Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- Seite 617 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 79/80, 4. X. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 615 Der Gesialiwandel des Judentums Zur Entwicklung des modernen jüdischen Denkens Eine Auf satzreihe von Hans Kohn ln den letzten fünfzig Jahren hat die jüdische Gemeinschaft einen tiefgreifenden Gestaltwandel durchgemacht. Die alten Lebensformen des jüdischen Volkes, insbesondere in den Ländern der Massensiedlung, sind zerbrochen und es entstanden neue Lebensformen unter dem Anhauch der Aufklärung und der Moderne. Das deutsche Judentum, obwohl in früherer Zeit geistig vielfach für das gesamte Judentum führend, hat die jüngste Entwicklung des jüdischen Denkens nur teilweise mitgemacht. Assimilation und Verbürgerlichung, die gerade in den letzten fünfzig Jahren das deutsche Judentum ergriffen, haben seine Empfindlichkeit für die neue Entfaltung jüdischen Lebens geschwächt. Die Ideen des 19. Jahrhunderts, der Liberalismus und insbesondere der Nationalismus, sind an dem jüdischen Volk nicht unbemerkt torübergegangen. Die alten Formen des rabbinischen Judentums wurden nicht nur im Westen verdrängt, sondern auch im Osten von der neuen Generation vielfach abgelehnt. Das Judentum geriet in eine Periode der inneren Gärung und U m g estaltun g. Die Etappen der sich innerlich vollziehenden Entwicklung werden angezeigt durch die Denkarbeit, einer Reihe von Persönlichkeiten, die als Pioniere und Exponenten des geistigen Umwandlungsprozcsses gewertet werden können. Nur aus diesem Gestaltwandel heraus kann die wichtigste moderne jüdische Bewegung, der Zionismus, verstanden werden. Viele unserer Leser, die erst jetzt mit dem lebendigen Judentum in Berührung kamen und sich nun auch für den Zionismus interessieren, sind nicht vertraut mit der Geschichte des bewußt-jüdischen Denlcens, wie es sich im i9. Jahrhundert und zu Beginn des 20. vollzogen hat und ohne dessen Kenntnis vieles in der zionistischen Entwicklung unverständlich bleiben muß. Eine zusammenhängende Geschichte des zionistischen Gedardcens und seiner ideologischen Entwicklung gibt es nicht, am ehesten nähert sich dieser Aufgabe ein Buch, das Hans Kohn in französischer Sprache hermsgeben hat, ״VHumanisme Juif" (Rieder, Paris). Das Buch ist nicht in deutscher Gebersetzung erschienen. Wir haben uns daher entschlossen, einzelne Abschnitte aus diesem Buche in zum Teil stark gekürzter Form in deutscher Uebersetzung zu bringen, wobei wir auch des gleichen Verfassen ״Zur Geschichte der Zionistischen Ideologie" (Zionistisches Handbuch, Berlin 1923) herangezogen haben. Es handelt sich um. eine objektive Darstellung dieser Denker in ihrer Zeitbedingtheit und ohne jede Wertung dieser zeitlichen Grundlagen, die natürlich andere waren ah in unserer Zeit. ließ!rar ein Sohn der französischen Revolution und des von ihr angeregten freiheitlichen Nationalismus, Achad llaam stand unter dem Einfluß der englischen Evolulionsphilosophie, Herzt nahm an dem Gedankengut seiner Zeit und Klasse, des liberalen Bürgertums am Ausgang des 19. Jahrhunderts, teil, Erst Buber und A. D. Gordon gehören in ihren geistigen Grund- Voraussetzungen der Gegenwart an, in Buber kündigt sich der neue Geist an, der im 20. Jahrhundert zum Durchbruch gekommen ist, in ,1, /). Gon Ion vcrl.nfijifen sich anarchosozialistische mit nationalsozialistischen Grundanschauungen. Bei Buber ist übrigens nur seine erste, die Entwicklung des Zionismus stärker beeinflussende Periode vor dem V/cltkrieg herangezogen worden; wer die weitere Entwicklung Bubers studieren will, findet sie in Bubers ״Kam pf um Israel“ (Scho cken-V erlag, Berlin 1933), das in der ״Jüd. Rundschau", Nr. 15 d. Js., von Dr. Ernst Simon ausführlich gewürdigt wurde, und in Hans Kahns ,,Marlin Ihiber, Sein Werk und. seine Zeit״, das soeben in einer neuen im Preise herabgesetzten Ausgabe im Scho Gz m~Verlag, Berlin, erschienen ist. Bcd. Heft und Achad Haam 1. Bis in das XVIII. Jahrhundert behielt das jüdische Volk in Europa eine einheitliche, durch Jahrhunderte alte Traditionen geregelte, in sich selbst sicher ruhende Form des Lebens. Um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts beginnt eine Lockerung des Qefüges, ein Gestaltwandel nicht nur der äußeren Erscheinung dieses seit so langer Zeit anscheinend starren Volkes, sondern auch der es beherrschenden Ideen. Die große Bewegung um Sabbatai Zwi, die als sehnsüchtiges Verlangen, der gewordenen Volksgestalt sich zu entledigen und eine neue, freudigere und reinere Zukunft zu bauen, jahrzehntelang nachwirkte, kündete von den glühenden Kräften, die unter der «chdnbir starren Hülle lebten. Die Lockerung des Oefüges begann an zwei entgegengesetzten Stellen, durch zwd Bewegungen, die auf den ersten Blick hin nicht nur ohne jeden Zusammenhang und ohne jede gegenseitige Beziehung, sondern auch in ihren» sozialen Charakter und in den sie beherrschenden Ideen völlig entgegengesetzten Motiven zu entspringen scheinen. Dennoch stellen diese beiden Bewegungen, wenn auch mit entgegengesetzten Vorzeichen, Tdlansichten einer und derselben Revolution dar, die eine neue Epoche der jüdischen Oeschichte einleitet «na eine Absage an dea bestehenden Zustand des Ghettos bedeutet. Beide Bewegungen entspringen in völlig verschiedenen örtliehen Verhältnissen: die Aufklärung setzt in den Oroß- Städten dn, die langsam durch die fortschreitende Industrialisierung zu Weltstädten heranzuwachsen beginnen; der Chassidismus entspringt in der weitentlegenen Abgeschiedenhdt karpathischer Dörfer: beide sind ein Protest gegen die jüdische Kleinstadt, gegen die räumliche Enge des Ghettos. Die Aufklärung wird getragen von dem sich bildenden Großbürgertum, dessen kapitalistische Wirtschafts- Ordnung zur Auflösung bestehender Gebilde drängt; der Chassidismus findet seine Anhänger in den ärmsten Schichten des Volkes: beide sind ein Protest gegen die Herrschaft der kleinbürgerlichen Oemeindegewaltigen. Die Aufklärung will die Ueberwindung des starren 1 raditionalismus durch den Anschluß an die großen, lebendigen, die Menschheit damals erschütternden Ideen; der Chassidismus wendet sich an die Unmittelbarkeit des Herzens, das keiner logischen Schulung bedarf, um Gott seinen freudigen Dank für die Schönheit dieser Welt darzubringen: beide sind ein Protest gegen die engherzige Unduldsamkeit traditioneller Gelehrsamkeit. Aufklärung und Chassidismus bewirken nicht nur einen Wandel in der äußeren Gestalt des jüdischen Volkes, sondern auch eine innere Neuorientierung. Aufklärung und Chassidismus mochten sich In der Folgezeit noch so sehr von ihrem ursprünglichen läuternden und befreienden Wesen entfernt haben (die erste Bewegung versandete in der Engbrüstigkeit der bürgerlichen Assimilation, die andere fiel auch ihrerseits der traditionellen Macht des Ghettos zum Opfer); durch ihre Anfänge hatten sie im Judentum eine Umstellung und Neuwerdung hervorgebracht. In ihnen beiden lebten ferne, in die palästinensische Zeit zurückgreifende Kräfte des jüdischen Volkes wieder auf; nicht umsonst berief sich die Aufklärung auf die Propheten, nicht zufällig ist Mapus Roman ״Ahavath Zion“ ejne Frucht der Haskalah. Aufklärung und Chassidismus waren die zwei lebendigen^Ströme, die das Judentum des XIX. Jahrhunderts durchliefen; ihrer beider Kind ist der Zionismus in seiner neuen Gestalt. Alles menschliche Denken ist miteinander verbunden. Von dem Denken des jüdischen Volkes führten stets viele Verbindungslinien in die Weite der Welt. Babylonische, parsische, hellenische, arabische, mittelalterliche und Renaissance- Ideologien fanden ihren Eingang in das Judentum, selbst in Zeiten seiner scheinbar strengsten Abschllellung. Immer waren jüdische Denker, vor! den Verfassern der ältesten Legenden der Bibel und den Vätern der Mischna über Maimonides und Spinoza bis zu Hermann Cohen von fremden Gedankengängen angeregt, immer beeinflußten auch sie ihrerseits die Ideologien der Völker. Wir werden daher auch bei den jüdischen Theoretikern immer wieder auf Anregungen scheinbar fremder Gedankengänge stoßen: entscheidend ist nur, wie weit ihre Gedanken den wesentlichen Traditionen unseres Volkes entsprechen, wie weit sie ihrerseits geeignet sind befruchtend und ncuschaffend im alter! Gäste zu wirken. * Dadurch, daß er in sich die fruchtbaren Anregungen der Aufklärung und des Chassidismus vereinigt und durch ihre Verarbeitung die theoretische Begründung des Zionismus in seiner neuen Gestalt in Anspruch nahm, wird Moses Heß1) einer künftigen Geschichtsschreibung wohl als die zentrale Figur des Judentums des XIX. Jahrhunderts erscheinen, fn seinem Büchlein ״Rom und Jerusalem“ geht er, der noch in der jüdischen Tradition aulgewachsen war, auf uraltes, wesenhaftes jüdisches Gedankengut zurück; deshalb konnten seine Gedanken so befruchtend wirken, daß wir fast alle späteren ideologischen Gedankengänge des Zionismus bereits in ihm angedeutet zu finden glauben. Er versteht es, die jüdische Tradition mit den philosophischen Einflüssen, die er von seiner Umgebung erhalt zu verbinden; er vermag vor allem, sein jüdisches Zukunftsbild in einen allumfassenden Menschheitsrahmen hineinzustellen. Sohn der Aufklärung, kosmopolitischer Sozialist, ist er doch der einzige, der zu seiner Zeit, völlig im Gegensatz zu Grätz, noch in der späteren Ver- Zerrung die Bedeutung des Chassidismus ahnt. Aus der Fülle seines historischen und soziologischen Denkens sieht er in der Wiedergeburt der jüdischen Nation ein Glied der großen geschichtlichen Bewegung der modernen Menschheit. Sein jüdischer Nationalismus ist nicht zufällige Folgerung aus irgendwelchen Tatsachen der ihn umgebenden Wirklichkeit, sondern ein notwendiges Qlied seiner alles natürliehe und menschliche Geschehen in eine Einheit zusammenfassenden Weltanschauung. In drei Ordnungen gliedert sich die von einem einheitlichen göttlichen Willen gelenkte Welt: in die kosmische, ln die organische und in die geschichtlichgeistige. Für die Entwicklung einer jeden Ordnung gibt es einen Sabbath, eine Zeit der Ruhe und der Vervollkommnung. Nach der biblischen Geschichte ist für die organische Oranung der Sabbath mit dem siebenten Tage angebrochen, mit der Erschaffung des Menschen, dem Abschluß der organlsehen Ordnung und dem Anbruch der geschichtlich-geistigen, ln dieser ist die Weltgeschichte eine Erziehung der Menschheit nach dem göttlichen Plane. Nun bricht auch für diese der Sabbath an, der siebente Tag, das Reich der Ruhe und der Vollkommenheit, das messianische Reich. Die französische Revolution bezeichnet den Anbruch des geschichtlichen Sabbath, der letzten Epoche der Menschheitsgeschichte. Ueberaus stark ist In Heß das Gefühl, in einer entscheidenden Zeitenwende zu leben, da der letzte große Akt der Menschheitsgeschichte beginnt und worin zugleich die jüdische Nation berufen sein wird, eine entscheidende Rolle zu spielen. ״Wir stehen am Vorabend des Geschlchtssabbaths und haben uns auf unsere letzte Mission vorzubereiten durch das Verständnis unserer Geschichtsreligion.“ Mit der französischen Revolution, mit dem Anbruch des Geschichtssabbaths, siegen uralte jüdische Ideen. Bereits ״im Altertum, als die Völker noch in der Nacht des Naturlebens versunken waren, gab es nur einen Volksstamm, das Volk Israel, das vermöge seines eigentümlichen Genies einen göttlichen Plan in der Geschichte der Menschheit erkannte. Das Judentum ist Geschichtsreligion, Geschichtskultus, im Gegensatz zum heidnischen Naturkultus“. Für die Juden war nicht das Sein das Wesentliche, sondern das Werden. Ihr Gott bezeichnet schon 1n seinem Namen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, und wenn die Hellenen das Volk des Raumes waren, so waren die luden das Volk der Zeit. Die Juden sind seit jeher das Volk der messianischen Hoffnungen gewesen. ״Jeder Jude“, sagt Heß, ״hat den Stoff zu einem Messias in sich“, Die jüdische Re* liglon kennt ein einziges Dogma, das der Einheit, der Einheit des Alls und der Menschheit. Durch das Judentum wird die Zeit der geeinten Menschheit anbrechen. ״Durch das Judentum jst die Geschichte der Menschheit eine heilige Geschichte geworden, ich meine dn einheitlicher organischer Entwicklung*- prozeß, der mit der Fanillienliebe beginnend, nicht eher vollendet ist, bis die ganze Menschheit eine einzige Familie sein wird, deren Glieder durch den schöpferischen Genius der Geschichte verbunden sein werden“. Jede große Wende in der Menschheitsgeschichte war begleitet durch tiefe Bewegungen innerhalb jenes Volkes, welches der Träger der Geschichtsreligion ist. Die Herbstäquinoktier. der Menschheit, der Uebergang vom Altertum zum Mittelalter war von der Entstehung des Christentums im Schoße des Judentums begleitet. ״Auch heute, während des Frühlingsäquinoktiums der Menschheit, wird wieder die große Zukunft, der wir entgegengehen, durch Bewegungen im Judentum angekündigt.“ Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist daher Voraussetzung der Vollendung der menschlichen Geschichte Voraussetzung aber der Wiedergeburt des jüdisehen Volkes ist seine Konzentration in seinem Heimatlande. Ist Heß in diesen Gedankengängen ein Schüler der phiio- *) ״Rom und Jerusalem“ erschien 1862. Eine Biographie Moses Heß’ ersenien von Theodor Zlocisti im Weltevrläge, Berlin 1921. Ebendort erschienen auch die sozialistischen Schriften von Mose* Heß, seine ״Jüdischen Schriften“ erschienen im Verlag von Louit Lamm, Berlin 1909. Eine englische Uebersetzung von M. Waxmaiin erschien New York 1913, sophischen Einflüsse seiner Zeit, so ist er es ebenso öfter! ihrer politischen Strömungen. Die französische Revolution bcdeutet ihm auch den Anbruch der Unabhängigkeitsbestrebungen der kleinen Völker. Ueberall sieht er die Eman/ipationskämpfe bisher unterdrückter Volker. Rom entstellt wieder im geeinten Italien; so soll auch Jerusalem wieder entstehen. Und zugleich wird die neue Zeit, die das Judentum mit heraufbringt, eine Zeit der sozialen Gerechtigkeit sein. Der anbrechende ücscliichtssabbath wird auch ein sozialer Sabbath sein. Die Erlösung des ludentums ist ein Teil und Voraus- Setzung zugleich der Menschheitserlösung. ,,Uns fehlt das Land, um das historische Ideal unseres Volkes zu verwirk• liehen, welches kein anderes Ideal ist, als die Herrschaft Gottes aut Erden, die messianische Zeit, die von allen unseren Propheten verkündet worden.“ II. So erfährt der Gedanke von der Mission Israels eine neue, vertiefte und auf geschichtlichen Traditionen fußende Wendüng durch Heß. Er versucht, die lebendigen Kräfte des Judentums zu wecken. Er verkündet eine Wiederbelebung, ״deren Vorbote sicherlich der Chassidismus ist. Das Gute, das aus einer Kombination von Chassidismus und nationaler Bewegung entstehen wird, ist fast unschätzbar“. Heß’ Auffassung hat die ungestüme prophetische Kraft und den unend- Beben Ausblick des einsamen Bahnbrechers; Achad Haam3), ״Einer aus dem Volke“, ist der Wissendvvägende, dessen unendlicher Glaube durch keusche Bescheidung fast nüchtern erscheint. Auch er glaubt an die endgültige Erlösung des jtidischen Volkes und mit ihm der Menschheit durch die Ankunft der messianischen Zeit; aber er sieht diesen Tag in weiter Ferne; bis dahin aber gilt es, Mittel und Wege zu finden, das Judentum zu erhalten. Das Vollcs-Ich ist für Achad Haam eine kulturelle Kontinuität in der Zeit, eine materielle, inhaltliche Einheit die bestimmt wird durch ihre historischon Erinnerungen und Eindrücke, und deren Zukunft bestimmt wird durch ihre Hoffnungen und Begeh rangen, die eng verschlungen sind mit den kulturellen Erinnerungen der Vergangenheit und ihnen entstammen. Zu den inhaltlichen Be- Stimmungen des Judentums gehören das Bewulitsein seiner Auserwähltheit, die eine sittliche Verpflichtung ist, der universale Nationalismus, das messianische Ideal und die soziale Gerechtigkeit. Diese durch ihre gesamte Geschichte inhaltlich bestimmte Volksindividiialität ist nun in Gefahr einer Giflösung; die jüdische Not ist keine individuelle Not, auch keim; sozial-ökonomische oder eine der äußeren Geltung der Gemcinschaft sondern eine sozial-geistige, die Auflösung des einheitlichen Judentums durch Assimilation in verschiedene Judentiimer, der Verlust der jüdischem Seelcnsubrtanz. Als einziges Mittel, um die gefährdete Liiheit des Judentums 711 retten, erscheint die Konzentration. Die Vereinigung aller Juden in Palästina ist das Ideal der messianischen Zeit. Aber schon jetzt vermag ״ein zentraler Ort, der an und für *ich und nicht durch einen zufälligen zeitlich bedingten Umstand eine hinlänglich starke Anziehungskraft besitzt“, als geistig einigender Mittelpunkt des Gesamtjudentums aller Länder zu wirken um die zersetzende Wirkung der Assimilation aufzuheben. Diese Wirkung aber kann Palästina nur in den Herzen derjenigen Juden nervorbringen, in deren Herz das Bedürfnis nach Wiederherstellung der nationalen Einheit vorhanden ist. ״Unter diesen Umständen kommt es vor aiiem auf die Belebung der Herzen an. Zu allererst ist dahin zu wirken, daß die Judenheit die fortschreitende Auflösung ihrer nationalen Einheit als Unglück zu fühlen beginne und in ihr der Wille zur nationalen Neubelebung allgemein erwache. Dann wird auch der Glaube an die Möglichkeit der Wiedergebürt in Zion immer stärker werden.“ (Schear Jascluib ,,Der Zionismus Achad Haam*“.) Auf Grund einer großen, alle Zweige de* sozial-ökonomischen Lebens umfassenden nutenomen jüdischen Siedlung in Palästina müssen dort qualitativ mustergültige Leistungen erzielt werden, die vorbildlich in alle Länder der Diaspora hinauswirken können, Auch für Achad Haam handelt es sich um eine Svnthcse der jüdischen Tradition und der Aufklärung. Aber im Zentrum dieser Synthese steht ihm ״das lebendig« Streben des Herzens nach des Volkes Einheit, Wiedergeburt und freier Entwichlung, dessen Urgcistc entsprechend, auf allgemein menschliehen Grundlagen,“ Das verjüngte jüdische Herz, von neuem s) Achad Haams Werke sind hebräisch und in deutscher Auswahl im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen. Um ihre Verbreitung im englischen Sprachgebiet hat sich insbesondere Leon Simon verdient gemacht, lieber Achad Haam vgl. das Achad-Ifaam-Helt der Monatsschrift ״Der Jude“, 1. Jahrgang, Heft 6, und Hau* Kohn, ״Fragmente zu einer Kritik Achat) Haams“ in ״Nationalismus4 (Verlag R. Löwit, Wien, 1022). Ucbcr Achad Haam und Berdyczewski vgl. Hugo Bergmann ״Jawnc und Jerusalem“ (Jüdischer Verlag, Berlin 1919),