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Jüdische Rundschau · 1933-09-29 · Heft 78 (29.9.1933) · p. Seite 590

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 78 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
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Seite 588 JÜDISCHE HUNDSCHAU Nr. 78, 29. IX. 1933 Nr Die Jodenfrage in Genf Jüdische Bemühungen um Emigrantenhilfe Genf, 26. September. (J. T. A.) Der Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee und Präsident der Anglo Jewish Association, Leonard G. Monte fiore, und Professor Nor* man Bentwich sind frn Aufträge des Joint Foreign Committee in Genf eingetroffen, um mit den verschiedenen Delegationen Fühlung in der frage der Jüdischen Emigranten aus Deutschland zu nehmen. Die Vertreter des Joint Foreign Committee schlagen die Einsetzung eines Völkerbundskommissars für die Behandlung des Flüchtlingsproblems vor. Es verlautet, daß die Vertreter der meisten Länder dieses Projekt befürworten. Sie sind der Ansicht, daß die Mitwirkung der deutschen Reichsregierung bei der Einsetzung des Kommissars und bei der Erleichterung seiner Arbeit wünschenswert und erreichbar ist* Die Vertreter des Joint Foreign Committee werden im Einvernehmen mit den für ihren Plan gewönnenen Delegationen ihre Tätigkeit darauf beschränken, den Boden für die gewünschte Einsetzung eines Kommissars vor* zubereiten, ohne sich im übrigen mit der Lage der jüdischen Bevölkerung in Deutschland selbst irgendwie zu befassen. Zum Vorsitzenden der sechsten (politischen) Kommission des Völkerbundes, vor der voraussichtlich der Bericht der deutsehen Rciclisregierung über die Lage in Oberschlesien und eine durch die deutsche Delegation dem Völkerbund *!!geleitete Darstellung von nichtamtlicher Seite zur Verhandlung gelangen werden, wurde der spanische Vertreter Senor Madoriaga gewählt. Am 26. September ist aus London das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Professor Brodetsky, nach Genf abgereist, wo er mit dem Mitglied der Agency-Exekutive, Grünbaum, und dem Vorsitzenden des Comitö des Dölegations Juives, Leo Motzkin, zusammentrifft. Diese dreigliedrige Delegation ist beauftragt, sich mit einer Reihe von Delegierten der Völkerbundstagung In Verbindung zu setzen, um mit ihnen Mittel und Wege zur Erleichterung der Niederlassung deutscher Juden i a Pa- 1 ä s t i n a zu besprechen. Die Völkerbundskreise sollen ferner durch die zionistische Delegation mit den dieses Problem betreffenden Beschlüssen des letzten Zionistenkongresses und mit dem von ihm an den Völkerbund gerichteten Appell, die Kolonisation deutscher Juden in Palästina durch eine Kolonisationsanleihe des Völkerbundes zu er* leichtern, vertraut gemacht werden. Positive Vorschläge in bezug auf eine solche Anleihe sollen dem Völkerbund auf seiner jetzigen Tagung noch nicht gemacht werden. Vielmehr wollen die zionistischen Führer vorläufig bloß die Ansichten der Völkerbundskreise über einen solchen Plan im allgemeinen kennenlernen. Wie die J. T. A. erfährt, Ist es wahrscheinlich, daß Dr. Wel zmann, der Leiter der Aktion für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, ebenfalls zur Zeit der Völkerbundstagung in Genf eintreffen wird. Da der Bericht und die Konklusionen der letzten Tagung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes der Völkerbunds- Versammlung zur Ratifizierung vorliegen werden, besteht die Möglichkeit, daß auch bei dieser Gelegenheit die Frage der Ansiedlung deutscher Juden in Palästina besprochen werden wird. In Genf wird Dr. Brodetsky, wie weiter!!»!!geteilt wird, auch Montcfiore und Bentwich in ihren Bemühungen um Einsetzung eines Völkerbundskommissars für die Fragen der Flüchtlinge aus Deutschland unterstützen. Der Geifer Korrespondent des ,,Völkisch cn Beobachters“ gibt von den Bemühungen der jüdischen Organisationen im ״V. B.“ von! 28, d. M. folgende Schilderurig: ״In der allgemeinen Langeweile vor der großen Debatte werden Gerüchte in Serien hergestellt. Die jüdisehe n O r g ,׳! n 1 s a t i o n e 11 sind eifrig am Werke, ihre Mitleidsgcscküfte mit den C ireuelnaehriehten bei den Regicrungen der Lander zu betreiben. Sie wollen endlich den Boykott gegen Deutschland in ein geregeltes System bringen. Stand die große englische Judenorganisation ,,The board ot Depnties of british jews“ bisher noch außerhalb der Boykottfront, so scheint sieh das Bild jetzt ändern zu •.vollen; denn die Führer der englischen Judenschaft, Mister Leonard Monteviori und Prof. Norman Bentwich, haben sich bereit erklärt, den Ring zu schließen. Mit einer Mut vors Resolutionen und Eingaben werden nunmehr die offiziellen Regierungsvertrehingen hier bestürmt. Oeschickt werden die jüdische« Geschäfte mit der schwebenden Abrüstungsfrage verbunden. Wer, so argumentieren die jüdischen Führer, garantiert den Engländern und Franzosen und den übrigen Völkern, daß sie vom Hitler- Deutschland nicht ebenso wie wir, für eine inferiore Rasse erklärt werden? Der Widersinn dieser Frage hindert leider nicht, daß die Juden sehr willige Ohren bei den Vertretern der Mächte gefunden haben. Man ist sich jiidischerseits darüber ganz im klaren, daß man in der Wahl der Mittel nicht peinlich sein darf. Man hat es auf dem Berner Kongreß deshalb auch ganz eindeutig ausgesprochen, daß der Kampf des Judentums gegen ,Hitler-Deutschland‘ gleichzeitig die Entscheidung: über die Weltbedeutung des Judentums überhaupt darstellt. Bleibt der Boykott gegen Deutschland in seiner Endwirkung zwecklos, so hat das Judentum seinen Weltkrieg verloreti. Es geht um alles! Im großen Simultanspielder Mächte um die Abrüstung ist ihnen ein Bundesgenosse entstanden, der es von Je im besten unter allen Völkern erkannt hat, wie die verstimmte Leier der Zivilisation zu schlagen ist“ Zu dieser Darstellung des ״Völkischen Beobachters“ ist zu bemerken, daß sein Korrespondent die jüdischen Bemühungen in Genf olfenbar unrichtig einschätzt. Die Vertreter de* ״Joint Foreign Committee“ bemühen sich, wie aus dem oben von uns wiedergegebenen Bericht klar hervorgeht, lediglich vun ein Interesse des Völkerbundes an dem Los der jüdischen Emigranten, für deren Versorgung ja auch nach Ansicht maßgeblicher deutscher Kreise die Jiwlenhelt des Auslandes einstehen soll. Das ungeheure Pro hl tu» der Heber lührung einer so großen Menge von beruflich zur Um- Schichtung noch nicht vorbereiteten Mensehen in andere Länder und Beschäftigungen stellt so enorme Anforderungen finanzieller, wirtschaftlicher, organisatorischer und auch politischer Natur, daß ohne eine wohlwollende Mitwirkung der anderen Völker diese Frage gar nicht zu lösen ist. Wer aber wäre hierzu das geeignete Forum, wenn nicht der Völkerbund? Dabei wird gerade von den englisch-jüdischen Delegierten Geivicht darauf gelegt, daß auch eine Mitwirkung der deutschen Reichsregierung bei der Erleichterung dieser Aufgabe ermöglicht wird. Außer dem großen Plan einer Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, für den gleichfalls die Hilfe des Völkerbundes und der Mandatarmacht erforderlich ist, bestehen bis jetzt noch kaum nennenswerte Projekte für definitive Unterbringung deulschcr Juden. Man kann daher den ausländischen Juden, die von diesen gewaltigen Problemen überrascht worden sind, wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, wenn sie sich um Unterstützung zur Lösung dieser Aufgaben bemühen. Anträge zur Minderheitenfrage Wie aus Genf berichtet wird, sind zur Frage der Minderheiten-Behandlung eine Reihe von Anträgen bei der Völkerbrmdversammlung «ingegangen, darunter einer von Deutschland, der sich auf die Behandlung der deutschen Minderheiten bezieht. Ferner hat der Delegierte von Haiti, Frangulies, die Einbringung eines Resolutionsantrages ange* kündigt, in dem ein Internationales, alle Staaten bindendes Abkommen vorgescblagen wird, demzufolge die Aufrechterlraltung menschlicher und bürgerlieber Gleichberechtigung, insbesondere die Gleichheit vor dem Gesetze, für alle Staatsangehörige ohne Unterschied von Rasse, Sprache oder Religion, sowie abaolute Sicherheit von Leben und Freiheit gewährleistet werden sollen. In dem Resolutionsentwurf wird ferner die Einsetzung einer internationalen Körperschaft zur Regelung der Angelegenheiten solcher Personen vorgeschlagen, die sich wegen ihrer Zugehörigkeit zu Minderheitengruppen voranlaßt sehen, aus ihren Heimatländern auszuwaniern. Die Anträge werden voraussichtlich in der sechsten (politischen) Kommission zur Behandlung kommen. * Genf, 27. September. (J. T. A.) Der Kongreß der europäischen Nation ,ו litiiten (Minderheitenkongreß), der vor kurzem in Bern tagte, und an dessen Beratungen die Vertreter der jüdischen Minderheiten bekanntlich diesmal nicht teilgcnommen haben, hat den Präsidenten des Comite des Dolegations Juives, Leo Motzkin, der seit Schaffung des Nationalitätenkongresses der Exekutive dieser Körperschaft angehörte, abermals in die Exekutive gewählt. Im Hinblick auf die Stellungnahme des Kongresses zur Judenfrage hat Leo Motzkin dem Präsidenten des Minderheitenkongresses, Abg. Wilfan, schriftlich mitgeteilt, daß er die auf ihn gefallene Wahl nicht annehme. Dr. Cyrus Adler 10 Jahre Der Vorsitzende des American Jewish Committee und Reklo:■ des Jüdisch-Theologischen Seminars Dr. Cyrus Adler feierte dieser Tage in einer kalifornischen Sommerfrische, wo er seinen Urlaub verbrachte, seinen 70. Geburtstag. Dr. Adler ist durch seine ausgedehnte kulturelle und soziale Arbeit in der jüdischen ()Öffentlichkeit aller Länder bekannt. Er hat eine Anzahl von Büchern und Artikeln über Archäologie und amerikanisch-jüdische Geschichte geschrieben und war einer der bedeutendsten Afilarbeiter an der Jewish Encyclopedia 1u1d der von der Jewish Publication Society of America herausgegebenen englischen Bibeliiber- Setzung. Viele Jahre hindurch bekleidete er Stellungen an der Smithsonian Institution׳ und am Nationalnuiscum der Vereinigten Staaten in Washington. Er hat wiederholt jiidische Gemeinden und Siedlungen in Europa, Afrika und Asien, darunter auch Palästina, besucht. Adler war als Nachfoiger Atarshalls Vorsitzender des Councils der Jewish Agency und ist jetzt Vorsitzender des provisorischen Komitees der amerikanischen Mitglieder des Administrative Committee der Jewish Agency. Er ist ferner Präsident des Dropsie College und war 20 Jahre lang Vorsitzender der jüdisch-historischen Gesellschaft Amerikas; er ist auch Herausgeber der ״Jewish Qnarterly Review“ (Philadelphia). Der Chiefrabbi in London, Dr. Hertz, hat in seiner Eigenschaft als Präsident des Judaistischen Instituts der Hebräischen Universität Jerusalem der englischen Presse einen Glückwunsch für Dr. Cvrus Adler übergeben. Darin werden die großen Verdienste,’ die sich der Jubilar lim die jüdische Wissenschaft erworben hat, hervorgehoben. Dr. Adler war seit der Begründung des Judaistischen Instituts der Jerusalemer Universität aut das engste mit diesem Institut verbunden. Die llnfersndiung gegen die Revisionisten Jaffa, 27. September. (J. T. A.) Bei der Wiederaufnähme des Zeugenverhörs in der Untersuchung gegen die wegen illegaler politischer Betätigung an geklagten palästinensischea Revisionisten verlas der stellvertretende Generalinspektor der Palästina-Polizei Colonel Rice am 26. September eine von den» Beschuldigten Jevin abgegebene Erklärung über die Geheimorganisation ״ftrith II a - birjon im“, der der Beschuldigte angehörte. Danach wurde der Brith llabirjonim im November 1932 zu dem Zwecke gegründet, unter der Bevölkerung Unzufriedenheit über die Handhabung der Boden- und Einwanderungsprobleme durch die Regierung zu verbreiten und eine Kampafpre gegen die Teilnahme der Juden an der Volkszählung in Palästina einzuleiten■ Auf diese Propaganda sei die mchtbeteiligung von 5000 Personen an der Volkszählung zurückzuführen. Mit dem Mord an Dr. Arlosoroff, erklärte Jevin, habe der Brith Habirjonim nichts zu tun- Auch glaube er nicht, daß Stavsky Mitglied des Bundes war, obwohl er sich an der Entfernung einer Flagge vom deutschen Konsulat beteiligt hat. Die Verhandlunr ■wurde dann auf den 3. Oktober vertagt. Vor dem HaifaerGeschworenengericht wurde der Prozeß gegen Ahmed Galiani, Mohamed Klralil Issa. Ahmad Mohamed Khuder, Ibrahim Ahmad el Hai Khali! und Mustafa Ali, die beschuldigt sind, am 22. Dezember 1032 eine Bombe jn das Haus des jüdischen Kolonisten Josef Jacobi in Nahaki geworfen und dadurch den Kolonisten und seinen neunjährigen Sohn David ermordet zu haben, eröffnet. Gegen Boykott nichtarischer Firmen Zu der Frage, ob eine Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen Firmen in der Wirtschaft zu machen ist, spricht sich der Reichs wirtschaftsmini st er, wie der Parlaincntsdienst der T. U. meldet, in einem Erlaß folgendermaßen aus; Eine Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen oder nicht rein arischen Firmen innerhalb der Wirtschaft, insbesondere bei dem Eingehen geschäftlicher Beziehungen, halte ich nicht für durchführbar. Eine solche Unterscheidung mit dem Zwecke einer Boykottierung nientarisclr er Firmen müßte notwendig zu erheblichen Störungen des wirtschaltliehen Wiederaufbaus führen, da ungünstige Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt durch Betriebsemschränkungen der von dem Boykott betroffenen Firmen und nachteilige Folgen für die Lieferanten dieser Firmen und deren Arbeitnehmer unvermeidbar wären. Im übrigen bin ich ebenso wie der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda der Auffassung, daß keine Veranlassung besteht, gegen eine Firma vorzugehen, solange ihre Inhaber nicht gegen gesetzliche Vorschriften oder gegen die Grundsätze der kaufmännischen Ehre verstoßen. Siaaiskommhsar Hinkel über den ״Kulturbund״ In einem Gespräch mit dem Chefredakteur des Conti- Nachrichten-Büros über die Genehmigung■ des ״Kulturbundes deutscher Juden“ wies der Staatskommissar und Kulturreferent im preußischen Staatsminisferiurn, Hinkel, darauf hin, daß es sich hier um eine rein jüdische kulturelle Angelegenheit handelt, die von solchen Juden gefördert wird, die nicht Deutschland verlassen haben, um im Ausland jene bösartige Greuelpropaganda zu betreiben, und die sich gegen jede antideutsche Einstellung verwahren. So konnte inan diesen größtenteils seit Jahrzehnten in Deutschland ansässigen Juden die Möglichkeit eigener kultureller Arbeit geben. Diese Arbeit steht unter der Voraussetzung, wie Staatskommissar Hinkel betont, «laß sie nicht in der Oeffcntlichkeit in Erscheinung tritt, und — wie die Träger der Organisation selber es wünschten — als eine kulturelle Tätigkeit von Juden nur für Juden bestimmt ist. Die Grund- Voraussetzung: eine kulturelle Tätigkeit von Juden nur für Juden, ist vollkommen gewährleistet. Die Mitglieder des Kulturbundes deutscher Juden haben einen mit Bild ausgcstatteten Personalausweis, von dem sie jeweils ein Dupiikat bei der zuständigen Behörde einreichen. Das dem Kulturbund zugestandene eigene Theater ist vollends geschlossen und kann also nur von den mit einem Ausweis versehenen Mitgliedern besucht werden. Selbstverständlich dürfen in dem Theater, was überhaupt für den ganzen Kulturbund gilt, mir Angehörige der jüdischen Rasse tätig sein. Irgendwelche Propaganda für den Kulturbund oder sein Theater in der Oeffcntiichkeit ist nicht zugelassen, aber in einer Reibe jüdischer Zeitungen, wie z. B. der ״C.-V.-Zeitung“, ״Jüdische Rundschau“ usw. sind naturgemäß Mitteilungen über die Tätigkeit des Kulturbundes und das Programm seines Theaters gestattet, so daß die beteiligten Kreise jederzeit unterrichtet sind. Nach diesem Prinzip ist z. B. weiterhin bestimmt worden, daß den Kritikern der Tages- Zeitungen der Zutritt nicht gestattet ist, sondem nur den rein jüdischen Blättern vorbehalten bleibt. Ueber diese Regelung haben sich die Grün״ der des Kulturbundes deutscher Juden sehr befriedigt geäußert, denn sie erlaubt ihnen, die Ziele ihrer eigenen Kultur zu verfolgen und in einem von der Regierung genehmigteil Rahmen zu verwirklichen. Im übrigen wies Staatskommissar _ Hinkel noch darauf hin, daß den Angehörigen der jüdisch en Rasse wie Ausländern jede Möglichkeit des freischaffenden Künstlers gegeben sein soll. Das gilt auch für die Werke jüdischer Autoren, die auf Privatbühnen zur Aufführung gelangen. Für jede Betätigung in amtlichen Positionen gelten die entsprechenden Bestimmungen des Beamtengesetzes. * Diese Darlegungen des Staatskommissars sind sehr brachtenswert, weil hierdurch nicht nur einer weiteren Oeffenf- Iichkeit die Modalitäten, unter denen die Tätigkeit des Kulturbundes gestattet wurde, bekannt werden, sondern weil auch über die Motive, von denen sich die Regierung dabei leiten ließ, einiges ausgesagt wird. Danach ist die Regierung bereit, den Juden eine ״rein jüdische“ kulturelle Betätigung zu gestatten, stellt jedoch die Bedingung, daß die Veranstalturigen keinem Nichtjuden zugänglich sind. Daraus geht hervor, daß die Regierung der Ansicht ist, daß diese Veranstaltungen auch inhaltlich einen wirklich jüdischen Charakter haben und man kann nur hoffen, dal) auch der Kulturbund sich der Konsequenz dieses Postulates bewußt isi. Wichtig für uns ist auch, daß hier auf einem Spezialgebiet die spezifische Funktion der jüdischen Zeitung anerkannt wird. Es ist eine bedeutsame Wandlung, daß nicht mehr von ״Judenpresse“ die Rede ist, sondern als jüdische Zeitungen nur die betrachtet werden, die sich selbst als solche bekennen. Wenn der Staatskommissar ferner sagt, daß es sich hier um eine Betätigung von Juden handelt, ״die nicht Deutschland verlassen haben, um im Ausland Greuelpropaganda zu betreiben“, so will er damit wohl betonen, daß man dabei nicht an die. Art und Weise eines bestimmten Typus jüdisch-assirnilatorischer Literaten denken dürfe. Nur gegen diesen Typu«. von dem eine Anzahl Vertreter ins Ausland gingen, sind offenbar Herrn Hinkels Ausführungen gerichtet, denn die gewaltige Mehrheit der jüdischen Emigranten hat ja Deutschland nur aus wirtschaftlicher oder seelischer Not verlassen, nicht aber, um Greuelpropaganda zu betreiben. Wichtig ist auch, daß hier von einem frohen Beamten der preußischen Regierung davon gesprochen wird, daß die Juden ״sich gegen jede antideutsche Einstellung verwahren“, was doch m dem gegebenen Zusammenhang wohl dahin aulgefaßt werden darf, daß dieser Verwahrung Glauben geschenkt wird. Da so häufig die Rede davon war, daß die Juden ״Feinde des deutschen Volks“ und ״Staatsfeinde“ seien, darf man uns nicht verdenken, wenn wir aus den oben zitierten Worten des Staatssekretärs eine andere Auffassung herauslesen. Nichtarische Kriegcrwitwen als Beamte Wir berichteten bereits in Nr. 77 über Aenderungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, die am 22. September vom Rekhskabinett genehmigt wurden. Dieses Aenderungsgesetz enthält u. 3 eine Acnderung des g 3 des Gesetzentwurfs, wonach auf Grund des Arierparagraphen solche weiblichen Be• amten nicht entlassen werden, deren Ehemänner im Welt• kriege gefallen sind. de tungs verba Vcrtr nis d menh Orgai sein, eine 1 hat s ker s v.!esc dann am Ji arbeit entscl die b ׳ uf keit, im L< mit il zur: dem tigt v \verd< erhöh bar r sagt liehe, gewü: die ץ sehen die A. land sehen N am D Jude Pres von Di die Mi der jüi erlaufe, erteilt« des Es jüdisch Weise 1 gedenk dann rn Di aniwor beugen Organi: darin! kerer sten jii vertreti eine Ar außcroi meng« fanisat Wissen stimmu was er Dies s1 einen; Rcichsl sation c

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