Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 77 (26.9.1933)
- Date
- 1933-09-26
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77. 26. IX 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sehe 579 33 V ö 1 * vom 3en in!ascltik or mit Uutnerias sei itsclien r kun- 11! •1 he Förtschc!d vom 1 Ver- 1 Neu- ,en tat- Sätzen ich ist Meujahr ,ste danspruch inistcri- 1! :obachist die e diese Juden einfach sen die inschen werten. Grund- /ölkern mgsteil, ich ein vie sich Sprache a eut ■ 1 Fällen s c h e s;ier bere Um- Sprungs in ihrer 11“ ver- 1 einige dagegen i macht, auch in imlichen auch in te neue!en von t hoch- ■ Ein• die Ber Treue | sycholoerung rsitzende cs, Kon- ,räsident Msiden uändern, Flücht ind Aus können er Weise aufgefo *en Ste' inderun amerika- Dickstei olge der , die auf g ßfha:; .jebrauch Aerzte aus T e• t, welche :rzte aus)!nlassung ägiiehkeit An sic' ikte von lieh. Auf emeinden Zahnan rzten die ht. Währt waren, >fig gan! m ״Bulle• g ändert■ ind, muß teilt werieses Ge jüdischer igen, die ie Geneh!emeinden eptember tage nuf Inseraten■ Die Juden im Irak Reise ״ Eindrücke aus Mesopotamien Von Dr. Alfred Bonne, Jerusalem. Die nachstehende Schilderung der Lage der Juden im Irak erhält ein besonders aktuelles Interesse angesichts des Ablebens des Königs Feisal, das gerade i!t einem Moment erfolgte, wo die Verhältnisse im Irak, und besonders die Lage der dortigen Minoritäten, vor dem Völkerbund in Genf zur Verhandlung kommen soll. Der Zusammenstoß mit den christlichen Assyriern (Ncstorianern), über den die europäischc Presse ausführlich berichtet hat, ivird vermutlich Anlaß geben, die Grundlagen der Unabhängigkeit des Irak nachzuprüfen, da der Völkerbund auf dem Standpunkt steht, daß sich die Reife eines Volkes in der Behandlung seiner Minoritäten zeigt. Aus diesem Grunde hat vor der Aufhebung des Irak-Mandates die Erörterung der Minoritätenfrage (Kurden) eine besondere Rolle gespielt. Red. Für einen Europäer, der zum ersten Male nach dem weniger bekannten Orient kommt und dort die jüdischen Viertel durchwandert, bieten die Lebensführung, die Wohn verhältnisse und Bekleidungssitten speziell der Juden im Irak eine eindrucksvolle Uelierraschung. Obwohl die Juden zweifellos auch im Irak nicht etwa grundsätzlich modernen Strömungen abgeneigt sind, sind sie in ihrer äußeren Lebensfiihrung, in ihren religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen im großen ganzen überaus konservativ, ja in einzelnen Teilen bis zum Aberglauben fanatisch. Kaum glaubhafte Er- Zahlungen über das heute noch weit verbreitete Amuletttwwesen, über Unduldsamkeit gegen jede Auflehnung gegen die geistigen Autoritäten der Gemeinde umschwirren den neugierigen Besucher bei seinem Eintritt in die Welt dieses Ghettos. Noch bis vor 50 Jahren wurden die jüdischen Mädchen mit 9 Jahren und Knaben mit 13 Jahren verheiratet. Seitdem sind unter dem Druck der ״aufgeklärteren“ Elemente Frühehen vor dem 13. Lebensjahr verboten resp. nur mit Einwilligung des Rabbiners gestattet. Familien feierlichkeiten wie das siebentägige Hochzeitsmahl, oder die sehr ausgedehnten Beschneidtingszeremonien, die unter Anteilnahme der Oeffentlichkeit vor sich gehen, sind auch noch heute ein charakteristischer Zug des Lebens der jüdischen Gasse. Leider ist mit der Bewahrung dieser alten Tradition nicht auch die große geistige Position erhalten geblieben, die z. B. die jüdische Gemeinde der Stadt Bagdad im frühen Mittelalter besaß. Der berühmte jüdische Reiseschriftsteller Benjamin von Tudela, der im 11. Jahrhundert auch längere Zeit in Bagdad weilte, berichtet über diese Stadt, die damals einen Umfang von nicht weniger als 20 Meilen gehabt haben soll, daß sie ein Ort voller Gelehrter war. Von dieser großen Vergangenheit ist in Bagdad außer den klingenden Namen und dem Reichtum nicht mehr viel erhalten geblieben. Das wechselvolle Geschick der Stadt unter türkischer Herrschaft, die Verlagerung der Führung des Judentums aus dem Mittelmeergebiet und dem Orient nach Nord- und Mitteleuropa hat auch die kulturelle Bedeutung der mesopotamischen Judengemeinden besiegelt. Außer in Bagdad finden sich auch in einer Reihe anderer Städte des Irak jüdische Gemeinden von Bedeutung und rühmlicher Tradition, ln B a s r a, der Hafenstadt des Persisehen Golfes (die übrigens erst im Laufe der Jahrhunderte durch das Vorrücken des Landes zu einer Binnenstadt geworden ist), weilten schon im frühen Mittelalter Gelehrte von Rut. Die Bedeutung der Juden dort lag allerdings später mehr in ihrer Rolle als Träger des großen Zwischenhandels von Indien nach Mesopotamien und weiter nach Europa. Die Aktivität der Juden war so groß, daß sie zeitweilig zu Konflikten mit der ostindischen Handelsgesellschaft, die lange den gesamten Indienhandel beherrschte, führte. Auch an den großen Dattelpflanzungen, der Kultur, die der ganzen Landschaft um Basra herum das Gepräge gibt, hatten und haben die Juden Anteil. Ihr Schwergewicht liegt aber auch in Basra nach wie vor im Handel. Nicht anders ist es in den vielen Landstädten des heutigen Irak, die allerdings oft nicht den Namen von Städten verdienen; sie stellen sich dem Besucher als eine Anhäufung von Lehmhäusern vor, die auf primitive Weise errichtet worden sind und einen unsagbar niedrigen Stand der Wohnkultur zeigen. Bei Regenwetter ist es z. B. fast unmöglich, die Straße zu passieren, man bleibt buchstäblieh im Lehm stecken und zieht daher vor, die Häuser erst gar nicht zu verlassen. Die wirtschaftliche Lage der Juden im Irak ist durch einen Zug charakterisiert, der sich so kaum in der Judenheit anderer Länder findet: ihre fast ausschiießliehe berufliche Konzentrierung im Hände!. Darin liegt gleichzeitig auch das Problem der Existenz der irakischen Juden beschlossen. Die überwiegende Majorität der irakischen Juden drängt sich iit der Hauptstadt des Landes, in Bagdad, zusammen. Von der jüdischen Bevölkerung des Irak von 100 000 Seelen dürften in Bagdad nicht weniger als 70 000 wohnen. Von den übrigen 30 000 wohnen zwei Dritte! in den beiden Städten Mossul (12 000) und Basra (8000), während sich der Rest aut eine Reihe von kleinen Landstädten verteilt. Die irakischen Juden sind orientalische Juden, also im Hinblick aut äußere Sitten und Gepflogenheiten, Stellung zur Tradition, zu wirtschaftlicher Tätigkeit usw. durchaus von den im Orient und speziell im orientalischen Judentum des Orients üblichen Vorstellungen beherrscht. Nur langsam breitet sich die Erkenntnis Bahn, daß die Konzentration einer Bevölkerungsgruppe im Ausmaße der jüdischen Bevölkerung Bagdads im Handel und Geldgeschäft, die Beschränkung auf eine reine Vermittler- und Agententätigkeit für die soziale, geistige und wirtschaftliche Existenz und Beschaffenheit dieser Volksgruppe von großer Gefahr ist. Natürlich kann eine Gemeinschaft von so bedeutender Tradition, wie sie etwa die Bagdader Judenheit hat, mit Stolz, auf Namen verweisen, die in der jüdischen Geschichte guten Klang haben. Noch heute rühmen sich zahlreiche Bagdader Familien ihrer großen Abstanimung, noch heute gibt es in Bagdad jüdische Patriziergeschlechter von außerordentlichem Ansehen und Einfluß bei Juden und Nichtjuden. Aber das kann die Tatsaclie nicht verdunkeln, daß das Gros der jüdischen Bevöikerung im Irak dank ihrer unglücklichen Berufssehichtung von dem Niedergang, unter dem der Handel in den orientalischen Handelszentren heute so leidet, besonders schwer betroffen wird. Die Vereinfachung der Transportwege und -mittel, die Leichtigkeit der Ausschaltung des Zwischenhandels und vor allem die Verschiebung in den großen Transpoitrouten hat sich gerade in Bagdad sehr stark ausgewirkt. Die Stadt, di« früher von der Giilervermittlung zwischen Persien und dem Westen gelebt hat, wird durch die direkte Erschließung uni Eröffnung persischer Handelsplätze und -Häfen im Norden und Süden dieses Landes in zunehmendem Maße aus dein Versorgungsgebiet des persischen Staates ausgeschaltet werden. Die Juden als die Hauptträger des persischen Außenhandels sind die ersten, die dieser Umstellung zum Opfer fallen. Dazu kommt ein zweites. Vor dem Kriege, als nationale Ideologien in dem türkisch beherrschten Teil des Vorderen Orients unbekannt waren oder kaum eine Rolle spielten, gab es eine Judenfrage Im Orient allenfalls als eine der zahlreichen religiösen und religionspolitischen Probleme, mit denen sich die inneren Verwaltungen auseinanderzusetzen hatten. Heute, mit dem Auftauchen des Nationalismus im Orient und seiner aktuellsten Abart, nämlich dem wirts chattlichen Nationalismus, hat auch die Judenfrage in diesen Ländern ein anderes Gesicht bekommen. Die Engländer, die unmittelbar nach dem Kriege im Irak einzogen, stellten bei der Einrichtung der neuen Landesverwaltung gern jüdische Beamte ein, da sie durch ihre Sprachkenntnisse und ihren Fleiß für administrative Büroarbeit besonders geschätzt waren. So finden sich bis heute noch in der irakischen Verwaltung eine stattliche Anzahl jüdischer Beamter. Mit der Entwicklung des Landes unter englischer Verwaltung, insbesondere aber dem Aufbau eines höheren Schul- Wesens, wuchs die Zahl der einheimischen Schulabsolventen, di« nach Verlassen der Schule mit einer Anstellung im Staatsdienst rechneten, beträchtlich. Der Nationalismus der jungen Irakis bediente sich dieser Lage und erreichte tatsächlich eine starke Einschränkung der Unterkunfts• und Aufstiegsinöglichkeiten für jüdische Beamte innerhalb der Staatsverwaltung. Daß die Weltwirtschaftskrise ihr übriges getan hat, um die Unternehmungslust und Verdienstmöglichkeiten der Kaufleute einzuschränken, ist evident. Das Ergebnis all dieser Faktoren ist aber für die Juden sehr traurig: eine starke traditionsreiche jüdische Bevölkerung, der von Tag zu Tag wirtschaftlich der Boden unter den Füßen schwindet, dte ihren offensichtlichen Verfall aus eigenen Kräften nicht mehr aufhalten kann. Auf die Frage, ob denn nicht in der Landwirtschaft des Irak, die doch auch heute noch fast unbegrenzte Möglichkeiten bietet, ein Feld für jüdische Betätigung, für eine Regeneration gegeben ist, wurde dem Verfasser allgemein erwidert, daß die im Irak bestehenden Verhältnisse im Hinblick auf die Sicherheit der Person und die ungestörte Nutzung des Bodens für eine solche Betätigung völlig unzureichend seien, (m übrigen besäße aber der irakische Jude keine körperliche Schulung zur praktischen Ausübung der Landwirtschaft. So ist es denn kein Wunder, daß heute auch die Juden im Irak mit Sehnsucht nach Palästina blicken, wo man auf dem Boden der alten Heimat sein sicheres Brot verdiene, daß die Auswanderung nach Palästina seit Monaten steigende Ziffern zeigt, obwohl die Probleme für die Einordnung gerade dieser immigranten angesichts ihrer Verschiedenheit von dem aus dem Westen kommenden Einwandererelement keine geringen sind. _ Die Vorbereifong der Levantemessc Tel-Awiw 1934 Von Dr. J. Adler, Tel-Awiw. Erstaunlich groß ist die Aufmerksamkeit, die bereits beute, noch reichlich ein halbes Jahr vor Messebeginn, der Levantemesse Tel-Awiw 1934 aus Kaufmannskreisen des gesamten Mittleren Ostens entge?engebracht wird. Dominierten aut der letzten Tel-Awhver Messe von 1932 als Einkäufer neben Palästina hauptsächlich Aegypten und Syrien, so werden jetzt der Irak, die Türkei und Persien hinmkommen. Unlängst ist eine Kraftwagenlinie von Persien nach Alexandrette und Beirut ins Leben gerufen worden. So ist auch verkehrstechnisch heute die Voraussetzung dafür geschaffen, daß die sehr unternehmungslustige Kaufmannschaft Persiens auf der Messe erscheint. Die neuen Absatzmöglichkeiten, die sich hier dem europäischen Export erschließen, werden besonders von den Südost-Staaten genau beachtet. Soeben weilten die konsularischen Vertreter Jugoslawiens und Bulgariens in Palästina auf Urlaub in den Hauptstädten ihrer Länder, um über die Beteiligungsmöglichkeit an der Levantetnesse in Tel-Awiw zu berichten. Das Problem des jugoslawischen wie auch des bulgarischen Pavilions ist hierdurch der positiven Entscheidung wesentlich näher gerückt. Wie hohen Wert man dieser Angelegenheit beimißt, gehl daraus hervor, daß im Rahmen des dem jugoslawischen Handelsministerium angeschlossenen Außenhandelsförderungsinstitutes ein spezielles Jugoslawien-Palästiria-Wirtschaftskomitee begründet worden ist. Auch in Ungarn ist das Interesse sehr lebhaft: ein Komitee von führenden Männern des Budanesler Wirtschaftslebcns bemüht sich um ein Oegenseitigkeiteverfahren: ein IJngam-Paviilon auf der Tei-Awiwcr Messe und ein Palästina- Pavillon auf der Budanester Messe. Von großem Maßstabe wird die Beteiligung Englands sein: Initiator des Britisehen Pavillons ist die .,Federation of British Industries“, gefördert vom Uebersec-Departement des Handelsministeriums, dessen Staatssekretär Dr. Bürgin sich kürzlich im Unterhaus warm für die Sache aussprach. Inzwischen geht der Aufbau auf dem neuen Messegelände nach der unlängst erfolgten Grundsteinlegung flott vonstatten. Nahezu fertig ist schon das große Lagerhaus der Messegüter. Nun sind die drei HmirV-ebäude an der Reih?, die Palästina- Halle, der Britische Pavillon und das neue Heim des Levante- Meßamts, das zugleich die ״Cite des Informations“ aufnehmen wird. Unmittelbar am Strande des Mittelmeeres wird die Baumesse erstehen, verbunden mit Möbel- und Büro- Messe, für das moderne Palästina, das in den letzten zehn Jahren fast 16 Millionen Pfd. Strlg. in Neubauten investierte, eine sehr bedeutsame Angelegenheit. Weiterhin sei von dem, was sich heute im Aufbau befindet, der Pavillon ״Die Frau und das Heim“ genannt, sowie der ,,Automobilsalon“. der von der internationalen Spitzenkörnerschaft des Automobilbaues, dem ״Bureau Permanent des Constructeurs d’Automobiles“ in Paris, als internationale Automobilausstellung für den Orient autorisiert worden ist. Das Kinderheim ״Atiawah“ schreibt uns: Unsere Mitfeilung über die Absicht des Kinderheims Ahawah, eine Zweiganstalt in Palästina zu errichten, ist vielfach dahin mißverstanden worden, als solle das hiesige Heim aufgelöst werden. Wir betonen demgegenüber ausdrücklich, daß die hiesige Anstalt unverändert erhalten bleiben soll. Da noch einige Plätze in der palästinensischen Anstalt verfügbar sind, können geeignete Kinder von 12—16 Jahren im Kinderheim Ahawah, Auguststr. 14/15, angemeldet werden. Für die Einrichtung des neuen Heims werden alle Arten von Einrichtungsgegenständen dringend benötigt, und wir richten daher an alle Freunde der Anstalt, besonders aber an Firmen, die derartige Gegenstände führen, die herzliche BiHe, uns durch Sachspenden den Aufbau zu erleichtern. Besonderen Bedarf haben wir an: Bett-, Haus- und Leibwäsche, Wolldecken, wettertesten Stiefeln, Haus- und Küchengeräten. Kleidungsstücken aller Art. Da die Uebersiedlung schon in den nächsten Wochen slattfinden soll, wären wir für rasche Hilfe besonders dankbar. Im geplanten neuen Handdsvierte! in Haifa wird mit der Bautätigkeit begonnen. Unter anderem wird ein sechsstockiges Wohn- und Handelshaus errichtet, das erste große Hochhaus in Palästina. Organisierung von Industriekapital Von Dr. Alfred Marcus, Haifa. Eine wirklich produktive Zollpolitik fehlt in Palästina bisher völlig. _ Der palästinensische Zolltarif ist ausgesproeben roh. Seine Differenzierung und Verfeinerung ist für die palästinensische Industrie ein dringendes Erfordernis. Hier ergibt sich nun ein gewisser circulus vitiosus. Man kann dem einzelnen mittleren und kleinen Unternehmer, der sich industriell betätigen will, in den meisten Fällen kaum zumuten, daß er seinen Betrieb ohne einen entsprechenden Zollschutz auf die Beine stellt. Das Zolldepartcment der Mandatsregierung steht andererseits im allgemeinen auf dem Standpunkt ־— und auch dieser ist nicht ganz unberechtigt —, daßyes spezielle Zölle nur dann gewähren könne, wenn bereits eine entsprechende, entweder zu erziehende oder zu schützende Produktion vorhanden ist. Der einzelne Unternehirier ist im allgemeinen nicht stark genug, um dieses circulus vitiosus zu durchbrechen. Jedenfalls leiden sehr viele Projekte, die an sich durchaus gesund sind, in ihrer Durchführung an dieser Schwäche, die nur beseitigt werden kann durch die Organisierung von Kapital. Das Problem hat noch andere Seiten. Es besteht auch darin, daß bei der Verwendung für industrielle Zwecke das Kapital der Immigranten, die mit ca. 100') £ ins Land kommen, nicht reicht, wenigstens in sehr vielen Fällen. Entweder ist der Betreffende nicht Fachmann genug, um allein arbeiten zu können, dann braucht er im allgemeinen einen fachmännisch geschulten Sozius und das Kapital von!00!) £ erweist sich sehr häufig als viel zu klein, um für zwei Sozien, womöglich noch mit Familie, eine ausreichende Rendite abwerten zu können. Oder aber der Betrag reicht für ein Unternehmen des betreffenden Industriezweiges von vornherein nicht aus. Bisher war cs vielfach so, daß die Immigranten sich von sich aus um die Bildung von Socic täten bemühten. Es liegt aut der Hand, daß diese Bemühungen in den mcisten Fällen erfolglos bleiben mußten. Leute kamen zusammen. die einander nicht kannten und infolgedessen kein Vertrauen zueinander hatten, die nicht zueinander paßten, die ganz verschiedene Dinge wollten, die beide die Landesverhältnisse nicht kannten tisw. infolgedessen liegt das Kapital dieser Immigranten einen Monat um den anderen brach, es bringt eine minimale Verzinsung, von der der Immigrant nicht annähernd leben kann und wird einfach aufgezehrt. (Um Mißverständnisse zu vermeiden: von den größeren Möglichkeiten einer verhältnismäßig schnellen landwirtschaftliehen Anlage wird hier nicht gesprochen. Es handelt sich in diesem Zusammenhang lediglich um industrielle Anlagen.) Es ist also notwendig, dieses Kapital zuorganisicren, aus der Sphäre der individuellen und leider auch im allgemeinen unfundierten Entscheidungen herauszuheben. Man kann die Dinge auch anders ausdrücken: Da der ״tausendpfündige“ Immigrant im allgemeinen weder die Fähigkeit noch die Möglichkeit dazu hat, sich mit seinem Kapital industriell zu betätigen, muß man ihm sowohl die Verantwortung hierfür, als auch die Entscheidung hierüber wenigstens zunächst abnehinen, um später, wenn er die Landesverhältnisse kennt und bestehende Objekte genug da sind, an denen er sich beteiligen kann, sie ihm wieder zu überlassen. Das scheint auch deshalb notwendig zu sein weil nur so eine gewisse Planmäßigkeit in den industrieller! Aufbau des Landes hineingebracht werden kann. Es gibt für die Erreichung dieses Zieles theoretisch verschiedene Wege, die in Fachkreisen des Landes gegenwärtig diskutiert werden. Gemeinsam ist ihnen, daß sie alle über einen ad hoc zu gründendes besonderes Institut führen. Nun ist dieser Gedanke gewiß nicht neu. Eine Reihe von Kongressen hat bereits Beschlüsse dieser Art gefaßt, private Gremien haben ähnliche Gedankengange verfolgt, aber sie sind bisher nicht zur Ausführung gelangt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es an Kapital und Interessenten fehlte. Jetzt liegen die Dinge anders. Kapital und Interessenten sind vorhanden. Es ist keineswegs utopisch, für den Anfang 25, 50, ja 100 Interessenten mit einem Kapitai von je 1000 £ für eine solche Sache zu finden — wenn sie von Männern in die Hand genommen wird, die Vertrauen genießen und Initiative haben. Praktisch läuft die Angelegenheit darauf hinaus, eine Möglichkeit für Investments zu schaffen. Man ist sich klar darüber, daß der Investment-Gedanke im Laufe der letzten Jahre sehr schwer erschüttert worden ist. Obwohl Gesellschaften dieses Typs in Deutschland selbst verhältnismäßig wenig entwickelt waren, haben doch auch sehr viele deutsche Kapitalisten durch die Beteiligung an ausliindischen Investment-Gruppen und den Kauf ihrer Papiere erliebliche Verluste erlitten. Die psychologische Schwierigkeit, die hieraus resultiert, darf man also nicht unterschätzen. Dennoch werden wir um ein Institut dieser Art nicht herumkommen, ganz gleich, wie es nun technisch aufgezogen wird. Und deshalb scheint es schon in diesem Stadium der Angelcgetiheit notwendig zu sein, auf folgendes hinzuweisen: Der Weg־ der Sache läuft hier gerade umgekehrt wie im Ausland. Dort hat man bestehende Unternehmungen in solche Gesellschaften zusammengefaßt. Bei uns soll und muß man umgekehrt vorgehen, näinlich erst die kapitalmäßigen Kräfte zusammenfassen, um dann möglichst bald die industriellen Betriebe zu entwickeln und dem einzelnen Beteiligten die Chance zu geben, eine Individuelle Beteiligung zu erwerben und nicht nur Aktionär zu werden, sondern Industrieller. Das Investment-Institut, ganz gleich wie cs aufgebaut wird, ist somit im Gegensatz zu seiner historischen Entwicklung hier nicht als Spitze gedacht, sondern als Basis. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Institutionen, die in den letzten Jahren in Europa und Amerika Schiffbruch erlitten haben. Das Institut, das wir brauchen, hat seine Funktion erfüllt, wenn es das Kapital organisiert und möglichst zahlreiche und leistungsfähige Einzelbetrieb« geschaffen hat. Es ist nicht Selbstzweck. Dringender Zementbedarf in Palästina. Wie der ״Köln. Ztg.“ aus Haifa geschrieben wird, ist die palästinensische Zementerzeugung trotz einer Verdopplung ihrer Leistungsfähigkeit infolge der umfangreichen Bautätigkeit im laufenden Jahre auch nicht annähernd dazu imstande, den Bedarf des Landes zu decken. Die palästinensischen Baufirmen führen daher seit einiger Zeit umfangreiche Zementmengen ein, und zwar zurzeit im wesentlichen aus Italien und aus Siidslawien. Im vergangenen Jahr hat Palästina dagegen noch Zement ausführen können. Da es den palästinensischen Verbrauchern im wesentlichen darauf ankommt, nicht langlaufeude Abschlüsse zu tätigen, sondern sofort greifbares Material gegen Kasse zu kaufen, dürfte es auch für die mitteleuropäischen Zementerzeuger von Wichtigkeit sein, sich für den palästinensische■ Markt stärker zu interessieren als dies bisher der Fall wir.