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Jüdische Rundschau · 1933-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1933) · p. Seite 626

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
Seite 626 (sequence 18)
Language
German
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Seite 624 jüdische Rundschau Nr. 79/80, 4. X. 1933 Nr. 79 Nathan der Weise Die Premiere des ״Kulturbundes" Der Kulturbund Deutscher Juden hat sein• Tätigkeit am 1. Oktober mit einer Aufführung von Lessings ״Nathan der Weise‘1 eröffnet. Damit ist ein neuartiges Unternehmen ins Leben getreten, das sich seinen Weg erst bahnen und sein Arbeitsgebiet erst mühselig erobern muß. Man soll ihn dabei ermutigen und man kann dies, Indem man Ihn zum Udingen seines ersten Schrittes beglückwünscht. Die Tatkraft, mit der ein Kreis geistiger Arbeiter, die früher ihre Tätigkeit nicht mit jüdischen Dingen verbunden hatten, sich dieses jüdischen Werkes angenommen hat, ist aur alle Fälle erfreulich, schon weil hierdurch für eine große An; lu arbeitslos gewordener jüdischer Menschen eine würdiי ־ Beschäftigung geboten wird. Die Probleme, die sich nun aber erst eröffnen, sind vielfältig und nichts wäre weniger am Platze, als wenn man durch einseitige Kritik und Besserwisserei dem ״Kulturbund“ und seinen verantwort-!::hen Persönlichkeiten den Weg erschwerte, Es liegt ja auf der Hand, daß die Leiter dieser Arbeit auf die entscheidenden Probleme stoßen müssen, und wir, die wir nicht erst seit gestern einer positiven, selbstbewußten jüdischen Haltung das Wort reden, vertrauen darauf, daß die Sache selbst dahin wirken wird, immer stärker die jüdischen Verp 11 i c 111 ung e n, die aus diesem Unternehmen erwachsen, in den Vordergrund zu schieben. in zionistischen Kreisen — das ist wohl kein Oeheimm.5 — ist der ״Kulturbund“ vielfach kritisiert worden, und man muß zugeben, daß manche Acullcrungcn aus leitender! Kreisen des ,,Kulturbundes“ zu solcher Kritik Anlaß gaben. Zugleich aber soll auch auf zionistischer Seite nicht über eben werden, wie schwierig die Problematik ist, vor der der ,,Kulturbund“ steht. Schon das normale Theater leidet unter dem Mangel geeigneter Schauspiele; um wieviel grober ist diese Schwierigkeit bei einem jüdischen Theater. Auch die Habitnah, deren jüdischer Charakter ja durch die Sprache eindeutig bestimmt ist, hat das Problem des Spielplanes noch nicht zufriedenstellend lösen können. Wie ist es erst, wenn ein Theater seine Existenz in einer Situation beginnt, wie die der Juden im heutigen Deutschland ist! Denn wenn Juden in Deutschland mit einem Kulturinstitut hervortreten, dann ist dies eine höchst delikate Auge- 1 eg eil!1 eit nach außen und nach innen. Die geistigen Grundlagen des ״Kulturbundes“ sind noch ungeklärt. Staatskommissar Hinkel hat in seiner Erklärang, die wir in der vorigen Nummer der ,,jüd. Rundschau“ besprochen haben, ausdrücklich gesagt, dal! es sich hier um eine ״rein jüdische kulturelle Angelegenheit“ handelt. Der ״Kulturbund“, obwohl er aus deutschen Juden besteht und in deutscher Sprache arbeitet, kann und darf nicht den Anspruch erheben, ,,deutsche Kultur“ zu machen. Was aber ist im heutigen Deutschland ״jüdische Kultur“? Da? jüdische Leben ist im letzten Jahrhundert innerlich sehr arm geworden. Außer in den Bezirken des Religiösen und Konfessiondleti gibt es keine bewußte jüdische (jcmeinschaftsbetätigung, die künstlerische Formen angenommen hätte. Zwar haben einzelne Juden auf verschiedenen Gebieten der Kultur Beträchtliches geleistet; ihre Leistungen hatten auch eine jüdische Note, aber als ״jüdische Kultur“ könnte nur bezeichnet werden, was als Blüte und Ausdruck eines großen jüdischen Gemeinschaftscrlebnisses entsteht. Erst die jüdische Renaissancewelle der letzten dreißig Jahre hat begonnen, hier wieder die seelischen Voraussetzungen zu schaffen. Diese Entwicklung beschleunigt sich unter der Einwirkung der letzten Wendung im deutsch-jüdischen Schicksal. Aber niemand sollte einen Vorwurf erheben, daß ein jüdisches Theater, selbst wenn es bewußt jüdisch sein will, noch kein Repertoir vorfindet. Daß sich trotzdem gegen die Wahl von ״Nathan der Wei-c“ als Eröffnungsvorstellung erhebliche Ein wen• düngen geltend machen lassen, wurde iti der ״Jüd. Rundschau“ bereits vor einiger Zeit (s. Nr. 59 und 63) hervor■ gehoben. Demi man mußte aiinehmen, daß dies wohl nicht nur rein künstlerische, sondern auch politische bzw. ״ideologische“ Motive hat. Die frühere jüdische Generation sah in ״Nathan der Weise“ das hohe Lied der Toleranz, auf der die Judcneman/ipation gegründet war. Hundert Jahre lang oder noch mehr berief sich die jüdische Intelligenz aut Lessings Eicundschaft mit Mendelssohn und auf die Gest,11׳t des ״Nathan“, in der Lessing seinen Freund Mendelssolui ein Denkmal gesetzt habe, Aus dieser historisch und literarisch sicher sehr bemerkenswerten Tatsache wollte man eine;!!!״eineine ,,Lösung“ des Judenproblems herleiten und ließ sich verführen, die wirklichen tiefen Abgründe des jüdischen Problems zu ignorieren. Insofern hat der ״Nathan“, trotz der edlen Gesinnung׳■, die aus ihm spricht, den deutschen Juden nichts Gutes getan. Er hat sie in eine Weit von Illusionen verstrickt und hat sie verhindert, die Wirklichkeit des Lebens so zt! sehen, wie sie ist. Wenn man nun im jetzigen Moment durch die Aufführung des ״Nathan“ zu verstehen gibt, daß man das Rezept der Lösung der Judenfrage, das jenes liberale Judentum an den Nathan knüpfte, auch heute wieder für benutzbar hält, dann tut man den Juden, t,enen Klarheit mehr not tut als alles, keinen guten Dienst Und dennoch gibt auch der ״Nathan“, wenn man ihn richtig sieht, Stoff zur Reflexion über das wirkliche Judenproblem. Es ist dankbar anzumerken, daß bei der Auffüdrung des ,,Kulturbundes“ solche Gesichtspunkte deutlicher hervortraten als sonst. Das ״allgemeine Menschentum“, dessen 1101.es Lied Lessings Nathan singt, schwebt nicht in der Lfi.'t, wie gerade der jüdische Hörer jahrzehntelang an/unehmen sich vermaß, sondern auch dieser menschliche Hochstand ist geknüpft an bestimmte Individuen, Gruppen und Völker. Um so zu sprechen, wie Nathan spricht, muß man zunächst ein Jude sein, ״der 80 ganz, nur Jude scheinen wollte“. Nicht die Unterschiede verwischen, sondern jeder seine Tradition, seine Abstammung, seinen Glauben hoch halten und dennoch auch den Ändern respektieren. Das ist etwas ganz anderes, als was das assimilatorische Judentum unter Toleranz und ״allgemeinem Menschentum“ versta d. Bei diesen assimilatorischen Juden ging nämlich alles Menschentum auf Kosten des Judentums. Nathan will nicht, daß man ihm sein Judentum ״verzeiht“, sondern daß man ihn als Juden Mensch sein läßt. Der Regisseur Dr. Karl Loewenbtrg hat die jü* dische Note, die früher häufig zu kurz, kam, unterstrichen. Man hat dabei freilich manche überlieferte Vorstellung von Nathans Wesen aufgeben müssen. So z. B. kommt Nathan im ersten Akt kreuzfidel, ein chassidisches Liedei summend, von seiner Reise zurück; noch vor Aufgehen des Vorhangs hört man diese Melodie. Sein erstes Wort, noch ehe Lessings Text beginnt, ist ein ״Barueh haha“, in Nathans Haus ist ein Beipult mit Mögen Dovid und Menorah eingerichtet, und einmal sieht man Nathan vor Beginn der Szene im Gebet ver* sunken. Beim Gespräch mit dem Tempelherrn, bei den — spöttisch gemeinten — Worten ״Nicht zwar, als ob Ich den geringsten Zweifel In Euern Stammbaum setzte. Gott behüte! Ihr könnt ihn Blatt vor Blatt bis Abraham Hinauf belegen...“ reckt sich Nathans Gestalt in stolzer Würde, als ob durch ihn das ganze jüdische Volk den Adel seiner Ab• stamm ung verteidigte. In der großen Erzählung Nathans an den Klosterbruder, bei der erschütternden Schilderung Die ״Jüdische Rundschau“ hat in den letzten Monaten ihre Leserschaft verzehnfacht• Sie bringt die besten Informationen über jüdische Fragen, über Palästina, über die jüdischen Bewegungen unserer Zeit; sie ist eine Tribüne der Verteidigung jüdischer Ehre und jüdischer Existenz in der gewaltigen Geschichtswende unserer Zeit Wer noch nicht zu unseren Abonnenten gehört, gebe sofort seine Besteilung auf! Die ״Jüdische Rundschau“ ist das beste Insertionsorgan, da unsere Leser auch den Inseratenteil mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Fragen Sie unsere Inserenten nach ihren Erfahrungen! ..iiii.—ihm—a seines Haderns mit Gott, murmelt Nathan sogar einige hebräische Worte, die an die Liturgie der eben vergangenen Feiertage erinnern. Eine besondere Nuance erhält aber der Schluß. Nach der hart ans Lächerliche streifenden Erkennungsszene, deren dramatische und psychologische Mängel ja häufig genug erörtert worden sind, läßt Loewenberg die ganze Gesellschaft der neu zusammengefundenen Verwandten (Moslems und Christen) mit ihren bunten Gewändern und in fröhlichster Stimmung rechts in den Palast abgehen, währ'ena Nathans hohe Gestalt umddstert und vereinsamt im Vordergrund bleibt und dann langsam in sein Haus zu seinem Betpult zurückkehrt. In diesem Schluß ist wirklich etwas vom Judenschicksal angedeutet und wenn der Vorsitzende des ״Kulturbundes", Dr. Kurt Singer, in seiner einleitenden Begrüßungsrede auf diese Szene besonders anspielte, so kann man darin wohl ein Zeichen sehen, daß es dem ״Kulturbund“ auch darum zu tun ist, seinen Mitgliedern ein lebendiges Empfinden für die jüdische Tragik zu geben; nicht etwa nur bei Shylok, sondern auch bei Nathan. Von dieser künstlerischen Verklärung einer Tragik zu einer positiven, Zukunftweisenden Tat ist freilich noch ein weiter Schritt. Wir hoffen, daß der ״Kulturbund“ sich dessen bewußt ist, daß er auch diesen Weg, so schwer es fallen mag, suchen muß. Die Bühnenbilder von Heinz Condeil haben den orientalischen Charakter sehr gut herausgearbeitet. Sowohl die Szenerie Jerusalems als auch der Saladin-Palast waren recht charakteristisch und mit gutem Geschmack ausgestattet. Es ist dem ״Kulturbund“ gelungen, ein gutes Schauspieler- Ensemble zusammenzubringen. Es soll bei dieser ersten Vorstellung und bei Anerkennung der ungeheuren organisa* torischen Schwierigkeiten, die sich dem ganzen Unternehmen entgegenstellten, nicht in dem iiblühen Sinn ״Kiilik“ geübt werden, auch wenn sich bei diesem oder jenem Schauspieler manches aussetzen oder über Auffassungen im einzelnen streiten ließe. Die Gesamtaufführung war nicht auf ein Star- System gestellt, aber die schauspielerische Leistung war durchaus aut hohem Niveau und das Zusammenwirken des Ensembles (Kurt Katsch als Nathan, Käte Foerder als Recha, Lilli Kann als Daja, Ernst Lennart als Tempelherr, Martin W 0 1 f g a n g als Klosterbruder, Martin Brandt als Saladin, Jenny Schaffer als Sittah) war harmonisch und erzielte eine starke, unmittelbare Wirkung. Reicher Beifall des vollbesetzten Hauses dankte allen Mitwirkenden. Briefe an die Redaktion ״t 000 Worte Jiddisch" Heidelberg, 1. Oktaler 1933. Sehr geehrte Redaktion! Auf den Artikel 1000״ Worte Jiddisch“ in der Neujahrs- Nummer möchte ich einiges entgegnen. Es sei zunächst darauf hingewiesen, daß die schon öfters aufgestellte Behauptung, das Jiddische sei auf das Oberdeutsche zurückzuführen (wobei man unter ״Oberdeutsch“ das Gebiet des bayerischen und alemannischen Dialekts versteht), zumindest sehr ungenau ist Vielmehr zeigt das Jiddische neben dem starken bayerischen Einschlag auch einen deutliehen ostmitteldeutschen Charakter (das Ostmitteldeutsche umfaßt die sprachlichen Gebiete des Thüringisehen, Obersächsischen, Schlesischen, Nordböhmischen), der bei der phonetischen Entwicklung des Jiddischen ebenso stark bestimmend war wie das Bayerische, Üb das oberdeutsche oder das obermitteldeutsche Element im Jiddischen stärker ist, läßt sich nicht ohne weiteres entscheiden, wird wohl auch über- Haupt kaum zu klären sein (jedenfalls bei dem gegenwärtigen Stand der Mundartforschung). Ferner sei darauf aufmerksam gemacht, daß — wie eine gründlichere Untersuchung zeigt —- die Landessprachen im Osten (also vornehmlich die slawischen Sprachen) an der phonetischen Entwicklung des Jiddischen einen äußerst minimalen aktiven Anteil haben. Vielmehr ist die lautliche Entwicklung des Jiddischen fast ausschließlich durch verschiede ne deutsche (meist mundart liehe) Lautgesetze, die hn Osten auch noch lange Zeit trotz der Loslösung vom deutschen BodÄi wirksam ge• wesen sind, zu erklären. Sowohl das slawische als auch das hebräische Element haben sich bei dieser lautlichen Entwicklung durchaus passiv verhalten, sie haben die deutschen Lautgesetze übernommen. Die jid■ disch? Phonetik hat also — so seltsam das klingt — nichts spezifisch Jüdisches an sich. Auch die Verhältnisse der jiddischen Tonmalerei muss»! mit mehr Vorsicht beurteilt werden. Die von Rabinowitz an• geführten Beispiele (chropen, birsen usw.) als jiddische ״Neu- Bildungen“ aufzufassen, ist nicht möglich; sie sind fast samtlieh aus den slawischen Sprachen entlehnt (vgl. pofn. chrapaf, rie<5 usw,), soweit sie nicht alte deutsche Ausdrücke wiedergeben (so z. B. ״grepezn“ oder ״krepezn“ aus ״geroppczei!. gcröppezen“). Vor allem muß aber bei etymologisierenden Versuchen zur Vorsicht gemahnt werden. Es genügt nicht, ein ähnlich oder scheinbar ähnlich klingendes wort zu finden, um es als Etymologie auszugeben. Eine solche ist erst dann gegeben, wenn der lautliche und Bedeu tungsübergan!; restlos nachgewiesen ist. Um ein Beispiel zu nennen: ״kejleir׳• kann nicht von einem (willkürlich konstruierten) deutschen ״kehlen“ stammen: 1. die Entsprechung im poln.-galiz. Jiddisch ״koilen“ zeigt, daß das ״ej“ in diesem litauisch-jid. Wort nur aut ein ursprüngliches 0״“ zurütkgehen kann, 2. die Erhaltung des ״e“ in der unbetonten Silbe ״-len“ weist auf nichtdeutschen, wahrscheinlich slaw., Ursprung hin. In Fällen, wo man eine ganz, sichere Etymologie nicht geben kann, ist es richtiger, keine zu geben, als sich mit einer Volksetymolo• gie zu begnügen. Hierzu noch einige Einzelheiten. ״Kneln“ heißt nicht ״brüten“ und stammt nicht von ״knüllen“; es ist der Volks• tümliche Ausdruck für die Tätigkeit des jüd. ״Melamed ״ und ist das alte deutsche Wort ״kncllcn“, aas mit ״knallen“, ״krachen“ zusammenliängt und auch im Sinne von ״prügeln, schlagen, fluchen“ gebraucht wurde; hier ist also aus der Begleiterscheinung des Unterrichts der Ausdruck für der;• selben gewählt worden. ״Parch“ hat nichts mit hebr. פחז zu tun; man braucht nur vorübergehend in Polen gewesen 7!1 sein, um aus dem dort sehr geläufigen 2״yd parszyvvv“ oder 2״yd parchaty“ (ungefähr dem deutschen ״Saujude׳‘ gleichzusetzen) den slaw. Ursprung dieses Wortes zu erkennen. Gegenüber den volksetymologischen Erklärungen der Wörter ״dawnen“ und ״tscholent“ von H. Halter (aus דא?ינו und ליו^ ), ist die richtige Behauptung Rabinowitz’ von ihrem roman. Ursprung aufrecht zu erhalten. Richtig i t aber die Ableitung des Wortes ״chachatlulen“ vom aram. חוכא יצלול א > nicht die von Rabinowitz gegebene Erklärung aus dem Siaw. ״Modne“ von ״ä la mode“ herzuleiten Li irreführend; das Jiddische hat es aus dem Slaw. übernommen, unbekümmert darum, ob es hier einheimisch war oder nicht - im Poln. heißt es ״modny“. Auch bei vielen anderen Ausdrücken, die Rabinowitz aus roman. Lehnwörtern bezeich■ net, trifft diese Bezeichnung nicht zu: sie sind für <1,15 Jiddische nicht ״roman. Herkunft“, sondern sia- Wischer (gehören also in die Reihe der _ slaw. Lehn• Wörter neben die rein slaw. Wörter, und sind wohl zu unterscheiden von jenen direkt dem Romanischen entlehnte!! Ausdrücken, wie ״tscholent“ usw.) Mit vorzügl, Hochachtung Julius Fischer. * Chemnitz, den 2. Oktober 1933. Sehr geehrte Redaktion! ,״ Zum Kapitel ״Tscholent“ richtiger Zolent, welches iutch den Aufsatz: 1000״ Worte Jiddisch“ angeschnitten wurdr, sei mir als Kind Litauens, der Wiege des klassischen Jiddisch, eine Bemerkung gestattet. Das Wort ״Tscholent“ dürfte weder aus dem Franzos!• sehen, wie der Autor des genannten Aufsatzes behauptet, noch aus dem Hebräischer!, wie es in einer der Zuschrift n an die Redaktion heißt, stammen, sondern einfach aus dom bäuerischen -litauschen ״Ssolnze“ Wärme höchstwahr• scheinlich entstanden sein. Die Juden sprachen gebrochen die Sprache der Bauern und die Bauern die Sprache der Juden. Zum Verständnis meiner Behauptung sei. mir gestattet, kurz die Entstehung des ״Tscholents“ zu streifen. Am Sabbat darf bekanntlich nicht gekocht werden, Unsere Frauen aber, die besorgt waren um das Leibeswohl ihr« Familienglieder und ihnen auch am Sabbat warme Speis«! vorsetzen wollten, verfielen auf folgenden Ausweg; Sie heizi<n die Oefen am Freitag Nachmittag, die wie die jet/1gen Bäckeröfen aus Ziegel und Lehm hergestellt waren, tüchtig ein, scharrten die glühenden Holzkohlen (Stein kohl ׳ oder Briketts werden in Litauen auch jetzt noch nicht ver■ wendet) nach hinten, legten einige kalte Ziegel in den Ofen, mehr nach vorn gerückt, um auf dieselben die Töpfe zu stellen, damit die Speisen nicht ״zubrennen“ (anbrenne!!!. schlossen die Oeffnimg des Ofens mit einem extra zu dies«!! Zwecke zubereiteten Vorsatz aus Holz oder Eisenblech u״u verschmierten die Spalten mit Lehm, damit der Ofen bis zun! nächsten Tage die Hitze behält. Der technische jiddische Ausdruck für diese Prozedur 15t ״Zolent faruken“ (Verrücken im Ofen). Dadurch, daß die Speisen in der Ssolnze (Wärme) zirka 20 und noch mehr Stunden hermetisch verschlossen war«!, erhielten sie einen spezifisch angenehmen Duft und ei!!«! eigentümlichen Wohlgeschmack, welcher durch das gewöhn• liehe tägliche Kochen nicht zu erzielen war. Nun, da es dabei einzig und allein auf die Wärme und den Verschluß des Ofens ankatn, wurde der Ausdruck Sso’!:/f häufig gebraucht und mit der Zeit verwandelte sich die■« Wort im Volksmunde zu Tscholent (Zolent), später in Deutsch■ land zu Schalet. Mit Zionsgruß Th. Mal 1)1״■ * Berlin, den 27. 9. 1933. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau4‘. Zu Ihrem Artikel in der Rosch Haschanah-Nummer 1״W! Worte Jiddisch“, der mich lebhaft interessiert hat, möchte ich folgendes bemerken: Betr. ״onweren“ — Verlieren. Vermutlich im sich der Verfasser, wenn er glaubt, es habe ein deutsches Verb ״ohne werden“ gegeben, ״weren“ bedeutet nicht werde!!, sondern ״sein“ und ist in dieser Form noch In alten Volk־־ liedern usw. vorhanden, z. B. ״So Dir geschenkt ein Knöspl»!!! was“ >=־ so dir geschenkt ein Knöspieln w a r. Das Verb ״omveren“ existiert im Dänischen und Norwegischen, heißt ״undvaere“ (das ״d“ ist stumm) und bedeutet ״entbehren', ״nicht haben“; der Zusammenhang mit ״verlieren“ ist klar. Auch hier ״värc“ ־־= sein und nicht ״werden“. Betr. ״t o r" — darf. Auch dieses Wort existiert noch in den skandinavischen Sprachen und heißt ״tör“ — ich trau' mich. Das deutsche ״sich trauen“ kommt vermutlich auch vom alten ״torren“. Hochachtungsvoll Frau B. Dur e*In• Kolb« ein Drucl l ei n s k i Reck eine Sam noch nicl so viele rang an; zionistisc Samrnlun Taub von zion ist nun hatte am hebräisch stellt. Hs wende“, verschied zionistisc fiis des i sequenze hörer g Gemeind am Palä! folg. Dr Nachbar! )ich befr Kaufm statt, vo kursus 6 Berl s a m m 1 sammlur Sitzung und hob geborge: unsere i um unse den. 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