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Jüdische Rundschau · 1933-09-26 · Heft 77 (26.9.1933) · p. Seite 579

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 77 (26.9.1933)
Date
1933-09-26
Page
Seite 579 (sequence 3)
Language
German
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)33 Nr 77, 26. IX. 1933 jüdische Rundschau Seite 577 leiden! s Exe m dal Landl n, uni!wecki ichrnij!1 Elcl öglid| re gc : dafti■ 1 eine! chafte| ästina erhäitJ fmcrkj!eit a!i 1 Ero| ie beiterl ständil egen | ystenii daran! \verde| : Aus de, did 01 vi!1 1, heiß! Bewej It wer] 1 U« Inner! el fühl hendet! n alle! :idsäbi Organ!« blinder klug* נ luf 11 ei Instri tammt| en vor vorfei! lie keil r Kon| istiseh ilischd Bewel 1 Komj n \ve Arbeij I.?re ivurdeii osit ־ I i mehl äenderi en d«j re winl!folgenl rs Ver] 1 e w e׳ aus7 d wirk■! nd d t ihr. 11111111111»'!en lästina wände■ »»quoll >r Uin• late ist hend. 1t fest eits :r au! i\V rat וסיר 1'dtis.cH׳ erhand■ 1 Bank׳ ׳»0 וחing 1י >au (W 1 a 0e i u de tahlbar. -Ion 3t fl 1-Regi«! 1 wwr d«| ß wo״ illeBIidj JSgMl Der Konflikt 0uf dem Minderheiienkongrel) (Von unserem Berichterstatter.) JC-y, Bern, im September. Für einen jeden, der die Doktrin, die ideologischen Grundlagen und die praktische Tätigkeit der Minderheitenkongresse kannte, war es vorauszusehen, daß der diesjährige, nach Bern einberufene neunte Miriderhcitenkongreß zu einer schweren Krisis führen muß. Denn er stand einem neuen, der bisherigen Staatspraxis unbekannten und daher theoretisch weder außerhalb noch innerhalb der Minderheitenkongresse jemals erwogenen Problem gegenüber. Der Vertreter der deutschen Minderheiten, in Lettland, Dr. Schiemann, sollte dem Kongroß dieses Problem in einem Referat unter dem Titel ,,Nationale Dissimilation und Nationalitätenrechte“ ausführlich zum Bewußtsein bringen. Die vorherigen acht Minderheitenkongress c, an denen die jüdischen Minderheiten teilgenommen und ausschlaggebend mitgearbeitet haben, hatten zu ihrem Hauptthema einerseits die Bekämpfung der mit staatlichen oder staatlich geduldeten Mitfein der Gewalt geführten Assimilation von sprachlichen, religiösen und nationalen Minderheiten, andererseits die Vcrieidigung und den Schutz jener Gleichberechtigung und jener besonder,en Rechte, die diesen Minderheiten laut den internationalen Verträgen und laut dem in der Völkerbundsidee vcrankerten Geiste zugesichert wurden. Der Fall der von einem Staatsvolk ausgehenden Ablehnung der bereits vollzogenen Assimilation einer Minderheit hat sich bisher niemals ereignet, so daß die Minderlieitenkongresse vorher keine Gelegenheit hatten, zu derartigen Vorgängen Stellung zu nehmen. Ein soleher Fall der ״Dissimilation“ ist zum ersten Male in Deutschland gegenüber den Juden in Erscheinung getreten, ohne daß ihnen gleichzeitig der Status einer gleichberechtigten nationalen Minderheit zugebilligt worden wäre. Zu dieser Situation nahmen im Namen des Minderheitenkongresses die einzelnen Delcgationen eine verschiedene Haltung ein. Man konnte drei Hauptrichtungen unterscheiden. Es gab Gruppen, wie z. B. die Vertreter aller ungarischen Minoritäten, die überhaupt die ,,Dissimilation“, d. h. die gewaltsame Äusgliederung andersartiger Menschen aus dem Volkskörper des Staates, entschieden verurteilten und offen erklärten, daß sie etwa die vollzogene Assimilation der ungarischen Juden auf keinen Fall möchten rückgängig machen ־wollen. Diesem Standpunkt, den man einen extremen nennen kann, stand die Anschauung der meisten anderen, außerdeutschen Minderheitenvertreter gegenüber, die als Gegner der Assimilation keine grundsätzliche Verurteilung der Dissimilation aussprechen wollten, die aber deren Durchführung nur bei gleichzeitiger Zuerkennung der Minderheitenrechte ohne irgendwelche Schmälerung der bürgerlichen Gleichberechtigung als mit den Grundsätzen der Minderheitenkongresse für vereinbar hielten. Die Vertreter der Juden standen auf dem Standpunkt, daß ihre weitere Teilnahme an den Minderheitenkongressen nur unter der Bedingung möglich sei, daß der Kongreß zu dieser Frage, in Form einer Entschließung, sein klares Urteil ausspricht. In der von den Vertretern der deutschen Gruppen abgegebenen grundsätzlichen Erklärung wurde die ״Ausgliedcrung völkisch andersgearteter und besonders andersrassiger Menschen“ als berechtigt erkannt und weiter gesagt, daß so zu Minderheiten gewordene Menschen ״berechtigt sind, danach zu streben, auch für sich die von den Minderheitenkon- . ressen verteidigten Rechte geltend zu machen“, ln ihrem Schreiben an den Vorsitzenden des Kongresses hat die jüdische Delegation darauf hingewiesen, daß die von den deutschen Gruppen zum Ausdruck gebrachte Zustimmung zu den Maßnahmen der ״Dissimilation“ der deutschen Juden noch dadurch schwerwiegender wird, daß den Juden selbst nur das Streben, ״auch für sich die von den Minderheitenkongrossen verteidigten Rechte geltend zu machen“, zugestanden wird. Die Juden waren acht Jahre lang mit allen anderen Minderheiten gleichgestellte und gleichberechtigte Mitglieder des Kongresses. Die Minderheitenrechte setzen die allgemeine Gleichberechtigung als selbstverständlich voraus. Es war den Juden nicht möglich, eine These anzunehmen, die der mit Entzug der Gleichberechtigung begleiteten ,,Dissimilation“ zustimmt und den ,dadurch Betroffenen nur das Recht einräumt, nach Erlangen vbn Minderheitenrechten zu streben. Andere im Kongreß vertretene Gruppen, insbesondere die Russen, die Ungarn, die Litauer und die Katalonier stellten in einer besonderen Erkläning fest, daß sic den Antisemitisnuis als eine ״gegen die allgemeinen Menschenrechte verstoßende und den Idealen der Minderheitenkongresse widersprechende Bewegung ansehen“. Diese Erklärung ließe sich mit einer Zustimmung zur ״Dissimilation“ nur dann vereinbaren, wenn die Beweggründe zur Durchführung einer solchen Dissimilation nicht dem Haß oder der Verachtung der zu dissiniilierenden Minderheit entnommen wären. Der Kongreß hat sich jedoch in dieser Frage nicht klar geäußert und ein Versuch des Vorsitzenden, diese Erklärung der vier vorgenaimten Gruppen in den einstimmigen Beschluß über nationale Dissimilation einzubeziehen, führte zu schweren Auseinandersctzungen innerhalb der im Kongreß vertretenen deutschen und nichtdeutschen Gruppen, die mit einer offenen Spaltung zu enden drohten. ln seiner Schlußrede hat der Vorsitzende kaum verbergen können, daß das Ausscheiden der jüdischen Gruppen den Kongrell in eine kritische Lage gebracht hat. Jetzt schon beweisen neutrale Pressestiirunen, daß die politische Wirkungsfähigkeit des Kongresses durch das Ausscheiden der jüdischen Gruppen eine unverkennbare Einbuße erlitten tiat. Das ist vom Standpunkt der jüdischen Minderheitsgruppen ebenso beklagenswert wie von dem der deutschen und der anderen. m gräbtüf vaMigH ie SladJ te vo!f S gani rsaium! 25. Sfp Chain Sepia״! rde proklil Ueber den Verlauf des Kongresses ist noch zu berichten, daß auf Bemühungen einiger Gruppen, die den Juden eine Rückkehr in den Kongreß ermöglichen wollten, folgende Kompromißresolution ohne Debatte angenommen wurde: ״Im Falle der Einleitung und Durchführung nationaler Dissimilationen sollen die Freiheiten und Rechte, für welche die Kongresse der europäischen Nationalitäten in ihren Kundgebungen und Beschlüssen von Anfang an eingetreten sind, unbeeinträchtigt bleiben.“ In der Schlußsitzung des Kongresses sprach Abg. Roth, der Vertreter der deutschen Minderheit in Rum»- nien, sein Bedauern aus, daß nicht alle Minderheiten, die im gleichen Volkstumskampf stehen, im Kongreß vertreten seien. Bei Ablehnung jeder Assimilation dürfte kein Nationalstaat dne Politik führen, die auf den Untergang der Minderheiten hinauslaufe. Die deutschen Volksgruppen, die im Kongreß am zahlreichsten vertreten sden, wären der Ansicht, daß die geistigen und ethischen Grundlagen des Kampfes um die Voikshimsrechte sich nicht verändert haben. ״Das Märchen in deuisdi^völkischcr Auswertung“ In der Zeitschrift ״Der Volksschulwart, Monatsschrift für ausübende Erzieliungs- und Unterrichtstätigkeit“ (Herausgeber Münchner Lehrerverein, Schriftleitung Hans Brandstettcr) finden wir im siebenten Heft einen Aufsatz ,,Das Märchen in deutschvölkischer Auswertung“ von Heinrich Gruber, München, der auch vom jüdischen Stand- Punkt Beachtung verdient. Der Verfasser gibt in dieser Ab- Handlung Ratschläge, wie der völkische Lehrer das Märchen in Unterricht und Erziehung verwenden kann. Dabei wird betont, daß der Zweck der Verwendung dieser Märchen die Pflege der ״Innerlichkeit und des Gcmiitslebens“ des deutschen Wesens ist, im Gegensatz zum Intellektualismus nna Materialismus, die sich in früherer Zeit breitgemacht haben. Auch wer der völkischen Bewegung nicht angehört, wird in diesen Darlegungen, die auf eine Verinnerlichung der Unterrichtsarbeit und auf eine Stärkung des Ahnungsvermögens und Instinktlebens des Kindes abzielen, vieles Rcher/igenswerte finden. Leider aber müssen wir als Juden auch bei dieser Gelegenheit die Erfahrung machen, daß ganz unnötigerweise antisemitische Dogmen in die völkischen Erziehungsprinzipien hereingenommen werden. Es ist selbstverstündlich — und jeder völkisch fühlende Deutsche muß es verstehen — wenn wir gegen die Verbreitung antisemitischer Vorstellungen schon bei Kindern Einspruch erheben. Herr Gruber gibt in seinem Aufsatz verschiedene Beispiele als An- Weisung für den märchenkundlichen Unterriclii Neben ״Rotkäppchen“, ,,Hansel und Gretel“ und anderen Märchen wird auch das Märchen ״Der Wolf und d i e s i e b c n Geißlein“ analysiert. Dies geschieht in folgender Weise: Der Wolf und die sieben Gei$lein Hauptgedanke: Vorsicht! es gellt ums!״eben. Die Grundfrage: Jn den!Märchen können die Tiere sprechen und liandeln. ln Wirklichkeit können sie das doch gar nicht, daraus merkt man schon: das hat eine besondere Bedeutung. Das ist Einkleidung, wie man sieht. Es bat von jeher Mensehen gegeben, die es mit unserem Voik, dem deul sehen Volk und seinen Kindern, gut meinten. Die wollten ihm allerlei Winke geben, daß es vorsichtig sein soll und sich in acht nehmen vor dem Feind, der ihm audauert; denn das demsehe Volk hat genau so seine natürlichen Feinde wie jedes Tier seine natürlichen Feinde hat. (Bei spiel: Katze und Maus, Hund und Hase, Wolf und Geißlein.) Der natürliche Feind des deutschen Volkes ist der Jude, Die alte Geiß ist ein guter Freund des deutschen Volkes, der der Jugend (den Geißlein) mit seinen guten Ratschlägen sagen will: Ihr müßt euch in acht nehmen vor dem Juden, sonst fallt ihr ihm alle zum Opfer. Die Geißlein, die unerfahrenen Kinder unseres Volkes, hören ■wohl auf diesen Rat. aber sie nehmen ihn doch nicht ernst. Das Ist von jeher der Fall der Deutschen gewesen, daß sie es nicht ״lauheu wollten, daß ihnen einer auflaucrt. Sie waren stets zu leichtgDuhig. Der Wolf kommt. Zuerst haben die Geißlein ihn schon erkannt und haben ihn auch nicht reingelassen, weil sie ihn an seinen groben häßlichen Manieren erkannten. (Hinweis aut! die früheren Zeiten, wo der Jude in Deutschland noch nicht überall rcindurltc; das deutsche Haus war ihm verschlossen. Er war wohl im Land, aller man paßte scharf auf ihn auf: Ghetto.) Da wandte der Wolf (Jude) allerlei List an. Er verstellte seine Stimme (er wußte sich cinzusehmeirheln, er wurde sehr höflich — jüdische KauÜeute —), aber man kannte ihn immer an seiner häßliehen Pfote. Da nahm er feine Sitten an, zog sich weiße Handschuhe an, nahm einen anderen Namen an und benahm sich genau so wie andere auch: der Wolf, der sich die Pfoten weiß machen läßt vom Bäcker. Da ließen sich die dummen Gcißlein und die dummen Deutschen täuschen und ließen den Wolf, den Juden, ganz ins deutsche Haus und Vaterland rein (Judcneinanripation). und von der Zeit an ging alles ״drunter und drüber“ im deutschen Haus, wie das im Märchen geschildert ist, (Schilderung, wie cs in Deutschland aussah, seitdem der Jude völlig reingelassen war: Die Haustür stand sperrangelweit auf, d. h. es gab keine Sicherheit mehr. Tisch. Stuhl und Bank waren umgeworfen, es war keine Ordnung und kein Anstand mehr da. Die Waschschüssel lag in Scherben: Das Gefühl für äußere und vor allem für innere Reinheit ließ nach! (Korruption im öffentlichen Leben), Decke und Kissen waren aus dem Bett gezogen: Der Gerichtsvollzieher kam und pfändete, was er konnte. Die Kinder des deutschen Volkes waren in alb Winde verstreut und viele hatte der Wolf (der Jude) überhaupt verschluckt (viele Geschäfte waren eingegangen, viele Arbeiter brotlos geworden, tausend und aber tausend hatten nichts mehr zu nagen und zu beißen). Nur aus dem Uhrkasten Heß sich ein feines Sümmchen vernehmen: Die Stimme des Instinkts, des Sinnes für das Recht war noch immer nicht völlig erloschen. Das macht sich da und dort, wenn auch ganz leise, bemerkbar. Da kam die alte Geiß, ein Freund des Volkes kam, betrachtete sich den Wolf von allen Seiten. Es hat bis in die letzten Zeiten, als die Not schon aufs allerhöchste ge■ stiegen war, noch einreine Menschen im deutschen Volk gegeben, die das ganze Unglück sahen und auch wußten, das ist vom Wolf, vom Juden gekommen (Hinweis auf Hitler). Er rettete, was noch zu reiten war, und siehe da: Es kommt, noch allerlei zurn Vorschein, was man schon für tot hatte ansehen müssen. Das Leben kommt wieder zu seinem Recht. Die Bauern und die Arbeiter und die Bürger, die Künstler und die Gelehrten: einer nach dein anderen kommt wieder zum Vorschein. Es ist das gerade, als ob sie aufs neue zum Leben geboren würden. Dem Wolf wird der Bauch aufgesclmittcn und große Steine dafür hineingesteckt. Der Wolf, der Jude, wird nicht umgebt.teilt, (kein Pogrom), er erledigt sich selbst. An seinem Materialismus, den Steinen, geht er zugrunde. Wo Idealismus ist, kann noch geholfen werden; wo reiner Materialismus ist, ist alle Hoffnung verloren. Es handelt sich hier selbstverständlich nicht um einen offiziellen Lehrplan, sondern um die private Arbeit des Autors des vorliegenden Artikels. Als Juden müssen wir hoffen, daß seine Deutung des Märchens vom Wolf und den sieben Gcißlein nicht wirklich in die Sduilpläne eindringt. Aber wir müssen uns doch vorstellen, was etwa geschehen müßte, wenn in einer Klasse, die so oder ähnlich über das Wesen des Juden aufgeklärt wird, auch ein jüdisches Kind säße. Und dies zeigt uns, wieviel Arbeit noch zu leisten ist, um das Problem der Eingliederung der Juden in Deutschland zu bewältigen. Mit den alten Methoden dürfte es wohl kaum gelingen. Nur wenn wir ein neues jüdi,sch cs Geschlecht jn jüdischen Sc 1111 i e n heranziehen, wird es möglich sein, in freier und offener Erörterung den Nichtjuden gegenüberzutreten, und vielleicht werden sie dann auch begreifen, daß wir keine ״Wölfe“ sind. Der britische Zentralfonds für deutsche Juden London, 19. September. (J.T. A.) In einem von der Zitteilungskommission des britischen Zentralfonds für deutsche Juden veröffentlichten Interims-Bericht wird die Verwendungsart der bisher von dem Fonds! aufgebrachten Gelder dargelegt. Die unmittelbare Hilfeleistung durch individuelle Unterstützung mußte im Hinblick auf die Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Mittel auf England beschränkt bleiben. Dem Komitee in England wurden &OOC Pfund zugewiesen, während den Hilfskomitees anderer Län• der die Fürsorge für die in ihrem Gebiet sich aufhaltenden Emigranten und die Deckung der Ausgaben für individuelle Hilfeleistung mit Hilfe der in den betreffenden Ländern ver• ajisfaiteten Sondersatntnlungcn überlassen bleiben. Außerhalb Englands wurden aus den Mitteln des britischen Zentralfonds Ausgaben ausschließlich zur Durchführung konstruktiver Pläne, die von der Zuteilungskommission vorher sorgfältig geprüft worden waren, gern acht. Auch der deutschen ״Judenheit mußte es überlassen bleiben, die Mittel für das inländische H i I f s w e r k und die Aufrcchterhaltung der jüdischen Institutionen Deutschlands selbst bercitzustellcn. Eine Ausnähme von diesen! Grundsatz wurde nur hinsichtlich der jüdischen Elementar■ und Mittleren Sc 11 ulen gemacht, die einen großen Teil ihres bisherigen Einkommens aus privaten und öffentlichen Mitteln verloren haben, dabei aber eine weit größere Zahl von Schülern aufnehmen müssen als früher. Die Zuteilungskoinmission, so heißt es in dem Bericht, sah sich vor eine komplizierte Aufgabe gestellt. Es bestand nicht nur die Notwendigkeit, die Hilfsmaßnahmen für den Emigrantenstrom zu organisieren, sondern es stellte sich auch heraus, daß einer sehr großen Zahl von Juden Hilfe bei der Auswanderung geleistet und vielen hunderten, die eine vor-!ibergehende Zuflucht in Nachbarkindern Deutschlands gefunden hatten, die Möglichkeit der Existenzgründling in Palästina und überseeischen Ländern geboten werden mußte. Auch mußten Schritte getan werden, um die Niederlassuiigserlaubnis für Auswanderer in überseeischen Ländern zu erlangen und vor allem anderen mußten die künftigen Siedler zu produktiver Arbeit in Landwirtschaft und Industrie geschult werden. Im llinhück auf die Wirtschaftsiage in der ganzen Welt müsse die Wamlerbeweguog( jetzt mit durchgreifender Bmifsuinscliidiluug verbunden werden. Bisher wurden, heißt es im Bericht weiter, die Mittel des Zentralfonds folgenden Zwecken zugefiihrt: Aiiswanderung, Berufsschuiung und -Umschichtung, Kreditgewährung an Kanfleute und Gewerbetreibende, Schaffung von Unterkt'mften für Einwanderer in Palästina. Eine der wichtigsten Aufgaben des Komitees bestand darin, die Auswand erung n a c 11 P a l ä s t i 11 a zu leiten und den Auswanderern beizustehen; diese Arbeit wurde in engstem Kontakt mit Vertretern der J ewish Agency, die durch ihr Berliner Palästina-Amt die Palästina-Auswanderung aus Deutschland selbst organisiert hat, durchgeführt. Während der letzten sechs Monate haben sicli 61)00 deutsche Juden in Palästina niedergelassen. Abgesehen von den speziell für die Arbeit in Palästina bestimmten Summen wird auch ein beträchtlicher Teil der den Komitees in anderen Ländern zugcteilten Gelder für die Ausbildung־ von Emigranten vcrwendet, die sich zur Ansiedlung in Palästina vorbereiten. Es wurden ferner in allen Teilen der Welt Untersuchungen hinsichtlich der Möglichkeiten jüdischer Siedlung angestellt. Diese Untersuchungen werden weiter fortgesetzt. Etwa 500 deutsche Juden wurden bereits in Brasilien und anderen überseeischen Ländern untergebracht, vielen konnte auch durch Gewährung von Krediten Existenzgründung in Europa, vor allem in Frankreich, ermöglicht werden. Die Ausgaben für Akademiker betreffen zum Teil Nothilfe, wenn auch alle Anstrengungen gemacht wurden, um den Unterstützten dauernde Beschäftigung zu sichern. In vielen Fällen konnte die Kommission mit Universitäten lind anderen höheren Lehranstalten zusammen arbeiten; diese Anstalten haben sich mitunter au den Ausgaben für die Unterbringung deutsch-jüdischer Lehrer und Förscher in England beteiligt. Von den 0000 Pfund, die für diesen Zweig der Hilfsarbeit au «gegeben wurden, hat das akademische Hilfskomitee 2500, das internationale Stiidentenwerk, das die Berufsumschulung deutsch-jüdischer Studenten in verscltiedenen Ländern organisiert, 500 Pfund erhalten. Außerdem wurden der Hebräischen Universität in Jerusalem 5000 Pfund zugewiesen, um es dem Kuratorium zu ermöglichen, der Universität die Mitarbeit henorragender deutsch-jüdischer Gelehrter zu sichern. Das Haifaer T c c 11 n i k u m erhielt 1000 Pfund zur Einrichtung technischer Schneilkurse für eine bestimmte Zahl deutsch-jüdischer Flüchtlinge. Besondere Aufmerksamkeit wurde vier Hilfe für J ugc ndliehe und Kinder zugewandt. Gemeinsam mit dein American Joint Distribution Committee wurden dem palästinensischen Kind er dort Ben Schemen 2000 Pfund zugewiesen, um die Aufnahme und Unterbringung von Kindern aus Deutschland zu ermöglichen; den Bedürfnissen der jungen Männer und Mädchen, die in den in Europa errichteten Berufsschuhingsz.entren arbeiten, wurde besonderes Augenmerk geschenkt. Es wurden weitere Schritte eingeleitet, um Mittel zum Ausbau des Hilfswerks für Kinder zu erlangen. Aus der in dem Bericht zuaanimcngestelltcn Uebcrsicht über die bisherigen Zuwendungen geht hervor, daß den deutsehen und französischen Zentralkomitees für Auswanderung deutscher Juden und ihre Ansiedlung in Palästina und anderen Ländern 31 000 Pfund bestimmt wurden. 30 0 )0 Pfund wurden für Schaffung von Unterkünften fiir deutsche Juden in Palästina ausgegeben, 23 030 Pfund erhielt vereinbarungsgemäß der Keren Flajessod in London, 21000 Pfund wurden Jur landwirtschaftliche und industrielle Ausbildung deutseh-jiidischer Siedler in Palästina verwendet, 20 000 Pfund für individuelle Fürsorge in England, 10000 Pfund als Subvention für Elementar- und Mittlere Schulen in Deutschland, 6000 Pfund für Berufsschulung von Emigranten in Europa. 6000 Pfund für die Schaffung interimistischer Stellen für jüdische Professoren und Lehrer an englischen Universitäten, 5000 Pfund für die Anstellung deutsch-jüdischer Gelehrter an der Hebräischen Universität Jerusalem und 3000 Pfund für landwirtschaftliche und industrielle Schulung jüdischer Emigranten in Holland, die nach vollendeter Ausbildung nach Palästina und anderen Ländern auswandern sollen. Die Verwaltungs- und Propagandakosten betrugen 6000 Pfund. Zum Schluß wird festgestellt, daß von den 185 005 Pfund, die bisher in den britischen Zentral- Hilfsfonds e i 11 g e z a 1111 wurden, bereits 170000 verschiedencn Zwecken zugeführt worden sind. Die Zuteilung«- kommission bringt ihre" Zuversicht zum Ausdruck, daß die englische Judenheit auch weiterhin den ihr zukommenden Teil an dem Rettungs- und Wiederaufbauwerk leisten wird. Arierprinzip Im Rcichsverband deutscher Schriftsteller. In einer Sitzung der Reichsleitung des Rcichsverbandes deutscher Schriftsteller beschloß, wie der Verband mitteilt, das Präsidium gemeinsam mit dem Beirat, nur arische Schriftsteiler als Mitglieder zu führen.

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