Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- Seite 614 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 612 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79/80, 4.X. 1933 Nr. 7' Die Mission des Zionismus Von Theodar HersL Am 4■ Januar 1898 veröffentlichte dag JBerliner Tag*- hlatt" eine Zuschrift von Theodor Herzl, di» sieh polemisch gegen Ausführungen wendet, die der Arabien - Reisende Dr, Glaser im ״B. T." in bezug auf den Zionismus gemacht hatte. Wie zahlreiche Aeußerungen Herzig, ist dieser Brief in seinen prinzipiellen Teilen auch heute noch Oberaus aufschlußreich. Im zweiten Teil des Aufsatzes haben wir jene Absätze, die sich auf die damaligen Verhältnisse in der Türkei beziehen und daher gänzlich veraltet sind, weggelassen, und nur den Schlußabsatz, der besonders aktuell klingt, stehen gelassen. Der vorliegende Aufsatz, der wohl nur den wenigsten Zionisten bekannt ist, wird in die Neu• ausgabe von ilerzls ״Zionistischen Schriften" (Jüdischer Verlag, Berlin) aufgenommen. (Red.) Unter dem Scheine des Wohlwollens für diejenigen Be- Strebungen, welche die in den verschiedenen Ländern Europas bestehende politische und soziale Notlage der Juden durch eine vernünftige Kolonisierung zunächst der proletarischen Judenra&ssen beheben möchten, bat der An bi enr ei* ende Dr. QUter u dieser Steile (״B. T.״) gegen den Zionismus eine■ Hieb zu führen versucht. Das ״Berliner Tageblatt״ steht unseren rionistischen Bestrebungen nicht freundlich gegenüber. Dennoch erwarte ich von ihrer Courtoisie, daß Sie den nachstehenden Erklärungen Raum gewähren. Dr. (Maser, der die proletarischen Judenrnassen ebenfalto ansiedeln möchte, allerdings nicht da, wo sie es wollen, *ondern dort, ־wo e r es will, nämlich in Arabien, Dr. Glaser wünschte in guter Logik vor allem die palästinensische Kolonisation zu untergraben, und er scheint zu glauben, daß sein isolierter Gedanke sich den Vertretern der Jndenheit dann von selbst aufnötigen würde. Zu diesem Zweck erzählt er nun der Weit seine sehr arabischen ,Märchen. Die Zionisten sollen im Dienste der englischen Politik stehen, sie sollen die ״erste wirkliehe Zerschneidung und Teilung des türkischen Reiches“ beabsichtigen, er sieht schon die ״eventuelle jüdische Landarmee“, die freilich ״wegen ihrer geringen Zahl weder den Franzosen noch sonst jemandem imponieren wird“, an der Seite der eng• lischen Landarme« gegen die ״zu Lande von Korden her vor• dringenden Russen und Franzosen“ ins Feld ziehen. Wenn man Herrn Dr. Glaser bittet, erzählt er vielleicht auch gleich den Hergang der Schlacht, in welcher die ״eventuelle jüdische Land• armee“ natürlich den Kürzeren zieht, weil sie nicht nach dem Olaserschen Rate sich seitwärts in die arabischen Gebüsche geschlagen hat. Erfordert das noch eine gründliche Widerlegung? Das sind Geschichten, bei denen man stellend einschläft. Aber vir Juden haben von Blut- und anderen Märchen schon so viel auszustehen gehabt, daß uns die Erfahrung gebietet, die schädlichen Märchen zu erdrosseln, so lange sie noch jung und klein sind. Die Wahrheit ist, daß die Zionisten ebenso wenig eine ״rein englische“ als eine ״antifranzösische, antirussische oder antitürkische“ Politik machen. Die Zionisten wollen ganz einfach das, «ns sie freimütig rtrf dem Baseler Kongreß ln den Programmsatz gefaßt haben: ״Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimilieren können oder wollen.“ Nicht mehr und nicht weniger. Was man sonst noch hinzufügt, ist Fabel, Mißdeutung oder Mißverständnis. Die Zionisten glauben, daß zur vollständigen Lösung der namentlich im Osten Europas drückenden, aber auch anderswo empfindlichen Schwierigkeit eine Seßhaftmachung der von Land zu Land geworfenen Proletarier notwendig sei. Damit wäre zugleich auch die Verwendung derjenigen intelligenteren und aufstrebenden jüdischen Volkselemente ermöglicht, denen gegenwärtig in den antisemitischen Lindern jeder Beruf vergällt, jedes Amt entzogen, jedes Geschäft erschwert wird. Hat sich doch sogar vor kurzem in Oesterreich der Ruf erhoben, man möge die Juden vom Handwerk femhalten, sogar vom Han dwerk. Also nicht nur vorn Richterstand, von der politischen Verwaltung, vom Heeresdienst (wie ln Rumänien), von den Lehrämtern, von der Advokatur, von — kurz, von allem. Nun erfordert es der Umfang unserer Aufgabe, daß die Teilnahme, ja das Wohlwollen sämtlicher beteiligten Regier ungen gewonnen werde. Dies kann nur durch eine rückhaltloscöffentlicheDiskussion erreicht werden, und wir diskutieren öffentlich und rückhaltlos. Alle Regierungen sollen und werden hoffentlich auch bald einsehen, daß der Zfonftntu■ aus dem Judentum selbst heraus de Abhilfe bringt, die anders wohl kaum zu erlangen wäre. Eine g e 0 r d ־ nete Ableitung der flberschüsstgen jüdischen V o 1 k ■ t e i I e würde zweifellos als Erleichterung für Christen und Juden empfunden werden, and zwar sowohl für die Juden, die schon resorbiert oder resorbierbar sind, wie für die anderen, die viel unglücklicheren. Und wie soll das ausgeführt werden? Durch die Besiede-!ung eines ebenso verwahrlosten wie wichtigen Winkels im Orient. Wer würde dadurch bedroht oder geschädigt? Tatsächlieh niemand. Die Türkei nicht, für die es vielmehr einen Zuwachs an Wohlstand, an arbeitsamen und friedliebenden Volkskräften bedeuten kann, und in erster Linie schon in der nächsten Zukunft eine Regelung ihrer geradezu hoffnungslosen Finanzlage. Die anderen europäischen Mächte ebenso wenig, denn es so!! kein ״Pufferstaat“ oder was immer für ein beängstigendes Märchengebilde entstehen, sondern eine ganz neutra 1 e stille Niederlassung von Leuten, die sich mitallerKraftihrerSeelenachdauernderRuhe sehnen. Es ist ■wahr, daß in der natürlichen Entwicklung dieser Dinge auch die Anlage eines Schienenweges vom Mitteimeeru«cl!<ie!uNordeudedeaper(i«ci1ea Meerbusen* wäre. Aber will jemand leugnen, daß eine solche neue Völkerstraße im Interesse sämtlicher europäischer Kulturstaaten ist? Die deutsche Expedition nach Ostasien beweist wohl, daß nicht nur die Engländer politische und wirtschaftHebe Gründe haben, kürzere Wege als die jetzigen nach Asien zu Studien. . . . In dem Artikel Dr. (Masers wird von ״christlichen Helfershelfern“ der Zionisten gesprochen. Ich würde vorschlagen, die Bezeichnung ״christliche Freunde“ für diejenigen zu gebrauchen, die uns aus reiner Menschlichkeit bei dem anfangs verlachten und immer noch schweren Werk beigestanden sind und weiterhin beistehen wollen. Seit dem T oleranzrausch der über Europa kam — und ging, sah man einen so warmen Anschluß von Christen an Juden nicht, wie es der ist, den der Zionismus in allen Ländern bewirkte. Man kann darüber natürlich spötteln: ״Sie möchten uns weghaben״! Aber wer es recht verstehen will, der wird darin mit ernster Freude ein Vorzeichen erblicken jener Zeit, jener Versöhnung, der wir entgegengehen. Ein isenes palästinensisches Veriagsnniernelimen London, 2. Oktober. (J. T. A.) Wie die JTA. erfährt, konnte die finanzielle Beteiligung einer Reihe öffentlicher Institutionen und Verlagshäuser an der im August dieses Jahres in England eingetragenen ״Palestine Publishing Company Ltd.“, gesichert werden, einer neuen großen Druck- und Verlagsanstalt für Palästina, die die Herausabe von Werken jüdischer Oelehrter und Schriftsteller esorgen will, hauptsächlich solcher, die aus Deutschland stammen. Das Unternehmen soll nicht nur Gelehrten und Autoren, sondern auch einer bedeutenden Zahl qualifizierter deutsch-jüdischer Kräfte, Arbeitern und Angestellten des Druckerei- und Verlagsgewerbes Beschäftigung bieten. Dem Direktorium der englischen Gesellschaft gehören Sir Robert Waiey Cohen als Vorsitzender, Frau Persitz, Professor Norman Bcntwich, der Publizist R. D. Biumenfeld, der Kanzler der Universität Jerusalem Dr. J. L. Magnes, Herr Simons »und der Präsident des Keren Kajcmeth Ussischkin gl|ed*r »n. . . . Neon legale Einrelsestelfen in Palästina Jerusalem, 17. September. (•I.T.A.) In der ״Official Gazette“, dem palästinensischen Amtsblatt, veröffentlicht Chef sekret Ar John Hathorn Hall Bestimmungen der neuen Einwanderungsverordnung, ix» denen u. a. neun Hafen• reip. Grenzstädte ala einzig« legale Ein• reisepunkte für Palästina bezeichnet werden. Dem Generalmspektor der Polizei und ■einem Stellvertreter wird da# Recht gegeben, Ausweisungsbefehle *uszustellen and Personeu, die vor der Ausweisung stehen, gefangen zu halten, ihnen Zwangsaufenthalt varzuschreibe® oder von ihnen eine Sicherstellung zu erheben. Ferner werden die Kategorien angegeben, die von der Zahlung der Einwanderung■• abgabe befreit sind. Hierher gehören Angestellte dea Regiemngshauses, Schwestern im Regierungs• oder Heeresdienst, Erzieherinnen im Dienste von Regierungsbeamte« oder Offizieren, amtliche« und häusliches Personal des Konsularkorps, Priester aller Bekenntnisse, religiöse Führer, Mitglieder archäologischer Expeditionen und Touristen, denen verlängerter Aufenthalt bewilligt wurde. Dreißig Worte Jerusalem Von M. Y. Ben-Gavriel (Jerusalem). Abi einem In Vo*b«rclt«ag fe«fu1d!lch«a Buch »•b*s dem Büedtker׳*, N aebdraek ▼erb«(•■ Sehr verehrter Herr Einwanderer! Du wirst, Deinem Temperament entsprechend, manches bei uns schön, anderes wieder weniger schön finden. Da Du aber ein höchst seriöser Mensch hist und nicht mir die im Baedeker verzeichneten Dinge zu besichtigen gewillt bist, sondern auch den Wunsch hast, das Volksleben zu beobachten, hast Du Dich auf diese Reise mit genügendem Ernst vorbereitet und hast nicht nur die einschlägigen Werke gelesen, sondern Dich auch ein wenig in der Grammatik der beiden Landessprachen, hebräisch und arabisch, umgesehen. Trotz der Schwierigkeit der beiden Sprachen hast Du es erlernt, Worte im Wörter- Verzeichnis aufzusuchen, vorausgesetzt, daß man Dir dazu die Zeit läßt; aber eines hast Du vergessen: daß das Leben der Völker sich nicht aus Vokabeln zusammensetzt und daß die Seele der Rassen nicht nach grammatikalischen Regeln konjugierbar ist. Mit anderen Worten: es gibt Dinge, besonders im Orient, die einem kein Lehrer beibringen kann, weil sie, dem Alltag der Völker entwachsend, keinen Regeln unterworfen, von Tag zu Tag sich ändern. Wenn Du, zum Beispiel, Deinen Jerusalemer Freund fragen wirst, wie man am besten, sagen wir, nach Beth Alfa kommt, wird er Dir raten, von Haifa mit der ״naseleth“ zu fahren. Ha, wirst Du Dir sagen: nasefeth! und schon wirst Du im hebräischen Wörterbuch nachschlagen und wirst unter diesem W'ort die Uebersetzung Schnupfen finden. Entzündung der Nascnschleimhaut mit mehr oder weniger störenden Ausdrucksformen. Mit Hilfe des Schnupfens durch das ’emeq yesreel zu fahren, scheint Dir selbst für Palästina, das Land der Imponderabilien, merkwürdig. Verständlich wird Dir die Sache erst, wenn Du erfährst, daß die ׳Emekbahn so genannt wird, weil sie wie ein leichter Schnupfen durch die Land- Schaft tröpfelt. Du dringst in Deinen palästinensischen Freund um weitere Reisevorschläge, verstehst aber das meiste nicht, so daß er schließlich ungeduldig sagt: ״a 1 t e q a s c 11 q e s c h b a q u m q um!“ Wieder erstaunst Du, denn die Aufforderung, nicht mit dem Teekessel zu klappern, kommt Dir solange merkwürdig vor, bis Du vernimmst, daß diese Redewendung nichts anderes sagen will, als daß Du Ihn in Ruhe lassen mögest. Gut, Du läßt ihn in Ruhe und gehst allein durch die Bazare Jerusalems. Geilend ertönt plötzlich knapp neben Dir der Ruf ״au’a!“ Schnell beginnst Du in beiden Wörter- Verzeichnissen, im arabischen wie im hebräischen, zu blättern, findest natürlich nichts, doch erfährst Du im nächsten Augenbück handgreiflich, daß man dieses ״au’a“ am besten mit: Aus dern Weg! übersetzen kann, denn aus einer offenen Kanne Petroleum, die ein Lastträger auf dem Kopfe trägt, tropft einiges auf Deinen neuen Reiseanzug. ״Ma lesch“ sagt ein Passant begütigend und meint damit: was macht’s? A propos: Petroleum. Dieses internationale Wort versteht hier kein Mensch. Die Juden nennen es ,,neft“ und die Araber . . . halt, zum Teufel, was ist denn das schon wieder? Dort fährt einer auf einem kleinen Wagen, auf dem ein kleines eisernes Fafi aufrnonfiert ist, und schreit fortwährend: Gas! Gas! Merkwürdiges Land, denkst Du Dir, in dem das Gas frisch vom Faß verkauft wird. Interessiert bleibst Du stellen, denn Du bist natürlich begierig zu erfahren, ob man es kilo- oder literweise verkauft. Pardon, sagst Du aber dann, da Du schließlich bemerkst, daß ״gaz“ die arabische Uebersetzung für Petroleum ist. Bei einem Gemüsehändler siehst Du eine Frucht, die Du nicht kennst. Du erfährst, daß sie ״sabr“ genannt wird. Dein Begleiter, der, schnell versöhnt, sich Dir wieder angeschlossen hat, klärt Dich auf, daß es sich um die sehr wohlschmeckenden und ebenso stacheligen Früchte des Kaktus handelt In diesem Augenblick gehen zwei sehr schöne Jungfrauen vorbei, die Dich natürlich weit mehr als alle Kakteenfrüchte der Welt interessieren. Du erkundigst Dich, wer sie seien. ״Die eine,“ autworiet Dein Jerusalemer, ״ist eine Pragerin, die andere eine sabr.“ ,,Aeh?“ artikulierst Du verblüfft, ״eine Kakteenfrucht?“ Nein, mein Freund, ״sabres“ heißen auch die jungen Leute, die, nicht cingcwandert, im Lande geboren sind. Erschüttert beginnst Du mählich an der Möglichkeit zu zweifeln, diese Sprachen je zu verstehen. Du willst aber doch Kakteenfruchte kaufen und fragst nach dem Preis, Allmählich errät der Verkäufer dein Arabisch und antwortet, daß zehn Stück eine ״ta'arife“, fi'mfunzwatuig einen ״’irsch“ kosten. Du bist nun, ich wette darauf, ebenso klug wie zuvor, wenn man Dich nicht aufklärt, daß ta’arife (das deutsche ״Tarif“ kommt übrigens davon) ein halbes Pksterstück Die Bedingungen der Einordnung Ein Brief am Palästina Di*I nachstehenden Ausführungen!entnehmen wir einem Brief», den unser Freund Max J acobsohn aus Gan-Schmuel an seine Breslauer Geslnnungsgenossen gerichtet hat. Es ist ihm gelungen, mit seiner Familie den Weg der Umschichtung vom Berufe des Rechtsanwalts zur Landwirtschaft zu gehen und die Ansicdlung als Pflanzer vorzubereiten. (Red.) ... Bis unser Haus fertig wird, werden vielleicht noch sechs Monate vergehen, weil die Bautätigkeit im Lande un• geheuer groß ist urul Mangel an Arbeitern herrscht. Aber diese lange Uebergongsz.eit wird uns sehr nützlich sein. Wir sind nfimlich für diese Zeit in die Kvvuzah Gan-Schmuel auf• genommen worden und arbeiten in der Wirtschaft der Kwu• zah, um uns für die künftige Arbeit und für die eigene Wirt■ Schaft vorzubcrciten. Wir haben hier Gelegenheit, alles zu lernen, was wir brauchen. Denn die Kwuzah liegt nur 2 km von unserem eigenen Boden entfernt und hat ganz die gleichen wirtschaftlichen und klimatischen Bedingungen. Die Mitglieder der Kwuzah ■ind uns gegenüber von jener warmen Hills■ Bereitschaft erfüllt, die ich bisher noch nirgends außer in Palästina angetroffen habe. Wir sind eehr glücklich darüber, daß wir eine Zeitlang unter diesen Menschen in der Kwuzah leben dürfen, und hoffen, daß wir uns damit zugleich bcfreundete Nachbarn für die fernere Zeit gewinnen. ,., Unsere Umgebung hier in der Kwuzah ist aelbstver• stündlich rein hebräisch. Eine andere Sprache ist hier nicht zu hören. Unsere Kinder sprechen schon ■ehr fleißig hebröisch, sie plappern es sogar, und unsere Jüngste hat za unserem Stolz in der letzten Nacht aus dem Schlaf hebräisch gesprochen. Natürlich ist der Wortschatz der Kinder noch sehr begrenzt. Aber sie wachsen sehr natürlich in die Sprache hinein. Ihre Lehrmeister sind die Landeskinder, mit denen sie umgehen. .., Das Land geht in einem unerhörten Tempo vorwärts. Ueberall ruft man nach den Arbeitern. Die Regierung gibt zu wenig Arbeiter-Zertifikate. Wenn noch Tausende von Arbeitern plötzlich einträfen, htitten sic alle sofort Arbeit. Auch für Handwerker und Landwirte ist noch viel Platz im Lande. Aber leider kommen gerade aus Deutschland viele mit der Absicht, einen kaufmännischen oder freien Beruf fortzusetzen. Oft geschieht das auf Kosten derer, die schon seit vielen Jahren im Lande sind. Hier mul! man einmal sehr offen reden. Wenn in einer Stadt einige Aerzte in jahrelanger harter Arbeit und unter allen Entbch■ rungen, die das Leben Palästinas noch vor wenigen Jahren mit sich brachte, häufig auch unter persönlichen Gefahren (z. B. In malariaverseuchten Gegenden) gestanden und sieh schließlich eine Existenz gegründet haben — und wenn dann neue Aerzte kommen, die inzwischen in Europa unter beque• men Verhältnissen gelebt und womöglich ״Professoren“ gcworden sind, ■0 wird man verstehen, daß diese auf Titel und auf eine bürgerlich-europäische Vergangenheit gestützte Konkurrenz keinen Idealzustnnd bedeutet. Was von den Acrzten gilt, das eilt — mutatia mutandis ׳— von den meisten bürgerlichen Berufen. Menschen, die bisher in Europa bequem und wohlhabend gelebt haben, sollten bedenken, daß sie ein• fach kein Recht naben, durch Ihre Ueberlegenheit an Titeln, Kapital usw., alt« Palästinenser aus beruflichen Positionen zu verdrängen. Es gibt unter diesen Neulingen viele, die niemals lür die jüdische Gesamtheit etwas übrig hatten, und die jetzt recht schranken■ los da» größte Werk der jüdischen Gemein• Schaft auanutzen. Es gibt unter ihnen Menschen, die sich nicht einmal um die Erlernung der hebräischen Sprache bemühen. Ob das Land diese Typen wirklich aufsaugen wird ob die alten Palästinenser sich mit ihnen abfinden werden, ist mir fraglich. Wer aber in Bescheidenheit kommt, bereit Ist zur Ein• gliederung in hebräische Kultur, sein Leben nicht nur nach egoistischen Grundsätzen, sondern auch nach den Erfordt-1■• nissen des Landes gestaltet, und entschlossen ist, ein wirklich neues!,eben im neuen Lande aufzuhauen, der wird hier zwar zunächst kritisch geprüft, dann aber freudig aufgenommen werden. Mögen viele von euch, liebe Freunde, mit solcher Einstellung hierher kommen. Max Jsc obsohn, Zwei Juden aus Jerusalem, A. M. Freund und Salman White, haben in P 0 r i a h bei T i b e r 1 a s ein Gebiet von 3000 Dunam angekauft, um dort eine neue Siedlung an zulegen. Die Siedlung soll aus einem städtischen und einem ländlichen Teil bestehen; der städtische Teil soll in 19״ל Parzelien aufgeteilt werden. Wasser wird aus dem Tiberias- See durch eine Pumpanlage beschafft werden. Die Siedlung soll den Namen ״Ncu-Tiberias“ erhallen. bedeutet, während ״’irsch“ nichts anderes ist, als ״g u• rusch“, wie man in Palästina, das nur im Ausland ge־ bräuchliche Piaster (das, wie ich höre, aus dem Polnischen stammt) ausspricht. Uebrigens gibt es, um au! dem dornigen Weg des Gesetzes zu bleiben, in Palästina off:- ziel! weder Piaster noch Gurusch, sondern ״Mils“, doch kein Mensch in diesem Lande ist jemals auf die phantastische Idee gekommen, ein Piasterst&ck etwa nach gesetzt! ' Vorschrift mit Zehnmilstück zu titulieren. Du hast gehört, daß man im Orient feilschen muß; also bietest Du den Mann für seine Früchte einen geringeren Preis. Dieser aber antwortet darauf mystisch wie ein Orakel: ״buqrah f'< misch-tnisch.“ Ah, denkst Du, der Mann hat Dich nicht verstanden, denn er meint, daß es morgen Aprikosen )!!'׳>• die Redewendung will aber nicht wörtlich, sondern übertragen verstanden werden unii heißt dann etwa: •Ja, Schnecken!“ Der Mann wollte damit umschreiben, daß Des Angebot indiskutabel ist, und daß Du zum Teufel geben sollst. Da Du die Frucht aber doch gern versuchen mörtifest, gibst Du, was er fordert, erhältst dafür mehr als eine Familie mit Haustieren, wie Esel und Kamel, vertragen kann und beißt herzhaft in eine der Früchte. Dein Begleiter ab«er ist über Dein Nachgeben verärgert und murmelt ״a c h a 11 a pusmaq“, womit er aber keineswegs andeuten wollte, daß Du einen Strumpf gegessen hast, sondern daß Du, "i־ man so sagt, hereingetallen bist. Vielleicht sagte er auch ״natalta b’pali“: Du bist in eine Kanne gefallen, i״ eine Petroieumkanne. Dies ist aber nur auf Hebräisch mö?־ lieh, denn der Araber bezeichnet diese Blechkanne, übrige״? eine der wichtigsten Grundlagen des modernen Orients, auf dem gut fünfzig Perzent des gestaltgewandelten Ostens aufgebaut sind, mit ״t e n e k i״. Gellende Rufe ״b a r ä!1, ya barnd“ erschrecken Dich, aber Dein Gesicht heitert sich aut, da Du erkennst, daß der messingtellerklappernde Mann■ der diesen Ruf ausstößt, welcher laut Wörterbuch mit ״kalt״ übersetzt wird, etwas Trinkbares verkauft. Du trinkst mit Genuß, versuchst auch das nebenan verkauftwerdende ״gasös“, das aus Kohlensäure, Wasser und Möbelpolituf oder Kamelurin bestehend, das Land überschwemmt, kommst 1' ' ’ י'' ׳ ‘ ’ ’ ' r':' sondern ״barud“i Deu Die Örlcbniss großen i ilier Te .'iouistisc durch ::ich der Jigcn F סי war 1 ist vom erst der wirkend! dige Re D i < 1: r e z 1 (ach ge\ zurück, sein der seiner l dem jed nach Er! war, gal werte I Gewiß! aus pos in Palä! hatte ve etwa be Die Pal Gebiet 1 s i a n i s Mar schätzen der Jud bezahlet zu lock( ihrer be entfernt, wußte e für die bestand, ziehung eine zw Verbind! Die der etw jüdische pas ist folgt, a! welche 1 Preises hat. Au Osten ir im gleic misieruri Gefühle! aber re] Juden 1 Zersetzt Palästin, die Jud! den Zus sfaunfici und wi aller De R e a 1 i I eine Te! nnpfun( Ort neu fur die dieser! cs alleir vorfind( Ideal; Jugend anders Gefühl Wei Dir, sei rückzuli denn d S p r e n ergeben rend de artikuli( heißt ni palästin׳ komme! wobei c den) rr r'ha:rtas׳ Kunst r weiblicl;;egenk( schon 1;anet r Ga« et! Wei ße, Beginns■ bei ein nomniet ",eiliger sehen, 5•׳'chsisc schweiß Vordere kennt. 1 aber de Haus zi "je das Die an Wassers keit ev kämm Haus d« Deinen Pforten Fieberh buch, b aus de!