Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 78 (29.9.1933)
- Date
- 1933-09-29
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 590 Nr. 78, 29. IX. 1933 Assimilation und Dissimilation Bei der Diskussion der deutschen Judenfrage ist in des letzten Wochen «in Begriff aufgetaucht, der bisher wenigstens in weiteren Kreisen unbekannt war, das Wort von der ,,nationalen Dissimilalio n“. Man versteht darunter zunächst den Inbegriff all deir Maßnahmen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete, die vom Staate und den ihm naehgeordneten Organen ergriffen werden, um die unterschiedslose Vermischung einer Minderheit«- gruppe mit der Mehrheit des Staatsvolkea wieder aufzuheben. Trotz dieser an Hand aktueller Tatsachen gegebenen und daher einleuchtenden Definition ist es notwendig, den Begriff der Dissimilation einer Volksgruppe zu untersuchen, um seinen ganzen Inhalt auszusehöpfen und ihn in Be- Ziehung zu setzen zu jener anderen I/ebenserscheinung, die im Gruppendasein wesentlich ist, der Assimilation verschieden er Gemeinschaften aneinander. Ein© derartige Unter- Buchung ist auch deshalb besonders wichtig, weil man auf selten der deutschen Juden vielfahc nur allzu leicht geneigt ist, die Vergangenheit verzerrt zu sehen, d. h. den Blick für die Notwendigkeit bestimmter historischer Entwicklungen zu verlieren. Auf der anderen Seite muß aus den durch die Gegen begriffe der Assimilation und Dissimilation gekennzeichneten tatsächlichen Verhältnissen die Konsequenz für die Haltung der Juden seihst gezogen werden. Bei jeder Symbiose verschiedener Organismen können wir die Tatsache der Assimilation beobachten. Diese ist in der Weise möglich, daß sich beide Organismen in einer bestimmten Weise an die Lebensbedingungen «!!passen, die für sie Geltung haben. So werden z, B. Schutzfärbungen zustande kommen, die ein« Eingliederung in die umgehende Natur bedeuten. Die zweite Form des Achnlichwerrlen« bestellt darin, daß der eine Partner der ziisammcnlebeiKlen Organismen insofern ein L'ebcrgewicht besitzt, als er selbst den Lebensraum für den anderen darstellt. Jetzt ist der zweite Partner genötigt, sich dem ande :׳• (i1!zu״liedern, um seine Existenz zu sichern. Das parnsitäre Verhältnis im Tier- und Pflanzenreich ist hierfür das beste Beispiel. Die Assimilation ist also als ein natürlicher Prozeß aufzufassen. Sie schreitet hei jeder Art dt» Zusammen- Lebens ohne den Willen der Beteiligten von sich aus fort. Das gilt ebenso sehr für das Einzelwesen in der Natur wie für das Zusammenleben verschiedener menschlicher Gruppen. So war auch das voremanzipatorische Judentum einem Assimiiationsprozeß unterworfen. Dieser ging sowohl in der Richtung vor sich, daß die Juden sich an die natürliehen Lebenshcdingungen anpaßten, die sie z. B. in Deutschland mit der Gesamtheit des deutschen Volkes gemeinsam hatten, wie auch dahin, die eigenen jüdischen Merkmale zugunsten der durch Quantität, wirtschaftliche Bedeutung usw. auf die Juden einwirkenden Eigenschaften und Ix51>ensformen des deutschen Volkes abzuschwächen. So sind die Juden dazu gelangt, eine Sprache zu sprechen, die ihrem Grundcharakter nach durch deutsche Elemente bestimmt ist. Ist also die Tatsache der Assimilation selbst von vornherein gegeben, so ist ihr Ausmaß in erster Linie davon bestimmt, wvlchen Grad das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen besitzt. Es ist klar, daß z. B. Mensehen, die für sich ein Eigenleben führen, in besonderen Stadtteilen wohnen, unter sich weitgehend wirtschaftlich verbunden sind, dem nivellierenden Einfluß der Assimilation!«deutend weniger unterliegen als die gleichen Menschen, die atomisie-rt und jeder für sich isoliert dem Einfluß der Umgebung auspeset/t sind. Und hier ist der Punkt, an wclchem der Einfluß dos Staates für den Fortschritt der Assimihit i!m von Minoritäten an das herrschende Volk sichtbar wird. Der Staat als organisierte Macht hat; es weitgcliend in der ]fand, die Stärke des Zusammenlelxms mit den unter seiner Oberherrschaft stehenden Minderheit«- gruppen za regeln. Gestaltet er die Lage dieser Gruppen so, daß sie in möglichst enge Berührung mit den Angehörigen des Staat svolkes selbst gelangen, so leistet er damit der Abschleifung der Unterschiede Vorschub, er begünstigt die hei den 'Minderheiten vorhandene natürliche Tendenz, sich an die Mehrheit zu assimilieren. Der Staat kann sogar noch weiter gehen. Er kann die Behandlung einer Minderheit, ihre Stellung im Lehen des Staute« und in der Gesellschaft davon abhängig machen, (Infi Maßnahmen zur Beschleunigung der Assimilation eingeleitet werden. Die Frage der Gleichberocht i (jung z. B. kann davon abhängig gemocht werden, daß die Unterschiede zwischen Mehrheit und Minderheit auf ein bestimmtes, geringes Muß zurückgeführt werden. Aus dem ״Si ch-11 s s i miliere n“ der Minderheit seihst wird so ein ״An-s ich-a ssimilieren“ Vonseiten des .Staates. Die Emanzipation der Juden in den Ländern West- und Mitteleuropas zu Beginn de« 19. Jahrhundert« ist dadurch gekennzeichnet, daß die damals herrschenden aufklärerischen Kreise die Meinung vertraten, daß die Juden der Emanzipation insoweit teilhaftig werden sollten, ala sie bereits den Stand der ״europäischen Gesittung“ erreicht hatten, die nach der damaligen Auffassung erforderlich war, um die Eingliederung der Juden in Staat und Gesell- Schaft vorzunehmen. Die Voraussetzung für die Gewährung der Emanzipation war damit — wenigsten» in den Köpfen vieler, die für sie eintraten — die Auflösung des Judentum« selbst. Betrachten wir unter diesen Voraussetzungen die Entwicklung des deutschen Judentums in den vergangenen Jahrzehnten, so müssen wir erkennen, daß das Aufgeben jüdischer Lebensformen und Inhalte ein Prozeß war, der von der Mehrheit der damaligen jüdischen und nichtjüdischen Zeitgenossen gebilligt, ja als selbstverständlich empfunden wurde. So sehr wir die heute abgeschlossene Periode der jüdischen Geschichte in Deutschland als einen Irrweg im Gesamtverlauf unserer Geschichte empfinden, so wenig ist es aogäjigig, diesen objektiven Irrtum denen 81# eine persönliche Schuld aufzuladen, die einst den Weg betreten haben. Gewiß müssen wir uns heute mit aller Energie von einer Fortsetzung des assimilatorischen Irrweges abwenden, — aber wir dürfen uns nicht dazu verleiten lassen, mit Spott auf diese, vielleicht doch notwendige Periode unserer Geschichte zurtlokzuMicken. Auch heute ist es ja so, daß die Assimilation der deutschen Juden fortschreitet. Allerdings sind durch die Ereignisse der letzten Zeit bereits gewisse Hemmungen geschaffen —< sowohl ,vom deutschen •Volke wie J ü D IS CHE ־RUNDSCHAU auch von den Juden — die den Fortschritt der Assimilation ein schränken. Trotzdem Ist es z. B. so, daß die Gedfnkengänge der autoritären Führung und des Ilervortretens der Persönlichkeit im öffentlichen Leben auch bei den deut* sehen Juden Eingang gefunden haben, daß ihr Denken durch den Rhythmus, in dein das Denken des deutschen Yrgkes sich heute bewegt, beeinflußt worden ist; andererseits haben die neu entstandenen Hemmungen es verhindert, daß die deutschen Juden sich der Symbole und Formen bedienen, die für das deutsche Volk selbst zündende Kraft und verbindliche Geltung haben. Wir sehen also, daß der Prozeß der Assimilation auch jetzt durchaus nicht zum Stillstand gekommen ist, daß er aber in Tempo und Ausmaß stark eingeschränkt wurde. — Dor Gegenbegriff der Assimilation ist nun die D i s s im i 1 a t i o n, d. h. der Prozeß, durch welchen verschiedene Gruppen einander unähnlicher werden, sich auseinander entwickeln. Auch dieser Vorgang ist in der Natur begründet. Es ist der Versuch, durch Spezialisierung, durch Ausbildüng ganz bestimmtes■ Eigenschaften lebenstüchtiger zu werden als die umgebenden Organismen, um dadurch im Existenzkämpfe besser zu bestehen. Die Dissimilation ist also zunächst genau so wie die Assimilation ein Mittel zur Erhaltung des Lebens, wobei allerdings in jenem Falle das Aufgeben von Arteigenschaften, in diesem dagegen die Ausprägung derartiger Eigenschaften das Mittel darstellt. Im Leben der Völker finden wir die nationale Dissimilation z, B. in national gemischten Grenzgebieten. Sie tritt hier als ein Phänomen auf, das den stets vorhandenen assimilatorischen Tendenzen bev-ußt entgegenwirkt, die nationale Diffcrenzierung der einzelnen Volksgruppen vorwärts treibt, ihre Sprache, Kultur, Wirtschaftsgrundlage sichert. Auch in Gebieten, in denen eine derartige! Mischung verschiedener Volksgruppen nicht vorhanden ist, besteht die Möglichkeit der nationalen Differenzierung. Das kulturelle und politische Wiedererwachen Irlands ist ein Beispiel für die Erscheiimng des ״Sich-d issimilierens“ einer Volksgruppe gegenüber einem mit ihm verbundenen anderen Volke. In jedem Falle ist eine derartige national© Dissimilation mit einen• Schwächung der Beziehungen zwisehen den verschiedenen Volksgruppen verbanden. Diejenige Gruppe, deren Eigenart stärker ausgeprägt wird, lockert ihre Verflechtung mit der anderen Gruppe. Dies gilt sowohl für die kulturellen Verflechtungen wie auch für die wirtschaftliche Verknüpfung, die geseUschaftliehe Vermischung und unter Umständen auch die politische Verbindung der beiden Gruppen. Auch hier ist wiederum der Fall möglich, daß die Dissimilation von der Gruppe aus vorwärts getrieben wird, die ihre Wesensart ausprägen will: man dissimiliert sich. Oder aber der Antrieb zur Dissimilation geht von der anderen Volksgruppe aus, die eine größere Distanz zu der mit ihr zusammen lebenden fremden Gruppe anstrebt: man dissimiliert von sich weg. Dem Begriff nach ist also mit der nationalen Dissimilation noch keineswegs gesagt, daß das Problem der Gleichberechtigung verschiedener Volksgruppen innerhalb eines Staate», in welchem die eine Volksgruppe führendes Staatsvolk ist, damit verbunden sein muß. Im Ge• genteil ist es durchaus denkbar, daß die Dissimilation einer nationalen Gruppe dazu führt, daß ihr eine Rechtsstellung im Staate eingeräumt wird, die stärker ist als die Position, in der die Mitglieder der Gruppe vor dem Beginn des Pro• zesscs der nationalen Differenzierung waren. Die AusprS■ gung der nationalen Eigenschaften 8011 ja die Lebenskraft dieser Gruppe auf allen Gebieten des Volkslebens stärken, und die natürliche Konsequenz ist, daß damit auch ihre Rechtsstellung gefestigt wird. So konnten wir beobachten, daß die ״erwachenden Nationalitäten“ in den verschiedenen national gemischten Staaten Europas ein wachsendes Maß von Entwicklungsmöglichkeiten zugebilligt erhielten, je mehr es ihnen gelang, den Prozeß einer Assimilation an das herrschende V'olk zu ersetzen durch eine Ausprägung ihres nationalen Wesens, d. h. durch eine nationale Dissimilation. Für die deutschen Juden ist die Dissimilation im wesentlichen allerdings nicht durch ihren freien Willen eingcleitet worden. Hier ist die Dissimilation durch Maßnahmen des Mehrheitsvolkes eingeleitet worden, d. h. es ist eine ״Dissimilation von sich weg“. Vorbereitet wurde sie durch die immer stärker antisemitisch werdende Atmosphäre in Deutschland, die schon vor dem nationalen Umschwung die .luden aus weiten Gebieten des Gesellscliaftslebens und auch der Wirtschaft verdrängte. Die Maßnahmen der letzten Monate haben dann den Prozeß der Dissimilation der Juden in einem rascheren Tempo beschleunig!. Jetzt zeigte es sich, welches Erbe für die heute lebenden deutschen Juden die Verknüpfung der Emanzipation mit den Forderungen auf Abstreifung alles Jüdischen bedeutet. Die Assimilation der Juden wird von der heute herrschenden Meinung als eine Folge der Emanzipation betrachtet, die ohne die rechtliche Gleichstellung der Juden nicht eingetreten wäre. Man zieht daraus den Schluß, daß eine Dissimilation der Juden nur dann mö g - lieh ist, wenn wesentliche Bestandteile dieser Emanzipation wieder aufgehoben werden. Nun kann cs gewiß nicht verkannt werden — und wurde auch »veiler oben bereits gesagt — daß durch die Emanzipation den Juden die äußere Möglichkeit zur Assimilation in stärkerem Maße gegeben wurde, und daß der Wille, sich dieses Geschenk zu verdienen, sie zur Aufgabe des Judentums trieb. Trotzdem darf gerade vom Standpunkt einer heute bestehenden und vom deutschen Volke geförderten Tendenz der Dissimilation nicht verkannt werden, daß der umgekehrte Weg nicht mit dem gleichen Erfolge zu beschreiten ist. Nimmt man den Juden einen Teil ihrer Rechte, so ist damit zwar ein gewisses Flindernis für den weiteren Fortschritt der Assimilation geschaffen, aber noch bei weitem nicht gesagt, daß nun ein Prozeß der Differenzierung in dem vom Mehrheitsvolke gewünschten Ausmaße eintritt. Man kann gewiß dem weiteren Eindringen einer Minorität in da» Lebensbereich des Gesamtvolkes stark© Hemmungen auferlegen; man kann aber nicht diese Minorität dazu zwingen, von sich aus den Prozeß der nationalen Dissimilation zu fördern. Welches sind die Konsequenzen hieraus? Zunächst die Tatsache, daß für die deutschen Juden als real wirkende Kräfte sowohl der Wille des deutschen Volkes besteht, die Dissimilation zu fördern, daß durch die Ausgliederung der Juden aus vielen lebensgebieten •ine solche Dissimilation tatsächlich eingeleitet wird, daß aber auf der anderen Seite dadurch, daß die Juden im deutsehen Raum und mit deutschen Menschen unter den gleichen natürlichen Bedingung«« wie bisher weiter leben, assimiliegende Einflüsse auch in Zukunft wirksam bleiben. Die Folge hieraus ist, daß die Situation der deutschen Juden immer haltloser werden muß. Eine echte, zum Judesein füllrende Differenzierung ist durch die vom Staate ausgehenden Maßnahmen noch nicht gewährleistet. Die Juden schweben damit gleichsam zwischen den Völkern und bilden ein Element der Verelendung, sowohl auf wirtschaftlichem wie auf kulturellem und gesellschaftlichem Gebiete. Daran kann niemandem gelegen sein, am allerwenigsten dem deutschen Volke, das ja mit der Tatsache, daß in seiner Mitte Juden leben, rechnen muß. Für die Juden ist der Zustand des ungeklärten ohne Zukunft Dahinlebens gleichfalls imerträglich. Es erscheint insbesondere völlig ungewiß, wie unter derartigen. Umständen eine Erziehung der Jugend möglieh sein soll. Aus diesem Grunde muß zu dem Willen dos Staates, di© Juden von sich weg zu dissimilieren, e i n konformer \V ille der Juden treten, der darauf hinausläuft, sich zu dissimilieren, d. h. die Eigenart der jüdischen Gruppe auszuprägen. Die Situation ist formal gesellen ähnlich wie in der Zeit der Emanzipation, als «ler Wille der im Staat herrschenden Kräfte und der Juden durchaus parallel ging. Damit ist die Entscheidung über die Zukunft der deutschen Juden zum wesentlichen Teile in die Hand der Juden selbst gelegt. Es zeigt sich auch hier, daß über das Schicksal einer Menschengruppe in letzter Linie ihre Angehörigen selbst bestimmen. Die Dissimilation der deutschen Juden, zunächst ein weitgehend formaler Akt seitens des Staates und der Gesellschaft, muß ihr Substrat bei den Juden selbst finden. Wenn wir schon vor Jahrzehnten von einer ״jüdischen Renaissance“ gesprochen haben, so berührt; dieser Begriff «ehr nahe das, was vor dem deutschen Juden heute als Aufgabe steht Die Renaissance ist, so könnte man cs etwa ausdrücken, ein ״aklivistischer“ Dissimilationsbcgriff. Die Dissimilation einer Gruppe ist ihr Bestreben, aus sich heraus neue Fruchtbarkeit zu entwickeln. Die Juden müssen selbst bestrebt sein, ihre Wesensart auszudrücken, d, h. sich zu dissimilieren. Die Frage taucht nun auf, welche Lebensinhalte das deutsche Judentum in sich spürt, aus denen heraus diese Fruchtbarkeit wieder erstehen kann. Es besteht einmal die Möglichkeit, an die eigene Vergangenheit direkt anzuknüpfen. Das kulturelle und religiöse Leben der deutschen Juden vor der Emanzipation, ihre gesellschaftlichen und wirtschaftliche Position wären damit der Beziehungspunkt, nach dem sich die heute lebende Generation auszurichten hätte. Wir glauben, daß unter den vorerst gegebenen äußeren Umständen eine derartige direkte Verknüpfung der deutschen Juden mit ihrer Vergangenheit unmöglich ist. Nicht nur die äußeren Umstände verhindern dies auf vielen Gebieten, auch die seelische Position unserer Generation ist nicht dafür geschaffen. Was wir brauchen, ist vielmehr eine Transformation all dessen, was der Inbegriff der jüdischen Leistung ist, aus der Vergangenheit in eine lebenskräftige Form der Gegenwart. Und hier setzt die Bedeutung Palästinas für das deutsche Judentum־-ein, Die Beziehung zum Aufbau Ercz Israels vermittelt den deutschen Juden ein lebendiges Bild vom Judesein und zugleich eine Summe von Gütern der jüdischen Vergangenbeit, die in den menschlichen und kulturellen Aufbau des Landes als Baumaterial miteinbezogen worden sind. Palästina wird so für die deutschen Juden zu einem Zentrum, zu dem viele Tausende persönlicher Verbindungen hingehen, das für einen großen Teil der jungen Generation praktisches Lebensziel ist und zugleich die Norm des Judeseins vor sie hinstellt. Es gibt unter den deutschen Juden vielleicht heute in bezug auf Palästina Hoffnungen, die Übertrieben sind, soweit es sich um die Uebersiedlung in das Land selbst handelt. Derartige Illusionen müssen, wenn sie bei ©inzclnen vorhanden sein soliten, rechtzeitig zerstört werden. Ihnen gegenüber ist als eine der wichtigsten Gaben Palästinas für das deutsche Judentum die Tatsache fcstzu-1 stellen, daß nur mit seiner Hilfe der Prozeß der nationalen Dissimilation, in den die deutschen Juden eingetreten sind, für sie zu einem fruchtbaren, positiven Erlebnis «!!«gestaltet werden kann. Die Beziehung zu Erez Israel gilt den deutschen Juden die Möglichkeit, aus einem Il-ernusgestoßenwerden aus der Symbiose mit dem deutschen 'Volke, d. h. aus einem rein negativen Prozeß, zu dem Aufbau eines lebendigen Judentums überzugehen, das zwar immer noch ein Galuthjudentum sein muß, das aber analog den Bcstrc- Innigen anderer Gruppen wenigstens auf einigen wichtigen Gebieten zu einer positiven Lebensgestallung gelangen wird. Pie mdiiärischen Apotheker Auf Anfrage einer Stadtverwaltung legte, wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 26. September berichtet, der preußische Gemeindetag dem preußischen Minister des Innern die FrajN vor, ob gegen die beabsichtigte Ausschließung derjenigen Apotheken, die im Besitz von Nichtariern sind, von der Lieferung für Wohlfahrt 5• Patienten etwas ein zu wenden sei, sofern di« Arzneiversorgung dieser Wohlfahrtspatienten dadurch nickt beeinträchtigt werde. Der an fragenden Stadtverwaltung ist nunmehr mitgeteilt worden, daß der preußische Gemeindetag folgende Antwort erhalten hat: ״Der baldige Ausschluß von Apotheken, die erwiesenermaßen zugunsten von Nicht־ ariern betrieben werden, beiin Bezug von Arzneimitteln auf Rechnung der Stadtverwaltungen erscheint mir dringend notwendig und zulässig. Für die Her• beiführung einer einheitlichen Regelung im Reichsgebiet bleibe ich bemüht.“ Demzufolge werden voraussichtlich nunmehr in Preußen alle diejenigen nachweisbar zugunsten von Nichtariern b«• triebenen Apotheken von den Woblfahrtslieferunge« aus• geschlossen werden, deren nichtarische Inhaber nicht der Ausnahmebestimmung der Teilnahme am Weltkrieg genügen und deren Ausschaltung keine erhebliche Benachteiligung der betreffenden Patientenschaft mit sich bringen würde. Wie die Standesorganisation deutscher Apotheker dazu erfährt, werde in absehbarer Zeit nur noch denjenigen Nichtariern Besitz und Führung einer deut• sehen Apotheke erlaubt sein, auf die der Frontkriegerparagraph zutrifft. N gi°r hat tag des des drii sop Her und An! in , We seit Ern ken so eini der lagt Mai Ver und uns in < He, Inn Die übe Her kön wie geu zeic Poly liehe war Pass der 1 men! das i die! die ( als c der ן Rüst die! teris F r e renei lehre es v und Volk zur I Gesc der Sehe füllt! 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