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Jüdische Rundschau · 1933-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1933) · p. Seite 554

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
Seite 554 (sequence 10)
Language
German
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Seite 552 jodischh Rundschau Nr. 75/76, 20. IX. 1933 Keine Juden auf dem Jurisieniag Der Deutsche Juristentag findet vom 30. September bis 2. Oktober in Leipzig statt und wird durch den Reichsjustizkomim'ssar Dr. Frank eröffnet werden. Wir es heißt, werden auch mehrere Mitglieder der Regierung Ansprachen halten, Bezüglich der Teilnahmeberechtigung wird folgendes mitgeteilt: ״Zur Teilnahme am Juristentag berechtigt sind alle Mitglieder des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, alle Mitglieder der korporativ dem BNSDJ. beigetretenen Vereinigungen sowie alle sonstigen mit dem Recht befaßten oder am Juristentag interessierten Personen, mit Ausnahme von J 11 d e n.“ Rcichsjusli/kommissar Dr. Frank hat zwar in einem Erlaß, den wir in N'r. 71 wiedergegeben haben, angeordnet, daß in der beruflichen Betätigung die 7.11 g e 1 a s s e n e n jüdischen Anwälte den arischen g I e i eil 1 1! s t e 11 e 11 sind. Diese Oleichstellung soll aber offenbar mir für die Berufsausübiing, nicht für die volle Teilnahme am Rechtsleben und an den Berufsorganisationen gelten. Bescheinigung als ״deutsches llnlemclunen“ gegenstandslos In den ergänzenden Bestimmungen, die der Reichswirtschaftsminisler zu den Richtlinien über die Vergebung öffentlieber Aufträge erlassen hat, wird betont, daß die Bescheinigung als ״deutsches Unternehmen" usw., gleichgültig, von wem sie erteilt wurde, mit den Richtlinien vom 1*1. Juli d. J. gegenstandslos geworden ist. Es wird dabei auf die stets gegebene Gefahr des rcklamemäßi gen Mißbrauch! solcher Bescheinigungen hingewiesen. Bescheinigungen dieser Art sollten daher von amtlichen Stellen nicht erteilt werden. Der Begriff ״nichtarlsch“. Wie das Vdz.-Ilüro meldet, hat der Reichsinnenminister eine ergänzende Erläuterung zu dem Begriff ,,nichtarisch‘‘ für die Durchführung־ des Berufsbeamtengeset/es gegeben. Es wird darin fostgestclil, daß, wenn in dem zur Entscheidung stellenden Fall einer der Großväter des Beamten unbestritten von der Rasse nach jüdischen Eitern abstammt, dieser Beamte selbst dann als nichtarisch im Sinne des Gesetzes anzuschen ist, auch dann, wenn der Großvater der jüdischen Religionsge mein- Schaft niemals angehört hat find außerdem der Vater des Großvaters, also der Urgroßvater bereits getaufter Chist gewesen ist. Der Minister unterstreicht, daß bei Auslegung des Begriffes der arischen Abstammung nicht die Religion maßgebend sei, sondern daß vielmehr entscheidend sei die Abstammung, die Rasse,!das Blut. Das Gesetz schließe keineswegs aus, daß eine nichtarische Abstammung auch dann vorliege, wenn alle Eltern- und Großeiternteile zwar der jüdischen Religion nicht angehört haben, wenn aber die jüdische Abstammung anderweitig festgestellt wird. Der Stadtrat in Erlangen hat H. ״Frankfurter Zeitung“ vom 16. September einen nationalsozialistischen Antrag angenommen, wonach das im Jahre 1875 auf dem Luitpoldpiatz für den jüdischen Universitätsprofessor Dr. med. Jakob Herz errichtete Denkmal sofort entfernt werden soll. An unsere Abonnenten! Die Abonnements-Gebühren für des 4. Roleiderquarlal, bzw. für Monat Oktober, werden jetzt fällig. Wir werden uns deshalb erlauben, die Abonnements-Gebühren für die kommende Bezugszelt wie üblich in den nächsten Tagen durch Nachnahme einzuziehen. Wir wären für pünktliche Einlösung dankbar und weisen darauf hin, dah durch rechtzeitige Zahlung der Geböhren am besten eine Verzögerung in der Belieferung vermieden wird. Diejenigen unserer Abonnenten, die, auf ausdrückliehen Wunsch, keine Nachnahme zugestellt bekommen, ersuchen wir höfl., den Betrag auf unser Postscheckkonto Berlin 173 91 zu überweisen. Berlin, im September 1933. Verlag ״:Jüdische Rundschau" Berlin W15. MelnekestraBe 10 Sabbat-Beobachtung in Schulen. Zu dem Artikel ״Heberblick über die neuesten Scliulerlasse“ in unserer Beilage ״Die jüdische Schule“ (״Jüdische Rundschau“, Nr. 73) wird uns von einein Leser aus Gießen mitgeteilt, daß auch für Hessen inzwischen eine Verfügung herausgekommeti ist, wonach jüdische Kinder am Sabbat auf schriftlichen Antrag hin vorn Schreiben, Zeichnen und von Handarbeit und darüber hinaus während des Gottesdienstes vom Schul unterrieht entbunden werden können. Ferienkurse für jüdische Studenten der Medizin. Mit Genehrnigung des preußischen Kultusministeriums können für jüdische Studenten der klin. Semester unentgeltliche Ferienkurse durch jüdische Dozenten abgelialten werden. Meldungen umgehend an die Jüd. Studentenhilfe, Berlin C 2, Rosenstr.2/4. Unterbringung jüdischer hilfsbedürftiger Kranker. Nach längeren Verhandlungen hat der Herr Oberbürgermeister der Stadt Berlin mit Schreiben vom 11. September 1933 mitgeteilt, daß künftig jüdische hilfsbedürftige Kranke dem Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, Exerzierst!11 .־a, und dein Israelitischen Kranken heim, Elsässer Str. 85, auf Kosten dei Berliner Wohlfahrtsverwaltung wieder überwiesen werden dürfen. Mit Rücksicht auf die in den städtischen Krankenhäusern freien Betten darf es sich aber nur 11m besonders begründete Einzeifälle handeln und um Personen, bei denen nicht von vornherein mit einer Krankenhausbehandlung von mehreren Monaten Dauer zu rechnen ist Damit ist, wenigstens für jüdische Patienten, der Rechtszustand im allgemeinen wiederhergesteilt, wie er bis zum Juni dieses Jahres bestanden hat. Die über hundert Jahre bestehende Synagoge in Perleberg wurde geschlossen, nachdem die dortige Gemeinde durch Fortzug oder Tod der Mitglieder so zusammetigeschmolzen war, daß die Erhaltung der Synagoge nicht mehr möglich war. Die Kultgeräte werden der Gemeinde Berlin übergeben. Kleine Nachrichten Wagner» Südwestdeutscher Nachrichtendienst meldet lt. ״Frankfurter Zeitung“ vom 16. September aus Hungen, die Generalversammlung der dortigen Molkereigenossenschaft habe beschlossen, alle Juden aus der Genossenschaff auszuschließen. Außerdem sei beschlossen worden, auch alle diejenigen Mitglieder von der Milchlieferung auszuschließen, die mit Juden geschäftliehen Verkehr unterhalten. Die Generalversammlung war von etwa 500 Genossenschaftsmitgliedern besucht. Die ״Parteilose Vereinigung zur Vorbereitung eines verfassungsmäßigen völkischen Volksentscheids über die Lösung der Judenfrage“ hat sich aufgelöst. Der Entschluß wird damit begründet, daß der gedachte Volksentscheid nunmehr unnötig sei, da die Regierung das, was möglich ist, ihrerseits selbständig zu veranlassen in der Lage sei. Das lettische Blatt ״Latvis“ beschwert sich ■— laut ״DAZ“ — darüber, daß sowohl in Riga als auch in Diinaburg und Libau immer neue Scharen von Juden eintrefferi, die aus Deutschland kommen und hier eine Zuflucht suchen. Man müsse sich, so schreibt das Blatt, über das lcttländisclie Außen- und das Innenministerium wundern, die diesen jiidischen Drang nach Osten die ganze Zeit geduldig und ruhig beobachteten. Es sei höchste Zeit, daß dem jüdischen Strom ein Damm vorgebaut werde. ln Wien kam es, wie J. T. A. meldet, bei einer Ver- Sammlung der Zionistischen Arbeiterpartei, auf der die Palästinetiser Berl Katznelson und Mereminski über den 18. Zionistenkongreß berichteten, zu heftigen Zusammenstößen zwisehen Revisionisten und Mitgliedern der Arbeiterpartei, □ne größere Polizeiabteilung stellte die Ordnung im Saale wieder her, worauf die Versammlung ruhig zu Ende geführt werden konnte. Fünf Personen wurden leicht verletzt. Fresseschan In der ״Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 15. September widmet Winfried Martini unterder Ueberschrift ״Palästina in der Weltpolitik“ dem Zionistenk o n g r e ß eine Würdigung, die er mit folgender Betrachtung cinlcitet: ״Der XVIII. Zionistenkongreß in Prag ist nach!!tägiger Dauer beendet worden. Seine Ergebnisse sind insofern von allgemeinem Interesse, weil ja die zionistische Position in Deutschland — im Gegensatz zu Sowjetrußland ־— durch den Sieg des Nationalsozialismus nicht im geringsten gelitten hat. Itu Gegenteil! Die deutschen Juden hatten bisher in ihrer überwältigenden Mehrheit den Zionismus abgelehnt. Erst durch die neuen Verhältnisse, die die ״Dissimilation“ fördern und fordern, nimmt ein großer Teil von ihnen die Tatsache des Palästina-Aufbaus und der zionistischen Bewegung zur positiven Kenntnis. Ein eigentlich zionistisches Interesse bezüglich der deutschen Juden aber liegt nur in zweifacher Beziehung vor: einmal als Problem der Einwanderang deutscher Juden nach Palästina (es wurde durch Ruppin in einem besonderen Referat behandelt). Zum anderen wira die deutsche Judenfrage von den Zionisten als eine besondere und als die bisher in der jüdischen Geschichte deutlichste Bestätigung der zionistischen Lehre von der Aussichtslosigkeit der Assimilation und des Irrtums der liberalistischen Konzeption der Judenfrage angesehen. Der Kongreß nahm die bekannte Deutschland-Resolution an und entzog klugerweise die weitere Behandlung dieses Themas der sogenannten Generaldebatte und damit dem un kontrollierbaren Temperament von einzelnen ebenso unbedeutenden wie hitzigen Del. gierten,“ I.ETU.N iinSHiMi-HH Grolle jüdische Organisation sucht inen organisatorisch besonders befähigten Zionisten als verantwortlich. Mitarbeiter. Bewerbungen unter 662 1 die Jiid. 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