Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-09-15 · Heft 74 (15.9.1933) · p. Seite 526

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 74 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
Seite 526 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653800--24082-2687014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 5מ jodische ־Rundschau Nr. 74, 15. IX. 1933 Kunst und Literatur Der «Kulturbund" als soziale Institution Von Dr. Werner Levie, Sekretär des ״Kulturbundes Deutscher Juden". Als vor nahezu fünf Monaten ein kleiner Kreis jüdischer Männer zusannnenkam, um die Wege zur Verwirklichung der Idee des ״Kulturbundes Deutscher Juden“ zu beraten, da erschien es allen Beteiligten als selbstverständlich, daß sich für den Kulturbund Deutscher Juden von Anfang an eine zwiefache Aufgabe ergibt. Der Kulturbund Deutscher Juden will nicht nur eine Vereinigung sein, die einem aufnahmcwiüigcn jüdischen Publikum die nach Lage der Dinge einzige Möglichkeit schafft, seine kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen. Er will zugleich eine soziale Institution sein, dazu bestimmt, der Not der jüdischen Künstler und Geistesarbeiter zu steuern und den in voller Schaffenskraft aus ihrem Arbeitsbereich herausgerissenen Menschen Wirkungsmög lieh keif und damit innere Befriedigung׳, ein Publikuin und damit materielle Existenz wiederzugeben. Die nmteridle Not der jüdischen Künstler und Geistesarbeiter ist unermeßlich. Ihrer ohne wesentliche Hilfsfonds änzlich Herr zu werden, ist unmöglich, und der Kultur- und ist ohne entscheidende Subsidien, eine lediglich auf produktiv anzulegende Milgliedsbeiträge angewiesene, unsubventionierte Einrichtung. So kann der ״Kulturbund Deutscher Juden״ nur einen kleinen Prozentsatz alt der Kräfte erfassen! und beschäftigen, die heute lediglich deshalb brachliegen, weil sie Juden sind. Aus mehr als 2900 Bewerbungen von künstlerischen, technischen und gewerblichen Arbeitskräften sind nach eingeltender Prüfung durch dir verantwortlichen Persönlichkeiten diejenigen! Menschen ausgewählt worden, die nunmehr, jeder an seinem Platze, dazu beitragen sollen, die Veraastaltungen des Kulturbundes Deutscher Juden zum Erfolge zu füllreu. Mandier, der auf <!rund seines Könnens ein Recht auf Mitwirkung hätte, konnte zunächst nicht unter die Zahl der Mitarbeiter eingereiht werden, weil der Etat ein unerbittliches Nein sagt Trotzdem glaubt die Leitung des Kulturbundes, die bei gleichen Leistungen die soziale Stellung der Bewerber aihclieiden lieh, ihrer sozialen Aufgabe nach Kräften gerecht geworden zu sein. Der Mitarbeiterstab des Kulturbund« Deutscher Juden wird zunächst 35 Schauspieler und Sänger bzw. Schauspielerinnen und Sängerinnen, 35 Orchestermusiker und 20 Clioristen umfassen. 10 Solisten und Kammermusiker, 15 Vortragende werden Monat für Monat wechselnd in den Konzerten und Vorträgen vor das Publikum treten. 23 Arbeitskräfte: Künstler, Handwerker und Bühnenarbeiter, bilden zunächst das technische Personal, alles Menschen, die als Fachleute ihre Positionen verloren hatten, weil sie Juden sind. Der Verwaltnngsnpparat umfaßt 10 Personen, die geschulte Bürokräfte sind, und schließlich werden 30 weibliche und männliehe Arbeitskräfte abends als Türschließer, Garderobenfrauen usw, tätig sein. An der Spitze dieses gesamten Apparates steht die Bundes- und Verwaltungslcitung, der Dramaturg und die Regisseure, die Dirigenten und ihre gesamte künstlerische Assistenz, so daß insgesamt nahezu 200 Personen vom ersten Tage an voll in Tätigkeit gesetzt werden. Mit dieser Ziffer findet jedoch die arbeitschaffende Tätigkrit des Kulturbundes Deutscher Juden noch keineswegs ihre Begrenzung. Der Druck der Zeitschrift und der Programmblätter, die Bewirtschaftung des Theaterrestaurants״ die Werbung für den Bund und schließlich nicht an letzter Stelle ständige Vergebung von Aufträgen durch den Bund an jüdische Firmen setzen weiterhin zahlreiche Geschäftsleute und ihre Arbeiter in Brot, so daft man den Kulturbund wohl als eine soziale Einrichtung bezeichnen kann, die richhmgweisend für die Form produktiver Selbsthilfe sein wird. Zugleich erwächst dem Kulturbund eine weitere soziale Aufgabe. Weite Kreise der jüdischen Bevölkerung sind heute infolge der Vernichtung ihrer Existenz abgeschnitten von allen Quellen künstlerischer Erbauung und geistigen Erlebens. Es wird die vornehmste Aufgabe des Kulturbundes sein, diesen Menschen auch ohne Entgelt die Teilnahme an seinen Veranstaltungen zu ermöglichen. Sei es, daß auf Grund gestifteter Patenschaften Ereimitgliedschaften vergeben werden, oder dali der Kulturbund von sich aus an jedem Abend einer bestimmten Zahl von Erwerbslosen die Möglichkeit gibt, im Theater, in Konzerten und bei Vorträgen Erhebung zu finden. Es wird an der Anteilnahme des Berliner Judentums liegen, ob cs möglich sein wird, das irt Angriff genommene Werk nt erweitern und auszubauen. Der Kulturbund Deutscher Juden ist eine gemeinnützige Institution, Jeder Pfennig, der aus Mitgliedsgeldern in seine Kasse flicBt, wird für künstlerische und damit zugleich für soziale Zwecke Verwert־ düng finden. Jedes neue Mitglied trägt datier dazu bei, die Zahl der wieder zu Arbeit und Existenz gelangenden jüdischen Menschen zu vergrößern. Der Mitarbeiterstab des Kulturbundes Deutscher Juden erwartet daher vom Beginn der Veranstaltungen einen Erfolg, der über den Rahmen des rein Künstlerischen hinausgeht, der die Mitgliederziffer so entscheidend vergrößert, daß■ es möglich sein wird, den Kreis der für den Kulturbund schaffenden Menschen in Kürze wesentlich zu erweitern. Nachrichten des ״Kuliarbnndes“ Die Proben zu Lessings ,,Nathan der Weise“ haben unter der Regie von Dr. Karl Loewenberg begonnen. Die erste Aufführung im Theater des Kulturbundes Deutscher iuden ist auf den 2. Oktober festgesetzt. Den Nathan spielt lurt Katsch (bisher Frankfurt a. M,). ln den nächsten Tagen erhalten sämtliche Mitglieder des Kulturbundes Deutscher Juden mit der Bestätigung ihrer Beitrittserklärung die Aufforderung zur Abholung ihrer Mitg I i e d s karten. Das Büro des Kulturbundes bittet, bis dahin alle Anfragen organisatorischer Natur zurückstellen zu wollen, Ja alle Mitglieder zu gleicher Zeit benachrichtigt werden. Im Rahmen der Konzert-Veranstaltungen des Kulturbundes Deutscher Juden werden im Oktober Michael Taube und Gen-ralmusikdirektor Josef Rosenstock je fünf Konzertc dirigieren. Zu der in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Ita-Meldung über eine Mitteilung an die jüdischen Abonnenten des Landestheaters in Stuttgart, daß sie von einem ferneren Besuch des Theaters abschen mögen, wird uns geschrieben, daß es sich hier um anonyme Briefe handelt, die keineswegs von der Intendanz, des Landestheaters ausgehen. Die Intendanz stehe dieser Aktion vollständig fern. Konzerte Abschiedskonzert von Maria Zweig. Maria Zweig, die ausgezeichnete Pianistin und Musikerin, verabschiedete sich vor ihrer Reise nach Palästina von den zahlreichen Berliner Verehrern ihrer Kunst in einem letzten Konzert, für das ihr die schönen Räume der kunstsinnigen Familie Erich Levin, Freisinger Straße, zur Verfügung standen, und in dem noch zwei weitere vortreffliche Künstler, der Geiger Willy Frey und der Cellist Hermann Weil mitwirkten. Das Programm umfaßte Werke von Mozart bis Brahms, bildete also sozusagen einen Querschnitt durch das Hauptarbeitsgebiet der Künstlerin. Maria Zweig ist eine Pianistin, bei der das Handwerkliche sich wie sclbstverständlieh in den Dienst der künstlerischen Aufgabe stellt. Gerade in den letzten Jahren hatte sie durch ihr nie versagendes ernstes Streben viele neue Freunde ihrer Kunst hinzugewonnen; sie nahm im Musikleben Berlins einen ehrenvollen Platz ein. Vor allem sind es die B a c h - A b e n d e, die wegen der monumentalen Gestaltung, der scharfen geistigen Durchdringung und der vollendeten Klarheit polyphonen Denkens und Fuhlens in unserer aller Erinnerung bleiben werden. Nicht vergessen wird auch werden, mit welcher Tatkraft und Hingabe sie sich stets auch für die Werke der Moderne einsetzte. Viele junge Komponisten, deren Klavierkompositionen sie aus der Taufe hob und zum ersten Male einem größeren Kreise vorführte, sind ihr zu Dank verpflichtet. — Dieser letzte Abend zeigte ihre Qualitäten als Nachschaffende wieder in bestem Lichte, besonders aber als Begleiterin und feinsinnige Kammermusikerin. Erwähnt soll auch werden die stupende Sicherheit, mit der Willy Frey die knifflichen Kadenzierungen der Teufeistriller-Sonate von Tartini überwand, und der große, warme Ton, den Hermann Weil in der Cello-Sonate Op. 5 Nr. 2 von Beethoven seinem Instrument entlockte. Wie man hört, 9011 Maria Zweig auch über große pädagogische Fähigkeiten verfügen und diese mit Erfolg an einer großen Zahl von Schülern bewährt haben. Hoffentlich wird sie hierin ebenso wie als Künstlerin recht bald wieder eia reiches Betätigungsfeld finden. Unsere herzlichen Wünsche begleiten sie jedenfalls auf ihrem neuen Lebensweg. H. L, Synagogen-Konzert fn Breslau, Auch das zweite der in der Neuen Synagoge geplanten Konzerte, dessen Erlös wieder für wohltätige Zwecke bestimmt ist, war ein voller künstlerischer Erfolg. Man hatte diesmal das vokale und das in* strumcntale Element annähernd gleichmäßig verteilt, und das erwies sich in jeder Hinsicht als außerordentlich günstig. Der Organist Erich Sehäffer eröffnete den Abend mit Bachs Präludium und Fuge A-M0I1, bei deren Wiedergabe er, ebenso wie in den Orgel- und Klavierbegleitungen, feinstes Stilgefühl offenbarte. Eine ganz vortreffliche, dynamisch gut ausgeglichene Leistung boten Irene Weißenberg und Lotte Markiewitz in desselben Meisters C-Moll-Konzert für zwei Klaviere, das rein musikalisch den Mittelpunkt des Programms bildete. Alfred Wittenberg, der sieb als Virtuose und Kaimnermusikspieler seit langem einen bedeutenden Ruf im deutschen Kunstlcben gesichert hat, ■wartete zunächst mit Beethovens G-Dur-Romanze auf, deren Vortrag allerdings nicht restlos zu erwärmen vermochte. Unvergleichlich schön geriet dagegen das Meridelssohnsche Violinkonzert, dessen dritter Satz, wohl aus Zeitmangel, leider fortfallen mußte. Fräulein Weißenberg erwies sich in beiden Werken als ebenbürtige Partnerin. Mit klarer, aber nicht leicht genug ausschwingender Stimme sang Lore Weigert drei wunder* schöne Lieder Hugo Wolfs, von denen das erste, ״Verborgenheit“, der Griindstimmung des Konzerts am ehesten entsprach. Ein bedeutsames Ereignis war das Auftreten von Kammersänger Adolf Fischer (jetzt am Neuen Deutschen Theater in Prag), der vor seiner glanzvollen Münchener Zeit auch am Breslauer Stadttheater tätig war. Seinen prächtig strahlenden Tenor bewunderte man in drei Opernarien von Meyerbeer, Giordano und Halevy, vor allem aber in dem Händeischen Arioso ״Dank sei Dir, Herr“, das in ergreifender Weise den Abend beschloß. Diesem ungemein wirkungs* starken Ausklang ist nur noch die künstlerisch hochwertige Rezitation der Schluß-Szene aus Stefan Zweigs ״Jeremias“ durch Lotte Schwarz-Rosenbaum gleichzusetzen. Martin Hausdorff. Synagogen-Konzerte ln Oberschlesien. Die erstmaligen Synagogenkonzerte jüdischer Künstler aus Breslau in Beu* f h e n am 9. und in Oleiwitz am 10. September wurden für die obersclilesische Judenheit zu einem starken Erlebnis. — Die künstlerische Leitung lag in den bewährten Händen des ehemaligen Opernregisseurs am Breslauer Stadttheater, Hans Baron. Das Programm war einheitlich, zumeist auf geistlichen Gesängen und Musikstücken aufgebaut, — Den Höhepunkt erreichten die Darbietungen, als der zufällig in Oleiwitz weilende Oberkantor Leo Schächter von der Hauptsynagoge in Krakau mit seinem herrlichen, unerhört modulationsfähigen Tenor synagogale Gesänge zum Vortrag brachte. Eine Glanzleistung in technischer Vollendung und intuitivem Zusammenspiel war das von den Damen Lotte Schoeps-Rogosinski (am Flügel), Elise SzCphAzy (Violine) und Mirjam Lewin (Cello) gespielte Trio Op. 49 in E-Moll 1. und II. Satz von Mendelssohn. Ergreifend und aufwühlend brachte Mirjam Lewin Kol nidre in der Bearbeitung von Max Bruch zu Gehör. Ferner wirkten mit: Leopold Alexander (Baß), Oberkantor Richard Cohn (Ban-Bariton), Oleiwitz, und Günther Stern, in Beuthen außerdem die Damen Lotte Schlcßkow (Sopran), Sabine Hev mann (Alt) sowie Gerhard Jabionski (Orgel). Fraii Lotte Schoeps-Rogosinski begleitete mit bekannter Meisterschaft. Die Herren Rabbiner Prof. Dr. G 0 1 i n s k 1 (Beuthen) und Dr. Ochs (Oleiwitz) dankten den Gästen im Namen der Gemeinde auf das herzlichste. Die Synagoge, so sagte Herr Dr. Ochs, werde nun wieder ihrer ursprüngliehen Bestimmung zugeführt, das Haus Jüdischen Gemeinschaftslcbens (Betn ha kenesset) zu sein. Die wohlgelungene Veranstaltung verdient, in anderen Gemeinden wiederholt zu werden. Gesellschaft für jüdische Volksbildung Frankfurt a. M. Konzert* Abend: Hermann Schey, Berlin. Arien, Lieder von Händel, Mendelssohn, Schubert, Schumann und Wolf. Numerierte Plätze zu 2 RM., 1,50 RM., 1 RM., 0,75 RM. und 0,50 RM. sind in folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Konditorei Freimark, Baumweg 1! Delikatessengeschäft Gerlieh, Grüneburgweg 8; Drogerie Schneemann, Schillersir. 2; beim Kastellan der Frankfurt-Loge und an der Abendkasse. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek Jeru* salem weist in der Abteilung für neuere deutsche Lyrik emp* Endliche Lücken auf. Besonders erwünscht sind Bücher von Rilke, Hofmannsthal, George, Motnbert usw. Spender werden gebeten, die Bücher als Drucksache an die Adresse der Bibliotbek: Jerusalem, P.O, & 3ö Mca Shearim, tinzusenden. Spengler und die Rassenfrage In diesen Tagen erschien in allen Buchiäden das neue Werk Oswald Spenglers ,,Jahre der Entscheidung“. Oder vielmehr sein erster Teil: ״Deutschland und die weitgeschichtliche Entwicklung“ (C. H. Beck, München). Das Buch, das zweifellos jene Beachtung finden wird, die ein eigenwilliger Geist wie der Spenglers auf jeden Fall verdient, ist aus einem Vortrag ״Deutschland in Gefahr“, den der Verfasser 1929 in Hamburg hielt, entstanden, 1932 Hatte er ihn Im breitesten Stil weiter ausgearbeitet. Dann kam der Umschwung, kam die Machtergreifung durch den National- Sozialismus. Spengler hat trotzdem nichts an seiner Arbeit geändert, sondern sie nur mit einer aktuellen Einleitung versehen. Er bekennt sich in ihr für die nationale Umwälzung■ und gegen die Republik von Weimar. Niemand wird das anders erwartet haben. Aber es verdient erwähnt zu werden, daß Spengler sehr betont und besorgt darauf hinweist, daß nunmehr die Probleme erst beginnen. Sein Buch will dazu dienen, sie im Kern aufzuzeigen. Wie alle Arbeiten des Gelehrten, enthält auch dieses Werk «ehr großzügige Konzeptionen, genialisch erfaßte historische Lösungen und daneben oft so krasse, jähe Behauptungen, daß man trotz ihres entschiedenen Vortrages ohne weiteres zu opponieren versucht ist. Kern-Gedanke des Buches ist: wir nähern uns dem Zeitalter neuer Cäsaren, die mit ihren Heeren die Entscheidung über die Macht in dieser Welt suchen werden. Das gesamte Europa befindet sich seit Adam Smith (!) in einer permanenten Weltrevolution, die im Weltkrieg dazu gekommen ist, ihre Suprematie an die farbige Weitrevolution abzugeben. Spengler rechnet dabei Rußland zu Asien und sieht in ihm und in Japan die aktive Kraft dieses Kontinents, die die Müdigkeit der weißen Völker aufs aktuellste bedroht. Was Spengler verlangt, ist Selbstbesinnung der weißen Rasse und er bemüht sich, seinen deutschen Lesern zu erklären, wo er die Position Deutschlands, das ״keine Insel“ sei, zu finden hofft. Um so mehr, als nach ihm ״in der germani• sehen Rasse, der willensstärksten, die es je gegeben hat, noch die größten Möglichkeiten schlafen.“ Es ist sehr interessant, in diesem Zusammenhang Spenglers Rassen-Definition zu vernehmen. Er betont ausarücklieh, daß er sie nicht im antisemitischen Sinne meint, oder wie er hinzufügt ״darwinistisch, materialistisch“. Rassereinheit erscheint ihm wissenschaftlich zweifelhaft ״angesichts der Tatsache, daß seit Jahrtausenden alle Stämme und Arten sich gemischt haben, und daß gerade Kriegerische, also gesunde, zukunftsreiche Geschlechter von jeher gern einen Fremden sich eingegliedert haben, wenn er ״von Rasse“ war, gleichviel, zu welcher Rasse er gehörte“. Es kommt Spengler ״nicht auf die reine, sondern auf die starke Rasse an, die ein Volk in sich hat". Worin sich diesem Historiker aber die Stärke einer Rasse zeigt, ist ebenfalls wieder för einen Juden höchst erfahrenswert: jn dem selbstverständlichen Kinderreichtum, in der Betonung der Frau als Mutter, in der Idee des Eigentums, in der harten Auslese durch die Widerstände des Lebens, Unglück, Krankheit, Krieg usw. Für Spengler gibt es nur eine Gefahr: daß Klassenkampt und Rassenkampl sich eines Tages zusammenschließen. Darum hat er auch nur eine Parole: Zusammenschluß aller kräftigen, lebensfähigen, schöpferischen weißen Elemente, Wobei dem ״preußischen Geist“ als formgebender Macht der Vorrang der Führung gebührt. Eine gewaltige, den Leser in Zustimmung und Wider- Spruch werfende Vision, auf deren weitere Herausarbeitung im zweiten Teil der Bejaher wie der Verneiner Spenglerscher Geschichtsauffassung gespannt sein kann. M. G. Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes (56948 ,1933/34־. Jahrgang,) Es will mir verkommen als ob die beiden Herausgebe־ rinnen, deren geschmackvolle und kundige Auswahltätigkeit man aus den früheren Kalendern kennt, in diesem Jahre noch sicherer aus der unerschöpflichen Fülle unseres geistigen Erbes wählten als bisher. — Oder ist das nur darum, weil jedes Wort unserer Propheten und Midraschim heute von uns so tief erlebt, im Herzblut aufgenommen wird wie nie zuvor? — Vergangenheit spricht zu uns mit ehernen Zungen; neben ihr haben cs die jüdischen Führer und Führerinnen der Gegenwart nicht leicht, mit ihren Worten durchzudringen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die freigiebige Hand der Herausgeberinnen auch einmal einen modernen jüdischen Wahrspruch mit der Patina des Alters schmückt: der Spruch nach der 22. Woche 1934 stammt nicht von den ״Vätern", sondern — wovon sich männiglich schon im J. F. B.-Kalender 1929 überzeugen kqfinte! — von einem seiner Vor- Väter nicht unwürdigen ״Enkel״. — Am tiefsten von allen Gegenwartsstimmen klingt das Wort ■der Margarete Sussmann im Herzen wieder, das den ״harten unerbittliehen Sinn des jüdischen Daseins seit der Zerstörung des Tempels“, in dem die größte Schwäche und die größte Kraft des jüdischen Menscher! eins sind, darin erkennt: ״was von unten, von der Natur, von der Schöpfungsordnung aus den Juden als Parasiten der andern Völker erscheinen iäßt, das drückt ihm von oben, von der Offenbarungsordnung aus immer erneut das Siegel seiner göttlichen Bestimmung auf....“ Ein Wort unseres unvergeßlichen Chaim Ariosoroff aus dem ״Jüdischen Volkssozialismus“ begleitet uns in den Frühling neuer Arbeit für unser Volk, den er beginnen und nicht vollenden durfte, — Auch die Stimmen der ״Frommen unter den Völkern“ klingen uns tröstlich ins Ohr. Herders rtolze_Worte über die Jüdische Geschichte aus den ״Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ stehen neben den klugen Erkenntnissen des Historlkers Schaeder von Esra dem Schreiber und seiner weitgeschichtlichen und judengeschichtlichen Aufgabe. — Aber am dankbarsten war ich den beiden Kalendermacherinnen, als ich das ausdrucksvolle Bildnis der ״Synagoge“ vom Straßburger Münster dort fand und als Begleitmelodie die unvergeßiichen Worte des jungen deutschen Dichters Emst Stadler, der ein Opfer des Weltkriegs geworden ist. Aber meine Seele. Schönheit ferner Kindertage und mein fiefversteddes Leben Hab Ich der Besiegten, der Verstoßenen gegeben.... Daß wunderbar jn Gottes Brudemähe Von Niedrigkeit umglinzt ihr reines Bildnis stehe.... _ B. B. St Käte Schleyn, eine Schülerin der Gesangspädagogin Dora Bernstein-Börner, die in Holland als Madame Dubarry große Erfolge feierte, singt jetzt in Brüssel, Antwerpen und London das Hannerl im ״Dreimäderlhaus“ mit Richard Tautuet »1• Scbub.cct*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.