Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1933)
- Date
- 1933-09-08
- Page
- Seite 496 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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$*ite 494 jüdische Rundschau Nr. 72. 8. IX 1933 auch sie bestimmt nur einen Teil des geistigen Raums unseres Sclücksals und nur zu einem Teil unsere existenzielle Wirkliclikeit. Aber für das hcranwachsende Geschlecht verengert sich von Tag zu Tag der Bezirk, in dem deutsche Volkheit Schicksalgestaltend ist und in eben demselben Maße vergrößert sich der Raum, in welchem jüdische Volkheit Schicksal-gcstaltend wirkt. Das bedeutet: unser Lebensraum ist grundlegend verändert1). Aus einer ״jüdischen Gemeinschaft“ in Deutschland entwickelt »ich (schneller als man ru begreifen gewillt ist) dieGemcin- Schaft der deutschen Juden. Die unerbittliche Logik der Verhältnisse ist das Feuer, das sie zusarnmenschweißt. Sie »chalft zu den bereits vorhandenen biologischen, gemeinschaftsbildenden Faktoren den historischen hinzu oder richtiger: sie erneuert ihn, indem sie ihn wieder ins Bewußtsein zwingt. Unser, der in Deutschland lebenden, lebenwollenden oder lebenmüssenden Juden neuer Lebensraum ist die Gemeinschaft der deutschen Juden, ob wieder Gliedschaft in ihr teilhaftig sein wollen oder nicht. Welchen Namen aus der politischen Terminologie man dieser Gemeinschaft zuerteilen will, ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung. Die Situation, in der die deutschen Juden sich heute befinden, ist ohne Analogie in der jüdischen Diaspora und ohne Analogie in der Geschichte der Völker. Es ist nicht anzunehmen, daß die deutschen Juden durch den Uebcrgang zu einer ״zweisprachigen“ Kultur die Bezeichnung einer nationalen Minorität zu verdienen suchen. Andererseits ist es sehr wohl denkbar, daß der Staat den Juden den Charakter einer nationalen Minderheit zubilligt. (״Sic sollen ihre eigenen Lebensordnungen und ihre eigene Kultur durchbilden — bei uns im Rahmen einer nationalen Minderheit.“ — Professor E. K r i e c k.) Für die Klärung der Frage unseres gegenwärtigen Lrbensraumes, d. h. unserer objektiven Situation, sind solche subjektiven, auf ein Gewolltes hinzielenden Entschließungen nicht von Wichtigkeit. Mit der Erkenntnis unseres Lebensraumes ist über das Jetzt Urul Hier der jüdischen Schule entschieden. Sie formt sich nach Seinem inneren Gesetz, ihre Umgestaltung entsprechend dem neuen Lebensraum ist bereits im Gange, nicht deshalb, weil dieser oder jener Kreis die Umgestaltung will, sondern weil der objektive Geist der Gemeinschaft der deutschen Juden, dieser wie ein Funke aus dem Zusammenbruch, aus der Vcrwirrung, aus den Versuchen zur Sammlung und zu jüdischer Besinnung aufgesprungene neueGeist sc 11 o na m Werke ist. Ueberaitete Parteien mögen noch eine Weile über das Oh lind Wie der Schule miteinander diskutieren, Indolenz mag noch «ine Zeitlang ihre frische Entfaltung hemmen: sie werden sich »icht behaupten können gegen die Uebermacht des Lebendigen, «las durch die Tatsache einer neuen Gemeinschaft der deutschen Juden gegeben ist. Damit sind wir zu dem Punkte gelangt, von dem aus wir die Situation der jüdischen Schule nicht mehr in ihrer Tkziehungslosigkeif sehen, in die sie durch die Umgestaltung der Verhältnisse in Deutschland geraten war, sondern in ihrer neuen Beziehung zu einer neuen Gemeinschaft. Diese neue Be- Ziehung wird uns völlig deutlich, wenn wir sie mit der vergleichen, die die jüdische Schule zu der alten ״jüdischen ■Gemeinschaft" in Deutschland hatte. Jene Schule versuchte *eine wesensdeutsche Schule zu sein, indem sie den geistigen *Gehalt des Deutschtums fortpflanzen wollte. Da es eine wirkliehe, d. h. eine —in dem obengenannten Sinne einer Wechselbeziehung zwischen existenzieller Wirklichkeit und geistigem Raum des Schicksals — wirkende Gemeinschaft der deutsehen Juden nicht gab, konnte auch eine wesentliche Beziehung ftjr ,,jüdischen Gemeinschaft“ nicht vorhanden sein. Was als solche Beziehung angesehen wurde, war historische Reminiszenz, ohne verpflichtende Bedeutung. Die Gestalt jener Schule ließ In Nichts erkennen, daß sie Funktionen einer Gemeinschaft von Juden erfüllte. Nun ist diese Gemeinschaft da. Ihre Wirkungen sind all enthalben zu spüren in dem Ringen um eine Neugestaltung jü- (fischen Lebens auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete, vor allem aber in der Erziehung. ״Es gibt keine Gemeinschaft, die nicht erzieht.“’ (Hördt.) Die Tatsache, daß die deutsche Judenschaft zu erziehen begonnen hat, und zwar nicht nur dadurch, daß sie die Frage der Erziehung des Nachwuchses in den Brennpunkt ihres Lebens stellte, sondern dadurch, daß, nach der! Worten Ernst K r i e c k s, Erziehung ״als eine notwendige und jederzeit sich vollziehende Urfunktion des Geistes und gemeinschaftlichen Lebens“ in der deutschen Judenschaft erscheint, diese Tatsache erweist das Vorhandensein einer neuen Gewein schaff der deutschen Juden. ״Es gibt keine Gemeinschaft, die nicht erzieht, d. h. Menpchentum in ihrem Bereich formt und gestaltet. Da es aber keine menschliche Gemeinschaft gibt, die nicht gemeinsame geistige Güter besäße, so ist Mitteilung dieses geistigen Besitzes, seine immer vollständigere Erfassung durch alle Glieder der Gemein- Schaft und seine Einpflanzung in die nachfolgenden Gesehlechter ... eine zur Erhaltung dieser Gemeinschaft notwendige Grundfunktion, so 11 «־notwendig, wie Zeugung und Geburt für die körperliche Erhaltung der Art.“ (Hördt, Theorie der Schule, S. 94.) Gemeinschaft als objektive Gegebenheit Ist noch nicht gleichbedeutend mit Gemeinschaft als sinnvolle Aufgabe. Durch das Wollen der ihrer Gemeinschaftbeziehung innegewordenen Menschen hebt jede Gemeinschaft sich fortgesetzt über ihre natürliche Wirksamkeit hinaus. Das gilt auch hinsichtlich der Funktion, die die Erziehung in ihrem Bereiche einiu'mmt. Kri eck, der drei Dimensionen der Erziehung unterscheidet, bezeichnet als zweite die nach Tiefenschichten gegliederten Formutigen erzieherischen Geschehens: a) ״Formung aus unbewußten Wirkungen“, b) ״Formung aus geistigen Wirkungen, die zwar bewußter Zwecktätigkeit, aber noch nicht absichtlicher Erziehungstätigkeit entspringen“ und c) ״Formung aus bewußfer Erziehungsabsicht und planmäßiger Erziehertätigkeit״. (Zitiert von Hördt, Theorie der Schule.) Die beiden ersten Formungen erzieherischen Geschehens treten in dem Prozeß der Gcmeinschaftswerdung der deutschen Juden bereits deutlich in Erscheinung. Um die dritte Formung *wird heute noch gekämpft. Vom Ausgang dieses Kampfes hingt die Wesensgestalt der jüdischen Schule ab. ln meinem Artikel ln Nr. 66 der ״Jiid. Rundschau“ *war das Verhältnis der verschiedenen Gruppen zur jüdischen Schule l) In dieser Beleuchtung zeigt »Ich das Irrtümliche In Moritz Goldsteins Aufsatz ״Kulturghetto" (Nr. 60 d. ״Jüd. Rundschau"), wenn er meint, ״daß die Absonderung, die uns letzt auferlegt wird, nur eine rechtlich-organisatonsclie und seine lebendige Besonderheit" schaffe. Wir Befinden uns heute mitten in dem Prozeß einer neuen Gemeinschaftwerdunfi, Fortsetzung des Verhörs in Jaffa Jaffa, 5. September. (J. T. A.) Am 5. September nahm der Vorsitzende des Jaffaer Gerichts, Richter Bo di Hy, die Verhandlungen im Vorverfahren gegen die im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs verhafteten jirgendliehen Revisionisten wieder auf. Der Verhandlung wohnte zum erstenmal auch der Vater Abraham Stavsky bei. Es wurden einige von der Ankiagebchörde neu geführte Zeugen, unter ihnen der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizeng o f f, einvernommen. Bürgermeister Dizengoff berichtete ausführlich über die Unterredung, die er mit Arlosoroft nach dem Attentat im Hadassah-Hospital hatte. Der Zeitge Mosche W i e s e r sagte aus, er habe am Mordabend, als er mit einem Freund am Strand saß, plötzlich ein Licht aufblitzen gesehen und einen Schuß gehört. Als er an die Stelle, an der der Schuß gefallen war, eilte, um Hilfe zu leisten, habe er Dr. Arlosoroff schwer verletzt gefunden. Später habe er noch einen Schuß gehört und einen Mann auf einem Flügel beim arabischen Friedhof bemerkt. Auf die Frage des Riehters, ob es möglich gewesen sei, den Mann in der Dunkelheit zu erkennen, erklärte der Zeuge, er habe nach Wochen Stavsky an seiner Haltung als den Mann erkannt, den er damals beim arabischen Friedhof gesehen habe. kurz charakterisiert. Zwei dieser Gruppen lehnen sie grundsätziieh ab. Es hat sich aber herausgestellt, daß ihre grundsätzliche Einstellung der Wirklichkeit gegenüber sich nicht behaupten kann. Beide Gruppen bejahen nämlich unter bestimmten Voraussetzungen jüdische Schulen. Sie betrachten diese als Unterbringungsanstaltcn für Schüler, die aus äußeren oder inneren Gründen nicht in der deutschen Schule bleiben können. Nun ist aber die Frage, welche Schulen jüdische Kinder besuchen sollen, objekllllllilllllllllllfllllllllllllllllllllllllllllllll Das schönste Geschenk zu Rosch hasdianah Ist ein Exemplar des Buches ״Ja•Sagen znm Judenlum“ Dieses Buch enthält die wichtigsten Leit« ariikel der ״Jüdischen Rundschau" seit dem 5. März 1933. Es ist das wichtigste Jüdische Dokument unserer aufwühlenden Zeit. Preis HK. 2,85 Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag ״Jüd. Rundschau", Berlin W IS, Meinekestr. 10. Auslieferung für den Budahandel: »Jüdischer Verlag", Berlin W 50, Budapesler Straße 11. tiv, d.h. von der Situation des Kindes aus, entschieden. Daher ist jene Entscheidung, da subjektiv, eine Fehlentscheidung, für die jeder Einzelne seinem Kinde gegenüber die Verantwortung trägt2). Einen Beitrag zu der Frage nach der Wesensgestalt der jüdischen Schule haben diese beiden Gruppen nicht zu geben. Die zweite Gruppe will eine Schule, deren Funktion eg ist, den geistigen Gehalt des Deutschtums fortzupflanzen. LJi’sere heutige Klärung hat dargetan, daß der Lebensraum der deutschen Juden sich zu einer Gemeinschaft von Juden, die im deutschen Raume leben, gewandelt hat. Wir können nicht mehr übernehmen und weiterführen, was war, unser grundlegend veränderter Lebensraum fordert Erneuerung auch der jüdischen Schule. Die kann nur von der Wurzel unseres jiidisehen Seins her erfolgen. Für unsere erzieherische Aufgäbe ist die Wurzel des Deutschseins abgeschlagen. So bleibt für die jüdische Schule als ״Funktion der Lehre, Ort des Lehrens und Lernens, Feld geistiger Berührung mit den geistigen Gütern der Gemeinschaft und ihren menschliehen Trägern“ nur die eine Gestalt der ״wesensjüdisehen Schule“. (Buber.) Der Ausdruck soll jedoch nicht mißverstanden werden. In ihm drückt sich nicht die Mannigfaltigkeit, sondern die Einheit dieser Schule aus. Er bezeichnet das an ihr, ־was unabhängig von zeitlichen und örtlichen Bedingungen als der unerschütferliche Boden jüdischer Bildung angesehen werden muß. ״Daß der heranwachsende Jude sich auf den Urbestand seines geschichtlichen Wesens besinne und sich aus ihm neu aufbaue zu dem Menschen, der die Problematik der Gegenwart am exponiertesten Punkte bewältige, das ist das Ziel unseres Bildens." (Buber, Unser Bildungsziel, ״jüd. Rundschau“ Nr. 54.) ״Wesensjüdisch" bleibt solche Schule demnach auch' dann, wenn sie, in naher Verbundenheit mit deutscher Landschaft, deutscher Sprache und Kultur, deutschen Bildungsformen, sich äußerlich nicht allzu sehr von der deutschen Schule unierscheidet. Die geistige Wechselwirkung, die in ihr sich vollzieht und die das wesentlichste Erziehungselement jeder Schule bildet, ist nicht die einer fiktiven, sondern der tatsächlich gelebten neu gewordenen Gemeinschaft der deutschen Juden. Aus den Ergebnissen unserer Untersuchungen der Situation des jüdischen Kindes und der Situation der jüdischen Schule lassen sich wichtige schulpolitische Forderungen ableitcn. 1. Fragen der jüdischen Schule sollen nicht nach den subjektiven Meinungen von Personen oder Gruppen, sondern nach den aus der Klärung der Situation des jüdischen Kindes und der jüdischen Schule deutlich gewordenen objektiven Bedürfnissen der deutschen Judenschaff entschieden werdet». 2. Personen und Gruppen, die die jüdische Schule heute noch grundsätzlich verneinen, haben kein Anrecht darauf! über die Gestaltung jüdischer Schulen mitzubestimmen. x Die deutsche Judenschaft bat die größten Anstrengungen zu machen, ihr Schulnetz derart tu erwelfern, daß eine möglichst große Zahl jüdischer Kinder in jüdischen Schulen gebildet werden körnten. J) Die Haltung, welche aus einer Gesinnung entspringt, die sagt: das jüdische Kind muß die Position, die durch die Berechtigung zum Besuch der deutschen Schule uns gelassen wurde, unter allen Umständen wahren, diese Haltung erinnert an das unmögliche Untertangen einer Zeit, die durch .einen Kinderkrcuzzug das heilige Grab erobern woltt&U Auf, leuchte, denn dein Licht ist aufgegangen, und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir erstrahlt. Denn mag auch Finsternis die Erde bedecken und Wolkendankel die Nationen, über dir erstrahlt der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.. Dir soll nicht mehr die Sonne zum Lichte dienen bei Tage und der Mond dir nicht mehr leuchten als Glanz, sondern der Herr wird dir sein zu ewigem Licht, und dein Gott zum Ruhme für dich. Es wird nicht fürder untergeben deine Sonne, und dein Mond sich nicht zurückziehen, denn der Herr wird dir sein zum ewigen Licht, daß vollendet sind die Tage deiner Trauer. (Jesaja 60, 1—Z, 19—20.) Heftara für Sabbat, 9. September. Arierparagraph lflr Kircheabeamle Die * Oeneralsynode der altpreußischen Union, die den künftigen Aufbau der evangelischen Kirche Preußen zu regeln hatte, beriet u. a. ein Beamtengesetz, das den Arier-Paragraphen enthalt. In § 1 des Gesetzes wird nach dem Bericht der ״Voss. Ztg.“ vom 6. September folgendes bestimmt: ״Als Geistlicher und Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung darf nur berufen werden, wer die für seine Laufbahn vorgeschriebene Vorbildung besitzt und rückhaltlos für den nationalen Staat und die deutsche evangelische Kirche eintritt. Wer nichtarischer Abstammung oder mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Geistlicher und Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung berufen werden. Geistliche und Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen. Wer als Person nichtarischer Abstammung zu gelten hat, bestimmt sich nach den Vor- Schriften der R e i c h s g e s e t z e.“ Von der Anwendung des Arierparagraphen kann abgesehen werden, wenn besondere Verdienste um den Aufbau der Kirche im deutschen Geiste vorliegen. Ebenso gelten diese Vorschriften nicht für Geistliche und Beamte, die bereits seit dem 1. August 1914 Geistliche oder Beamte der Kirche des Reiches, eines Landes oder einer anderen Körperschaft des öffentlichen Rechts gewesen sind oder die im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich oder fiir seine Verbündeten gestanden haben, oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind." D. K n a k, der Sprecher der Gruppe Evangelium und 'Kirche, brachte in der Aussprache Beden ken gegen das Beamtengesetz vor, wobei er einen Unterschied gemacht wissen wollte zwischen der grundsätzlichen Ablchnung nichtarischer Beamter in der Kirche und der Behandlung derjenigen nichtarischen Beamten und Geistliehen, die gegenwärtig schon im Dienste der Kirche stünden. Präses D. Koch gab im Namen der Gruppe Evangelium und Kirche eine Erklärung ab, in der u. a. gesagt wurde, daß bei der Beschlußfassung über das Beamtengesetz, das die Grundsätze des staatlichen Beamtenrechts auf die Kirche übertrage, die Frage entstehe, ob hier nicht der dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses verletzt werde. Die verschiedenen Gesetzentwürfe wurden dann mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Keine deutsch-arische Filmkönstler ln ausländischen niebtariseben Unternehmungen Ueber die Einstellung der Reichsfachschaft Film zur Frage der Betätigung deutsch-arischer Filmkünstler in ausländischen nichtarischen Filmunternehmungen berichtet der ״Filmkurier“: Es wird als unpatriotisch, ja sogar als Landesverrat angesehen, wenn jetzt inmitten der großen Aufbauarbeit am deutschen Film deutsche Künstler sich mit Filmgesellschaften und Filmschaffenden im Auslande verbinden, die entweder als Nichtarier aus Deutschland auswanderten oder gegen das neue Deutschland feindselig eingestellt sind und sich an der Hetze gegen Deutschland beteiligen. Solche Fälle verdienen schärfste Verurteilung, wie die bereits von uns charakterisierteil, wo deutsche Künstler ganz offensichtlich nur zur Tarnung oder ״Verschwörung“ von Emigrantenfilmen und Emigrantenensembles sich verpflichten ließen. Gegen solche wirtschaftlichen und ideellen Landesverräter wird sich das neue Deutschland mit allen Mitteln wenden, Solche arischen, deutschen, im Ausland gegen die deutschen Interessen arbeitenden Filmschaffenden taufen also Gefahr, mit den nichtarischen in Zukunft gleichgestellt zu werden. Wie wir hören, soll von der .Fachschaft Film eine verhältnismäßig nur noch kurze Karenzzeit zur Rückkehr für solche Filmschaffenden gegeben werden. Da die Fachschaft Film als ein Organ der Reichsfiimkammer nur in Uebereinstimmung mit dieser arbeiten kann, werden die Beschlüsse denjenigen Nachdruck erhalten, der den amtlichen Verlautbarungen unseres heute straff organisierten Berufsstandes zukommt. Jeder Ausschluß oder jede Nichtaufnahme in die Fachschaft Film bedeutet ja die völlige und restlose Ent- Ziehung jedes Filmschaffens in Deutschland. ״,Die Romanze eines Volkes" Die ״Jüd. Rundschau" hat in Nr. 60 vont 28. Juli über die Aufführung des großen jüdisch-historischen Ausstattung«- stiiekes ״Die Romanze eines Volkes“ beim ״Jüdischen Tag“ der Weltausstellung in Chicago nerichtet. Nun wird aus New York gemeldet, daß dieses Stück auch dort aufgeführt werden soll. Der Bischof der Protestant Episcopal Church, William T. Manning, und über 50 andere führende christliche Persönlichk eiten der Stadt New York haben ein Patronatskomitee für die Aufführung zugunsten des Fonds zur An- Siedlung deutscher Juden in Palästina gebildet. Die Aufführung findet am 14. September auf dem New Yorker Polospielfeld statt. Das christliche Komitee wird mit dem Komitee, an dessen Spitze der Gouverneur des Staates New־ York, Herbert H. Lehman, und Nathan Straus jr, stehen, gemeinsam die Sammelaktion zugunsten der Ansiedlang deutscher Juden in Palästina durchfuhren. Frau Sarah Levi aus Singapore, die sich gegenwärtig In Palästina aufhält, hat beschlossen, ihr gesamtes etwa 100000 Pfund betragendes Vermögen für den Wiederaufbau der Staat Safed, die während der Unruhen von 1529 schwer gelitten hat, zu verwenden. Ein neues .Wohnviertel, eine Synagoge und eine große Mittelschule sollen aut dem bei der Stadt liegenden Berg Kanaan er• richtet werden.