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Jüdische Rundschau · 1933-09-15 · Heft 74 (15.9.1933) · p. Seite 524

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 74 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
Seite 524 (sequence 4)
Language
German
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Seite 530 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74, 15. IX. 1933 Die Lage der aus Deutschland ausgewanderien Juden U'ir haben in der ־vorigen Nummer schon kurz erwähnt, «iaii der Genfer ״jüdischen Weltkonferenz‘* ein Bericht über die 1 .ר ge der aus Deutschland ausgewanderten Juden in den einzelnen Landern vor lag. Die in dem Bericht angeführter! Zahlen entsprechen den! Stand vom 1. Juli 1933. Wie weiteren Nachrichten zu entnehmen ist, enthielt dieser Bericht folgendes (auszugsweise auch in manchen deutsehen Zeitungen wiedergegebenes) Material: A. Europäische Länder 1. Belgien. Die genaue Zahl der aus Deutschland eingewanderten Juden ist nicht bekannt. Das Brüsseler Hilfskomitee hatte bis zum 1. Juli ungefähr 1100 Flüchtlinge registriert, das Antwerpen er Komitee etwa 9t». Insgesamt kann man rechnen, da« nach Belgien ungefähr 2500 jüdische Auswanderer aus Deutschland gekommen sind. In der Frage der Erteilung von Aufonthaltsbewilligungcn geht die beigi-che Regierung im. allgemeinen sehr großzügig vor. Die Lrteiiung des definitiven Asylrechts wird jedoch Von der hr füll urig bestimmter Voraussetzungen abhängig gemacht, insbesondere von dem Nachweis, daß der Betreffende sich eine Existenzgrundlage zu schaffen vermag, die gleichzeitig im Interesse der belgischen Wirtschaft liegt. Ein Teil der Flüchtlinge verlaßt nach einer gewissen Zeit Belgien, tim in andere Länder weiterzuwandern. 2. DJinemark. Die Zahl der Flüchtlinge in Dänemark beträgt 70U—800; vtm diesen werden 28(1 vom Hilfskomitee unleptut/t. L X ist eil. :in <!l ־. :lu/hk eiten in IX inemar k zu fi nden, ist fiir d ir LT.trh; linge ,!un erst * H'h\V ieri: .ז Die 17 einfrdeii erteilen allen!'iuehtüi lg en s ehr Gern e th 1s . ׳\llf ׳ c!11 i 1 a I ' t s rech t. ArbeitsbewIß X.gingen wen I s.' i 1 ( :1,1 ..J C..I en 1 1ur in sehr seltene: n Imillen RC •eh 1!׳.״. An t e c r 'diie denen la ml wiri Schaft!: ieberi I fetrieben Wl'i'd*. ׳!! etwa 120 ( 1; 1! נ 1 11 7 i m n u s I) e 111 s c h 1 a n ti uiitergebra eilt und mit Unt t srstut /un״ d< :s 1 lllfs.lv omitees in versch:־,׳! Innen l;t ml wir t sc 11:1 fllich en "4 Gvc ,l'J, c ■n aus gebildet . Es ist ft'epla: if, daß nach Al )Li Alf ei n es Jah res diese Chalus ׳im nach P a l .i s t i n a uberfuhrt wer den. j. h n g i a n d. Nach England sind bis zum 1. Juli tmgefahr 2500 Juden aus Deutschland eingunv,ändert. Von diesen haben sich etwa I400 heim jüdischen Lluchtlingskomifee gemeldet. Die Annahme von Arbeit ist Ausländern in England nicht gestattet. Das Komitee ist bem iihi, die;Auswanderer soweit als möglich in überseeischen Ländern unterzubringen. Ls besteht aber keine klare Uebersiclit darüber, welche Möglichkeiten in dieser Hinsicht gegeben sind, insbesondere bezüglich Südafrikas, Kanadas und Australiens. Die Einwanderung vo!1 Juden aus Deutschland in die englischen Dominions selbst int Rahmen der bestellenden Immigration?- quoten konnte bisher noch nicht durchgesetzt werden. Der britische Zentralliilfsfonds für deutsche Juden hatte bis zum Abschluß des Berichts etwa 170 000 Pfund gesammelt. Diese Geldmittel sind fast ausschließlich für konstruktive Hilfsarbeit bestimmt. Ein bedeutender Prozentsatz der Hilfsgelder ist für konstruktive Arbeit in Palästina vorgesehen. Die Verteilungsalt des Hilfsfonds wird von einem Komitee bestimmt,_ dem unter dem Vorsitz von d’Avigdor Goldsmid drei Zionisten und drei Nichtzionisten angehören. 4. Frankreich. Frankreich ist das Land mit der größten Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland. Diese Zahl wird auf etwa 25 000 geschätzt. Die Unterstützung durch das Hilfskomitee haben etwa 5000 Personen in Anspruch gefiormnen. ,Außerhalb von Paris befinden sich, hauptsächlich In Straßburg, Metz und einigen anderen Städten, 61)00—"000 unterstützungsbedürftige Flüchtlinge. Bis Anfang Juli hat das Pariser Hilfskomitee etwa 4 Millionen Franken an Tages- Unterstützungen ausgo/ahlt, Gegenwärtig ist die finanzielle Lage des Pariser Komitees schwierig. In bezug auf k o n s t r u k t i v e Hilfe und berufliche F i n g 1 i e d e r ti n g der Emigranten ist bisher noch ziemlich wenig geleistet wo ulen. Infolge der entgegenkommenden Haltung der BebönJr» besteht für die Emigranten i»1 .allgemeinen die Möglichkeit, im Lande zu bleiben. Doch Laben die französischen Konsulate die Erteilung voll Visen an solche jüdischen Aus- Wanderer aus Deut whlaiul, die polnische oder rumänische Staatsangehörige sind, fast völlig eingestellt. Eine generelle ArbciDbcvüljgüng in Frankreich konnte bisher nicht durchgesetzt werden und dürfte auch nicht zu erlangen sein. Deshalb ist es im allgemeinen nur möglich, selbständige berufe?11 ergreifen, als Kaufleute, Fabtikanten und selbständige Handwerker. Dagegen können sie nur selten ais Arbeiter oder A*":0"t<־llte iinteikuiiimen. Nach Frankreich sind haiiptsächlieh Angehörige der freien Berufe (Aer/te, Rechtsanwälte, Jot!! na.iten ) und Kaufte;!:(: gekommen. Dagegen sind I iand- Werl.er und qiiaiul/icite Arbeiter nur in geringer Zahl ein■ gewandert. Auch dieser 1 'instand schränkt die Möglich).;eit der v,!1 tseliat'flii'lH’ü Eingliederung der Flüchtlinge ein. Der greif,Se '1 eil der ein:.:ewaiideneu Kaiifleute ist mittellos, 5. Holland. Schätzungsweise befinden sieh in 1 lolland 5000 jüdische FitiWanderer aus Deutschland. Die Hilfsaktion wird vom Amsterdamer Komitee geleitet. Die Zahl der jewenig Unterstützt en war schwankend, das Maximum betrug 1500. Gegenwärtig erhalten 700 Personen Unterstützung, von denen 60 <׳;> deutsche Staatsangehörige, 20״׳״ politische Staatsangehörige, der Rest Staatenlose sind. Von den früher unterstützten Emigranten sind viele nach Belgien, Frankreich und Spanien, einige auch nach Palästina und Brasilien weitergewandert. Bis Mitte Juni wurden etwa 200 000 Hfl. an Uiiterstüi/ungsgeldern ausgezahlt. Die Gelder für den Unter- Stützungsfonds sind ausschließlich in Holland aufgebracht worden. Für die in Holland verbliebenen Flüchtlinge gibt es nur wenig Arbritsrnögüchkciten. Die Einwanderer haben im allgemeinen eine Aufenthaltsbcwilligwig für drei Monate bekommen, in letzter Zeit aber wird Staatenlosen und Ostjnden, sofern sie nicht ausreichende Mittel besitzen, das Asylrecht verweigert. Auf Eirund einer Intervention hat jedoch die Regierung sich bereit erklärt, das Aufcnthaltsrecht auch in zweifelhaften Fällen zu verlängern. 6. Italien. Italien war im allgemeinen Durchzugsstation für .Auswanderer aus Deutschland auf dem Wege nach Palästina. 1!1 Italien wurden 100 Flüchtlinge registriert, die durch den Verband der jüdischen Gemeinden Italiens unterstutzt werden. An Unterstützungen wurden 100 0(» Lire ausrczahit. Arbeitsmöglichkeiten für Ausländer bestehen in Ita- Sicn nicht. 7. Luxemburg. Das Luxemburger Hilfskomitee hat ungefähr 700 Emigranten registriert, von denen jedoch der größte Teil das Land bereits verlassen hat. Niederlassung?- mögifthkei! für eine größere Zahl ausländischer Juden bestellt in Luxemburg nicht, da Arbeitsbewilligungen nicht erteilt werden. Auch für die Errichtung neuer Geschäfte werden keine Konzessionen erteilt. Nur kapitalkräftige Personen haben die Möglichkeit, industrielle Unternehmungen zu gründen, sofern durch solche Gründungen keine Konkurrenz für bestehende Industrieunternehmungen entsteht. 8. Oesterreich. Das österreichische Hilfskomitee wurde von etwa 750 Auswanderern in Anspruch genommen. Die Zahl der nach Oesterreich eingewanderten deutschen Cltaluzim aus Deutschland fahren nach Palästina Abschiedsfeier In Berlin Am Sonnabend, dem 9. September, trafen sich mehr als tausend Menschen des Snif (.Abteilung) IJechaluz Berlin in Hnberlnnds Festsälen, um sich von aen 50 Chawerim des Snif, die in diesen Monaten zur Alijah kommen, zu verabschieden. In wenigen Monaten ist der Snif Berlin aus einer kleinen Gruppe von 50 Leuten mit seinen nunmehr 1(500 Cha* werim zur größten Ortsgruppe der chaluzischen Weltbewe• gung gewachsen. Es war nach der Trauerfeier für Arlosoroff die erste große jüdische Kundgebung in Berlin, und es war ein imponierendes Bild, diese Hunderte von Menschen zu sehen, die erst in den letzten Monaten zu unserer Bewegung fekommen sind, und min hier in musterhafter Ordnung die eier für die ersten Chawerim, die aus ihrem Kreis zur Alijah kommen, gestalteten. Die eigene ncugegründele K a - pelle und die vielen Lieder gaben dieser Feier das Gepräge. Aber im Mittelpunkt der Feier standen die ernsten Fragen, die alle bei dieser ersten großen deutschen Alijah bewegen. Elieser Kaplan Mitglied der neugewühlten zionistischen Exekutive, sprach von den grollen Hoffnungen, die heute die Olim mit Recht haben dürfen, wenn sie ins Land kommen. Aber er warnt jeden Chawer zu glauben, daß die Bedingungen des Aufbau» immer so günstig sein werden. Wer nur in das Land gehen will, weil dort heute wirtschaftlicher Aufschwung herrscht, der soll lieber nicht gehen. Nur wer bereit ist, bis zum letzten Einsatz seiner gesamten Kraft sich dem .*Aufbau zur Vcrfügung zu stellen, der kann gehen, aher auch er muß wissen, daß das Land und die Arbeiterschaft das gegebene Versprechen einfordern wird, und daß der Tag, wo man von diesen deutschen Chawerim das verlangen wird, was das Land immer von seinen Chaluzim verlangt hat, sehr nahe sein kann. Auch die anderen anwesenden Palästinenser mahnten die Olim, sich darüber klar zu sein, daß ihre Auswahl aus den Tausenden von Menschen, die heute in das Land wollen, eine ungeheure \;erpflichtung darstellt, der sie sich nicht entziehen dürfen. Zum Schluß sprach Enzo Seren i, der Leiter des Mcrkas Hcchaluz. Es gibt eine Sorge, die fast noch größer ist als die, daß die Menschen nicht durchhaltca werden, nicht dort arbeiten werden, wo die größten Anforderungen an sie gestellt werden: Zu tief ist dieses deutsche Judentum in der Assimilation verstrickt gewesen, als daß wir glauben können, daß ein formales Bekenntnis zum jüdischen Volk und der Wille, sich in das heute blühende Palästina einzuordnen, diese Menschen wirklich wieder zu v 01k s verbundenen Juden macht. Die deutsche Alijah ist die erste Alijah, die ins Land kommt, losgelöst aus den kulturellen und gesellschaftlichen Bindungen des Volkes, unverbunden mit dem geistigen Besitztum des Volkes. Aber Erez Israel kann nur gebaut werden von Juden, die in volkhafter Verbindung mit dem ganzen Volke in der Welt stehen, von Juden, die in dem glücklichen Palästina nicht vergessen, daß die Not des Volkes noch immer da ist, und I daß diese Not des Volkes in der Galuth liegt. Nur, wer diese Lage der Galuthjudenheit auch in Erez Israel nicht vergißt, -wird wirklich ermessen können, was es bedeutet, dieaes Land zu haben, dieses Land aufbauen zu können. Nur de» wird Erez Israel wirkliche Heimat werden, Als die ״Techesakna“ und ״Hatikwah“ aufklangen, waren trotz dieser Mahnungen alle voll Hoffnung und Zuversicht auf das Gelingen des begonnenen Werkes. Am Montagabend sammelten sich fast 3000 Men* sehen am Anhalter Bahnhof in Berlin, um den 150 Olim das Geleit zu geben. Es wurden hebräische Lieder gesangen und herzliche Abschiedsworte gewechselt. Die Reisenden betrachteten mit Interesse und ohne jede Mißgunst das Schauspiel dieser gewaltigen jüdischen Versammlung. Die ungeheure Beteiligung, die dieses Ereignis in allen jüdischen Kreisen Berlins erfahren hat, und die Hoffnung, daß diese 150 Olim Vorboten vieler Hunderter von Chaluzim »ein werden, Heß in allen, die dort waren, die Gewißheit stark werden, daß der chaluzische Gedanke immer größere Kreise der jüdischen Jugend Deutschlands ergreift, und damit die Grundlage schafft zu einer grundlegenden Neuorientierung und Neugliederung des gesamten deutschen Judentums. Alijah Von einem Teilnehmer der Abschiedsfeier auf dem Anhallcr Bahnhof erhallen wir folgende Schilderung: 150 Chawerim fahren nach Erez Israel. 150 junge jüdische Menschen gehen dahin, wohin unser aller Augen gerichtet sind. •— Die Bahnhofshalle füllt sich. Noch zwei Stunden bis zum Abgang des Zuges. Menschen strömen aus allen Teilen der Stadt zusammen, den Abfahrenden noch einmal ״Schalem“ zuzurufen. Chawerim, Chawcroth, Angehörige, Bekannte. Freude liegt auf den Gesichtern — geht doch von uns allen ein Stück mit hinüber. — Die Bahnsteigsperren werden geöffnet. 3000 Menschen drängen zum Zug. Schnell gebildete Absperrketten versuchen, wenigstens den Olim den Zugang zu ihren Wagen freizuhalten. Man beginnt zu singen: Leschanah haba beruschalajim. Alle möchten wir im nächsten Jahre in Erez Israel sein, mit* bauen an unserem Land. Und wieder hebt der allgemeine Gesang an: Anti olim arza liwnot welehibanot bah. Wir ziehen ins Land ein, zu bauen und gebaut zu werden. — Die Zeit eilt dahin. Nur noch wenige. Minuten bis zum Abgang des Zuges. Feierlich erklingt die Techesakna <— die Hatikwah. Der Zug zieht an — Schalom, chasak! Lechu b’schalom, — — bleibt stark! Der letzte Wagen rollt aus der Halle, die winkenden Hände sinken herab. Der Bahnhof leert sich. 150 Chawerim sind nach Erez Israel gefahren. ....tiiiniununuiin Juden läßt sich nicht genau feststellen. Personen, die im Besitz gültiger Pässe sind, werden von den Behörden keineriei Schwierigkeiten bereitet. Die Aussichten, Arbeit zu bekommen, sind für Flüchtlinge sehr schlecht. Etwa 300 Personen wurden in andere Länder weitergeschickt. In der ersten Zeit sind die Flüchtlinge hauptsächlich nach westeuropäisdien Ländern weitergewandert, in letzter Zeit findet eine Rückwanderung in die Geburtsländer, vielfach nach Osteuropa, statt. Bis Anfang August hatte das Hilfskomitee etwa 80 (»0 Schilling ausgegeben. 9. Pole n. In Polen halten sich etwa 4000 Emigranten auf, unter diesen 10<>ö Reichsdeutsche und 5 ׳ya Staatenlose aus Westpolen, die jahrzehntelang in Deutschland gewohnt haben. Viele Emigranten sind in Deutschland geboren. Die materielle Lage der Emigranten ist im allgemeinen sehr schlecht. 60—70 00׳ sind auf Unterstützungen angewiesen. Hilfskomitees bestellen in Warschau und zahlreichen anderen Städten, hauptsächlich in der Nähe der deutschen Grenze. Für diejenigen Flüchtlinge, die polnische Bürger sind, besteht natürlich hin sichtlich des Arbeitsrechts keinerlei Problem. Auch gegenüber reichsdeutschen Emigranten nimmt die Regierung eine wohlwollende Haltung ein. Dagegen ist die Lage der Staatenlosen eine verzweifelte. 10. Tschechoslowakei. Das Prager Hilfskomitee hat bis zum 20, August etwa 950 Emigranten registriert. Bis Ende August ist diese Zahl wahrscheinlich um weitere 2(» gestiegen. Der monatliche Zuwachs beträgt etwa 200. Durchschnittlieh *10 ׳״<> sind deutsche Reichsangehörige, 14 *,'0 Staatenlose. Etwa 400 werden von! Komitee unterstützt. Deutsche Reichsangchörige und Staatenlose erhalten Asylrecht, Angehörige'‘anderer Staaten jedoch nur eine beschränkte Aujentlialtserlaubnis, Von den registrierten Emigranten sind 70 9',״ in andere Länder weitergewandert. Infolge der Imrnigrations- Schwierigkeiten in anderen Ländern sinkt jedoch in letzter Zeit die Zahl der Weiterwanderer. 13. Palästina und Aegypten 1. Palästina. Palästina ist das wichtigste und für die ganze Frage entscheidende Einwanderungsiand. Bis jetzt liegt eine genaue Statistik über die Ein- Wanderung aus Deutschland nicht vor. Die Zahl der aus Deutschland gekommenen Juden wird auf 5000 geschätzt. Die Hälfte von diesen ist auf Grund von Touristcnviscn gekommen, und es steht noch nicht fest, ob sie im Land bleiben werden. Die Mehrzahl der Einwanderer besitzt kein oder nur geringes Vermögen. Unter den Einwanderern findet man Zionisten und Nichtzionisten, Chaluzim mit bester beruflicher und ideologischer Schulung, aber auch Elemente, denen die Probleme des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims vollkommen neu sind, Angehörige aller Berufsklassen, darunter ausgezeichnete Handwerker, viele Aerzte und Rechtsanwälte, Kaiifleute, die bisher selbständig oder Vertreter verschiedener Firmen waren. Die Einwanderung ist somit keine einheitliche, weder in bezug auf die Einstellung zum Zionismus, noch hinsichtlich der sozialen Schichtung der Einwanderer. Kapitalisten mit größerem Vermögen sind äußert selten. Meistens besitzen diejenigen Einwanderer, die überhaupt Vermögen haben, nur etwa 1000 Pfund. Mit den Problemen der Einwanderung befassen sich alle zentralen Institutionen des Jischuw, insbesondere auch die Hitachduth Oleh Germania. Durch diese Gesellschaft werden durchschnittlich im Monat in Tel-Awiw 4500, in Haifa 200 und in Jerusalem 150 Einwanderer registriert. An der Spitze des palästinensi* sehen Zentralkomitees zur Aufbringung von Geldern steht Frau Henriette Szold. Das Komitee hat bisher 10 000 Pfund Sesammelt und hofft, in nächster Zeit einen ebenso hohen «trag auf zubringen. 2. Aegypten, Nach Aegypten sind 50 Emigranten aus Deutschland gekommen, von denen die Hälfte genötigt ist, öffentliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Mögliclikeiten wirtschaftlicher Eingliederung sind gering, weil nur Industrielle mit größerem Kapital Niederfassungsrecht erhalten. Hilfskomitees bestehen in Alexandrien und Kairo. Das Hilfskomitee von Alexandrien hat beschlossen, in Palästina eine Kolonie für deutsche Juden zu gründen. C. Uebersecischc Linder 1. Vereinigte Staaten. Vorläufig sind die Vereinigten Staaten praktisch für die Einwanderung verschlossen. Der Joint Council, dem Vertreter des American Jewish Congress, des American Jewish Committee und der Bne Brith angehören, bemüht sich in Washington um Freigabe des nichtausgenützten Quotenanteils der Einwanderung aus Deutschland, wodurch etwa 25 000 Personen, insbesondere Angehörigen Freier Berufe aus Deutschland, die Einwanderung in die Vereinigter! Staaten ermöglicht werden könnte. Es wird erwartet, daß diese Bemühungen im Laufe des Herbstes gewisse Resultate zeitigen werden. 2. Argentinien. In Argentinien sind ungefähr 100 Emigranten aus Deutschland eingetroffen, hauptsächlich Angehörige argentinischer Juden. Tatsächlich besteht eine Einwanderungssperre. Außer Verwandten argentinischer Bürger können nur solche Personen einwandern, die einen Arbeitsvertrag mit einer argentinischen Firma abgeschlossen haben. Die Bemühungen, jüdische Einwanderer in der Landwirtschaft unterzubringen, sind bisher an der negativen Haltung der Regierung gescheitert. Die jüdischen Institutionen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, hoffen jedoch, daß sich noch gewisse Möglichkeiten zur Unterbringung von Juden in der Landwirtschaft eröffnen werden. 3. Andere südamerikanische Länder. Hinsichtlich der übrigen südamerikanischen Länder bestehen gewisse Einwanderungsmöglichkeiten für Brasilien, Uruguay und Chile. Die Bemühungen von HICEM, Einwanderungsrnöglichkeiten für Spanien, Persien, Marokko, Südafrika und Jugoslawien zu schaffen, waren zum Teil von Erfolg begleitet. Zertifikats-Bewerbungen abgeschlossen Das Berliner Palästina-Amt teilt mit: Es wird hiermit bekanntgegeben, daß die Entgegennahme von Zertifikats-Bewerbungen für die augenblieklieh in Bearbeitung befindliche Zertifikats-Periode mit dem 15. September 1933 Intel, beendet ist. Sämtliche nach dem 15. September eingehenden Zertifikats-Anträge werden zur Bearbeitung für die noch vor Ende dieses Jahres erwarteten neuen Zertifikate zurückgestellt. Wir bitten hierdurch nochmals dringend, weder persönlich noch schriftlich beim Palästina-Amt um Auskunft wegen laufender Zertifikatsanträge anzufragen. Durch diese Auskunftsersuchen wird der Betrieb empfindlich gestört und die Bearbeitung der Zertifikate verzögert. Sämtliche bis zum 15. September eingegangenen Anträge werden schnellstens bearbeitet, und sofort nach Erledigung wird schriftlicher Bescheid zugestellt. Pailstlna-Amt, Zertifikatsabteilung. Im Herbst soll in New York unter den Auspizien der New School of Social Research eine ״Uufversitit des Exils“ errichtet werden, deren Professorenkollegium aus Gelehrten, die aus Deutschland ausgewandert sind, bestehen solL

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