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Jüdische Rundschau · 1933-09-29 · Heft 78 (29.9.1933) · p. Seite 601

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 78 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
Seite 601 (sequence 13)
Language
German
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jddische Rundschau Seite 599 Nr 78 29 KX 1933 Paläsi ina -Wirtschaft Wirtschaftsberatung für Palästina Von Dr. Georg Strauß, Leiter der Palästina-Wirtschaftsstelle. Die nachfolgenden Darlegungen entsprechen einem Referat, das der Autor, Dr. Georg Strauß, gelegentlich der Zusammenkunft der Palästina-Berater aus Deutschland in Berlin vor einiger Zeit auf der Tagung gehalten hat. (Red.) Aus der Erkennliiis heraus, daß Tempo und Ausmaß der wirtschaftlichen Entwicklung in Palästina, wie sie sich seit längerer Zeit vollzieht, eine besondere wirtschaftliche Beratung der mit kaufmännischen Plänen nach Palästina Auswandern־ den erfordert, wurde vor 3 Monaten in Berlin die ״Palästina- Wirtschaftsstelle“ gegründet. Bevor über die praktischen Arbeiten dieser Institution berichtet wird, ist es notwendig, eine Reihe von grundsätzlichen Fragen zu behandeln, von deren Analyse und Beantwortung aus erst die täglich andrängenden Aufgaben planmäßig in Angriff genommen werden können. I. Erst seit wenigen Jahren ist die Privatinitiative innerhalb des Palästinaaufbaues in den Vordergrund getreten. Noch vor einem Jahrzehnt galt es selbst in vielen offiziellen zionistiscrien Kreisen, die sich verantwortlich, mit dem Aufbauwerk beschäftigten, als ketzerisch, der privaten kaufmännischen Betätigung in Palästina eine Bedeutung überhaupt /uzumessen. Jede Art von privatem Unternehmertum wurde mehr oder weniger als geduldet, ja häufig als nicht cigentlieh erlaubt angesehen, wobei zweifellos gewisse ethische Prinzipien im Vordergrund der Beurteilung standen. Man wehrte sich instinktiv gegen die Vorstellung, ״Händler und Fabrikanten“ in Erez Israel eine entscheidende Rolle spieien zu sehen; und historisch genommen, hatte diese Bewertung zweifellos ihren fruchtbaren Sinn. Trotzdem ist diese Konzeption eines einseitig I a n d wirtschaftlichen Palästinaaufbaues, ökonomisch gesehen, wirklichkeitsfremd; schon früh ließen sich warnende Stimmen hören, die aut die großen Möglichkeiten eines gesunden Indtistrieaufbaues in Palästina hinwiesen, und allmählich hat dann die positive Entwicklung einer Reihe von industriellen Unternehmungen selbst, sowie die steigende Einsicht in die großen ökonomischen Zusammenhänge die l eberzeugung reifen lassen, daß in Palästina neben der Land- Wirtschaft und dern Handwerk das Gewerbe seine natiirliehe Daseinsberechtigung hat. Heute scheinen wir uns einem Zustand zu nähern, wo eine Reihe von Voraussetzungen, die mit den tief eingreifenden wirtschaftlichen Umformungen in der Lage der Judcnheit Zusammenhängen, zu einem Tempo des industriellen Aufbaues in Palästina führen, das an verschiedenen Stellen vielleicht schon die Tendenz: zur IJebersetzung zeigt. Diese Situation erfordert nüchterne Besinnung auf die natürlichen Grundlagen des palästinensischen Kolonisatienswerkes und eine sorgfältige Beobach• tung der ״Gründungskurve“, denn tatsächlich leben wir in einer Gründerzeit, deren Gefahren nicht unterschätzt werden dürfen. Es darf unter keinen Umständen vergessen werden, daß die organische Grundlage des Aufbaues immer und immer wieder die Landwirtschaft sein mußg und daß diese Grundlage auf breitester Basis entwickelt und in vernünftiger Proportion erhalten werden muß. Die Erkemitnis dieser natürlichen Grundlage ist glücklicherweise schon so tief im Bewußtsein der mit dem Aufbauwerk Verbundenen verankert, daß an diesem obersten Grundsatz von keiner Seite aus gerüttelt werden kann. Aber: Palästina ist ein kleines Land, und daher ist die Möglichkeit industrieller Betätigung als kostbares Geschenk zu betrachten, das den palästinensischen Lebensraum wesentlieh erweitern kann. n. Es ist zweifellos, daß durch die Ereignisse in Deutschland der Industrieaufbau Palästinas weiter mit verstärktem Tempo vorwärtsgetrieben wird, denn gerade in Deutschland stehen aus fast allen Industriezweigen Fachleute vor der Notwendigkeit, nach ihrer Ausschaltung aus dem deutschen Wirtschaftsprozeß sich neue Existenzen aufzubauen, und der Zug der Wanderung führt diese Menschen nach Palästina. Hinsichtlich der Tüchtigkeit der deutschen Juden auf wirtschaftlichem Gebiet herrschen fast überall in der Welt sehr positive Vorstellungen. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß jüdische Tüchtigkeit und Zähigkeit an entscheidenden Stellen beim Aufbau der deutschen Wirtschaft mitgewirkt hat. Aber im Hinblick auf die zukünftig« Betatigung dieser Juden aus Deutschland in Palästina sollte man sich von gewissen Illusionen freihalten und sich vor übertriebenen Bewertungen hüten, Auch die deutschen Juden haben ja fast überall die Fehler der Ueberexpansion mitgemacht, die von der gesamten deutschen Wirtschaft beuangen worden sind. Dazu kommt, daß die aus Deutschland auswandernden Juden meist ganz naive Vorstellungen von Palästina haben und nicht durchweg von dem Pioniergeist beseelt sind, der drüben von Jedem gefordert wird. Diese aus ihren Arbeitsgebieten Verdrängten streben nur danach, auf schnellstem Wege siel» in ihrem besonderen Fachgebiet wieder zu betätigen, das Muß der Selbsferhaltung treibt sie gebieterisch, sei es wo auch immer und unter welchen Bedingungen, eine neue Existenz im Bereich ihrer!Kenntnisse und ihrer Erfahrung zu gründen. I . Wichtig ist, daß vielen ausgezeichneten Fachleuten nicht ■ die erforderlichen Betriebsmittel zur Verfügung stehen, ■ und welcher Auskunftgebende hört nicht fast immer bereits lim Beginn der Beratung die naive Frage, welche Bankinstitute in Palästina das zu einer Gründung fehlende Kapital zuschießen würden. (Glücklicherweise kann diese Frage fast durchweg verneinend beantwortet werden. Die palastinensischen Bankgrundsätze sind überaus konservativ und schalten spekulative Betätigung fast durchweg aus.) III. Diese kritischen Bemerkungen sollen nur dazu dienen, der Entstehung einer Legende von einem sogenannten ״p a lästinensisclen Wirtschaftswunder“ schon im Werden entgegenzutreten. •Wir habe«! während der letzten IV* Jahrzehnte das Scheitern so vieler Wirtschaftswunder erlebt, daß wir nicht mehr geneigt sind, an automatisch steigende ״prosperity“ unter noch so günstigen Vwbedingungen zu glauben. Palästina, das schon so viele Wunder gesehen und so viele auch wirtschaftliche Umwandlungen erlebt hat, soll unter keinen Umständen als Retorte für gewagte Wirtschaftsexperimentc mißbraucht werden. Die neuen Einwanderer, die vielfach mit so großer Selbst- Verständlichkeit in das eins! bespöttelte kleine Land mit großen Projekten^ ziehen, müssen immer wieder zum Umlernen erzogen werden, und wer nicht mit chalu/ischcm Geist und pionierhafter Gesinnung nach Palästina geht, wird auch als Industrieller keinen sicheren Boden unter den Füßen finden. Gegenüber allen einschränkenden Ueberlegungcii aber sprechen die Ziffern eine optimistische Sprache: Zwei Gesichtspunkte geben vor allem Anlaß zu positiver Bewertung der industriellen Entwicklung: 1. der fortgesetzte starke K a p i t a 1 e i n s t r om nach. Palästina, der hereinfließt, ohne das Land mit nennenswerten Schuldzinsen zu belasten; 2. die bedeutende Spanne zwischen den Import- und E x po r t zi f tei n, in der große Möglichkeiten erweiterter Industrieanlagen begründet liefen: Import nach Palästina 1*132 zirka £ 7 760 000.— Export aus Palästina 1932 zirka £ 2 380 000.—. Die Passivität der Handelsbilanz mit über 5 Millionen Pfund zeigt ein weites Feld für die landwirtschaftliche und die verarbeitende Industrie. IV. Wir leben in einer wirtschaftlichen Krisen zeit, die auch den resolutesten Anhänger privatwirtschaftlicher Prinzipien zum Umdenken gezwungen hat. Es gibt wohl keinen vernünftigen Wirtschaftler mehr, der sich nicht der Gedankenwelt einer notwendigen Kontrolle der Wirtschaft, einer in vielen Bezirken pianwirtschaftlichen Vorsteilung des ■ökonomischen Aufbaus genähert hat. Palästina, das das paradoxe Schauspiel eines inmitten des Weltwirtschaftssturms fast krisenfesten Wirtschaftsorganismus bietet, scheint fast der Gefahr entgegenzugehen, eine ti heroptimistische Wirtschaftspolitik des ״laisscr faire, laisser aller“ zu treiben und damit den Grundprinzipien des nach nationalen Gesichtspunkten geleiteten Aufbauwerkes untreu zu werden. Das gewaltige Tempo der wirtschaftlichen Entfaltung bedarf der iiberindioiduellen, nationalen Kontrolle, eine Forderung, die besser heim' Beginn der Entwicklung und unter positiven Vorzeichen erhoben wird, als in einem Zeitpunkt, wo bereits Krisenerscheinungen gebieterisch das Eingreifen erfordern. Schon Theodor HerzI hat im ״Juden- Staat“ mit genialer Voraussicht die Notwendigkeit der planmäßigen Industriekontrolle erkannt: ״Der Unternehmungsgeist kann auf gesunde Weise angeregt werden. Die spekulative Planlosigkeit wird vermieden. Die Etablierung neuer Industrien whrd rechtzeitig bekanntgeinacht, so daß die Unternehmer, die ein halbes Jahr später auf den Einfall kommen, sich einer Industrie zuzuwenden, nicht in die Krise, ins Elend hineinbauen. Da der Zweck einer neuen Anlage der Society angemeldet werden soll, können die Untemehmungsverhältnisse jederzeit jedermann bekannt sein,“ Ob die Möglichkeiten solcher Kontrolle bereits vorhanden sind, läßt sich schwer beurteilen. Das Streben der verantwortlichen Körperschaften muß aber unbedingt darauf gerichtet sein, sich eine Einflußsphäre in dieser Richtung zu schaffen. Vielleicht ließe sich aus dem palästinensischen Industriellenverband eine Körperschaft ähnlicher Art wie die europäischen Industrie■ und Handelskammern entwickeln, die auch eine Reihe von behördliehen Funktionen und Kontrollrechten ausüben, ■Wie notwendig es sein wird, sich in kurzem auch über grundsätzliehe Fragen der Wirtschaftsplanung klar zu werden, zeigen bereits jetzt viele Beispiele der täglichen Erfahrung, Maschinenbetriebe kleinen und größeren Umfangs wandern nach Palästina ein und beginnen bereits an verschiedenen Stellen das Handwerk zu verdrängen. Ist es noch ein sehr weiter Schritt zum Warenhaus oder zum Einheifspreisgeschäft, Bildungen, die so leicht zu Gelahrenherden einer auf dem Wohlergehen mittlerer Existenz en aufgebauten Wirtschaft sich entwickeln? Die Ausbreitung des Wettbewerbs, unmittelbar verbunden mit der ansteigenden Gründungswefte, wird ebenfalls die Autorität einer übergeordneten Körperschaft erfordern. Das sind nur wenige Andeutungen, die einen Ausschnitt aus der Fülle der Probleme geben sollen. V. Heute freilich bleibt unsere Vorstellung eines planwirtschaftlieh geregelten industriellen Aufbaus in Palästina noch U t o p i e. Die Entwicklung geht so stürmisch vor sich, der elementare Zustrom ist so wenig durch mechanische Stauung, aufzuhalten, daß wir uns darauf beschränken müssen, den mehr oder weniger bedeutenden Einfluß zu organisieren, den wir durch systematische Beratung ausüben können. Hier spielen die Institutionen der Zionistischen Organisation eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn die Unkenntnis über die in dem Kolonialland vorhandenen allgemeinen und besonderen Lebens- und Arbeitsbedingungen führt den wesentliehen Teil auch der kapitalistischen Auswanderer den beratenden Institutionen zu. bo entsteht für eine Palästina-W irtschaftsstelle, die sich mit der Beratung von Menschen befaßt, die sich unternehmerisch in Palästina betätigen wollen, eine hohe Verantwortung, deren sie sich im kleinen und großen ihrer gesamten Arbeit stets bewußt bleiben muß. Sie hat die Funktion, im Sinne einer planenden und kontrollierenden Zentralstelle zu handeln, auch wenn ihr die sachlichen und autoritären Voraussetzungen noch nicht im wünschenswerten Umfange zur Verfügung stehen. Wie sie sich die materiellen Unterlagen verschafft und bei den Ratsuchenden zum nötigen Einfluß gelangt, darüber wird im späteren Verlauf noch verschiedenes zu sagen sein. Unerläßlich ist es, sich vor allem ein konkretes Bild über die Größenordnung der industriellen Gründungen in Palästina zu machen. Sehr häufig werden die Proportionen falsch pbigeschätzt, und es gibt nicht wenige auch unter den kleineren und mittleren Kapitalisten (nach den ihnen selbst zur Verfügung stehenden Kapitalbetragen), die aus der Perspektive des ״Generaldirektors“ heraus ihre Projekte entwerfen. Gerade diesem Typus begegnen_\vic unter den jetzt auswandernden deutschen Juden ungemein oft, und es besieht meist die Aufgabe, die Größen- Verhältnisse eines Planes in Einklang mit den palästinensischen Möglichkeiten zu bringen. Sehr verbreitet ist die Gewohnheit, die Rentabilität eines projektierten Betriebes nur unter dein mechanischen Gesichtspunkt der Ausnutzung einer hochmodernen Maschinenausstattung zu betrachten, ohne in genügendem Maß mit der gebotenen Nüchternheit die Absatzfragen zu studieren. Für die Kapazität bzw. Lebensmöglichkeit eines industriellen Betriebes in I’nlästina sind mit geringen Ausnahmen die Exportmöglichkeiten entscheidend. Die schon eingangs, erwähnte'Besonderheit der industriellen Neugriindurigen, sich nicht aus einem natürlich ansteigenden Bedarf des Landes heraus zu entwickeln, sondern einem Wirtscliaftsneulaiid gleichsam aufoktroyiert zu werden, zwingt zu besonderer Vorsicht hinsichtlich der Beurteilung der Ex- Portmöglichkeiten. Nicht in allen Fallen, aber vielfach bedeutet es ein Risiko, ein großes Iiidiistrieimternelinien auf der Basis der Im- und Exportstatistiken allein aufzubaucn. Dieses Fundament kann sich als sehr trügerisch erweisen. Zolltarife sind keine Ewigkeitswerte, und die wirtschaftliche Struktur in allen Ländern ist leicht veränderlich. Die wachsenden Autarkiebestrcbungen großer Wirtschaftsgebiete reizen zu einer Filialisierung der kontinentalen Großindustrien in der! Kolonialiäiulern, Die llcberpro d 11 k t i o n aut vielen Gebieten läßt immer wieder neue Dumpingwellen entstehen, und auch palästinensische Hoclischut/zölieי zur Entwicklung und Förderung einer heimischen Industrie sind keine autoinatische Garantie für beständige Prosperität. Wie stark sieh in Palästina selbst schon die Bedenken gegen zu einseitige industrielle Expansion erheben, zeigen die wachsenden Diskussionen über die Orangen frage. Denn auch die landwirtschaftliche Mono- Kultur unterliegt den Gesetzen der hoch gezüchteten und spezialisierten Industrie. Was für die Orange gilt, wird in noch höherem Maße auf eigentliche Industrieprodukte an/mvenden sein, nämlich daß eine gewisse Autarkie, d. h. Unabhängigkeit von Exportmöglichkeiten, auch für jedes Indus,tricunlernehmen gegeben sein soll, also eine möglichst breite Aufnahmekapa/itiit Palästinas selbst für die heimische Produktion. Deshalb sehen wir nicht ohne Bedenken Industriepläne auftauchen und sich verwirklichen, die bereits im Beginn ihrer Existenz überwiegend auf Export/iffcrn gegründet sind. Immerhin ׳— die großen Pläne erfordern auch beson* ders sorgfältige Planung. Wir wissen, daß die Ueberexpansion meist automatisch aus der Macht der Gewohnheitsent- Wicklung heraus vorgetrieben worden ist, häufig gegen den Wunsch der Produzenten selbst. Unternehmungen, die von vornherein auf Grund klarer Einschätzung ihrer Größen- Verhältnisse die Absatzfrage bis ins einzelne prüfen müssen, werden sich kaum von Illusionen leiten lassen. Dazu kommt, daß Palästina als Industrieboden tatsächlich unter den anderen Wirtschaftsgebieten des Vorderen Orients eine absolute Sonderstellung einnimmt, denn kaum ein anderes Land im vorderasiatischen Wirtschaftsbereich wird in absehbarer Zukunft die unvergleichlichen Anziehungsmöglichkeiten für Menschen und Kapital bieten wie Palästina. Unter einem weiteren Gesichtspunkt wird für manche industriellen Großunternelmumgen einmal der ״To z er et h H a ar e 1“ - G c d a n k e (Bevorzugung von Inlaiidsprodukten) eine nicht* zu unterschätzende Rolle spielen. ■Was die praktische Beratung bei großen Wirtschafts- Projekten betrifft, so beschränkt sie sich im allgemeinen auf den Nachweis von Informationen, die Einholung von Gutachten aus Palästina usvv. Die Hauptarbeit haben bei solchen Projekten sorgfältig zusammengcstellie Expertenkommissionen zu leisten, die für jeden derartigen Plan unentbehrlich sind. Größere Projekte für Palästina schweben aut dem Gebiet der keramischen und chemischen Industrie, der Textil- und Bauindustrie und der Lebensmittelindustrie. Damit ist nichts A b s c 111 i e ß e ndr s über die Möglichkeit größerer Unternehmungen gesagt. Der Zweck dieser Ueberiegungen ist es im wesentlichen, sich mit den allgemeinen methodischen Fragen zu befassen. VI. Die Hauptaufgabe der Wirtschaftsberatung für Palästina liegt in der Erfassung der kleineren und mittleren Projekte, wobei der Kapitalumfang zwischen 1000 und 5000 £ angenommen wird. Im allgemeinen durfte unter einem Kapital von 3000 £ kaum Entwicklungsmöglichkeit für einen über eine rein handwerkliche Betriebswerkstätte hinausgehenden Betrieb gegeben sein, da nicht nur das Investitionskapital, sondern auch das gesamte Betriebskapital aus eigenen Mitteln zur Verfügung stehen muß. Der Beratung liegt als Material zugrunde: 1, «ine Sammlung alles erforderlichen statistischen Materials und der palästinensischen Wirtschaftslitcratur; 2. «ine möglichst genaue und fortlaufend zu ergänzende Uebersicht über di« in Palästina bestehenden Untertiehmungen; 3. eine laufende Information über schwebende Projekte; 4, Anregungen für Projekte, die von sachverständiger palästinensischer Seit« aus gegeben werden. Eine zweckmäßige Beratung ist nur möglich durch Kon- Zentrierung und Zentralisierung der Wirtschaftsauskünfte bei einer Stelle, der alles Material von den in Frage kommentlen Instanzen zugeleitet wird. Die Entwicklung der nächsten Zeit wird zweifellos eine Reihe von privaten Wirtschaftsinstituten ins Leben rufen, wie deren bereits verschiedene gegründet worden sind. Es muß schon heute vor dem bevorstehenden Gründtingsfieher in bezug auf W irlschafts- Treuhand-Institute gewarnt werden, denn im' zionistischen Interesse liegt lediglich die Stärke und der Ausbau einer von nationalen und öffentlichen Gesichtspunkten geleiteten Zentralstelle, die aut Grund des gesam- Hielten Materials arbeitet und mit Besonnenheit und Mäßigung berät. Im allgemeinen zerfallen die Ratsuchenden in zwei Gruppen, in die sogenannten ,,Fachleute“ und die allgemeinen Kaufleutc mit Kapital. Ideal ist die Verbindung beider Voraussetzungen in einer Person, d. h. der ״Fach* mann“ m i t der erforderlichen Kapitalausstattung. Dieser Fall

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