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Jüdische Rundschau · 1933-09-29 · Heft 78 (29.9.1933) · p. Seite 591

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 78 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
Seite 591 (sequence 3)
Language
German
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Nr 78, 29. IX. 1933 jüdische Rundschau Seite 589 933 en rischen!en ist, r, wie Erlaß rischen tschaft, ningen, 01 c h e Boy-! notwirtda unch Beoffenen ser Firen. Im ter für 5 keine solange r gegen Contirbundes referent lin, daß gelegeniie nicht ösartige en jede diesen n Juden e Arbeit Hinkel eit in Organi- Tätigkeit : Grundnur für des Kulausgc- I Dupliem Kt!!- chlosscn nen Mitin dem gilt, nur che Pro- Oeffcntj ü d i - 1g“, ״Jüen über II seines jederzeit veiterhin Tagesist, son- 1׳ orb eie Grüngeäußert, n Kulenehmig- 1 darauf Rasse 5 frei- Dil. Das f Privatigung in Bestimsehr be- Oeffents Kultur- .eil auch 1ei leiten rung beetätigun״ Teranstalnd. Darfaß diese Ischen auch der ,wußt ist■ zialgebiet!1 g anerlaß nickt jüdische selbst ncr sagt, handelt. Ausland nit wohl d Weise I a t o r in Typus, jen, sind denn die Deutschverlassen, ichtig ist eußischcn en ״sich vas doch faßt werikt wird. ״Feinde iarf man zitierten ' heraus- «amte ngen des ums vom iskabinert ält u. 3; nach auf en Beim Welt- Kundgebung der neuen Reichsvertretung der deulsdien Juden In Tagen, die hart und schwer sind, wie nur je Tage der jüdischen Geschichte, aber auch bedeutungsvoll, wie nur wenige gewesen, ist uns durch die gemeinsame Entschließung der jüdischen Landesverbände, der großen jüdischen Organisationen und der Großgemeinden Deutschlands die Leitung und Vertretung der deutschen Juden übertragen worden. Kein Parteigedanke, kein Sonderwunseh hat darin gesprochen, sondern allein und ganz die Erkenntnis dessen, daß Leben und Zukunft der deutschen Juden heute durch ihre Einigkeit und ihren Ztisammcnhalt bedingt sind. Darum ist es die erste Aufgabe, diese Einheit lebendig werden zu lassen. Jede Organisation und jeder Verband sollen in ihrer Lebenskraft und in ihrem Aufgabenkreise anerkannt sein, aber in allen großen und entscheidenden Aufgaben darf es nur die eine Gemeinschaft, nur die eine Gesamtheit der deutschen Juden geben. Wer heute Sonderwege geht, wer heute sieh ausschließt, hat sich an dem Lebensgebote der deutschen Juden vergangen. Im neuen Staate ist die Stellung der einzelnen Gruppen, auch derer, die weit zahlreicher und stiirker sind als wir, eine ganz andere geworden. Gesetzgebung und Wirtschaftsführung haben ihren gev.Icsencn Weg, einglicdcrnd und ausgliedernd. Wir sollen dies einsehen ohne Selbsttäuschung. Nur dann werden wir jede ehrenvolle Möglichkeit beobachten können und uni jedes Recht, um jeden Platz, am jeden Lebensraum zu ringen imstande sein. Die deutschen Juden werden als arbeitnehmende und arbeitgebende schaffende Gemeinschaft im neuen Staate sich bewähren können. Eigene Gedanken, eigene Aufgaben zu verwirklichen, ist uns nur auf einem Gebiete, aber einem entscheidenden, gewährt, auf dem unseres jüdischen Lebens und unserer jüdischen Zukunft. Hier sind die bestimmtesten Aufgaben gestellt. Neue Pflichten jüdischer Erziehung sind zu erfüllen, neue Bereiche jüdischer Schule sind zu r .affen und alte zu wahren und zu schützen, damit dem hcranwachsenden Gesehlechte seelische Festigkeit, innere Widerstandskraft, körperliche Tüchtigkeit gegeben werde. Zu Berufen, die ihr einen Platz im Leben zeigen, soll unsere Jugend in besonnener Auswahl herangebildet und umgcschichtct werden, damit ihr Dasein seinen Ausblick gewinne. Das Bestehende wie alles Begonnene und Versuchte soll hier zus: mengeführt werden, um zu helfen und zu stützen. Allem Zersetzenden soll entgegengearbeitet, dem Aufbau auf dem religiösen Fundament des Judentums alle Kraft geweiht werden. Viel von einstiger wirtschaftlicher Sicherheit ist uns deutschen Juden genommen oder bccintrüchtigt worden. Innerhalb dessen, was uns bleibt, soll der Einzelne aus der Vereinzelung hcrausgeführt werden. Ständische Verbindungen und Zusammenschlüsse, soweit zulässig, können vorhandene Kräfte erhöhen und dem Schwachen einen Rückhalt geben, können Erfahrungen ur.d Beziehungen für alle nutzbar machen. —• So manchem wird die Stätte der Arbeit und des Berufes auf deutschem Boden versagt sein. Vor uns steht als Tatsache, der gegenüber alles Fragen und Meinen aufhört, die dcut-!'chcj geschichtliche Notwendigkeit, unserer Jugend Neuland zu bereiten. Es ist zur großen Aufgabe geworden, Platze zu erkunden und Wege zu bahnen, wie auf dem heiligen Boden Palästinas, dem die Vorsehung eine neue Zeit gefügt hat, so überall, wo Charakter,!heiß und Tüchtigkeit des dcutsehen Juden sich bewähren können, niemandem Brot nehmend, sondern anderen Brot schaffend. Hierfür wie für alles das andere erhoffen wir den verständnisvollen Beistand der Behörden und die Achtung unserer nichtjüdischen Mitbürger, mit denen wir uns in der Liebe und Treue zu Deutschland begegnen. Wir bauen auf den lebendigen Gemeinschafts!,::::' und das Verantwortungsbcwußtscin der dcutsehen Juden wie auch auf die opferwillige Hilfe unserer Brüder überall. Wir wollen zusammenstehen und im Vertrauen auf unseren Gott für die Ehre des jüdischen Namens arbeiten. Möge aus dem Leiden dieser Ta; - das Wesen des deutschen Juden neu erstehen! Die Reichsvertretung der deutschen Juden Leo Baeck Otto Hirsch-Stuttgart Rudolf Callmann-Köln Leopold Landenberger-Nürnherg Julius L. Seligsohn-Berlin Siegfried Moses-Berlin Jakob Hoffmann-Frankfurt am Main T .1:12 Meyer-Breslau Heinrich Stahl-Berlin Die neue Reichsvertretung der deutschen Juden hat am 26. September die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Konferenz eingeladen. Unter den! Vorsitz von Dr. Baeck wurde zunächst die Gelegenheit genommen, die Mitglieder der neuen Rcichsvertretung mit den Vertretern der jüdischen Presse persönlich bekanntzumachen. Dr. Baeck erläuterte dann den Zweck dieser ersten Fühlungnahme und erteilte das Wort Herrn Dr. Otto Hirsch, dem Vorsitzenden des Exekutiv-Komitees, der eine Schilderung der Sorgen der jüdischen Gemeinde in unserer Zeit gab und erklärte, in welcher Weise die neugeschaffene Reichsvertretung ihre Arbeit zu führen gedenkt. Die Darlegungen der verantwortlichen Herren wurden dann noch ergänzt durch eine abschließende Rede von Dr. Baeck. Die neue Reichsleitung — so wurde von ihren verantwortlichen Führern ausgeführt — ist an die Stelle der bishörigen Reichsvertretung getreten, indem die großen jüdischen Organisationen, die Landesverbände, die Großgemeinden usw. darin einig geworden sind, daß die Möglichkeit einer stärk e r e u Initiative, als sie bisher vorhanden war, der oberslen jüdischen Stelle gewährt werden muß. Die alte Reichs- Vertretung war nur ein Arbeitsausschuß der Landesverbände, eine Art parlamentarisches Gremium, das in seiner Arbeitsweise außerordentlich behindert war. Die neue Leitung ist zusarnmengesetzt nicht aus Vertretern bestimmter Gruppen und Organisationen, sondern aus Persönlichkeiten, die nach bestem Wissen und Gewissen miteinander beraten, wobei es keine Ab- Stimmung geben soll; dieser Kreis soll das Recht haben, alles, was er für wichtig und notwendig hält, selbst zu unternehmen. Dies setzt ein hohes Maß von öffentlichem Vertrauen auf der einen Seite und Loyalität auf der anderen Seite voraus. Die Reichsleitung ist entschlossen, mit den großen jüdischen Organi- Nationen, den Gern eindever bänden, den Großgemeinden usw. in engem Kontakt zu bleiben. Sie wird selbstverständlich nicht alle erforderlichen Aktionen selbst durchführen, sondern die bisherigen Verbände behalten ihr Tätigkeitsgebiet. Es solle aber eine ״Einheit der Planung bei Verschiedenheit der Instrumente“ angestrebt werden. Die Rcichsleitung werde ferner bestrebt sein, vor der Oeffentlichkeit und vor den maßgebenden Instanzen das deutsche Judentum zu repräsentieren. Bisher gab es keine legitimierte Instanz hierfür. Diese Legitimation ist nun in weit höherem Maße als früher vorhanden. Die deutsche Reichsleitung ist ein« Vertretung der sehr großen Mehrheit aller deutschen Juden. Natürlich wird man nicht verhindern können, daß irgendein X. V. in seinem Namen oder im Namen seines Grüppchens irgendwo erklärt, er fühle sich durch die Rcichsvertretung nicht vertreten. Solche Vorfälle können wir ignorieren angesichts der Tatsache, daß die große Mehrheit der deutschen Juden den Wunsch hegt, eine einheitliche Vertretung zu haben und ihr den Auftrag, das Recht uni die Pflicht gibt, im Namen aller deutschen Juden zu sprechen. Der Vorsitzende der Konferenz, Dr. Baeck, übergab sodann den Vertretern der!,resse die erste Proklamation der neuen Reichsleitung, die wir an anderer Steile veröffentlichen. Es wurde auch vorgesehen, in Zukunft einen engen Kontakt zwischen Rcichsvertretung und jüdischer Presse zu halten. Ein Eingehen in Einzelheiten des Programms wäre bei dieser ersten Sitzung verfrüht gewesen. Die neue Rcichsleitung ist, wie wir schon erwähnt haben, so zusammengesetzt, daß für die führenden Positionen nach Tunlichkeit Persönlichkeiten gewählt wurden, die in allen Kreisen und Partcilagcrn Sympathie und Vertrauen genießen. Um dies zu ermöglichen, mußten parteimäßige Wünsche zurückgestellt werden. Auch von zionistischer Seite ist das geschehen. Kann doch selbst von Gegnern nicht in Abrede gestellt werden, Also spricht der Herr: Bafinet, bahnet, machet den Weg frei, räumet hinweg jeden Anstoß vom Wege meines Volkes. Denn also spricht, der hoch und erhaben thront lür Ewigkeit, — Heiliger ist sein Name -׳־: hoch und heilig throne ich, und dennoch bin ich bei dem Geschlagenen und Niedergebeugten, um den Mut der Gebeugten zu beleben und das Herz der Geschlagenen zu stärken. Denn nicht für ewig hadere ich und nicht für immer grolle ich, wenn der Geist vor mir verschmachtet und die Seelen, die ich geschaffen. Unt der Schuld seiner Gewinnsucht grollte ich ihm, schlug es, wandte mich zürnend ab, weil es abtrünnig den Weg seines Sinnes ging. Ich achtete auf seinen Pfad, und nun will ich es heilen, will es leiten und Trost gewähren ihm und seinen Trauernden , . . Frieden, Frieden, dem Fernen und dem Nahen! — spricht der Herr —, ich will ihn heilen. (Jesaja 57, 14—19). Hafiara zu Mussa) von /ont-Kippur. (30. Septemberi daß die Stimmung der Mehrheit des deutschen Judentums heute dem Zionismus zuneigt. Uns ist jedoch vor allem an einem positiven jüdischen Programm und energischer Tätigkeil der Rcichsvertretung gelegen, nicht an parteimäßig organisatorischen Positionen. Wenn betont wird, daß die Reichs- Vertretung;■ sich nicht aus Parteivertretern zusammensetrt, sondern aus unabhängigen Persönlichkeiten, so soll damit wohl vor allem gesagt sein, daß die Mitglieder der Reichsvertretung sich in ihrer Tätigkeit über ihre parteimäßige Einstellung erheben und dem Gesamtinteressc dienen werden. Damit stellt nicht im Widerspruch, daß die einzelnen Mitglieder des Komitees doch aus bestimmten Kreisen entnommen wurden, so daß Vertreter des Ccntral-Vereins, der Zionistisch.cn Vcrcinigung, der Liberalen, des Frontbundes und der Orthodoxie vorlianden sind. Die Orthodoxie ist durch die Persönlichkeit von Rabbiner Hoff m a n 11, Frankfurt a. M., der dern Misraclii angehört, in ihren religiösen Belangen ausreichend repräsentiert, und es ist bedauerlich, daß der Frankfurter ״Israelit“ von einer ״Brüskierung der Orthodoxie“ spricht und Sonderaktionen der Trenmingsorihodoxie ankündigt. Gewiß liegt der Reichsvcrtretung die ״ßriiskierung“ irgendeines Teiles der deutschen Juden fern, und selbstverständlich soll auch der Orthodoxie in dem gegebenen Rahmen Rechnung getragen werden. Wir hoffen, daß es gelingen wird, die Personen der Reichs- Vertretung i!1 gemeinsamer Arbeit zu einem einheitlichen Ganzen zu verbinden und daß wir bald näheres von den Plänen der neuen Instanz hören werden. Von unserem Standpunkt kann es nur begrüiit werden, wenn in der neuen Proklamation der Gedanke der jüdischen Erziehung in den Vordergrund gestellt wird. Sie ist in der Tat der Kernpunkt beim Aufbau eines neuen deutschen Judentums. Wenn die Reichsvertretung leitend und führend auch in den gewaltigen Prozeß der Um- Schichtung und ökonomischen und sozialen Umbildung des deutsehen Judentums cingrcifcn will, so wird sie eine Fülle von positiven Aufgaben vorfinden, bei deren Lösung sie di« Unter- Stützung aller jüdischen Kräfte brauchen wird. Und nicht zuletzt erwächst der Rcichsvertretung eine hohe Verantwortung aus ihrer Versicherung, für die ״Ehre des jüdischen Namens“ einstellen zu wollen. Möge sie dies mit Würde und Entschiedenheit tun, dann wird sic gewiß die willige Gefolgschaft der deutschen Juden finden und auch in der Außenwelt sich Achtung erringen. ״Unsterbliche Verdienste". Zu dem in der ״Jüdischen Rundschau'‘׳ Nr. 73, S. 511, veröffentlichten Artikel ״Juden als Eriirider“ macht 1111s «in Leser darauf aufmerksam, daß das ״Berliner lageblatt“ in seiner Morgenausgabe vom 7. September einen großen Artikel über ,,Daniel Sanders — ein Lehrer der deutschen Sprache“ veröffentlicht hat. ln diesem Artikel wird die Wirksamkeit des großen Sprachforschers, der 1819 in Strelitz Mecklenburg geboren war, dargestellt und auch verschiedene Urteile von Zeitgenossen zitiert, die die ״u nsterblichen Verdienste“ von Daniel Sanders um die deutsche Sprache würdigen. Mit keinem Wort wird in dem Artikel erwähnt, daß Daniel Sanders Jude war. Unser Korrespondent teilt uns mit, daß Daniel Sanders der Onkel seines verstorbenen Vaters war, und wir können ihm nur beistimmen, wenn er meint, daß i!1 der heutigen Zeit ein solcher Artikel über einen jüdischen Gelehrten nicht erscheinen dürfte, ohne daß klar aus dem Artikel hervorgeht, daß die besprochenen ״unsterblichen Verdienste“ von einem Juden errungen wurden. — Im übrigen finden sich über Daniel Sanders nähere Angaben auch im 5. Band des Jüdischen Lexikons (Jüdischer Verlag, Berlin). Eine ״schwere Beleidigung“. Einem Berichte der ״Don a u - Z e i t u 11 g“, P a s s a u, entnehmen wir: Das Amtsgericht Pas sau hatte sich kürzlich mit einer Privatklage aktudien Inhalts, nämlich ob die Familie San.-Rat Dr. Deideshch.if-lkissau jüdischer Herkunft sei, zu beschäftigen. Der Beklagte, Direktor M., hatte diese Behauptung nach Bekundung■ von Zeugen im Restaurationsraum eines Hotels autgestcllt. Das Gericht verurteilte den Beklagten, dem gegenüber es als nachgewiesen erachtete, daß er die nicht-jüdische Herkunft der Privatkläger kannte, wegen verleumderischer Beleidigung zu 300 M. Geldstrafe, ersatzweise 30 Tagen Gefängnis und Tragung aller Kosten. In der Urtcilsbcgründüng legte der Richter dar, daß gerade heute der Vorwurf, jüdischer Abstammung zu, sein, für einen deutschstämmigen Staatsbürger eine schwere Beleidigung darstelie. Jüdische Aerzte und Mittelstandsversicherungen. Die Wirtschaftsstelle der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: Wie die Mittelstands-Krankenversicherungen durch Rundschreiben bekanntgegeben haben, ist eine Einschränkung in der freien Arztwahl erfolgt. In diesen Mitteilungen ist jedoch nur unklar zum Ausdruck gebracht worden, daß diese Beschränkung sich nur auf arische Mitglieder der Versieherungen bezieht. Es steht jedem jüdischen Mitglied einer Mittelstandskrankcnversicherung frei, den Arzt seines Vertrauens zu konsultieren, da von jüdischen Patienten von allen jüdischen Aerztcn die Liquidationen honoriert werden ohne Rücksicht darauf, ob die betreffenden Aerzte zu den Kassen «gelassen sind oder nicht

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