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Jüdische Rundschau · 1933-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1933) · p. Seite 562

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
Seite 562 (sequence 18)
Language
German
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Seite 560 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75/76, 20. IX 1933 Ni Bereitstellung von Mitteln die Möglichkeit gegeben werden, eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu erhalten. Bcnifsumschichtung für jene Menschen, die aus ihren bisherigen Berufen verdrängt wurden, bei denen aber noch die Möglichkeit der Erlernung eines neuen Berufes vorhanden ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß dies in erheblichcm Umfange zu erreichen ist. Der Abteilung für Berufs'.msfhichtung obliegt es, nicht nur die Menschen zu beraten, sondern ihnen auch zur Erlernung des gewählten Berufes zu verhelfen; sei es auf dem Wege der Beschaffung privater Lehrstellen oder auf dem Wege eigener Einrichtungen für Kollektivausbildung, deren Planung und Durchführung sich nach den Gegebenheiten des deutschen Arbeits* marktes richtet. Sowohl für Männer als auch für Frauen sind bereits eine ganze Anzahl von Ausbildungsmöglichkeiten in die Wege geleitet worden, die zeigen, daß trotz der verändert׳m Verhältnisse eine große Zahl erwachsener jüdischer Mensehen von ihren bisherigen Erwerbszweigen auf produktive Berufe umgestellt werden konnten. bet Arbeitsnachweis mit seinen Abteilungen für alle Beruiskategorien männlicher und weiblicher Arbeitnehmer steht in dieser Zeit vor besonders schwierigen Aufgaben. Die bereifs trüher sichtbar gewesenen Tendenzen der Ersetzung jüdischer Arbeitnehmer haben sich in den letzten Monaten in einem sehr großen Ausmaß durchgesetzt. Unabsehbar groß ist die Zahl arbeitswilliger und arbeitsfähiger Menschen, die inmitten einer Zeit konjnitkhirollen Aufschwunges und verminderler Arbeitslosigkeit ihre Arbeitsstellen nur deshalb verloren haben, weil sie Juden sind. Der bisher schon eingeengte Arhritsmarkt ist für den jirdischen Arbeitnehmer noch verengter dadurch, daß viele Großbetriebe und Warenhäuser, die bei der Einstellung ihres Personals keinen Unterschied zwischen jüdischem und nichtjüdischem Personal gemacht haben, und sich mir von der fachlichen Eignung leiten ließen, jüdische Bewerber ausschallen, auch wenn sie den besten beruflichen Voraussetzungen entsprechen.!Durch intensive Propaganda und Kleinarbeit müssen jüdische und niditjüdische Arbeitgeber wieder dafür gewonnen werden, jüdisches Personnt einzustcllen. Auch hier zeigen die Erfahrungen der letzten Wochen, daß es trotz aller Erschwernisse, die sich dem Arbeitsuchenden heute rntgegenstellen, möglich ist, jüdisehen Menschen wieder zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Mehr als bisher wird von der jüdischen (!Öffentlichkeit darauf geachtet werden müssen, da ft jüdische Arbeitnehmer wieder in den Arbeitsprozeß eingeordnet werden. Künstlerhilfe. Diese Abteilung steht vor besonderen Schwierigkeiten, denn durch Ausschaltung einer überaus großen Zahl von schaffenden jüdischen Künstlern atis ihrer bishörigen Betätigung ist die Schaffung produktiver Hilfsmaßnahmen sehr begrenzt. Trotzdem wird von dieser Abteilung versucht, durch eigene Veranstaltungen, durch Zusammensteilung von Theater- und Konzerttournees einen Teil der aus ihrer Tätigkeit verdrängten Künstler wieder ihrem Berufe zu erhalten. Für die bildenden Künstler werden eigene Ausstelhingen und die Förderung des Verkaufes ihrer Werke geplant. Die Wirtschaffsstelle für selbständige Gewerbetreibende hat die Aufgabe, dem kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand den Existenzkampf in dieser Zeit zu erleichtern. Durch betriebswirtschaftliche Ratschläge, Hinweis auf neue Absatzmöglichkeiten, Ueberbrückung von finanziellen. Schwierigk eiten durch Kreditbeschaffung, sollen lebensfähige Betriebe und Geschäfte die Möglichkeit erhalten, über die für jüdische Unternehmungen besonders kritische Zeit hinwegzu- Kommen. Den wirtschaftlich Zusammengebrochenen soll durch fachliche Beratung und Gewährung von Kreditmitteln die Möglichkeit gegeben werden ihre Existenz neu aufzubauen und ihnen den notwendigen Uebergang zu anderen Erwerbsmöglichkeiten zu erleichtern. Der Rechtsschutzabteilung fällt die Aufgabe zu, die aus der Gesetzgebung der Gegenwart sich ergebenden rechtlichen Veränderungen zu verfolgen und die davon Betroffenen zu beraten sowie die Wahrnehmung von Rechtsansprüchen in die Wege zu leiten. Die für Angehörige der akademischen Berufe, wie Aerzte, Rechtsanwälte usw. bestehenden Spezialahteilungen sollen zu Einrichtungen der Selbsthilfe dieser Gruppen!ungestaltet werden. Aus dieser nur schematischen Aufzählung ist zu ersehen, wie unitangreich die Aufgaben sind, die dem Dezernat für Wirtschaftshilfe gestellt werden. Die gesamte Tätigkeit trägt produktiven Charakter und soll durch vorbeugende Maßnahmen, durch rechtzeitige Beratung und Umstellung die Inanspruchnahme von Wohlfahrtsmitteln verhindern. Das Absinken wirtschaftlich gesunder Elemente soll vermieden, die Wirtschaftskraft der Goirmndomitglieder, soweit es irgendwie angängig ist. gestärkt werden. Denn nur dann wird die Geesichert sein, wenn ihre Mitglieder meinde in ihrem Bestand vor wirtschaftlichem Zu-stmmenb!uch bewahrt werden. Ob sich dies erreichen läßt, vermag man zurzeit noch nicht zu übersehen. Noch ist nicht klargestellt, welche Funktionen uns in Zukunft im Wirtschaftsleben Deutschlands zugewiesen werden, die Aufstellung eines großen wirtschaftlichen Aufbau- ׳laues ist von der endgültigen Klärung der Rechtsstellung der uden in Deutschland abhängig, solange dies nicht geschehen ist, muß mit allen Mitteln versucht werden, zumindest das Bestehende zu erhalten und vor Erschütterungen zu bewahren. Für alle jene aber, für die auf dem Wege produktiver Maßnahmen nichts erreicht werden kann, setzt die volle Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde ein. Dieses soll durch einen völligen Umbau seiner Organisation den Zeitverhältnissen angepaßt und in seiner Leistungsfähigkeit verbessert werden. An Stelle der bisher vorhandenen 25 Wohlfahrtsbezirke sollen 6 große und in ihrer Tätigkeit weitgehend selbständige Wohlfahrtsämter geschaffen werden. Durch Besetzung der Wohlfahrtsämter mit einer genügenden Zahl von fachlich gut geschulten Sozialarbeitern. durch Heranziehung einer großen Zahl ehrenamtlieber Pfleger soll die Betreuung der Hilfsbedürftigen intensiviert werden. Die neue organisatorische Umstellung ist von der Tendenz getragen, eine wesentlich schnellere Erledigung der Unterstützungsangelegenheiten der Gemeindemitglieder sicherzustellen. Bei der Vergrößerung der Not und der Einscliränkung der Mittel muß jedoch mehr denn je darauf geachtet werden, daß die Kosten des Verwaltungsapparates nicht außer Verhältnis zu den Aufwendungen für die Unterstützungen selbst stehen. Wenn man bedenkt, daß das Wohifahrts anit der Gemeinde schon jetzt zirka 20000 Menschen zu betreuen hat, und daß der kommende Winter diese Zahl noch «lieblich vergrößern wird, kann man ermessen, wie ungeheuer schwer und verantwortlich die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes ist. Die neugeschaffenen Bezirksämter werden sich recht zeitig auf die Bewältigung des Notstandes der kommenden Monate umstellen müssen. Außer den Mitteln, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, werden sie selbst neue Quellen erschließen und weitere Mittel heranschaffen müssen. Durch die Organisierung der Nadibarhilfc, durch Zusammenschluß der Hilfsbedürftigen und Ausbau der Küchen durch warme Stuben, Kindergärten und Horte müssen sie da für sorgen, daß die hilfsbedürftigen Mitglieder der Gemeinde vor der sctilimmsten Not bewahrt werden. Nach wie vor blei ben die Wohlfahrtsmaßnahmen der Gemeinde nur ergänzend zur öffentlichen Fürsorge. Die Wahrnehmung aller An Sprüche an die öffentliche Fürsorge muß auch letzt beachtet werden. Wer müssen dte Wohlfahrtsämter dem Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat zur Sette stehen. Neben der Einzelfürsorge, die im wesentlichen in Zukunft nur von den Bezirkswohlfahrtsämtern durchgeführt werden soll, verbleibt der Zentrale des Wohifahrtsamt cs die Bearbeitung aller Fragen, die zentraler Natur sind, wie die Verbindung zum Oemeindevorstand, Kontrolle der Tätigkeit der Bezirkswohlfahrtsämter, Propaganda, Verwaltung der Stiftungen und Stipendien, zentrale Bearbeitung der Jugendfürsorge, insbesondere Sarnmclvormundschaft, Pflegeklnderwesen, fondergärten und -Horte, Erholimgsfürsorge, Gefährdeten- und Strafentlassenenfürsorge Fürsorge für Dtircfiwanderer und Obdachlose, Verwaltung der Kleider- Kammer, Es wäre verfehlt zu glauben, daß die Umorganisation, die hier angedeutet wurde und der WandeL der *ich im jüdisehen Gemeindeleben vollzieht, nur eine Folgeerscheinung des revolutionären Geschehens In der Umwelt ist. In einem gewissen Sinne vollzieht sich heute auch in der jüdischen Gemeinde nur die Legalisierung bereits vorhandener Zustände, d. h. daß die Gemeinde auch früher schon in ihrem Inhalt anders war, als die herrschenden Parteien es anerkennen wollten. Schon früher hat das Leben zu Maßnahmen und Einrichtungen gezwungen, die dem offiziellen Charakter der Gemeinde längst nicht mehr entsprachen. Die Festlegung des neuen Programms der Sozialarbeit bedeutet eine tatsächliche Anerkennung dessen, was die Gemeinde bisher geleistet hat und kennzeichnet die Absicht, auf diesem Wege fortzufahren. Bemessen an der Verarmung der Mitglieder bedeuten diese umfangreichen WirtschaftshUfs- und wcJilfahrtseinrichtungen. eine Verschiebung von den kulturellen und religiösen Fragen zu den sozialen hin und kennzeichnen am stärksten den Wandel, der sich innerhalb der Gemeinde bereits vollzogen hat. Die Vollständigkeit der Sozialarbeit in bezug aut Umfang und Organisation stellt die jüdische Gemeinde Berlins an die Spitze aller jüdischen. Gemeinden der Welt. Sie mit jüdischem Inhalt zu erfüllen und der Gegenwart des jüdischen Menschen anzupassen, ist eine Aufgabe, für die die zionistische Bewegung in der jüdischen Gemeinde nach wie vor zu kämpfen hat. Die jüdische Jugend in der Gemeinde Von Dr. Georg L u b 1 n s k j, Nach der Umwälzung traten die Eigenprobleme der jüdischen Jugend im Bewußtsein der jüdischen Gesellschaft erheblich hinter den allgemeinen Problemen zurück. Diese Entwicklung war insoweit berechtigt, als die lebenswichtigen Fragen der Gesamtheit einen Vorrang, vor den Sonderproblemen der Jugend beanspruchten, Sie war unberechtigt, insofern unter dieser Begründung Forderungen auftraten, die sich gegen die Lebensinteressen der Jugend selbst wandten. Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß gerade bei einigen Instanzen der jüdischen Gemeinden die Sorge um Ruhe und Ordnung in den bisherigen Stätten des Lebens der jüdischen Jugend soweit getrieben wurde, die Jugend aus diesen Stätten ganz zu verbannen. Wenn es auch durchaus verständlich ist, daß die bisher als Jugendheime dienenden Räume den dringenden Bedürfnissen des Augenblicks nutzbar gemacht wurden, so ist auf die Dauer ein Zustand unerträglich, der der jüdischen Jugend die Möglichkeit zu jeglicher Zusammenkunft nimmt. Schlimmer ist dies noch, wenn zum Beispiel der Jugend des Hechaluz die Benutzung der Gemeinderäume mit der Behauptung verwehrt wurde, daß es sich nicht um Jugendgruppen ״im eigentlichen Sinne“ handle. Ein seltsames Mißverständnis der Zeichen der Zeit offenbart sich zum Beispiel auch darin, daß in der soeben erschien enen Nummer des Berliner jüdischen Oe• meindeblattes nur Vertreter des zahlenmäßig und ideologisch schwächsten Teiles der jüdischen Jugend, der liberaldeutsch-jüdischen Jugend, d. h. nur eines Flügels, zum Wort gelangen. Wesentlicher als diese Frage der Einstellung der älteren Generation zur Jugend ist der Wan del der Probleme, der sich innerhalb der jüdischen Jugend vollzogen hat. Durch den harten Eingriff von außen haben wieder einmal Dinge, die bis dahin bei einem weiten Teil der jüdischen Jugend nur den Inhalt von!Weltanschauungen bildeten, die gegenstündliche Form von Tatsachen angenommen. Die Erörterunßen über die Probleme der Berufswahl sind abgebrochen worden durch den aus der Lage sich ergebenden Zwang, produktive Berufe, d. h. Berufe der Landwirtschaft und des Handwerks zu wählen. Dieselbe Revolution, die beim Beginn der Chaluzbewegung die ersten aus intellektuellen Berufen kommenden Pioniere durchgemacht haben, erleben heute weite Teile der jüdischen Jugend. Es bleibt nur der wesent• liehe Unterschied zwischen denjenigen Menschen, denen diese Entwicklung aufgezwungen erscheint und denen, die sich als Vollstrecker ihr« eigenen Schicksals und damit des Schick• sals des Volkes vollziehen. Dabei wirkt die Realität des Lebens dann auf die Gesinnung zurück. Menschen, die lediglich aus beruflichen Gründen zur Umschichtung kamen, kommen auf dem Wege der Umschichtung zum Zionismus. Nicht nur die Tatsache, daß als sinnvolles Ziel des Umschichtungrweges ein Leben in Palästina gerade jetzt gegeben ist, sondern auch das Leben während der Ausbildung selbst führt die Menschen zum Zionismus. Es erweist sich immer wieder, daß die mit der Umschichtung von Menschen aus dem Bürgertum verbundene soziale Umschichtung nur ertragen wird, wenn sie von einer Idee getragen ist. Es wird zu überlegen sein, ob nicht bei allen Umschichtungsunternehmungen, die von der jüdischen Gesellschaft getragen werden, auch institutionell die kulturelle und gedaakliche Erziehung einen Bestandteil des Umschichtung«- prozesses bilden müsse. Schließlich hat sich auch das Jugejidproblcm In der Gestalt des Anteils der Jugend an der Führung der Geschicke der Gesamtheit gewandelt. Es ist nicht Nachahmung der Umwelt, wenn in den jüdischen Instituhatten immer mehr junge Menschen den Platz der Führung einnehmen. Es ist vielmehr der Ausdruck dafür, daß die ältere Generation mit ihren Anschauungen und Idealen nicht weiter kommt. Damit ist nicht gesagt, daß die junge Generalion die ihr gestellte Aufgabe bereits erfüllt hat. Diese Entwicklung, die sich sichtbar in den jüdischpolitischen Organisationen, in den sozialen Institutionen vollzogen hat, ist an den ״parlamentarisch“ gewählten, ״diktatorisch“ geführten jüdischen Gemeinden bisher scheinbar ohne Wirkung vorübergegangen, in denen Träger länjst erlöschener Mandate sich der Entwicklung vergeblich entgegenzustellen versuchen. ז Beachten Sie unseren Inseratenteil Leipzig; Von der Kultus ge mein de zur Sozialgemeinde Die Leipziger Gemeinde ist sehr jung und feierte erst vor einigen Jahren Ihr 75jähriges Bestehen. Hieraus erklärt sich der Mangel an einheitlicher Gemeindetradition ihrer Angehörigen. Diese geringere Verwurzelung hat bei Erschlitterungen, die von außen her kommen, ein schnelleres Fluktuieren zur Folge, zumal die wirtschaftlichen Grundlagen der Masse der Leipziger Juden seit Jahren erschüttert sind. Der Hauptanteil des uemeindesteueraufkoinmens wurde vom ״Brühl“, dem Weltzentrum des Rauchwarenhandels, von Fabrikanten und Akademikern gestellt. Diese Einnahmequellen sind durch die starke Abwanderung: auf das stärkste reduziert worden, abgesehen davon, daß auch die in Leipzig verbliebenen Steuerzahler in ihrer Steuerkraft in keinem Verhältnis zu den großen sozialen Anforderungen stehen, die an die Oemeinde gestellt werden. Das Budget der Gemeinde sinkt von Jahr zu Jahr, während die Bedürfnisse der Wohlfahrtspflege steigen, Von 1929/30 bis 1930/31 ist der Gesamtetat von 803 000 RM. aut 503 000 RM. gesunken. Hiervon entfielen knapp 20 °,'o aut Ausgaben für die Wohlfahrtspflege. Die Gemeinde entwickelt sich notgedrungen zum einzigen finanziellen Träger jüdischen Lebens und wird von der Kultusgemeinde zur Sozialgemeinde. Ueber die eigentliche soziale Hilfstätigkeit hinaus, die sich in Familienhilfe, Mittelslandshilfe und Erwerbslosenfürsorge sowie den sonstigen allbekannten Einrichtungen zeigt, ist man zu einer produktiven Form der Sozialarbeit übergegangen. Es ist zwar auf Grund der Bestimmungen in Sachsen nicht möglich gewesen, einen Stellennachweis zu schaffen, an ihre Stelle ist jedoch eine Berufsberatung getreten. Besonders wird alles getan, um die Hachscharah zu fördern. So wurde bei Leipzig ein kleineres gärtnerisches Gut von der Gemeinde gepachtet, aut dem 20 junge Menschen ihre gärtnerische und jüdische Ausbildung erhalten. Ferner wurde in Bad Dürrenberg eine Haushaltungsschule eingerichtet, die 20 jungen Mädchen die Ausbildung für Palästina ermöglicht. Die Höhere Israelitische Schule existiert in Leipzig bereits 20 Jahre, wird jedoch nicht von der Gemeinde finanziell unterhalten. Dieses Institut ist nach dem Prinzip der Realschule aufgebaut, umfaßt auch eine höhere Mädchenschule und neuestens eine achtklassige Volksschule. Es ist damit zu rechnen, daß die Schule in absehbarer Zeit in die Führung der Gemeinde übernommen wird. Die Schule wird zurzeit von ca. 800 Kindern besucht. Die Grundlage für die hebräische Kulturarbeit bildet die bekannte hebräische Schule ״Techijah“, die unter Leitung von Dr. Woskin gerade in den letzten Monaten hervorragend wirkte. Die Leipziger jüdische Jugendbewegung ist im jüdischen Jugendring zusammengeschlossen, der Hand in Hand mit der Gemeinde arbeitet. Frucht dieser Tätigkeit ist die Erhaltung des jüdischen Jugendhauses, das zum Zentrum jüdischen Lebens geworden ist. Auch in der Sozialarbeit leistet der Jugendring Wesentliches. Von den ca. 1400 im Ju• gendring organisierten Jugendlichen gehören etwa 1200 zio• nistischen Bünden an. Wie überall, so ist auch in Leipzig der Hechaluz stark angewachsen und umfaßt heute über 200 Mit• glieder. ln der Gemeindeverwaltung, in der Jugendbewegung und bei allen sonstigen Institutionen wirkt sich das Abwandern der leitenden Personen stark aus, und cs wird aller Kräfte bedürfen, um mit geringen Mitteln und wenigen führenden Menschen die immer größer werdenden Aufgaben zu erfüllen. L.H. Hamburg; Vor der Neuordnung der Führung Von Dr. Edgar Marx. Für die Hamburger Oemeinde muß man wissen, daß ihre Struktur eine besondere ist, weil die verschiedenen Kultusverbände unter eigener Autonomie unabhängig von der eigentliehen Gemeinde leben, nur durch Personen und eine gewisse finanzielle Abhängigkeit mit ihr verbunden. Man kann also die Hamburger Gemeinde, wenn man will, mit einem gewissen Recht im Gegensatz zur Kultusgemcinde als eine Sozialgemeinde bezeichnen. — Die finanzielle Situation des laufenden Jahres ist noch nicht voll übersehbar, sie muß aber unter Berücksichtigung der Umstände als leidlich bezeichnet werden. Die laufenden Ausgaben waren bisher aus dem Etat ru decken, besondere Notstandsumlagen o, dgl. sind nicht «rhoben worden. Das Wohlfahrtsamt der Gemeinde wird natürlich dauernd bis zur letzten Möglichkeit in Anspruch genommen. Das ist ein Zustand, der schon seit Jahren in gleicher Weise besteht. Daß erhöhte Anforderungen an das jüdische Wohlfahrtsamt bisher in wesentlichem Umfange nicht gestellt worden sind liegt an der Konstituierung des Hilfsausschusses, der gewissermaßen als Aüffang-Organisation dient für die neu hinzukommenden Fälle, die durch die Ereignisse der letzten Zeit entstanden sind. Eine erhebliche Erschwerung der sozialen Gemeindearbeit bedeutet der Umstand, daß dem jüdischen Arbeits• n ach w eis die Konzession nach Ablauf nicht erneuert worden ist. Die in Hamburg bestehenden jüdischen Schulen genügen, was die rein zahlenmäßige Aufnahmefähigkeit an• . Mädchenschule der Gemeinde. In der Talmud-Tora-Schule beträgt der Abgang durch Auswanderung zirka 10 0/0, das sind etwa mehr als 100 Schüler. Zugekommen sind zirka 50 Schüler; zu einem geringen Teil durch in letzter Zeit Zugewanderte, zu einem größeren Teil durch Umschulung aus den allgemeinen Schulen. Um den Bedürfnissen der Er- Ziehung jüdischer Jugend in heutiger Zeit ganz zu genügen, und um sie in jeder Beziehung vorzubereifen auf das, was sie nach dem Abgang von der Schule zu erwarten hat, müssen in allernächster Zeit Neuerungen und Ergänzungen im Schul• wesen durchgeführt werden. Diese dürften nur zu erreichen sein, wenn die Elternschaft auf eine Verjüngung und Aktivierung der Kuratorien drängt. Bei der geschilderten Struktur der Gemeinde ist es erklär• lieh, daß kulturelle Aufgaben nicht zu ihrem eigent liehen Arbeitsbereich gehören, sondern zur Tätigkeit der verschiedenen Verbände, Vereine und Bünde. Zweifellos entsteht so eine Zersplitterung, die zwar wenig wünschenswert ist, die sich aber bei der Verschiedenheit der Träger diese! Arbeit kaum vermeiden lassen wird. Immerhin soll erwähnt werden, daß in zionistischen Kreisen Pläne, eine Art jüdi• scher Volkshochschule zu schaffen, diskutiert wer den. Geistige Arbeit auf bemerkenswert hohem Niveau leistet als einzige Institution, die man mit der Gemeinde in Zusammenhang bringen kann, die Franz-Rosenzweig- Stiftung. Ihren Veranstaltungen wild im kommenden Winter erhöhte Bedeutung zukommen. — Die hebräische Sprachschule Ivriah und ihre Lehrer sind bis zum äußersten überlastet. Es müßten ihr, abgesehen vom Schul- SSW iiMflSi gcld, gcsai und wird der selbs Rieht schar Paläs diese das 1 ist, t rendi durch Arbei äiillci 11 en Zeit für ( nuge: bcvvi! mein! hat,! Ein ג in Ri die I beitsj 1 Mont schuf zusan stitui Order g»ng Hilfs; glicd! sehen t daß Führt ist si crnstl zun,•1c erlös leicht schw! setze! ei ne gen bilde! Bre! Sta L (cn \ 10 P. Seit . sonen liehe E an S Millic wege! stark nahmt menv< gen b / D Vorst tclpar mng ler, 3 t Ost D Reich: der ( In» A mit 7a h Mt.cn wer! Schul' und t 417, 1 altcru!־flieh■ und י gcstcl W Bei

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