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Jüdische Rundschau · 1933-10-11 · Heft 81-82 (11.10.1933) · p. Seite 639

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 81-82 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
Seite 639 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 81/82, 11. X. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 637 Feiertags-Beilage D er Tod Mose's Aus der Jüdischen Legende Am Simchas Thora-Fest (Freilag, 13. Oktober) wird in den Synagogen nach allem jüdischen Brauch der Turrms der alljährlichen Thora-Vorlesungen abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheil wird der Schluß des fünften Buches Mose’s und daran anschließend der Anfang des ersten Buches Mose’s zur Vorlesung gebracht. Fs ist ein besonders feierlicher Moment, der auch in entsprechenden Zeremonien seinen Ausdruck findet. Der Schluß des fünften Buches enthält bekanntlich die höchst merkumrdi ge Geschichte vorn. Tode Mose’s. Moses, der Führer und Lehrer des Volkes Israel, der das Volk aus Aegypten und durch die Wüste geführt hat, darf, wie in der Bibel berichtet wird, das verheißene Land nur von einem Berge aus sehen, aber nicht selbst das Land betreten. Die biblische Erzählung sagt dann, daß Moses, nachdem er das Land von weitem geschaut hat, auf dem Berge starb und zwar ״auf Geheiß Gottes“. Dieses Wort ״auf Geheiß“ (hebr. ״al pi”) bedeutet, wörtlich ״auf dem Mund“. An diesen Wortsinn hat die jüdische Legende, die den Tod Mose’s besonders reich um rankt, anyeknüpfl, indem sie die Stelle buchstäblich dahin deutete, daß Moses durch den ״Mund Gottes“, d. h. in einem Kuß Gottes, gestorben ist. Dieser Deutung scheint es auch zu entsprechen, wenn in der Bibel gesagt wird; ״Niemand kennt sein Grab bis auf den heuligen Tag.“ Ein spätjüdisches Buch am der Zeit, wo griechischer und jüdischer Geist sich zu einem neuen Ganzen zu vereinen begannen, die ,,Himmelfahrt des \foses“, läßt den Josua also zu Mose sprechen; ״Weleher Ort wird dich aufnehmen, welches Denkmal wird dein Grab bezeichnen? Alle Sterblichen erhalten je nach ihrer Größe Gräber auf Erden, aber dein Grab reicht vom Sonnenaufgang bis zum Untergang und von Süden bis zur Grenze im Norden. Die ganze Well ist dein Grab“ Wir glauben, vielen unserer Leser einen Dienst zu tarn, wenn wir im Zusammenhang mit der erwähnten Thora-Vorlesung am Simchas Thora-Fest die nicht in der Bibel enthaltene Volkslegende über den Tod Mose’s wieder geben. Wir halten uns dabei an die Fassung von Bialik in seiner Sammlung ״Sefer Agada". Die betreffende Stelle ist aus diesem Werk hier aus dem Hebräischen für die ״Jüdische Rundschau“ in etwas gekürzter Fassung übersetzt. Red. Als Mose sah, daß über ihm der göttliche Urteilsspruch ergangen war, daß er sterben mußte, da zog er einen Kreis, stellte sich hinein und sprach: ״Herr der Welt, ich gehe nicht hinweg von hier, bis du den Beschluß vernichtest". Er zog ein Trauergewand an, streute Asche auf sein Haupt und stand betend und flehend vor Gott, ... Er sprach vor dem Heiligen, gelobt sei er: ״Herr der Welt, du weißt es, wieviel Kummer und Mühsal ich zu dulden hatte, bis Israel an deinen Namen glaubte; wieviel Leid ich zu ertragen hatte, bis sie in der Thora und den Geboten geübt wurden. Da dachte ich: Nun gut, wie ich mit ihnen im Leid zusammen war, so werde ich auch in der Freude mit ihnen zusammen sein können — und jetzt, da der Augenblick der Freude gekommen ist, sprichst du zu mir: ״Du wirst nicht den Jordan überschreiten.“ (5. B. M. J, 27.) Da antwortete ihm Gott: ״Ein Be s c h 1 u ß ist es bei mir!“ Und Mose begann wieder: ״Herr der Welt, wenn ich nicht lebend in das Land darf, so bringe meine Gebeine hin, wie man es mit Josefs Gebeinen getan hat!“ Gott aber erwiderte: ״Mose, als Josef nach Aegypten kam, da verleugnete er sich nicht, vielmehr sagte er, daß er ein Hebräer sei; du aber, als du in Midjan warst, da gabst du dich als Anderen aus.“ Mose sprach: ״Herr der Welt, ־wenn du mich nicht nach Erez Jisrael hineinlassen willst, so lasse mich wenigstens unter den Tieren des Feldes, die Kräuter essen, Wasser trinken und dabei die Welt sehen, sei meine Seele diesen gleich.“ Gott antwortete ihm: ״Es ist genug. ... Mose, zwei Schwüre habe ich geschworen, den einen tat ich, um Israel zu vernichten, als es die Tat am goldenen Kalb verübte, und den andern über dich, daß du sterben sollst und nicht ins Land darfst. Den Schwur über Israel hob ich auf um deinetwillen, als du um Verzeihung batest. (4. B. M. 14, 9.) Jetzt willst du, daß ich auch den zweiten Schwur aufliebe? Das ist unmöglich! Wenn ich es tun soll, dann muß ich den andern Schwur lassen; wenn du diesen aufheben willst, dann bleibt der Schwur über dich.“ Als Mose, unser Lehrer, dies hörte, da sprach er vor Gott: ״Herr der Welt, möge Mose und tausend seinesgleichen zugrunde gehen, wenn nur keinem in Israel etwas zuleide getan wird. ..." In dieser Stunde sprach Gott zu Gabriel: ״Gehe und bringe die Seele des Mose.“ Da antwortete Gabriel: ״Herr der Welt, wie vermag ich den Tod dessen zu sehen, der 600 000 auf wiegt!“ Gott sprach zu Michael: ״Gehe und bringe die Seele des Mose.“ Da antwortete Michael: ״Herr, ich war sein Lehrer, er war mein Schüler. Ich kann ihn nicht sterben sehen.“ Gott sprach zu Semael: ״Gehe und bringe die Seele des Mose.“ Sofort nahm dessen Gesicht einen zornigen und grausamen Ausdruck an, er gürtete sich mit einem Schwert und ging zu Mose. Semael traf ihn beim Schreiben des heiligen öottesnamens, sein Gesicht leuchtete wie die Sonne; er selber glich einem Engel- Da fürchtete sich Semael vor ihm, und fand nicht den Mut, mit seinem Auftrag zu beginnen. Schließlich fing Mose selber an: ״Was willst du hier?“ Semael antwortete: ״Ich will deine Seele holen.“ — ״Wer hat dich geschickt?“ — Semael erwiderte: ,,Der Schöpfer aller Wesen.“ — Mose sprach: ״Geh weg von hier, denn ich bin mit dem Rühmen Gottes beschäftigt — und es steht geschrieben: ,Ich sterbe nicht, sondern ich lebe und rühme die Werke Gottes‘.“ (Rs. 118, 17.) — Da sagte Semael: ״Warum bist du so stolz? Gott hat andere, die ihn preisen; heißt es doch: ,Die Himmel erzählen von der Herrlichkeit Gottes'.״ (Fs. 19, 2.) — Mose antwortete ihm: ״Ich bringe die Himmel zum Schweigen und preise Ihn. — ,Höret, Himmel, damit ich rede; die Erde vernehme meinen Ausspruch‘.“ (Das ״Lied Moses“, 5. B. M. 32, 1.) — Semael antwortet: ״Alle Sterblichen sind meiner Herrschaft unterworfen.“ — ״Ich habe mehr Macht, als alle anderen Sterblichen. Schon als ich drei Jahre all war, da weissagte ich, daß ich einst die Thora aus dem Feuer her empfangen werde; ich trat damals in den Palast des Königs und nahm ihn: die Krone vom Haupt. ... Und als ich achtzig Jahre alt war, da verrichtete ich Zeichen und Wunder in Aegypten und führt« sechshunderttausend Menschen vor den Augen Aegyptens heraus. Ich spaltete das Meer in 12 Teile und nahm an dein Kampf der Engel teil. Deren Geheimnisse offenbarte ich den Menschen, ich sprach mit Gott von Angesicht zu Angesicht und empfing die Thora aus seiner Rechten und lehrte sie Israel — wer unter den Sterblichen vermag dergleichen zu tun? Fliehe hinweg von mir, ich gebe dir nicht meine Seele!“ — Sofort kehrte Semael zurück und berichtete Moses Worte dem Allmächtigen. — Da sprach der Heilige, gelobt sei er: ״Gehe und bringe die Seele des Mose!" Semael zog nun sein Schwert, ging und stellte sich wieder vor Mose hin. Dieser wurde sehr ärgerlich, er schlug ihn mit dem Gottesstabe in seiner Hand, bis Semael hinwegfloli. Da erscholl die Göttliche Stimme und sprach: ״Mose, die Stunde ist gekommen, du mußt sterben." — Mose rief vor Gott: ״Herr, denke doch an den Tag, da du vor mir aus dem Dornbusch dich offenbartest. Denke an den Tag, da ich auf dem Berge Sinai 40 Tage und 40 Nächte lang stand; jetzt verlange ich voll dir, daß du meine Seele nicht dem Todesengel auslieferst!“ Und die Stimme antwortete: ״Fürchte dich nicht, ich selber werde kommen, dich zum Sterben bereiten und dein Grab ebnen.“ Da sprach Mose: ״Warte, bis ich Israel segne, denn sie waren niemals mit mir zufrieden, •weil ich sie immer zurechtwiesund verwarnte.“ Er begann jeden Stamm einzeln zu segnen, doch als er sah, daß die Zeit nicht ausreichte — da faßte er sie alle in einem Segen zusammen. (Anspielung auf den ״Segen Moses“ in Deut. 33. — A. d. Red.) Darauf sprach er zu Israel: ״Viel Leid tat ich euch der Thora und der Gebote wegen an; jetzt aber: verzeiht mir!“ Sie sagten: ״Unser Lehrer und Herr: es ist dir verziehen.“ Und auch sie traten vor ihn hin und sagten: ״Mose, unser Lehrer, oft haben ־wir dich erzürnt, und viele Qual hast du ünseretwegen erdulden müssen:־ Verzeihe uns!“ — Er sprach zu ihnen: ״Es ist euch verziehen!“ Da ertönte die Göttliche Stimme und sprach: ״Gekommen ist die Minute, in der du von der Welt hinweggerafft wirst.“ Moses erwiderte: ״Gelobt sei der Name dessen, der lebt und ewig ist!“ Darm sagte er zu Israel: ״Ich bitte euch, wenn ihr in das Land kommt, dann gedenket meiner und meiner Gebeine und sprechet: wehe über den Sohn Amrams, der vor uns einherlief wie ein Roß, und dann sanken seine Gebeine in der Wüste dahin!“ Da ertönte die Göttliche Stimme und sprach: ״Gekommen ist die letzte Halbminute, da du von der Erde dahingerafft wirst.“ Mose erhob seine beiden Arme, legte sie auf seine Brust und sprach zu Israel: ״Seht her, dies ist das Ende allen Fleisches!“ In dieser Stunde bereitete sich Mose und heiligte sich wie die Seraphim. Und der Heilige, gelobt sei er, stieg von den höchsten Himmeln herab, um die Seele des Mose zu nehmen, und die drei Engel des Dienstes, Michael, Gabriel und Sagsegel, umgaben ihn. Michael bereitete das Bett für Mose, Gabriel legte ein Tuch von weißem Linnen zu seinen Hämten und Sagsegel zu seinen Füßen. Dann stellte sich Michael auf die eine Seite und Gabriel auf die andere Seite. Der Herr sprach zu Mose: ״Mose, schließe deine Augen“ — und er schloß sie. — ״Lege die Hand auf dein Herz“, und er legte sie auf das Herz. — ,,Lege deine Füße zurecht“, und er tat auch dies. Nun rief Oott die Seele des Mose. Er sprach zu ihr: ״Mein Kind, 120 Jahre habe ich für dich den Körper des Mose bestimmt. Nun ist die Zeit um; gehe heraus, säume nicht!“ — Und die Seele antwortete: ״Ich weiß wohl, daß du der Herr aller Seelen bist, du hast mich geschaffen und mich in den Körper des Mose getan. Nun aber sage ich: Gibt es einen reineren Körper in der Welt als seinen? Ich liebe ihn und will nicht hinausgehen!“ —■ Der Heilige, gelobt sei er, sprach: ״Komm heraus, ich führe dich hinauf in die höchsten Himmel, und setze dich unter den Thron meiner Herrlichkeit, neben die Seraphim und Cherubim!“ In dieser Stunde küßte der Heilige, gelobt sei er, den Mose, und hob seine Seele in diesem Kusse. Bibliographie des jüdischen Buches. In den nächsten Tagen beginnt unter dem Titel ״Bibliographie des jüdischen Buches“ eine Vierteljahrsschrift zu erscheinen, iri der alle Erscheinungen auf den Gebieten Judaica und Hcbraica, sowie Grenzgebiete systematisch bibliographisch und Inhaltlieh erfaßt werden. Die Zeitschrift wird ein wichtiges Hilfsmitte! nicht nur für den Fachmann (Bibliotheken, Theologen und Orientalisten) darstellen, sondern für jeden gebildeten Juden, der sich jeweils über alle Neuerscheinungen orientieren will. Die Zeitschrift kostet pro Nummer 2,50 M. und ist durch alle Buchhandlungen oder direkt vom Verlage Joel Sänger, Frankfurt a. M,, Herderstr. 30, zu beziehen. Vorträge Ober jüdische Musik. Unsere Mitarbeiterin Frau Alice Jacob-Loewenson hat, wie uns mitgeteilt wird, in der letzten Zeit in verschiedenen Städten Hollands Vorträge über jüdische Musik gehalten, die überall großes Interesse und Anerkennung fanden. Frau Loewenson wird demnächst auch in Antwerpen und Paris über dasselbe Thema sprechen. Der 126. Psalm Deutsch von Martin Buber Als ER kehren lieh die Kehrenden Zions, waren wir wie Träumende worden, Lachens voll war da unser Mund, unsere Zunge Jubels, man sprach in der Stämmewelt da; ״Grofe hat ER an diesen getan!" Grob hatte an uns ER getan, Fröhliche waren wir worden. Lasse, DU, uns Wiederkehr kehren, wie den Bachbetten im Dürrgau! Die nun säen in Tränen, im Jubel werden sie ernten. Er geht und weint itn Gehn, der austrägt den Samenwurf, im Jubel kommt einst, kommt, der einträgt seine Garben. (ln den Nöten der Zeit nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil gedenken die Heimgebrachlen des Jubels der ersten Stunde in der neugeschenklcn Heimat und beten um die Vollendung der Geschichfswende, um die ,Wiederkehr' der einstigen Herrlichkeit, wie in die nusgedörrten Wadis das Wasser wiederkehrt.) Aus dem Drama: ״Alenu" Von Josef S c 1, 1. 1 s i n g e r. Anw. der Red.: (.’eher das Drama ״Alenu“ des Iranzösisch-jüdischen Dichters Josef Schutsinger haben wir eine Besprechung veröffentlicht. Wir veröffentlichen nachstehend zwei Monologe daraus. Voran geht ihnen die Entdeckung des jungen und sehr bchchrungseifrigcn Priesters Casimir, daß er selber Jude ist. Casimir (beiseite): Also ich — ich bin auch ... Jude ... auch . .. Jude ... das unruhige Blut, das in mir rollt ... es rollte in den Adern von Propheten und Märtyrern, die gelebt und gelitten haben; die gestorben sind für ... wofür? ... Für jenes unbekannte Etwas, das mich verbrennt, das mich zerfrißt, meine Seele zerwühlt? ״., ... Ich sehe ... ja ... ich sehe ... ich beginne zu begreifen_aber es geht zu schnell ... zu schnell ... — Halt ein ... — Welch blendendes Licht durchströmt mein Wesen, welche leuchtende Helle durchdringt mich und zerstreut die Wolken meiner Bangigkeit? ... Wie die aufrührerischen Zweifei schmelzen, sich lösen in der einen, klaren Antwort: Weil du Jude bist! Weil du Jude bist! ... Und das wollten sie mir verbergen! ... Wer hat sich das Recht angemaßt, in enge Kanäle einzufangen, was Gott viel-!eicht dazu bestimmt hatte, ein Strom zu werden? Mit welehern Recht hat man meine Seele gefälscht, mich tödlichen Gefechten preisgegeben zwischen mir und einer unbekannten Seele; zwischen meiner eigenen Seele und einer, die man an ihre Stelle gesetzt hat? ... Wie muß mein Vater beschaffen gewesen sein, daß er es wagen konnte, mich meiner selbst zu berauben? Ach! Vater, du hast mir nur die Wassertaufe geben können, aber wer, außer Gott, konnte mir die Taufe des Blutes geben? Welche Transsubstantiation hätte wohl dieses Wunder zustande gebracht? ... Acli, ich begreife cs und ich fühle es: ich hin so geblieben, wie ich von der Mutter kam und wie unbekannt(• Ahnen mich gezeugt hatten. Ihre Unruhe habe ich mit auf die Welt gebracht, ihren Durst nach Rccl!t und Wahrheit, diesen Durst, den kein Wasser löschen kann, sei es auch von Gott ״eweilit1 ... Vater, Vater, wenn du mich mir selber 11;* -st int fremden wollen, wenn du mich hast ausreißen wollen aus der Wurzel unserer Vater, warum hast du dann nicht anderes Blut 111 meine Adern geträufelt? Welch strahlendes Licht, welch blendende Melle! Das es, was 3!uidi trieb, ihnen einen ״Ci'ott zu geben? ich Narr, der selber keinen hatte! ... War denn überhaupt ein Gott in mir? Ein Jeder hat doch seinen Gott, den Gott seines Blutes, den Gott seines Innern und nicht der kann mein Gott sein, der mir fremd ist! Nur der Gott, der mir zugeliört, existiert für mich, denn mit Ihm im Herzen ward ich geboren! ... ja, es wird mir klar, ich durchschaue es ... als ich erfuhr, was ich bin. wußte ich, wer ich bin ... Nun werde ich nicht mehr irren, denn mein Blut weist mir den Weg ... Du sinnlosfinstrer Narr, der diese frommen Seelen peinigte, der mich zwang, ihre Wesenheit zu andern, wo doch mein Wesen — wenn auch mir unbewußt — sich niemals ändern konnte! Denn welcher Sterbliche vermag den Lehm zu formen, dem der göttliche Töpfer sein Gepräge gab? Karin man den Lehm noch kneten, der schon hart geworden ist? Wie alles in mir klar geworden ist! ... Und ich, der Juden-So-hn — der Juden unwürdiger Nachkomme — ich, der ich Gott gesucht habe, ich habe mit meinen Händen eine Jungfrau aus Israel entführt. Ich, selber ohne Gott, habe ihr einen Gott aufdrängen wollen, der nicht der ihre war und der auch mir fremd ist! ... Ach! /um Instrument welch grausanier Verfolgungen ward ich gemacht! ... Coadjutor (beiseite): Er rast bei ,klarem Verstand. Der Wahnsinnige glaubt sich gerettet und stürzt blindlings ins Verderben! Casimir: Weich Wallen in meinem Blut! ... Was tun? was tun? ... Wahrheit! ,Wahrheit! ... Man muß sie herbeischrein! ... Vor aller Augen muß ich den gleißenden Trug von meiner Seele reißen f Der hellen Sonne muß ich mich aussetze«!! Ich muß es hcrausschrein, wer ich bin! Ich muß es hcrausschrein, wer ich bin! Ich muß ... (Er stürzt zur Tür.) Coadjutor (versperrt ihm: den Weg, beherrscht sich): Du kommst nicht mehr heraus. Casimir: Ich muß! Es muß sein! Coadjutor (erhebt das Kruzifix): Vae homini per quem scandalum venit! Casimir: Mein Vater, es muß sein! Coadjutor: Ich bin für dich kein Vater mehr und du bist für mich kein Sohn mehr! Casimit: Es muß sein! Ich muß fort!

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