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Jüdische Rundschau · 1933-09-29 · Heft 78 (29.9.1933) · p. Seite 602

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 78 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
Seite 602 (sequence 14)
Language
German
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וי. t I l| 1• t* ־{ 1 |! c-, « Seite 600 tritt!eitler selten «in, kommt auch nicht immer zur Beratung■, da dies,• Gruppe 7u einem gewissen Teil ihren Weg nach Palästina allein finde!. Ueberraschend ist die Feststellung, daß sich auf fast jedem Gebiet industrieller Betätigung, auch auf dem gar!/־ besonderer Spezialitäten, luden mit Vorzuglieber A u s b i 1 du n g finden. Es braucht aber nicht betont zu werden, daß nUlit jeder vorzügliche Fachmann sich zum selbständigen! 'ntcrnehnier eignet. Man darf sogar behaupten, daß dieser Fall selten eintritt. Gerade Fachleute auf industriellem Gebiet, besonders wenn sie aus Oroßuntemehmimgen kommen, sind meist sehr einseitig tätig gewesen und verfügen nur selten über die Qualitäten, die ein industrieller Fachmann aufweisen muß, der in Palästina ein mittleres Unternehmen begründen will, d. 11. sowohl Kenntnis aller Iiet8i!fra״en wie Uebersicht über das rationelle Funktionieren des Ganzen, Die Zusammenfülirung von geeigneten Fach- I £ u t e n und Kapitalisten vollzieht sich unter Bedingungen, die an keine Regel zu binden sind. Hier gelten nicht nur sachliche, sondern auch personelle Voraussetzungen, die in jedem einzelnen Falle besonders liegen. Auf die Prüfung der persönlichen Qualität ist beim Techniker und Kaufmann kein geringerer Wert zu legen als beim landwirtschaftlichen Chaluz oder Handwerker. Die Unternehmertätigkeit in solchem Rahmen ist in Palästina nicht weniger als Pionierarbeit aufzufassen und erfordert fast durchweg eine voll!ge Umstellung der Auswanderer in bezug atir wirtschaftliches Denken, Arbeitsmethode, Lehensgewohnheilen und Ansprüche,!:inen wesentlichen Teil der Beratung bildet daher die allgemeine Information über die Gegebenheben Palästinas, wobei die Schwierigkeiten eher übertrieben als verkleinert darzustellen sind. Bei der Naivität, mit der die Ratsuchenden häufig Palästina heute ebenso selbstverständlich als das auf sie wartende .,gelobte Fand“ betrachten, wie sie es früher als indisktitab* icn l.ehensraum ,iblelmten. spiel( diese harte und illusionslose I )arsteiiung der Realität eine grolle Rolle. VII. Nach keinem Gesichtspunkt fassen sich ohne weiteres Möglichkeiten ln? industrielle Betätigung in Palästina aufzählen. Wie überall auf wirtschaftlichem Gebiet ist hier besonders hcirie Schematisierung möglich. Bei Empfehlungen, die auf Grund eines wirklich vorliegenden Bedürfnisses gegeben werden, ist heute auch größte Vorsicht am Platz, dem! schon beim Auftativhen eines Plans stellt sich bereits eine Falle von Interessenten ein, die hier auf (irund einer gleichen oder ähnlichen früheren Tätigkeit ein Wirkungsfeld erblicken. In der Palästina-Wirtschaftsstelle ist stets interessantes Material vorhanden, das geeigneten Ratsuchenden aussichtsreiche Wege weisen kann. Möglichkeifen auf einzelnen Gebieten werden laufend in der ״Jüd. Rundschau " v e r ö f f c n 11 i c!1 t. Verallgemeinerungen erwiesen sich auf diesem schwierigen Gebiet meist als jüdische Rundschau falsch. So wird auf dem Gebist der kosmetischen In•׳ dusfrie bereits eine gewisse Uebersetzung fühlbar, ebenfalls auf dem Gebiet der pharmazeutischen Industrie. Aber die Beurteilung fällt in jedem vorliegenden Fall anders aus, und wenn man beispielsweise die Erzeugung von Parfums bereits als problematisch betrachten kann, wird man unter gewissen Umständen die Erzeugung spezieller Badesalze für nicht aussichtslos halten. Auch gewohnheitsmäßige Beurteilungen, die der allgemeinen hiesigen Erfahrung entspringen, sind nicht immer am Platze. So stellen sachvcrständige Beurteiler der Herstellung guter Damenkonfektion in der hier üblichen Organisationsform der Zusammenarbeit mit Betriebswerkstätten eine günstige Prognose, während gegen eine maschinelle Einrichtung moderner H errenko 11 fektion wichtige Bedenken, besonders im Hinblick auf die Verdrängung gesunder Schneiderbetriebe, entgegenstellen, VIII. Ueber die Möglichkeiten für Handeltreibende kann in diesem Zusammenhang nur wenig gesagt werden. Es bedarf keiner näheren Erläuterung, warum die typische Anfrage des Manufaktur-Warengeschäfts, das seinen Betrieb nach Palästina verlegen will, durchweg negativ zu beantworten Ist, Auf die Lücken in der palästinensischen Handelsbetätigung braucht hier nicht hingewiesen zu werden. Diese Zwischenräume werden ohne jedes planmäßige Zutun reibungslos und schnellstens ausgefüllt. In seltenen Ausnahmefällen werden Fachleute für spezielle Handelszweige auf Anforderung ohne weiteres nachzuweisen sein. Trotz dieser selbstverständlichen Vorbehalte wäre es übertrieben zu behaupten, daß im Handel überhaupt keine Betätigungsmöglich• heit für westeuropäische Juden vorliege. Kur bedarf es hier keiner Hinlenkung auf vorliegende Notwendigkeiten, sondern das Bedürfnis schafft neue Bi!- düngen, die neuen Bildungen neue Bedürfnisse. Kaiifleute, die hier Spezialgeschäfte vorzüglich und erfolgreich geleitet haben, werden auch in Palästina bei richtiger Anpassung und in den engen gegebenen Grenzen sich durchsetzen können; aber das sind Möglichkeiten für ganz Wenige. In früherem Zusammenhänge wurde bereits vor dem Großbetriebe im Einzelhandel und den Einheitspreisgesebäften gewarnt. Man erspare Palästina Wirt• schattsformen, die weder der Größe des Bedürfnisses entsprechen, noch in das vernunftgemäße Bild des allgemeinen Wirtschaftsaufbaues sich ein fügen können. Vielleicht kommt diese Warnung noch zu früh; daß sie eines Tages not■ wendig sein wird, scheint ohne Zweifel, und es wäre die Aufgabe der geeigneten Wirtschaftsinstanzen, die öffentliche Meinung in diese Richtung hin planmäßig zu erziehen, IX. Eine schon wiederholt erhobene Forderung sei hier noch• mals erwähnt: Wie das Palästina- Amt die amtliche Nr. 79, 29, IX.!933 Stelle darstellt, die im Auftrag der palästinensischen Einwanderungsbehördfe die Zertifikate an die mittellosen Aus- Wanderer verteilt, sollte es auch möglichst bald damit betraut werden, eine gutachtliche Ueber Prüfung der Kapitalistenauswanderer vorzunehmen. Auf diese Weise könnte eine Vorarbeit geleistet werden, die durchaus im Sinne sowohl der Mandatsregierung wie der Auswandernden selbst liegt. Diesen letzteren könnten oft Enttäuschungen, kostspielige Experimente und große Zeitverluste erspart werden. Bisher hat es — und das muß betont werden — in Palästina noch keine in Betracht kommenden Rückschläge auf industriellem Gebiet gegeben. Fast ausnahmslos haben sich die Neugründungen gehalten und meist günstig entwickeln können. Das heutig* Ausmaß der Neuschöpfungen bedarf zweifellos sorgfältigerer Vorbereitung und Kontrolle, die hier einsetzeix und in Palästina fortgesetzt werden muß, X. Wir wären schlechte Beobachter, wenn wir nicht aus den gewaltigen Wlrtschaftsuntwiüzungen des letzten Dezenniums viel gelernt hätten. Die Hauptlehren liegen auf dem Oebiet der planenden Wirtschaffskontrolle im Rahmen einer nationalen Wirtschaftspolitik imd in der riehstigen Einschätzung einer gesunden, nicht ü b e rt ri c benen Wirfst 11 aftsautarkie. Palästina ist ein kleines Land; es gilt daher aus der Enge in die Weite zu denken und nicht umgekehrt, jede Betrachtung wirtschaftlicher Möglichkeiten in Palästina soll den übergeordneten Standpunkt, der vom nationalen Veranf- Wortungsbewußtsein diktiert wird, nicht vermissen lassen. Auch privatwirtschaftliches Denken braucht nicht in schrankenloses Manchestertum auszuarten, sondern hat seinen Platz im festgefügten Bild eines nach überindividuellen Gesichts punkten geforderten Aufbauplans. So soll zum Schluß dieser nüchternen Betrachtung gesagt werden, daß unsere Idealvor- Stellung die Eingliederung der Wirtschaft in einen zweck mäßigen und gesunden konstruktiven Plan ist, der niemals das ״Zurück zur Natur“, die Verbindung mit der Erde, außer acht lassen darf. Hier läge eine besondere Aufgabe für den deutschen Zionismus: Bei den Wirtschaftsplänen nicht den natürlihen Zn■ sammenhang 3a vergessen, die bekannten Fehler der Ent• wieklung einer dem Boden entfremdeten Industrie mit allen daraus folgenden Schaden zu vermelden und Betriebe um landwirtschaftliche Siedlungen herum, landwirtschaftliche Randbetricbe um Industriestädte herum zu entwickeln, da• mit auch der wirtschaftlich Tätige ln einen organischen und glücklichen Zusammenhang mit dem Land gebracht wird und auch Ihm das Ideal jener ״b 0 ■ denstündigen Verwurzelung“ nicht verschlossen bleibt, dem jeder Chaluz als dem eigentliche» Wunschbild nachstrebt. PALAST INA-ANZEIGEN Tel-Awlw FrUchroaemEtiraJU tl (ma Meer) Pension Danziger Neiizeiiltch » Modern cinaerichtet * Große Zimmer * Best«.* curop. Küche כשר * Großer Dachgarten * Familien erhalten l'reisermäßij». Tel Awiw Private Pension Fielt Kürvrr hen JrhtuU .Street 24 Moderner Neubau mm Meer. Gote Küch< Knäfjige Preise. 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