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Jüdische Rundschau · 1933-09-08 · Heft 72 (8.9.1933) · p. Seite 498

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 72 (8.9.1933)
Date
1933-09-08
Page
Seite 498 (sequence 4)
Language
German
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Seite 496 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 8. IX. 1933 Frauen^Blatt Die Berufsumschichiiiiig des jüdischen Mädchens Von Lucie Zobel, Berlin. Che Fragen der Berufswahl und die Probleme der Berufsfindung beschäftigen jüdische Mädchen seit Oeneratiorien, Die Großmütter der heute vor der Berufswahl stellenden Mädchen waren Vorkämpfer für das Recht der Frau auf den Beruf; die Mütter der jetzt berufsuchenden Jahrgange genossen die Früchte dieser Kämpfe, und die heutige Generation sieht die Möglichkeiten, die jene schufen, langsaui wieder entschwinden. Waren es damals, vor 40 Jahren, die bürgerlichen Vorurteile, die der Frau, insbesondere aus den gehobenen Schichten des Bürgertums, den Weg in den lernt erschwerten, so ist es heute die allgemeine wirtschaftliche Lage, die gerade den Mäd• «11 cn die Freiheit der Berufswahl nimmt. Die Entwicklung in Deutschland geht deutlich dahin, die Frau nach Möglichkeit ihrem natürlichen Beruf als Hausfrau und Matter zurückzugewinnen, und auch im jüdischen Milieu wird eine Wandlung des Berufslebens der Mädchen sich vollziehen müssen. ln zionistischen Kreisen stehen sich seit Jahren zwei Strömungen gegenüber, und es läßt sieh nur schwer sagen, reiche von beiden die stärkere ist. Auf der einen Seite stehen die studierenden M äd eben, auf der anderen die Mädchen derselben Kreise und der gleichen Intelligenzstufe, die mit voller Ucberzctignng sich vom geistigen Bertilc fort zu einem landwirtschaftlichen oder hausfraulichen hinwenden. Sie sind geleitet sowohl von der Erkenntnis, daß die Ueberbesetzung in den akademischen Berufen der jüdischen Gemeinschaft schädlich ist, als auch von dem Wunsche, ihre ganze Kraft dem jüdischen Volke in Palästina gerade durch die Rückkehr zu einer einfacheren Lebensweise 711 widmen. Waren bis vor kurzem neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten in stärkerem Maße ideologische Erwägütigen bei der Berufswahl mitbedimmend, so sehen wir iks heute vor der Tatsache, daß nicht nur plötzlich eine große Reihe von Berufen dein jüdischen Mädchen verschlossen sind, sondern daß vielmehr häufig die Erlernung eines Berufes infolge der völlig veränderten Vcrhältnisse stark in Frage gestellt ist. Ucbcrall dort, wo die Lage so ist, kann von der Wahl eines Berufes nur noch in sehr geringem Maße gesprochen werden. Theoretische Erörterungen und Zahlen können hier nur wenig sagen, weil der Einzelfall dadurch nur ungenügend veranschaulicht wird. Deutlicher ist es, aus der Praxis der Berufsberat 11 ngsarbeit einiges über die Berufsnöte des jüdischen Mädchens zu hören. Vorausgeschickt sei, daß diese Beratungsstelle von allen Kreisen des Berliner Judentums in Anspruch genommen wird und nicht etwa einem bestimmten, ganz besonders gearteten Teil Vorbehalten ist. Täglich kommen Mädchen zu uns, vierzehn- bis fünfzehnjährig, die ohne abgeschlossene Bildung in den Beruf treten Biüesen. Kinder noch, Schülerinnen der zweiten oder der dritten Klasse eines Lyceums, haben sie sich in keiner Weise mit den Fragen ihres Berufslebens befaßt. Plötzlich werden sie ge- »yungen, eine Entscheidung für ihr ganzes Leben zu treffen. Viele von ihnen hatten die Absicht, zunächst einmal die Schule bis zum Schluß, möglichst bis zum Abiturium zu be- Buchen, und die Entscheidung so weit wie möglich hinatiszu- Schieben; nun zwingen die Ereignisse sie, ihre Entwicklung völlig umzustellen. in den meisten Fällen kann nur ein handwerklicher Beruf in Betracht kommen, aber handwerkliehe Begabung? — weiß man überhaupt selbst, ob man sie besitzt? Immer wieder hört die Beraterin von der Mutter auf di« Frage, oh die Tochter geschickt ztim Nähen sei, oder ob sie Lust zur Hausarbeit hat, daß die ,,Kleine“ doch noch ein Sdiulmäde! sei, und daß man ihr inirner Zeit gelassen habe, und selbst auch gar nicht wisse, ab das Kind geschickt zu manueller Arbeit sei. AH das, was sonst ein Kind mehr oder weniger glücklich für den Beruf vorbereitet hat, fällt jetzt fort, die Gespräche im Elternhaus über den bevorstehenden Sduilabgang und die dazugehörige Berufswahl, die Fragen der Verwandten, die Ueberlegung und das Pläneschmieden mit den Freundinnen, die Vorbereitung in der Schute selbst auf die Entlassung, alle diese Faktoren, die fast unmerkiieh das Mädchen immer wieder auf die Entscheidung hinweisen und sie zu Ucberlegungen zwingen, gehen verloren; an ihre Stelle ist eine plötzliche Erschütterung getreten mit der Notwendigkeit, sich sofort zu entscheiden. Und nicht nur, daß man sofort eine Entscheidung trifft, ist notwendig-, sondern die Entscheidung muß sogar in den meisten Fällen so sein, daß der Berufseintritt mit einem, wenn auch geringen, Arbeitsverdienst verbunden ist, denn in den meisten Familien finden wir die Erscheinung, daß die finanziellen Ver- Imitnisse sich plötzlich verschlechtert haben und eine lang-• jährige Ausbildung der Kinder daher unmöglich geworden ist. wiese Kinder haben sich unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen in das Berufsleben finziiordnen. Nur die Ariertennung dieser Schwierigkeiten seitens der Erwachsenen kann den jungen Menschen zu einem leidlich glücklichen Berufsziel verhelfen. Die Berufswahl selbst ist gegen früher wesentlich *ingeengt, aber das allein ist kein Unglück, denn die Ueberführtmg einer großen Anzahl von Mädchen in die landwirtschaftlichen, handwerklichen und hausfraulichen Berufe ist durchaus erwünscht. Der Durchschnitt dieser Mädchen wird *ine wesentlich bessere Schneiderin als Juristin, eine wesentlieh bessere Hausfrau als Aerztin, wenn man ihnen nur die liebe ztt diesen Berufen geben, wenn man ihre Vorurteile zerstören kann. Das aber ist gerade jetzt mehr als je die Aufgäbe aller jener Stellen, die riit der Einordnung junger Menschen in den Beruf zu tun haben. Den Begriff der Freude am produktiven Beruf kann man heute mehr denn je vermitteln, nachdem auch die stärkere wirtschaftliche Sicherheit gerade des handwerklichen Berufes weiten Kreisen des deutschen Judentums deutlich geworden äst. Die Unterbringung dieser Mädchen in Lehrstellen ist schwer, aber nicht unmöglich. Mit großer Anstrengung und viel Geduld gelingt es täglich wieder, eine Anzahi von Mädchen bei tüchtigen Meisterinnen unterzubringen und ihnen so den Weg in das Berufsleben zu ermöglichen. Ist die Berufseinordnung schon eine große Sorge, so ist die Lage jener jungen Menschen, die bereits einen Beruf erlernt haben und gezwungen sind, sich einem neuen Beruf zu zu wenden, fast noch schwerer. Hier handelt es sieh um Menschen, die sich bereits für eine bestimmte Ent- Wicklung entschieden, di״se Entscheidung als richtig für ihr Leben angesehen haben und nun gezwungen sind, dieser Ent- Wicklung plötzlich eine neue und wesentlich andere Richtung zu geben. Man wird zugeben müssen, daß allen diesen Mensehen der Entschluß zu einem neuen Beruf unsagbar schwer werden muß. Es zeigt sich in der Beratung auch immer wieder, daß ein großer Teil dieser Mädchen die Entscheidung auch immer wieder hinausschiebt, eine kurze Galgenfrist wünscht — noch ein Semester Studium, noch ein Versuch, sich irgendwie kurze Zeit zu halten. — Hier liegt die große Oefahr vor, daß di« Jkrufswnsehichtuag dieser Mädchen nur da Versuch — ein mißglückter Versuch — bleibt. Dagegen gilt es anzukämpfen, wenn man diese Menschen dem Berufsleben erhalten, wenn man sie einem produktiven Beruf gewinnen will. Man soll anerkennen, daß es den Mädchen schwer werden muß, einen Weg zu verlassen, den sie gern und vielleicht erfolgreich gegangen wären, aber man soll ihnen gerade in Anerkennung der Schwierigkeiten dazu verhelfen, daß der neue Beruf auch wieder ein Weg für sie werde, daß sie lernen, ihre Fähigkeiten auch hier zu verwerten; daß sie Freude, wirkliche Berufsfreude In dieser Arbeit finden, ist wichtig. Es kann und muß ihnen klar werden, daß die Rückkehr zum produktiven Beruf, die seit Jahren gerade in zionistischen Kreisen propagiert wird, nicht nur für das deutsche Judentum wichtig ist, sondern ihnen auch Möglichkeiten der Berufsarbeit eröffn et, die ihnen in den früher gewählten akademischen and kaufmännischen Berufen verschlossen geblieben wären. Wir erleben heule immer wieder, daß die Mädchen, die sich den kaufmännischen und akademischen Berufen zu gewandt hatten, arbeitslos sind, und daß nicht nur die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit lang ist, sondern, daß sie auch nur selten die Möglichkeit einer erneuten Unterbringung in dem gelemten Beruf haben, sei es, daß sie eine Arbeitsstelle wünschen, sei es, daß sic den Versuch einer beruflichen Selbständigkeit unternehmen. Wesentlich anders sieht es auf dem Arbeitsnachweis für Handwerkerinnen aus. Gewiß gibt es auch hier Arbeitslosigkeit, auch hier findet nicht jede sofort ein Betätigungsfeld, aber die Anzahl der offenen Stellen ist unverhältnismäßig größer als in den kaufmännischen Abteihingen aller Arbeitsnachweise. Auch die Möglichkeit einer Selbständigkeit ist in meisten Fällen eher beim handwerkliehen Beruf gegeben. Die Rückkehr mm produktiven Beruf bietet also zu all dem, was man aus Ideologischen und sonstigen Gründen für eine solche Entscheidung sagen darf, auch in wirtschaftlicher Beziehung tröstliche Ausblicke. Und der Haushalt? Die ganze Abneigung des jüdisehen berufsuchenden Mädchens konzentriert sich im allgemeinen auf diesen Berufszweig. Seit Jahren suchen jüdische Heime und Anstalten jüdisches Hatispersona! und können nur schwer Mädchen finden, die bereit sind, schwere Hausarbeit zu übernehmen. Die neuen erschwerten Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß jüdische Mädchen mehr als bisher sich zu diesem Beruf entscheiden, daß de Vorurteilej die sic bisher gehabt haben, aufgeben und die Schwierigkeiten, die der häusliche Beruf ohne Zweifel, besonders dort, wo er in einer fremden Familie ausgeübt wird, mit sich bringt, in Kauf nehmen, weit die Unterkunftsmöghchkelten größer als in anderen Berufen sind. Die Aufgabe der nächsten Zeit wird es sein, den Mädchen diesen Beruf, in dem die Arbeitsmöglichkeifen größer als in jedem anderen Erwerbszweig sind, nahezubringen, und es ist wichtig, daß auch gerade die jüdischen Hausfrauen bei dieser Berufsumschichtiing helfen, indem sie den Mädchen die Arbeit durch Verständnis und freundliche Unterweisung erleichtern. Der Weg des jüdischen Mädchens muß unbedingt in den nächsten Jahren zum handwerklichen Beruf führen; wenn es überhaupt noch eine Berufsmöglichkeit für jüdische Mädchen in Deutschland geben wird, so wird sie im wesentlichen im Handwerk und m den häuslichen Eierufszweigen liegen. Nicht wenige haben gerade In der letzten schwierigen Zeit den Weg zur Berufsumschichtung gefunden und haben mit dem ganzen Ernst und der ganzen Freude, die für diese Aufgabe notwendig sind, begonnen, einen produktiven Beruf zu erlernen. Sie haben sith den Wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt und versucht, ihren neuen Weg zu gehen. Es wird ihnen gelingen, wenn sie erkannt und begriffen haben werden, daß Berufsumschichtung kein Fluch, sondem ein Segen ist. wenn sie parallel geht mit der Gesundung der Berufsstruktur des deutschen Judentums. Die Hausfrau in Palästina Was kostet der Haushalt in Palästina? Was kostet Fleisch, Butter, Kaffee, Obst, Gemüse? Das sind Fragen, die von neueinwandernden Frauen häufig gestellt werden. In der Regel werden die Hausfrauen gleich nach dem Einzug in ihre Wohnung von den Inhabern der benachbarten Lebensmittelgeschäfte gebeten, bei ihnen zu kaufen. Die Lebensmiftel werden ohne Zuschlag in die Wohnung gebracht. Die Preise in den verschiedenen Läden zeigen keine nennenswerten Differenzen. Es kosten z. B.: 1 Liter Milch; 2 Piaster 4 Millim (ca. 37 Pf.), 4 Brötchen: I Piaster (ca. 15 Pf.), 1 Pfund Kaffee: 5-8 Piaster, Eier: 10—18 Stück, je nach der Jahreszeit und Qualität, 5 Piasfer. Tomaten sind das ganze Jahr hindurch frisch zu haben und kosten im Sommer pro Pfund 1 Piaster. Man hat immer frisches Gemüse, das sehr schön ist. Im Winter gibt es hauptsächlich Blumenkohl, der sehr groß wird und pro Kopf ca. 2 Piaster kostet. Spinat kostet pro Pfund 1 Piaster, Kraut pro Kopf ca. 1—2 Piaster. Aehnlich wie mit dem Gemüse verhält es sich mit dem Obst. Wir sind in der glücklichen Lage, das ganze Jahr hindurch schönes Obst zu haben. Von Dezember bis April gibt es Apfelsinen (4—5 Stück 1 Piaster), gleichzeitig Grapefruit (2 große für 1 Piasfer). Im Mai/Juni gibt es kleine Aprikosen, Pflaumen usw. Vom Juli bis November Weintrauben. Nun noch einige Fleischprefse. 1 Pfund Rindfleisch mit Knochen kostet 5 Piaster ebenso Kalbfleisch. Huhn kostet pro Pfund 9 Piaster, in Fischen gibt es keine große Auswahl. Spezielle Fischgeschäfte bestehen nicht. Man kauft die Fische auf dem Markt. Viele Hausfrauen kaufen überhaupt alle Lebensmittel auf dem Markt, weil es angeblich billiger sein soll. Ich konnte mich von einem nennenswerten Preisunterschied nicht überzeugen. Eine weitere Belastung für das Budget bildet die Ausgabe für Getränke, z. B. Sodawasser, Fruchtsäfte. Eine Flasche kostet 8 Millim (ca. 11 Pf.). 1 Flasche eines vorzüglichen Rotweines kostet 4 Piaster. Da es in Palästina kein Gas gibt und Kohle außerordentlieh teuer ist, wird als Brennstoff größtenteils Petroleum verwendet. Es gibt besondere Oefen mit Backröhre. In der letzten Zeit haben jedoch immer mehr Familien sich einen elektrischen Herd angeschafft. Das Ruthenberg-Werk liefert für diese Zwecke einen billigeren Strom, der 1 Piaster pro Kilowattstunde kostet. (Lichtstrom kostet das Dreifache.) Der Betrieb eines elektrischen Herdes ist etwas teurer als der eines Petroleumoiens dafür aber sauberer und bequemer. Das viel diskutierte Problem der Hausgehilfinnen ist heute nicht mehr so schwer wie früher. Es gibt jetzt viele europlische Mädchen, die ganz gut und sauber arbeiten. Der Monatslohn schwankt zwischen 2 und 3 Pfund, je nach Größe der Familie und Wohnung. Hella Schteud erer, Tci-Awiw, Palästina-Arbeit der Frau Von Hadassa Samuel, Jerusalem. Auf der Konferenz der Organisation zionistischer Frauen (״WIZO") berichtete Hadassa Samuel, die in Palästina geborene Schwiegertochter des englischen Exministers und ehemaligen High Commissioners Sir Herbert Samuel, über die Entwicklung der von der WIZO in Palästina erhaltenen 1 n - stitutionen, die vor allem der Berufsausbildung der Mädchen dienen. Wir entnehmen diesem intercssanten Bericht die nachfolgenden Abschnitte: Der Bau des zweiten Hauses der landwirtschaftlichen Mädchenschule in N a h a 1 a 1 ist begonnen worden und soll, wenn alles gut geht, im Herbst fertig sein. Ein anderes Piroblem wurde aber in letzter Zeit viel brennender als es je vorher war: die Was 8 er frage. Ihr glücklichen Menschen, die Ihr in Ländern lebt, in denen Wassernot unbekannt ist. Ihr wißt nicht, könnt dieses Problem kaum in seiner ganzen Schwere verstehen. Die Brunnen in Palästina sind nach langer Zeit der Regenarmut au sg et rock net, und das Gesicht des Landes wird von Tag zu Tag brauner und dürrer. Palästina hat sich mit großer Energie auf die Suche nach der Lösung dieses Problems geworfen. Es gibt kaum einen Winkel im_ Lande, wo jetzt nicht nach Wasser gesucht und gebohrt wird. Wie Sie wissen, gibt es in Palästina einerseits die wasserreiche Ebene der Citruspflanzungen, den Emek und die Berge. Am meisten leidet der Emek, und im Emek ist wohl Nahalal in der schlimmsten Situation, weil cs in der ariden Zone liegt. Die Quellen liefern in letzter Zeit kaum ein Drittel des normalen Wasserquantums. Selbstverständlieh verfehlt diese Knappheit an Wasser nicht, sich sehr nachtcilig auf die Entwicklung der Farm und den Unterhalt der Schule auszuwirken. Die Finanzkrisis hat uns daran gehindert, unsere Institutionen auf den Standard zu bringen, den sie, um mit dem. raschen Aufwärtsstreben Palästinas Schritt zu halten, erreichen mußten. Sie müssen bedenken, daß unsere Institutionen, mit wenig Ausnahmen ein Dezennium alt sind. Wir haben ihnen, gegeben, was sie zum Unterhalt brauchten, aber wir haben in ihrer Ausstattung nicht Schritt gehalten mit den modernen Anforderungen, und wir halten in dieser Hinsicht den Vergleich mit Farmen und Schulen dieser Art sogar in Palästina selbst nicht mehr aus. Die Nahalal-Schule versuchte aus eigenen Anstrengungen sich langsam zu entwickeln. Ueber die anderen landwirtschaftlichen Institutionen, die Mädehen-Leh rfa rm in Neß Ziona und die aud e re n vie r Mädchenfarmen kann man berichten, daß wir in ihnen in überaus glücklicher Zusammenarbeit mit der Moazath Hapoaioth (Arbeiterinnenrat) kooperierten. Die Moazath Hapoalath hat uns in den letzten beiden Jahren jeden möglichen Beistand geleistet in der Entwicklung dieser Farmen und. in der Festlegung ihrer Arbeitsrichtung. Die drei Farmen in Judäa haben in der Berichtsperiode gute Jahre gehabt. Durch die Konjunktur der Citrus-Pflanzungen, die den Verkauf der Citrus-Stecklinge sehr günstig gestaltete, waren sie zum Teil fähig, sich selbst zu erhalten. Es muß aber bedacht werden, daß auch diese Institutionen noch nicht konsolidiert sind. Neß Ziona, das erst viel später als die anderen lnstiftifionen errichtet wurde, konnten wir schon von Anfang an mit modernen Mitteln aufbauen, aber dieser Aufbau befindet sich noch in den Anfängen und die Weiterarbeit erfordert dringendst weitere Investierungen, Die Mädchenfarm Afuleh im Emek macht uns Sorge, Die Fortsetzung ihrer Existenz ist bedingt durch die Errichtung einer Wasseranlage und durch ihren Ausbau, der immer noch nicht fertiggestellt ist. All das erfordert neue erhebliche! Geldaufwendungeri. Trotzdem wir mit dieser Farm schon so viele Schwierigkeiten hatten und sogar schon fürchteten, nicht fähig zu sein, sie weiter zu halten haben wir eingesehen, daß das Bedürfnis nach einer Ausblidungsmöglichkeit dieser Art im Emek — der einzigen in ihrer Art — gerade heute so stark ist und daß die Anstrengungen, die Hingabe und nicht zuletzt die Mittel, die schon darin investiert wurden, ihre Wetterführung durchaus rechtfertigen. Jede andere Art, die gleiche Anzahl von Mädchen landwirtschaftlich zu schulen, würde viel mehr kosten. Daher sind wir sehr froh, die Möglichkeit zu haben, an eine Weiterführung der Farm zu denken. Unsere älteste Institution, die Haus Wirtschaftsschule in Tel-Awiw, steht vor wichtigen Entscheidungen. Wir verhandeln mit der Stadtverwaltung von Tel-Awiw über den Verkauf des Bodens, auf dem das Hostel steht, und werden die Möglichkeit haben, aus dem Erlös die Schule den modernen Anforderungen gemäß aufzubauen. Während wir uns mit der Konsolidierung dieser bestehenden Institutionen beschäftigen, hat uns die neue fmmigration vor neue Aufgaben gestellt. Jede Einwanderungswelle nach Palästina macht uns mit den verschiedensten Typen von Einwanderern und ihren verschiedenen An- Sprüchen bekannt und wir müssen jeden Augenblick bereit sein, richtig und schnell ihren Wünschen gerecht zu werden. Es .war eine dieser Wellen, die der Ausgangspunkt unserer Organisation vor zehn Jahren war. Junge Mädchen kamen nach Palästina und wollten sich dort ein neues Leben aufbauen. Unser erster Gedanke war, ihnen ein neues Heim zu bieten. Aber ein Heim genügte nicht für sie, sie brauchten mehr, und das war die Anpassung an ihre neue Umgebung. So entstand der große Gedanke der Wizo: die Frauen dem Lande an zu passen. Aufs neue sahen wir uns einer andern Welle gegenüber: es war die vierte Alijah mit ihren städtischen Siedlerinnen, und unsere Wandlungsfähigkeit mußte groß sein, unsere Initiative mußte schnell reagieren, urn auch diesen Frauen: Hilfe zu bringen. Wir mußten zu ihnen gehen, da sie an ihre eigenen Heime und ihre eigenen Familien gebunden waren. So schufen wir eine kleine Armee von Wanderlehrerinnen und sandten sie aus, um diese Neuankomrnendcn aufzusuchen und ihnen zu zeigen, wie sie ihr neues Leben dnrichten sollten. Und jetzt wieder sehen wir uns einer neuen großen Et n wanderungswelle gegenüber, den Kibbuzim. Die Kibbuzim sind Onippen von jungen Pionieren und P10nierinnen, die schon gemeinsam ins Land kommen. Sie werden an den Rändern der Kolonisationspunkte angesiedelt. Viele leben noch in Zelten, andere schon in festen Häusern. Sic müssen hart arbeiten, vom ersten Tag an, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Es ist unsere Pflicht, zu diesen jungen Mädchen zu kommen und ihnen zu helfen, ihr neues Leben zu gestalten. Aus allen Winkeln Palästinas werden unsere Wanderlehrerninen angefordert. Was wir auf diesem Gebiet etan haben, ist noch sehr bescheiden im Vergleich zu dem usmaß der Arbeit, die uns hier noch bevorsteht. Noch ist uns der Weg nicht ganz klar, aber mit Unterstützung der Galuthorganisafioit hoffen wir, ihn zu finden. Auch müssen wir neue Wege der Arbeit ausfindig machen. Und so, wie wir In Palästina, so müssen sie elastisch sein und sich den Anforderungen anpassen können. Für jede neue Phase des Palästjaa-AufbaM» taössea wir neue ,Wege finden,;

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