Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 81-82 (11.10.1933)
- Date
- 1933-10-11
- Page
- Seite 635 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653805--24196-2687133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 81/82, 11. X. 1933 jüdische Rundschau Seite 633 Judenrepublik — und der Ausweg Dr. Johann von L cers, der bereits mehrmals in scharfen antisemitischen Schriften an die Oeffentlichkeit getreten ist (es sei nur an das in den Bahnhofs-Buchhandlungen ausgestellte Buch: ״Juden sehen Dich an“ erinnert), hat jetzt wieder ein größeres Werk vorgelegt, das ausschließlich der Auseinandersetzung mit Juden gewidmet ist. Das Buch trägt den Titel: 14״ Jahre Juden-Republik“ (N-S.-Druck und Verlag, Bcrlin-Schöneberg). Der Untertitel: ״Die Geschichte eines Rassenkampfes" deutet bereits an, daß das gewaltige politische Ringen in Deutschland während der letzten 14 Jahre ausschließlieh unter dem Gesichtspunkt eines Kampfes zwischen Deutschrassigen und Jiidischrassigen dargestellt wird. Für den Verfasscr dieses Buches gellt es nicht um den Kampf von poiitischen Anschauungen, nicht um die Ablösung eines Zeitalters und eines Zeitgeistes durch einen neuen Zeitgeist, sondern um den Kampf des deutschen Volkes gegen die jüdische Rasse. W i r vermögen die Geschichte dieser 14 Jahre nicht in derselben Weise zu sehen. Auch wenn es in Deutschland gar keine Juden gegeben hatte, wären — so meinen wir — nach dem gewaltigen Kriege, der die ganze Menschheit erschöpft zurückließ, verschiedene politische Gruppierungen in Deutschland entstanden, und unter dem Druck des Versailler Diktats, das ja auch nach Meinung der führenden Nationalsozialisten die Hauptursache von Deutschlands Elend ist, hätten sich die Verhältnisse in Deutschland auch ohne das Vorhandensein von Juden zunächst sehr kritisch entwickelt. Als Jude kann man nur mit größter seelischer Depression dieses Buch lesen, das im Jüdischen die Inkarnation alles Bösen sicht. Der Jude schlechthin wird hier zum ״dunklen Gegenspieler“ des Deutsehen gemacht. Der Verfasser berührt dabei nicht nur aktuelle Ereignisse der letzten Jahre, sondern er greift auch weiter in die Geschichte zurück, um zu beweisen, daß es eine wesentliehe Eigenschaft der Juden ist, die Völker, unter denen sie leben, zu schädigen oder gar zugrunde zu richten. Der Verlasser verschmäht es auch nicht, die notorische Fälschung der Protokolle der ״Weisen von Zion“ in seinem Buch wiederzugeben. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie und gegen jede Art Marxismus ist in seinen Augen ein Kampf gegen das Judentum. Es kann natürlich nicht unsere Sache sein, den Behauptungen dieses Buches im einzelnen eine jüdische Auffassung der Dinge entgegenzustellen. Wir begreifen das Wesen des Antisemitismus zu gut, um zu meinen, daß er durch Argumente widerlegt werden könnte. Sitzen doch diese Anschauungen so tief, daß ihren Trägern das Unglaublichste glaublich erscheint. Daß viele Nichtjuden tatsächlich an die Existenz geheimnisvoller jüdischer Pläne glauben, ließe sich überhaupt nicht erklären, wenn nicht die Gestalt des Juden infolge seines eigentiimlichen geschichtlichen Schicksals für manche nichtjüdische Völker etwas Unheimliches angenommen hätte. Die Juden sind ein Volk, das seinen eigenen politischen Tod überlebt und seine Eigenart bewahrt hat, aber als Volk ein Schattendasein führt. Darauf reagieren die Völker mit Haß. Diese Erschcinungen sind nicht neu. Schon in seiner Schrift: ״Autocmanzipation“, die vor 51 Jahren erschien, hat der russisch-jüdische Arzt Leo P i n s k e r davon gesprochen, daß wir es hier mit einem Phänomen der ״Gespensterfurcht“ zu tun haben, die er ״Judaeophobic“ nannte. Pinsker war der erste, der erkannte, daß es sinnlos ist, die Antisemiten zu beschuldigen oder zu bekämpfen, daß es vielmehr darauf ankomme, die Ursachen des Antisemitismus, nämlich die gespenstische Existenzform des jüdischen Volkes, zu beseitigen. Dies kann aber nur auf eine Art und Weise gelingen, nämlich durch ״Auto-Emanzi* patio n“, die der westlichen Form der Juden-Emanzipation folgen müsse, wenn nicht auch diese wieder verloren werden sollte. In unseren Tagen begreifen wir deutlicher als je, was Pinsker gemeint hat (es ist überaus zu begrüßen, daß diese alte Schrift gerade jetzt neu hcrausgegeben wird). Die Juden begnügten sich mit der ״Emanzipation“ und rafften sich nicht auf. zur ״Auto-Emanzipation“, daher geriet auch die Emanzipation ins Wanken. Alle Juden, die durch die Ereignisse in Deutschland verwirrt und in ihren alten Anschauungen wankend geworden sind, sollten diese prophetische Schrift aus dem Jahre 1882 lesen, um zu sehen, woran die Juden selbst es haben fehlen lassen. Dort sind auch schon die Antworten enthalten auf die Rätsel, die uns Juden das neue Buch von Leers, nicht nur durch seinen sachlichen Inhalt, sondern vor allem durch seine Grundstimmung aufgibt. Die Lektüre des Buches 14״ Jahre Juden-Republik“ ist für einen Juden deprimierend, aber wir haben nicht unseren Gefühlen nachzuliängen, sondern wir müssen uns fragen, was weiter geschehen kann, um aus der entstandenen Lage herauszukomnien. Und da ist es überaus bemerkenswert, daß Dr. von Leers selbst im Schlußteil des Buches den Wunsch erkennen läßt, zu einer besseren Lösung zu gelangen. Er betont mit allein Nachdruck, daß durch die bisherigen Gesetze und durch den Aufbau des Dritten Reiches als ״arischer Rassenstaat“ die Auseinandersetzung mit den Juden beendet ist. Er weist darauf hin, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die nach seiner Meinung jüdischen Ur- Sprungs ist, ״mit dem gleichen Geschick von Nichtjuden wie von Juden gchandhabt“ wird. ״Man ändert“, so sagt er, ״nichts, wenn man jüdische Träger derselben lediglich durch deutsche Träger ersetzt.“ Leers wendet sich gegen den ״Mißbrauch aus Konkurrenziritercsse“ und erklärt, daß ״der jüdische Wirtschaftler, soweit er sich nicht staatsfeindlich betätigt oder staatsfeindliche Betätigung finanziert, an sich zu dulden“ ist. ״Ausschaltungsversuche gegen kleine jüdische Kaufleute, private Angestellte und dgl. sind vom Standpunkt staatsmännischer Ueberlegung aus sinnlos. Sie ändern an der wirklichen Lage gar nichts und sind vielfach nur zwecklose Härten.“ Leers betrachtet als notwendig, die ״Kommando-Höhen“ in der Wirtschaft in nationalsozialistische Hand zu bringen, aber ״ganz allgemein ist dem Judentum die nicht staatsschädigende wirtschaftliche Betätigung nicht zu verbauen". Er fährt fortr ״Da eine Ab- Wanderung alteinsässigen jüdischen Bestandes in Deutschland, der vielfach auch geschichtlich mit diesem Lande sich verbunden fühlt, praktisch gar nicht in Frage kommt, so besteht kein Grund, ihm etwa alle Subsistenzmittel zu entziehen.“ Der ״unerfraulichste Teil des Judentums“ sei ohnedies durch die Niederläge der marxistischen Parteien, Abwanderung usw. unschädlich gemacht. Leers geht so weit, sich ״als alter Judengegner“ gegen ״den Verdacht plötzlich durchbrechender Judenfreundschaft“ zu verteidigen, wenn er betont, daß nach der Beseitigung der ,.Judenherrseiiaft“ es zwecklos und kleinlich wäre, ״die vcrblicbenen Juden im privaten Verkehr mit besonderer Feindseligkeit oder verletzender Gehässigkeit zu behandeln.“ Die Stellung des Judentums in Deutschland solle in Zukunft so gestaltet werden wie die Stellung der Metökenim altenAthen. Sie haben wohl die bürgerlichen Rechte, aber grundsätzlich kein Recht auf Teilnahme an der Staatsleitung. Diese Ausführungen des Herrn von Leers werden von jüdischer Seite gewiß mit größtem Interesse aufgenommen werden. Denn abgesehen von den staatsrechtlichen Gesichtspunkten, die darin angedeutet sind, sehen wir hier den Wunsch* nach einer gefühlsmäßigen Entspannung. Auch wir Juden, die wir niemals einer ״Judenherrschaft“ in Deutschland das Wort geredet haben und stets der Ueberzeugung waren, daß ein stolzes und klares Bekenntnis zum Judentum das beste Mittel ist, um auch die Beziehungen zu den nichtjüdischen Mitbürgern freundlich und achtungsvoll zu gestalten, leiden am schwersten durch die Verletzungen, die unserer Ehre zugefügt werden, indem man die schlechtesten Elemenic unserer Gemeinschaft für die wahren jüdischen Repräsentanten erklärt, während man bei keiner anderen Gemeinschaft sich dazu versteigen wjirde, gerade ihre Verbrecher., Schieber oder Betrüger als die eigentlichen charakteristischen Repräsentanten hinzustellen. Darum begrüßen wir es, wenn der Verfasser eines solchen Buches, der es wahrlich nicht nötig hat, sich gegen den Verdacht der Judenfreundschaft zu wehren, dafür cintritt, in Zukunft überflüssige Gehässigkeit aus der Diskussion über die Judenfrage auszuschalten. Herr von Leers gellt aber noch weiter. Er begegnet dem Judentum, das sich selbst erneuern will und das aus einer großen Anspannung seines Lebenswillens heraus zu einem neuen Werke ansetzt, mit unverhohlenem Respekt. In dem Kapitel: ״Israel, woliin?“ heißt es: ״Vielleicht wird das Judentum bereits so alt und unklug sein, um alle diese Positionen verbissen ringen zu wollen — es wird ihm nichts nützen, aber es kann zu seiner vollkommenen Vernichtung führen. Wenn es klug ist. wenn es noch gesunde und junge Kräfte in sich fühlt, müßte es eikennen, dal. die Zeit aller übernationalen Mächte zu Ende ist. Es müßte dann bereit und willens sein, ehrlich die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Die Assimilation an die europäischen Volker wird ihm mit jedem Tage mehr versperrt; es befindet sich in der Gefahr, eines Tages unter lauter Veilkern zu sitzen, die es nicht mehr haben wollen. Wenn es klug Lg müßte es sich unter ehrlichem Verzicht auf Wellh<׳rrsehaftspl;ine der werdenden Zeit anpassen. Es müßte sich, da Palästina zu wenig Nalirungsraum für seine Massen bietet, mit dem noch vorhandenen ״roßen jüdischen Vermögen ein Siedlungsgebiet außerhalb Europas beschaffen, das seinem Volke bei normaler Arbeit die Existenz sichert. Die großen westeuropäischen Kolonialmächte, die sich heute aus Unkenntnis der Dinge und aus einer seichten Moral über «las deutsche Vorgehen gegen die Juden entrüsten, müßten eigentlich die ersten sein, die dem Judentum ein solches Gebiet zur Verfügung stellen. Welches Gebiet man dazu auswählen könnte (der Nierlerländer 1 Winghcnc schlägt Madagaskar vor), mag das Judcnvolk selbst sieh entscheiden. Es würde in ein solches Siedlungsgebiet mit seinen 051 jiidi-1 heti 1 landwerkermassen immerhin eine erhebliche Zahl an körperliche Arbeit gewöhnter Menschen mit bringen, es würde eine sicher iiberzahlreiehe :);lasse zur Verfügung und irj seiner Jugend, die in ihren chaflssiedltingcn, den sogenannten ״Kwuzoth“, in Palästina hach landwirtscliaftliehe Arbeit durchaus erfolgreich verrichtet, sor den Ansatz zu einem Bauerntum haben. Entgegen manchen allzu pessimistischen Beurteilungen des Judentums glaube ich nicht, daß ב Volk parasitär bleiben maß. Gewiß haben wir dargelegt. 1er groß auch rein erbmäßig der Anteil asozialer Elemente t — aber im Verlauf der Befreiungen der europäischen Juden turn fallen gerade diese Elemente den Auseinander- Setzungen am erstell zum Opfer. Daneben ist aber im jüdischen Volksnn (und dies darf entgegen einem allzu radikalen Pessimismus in er Beurteilung des jüdischen Volkes offen ausgesprochen werden)?wohl als Erbe der wüstcnländischen, dem reinen Arabertum gleiicnden Kas-c als auch durch eingesprengtes nordisches und meditcrmes (westisehc;) Erbe, endlich durch den zahlreichen Biuteinsehh rrtarischen, d. 11. tiirkhaften Blutes im Ostjudentum als Erbe d ,!lusaren doch das Blut von Natur produktiver Rassen soweit vo handen, daß der Versuch, das jüdische Volk in produktiver Arbe i eigenem Boden seßhaft zu machen, nicht von vornherein abgelebt werden darf. Wir haben — bei allem Radikalismus — niemals dt Kampf gegen das Judentum geführt, um das jüdische Volk zu ve nichtcn, sondern u;n das deutsche Volk zu schützen. Auf eigen« : und ohne den Willen und die Möglichkeit, die deutsche En lung weiter zti stören, haben wir nur allen Grund, dem jüdischen Volke Erfolg für eine ehrliehe Volkwcrdung zu wünschen. Judenihrer selbst willen ist dumm und im letzten wirklich scre Judenfeindschaft ist begründet durch den Wunsch, VolL vor einer geistigen, wirtschaftlichen und politischen Verknechtung durch das Judentum 2u retten. Der Grundgedanke der Zionisten, das jüdi-chc Volk als Vol er Völkern auf eigenem Boden zu organisieren, ist, soweit sic rit keine Wcl therrschaftsideeii verbinden, gesund und berechtig tt sich fruchtlos von Jahrhundert zu Jahrhundert «las Judenproblem enseitig zuzuschieben, täten die europäischen Völker gut. kliehe I.oslö-ung des Judentums aus ihren Völkern und seine Ui igung in einem ausreichenden und ge an ein außereuropäi.'i .Siedlungsgebiet za! organisieren. Das Judentum selbst aber müßte iel politischen Scharfblick, soviel Fingerspitzengefühl für die ahnende Entwicklung in der Welt 'haben, daß es seinen י den Ländern, die es vergeblich zu beherrschen versuchte, in es Heimatland nimmt. Iss würde damit sich und seinen Kim zen — um! cs würde den anderen Völkern zugleich nützen. Haß und Verbitterung allein läßt sich dieses Problem nicht lc ondern lediglich mit: dem ernsten Willen, eine positive Lösung finden. Israel kann wählen, ob cs im Kampf um den Traum e Weltherrschaft oder um das Phantom eines immer unmöglicher ’ elenden Verbleibrns innerhalb von Völkern, die es nur als stör empfinden können, aufgerichen werden, oder aber den Mut h; will, auf dieser reichen Erde die Forderung zu erheben, zu der ji Volk berechtigt ist: die Forderung auf ein Heimatland, in dem s Kinder Raum fimlcn — und dann auch wirklich dorthin;1 wandern. Diese Trage wird zur Schicksalsfrage nicht nur des Judenns, sondern mich jeder ehrlichen judengegnerisrhen Bewegung. Wenn Israel Pflug, Hacke und Sense nimmt, wenn es darauf v zlchtct, andere Wölkcr sich dienstbar zu machen, statt dessen aber 1 freies Volk unter freien Völkern auf eigenem Boden sein י 1 seine produkliven Kräfte so zu entwickeln, wie cs bisher s dämonischen Krlältc entwickelt hat, dann wird cs aus seinen jetzigen Feinden seine Freunde machen, und über die frisch gezogenen Ackerfurchen hinweg werden sich Israel und die Völker grOScn können ohne Haß. Derjenige aber, der um seines eigenen Volkes willen der schärfste Judengegner war und sein mußte, wird am ehesten bereit ein, seine Kampfschriften gegen das Judentum in der gleichen Stunde, 1 der das Judentum im großen Rhythmus der Wcltordnung zwischen Saat und Ernte leben will, im Freudenfeuer zu verbrennen und kein Wort der Feindschaft mehr z«1 äußern.“ Es ist ein Zeichen der gewaltigen Kraft der zionisfischen Realität, wenn es ihr gelungen ist, auf einen Mann, der im jüdischen Menschen das Dämonische schlechthin sieht, einen so gewaltigen Eindruck zu machen. In diesem Abschnitt wird vieles von dem, was Herr vor» Leers in den vorausgehenden zwei Bänden gesagt hat, wieder aufgehoben. Denn d i e Juden, von denen er Bier spricht, beanspruchen für sich die Ehre, die wahren Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft za sein. Wenn man sich mit dem Judentum auseinandersetzt, dam» wollen die Juden, die für das Judentum leben und seine Zukunft aufbauen wollen, als die eigentlichen Juden genommen werden. Was immer man über dieses oder jenes Produkt eitles Verfalls der altjüdischen Zucht denken mag, was immer auch einen politischen Schriftsteller von Menschen jüdischer Abstammung, die seine politischen Gegner sind, trennen mag, — dies alles ist nicht Auseinandersetzung mit dem J u - den tum als solchem. Randerscheinungen können nirgends als Wesensrepräsentanten genommen werden. Träger des Judentums sind die Juden, die als Juden die sittliche Veran t wortung auf sich zu nehmen bereit sind. Wenn sich auch in den Reihen der scharfen Judengegner, zu denen von Leers unstreitig gehört, die Anschauung durchsetzen ließe, daß ein konstruktiver Weg zur Lösung der Judenfrage durch Neuaufbau der jüdischen Gemeinschaft gefunden werden muß, dann wäre dies eine große Erleichterung für die Auseinandersetzung über jüdische Dinge; auch im heutigen Deutschland. Schutz der zugelassenen Rechts- und Patentanwälte Der Reichsjustizminister hat unter dem Datum des 1. Oktober eine zweite Durchführungs-Verordnung zu den Gesetzen über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und Patentanwaltschaft erlassen, in der es heißt: Seit heute sind die Maßnahmen abgeschlossen, die in den Gesetzen vom 7. und 22. April 193.1 für die Rechtsanwaltschaft und Patentamvaltscliaft vorgesehen und bis zum 39. September 1033 befristet waren. Auf Grund des § 9 des Gesetzes vom 22. April 1933 verordne ich daher folgendes: Jeder Rechtsanwalt und Patentanwalt, der auf Grund der Gesetze vom 7. und 22. April 1933 in seinem Beruf verblieben ist, bleibt nicht nur im vollen Genuß seiner Berufsrechte, sondern hat auch Anspruch auf die Achtung, die ihm als Angehörigen seiner Standesgcmcinschaft zukommt. Kein Rechtsanwalt oder Patentanwalt darf in der gesetzmäßigen Ausübung seines Berufs gehindert oder b e - einträchtigt werden. Aerzlliche Vertretung and Praxfs5!emeinsehatl Der Reidisführer der kasscnür/llicheu Vereinigung Deutschlands hat bezüglich Vcrtreumg und PravDgcmcinschuft die folgende Bestimmung getroffen : ״Laut meiner An- Ordnung vom 10. August 1 933 betreffend Vertretung und i’ r a x i s g e n! eins e h a f t können sieh nielifarische Aerzte, auf die die Ausnalnnebe-timimiügcn /utreffen, nur von Aerzteu vertreten lassen, bei den ei) die Voraussetzungen zur Zulassung zur Kasseupraxis vorliegen. Weiter ist eine Praxisgcmeinschaft zwischen arischen und nichtarischen Aer/ten verboten, soweit nicht von mir Ausnahmen /!!gelassen werden. Abweichende Stellungnahme im Einzelfalle behalte ich mir vor.“ Rassenproblem und christliche Mission Unter der Devise ״Gott und die Völker“ fand im Rahmen der vom Mi ־sionsverband Groll-Berlin veranstalteten Missionswochc in der Aula der Berliner Universität eine Veranstaltung statt, in der Missionsdirektor Dr. Knak einen Vortrag über ״Evangelium und Wcltreligion“ hielt. Dr. Knak erklärte 11. a., positives Christentum müsse den Missionsanspruch der Kirche unbedingt bejahen. Unter diesem Ciesichtspunkt sei es nicht möglich, die Menschheit rassisch so zu teilen, daß sie nicht mehr als Ganzes angesehen werde, sondern für immer atifgegliedcrt sei. Eine derartige Gliederung müsse die Missionshewegutig um Jahrzehnte zuriiekwerfen. Gchcimrat Lütgert behandelte in seinem Vortrag ״Christ e n t u in u n d J u d c n t u m“ zunächst die gemeinsame Wurzel beider Religionen und wies an Hand historischer Beispiele nach, aus welchen israelitischen Kultgebräuchen und Vorstellungen das Christentum erwachsen sei. Bestimmender für dessen Entwicklung sei iedncli der Gegensatz geworden, in den es später zum Judentum getreten ist. Zum Erntedankfest Ein Leser sendet uns das ,,Buchener V o I k s b 1 a 11“ vom 2. Oktober insj. worin der Tag des deutschen Bauern aut dein Bückeberg geschildert und die Reden der fahrenden Regierungsmüiiner wiedergegeben werden. In den Lokalberichten desselben Blattes lesen wir eine Schilderung des Erntedankfestes in Steinbach-Mudau, worin es u. a, heißt: ״Wenn irgendwo in! Odenwald, dann wohnt noch in Steinbnch - - mit Filialen . ein wurzelechtes Bauerngcschlecht. Darum ist es auch gar nicht zu verwundern, daß liier der Tag des Bauern mit heller Begeisterung von jung und alt, inner- und außerhalb der Kirche geleiert wurde. Der Tag gestaltete sich zu einem Volksfest edelster Art. Was war das morgens schon für ein herrlicher Anblick! — dieser Fest/ug zum Gottesdienst!... Wie wurde der Gabentisch, der vorne vor dem Hochaltar aufgesteilt war, angestaunt! Die Segnung dieser Ernte fruchte ist ja etwas ganz Altes, hatte doch Gott selber seinem auserwählten Volke den Auftrag gegeben, daß sie Feldfrüchte in Garben ihren Priestern zum Segnen bringen, daß sie erlesene Baumfrüchte mitnehmen und ein fröhliches Erntetest feiern sollten.“ Diese Anspielung auf das Sukkoth-Fest in einem deutschen Blatt verdient wohl besondere Hervorhebung. Sie zeigt uns, daß von christlich-deutscher Seite auch in festliebster Stimmung eine objektive Einstellung zum Judentum möglich ist, und daß gerade altjüdisclie Gebräuche zum gegenseitigen Verstehen beitragen können. Fristlose Entlassung nicht gerechtfertigt. Aus der Judikatur der Arbeitsgerichte wird uns folgender Fall mitgeteilt: Der Schriftsetzer M. B. aus Krossen (Oder) war bei einem Zeitungsverlag in A. bei Berlin im technischen Betrieb besebaftigt und wurde — trotz zufriedenstellender Leistungen — wegen jüdischer Abstammung fristlos'cntlassen. Diese Angelegenheit war am 2ö. September Gegenstand einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Prcnzlau. Das Gericht hielt eine fristlose Entlassung für nicht angängig; der allgemein verbindlich erklärte Tarifvertrag der Buchdrucker sieht eine cimvöehigc Kündigungsfrist vor. Die beklagte Firma wurde zur Zahlung von einer Woche Lohn verurteilt. (A. C. 376/33.) Verhaftung einer Synagogenräuberbande. Die Frank• furter Kriminalpolizei konnte im Hermesweg auf frischer Tat eine jugendliche Einbrechcrhande festnehmen, deren Mitglieder vornehmlich Synagogencinbrüehc ausgeführt haben. Dabei erbrachen sie die Ojjfcrstöcke und Opferbüchsen, Anführer war der jüdische kaufmännische Angestellte