Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 75-76 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- Seite 563 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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933 Nr, 75/76, 20. IX. 1933 jüdische wwdschah Seite 561 יי*ויומי■ feierte ג us eradition bei Errelleres ldlagen ■t sind. le vom s, von nähmestärkste Leipzig m Veren, die ahr zu steigen, 00 RM. 3 20 °/0 :inzigen er Kulentliehe Mittelmstigen luktfvea; Grund 1, einen ch eine s £ctan, jzig ein jüdische!rg eine hen die stiert in emeinde Prinzip lädchen- , Es ist t in die de wird age für 1 e b rii - ng von Kragend ing ist Hand in gkeit ist Zentrum!ialarbeit 3 im Ju• 200 zio• pzig der 200 Mit• ung und!wandern ■r Kräfte iihrendeit erfüllen. 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Es ist ebenso selbstverständlich wie interessant, daß alle Versuche in dieser Richtung letzten Endes auf das hinauslatifcn, was wir Hachscharah, d. h. also Berufsumschiclvtung als Vorbereitung für Palästina, nennen. Zugleich beginnt man zu verstehen, daß diese Berulsumschichtung sich nicht beschränken kann auf das Erlernen irgendeiner Arbeit, sondern daß dazu notwendig! ist, eine mit allein Ernst und letzter Konsequenz durebzuführende Schulungs- und Erziehungsarbeit in Gruppen, die durch enges Zusammenleben die Möglichkeiten gemeinsamer Arbeit und dieser inneren Umstellung gewährleisten. Die■ äußere Vorbedingung für die Arbeit der Jugendorganisation neu bildet das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Jugendheim, dessen ganze Bedeutung erst in letzter Zeit sichtbar geworden ist. Daß die Instanzen der Gemeinde für die Fragen der Hachscharah von Anfang an das ge-!lügende Verständnis gehabt haben, wird durch die Tatsache bewiesen, daß sie für das Beth Chaluz eine grolle gemeindeeigene Wohnung seit langem zur Verfügung gestellt hat, in dem fast 30 junge Menschen wobnen und wirtschaften. Ein zweites Beth Chaluz ist in der Umgebung von Hamburg, in Rissen, eröffnet worden. Die Beschaffung von Stellen, die die Bennsmnschiclihing erst ermöglichen, ist ein neues Arbeitsgebiet geworden. Zur Bewältigung der durch die Ereignisse der letzten Monate gestellten Aufgaben wurde von einem Aktionsaus• schuß, der aus 5 Personen bestand und im März dieses Jahres zusammentraf, der Hamburger HilfsausschulS konstitmert. Dieser richtete eine Beratungsstelle ein, die außerordentlich stark frequentiert wird. Er sorgt für die Aufbringting und Verteilung der Hilfsgelder. Der Beratungsstelle des Hitfsaussehusses ist das Hamburger Pa lästina-Amt angegliedert, das von einem Vertreter der Hamburger Zionistisehen Vereinigung geleitet wird. Man hat auch hier wie wohl überall nicht das Gefühl, daß schon die richtigen Menschen zielbewußt heute die Führung des deutschen Judentums übernommen haben. Man ist sich in Hamburg, zum mindesten in den Kreisen, die sich ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen, darüber klar, daß sie zunächst einmal lokal und für den eigenen engen Bereich gelöst werden muß. Es stehen Pläne zur Debatte und vielleicht vor einer baldigen Verwirklichung, den jetzt etwas zu schwerfälligen Apparat vielfältiger Gemeindeinstanzen zu ersetzen durch eia kleines, arbeitsfähiges Gremium. Es wird eine schwere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß die richtigen Menschen, die alle Forderungen erfüllen, diesen Kreis bilden. Breslau Starke Abwanderung nach Palästina Die Breslauer Jüdische Gemeinde umfaßte bei der letzton Volkszählung rund 22 000 Mitglieder. Davon waren etwa 10 Prozent ausländische Staatsangehörige bzw. Staatenlose. Seit Anfang des Jahres 1933 sind schätzungsweise 2000 Personen abgewandert, die Mehrzahl von ihnen, wie eine amtliehe Auskunft besagt, nach Palästina. Die Gemeinde, ehedem wohlhabend, leidet seit Jahren an Steuerrückgängen. Der frühere Etat von einer Million Mark ist längst zusammengeschrumpft, kann aber wegen der großen vertraglichen Verpflichtungen nicht so s'.ark zusammengestrichen werden, wie es die sinkenden Einnahmen eigentlich erfordern würden. Wie sich die Einkornmenveränderungen der letzten Monate in den Steuereingängen auswirken werden, läßt sich kaum! absehätzen. Die Gemeinde wird geleitet von einem zwüifköpfigen Vorstand (6 Liberale, 2 Volksparteilcr, 2 Konservative, 1 Mittclparteilor, 1 Wirtschaftsparteiler). Die Gemcindeverire- (ung besteht aus 23 Mitgliedern (11 Liberale, 4 Volksparteiler, 3 Konservative, 2 Mittelparleiier, 2 Wirtschaftspartciler, Ost,jude). Das \V o h 1 f 11 h r t s a m t hat einem Etat von rund 200 000 Reichsmark. Als selbständige Organisation, allerdings von der Gemeinde subventioniert, bestellt der Arbeitsnachweis. 1 Im April dieses Jahres wurde eine Beratungsstelle | mit zahlreichen Abteilungen eingerichtet. Infolge des Widerstandes der älteren Generation der | Lilcralen hat sich die Gemeinde vom jüdischen Schulwerk zurückgchalien. Als private Gründung des jüdischen Schul Vereins existieren in Breslau eine jüdische Volksschule und ein jüdisches Reform-Realgymnasium. Ersterc besuchen I 417, letzteres 287 Kinder. Bei der außerordentlichen Uckerilerung der Gemeinde sind dies über ein Drittel (ler schul- Ptüchtigen Kinder. Die Jugend ist in zahlreichen Bünden I und •Vereinen organisiert, die Mehrheit ist zionistisch ein- I gestellt. Köln Bilanz der Gemeindearbeit Von Amtsgerichtsrat May. Die Kölner Jüdische Gemeinde hatte am 1. Jantiar 1933 ca. 18 500 Mitglieder. Seit 1. April 1933 trat ein starker Wanderungsverlust ein, der durch Zuzug aus kleinen Provinzstädten teilweise ausgeglichen worden ist. Bis 1. September 1933 dürfte sich die Kölner Gemeinde um ca. 10 0/0 verringert haben. Die Austrittsbewegung ist noch nicht zum Stillstand gelangt, 27 Wicderanmeldungen standen 45 Austritte aus der Gemeinde gegenüber. Der Gemeindectat ist gegenüber dem Etatsjalir 1930 um ca. 50 % gefallen. Der Voranschlag für 1933 betrug 490 000 Mark und wurde im April um ca. 15 0/0 für den Rest des Etatsjahres gekürzt. Gehälter und Löhne beanspruchen ca. die Hälfte des durch Steuer aufzubringenden Betrages. Das Wohlfahrtsamt, Notstands- und Winterhilfe nahm an dem Etat mit ungefähr weiteren 25 °0׳ teil. Vom Wohlfahrtsamt wurde ca. jeder fünfte Kölner Jude in irgendeiner Form betreut. Das Wohlfahrtsamt hat sich in den letzten Jahren unter Leitung seines jetzigen Vorsitzenden in ständigem Maße der Produktivierung seiner Schützlinge zugewandt und sich auch Hachscharah- und Alijah-Fragen angenommen. Der Steuersatz, den die Kölner Gemeinde erhebt, ist wohl der höchste, der in einer Großgemeinde zur Erhebung gelangt und beträgt seit Jahren 20 0/0; hinzukommt noch ein Gemcindegeld. Für die Jugendarbeit unterhält die Gemeinde ein eigenes Jugendheim, das eine Zeitlang seiner Benutzung entzogen worden ist, jetzt aber wieder der jüdischen Jugend zur Verfügung steht. Von den 2046 schulpflichtigen jüdischen Jugendlichen Kölns besuchen mehr als die Hälfte jüdische Schulen, und zwar wird die städtische jüdische Volksschule von 702 Kindern, die Moriahübungsschule von 174 Kindern, die übrigen städtischen Volksschulen von 324 Kindern besucht. Die höhere jüdische Schule ״Jawne“, die keine Gemeinde- Institution ist, aber von der Gemeinde subventioniert wird, hat einen Schülerbestand von 203 Schülern, während die übrigen städtischen und staatlichen höheren Schulen von 412, die Mittelschulen von 31 jüdischen Kindern besucht werden. Die Gemeinde läßt durch ihre Religionslehrer in 112 Wochenstunden an den öffentlichen Schulen und an 51 Wochenstunden in Religionsschulen Unterricht erteilen. Der jüdische Arbeitsnachweis, dessen Trägerin der israelitische Frauenverein ist, hat vom 1. Januar 1933 bis zum 1. September 1933 431 Vermittlungen vorgenornnien, von denen die größte Zahl auf Haushalt-, Erzichungs- und Pflegestellen entfällt. Das Jugendamt der Syuagogengemeinde betreut zirka 200 Jugendliche. Düsseldorf Die erwachende Gemeinde Von Dr. Adolf S i n d 1 e r. Die durch den politischen Ilmschwung veränderten Verhältnisse haben die Düsseldorfer Gemeinde besonders getroffen. Die Mehrzahl der Düsseldorfer Juden wurde über Nacht aus einem schönen Traum gerissen. Hierbei ist festzustellen, daß die Gemeinde ihr Schicksal mit Würde getragen hat. Die Zahl: Etwa 6000 Gcrncindemitglicder zählte man 1932. Davon 4400 Reichsangehörige und 1600 Angehörige verschiedener Staaten. Hiervon werden bis Juli etwa 500—600 ausgewandert sein. Während anfangs hauptsächlich Familien in die Nachbarländer auswanderten, steigt jetzt in starkem Maße die Auswanderung der Jugend, besonders nach Palästina. Damit ist die Gefahr einer Ueberalterung der Gemeinde, die für Düsseldorf bislang nicht so groß war (10 0׳,״ Gemeindemitglieder über 60 Jahre, 20 <0/י unter 20) außerordentlich gewachsen. Die Wirtschaft: In wirtschaftlicher Hinsicht wurde die Düsseldorfer Gemeinde durch die Umwälzung besonders schwer getroffen. Das hat seine Ursache in der Struktur des Berufsaufhaus der Gemeindemitglieder. Im Gegensatz zu vielen kleineren rheinischen Gemeinden waren die Berufe in Düsseldorf ganz besonders wenig krisenfest. Fast 2000 Personen waren in kaufmännischen Berufen tätig, davon 21 Fabrikanten, 22S Agenten, 1118 Kaufleute, 542 Angestellte. Einen weiteren großen Anteil stellten die freien Berufe, so daß der Einfluß der veränderten Verhältnisse auf die Wirtschaftslage der Gemeindemitglieder leicht vorstellbar ist. Finanzlage der Gemeinde: Dementsprechend ist die Finanzlage der Gemeinde für die Zukunft besorgnis-■ erregend. Da man in noch relativ guten Jahren im Zug der damaligen allgemeinen Steuerherabsetzungen die Stenern ermäßigt hatte, fehlen nennenswerte Rücklagen. Es rächt sich hier die Rücksichtnahme größeren Steuerzahlern gegenüber, die in vergangenen Jahren Niedrighaltung der Steuern erzielen konnten, infolge der Möglichkeit, durch Austritt aus der Gemeinde sich allen steuerlichen Pflichten zu entziehen. Besonders zu bedenken ist, daß das heute schon stark gesunkene Steueraufkommen im nächsten Jahr noch ■weitaus geringer sein wird, da 1933 noch nach der Veranlagung von 1932 erhoben wird. Ein finanziell entlastendes Moment ist der an und für sich sehr zu bedauernde Mangel an gemeindeeigenen Anstalten und Institutionen. Wohlfahrt swesen: Die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes hat einen starken Auftrieb erfahren. Früher war ein großer Teil der Betreuten Durchwanderen Jetzt treten Aus- Wanderer an deren Stelle. Palästina wird mehr und mehr bevorzugtes Auswandcrcrlaml, vor allem für die Jugend. Palästinabcratung wird durch die Z.O. G. in Räumen des Wohlfahrtsamtes betrieben. Rückwanderung in die Heimat-!ander ist geringer. Hauptsächlich wandern ältere Menschen zurück. Groß sind aucli die Aufgaben der Erholungsliirsorge. Stets wurde in Düsseldorf vorbildliche Arbeit in örtlicher und klimatischer Erholungsfürsorge geleistet. Bitter wird es empfunden, daß gerade jetzt, in wirtschaftlicher Notzeit, infolge Mangels an Mitteln die Kinder- und Erwachsertencrbolung eingeschränkt werden muß. Für Alleinstehende wird gesorgt, um dem sichtbaren Rückgang des Ernährungs/uslandes entgegenzuarbeiten. Berufsberatung und Vermittlung i-t bei dem Umschichtungswillen der Jugend ein wichtiges Gebiet. Cs gelingt, Arbeitnehmer bei jüdischen Arbeitgebern unter/ubringen. Eine Zimmervermittlung wird gut in Anspruch genomnien, und langsam gelingt auch eine Lösung des bisher sehr schwierigen Problems, jüdische Hausgehilfinnen zu finden und für beide Teile zufriedenstellend unter/ubringen. Iiesonders tätig in der Wohlfahrtsarbeit sind die Frauenvereine und die Chevra. Schulwesen: Hier rnutite erst die Zeit Anschauungen wandeln, die bisher ein unüberwindliches Hindernis bei der Durchsetzung der seit Jahren von! fortschrittlichen Teil der Gemeindemitglieder geforderten jüdischen Volksschule gebildet hatten. Die neuerlichen Bemühungen werden einen Lrtolg bringen müssen. Hebräische Sprachschulen: Es bestellt eine hebräische Sprachschule, die von zahlreichen Erwachsener] und Jugendlichen besucht wird. Besondere Erwähnung verdient noch eine von der Gemeinde unterstützte Einrichtung der Gesetzestreuen. In einem modernen Glieder wird die gesetzeslreue Jugend im Thorastiidiiiiu unterwiesen. Bei tagiici. zweistündigem Unterricht sind die Fortschritte ungewölinlieh gute. Die Schule zählte bis 130 Kinder, leider geht sie infolge Abwanderung und Geldmangels zurück. Kulturelle Arbeit: Sie lag bis zu diesem Jahre fast ausschließlich bei Vereinen und bei der Jugend. Die Gemeinde war nur Trägerin gewisser Vortrags-Zyklen. Die Jugend hat sich sofort durch Vergrößerung ihr cs Arbeitsplanes den veränderten Verhältnissen angepaßt, und die kulturelle Jugendarbeit (Sprachkurse, Geschichtskurse) hat einen starken Aufschwung genommen. HicT bemüht sich besonders der Jugcridverein, 'der Kenntnisse in zahlreichen Sprachen vermittelt. Der notwendige Ausbau einer möglichst alle Gemeindemitglicdcr umfassenden, jüdische kulturelle Werte vermittelnden Organisation ist in die Wege geleitet. Gedacht ist an Volkshochschule, Chor- und Kammermusik. Jugend: Die Jugendarbeit hat überall, bei zionistischer Jugend, heim Jugendverein, Hcchaluz, Esrah und Makkabi starke neue Impulse bekommen. Besonders wertvoll ist, daß unter den jungen Menschen, deren Organisationen ein Ortsring vereinigt, eine weitgehende Einmütigkeit besteht. Die Jugend empfindet eben das Einzigmalige der Zeit, und alle die kleinen Differenzen der früheren Jahre sind verschwunden. Stark ist die Vorbereitung auf Palästina. Im Vorjahre gab cs 15 Chahizim, fast ausschließlich aus ostjüdischem Milieu, jetzt 50 neue aus bisher assimilantischcn Kreisen. Eifrig wird jüdische Geschichte, Hebräisch, Palüstiuaknnde getrieben. Sport: Der hier blühende Makkabi hatte liir kurze Wochen keine Uebungsmöglichkeiicii. Doch hat die Stadt- Verwaltung sehr bald die Aufnahme des Betriebes durch Zurverfügttngstellung von Halle und Sportplatz wieder ermöglicht. Der Verein betreibt, wie seit vielen Jahren und völlig unbehindert die Ertüchtigung der jüdischen Jugend auf breitester Grundlage. 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