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Jüdische Rundschau · 1933-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1933) · p. Seite 550

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
Seite 550 (sequence 6)
Language
German
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Seite 548 J 0DISCHE RUNDSCHAU Nr. 75/76, 20. IX. 1933 pläne, Lehrbücher ausarbeiten, auch materielle Beihilfe leist ca, soweit es in seinen Kräften steht. Aber er kann nur dann gedeihlich wirken, wenn Eltern un*l Erzieher in vertrauen»־ voller Mitarbeit mit ihm gehen. Er will helfen, er kann, da er die Probleme zentral überblickt, auch helfen, er betrachtet seine Aufgabe als Dienst an der jüdischen Jugend, als Aufbauarbeit für das Geschlecht der Zukunft. Die jüdische Schule Im Jahre §694 Rückblick und Ausblick Von Dr. Adolf Lese 11 nitzer, Berlin. Was bedeutete uns in den letrten Jahren die jüdische Schule — was schien sie uns zu bedeuten? Wir durchlebten eine Zeit gesteigerter Assimilation, eine Periode der Massenaustritte und der Mischehen in einem nahezu Beispiellosen Ausmaße, kurz: einen Entjudungsprozeß, der an jene gefährlichen 14 Jahre von 1810 bis 1823 erinnerte, in denen ein Drittel aller Berliner Juden sich taufen ließ. In diesen letzten, jetzt hinter uns zurückliegenden 14 Jahren vom Ende des Weltkrieges bis zum Siege des Nationalsozialismus war demgemäß unser Ruf nach der jüdischen Schule Ausdruck unseres Willens, ein Bollwerk zu schaffen gegen den Ansturm der Assimilation. Die jüdische Schule war — so schien es uns — das lelzte, vielleicht das einzige Mittel, das wir besaßen, um dem Zersetzungs- und Auflösungsprozeß, der unseren Volkskörper bedrohte, zu steuern: dadurch, daß in der heranwachsenden Generation die großen Kulturwerte des Judentums zu lebendiger Geltung gebracht werden sollten, hofften wir, den jüdischen Lebens- und Selbstheiiauptunirswillen mehr und mehr zu steigern. Die jüdiwtH- Schule bedeutet heute unendlich viel mehr. Die tu׳f:!!1r der Assimilation ist gebannt — auf andere Weise lind durch andere Machte, als die nielit/ionistischeri Teile des deutscher! Judentums es sich jemals hätte träumen lassen. Aber an Stelle der Gefahr, durch Assimilation zugründe zu gehen, erheben sich heute riesengroß andere Gefahren. Während der Entjudungsprozeß von vielem als .,historisch notwendig י‘ hingenomnieii oder als ״einfachste Lösung der Judenfrage1‘ begrüßt wurde, jedenfalls auf leichtfertiges Entgegenkommen stieß, ist jetzt die Schicksal hafte Gefahr der Vernichtung emporgestiegen und hat das deutsche Judentum gezwungen, furchtbarster Not ins Auge zu sehen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Sclilimmer aber vielleicht noch als alles, was uns von außen her bedrohen kann, ist die innere, die seelische Gefahr: daß viele Menschen dem, was auf sie einstürmt, erliegen lind daß sie, im Innersten erschüttert durch die täglich gegen uns erhobenen Angriffe, schließlich reibst an die Wahrheit aller der. Vorwürfe und Beschuldigungen glauben. Lias wäre das Schlimmste, die innere Vernichtung., die Demorali• saiion. Wenn schon der Erwachsene in dieser Weise gefährdet ist, um wieviel mehr das Kind, um wieviel mehr vor allem der Jugendliche in dm Entwicklungsjahren, in denen schon au und für sich die innere Sicherheit leicht zu erschüttern ist und in denen alles darauf ankommt, daO die noch zarte und leicht verwundbare Psyche des jungen Mensehen nicht Narben davon trägt, die die Charakterbildung für das ganze Leben unheilvoll beeinflussen können. Wie entsetzlich, wenn in den Seelen junger Juden sich der Gedanke festsetzt: ״Es ist eine Schande, es ist ein Fluch, daß ich in diese Gemeinschaft hineingeboren bin; Ich schäme mich, Jude zu sein...“ Den Kindern der vielen Zehntausende jüdischer Familien, die nicht auswandern können oder wollen, das Rüstzeug zu geben für den heute so unerhört erschwerten Existenzkampf und vor allem sie seelisch zu wappnen, ihnen Selbstvertrauen und von jeder Ueberhebiichkeit freien jüdischen Stolz zu geben, als ״den Fußbreit festen Grund, auf dem sie stehen“ — das ist der tiefe, wahre und einfache Sinn der jüdischen Schule in diesem furchtbar ernsten Augenblick unserer jüdischen Existenz. Das jüdische Elternhaus ist erschüttert: materiell bedroht und seelisch zermürbt sind viele Erwachsene nicht mehr imstande, ihren Kindern das zu sein, was zu sein sie brennend und sehnlich wünschen, ihnen Halt und Stütze in Nöten und Inungen zu geben, sie freundlich, gütig, kraftvoll und zlelbemiBt za feiten. Unecdticb viel schvertr ab in ruhigen, naerschütterten Tagen int deshalb die Aufgabe der Schule, unendlich viel schwieriger die Leistung, die sie vollbringen nuS, unendlich viel größer die Verantwortung des Lehrers. Oroß ist die Zahl der Einzel auf gaben, die einer Lösung harren und sie, wie wir hoffen, bald finden werden. Erhaltung und Ausbau der bestehenden Schulen; Schaffung neuer Schulen, nicht nur für die Kinder, die öffentliche deutsche Schulen verlassen müssen, sondern auch für die zahlreichen Kinder derjenigen Eltern, die aus freien Stücken und aus klarer Einsicht in die innerlich gegebene Notwendigkeit ihre Kinder jüdischen Schulen zuführen wollen. Umbau und Neuordnung der Unterrichtsarbeit unter dem Gesichtspunkt der Berufsumschichtung, die wir nicht als Zwang hinnehmen, sondern in gewissem Umfange berüßen, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, daß die isherige berufliche Gliederung nur ein Produkt der anormalen soziologischen Situation des Judentums war und daß ein planvoll und vorsichtig gelenktes Einströmen unserer Jugendlichen in handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe die unumgängliche Voraussetzung für eine Gesundung des jüdischen Volkskörpers bildet. Dann die H e b r a i - s i e r u n g, die einen Doppelzweck erfüllt, zugleich von kultureller und von eminent praktischer Bedeutung ist: den Weg zum Judentum und ins Ausland ebnet, J» eigentlich erst öffnet. Ferner die ״Erziehung der Erzieher“, die Ausbildung und Fortbildung der Lehrer, denen heute in vielen Fällen das nötige jüdische Wissen mangelt und die in der gegenwärtigen Situation besonderer pädagogischer und jugendpsychologtscher Schulung bedürfen. Alle diese Aufgaben werden nur unter äußerster Anspannung unserer Kräfte geleistet werden können, und vor allem nur durch straffste Zusammenfassung unter einer zentralen Leit u n g, die nicht lediglich die Bürozentrale einer Schulvcrwaltungsorganisation sein darf, sondern gleichsam Herz und Hirn eines lebendigen Erziehungsorganismm darstellen muß, mit anderen Worten: in möglichst persönlichem Konnex mit Lehrern und Eltern selber miträt und mithilft. Die ״Jüdische Rundschau“ hat in den letzten Monaten ihre Leserschaft ▼erzehnfiaclit• Sie bringt die besten Informationen über jüdische Fragen, über Palästina] über die jüdischen Bewegungen unseren Zeit; sie ist eine Tribüne der Verteidigung jüdischer Ehre und jüdischer Existenz in der gewaltigen Geschichtswende unserer Zeit. Wer noch nicht zu unseren Abonnenten gehört, Nur wenn alle diese Voraussetzungen geschaffen werden, wird es uns gelingen, das Ziel zu erreichen, das heute beim Beginn des Jahres 5691 deutschen Juden vorschweben muß. Wir wollen unsere Kinder zu Menschen erziehen, die aus tiefstem Verständnis für die unendlich großen sittlichen und kulturellen Werte der jüdischen Gemeinschaft, in die hineingeboren zu sein sie dem Schicksal dankbar sind, die Kraft finden, tätigen Anteil am' Leben der Gegenwart und an der Gestaltung der jüdischen Zukunft zu nehmen. Zu Menschen, deren Beziehung zu jenen Werten der jüdischen Vergangenheit darin besteht, daß sie — um es mit dem schönen Wort eines großen deutschen Denkers auszudrücken — fähig sind, ״die Vergangenheit aus der höchsten Kraft der Gegenwart zu deuten“. Zu Menschen, die mit dem Gewordenen verbunden sind und doch wirklichkeitsnah, gegenwartsfroh, der schönen Zukunft gewiß. Und für welches Land wollen wir sie erziehen? Auf diese Frage wissen wir keine bessere Antwort als die, die vor einigen Wochen Martin Buber in diesen Blättern gegeben hat: ״Für Palästina, wem es das Land sein darf. Für irgendeine Fremde, wem sie das Land sein muß. Für Deutschland, wem es das Land sein kann. Es ist ein Bild, e i n Ziel, eine Erziehung.“ gehe sofort seine Bestel■ lung auf! Die ״Jüdische Rundschau“ ist das beste Insertionsorgan, da unsere Leser auch den Inseratenteil mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Fragen Sie unsere Inserenten nach ihren Erfahrungen! »Jüdischer Tag״־ in New York New York, 14. September, (J. T. A.) Am 14. September fand aut dem Polospielfeld von New York eine Wiederholung des Massenausstattungsstückes ״Die Romanze eines Volkes“ statt, das zum erstenmal anläßlich der Chicagocr Weltausstellung auf dem ״Jüdischen Tag“ gezeigt worden war. Der Veranstaltung, die gleichfalls unter der Devise ״Jüdischer Tag“ stand, an der 6200 Schauspieler, Tänzer und Sänger unter Leitung von Meyer Weisgal mitwirkten, wohnten über 50 000 Gäste bei. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft waren erschienen, unter ihnen ein Vertreter des Präsidenten Roosevelt. Das Erträgnis der Veranstaltung soll dem Fonds zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina zugeführt werden. Der Wandkalender des Keren Kajcmeth Als Geschenk für unsere Leser liegt der heutigen Nummer der ״Jüdische Kalender für das Jahr 5694 (1933/34)“ bei. Er soll nicht nur alle Freunde des Palästina-Werkes an die Ncujahrsspende erinnern, für die dem Aufruf in der vorigen Nummer eine Zahlkarte beirelcgt war, sondern in Woh• nungen, in Büros, Vereinen, Synagogen, Schulen, Kinderzimmern auch das ganze Jahr über an diese wichtigste Sammlung für den Aufbau Palästinas mahnen. Der beliebte Taschenkalender des KKL. ist dieses Jahr in einem solchen Maße aus allen Ortsgruppen verlangt worden, daß die gegenüber anderen Jahren verdoppelte Auflage schon heute vergriffen ist. Eine neue Auflage steht in einiger Zeit zur Verfügung, ebenso auf Wunsch weitere Exemplare des Wandkalenders. flloJt-u. Schis!41 ^Scic h rt«1V Zuschnsidekunrt I a Ausbildung rlensbsjrgerStr. «£*** am S״ Bhf. Bellevue. - Knoller-Schule Modezeidhtt. Zuschn. ▼ob Mk, 1$ raonatl, an. Berlin NW 87, Freipr©*peki SSfr modenzelchenschule folg• StraESurger / Berlin •IMIImnr •4f. Beginn neuer Kars« 1. Oktober, 15. Oktober ou 1. November im WM•«- 0. KeifflMQnsztieiiMi, setiitaMtre t. zucmmmm für di* Diraktrieea!a1,fbabn. KariirUUga Kur,• Kr Bars(•• ■»(•!«blchUt• im Sahaailara, Zssckaeidaa aad MadaUaatchaaa Antrag» ,rbitt.t da, Sakrtlarial dar Schul« raiwttraHHirg«■ ׳ h t wiimsPMart 1MI/Ka1*aral!««17s Zu erreichen norfaa• 9 Uhr und während dar Sprechzeit l)i«»«ia$ und h'reiteg 3—5 Uhr Damen ־ Frisier ־ Schule Paal wamste«, Hamaurg, moü amerpiatz 8 Ausbildung in ailea fiebern de■ modernen Üarnen-Fmierea», Fußpflsgo, Macieure, Schönheitapfjegt uw. Parisienne Lafaaa, ennmüae, earelea. Kadama Moaer, Barliu-Chftrlbg., Bialbtranstraiie 20. 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