteigen und in die engen Judengäßchcn seines Ghettos zu gehen, um wieder Heimat der Seele, vergessene, im Bewußtsein verdrängte Heimat zu finden. Wir aber suchen heute fertige Heimat in nächster Nähe vergeblich. Denn die Heimat der jüdischen Seele ist allüberall Ln der Galuth verfallen. Wir müssen uns neue Heimat schaffe־!!. Vorerst in uns, und eine in der Welt um uns. Wir lauschen der Kunde, daß in Ercz Israel eine neue jüdische Welt.der Wirklichkeit entsteht, nicht von uns gegründet, weil wir, als der Bau begann, in anderen Welten steckten. Dabei verloren wir uns und gewannen die gewollte Welt auch nicht. Wir müssen uns wiederfinden, wie weiland Süßkind von Trimberg. M. W, Die Romanze eines Volkes. Anläßlich einer Aufführung des historischen Schauspiels ,,"Die Romanze eines Volkes“ hielt der Führer der Liberalen Partei Englands und erste High Commissioner Palästinas, Sir Herbert Samuel, eine Ansprache, in der er u. a. erklärte, Palästina sei die Hoffnung de» deutschen Judentums. Das Güte, das die Juden in Palästina erfahren, werde ein Heilmittel sein für ihre Leiden. Breslau. Gründung eines Schlesischen Kulturbundes deutscher Juden. Ende September ist in Breslau dank der tatkräftigen Förderung durch einige kunstliebende jüdische Bürgcr der Schlesische Kulturbund deutscher J u - den ins Leben gerufen und zur Eintragung in das Vereinsregister beim hiesigen Amtsgericht angemeldet worden. Die Bestrebungen des neugegrtindeten Bundes sind im Prinzip die gleichen wie die des in Berlin bereits bestehenden Kulturbundes Deutscher Juden, und auch die Oeschlffsftihrang wird in engster Anlehnung an die Berliner Leitung gehandhabt werden. Neuerscheinungen jüdischer Musik Von Joachim Stutecbewsky, Wien. Df« nachfolgende Besprechung verdient besondere* Interesse angesichts des Umstandes, daß der Kulturbund deutscher Juden״ soeben mit seiner Serie von Konzerten beginnt. Leider, und man muß wohl auch sagen: unbegreiflicherweise, sind in dem bisher bekannt gewordenen Konzertprogramm die Werke moderner jüdischer Komponisten sehr zu kurz gekommen. Es ist daher willkommen, daß in dem nachfolgenden Aufsatz auf eine Reihe von Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Musik hingewiesen wird. Dies wird sicher auch die Konzertveranstalter dazu anregen, neben den klassischen, übernationalen Musikwerken ihr Augenmerk auch den Anfängen spezifisch füdischer Musik zuzuwenden. Red. Die Musik hat im Leben des jüdischen Volkes zwar seit jeher eine dominierende Rolle gespielt, als Kunst hat sie sieh jedoch verhältnismäßig spät eingestellt: Mehr als 30 Jahre musikalischer Produktion, die man als jüdische Kunstmusik bezeichnen darf, lassen sich kaum nachweisen. Den Gründen hierfür nachzugehen, Ist an dieser Stelle nicht beabsichtigt. Hier möchte ich nur einige der letzten Neuerscheinungen vermerken, di* wiederum zeigen, daß die begonnene Entwicklung nicht stUlsteht. Zur Besprechung liegen uns einige Instrumental-, Sologesangs- und Chorwerke vor. In den ״Variationen über ein palästinensisches Tanzlied“ für Streichquartett (auch für Streichorchester) vermag Israel ßranamann, ein junger und talentierter Musiker, in diesem frühen Werk noch nickt persönlich« Sülwerte auszuprägen, dock verfügt er bereit» über eine bemerkenswerte Schulung und einen ungewöhnlich feinen Sinn für Klangmischungen. Das ungemein lebendige, etwas zu lange Thema erscheint meistens in der ursprünglich melodischen Form, nur rhythmisch variiert Eine grundlegende Umgestaltung erfährt nur die siebente, akkordisch gefaßte, Variation und das sehr geschickt und wirksam aufgebaute Fugato, eine kontrnpunktiseh frei gefügte Verarbeitung des Tliemenmotivs. Diese Variationen zeigen Brandmanns Kunst, mit einfachem melodischen Material starke musikalische Eindrücke zu erzielen., Als Erstlingswerk eine starke Talentprobe. Seine 7. w ei Lieder nach Texten von B i a 1 i k ״Natof natfa hadim’a“ und ״Hachnissini taclint knafech“ erheben schon mehr Anspruch auf Originalität. Deklamatorisches und Melodisches glücklich vereinigend, gelangt hier ein« innige Und eindrucksvolle Interpretation der Texte zum Ausdruck, die durch die Gestaltung des Klavierpartes und im zweiten Liede auch durch die der Brutscheristimme wirksam unterstützt, wird. Die Lieder sind mit viel Würme und Empfindung geschrieben. In den ״Drei palästinensischen Hirtenweisen“ für gemischten Chor und Klavier von Brandmann handelt es sich um freie Bearbeitungen von Ilirtenweisen, die er in Palästina notiert hat. Hellhörig, von jüdischem Empfinden durchtriinkt, weiß Brandmann in den harmonischen Disziplinen und den Wirkungen des Chorsatzes Bescheid. Ohne Vor- und Zwischenspiele sind die Weisen in ihrer ursprünglichen melodischen Gestalt harmonisch gcfaßt und chormäßig gesetzt. Ir» ,,llaroeh“ (der Hirte) ist die Melodie dem Sopran gegeben und der Nachgesang a cappella, kanonisch geführt; in ״Schirat Nagamal“ (Lied des Kameltreibers) singt der Baß (Solo) die Weise, in Chor und Klavier akkordisch gestützt; in ״Sse ugdi“ (Lamm und Böcklein), das für den Chor einige technische Schwierigkeiten aufweist, ist das Motivische im Chorsatz kunstvoll verarbeitet, während das Klavier, kontrapunktisch bewegt, das Ganze untermalt und in Fluß hält. Diese drei Chöre werden sich bestimmt überall durchsetzen. Die weiter« Entwicklung Brandmanns, von dem noch ein großes Orchesterwerk ״Hechaluz“ im Manuskript verliegt, wird man mit besonderem Interesse zu verfolgen haben. Alle drei Werke sind im ״Jibneh“-Verlag erschienen. Die Zeit wäre jetzt gekommen nicht nur für die Pflege des Chorgesangs im allgemeinen, sondern auch für die Schaffung neuer Formen der synagogalen Gesanges im Die ״Jüdische Rundschau“ hat in den letzten Monaten ihre Leserschaft verzehnfacht. Sie bringt die י besten Informationen über jüdische Fragen, über Palästina, über die jüdischen Bewegungen unserer Zeit; sie ist eine Tribüne der Verteidigung jüdischer Ehre und jüdischer Existenz in der gewaltigen Geschichtswende unserer Zeit. Wer noch nicht zu un■ seren Abonnenten gehört, gebe sofort seine Besteilung auf! Die ״Jüdische Rundschau“ ist das beste Insertionsorgan, da unsere Leser auch den Inseratenteil mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Fragen Sie unsere Inserenten nach ihren Erfahrungen! besonderen. Unsere musikalischen Bestrebungen der Jetztzeit •ind ohne Zweifel geeignet, auch die synagogale Musik zu beleben und in neue Bahnen zu leiten. Die wiedererwachende Pflege de» Volkslied«» und des Chorgesanges im jüdischen Volke könnte für die Entstehung einer neuen synagogalen Muaik günstige Voraussetzungen schaffen. Ein unbestreitbares Verdienst von Lazar Ssaminsky, dem musikalischen Leiter des ״Tempel Eirmnu — El“ in New York, ist, die Idee aufgegriffen zu haben, durch Bestellung von neuen Kompositionen für den Gottesdienst dessen musikalisches Niveau wesentlich zu heben und darüber hinaus die synagogale Musik mit neuen, zeitgenössischen Werken zu bereichern. Das Komitee hat bis jetzt bei Jacobi, Achron und Bloch ein ״Sabbat Evening Service“ bestellt. Die ersten zwei Werke Liegen bereits vor, Blochs Komposition befindet sich gerade im Druck. Die Komposition von Frederick Jacobi (1931) bedeutet ein erstes Vordringen in dieses Gebiet. Es war nicht zu erwarten, daß ein Künstler, der zunächst aus einer ganz anderen Einstellung heraus komponiert hat, schon in seinem ersten jüdischen Werk den Charakter des Jüdisehen vollauf trifft. Bei aller Kunst, besonders in den Partien des Kantors und in der Satzweise der Chöre, fehlt der Tonsprache das unmittelbare Vertrautsein mit jüdischem Melos und den Kurven unserer Melismen. Aber das Werk verrät das Vorhandensein einer inneren geistigen Beziehung zum Judentum, so daß man erwarten kann, daß bei weiterem Eindringen in die Problem« der jüdischen Musik Jacobi zu wahrhaft jüdischer Substanz gelangen wird. Diese findet sich schon eher in dem Werk von Josef Achron (1832). Er ist mit den Neginnoth und der traditionellen synajgogalen Musik innig verbunden und konnte sich daher mit tiefer Inbrünstigkeit in »eine Aufgabe versenken. Auch Achrons Komposition umspannt rezitativartige Form für den Vorbeter und den vierstimmigen Chorsatz. Beide Form gruppen, unter denen die Solopartien die markantesten Akzente bilden und am jüdischsten wirken, finden sich zu• sammen. Es gelängt Achron, seiner ersten, ausgesprochen sakralen Schöpfung eine lebendige und moderne Gestalt zu geben. (Die letzteren zwei Werke sind erschienen hei Bloch, Publishing Comp. New York.) Dem durchschnittlichen Synagogenbesueher wird diese Musik beim ersten Hören viel• leicht fremd Vorkommen und er wird über diese ״Neubeiten“ den Kopf schütteln. Aber cs geht hier nicht um die persönlichen Meinungen und Empfindungen, es bleibt daher uninteressant, ob der Einzelne diese Musik ״schön“ oder ״nicht schön“ findet. Uns fehlt ja noch ein Maßstah nun Vergleichen. Zunächst geht es uns um die Erkenntnis der Sache, um den Umwandlungsprozeß innerhalb der syn• agogalen Musik und deren Erneuerung und Ausgestaltung. Mit der Zeit wird sich gewiß ein ganz neuer, eigener Stil heranbilden. Aus seiner Bühnenmusik ztt Schalom Alejchems ״Stern penju“ hat Achron drei Stück« (Suite) für Violine und Klavier bearbeite(. (Universal Ed.) und die Violinlitcralur un: ein dankbares und künstlerisch bedeutendes Werk bereichert Ein ganz echter Achron von melodischer Freudigkeit und rhythmischer Exaktheit. Man erkennt Einzelheiten besser wenn man die Zusammenhänge mit den übrigen Werker Achron» sieht. Das erste Stück, ״Stempenju spielt“, ist vor einer Kanlilenc voll verhaltener Traurigkeit und melodische! Breite, von einem milden Leuchten überglänzt, getragen. Be• schwingt geben sich die zwei folgenden Sätze, die mehr Phan■ tasie als formgebunden sind. Im ״Scher“ (Tanz) ein klm gegliedertes, volkslicdhaft gehaltenes, melodisches Element das in der Klavierbegleitung — in sichtbarer Anlehnung ar einen anderen ״Scher“ ans dem Jahre 1917 — figurativ be lebt und getragen wird; im ״Frejlachs“ gilt das Motiv! sehe nichts, rhythmischer Impuls und Gestaltung alles. De! Schwerpunkt liegt im Spielerischen, Konzertanten. Die vir tuoso Behandlung dar Solostimme, die brillante Steigerum und die rhythmisch« Auseinandersetzung mit dem Rest eine■ Molives zum Schluß des Stückes weisen auf die Grund züge von Achrons Musikcrpereönlichkeit hin. Achron is auf russischem Boden geboren, wcstetiropäiche Einflüsse km! zen wiederholt seine Wege, und man möchte glauben, da( diese divergierenden Eindrücke und Einflüsse aus ihm eine: zwiespältigen Künstler machen würden. Aber Achron ist, un geachtet gelegentlicher Abschweifungen und verschiedene! Anregungen, denen er zeitweise unterliegt, als Mensch um Musiker Urjud« geblieben. Eine heilige Pflicht bindet ilu an sein Volk und befruchtet sein Schaffen. Im Gegensatz zu Achron konnte sich Michael G nessi! erst allmählich von den Einflüssen der russischen Musik in der er aufwuchs, loslösen und »ich der jüdischen Musik allerdings erst nach einem eindrucksvollen Aufenthalt i! Palästina, hingeben. Jüdische Thematik tritt nunmehr inten siver in den Vordergrund, seine Kompositionen beginnen sic! zum eigenen Stil auszurcifen. Aus der Bühnenmusik zur Ko mödie Gogols ״Revisor“ hat er eine Suite für Orchester zu samrnengestellt unter dem Titel ״Jüdisches Orclieste auf dem Ball beim Bür germeiste r“. (Rusa. Staats verlag.) Die Musik charakterisiert im grotesken Ausdruci das Milieu dieses Provinzballes, die geschlossenen Einzel stücke (1 Begrüßung — Fantasie , II Quadrille — Polka Romanze, Vals« ,Gavotte, Petits pieds, Galop —) entspreche der Zeit, in der die Komödie spielt. Das Werk erhebt sic! über die flache Ebene einer üblichen Bühnenmusik. Es fehle! zwar große Steigerungen, Höhepunkte, dies ist durch di! Form der Tanzstücke bedingt, das Ganze wirkt jedocl konzertant und weist in Melodik und Rhythmik jüdische Profil auf. Eine Musikererscheinung von eigener Physiognomie is Michel S t i 11 m a n. Sein Kammermusikwerk, ״Pliantas!׳ über chassidisehe Themen“ für Klarinette, Streichquartett um Klavier (Jibneh-Verlag) ist zwar eine Zufallsblüte, reiht sic! aber nichtsdestoweniger unter die wenigen Werke diese Gattung der jüdischen Musikgegenwart. Ein Werk voll Farbe rhythmischer Verve und durchaus unsentimental. Die Um Schmelzung einiger folklorisf isch angehauchter Themen zu Kunstmusik ist ganz gelungen. Das sinnenhnft erschaut! Leben des Chassids, der neue Typus ihm eigener Bewegung* inipulse, ist mit kompositorischer״ Gewandtheit zum Aus druck gebracht. Die hier besprochenen Werke, so sehr jedes in de künstlerischen Individualität verwurzelt ist und somit c! Bekenntnis des einzelnen Komponisten darstellt, geben un doch Botschaft einer eigenen, jüdischen Volksgemeinschaf auch in der Musik. Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse unsere Zeit sind der KunstentWicklung im allgemeinen wenig günstif um wieviel weniger der spezifisch jüdischen Kunst. Mühsnr und verschlungen ist der Weg vom fertigen Werk bis 7: seiner Aufnahme in einem Verlag und der Drucklegung. Ma muß es verstehen, daß die großen Musikverleger sich heut abgeneigter als je zeigen, jüdische Werke herauszuhringer Was uns not täte, wäre ein finanzkräftiges eigenes Musikver lagsunternehmen, das neben seiner gewohnten Druiktütigkci durch Aufträge und Preisausschreiben die jungen jüdische Komponisten der Gegenwart zur Produktion bestimmte Werke, insbesondere zu Kammermusik und Chorwerken an zuregen suchte, was die jüdische Musik auf eine breitere un׳ einheitlichere Plattform stellen würde. Ein ״Wunschtraum‘ aber immerhin «in ZukunfUgedanke, der »einer Verwirk lichung in Palästina harrt.

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