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Jüdische Rundschau · 1933-10-11 · Heft 81-82 (11.10.1933) · p. Seite 638

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 81-82 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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Seite 636 jodische Rundschau Nr. 81/82, 11. X. 1933 Ansiedlung von Akademikern und Kautleuien Von Dr. Walter Kahn, Tcl-Awiw Von den sogenannten ״Kapitalisten", die seit einem halben Jahr aus Deutschland einwandern, besteht die überwie- (?ende Zahl aus Aerzten, Rechtsanwälten, Ingenieuren und Kaufleuten. jeder, der sich auch nur kurze Zeit im Land umgesehen hat, sieht ein, wie problematisch und aussichtslos die Weiterführung seines, in Deutschland ausgeübten Berufc-s, ist. Bei der ganzen Konstruktion des Landes wird einem Jeden in kürzester Zeit klar, daß nur die landwirtschaftliche Siedlung auf die Dauer gesicherte Existenz und aus reichende Arbeitsmöglichkeit geben kann, daß die sogenannten freien Berufe liier schon überfüllt sind; und datt selbst der, der das Glück und die Fähigkeit hat, 1m Anfang scheinbar in seinem Berate eine Existenz zu finden, durch den geringsten Rückschlag bald in eine schwierige Situation kommen wird. Trotzdem gehen die meisten den Weg des geringsten Widcrstandes und versuchen es mit ihrem aiten Berufe, bei dem keine ״Umstellung“ nötig■ ist. und in dem man bei der allgemeinen Unsicherheit der Vernältnisse wenigstens etwas Halt und Sicherheit zu haben glaubt. Alle diese Menschen sehen ein, daß ihr sogenannter freier Beruf fast aussichtslos ist. Aber sie haben Angst vor der landwirtschaftlichen Kolonisation, weil sie davon nichts verstehen; weder wissen, ob ihr Geld ausreicht, noch ob sie die physischen Kräfte zur Arbeit auf• bringen, noch ob sie diese neue Lebensform seelisch ertragen können. Man könnte hier einwenden, daß durch die Einwanderung der deutschen Juden keine neue Situation eingetreten ist, daß hier ein Problem ־zu lösen ist, was schon immer in Erez Israel bestanden hat. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß es sich bei der deutschen Mittelstands- Ali ja 11 um sehr verwohnte Menschen handelt, die einen freudigkeit und Tuditi'g'hcit waren,’ und von l'lau‘8 aus eine gewisse Angst davor haben, Dinge, die sie nicht verstehen, zu betreiben. Aul'.erd ein kommen sie mit sehr wenig Geld. Denn 1000 pal. Pfund für einen Kapitalisten, der aut sich allein angewiesen ist, ist eine lächerlich kleine Summe. Die immer wieder erscheinenden sehr verdienstvollen Ausfülirtingen von autoritativer Seite (Ruppin usw.), wieviel Geld für eine bestimmte Wirtschaft notwendig ist, und wie das Geld investiert werden soll, genügen nicht, um diesen Menschen, die wie ich wiederholt festgestellt habe, sehr gern aufs Land möchten, den Weg dazu zu ebnen. Ich muß nochmals betonen daß es sich in den meisten Fällen um Familien handelt, dal! weder der Mann noch die Frau eine Ahnung von der Landwirtschaft, von ihren Schwierigkeiten, von dem Leben auf dem Lande haben, daß sic nicht‘wissen, ob sie die piiysisrlicn Kräfte besitzen, einen solchen Beruf auszuüben, daß sie nicht wissen, ob sie seelisch einem solchen Landleben gewachsen sind, daß sie keine Ahnung haben, wo sie Boden kaufen sollen, ob der Roden etwas taugt und viele andere Fragen. Ich kenne den Gedanken der bürgerlichen Kleinkolonisation aut dem Boden des N.-F. in der Haifa- Bay. Hier sind alle Schwierigkeiten zu überwinden, wie -bei jeder Einzelsicdluiig. Der Vorteil liegt trur in der nahen Verbindung mit der Stadt, eine Situation, die viele gar nicht einmal gerne wollen. Wenn auch hier der Boden nicht j!ekauft werden muß, so bilden die sofort notwendigen Investicrungen eine so erhebliche Ausgabe, daß in den meisten Fällen das ganze Kapital verschlungen wird und kein anderer . Weg mehr übrig־ bleibt, als auf ״Gedeih und Verderb“ für 'alle Zeit sich dieser Sache hinzugehen. Also in der Haifa- Bav-Kolonisafion werden nach meiner Meinung die wichtigsien Fragen für den Einzelsiedler, der als Großstadtmensch aufs Land will, gar nicht berührt, sondern nur ein Kompromiß zwischen Land- und Stadtleben geschaffen. Ich halte cs fur dringend erforderlich, unabhängig von der Haifa-Bay-Siedhmg, einen neuen Weg zu finden, um Akadet triiker und KaufIcule auf dem Land anzusiedclii. Ich möchte diese Form, wie ich mir den Weg zur Siedlung für diese Menschen denke, ״bürgerliche K w 11 z a h“ nennen. Ich habe den Gedanken schon vor zwei Jahren, als ich das erstemal im Lande war und nach Deutschland zurückkehrte, in verschiedenen Kreisen geäußert, besonders als ich mich für die Mitfelstands-Aliiah theoretisch und praktisch cingcsetzt habe. Ich habe mir damals, bei meiner ersten Studienreise im Lande, immer wieder vorgesfellt, auf welche Weise es mir, als Akademiker Mitte der -!(;er Jahre, am leichtesten würde, aut dem Lande zu siedeln. Und ich bin zur lieber- Zeugung gekommen, daß die Kwu/ah nicht nur für junge, aus nicht landwirtschaftlichen Kreisen kommende Menschen die beste Form für die Umstellung und Eingliederung in den landwirtschaftlichen Beruf ist, sondern daß gerade für ältere Menschen das Prinzip der beschränkten Arbeitszeit, der pc• gensritigen Hilfe, der Möglichkeit der individualisierter! Arbeit und die Befreiung der Sorge ums tägliche Leben imentbehrliche Vorausetzung bedeutet, die schwere Umstellung zu wagen. Es handelt sich hier natürlich nicht um irgendeine politische Stel!m1־״nahme zur Form der Kwuzah, sondern lediglieh um die Frage der geeignetsten Wirtschaftsform, um zu einer nutzbringenden landwirtschaftlichen Tätigkeit zu gehngen. Gerade die Einzelsicdl ung hat im Gegensatz zur Kwuzah für den Anfänger, und beson־ ders für den älteren Menschen, der nichts von der Landwirtschaft versteht, die Gefahr der physischen und seelischen U e b c r I ast ur g. Alle Fehler, die er macht, muß er ganz allein tragen. Es gibt so gut wie kaum die Möglichkeit gegenseitiger Hilfe, leine Möglichkeit, Rücksicht zu nehmen auf individuelle Fähigkeiten und besonderes Interesse an einzelnen Arbeitszweigen. EHe Sorge um die Lukrativität des Betriebs, die Sorge 11m Haushalt und Verpflegung, um die Kinder, lastet in voller Schwere auf der Familie, ganz unabhängig von der Umstellung auf die neue Arbeit. Ernstere Erkrankung eines Famüienmitgliedes wirft die siedelnde Familie um Monate zurück. Das ist ein für diese Menschenschicht fast unerträglich schweres Leben, das ein zu großes Risiko für den Einzelnen in sich birgt. Deshalb die Angst vor dem Siedeln auf dem Lande. Ich mache folgenden praktischen Vorschlag: Gruppen von etwa 200 Familien tun sieh vorläufig in eine Kwuzah zusammen. Ich halte dabei die große Kwuzah, in der Ausdehnung von Ain Charod, für geeigneter als die kleine Kwuzah, und zwar aus folgenden Gründen: altere Mensehen sind weniger geeignet zu persönlichem Zusammen- Schluß, zu einer innigen Lebensgemeinschaft, wie sie die kleine Kwuzah verlangt. Bei der großen Kwuzah bleibt es bei der Organisationsform, ohne voa den Menschen zu viel persönliche Beziehungen zu fordern, Aeltcre Menschen, die schon so lange ihr individuelles Leben geführt haben, sind meistens nicht fähig, eine Lebensgemeinschaft im Sinne der Kwuzah zu bilden,‘während die Kolonisationsform der Kwtizah ihnen große Vorteile bringen kann. Es handelt sich ja zunächst nur um eine Form, die aus Nützlichkeitsgründen und nicht aus inneren Gründen gewählt ist. Diese Familien, etwa 200 an der Zahl vereinigen ihr Kapital k EP. 1000. Das gibt ein Oründtmgskapifal von £P 200000. Hierzu wird ihnen entweder durch die vorhandenen Banken oder aus den Fonds zur Ansiedlung der deutschen Juden unter Umstinden in der gleichen Höhe ein Kredit gewährt Inwieweit Wer noch weitere Hilfe einaetzea müßte, gerade von seiten der neugeschaffenen Organisation für die An&iedhmg der deutschen Juden soll hier nicht untersucht werden. Es wird ihnen Land zur Verfügung gestellt, entweder von dem Keren Kajemeth in Pacht oder tu billigen Kaufpreis. D s s Land wird zunächst 2 Jahre gemeinsam und ungeteilt bewirtschaftet. Es werden zunächst nur möglichst billige und provisorische Gebäude errichtet, die später wieder abgebrochen werden können. Küche, alle Haushaltungsbedürfnisse werden gemeinsam geführt, die Kinder werden gemeinsam erzogen und unterrichtet, und zum Teil, soweit sie älter sind, schon in die Arbeit eingestellt. I>ie Kwuzah nimmt sich einen erstklassigen Instruktor und Oekonotnen und soviel an Hilfskräften als notwendig ist, um jeden einzelnen ordentlich auszubilden. Hier kämen auch ältere und gut ausgebildete Chawerim bestehender Kwuzoth als Lehrer in Betracht. In diesen 2 Jahren wird sich heraussteilen, wer von diesen einzelnen Familien geeignet ist zur Landwirtschaft oder nicht. Diejenigen, die einigermaßen Sinn und Talent haben, werden genügend ausgebildet sein, und es kann dann also nach 2 Jahren an eine endgültige Verteilung des Bodens in Einzelparzellen gedacht werden, vielleicht in der Form des Moschaw Owdim, so daß an einer Ecke des Bodens die Häusersiedlung entsteht und daß der andere Boden in irgendeiner Form rufgeteilt wird oder Stücke, wie Pardessim, gemeinsam bearbeitet werden. Es muß nach 2 Jahren jeder Farnilie noch freistelien, aus der Kwuzah austreten zu können und ihre £P 1000, evtl, mit Abzug der in dieser Zeit verbrauchten Lebensmittel usw. zurückzuerhalten. Die Anteile der Ausgetretenen können entweder von den Uebriggebliebenen übernommen werden oder es können neue Familien in die Kwuzah aufgenommen werden. Das ist jm wesentlichen das Gerippe meines Vorschlags. Genaue Ausführungen möchte ich heute in dieser kurzen Anregung nicht geben. Ich halte es aber für notwendig, daß die verantwortlichen Stellen sich sofort mit diesem Plan befassen, und den Versuch machen, ihn zu realisieren. Dabei ist es nicht notwendig, daß hier gewartet wird, bis Geld genug gesammelt ist. Ich fürchte, das wird noch sehr lange Zeit nehmen. Dieser Plan, den ich hier vorschlage, kann sofort aufgegriffen werden. Die Unterstützung, die noch kommt, kommt dann immtner noch rechtzeitig. Aber jetzt zu ■warten ist geradezu gefährlich. Täglich bringen die Schiffe neue Einwanderer, die immer wieder in falsche Richtung getrieben werden, den Lebensstandard des Landes ins Luxuriöse hinatifschrauben, weil sie mit ihren Geschäften im Berliner Stil Bedürfnisse erwecke^ wozu hier keiner Geld hat und damit die ganze ökonomische Basi ן des Landes verschieben und in eine kritische Lage bringen. Die Vollstreckung deutscher Urteile in Palästina Im Zusammenhang mit der verstärkten Einwanderung deutscher Juden nach Palästina ist in den letzten Monaten zuweilen die Frage aufgetaucht, ob Urteile deutscher Zivilgerichtc in Palästina vollstreckbar sind. Die Frage ist in gleicher Weise für den auswandernden Schuldner wie für den zurückbleibenden Gläubiger wichtig. Der auswandernde Schuldner will wissen, ob er auf Grund von Urteilen, die in Deutschland gegen ihn ergangen sind. In Palästina 131 An- Spruch genommen werden kann, der Gläubiger, ob er gegen einen jetzt in Palästina wohnenden Schuldner, der Seih Vermögen mitgenommen hat, dort auf Grund von hier erwirkten Urteilen vorgehen kann. Die Frage ist weiterhin im Hinblick auf den Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und Palästina wesentlich fiir Parteien, die im Falle etwaiger Streitigkeiten die Zuständigkeit der deutschen Gerichtc vereinbart haben. Das palästinensische Recht sieht die Möglichkeit vor, ausländische Urteile durch palästinensische Gerichte in einem vereinfachten Verfahren für vollstreckbar zu erklären, Wesentlieh ist, daß in diesem Verfahren das Bestehen des An- Spruches nicht mehr nachgeprüft, sondern als durch das ausländische Urteil festgestellt angesehen wird. Das Verfahren ist durch ein Gesetz vom 20. Februar 1928 geregelt. Eine derartige Vollstreckbarkeitserklärung erfolgt aber nur, wenn die Gegenseitigkeit verbürgt ist, d. h. Voraussetzung der Vollstreckbarkeitserklärung deutscher Urteile in Palästina ist die Anerkennung palästinensischer Urteile in Deutschland. Soweit bekannt, haben die höheren Gerichte Deutschlands bisher keine Gelegenheit gehabt, zu der Frage der Anerkennung palästinensischer Urteile in Deutschland Stellung zu nehmen. Jedoch ist die Rechtslage Palästinas in diesem Punkte genau die Englands. Nach englischem, und paläst!- nensischcm Recht können nur auf ״debt or liquidated sum of nioncy“ lautende Urteile für vollstreckbar erklärt verden; außerdem ist die Vollstreckbarkeitserklärung zu verweigern bei betrügerischer Erschleichung des Urteils, aus Gründen der öffentlicher! Wohlfahrt und in jedem anderen Falle, in dem es gerecht und angebracht erscheint. England und Palästina behalten sich also die Nachprüfung deutscher Urteile vor; infolgedessen wird englischen Urteilen in Deutschland nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts die Anerkennung versagt, ln gleicher Weise würde also wohl auch Urteilen palästinensischer Gerichte in Deutschiand die Anerkennung versagt werden, da palästinensische Urteile kaum besser behandelt werden dürften als englische. Die Folge der Nichtanerkennung palästinensischer Urteile ln Deutschland ist, daß Orteile deutscher Gerichte in Palästina nicht für vollstreckbar erklärt werden können. Der deutsche Gläubiger muß daher, wenn er in Palästina vorgehen will, dort nochmals klagen, ln diesem neuen Verfahren kann der Schuldner erneut alle Einwendungen erheben, selbst, wenn sie in dem früheren Prozeß als unbegründet zurückgewiesen wurden. Das palästinensische Gericht muß sie trotz der widersprechenden Entscheidung des deutschen Gerichts einer Prüfung unterziehen. Die Frage der Vollstreckung deutscher Urteile in Palästina ist also derzeit negativ. Advokat Dr. Zysmann, Tel-Awiw. ,,Vereinigung für das religiös-liberale Judentum“. Die Vereinigung fiir das liberale Judentum hat am 2. Oktober eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten, in der einstimmig beschlossen wurde, den Namen der Vereinigung in ״Vereinigung für das religiösliberale Judentum“ umzuändern. Es wurde betont, daß durch die Wahl dieser Be- Zeichnung die Verbindung mit der Geschichte der Organisation aufreclifcrhalten, gleichzeitig aber klargcstellt werde, daß die Organisation mit allgemeiner Politik nichts zu tun hat, sondern lediglich die geist es geschichtlich und theologisch bestimmte Bewegung des religiösen Liberalismus vertritt und fördert, wie sie dies in ihrer ganzen nunmehr ein Vierteljahrhundert umfassenden Geschichte getan hat. Die Untersuchung im Arlosoroff>Mordfail Jaffa, 8. Oktober. (J. T,-A.) Bei der letzten Vernehmung Stavsky« vor dem Jaffaer Richter Bodilly kam es zwischen dein Vertreter der Anklagebehörde Shitrit und dem Beschuldigten zu einem Frage- und Antwortspiel über den von Stavsky versuchten Alibinachweis. Stavsky stellte an Staatsanwalt Shitrit die Frage, ob Beweise dafür vorl&gen, daß er nach, dem Mord in Tel-Awiw auf der Fahrt nach Jerusalem gesehen worden sei. Staatsanwalt Shitrit gab zu, daß er hieriür Beweise nicht besitze, erklärte aber, es lägen sichere Beweise dafür vor, daß Stavsky in der Moidnacht in Tel-Awiw gesehen wurde. Als Richter Bodilly eine Anzahl von Fragen Stavskys, u. a. die, ob Dr. Ariosorolf einen Waffenpaß gehabt habe, nicht zuließ, lehnte Stavsky unter Protest die Beantwortung weiterer Fragen der L'ntersucliungsführer ab. Richter Bodilly ordnete an, daß dem Gerichte die Kleider vorgelegt werden, die Dr. Arlosoroff am Tage seiner Ermordung getragen hat. Dann stellten die Beschuldigten Rosenblatt und Achi Meir Fragen an den. Vertreter der Anklagebchördc, wobei Achi Meir Auszüge ans Schriftstücken verlas, in denen er sich gegen terroristische Melhoden und für friedliche Behandlung politischer Fragen einsetzt. Das Verhör wird am Dienstag, dem lü. Oktober, fortgesetzt. Ueber den Alibinachveis, den Stavsky anläßlich seiner Vernehmung am 29. September versucht hat, liegt nunmehr ein genauer Bericht vor, Stavsky stützte sich hierbei hauptsächlich auf die Aussagen des vor etwa einem Monat verstorbenen Jerusalemer Hoteliers Raphael Ttargeman, in dessen Haus er die Mordnacht verbracht haben will. Staatsanwalt Shitrit sprach sich gegen die Zulassung nicht beschworener Aussagen eines Verstorbenen als Beweismittel in einem gerichtlichen Verfahren aus, Stavsky jedoch bestand auf Berücksichtigung dieser Aussagen, d'ic für ihn von vitaler Bedeutung seien, da durch sie sein Alibi einwandfrei 11 ach gewiesen werde. Hiera!:! äußerte sich Stavsky über die verschiedenen dem Gericht!־ vorgelegtea Identifizicrungsberichte. Er erklärte, Frau Arlosoroff habe niemanden erkannt, In einem der Identifizierungsberichte hieß es, Turgeman und seine Tochter halten Stavsky als eine der Personen identifiziert, die in der Mordnacht in' Hotel Turjeman geschlafen haben. Zum Abendbrot sei Stavsle ausgegangen, weil Turgeman keinen Restmirationsbetricb hatte. Turgeman hat übrigens in dieser Sache zwei einander widersprechende Aussagen gemacht. In seiner ersten erklärte er, er habe Stavsky mit Sicherheit als den Man!! erkannt, der am Freitag Abend um 8 Uhr sein Zimmer au fr sucht habe und in diesem die ganze Nacht geblieben sei, bis Turgeman am Sonnabend morgens um 6 Uhr 30 zur Synagoge gegangen sei. In seiner zweiten Aussage konnte Turgemann diese Behauptung nicht mehr mit Bestimmtheit aufrechterhalteil. Es entspann sich sodann zwischen dem Richter und dem Anklagevertreter eine Auseinandersetzung über den Verbleib eines arabischen Chauffeurs, der mit Stavsky im Hotel Turgeman gewesen sein soll. Turgeman hatte angegeben, daß sich am Freitag abend im Zimmer 5, das Stavskv bewohnt^ auch die beiden Arbeiter Moses Mandelbaum und Jakob Friedman befanden. Ata Sonnabend Morgen aber habe er auf den! vierten Bett dieses Zimmers einen arabischen Chauffeur sitzend vorgefunden, den er am Abend zuvor im Zimmer 7 untergebracht hatte. Vermutlich werden die beiden jüdischen Arbeiter voa der Verteidigung als Zeugen geführt werden. Der arabische Chauffeur jedoch, dessen Aussage ein wesentliches Glied in der Beweiskette bilden müßte, ist unauffindbar. Auch bezüglich dieses Mannes widersprechen einander die leiden Aussagen Turgcmans. Jerusalem, 0. Oktober. (J.T.A.) Von den 14 Revisionisten, gegen die eine Untersuchung wegen Geheimb ü n d e i c i eingeleitet wurde, werden sich sieben vor dem nächsten Assisengcricht (periodisches Geschworenengericht) zu verantworten haben. Die übrigen sieben wurden auf freien Fuß gesetzt. Die Mörder von Nahalal verurteilt Jerusalem, 9. Oktober. (J.T.A.) Das Kreisgericht von Haifa hat zwei der wegen des Bombenanschlags gegen den jüdischen Kolonisten Jncofay in Nahalal angeklagten Araber zum Tode •verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, zwei mangels von Beweisen freigelassen. Die Witwe des Ermordeten verzichtete auf die Auszahlung der von ihr aus formalen Gründen geforderten Entschildigungssumme von 400 Pfund. Die Angeklagten hatten versucht, ein milderes Urteil dadurch herbeizufüliren, daß sic erklärten, sie hätten die Tat aus politischen Motiven begangen. Im Verlauf ihrer Verantwortung mochten sie bcmerkenswerte Angaben über eine terroristische a r a - bische Organisation, der sie angeblich angehört haben und deren Mitglieder es sich zum Ziel gesetzt hätten, Juden zu ermorden. Es kam auch ein Polizeibericht zur Verlesung, in dem mitgeteilt wird, daß anläßlich einer Haussuchung in dem bei Nazareth gelegenen Hauptquartier dieser arabischen Geheimorganisation eine schwarze Liste von Namen jüdischer Persönlichkeiten gefunden wurde, die in nächster Zeit Anschlüge! zum Opfer fallen, sollten. Unter anderem enthiell diese Liste den Namen des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Haifa, Lew in. Die Terrororganisation wurde im letzten Jahre gegründet und umfaßte 90 Mitglieder. Der Gerichtahcf kam zu dem Beschluß, daß ungeachtet dieser Tatsachen die Ermordung de» jüdischen Kolonisten und seines zehnjährigen Sohnes nicht als politisches, sondern als g e ־ meines Verbrechen zu beurteilen sei. Spanien und die Juden, In einer vor dem Plenum der Völkerbtmdsversammlung gehaltenen Rede erklärte der Vertreter Spaniens im Völkerbund, Senor Modariaga, der Vorsitzende der Politischem Kommission, u. si.: ״Im Iliublick darauf, daß die Judenfrage jetzt zur Debatte steht, halte ich es für meine Pflicht, im Namen Spaniens zu erklären, daß wir uns durchaus der Tatsache bewußt sind, daß die edle jüdische Rasse der spanischen Nation hervorragende MänneT geschenkt hat, die große Leistungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, clor Medizin, der Staatswissenschatten und auf anderen Gebieten vollbracht haben.“ Beachten Sie unseren Inseratenteil

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