Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 75-76 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- Seite 572 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 570 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75/76, 20. IX. 1933 Bin 12 Maler Kinderhände malen inmitten der bewegten Kongreßtaee gab es in Prag eine Oase: Die Ausstellung von Werken eines 12 jährigen Malers, Moses Daiascb aus Czernowitz. Da sitzt der Junge mit seinen Eltern in einem Hotelzimmer, und die Der juoy« Prophet Jetejt Bilder an den Wanden ringsum vermitteln dem Schauenden einen Ausdruck großer seelischer Erlebnisfühigkcit und ein• zigartiger Gestaltungskraft. Der Knabe schüpft seine Anregungen fast ausschließlich aus der Bibel, die ihm tief vertraut ist, ihre Gestalten und ihre Gedanken vermag er in grandiose Visionen zu ver• wandeln. Unter den monumentalen Bildern, die in Prag ausgestellt waren, sind biblische Figuren von aufwühlender Eindring• lichkeit, mit erstaunlicher innerer Kraft gestaltet. Es ist darunter ein Moses, ein Ezechiel, ein Baal-Schem, mehrere Gestaltungen des Messias, aber auch Gestalten des Neuen Testaments, wie Johannes der Täufer. Der Knabe malt ferner ein Bild ״Verzückung“, ein Bild ״Dämon der Finsternis“, er malt eine ״Abwehr“, wo er einen Menschen im Abwehrkampf gegen die heranstürmenden dämonischer» Gestalten zeigt. Er malt aber auch ein ״Verträumtes Mädchen“, und mit besonderer Liebe hängt er an dem Bild eines in beseelter Natur stehenden Baumes, das den Namen trägt ״Der gebrochene Zweig“. Die Vorstellung, daß diese Bilder von einem Zwölfjährigen stammen, ist beinahe beängstigend. Der Schöpfer dieser Bilder enthüllt innere Wirklichkeiten, die er nur selbst erfahren haben kann. Auf die erstaunte Frage, woher er die Kenntnis nähme, antwortet er (in einem Briefe) ganz einfach: ״Jeder Mensch hat doch das ganze Wissen der Welt in sich. Es ist nur die Frage, ob es bei ihm wachgerufen ist, ob der Genius, der in allem und in jedem ist, ob er sich bestätigt, ob er schlummert. Ist aber der Genius in einem wachgerufen, so weiß er alles instinktiv. Vor einiger Zeit las ich in einem Aufsatz, der den Namen führt ,Der Instinkt und die Weisheit der Tiere‘. In diesem Aufsatz sagt der Verfasser, daß die Tiere alles durch den Instinkt wisr.cn, und wir alle sind doch Tiere. Durch unseren tierisehen Trieb offenbart sich uns alles. Und das ist der Grund, woher ich weiß, ohne erfahren zu haben.“ Der kleine Moses ist völlig ungeschält, er hat die Technik des Malens nicht gelernt. Sein Malen ist die unmittel• hure, elementare Aeußerung seiner Seele. Er seihst schreibt darüber Folgendes nieder: ״Daß für mich die Malerei ein Heiligtum ist, ist doch kein Wunder. Die Malerei ist (für mich) eine Sprache oder besser gesagt I) IE Sprache. Sic ist die einzige unmißbrauchte elementare Sprache. Wahrlich elementar ist di« Malerei. Und was inan durch sie ausdrücken kann, das ist, unsagbar. Man kann Untergang, Vernichtung, Aufbau und Leben durch sie machen. Also, die Malerei ist eine Sprache, durch welche man alles ausdrücken kann. Ueberwälligend und kraftvoll wie Michelangelo — zart, und ruhig wie Kornbrand.“ Die Begegnung mit dem kleinen Moses ist ©in großes Erlebnis. Der Knabe ist von stärkster religiöser Inbrunst erfüllt und er schafft aus einer Ur-Erfahrung, die durch Generationen zu ihm gelangt ist. S. L. Ein christlicher Gönner des jungen Barasch, der Czerno• witzer Senator Dr. Wladimir von Zaloziecki, äußert sich in einem Briet an einen Czernowitzer jüdischen Führer über den jungen Maler folgendermaßen: ״Man steht hier nicht nur vor einem prlikoxen Malertalent, sondern vor einem Genie, das erstaunliche Griffe in die Tiefe seelischer Untergründe tut. So brachte mir eStern der Kleine ein Bild, größer als er selber, den Moses arstellend, der die Gesetze zerschlägt. Das Gesicht des Propheten ist das eines Eiferers, der den inneren Blick hat, es ist aber auch die Sinnlichkeit starken Mannestums darin, mit einem Worte das Neue, Entscheidende bahnt sich Sichtbar seinen Weg. Aus der kleinen Knabengestalt heraus zu jenem Giganten des Willens spinnen sich neue aufschluß- Dar Propbat Jeremij! gebende Fäden, wirkt sich ein neue« Gewebe aus diesen Fäden, das voller Schrecken ist über das Unverständliche, Starke und voll Bewunderung andererseits. Dabei sind die Farben reich und satt und doch in Wildheit und Brand harmonisiert.“ Wir geben hier zwei Zeichnungen des jungen Künstlers wieder, die er uns auf unsere Bitte zur Verfügung gestellt hat. )m11nm1111ut11n1111um1111111n1n11111nm111i11111111!1111111111nm11u11111nn11nt111111mn11!11111n1n1n111 tm11n11nnm1111n1uuti1tt11111111Mt11111st1nHH1n11n1t1n11)t1n1;1rM1u11)m111H11111u11n111t1w1m111111mi1nm1111i1n1u«11n81m1n1111ti111111nu11i1lt1Hn8u11ntu)1u1u11n1;m11nin1111nmu111mn111n111nn11111111un111n(11nn111nimm11um111ni1un1u11i1ummt11n1111nm1nu11t111im1n1u111111nmuM Jüdische Frauen im Buchgewerbe Habermann, Jüdische Frauen als Setzerinnen, Druckerinnen usw. Berlin, Verlag Rubin Maaß (hehr.). Der gelehrte Verfasser hat mit seinem anspruchslosem Büchlein nicht nur der Wisserschaft, sondern auch den jüdischen Frauen — sofern sie Hebräisch lesen — eitlen Dienst erwiesen. Als Ziel seines Unternehmens bezeichnet er selbst den Nachweis, daß — im Gegensatz zu mancher immer wiederholter Behauptung -•־- cs dem Geiste des Judentums entsprach, die Frau ebenbürtig dem •Manne zur Seite zu steilen. Wir Heutigen sehen vor allein die rechtlichen Be- Schränkungen in Ehe und Scheidungsrecht, denen sie als Orientalin ausgeset/t war; ־und wir vergessen darüber allzu oft, welche grobe und wichtige Rolle jüdische [7rauen von jeher im!״eben der Gemeinschaft zu spielen berechtigt waren. Wenn ihnen auch flieht, wie Habermann sagt, von vornherein ,,alle Tore des jüdischen Wissens ״ffcnstamlen‘‘: wir sehen ja gerade ans der Berchrinikinig im Lernstoff der jüdischen Frau eine ganze neue 1 iterafur sich erlichen. Aber schon in biblischer Zeit - darauf weist er mit Recht hin — standen neben den Erzvätern die Erzmiitfer; Prophetinnen wie 1)0borah und Hulda erwachten im Volke; und an Gelehrsamkeit standen snater Heruriaii. die Gattin Rabbi Meirs, Hanna, die Tochter des Rabbcnti Tarn, und viele ihrer Schwestern den Männern nicht nach. ,,Neben den Fiel Jen, den Dichtern und den Propheten stehen bei uns die Heldinnen, die Dichterinnen und die Prophetinnen.“ Auf einem bestimmten Gebiete geht dann Habermann der Tätigkeit der jüdischen Frauen im Besonderen nach. Schon Carmoly, Steinschneider, Kayserling u. a. berichten von einer — vorerst noch geringen — Anzahl von jüdischen Frauen, die sich um die Herausgabe von Büchern beruflich als Setzerinnen, Druckerinnen, Herausgeberinnen verdient machten. Habermann gelang es nun, auf Grund einer vielfach verzweigten Bücherkenntnis diese Ehrenliste beträchtlich zu steigern. Zugleich führt er sein Verzeichnis Ms auf die Gegenwart fort. Und so erscheint vor uns eine höchst bunte und merkwürdige Galerie von Frauen: neben Estelina Konat, die in Gemeinschaft mit ihrem Manne, dem Arzte Abraham Konat, 1476 in Mantua eine Druckerei errichtet und dort unter anderm etwa die Bechinot Olam des R. Jedaja Ha- Penini druckt, steht die geheimnisvolle Gestalt der Esther Chiera, die am Hofe einer Sultanin die erste Rolle spielte, dem Werke des Abraham Zacuto zur Veröffentlichung verhalf und trotz aller ihrer Aemter und Würden 1600 den Mördern zum Opfer fiel. Und neben der Witwe Rösele, die das Psaimen-Buch herausgibt, wohl verdeutscht und bescheid-!ich ״gar kurzweilig drinnen zu leien für Weiber und Meidlieh“ steht eine Herausgeberin unserer Tage: Schoschanah Per sitz, die Tochter Füllet Slaiopolskis, die Gründerin des Verlages Omanuth, der gerade heute wieder manche Hoffnurig sich zuwendet. Gewiß, jeder dieser Frauen sind nur kurze biographische und bibliographische Bemerkungen gewidmet; auch verwahrt der Verfasser sich bescheiden gegen den Anspruch auf Vollständigkeit seiner Liste. Aber hier ist wertvolles Material zusammengetragen; und wer einmal in Zukunft die seit Kayserlings erstem Versuch notwendig zu erneuernde Geschichte der jüdischen Frau zu schreiben unternimmt, der wird Habermann zu großem Danke verpflichtet sein. B. B. St. Der Verband für Hebräische Sprache und Kultur hielt in Prag anläßlich des Zionisten-Kongrcsses eine Tagung ab. Es wurde beschlossen, die Zentrale des Verbandes demnächst nach Palästina zu überführen. Sprach - Lehrbücher Wörterbuch des palästinensischen Arabisch (Deutsch-Arabisch). Von Leonhard Bauer, Leipzig — Jerusalem 1933. Aus profunder Kenntnis des Jerusalemer Dialekts der arabischen Sprache heraus gibt uns der Verfasser in seinem Wörterbuche die arabische Ücbersetzung von ungefähr 20000 deutschen Vokabeln. Obwohl das Hauptgewicht auf die arabische Sprache Jerusalems und seiner nächsten Umgebung gelegt wird, hat der Verfasser, der in Jerusalem Lehrer ist und eine Grammatik des palästinensischen Arabisch verfaßt hat, auch die übrigen Dialekte Palästinas, ja sogar diejenigen Syriens und des Libanon in seinem Werke berücksichtigt. Wo die sogenannte ״Vulgarsprache“ kein entsprechendes Wort für einen Begriff besitzt, hat der Autor mit Recht sieh nicht gescheut, den schriftarabischen Ausdruck anzuführen, von der richtigen Ansicht ausgehend, daß mit der Zunähme der Schulbildung die Vulgärsprache allmählich von der Schriftsprache verdrängt werden wird. Da jedem Worte die Angabe der Gegend, in der es gesprochen wird, des sprachlichen Gebietes, dem es gehört, beigefügt ist, wird der Lernende dadurch nicht irregeführt. Die genaueste Wiedergäbe der Aussprache der arabischen Wörter in latciirischer Umschrift macht die Benutzung des Wörterbuches auch für den des Arabischen Unkundigen zugänglich. Der Orientalist, der an der Universität das klassische" Arabisch studiert hai. findet in diesem Werke interessantes Material über die Entwicklung einer Sprache und die Verarbeitung alten semitischen Sprachgutes durch ein uns im sprachliehen Denken verwandtes Volk. Der Autor weiß, daß eine Sprache nicht allein aus Wörtern, sondern mehr aus Worten besteht. Daher ist es auch zu begrüßen, daß er dem Worte in kurzen Sätzen häufig die Redewendungen beigegeben hat, in denen es gebraucht wird, und die erst seinen richtigen Sinn bestimmen. Dadurch wird das Buch nicht nur zu einer wertvollen Quelle der palästinensisch-arabischen Lexikographie, sondern liefert auch einen Beitrag zur Folklor. Die ausgiebige Berücksichtigung gerade der modernen Ausdrücke macht die Benutzung des Buches für jeden Palästina-Reisenden, sogar für den Orientalisten, notwendig, da es ihm im Verkehr mit der arabischen Bevölkerung unschätzbare Dienste leistet. Dr. Mar- G.-an, Ein hebrllscti-deutsches Wörterbuch für den praktischen Gebrauch. Durch das Entgegenkommen der Buchhandlung ״Kedc m“ ist es uns möglich gewesen, Einblick in die ersten Aushängebogen des neuen deutsch-hebräischen Taschenwörterbuches zu erhalten, dessen kurz bevorstehendes Erscheinen die genannte Buchhandlung in dieser Nummer der ״J. R.“ ankündigt. Wenn das neue Wörterbuch, das ausschließlich praktischen Zwecken dienen will und daher zu einem besonders billigen Preise verkauft wird, in seinem Gesamtumfang das hält, was die ersten Bogen hinsichtlich seines Inhaltes und seiner Anlage versprechen, dann wird mit ihm wirklich einem fühlbar gewordenen Bedürfnis abgeholfen werden. Nicht beschwert durch den Gesamtreichum des Wortschatzes der hebräischen Sprache, will das neue Wörterbuch dem Besitzer insbesondere dein aus Deutschland nach Palästina gekomtnenen Neueinwanderer, die rasche Auffindung nur derjenigen hebräischen Wörter ermöglichen, die er im täglichen Leben des Landes — im Gespräch auf der Straße und im Hause, beim Einkauf im Oeschäft und bei der Berufsausübung als Arbeiter, Handwerker, Kaufmann, Arzt, Rechtsanwalt usw. — wirklich unbedingt benötigt. Die Auswahl der Wörter scheint uns im Hinblick auf diesen praktischen Zweck gut getroffen, und der von dem Bearbeiter des Wörterbuches angewandte Grundsatz, jedes deutsche Wort nur durch einen einzige« Terminus wiederzugeben, erscheint uns als ein besonders glücklicher Gedanke, weil er dem Benutzer die Schwierigkeit der Auswahl erspart. Man darf daher dem Erscheinen dieses neuen deutsch-hebräischen Wörterbuches im Interesse all der deutschen Juden, die sich jetzt dem neuen jüdisehen Palästina einzufügen im Begriffe sind, mit gespanntem Interesse entgegensehen . P. G. Nathv, Lesebuch für den hebräischen Unterricht, hierausgegeben vom Hechaluz 1933. Preis 1,50 RM., für Mitglicder des Hechaluz 1 RM. Getreu den kulturellen Traditionen der palästinensischen Arbeiterschaft empfindet auch der deutsche Hechaluz die Aufgabe, den vielen, die heute in Deutschland Hebräisch lernen, eine inhaltlich wertvolle, leicht zu beschaffende Auswähl von hebräischen Texten zur Verfügung zu stellen. Schon die äußere Aufmachung ist erfreulich: 85 Seiten mit geschmackvollem Einband und vor allem in einer Klarheit des Druckes, wie sie bei hebräischen Büchern nur selten erreicht wird. Der Herausgeber, Ephraim Bräu d e, hat cs dank seiner umfassenden Literafurkenntnisse verstanden, in den verhältnismäßig engen Rahmen des Buches recht rielfaltige Inhalte hereinzubringen. Viele Bibelstellen, einiges aus Mischna und Midrasch, vorwiegend Texte aus der modernen hebräischen Literatur. Man kann nicht alle Titel und Autoren hier aufzählen. Einige Stücke geben typische Bilder aus dem Galuthleben (Faierberg usw.). Der Großteil der Inhalte ist mit Palästina verbunden, mit seiner Gescnichie und vor allem mit dem Aufbau des Landes. Gedichte von Bialik, Rachel, Schlonski (aber auch von Jehuda Halevi), Natur- und Arbeitsschilderungen, vielerlei aus der Arbeitertiteratur (Arlosoroff, Brenner, Gordon, Ben Gurion, Kamelson usw.). Jedes kleine Stück enthält irgend etwas Wichtiges und Interessantes. Eine ganze Reihe der Lesestücke sind unvokalisiert gedruckt, so daß das Buch für verschiedene Stufen des sprachlichen Könnens gebraucht werden kann; für erste Anfänger ist es allerdings nicht berechnet. Den vielen Hebräisch-Kursen, insbesondere unter der Jugend, möchten wir diese Sammlung warm empfehlen. Speziell aus dem Grunde, weil hier das Palästina-Interesse und die Palästina-Sehnsucht ihre Befriedigung vollauf finden, ohne daß darüber der historische, jüdisch-geistige Besitz vernachlässigt wird. Gerade in dieser Vereinigung zweier wichtiger Not- Wendigkeiten, deren Synthese nur selten gelingt, leistet dies Lesebuch Vorbildliches. Dr. Hermann Gers 011. Ein neues hebräisches Lehrbuch. Im Verlage Sefaiheiiu erscheint zu Beginn des neuen Semesters ein hebräisches Lehrbuch, welches von Dr. M. Goldmann, Lehrer der Hebräischen Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, verfaßt ist. Dr. Goldtnann hat neue Wege eingeschlagen, indem er die £anze hebräische Grammatik auf 14 Lautregeln zurückführt, die der Lernende sich allmählich aneignet. Auf diese Weise wird das Hebräische leicht faßlich und schnell, aber dabei doch gründlich beigebracht. Die Einstellung des Werkes macht es besonders auch für Lernende ohne Vorkenntnisse sehr geeignet, da infolge der lateinischen Transkription, die wir in dieser Form erstmalig antreffen, jeder sofort mit dem Lernen beginnen kann. Die Kenntnis der hebräischen Schrift eignet man sich beim Durcharbeiten des Werkes ohne Mühe an. Durch diese neuen Gesichtspunkte eignet sich das Werk ganz besonders auch zum Selbst- und Fern-Unt erricht.