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Jüdische Rundschau · 1933-09-01 · Heft 69-70 (1.9.1933) · p. Seite 477

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 69-70 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 69/70,1. TX. 1933 70DISUHE RUNDSCHAU Seile 475 Privatinitiative in Palästina Referat von Eraanuel Neuman Emanuel Neuman legte dar, daß sich die Einwände, die gegen Zulassung und Förderung der Privatinitiative in Pa■ lästina erhoben wurden, als unbegründet erwiesen haben. Man habe befürchtet, das Privatkapital werde nur auf . Profit und Dividenden bedacht sein und sich nicht an den Grundsatz der ״jüdischen Arbeit“ halten. Tatsächlich kämen Verletzunfen dieses Grundsatzes fast ausschließlich in den alten Vor* riegskolonien vor. Auch die Befürchtung, es werde das Ghetto der Galuth nach Palästina übertragen und eine Bevölkerung von Luftmenschen geschaffen werden, habe sich nicht bewahrheitet. Vom zionistischen Standpunkt aus dürfe für die Benrteilungwirtschaftlicher Entwicklung nur ein Maßstab gelten: Jener, der sich aus der Zielsetzung ergebe, wie sie vor einigen Jahren von Richter Brandeis formuliert worden sei, nämlich ,,Palästina in möglichst kurzer Zeit mit einer überwiegenden Masse mannhafter, auf eigenen Füßen stehender Juden zu bevölkern“. Eiserne Logik müsse für die Wirtschaftspolitik maßgebend sein. Auf die Frage: Welche Typen und Methoden der Kolonisation sind zu wählen? müsse die Antwort lauten: Diejenigen, durch die eine Höchstzahl von Juden in einem Minimum an Zeit absorbiert wird. Welche Typen oder Kategorien für die Einwanderung? Antwort: Solche Einwanderer, die durch ihre Arbeit nicht nur sich selbst in Palästina verwurzeln, sondern auch die höchsten Möglichkeiten für neue Einwanderung innerhalb kürzester Zeit schaffen. Richtlinien für die Budget- und Finanzpolitik? Antwort: Jene, die unmittelbar zu stärkster Wirtschaftsentfaltung, maximaler Judenabsorption, maximaler Tempobeschleunigung führen. Wir können den Bau von Städten, sogar von Groß- Städten, nicht zurückstellen, wir müssen jedes Risiko einer anormalen Entwicklung auf uns nehmen. Da landwirtschaftliehe Kolonisation unvermeidlich langsam ist, müssen wir ohne Zögern die großen Möglichkeiten städtischer Siedlung ausnutzen. Auf landwirtschaftlichem Gebiet müßten die Bemühungen auf folgende Punkte konzentriert werden: a) Bodenkauf durch den Keren Kajemeth, b) Ausbau der Versuchsstationen zur Feststellung jener Methoden in der Landwirtschaft, im Gartenbau und in den landwirtschaftlichen Nebengewerben, die geschlossene Siedlung auf rentabler Basis beschleunigen und einen Teil der jetzt fast ausschließlich in die Citrus-Kultur einströmenden Kräfte ablenken könnten, c) Durchführung von Arbeiten von gemeinschaftlichem Charakter, die die Siedlung von Einzelnen oder Gruppen erleichfern, von den Siedlern selbst aber nicht geleistet werden können, wie Bewässerung zur Anlage intensiver Kulturen u. ä., d) Schaffung des nötigen Apparats zur Organisierung von Siedlergemeinschaffen aus der Arbeiter- und Mittelstandsklasse und ihre Anleitung in der Anfangsperiode. Man müsse eher ״Bedingungen“ als ״Dinge“ schaffen. Neben der Landwirtschaft müsse die Industrie gefördert werden. Der vor Jahren gemachte Vorschlag Rupjpins auf Errichtung eines besonderen Industrieförderungsinstituts sei auf dem Papier geblieben. Zwischen lebensfähigen und lebensunfähigen Industrien sei zu unterscheiden. Zwischen beiden aber gäbe es eine Gruppe, die Erfolgschancen hat, wenn sie einigermaßen unterstützt wird. Es wäre wünschenswert, daß etwa der Keren Hajessod oder ein anderer öffentlicher Fonds einen gewissen Prozentsatz seiner Einkünfte einem Spezialfonds zur Verfügung stelle, über den die Exekutive und die Anglo Palestine Bank gemeinsam verfügen soilen und der der'Schaffung dringend benötigter Institutionen zur Förderung städtischer Siedlung und zur Ermutigung von Handwerk, Handel und Industrie dienen soll. Der Wert eines Einwanderers müsse somit danach beurteilt werden, welche Möglichkeiten er für weitere Einwanderung eröffnet. Lege man diesen Maßstab ehrlich und entschieden an, so müsse besondere Beachtung Menschen geschenkt werden, die Uebung und Erfahrung in Handel und Industrie haben und mit Hilfe eines Minimalkapitals Unternehmungen schaffen können, die jüdischen Arbeitern Beschäftigung bieten. In nächster Reihe kämen gelernte und ungelernte Arbeiter für Landwirtschaft und Industrie. Am wenigsten wertvoll seien diejenigen, die weder Kapital noch Muskeln, weder industrielle noch landwirtschaftliche Erfahrun׳״ haben. Die C h a 1 u z e i n w a n d er u n g solle nicht beschränkt, aber der Begriff des Chaluz erweitert werden. Neuman besprach sodann eine Reihe von Möglichkeiten produktiver K a p i t a 1s v e r w e n d u n g in Palästina. Es müsse eine Form gefunden werden, die sechs oder sieben Millionen Pfund jüdischer Gelder, die in den Palästina-Banken deponiert sind, für Investitionszwecke freizumachen. Weiter dürfte das starke Interesse, das Palästina in bestimmten finanziellen Zentren und besonders in der Londoner City gefunden habe, als eine Möglichkeit für Freimachung von Kapital zu Investitionszwecken nicht übersehen werden. _ Im Zusammenhang mit der geplanten Palästina-Anleihe, die ungeachtet der Tatsache, daß die Einkünfte der Regierung hauptsächlich auf jüdische Einwanderung und iüdische Investitionen zurückzuführen sind, anscheinend überhaupt nicht zu unmittelbarer Erleichterung jüdischer Siedlung verwendet werden solle, müsse erklärt werden, daß man nicht eine andauernde Regierungspolitik ruhig hinnehmen könne, die darauf gerichtet sei, den größtmöglichen Vorteil aus direkter und indirekter Besteuerung der jüdischen Aufbauarbeit zu ziehen, ohne aus den erzielten gewaltigen Uebeischüssen auch nur einen Piaster für lebenswichtige jüdisclie Zwecke auszugeben. Nachdem erst kürzlich in Jerusalem eine italienische Auslandshandelskammer gegründet worden ist, hat diese, wie ״Industrie und Handel“ vom 26. 8. meldet, bereits im Benehmen mit dem italienischen Ausfuhrförderungsinstitut besondere Untersuchungen angestellt darüber, welche Waren in T.,.lästina besonders gefragt werden und ob sie aus Italien bezogen werden können. Neben der neu gegründeten Handelskammer und dem Ausfuhrinstitut ist es noch die Levante messe in Bari, die sich in den Dienst dieser italienischen Palästina-Ausfuhrpropaganda stellt. ״Ja-Sagen zum Judentum." Die Sammlung von Leitaufsätzen der ״Jüdischen Rundschau“ aus der Zeit vom März- Juli 1933 ist unter dem Titel ״Ja-Sagen zum Judentum!“ soeben erschienen. Diese Buchausgabe ist auf zahlreiche Anregungen aus Leserkreisen zurückzuführen; viele ־unrerer Freunde haben den Wunsch geäußert, die wichtigsten Aufsätze dieser Zeit in handlicherer Form zusammengefaßt zu besitzen. Es ist anzunehmen, daß sich diesem Buche ein starkes lnteress^ zuwenden wird. Das Buch ist auch äußerlich geschmackvoll ausgestattet und für den Preis von 2,85 M. durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag der ״Jüdisehen Rundschau“, Berlin W15, Meinekestr. 10, zu beziehen. (Siehe auch Inserat.) Warnung an die hessischen Juden Der Landespolizeipräsident in Darmstadt gab laut ״Frankf. Zeitung1‘ vorp 25. 8. durch die Staatspressestelle folgende Warnung bekannt: ״Die Meldungen mehren sich, daß in zahlreichen Plätzen in Hessen die Juden beginnen, die gebotene Zurückhaltung außer acht zu lassen. Freche Aeußerangen gegen den nationalsozialistischen Staat und gegen einzelne Nationalsozialisten —, Versuche, sich deutschen Mädchen zu nähern und dergleichen — verursachen berechtigte Erregung in der deutschen Bevölkerung. Die politische Polizei ist hierdurch genötigt, die Schuldigen oder solche bekannte Juden, gegen die sich die Erregung richten könnte, in Polizeihaft zu nehmen, wie dies im Schutzbezirk der Polizeidirektion Worms heute wieder der Fall gewesen ist. Allen Juden wird deshalb wiederholt dringend geraten, die selbstverständliche Zurückhaltung und die richtigen Formen zu wahren und ihre jüdischen Volksgenossen zu dem gleichen Verhalten zu veranlassen.“ Der Polizeibericht meldet aus Worms: Am 26. August wurde durch die Staatspolizeistelle in Worms und Umgebung eine größere Anzahl Juden in Polizeihaft genommen und dem Konzentrationslager Ostho fen zuge führt. Diese Maßnahme war zur Abwehr notwendig, weil sich das Judentum in letzter Zeit in herausfordernder Weise gegen den Staat und seine Einrichtungen beuahm. So ist es u. a. in der Nähe von Worms vorgekommen, daß Juden zwei SA.-Männer in Uniform angepöbelt und geschlagen haben. Fenier haben sich Juden eriaubt, durch herausfordernde Redensarten den nationalsozialistischen Staat verächtlich zu machen. In letzter Zeit wurde auch ־wiederholt festgestellt, daß Juden sich an christlichen Mädchen in sittlicher Beziehung vergangen haben. Ein weiterer Grund zu dem Erlaß der getroffenen Maßnahme war der, daß nach der Lügenmeldung einer in Straßburg erscheinenden Zeitung 300 jüdische Familien sich im Konzentrationslager Osthofen befänden und dort den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt sein sollen. Die Polizeidirektion warnt letztmals vor unüberlegten Handlungen gegenüber dem Staat und seinen Einrichtungen. Im Wiederholungsfälle muß bei solchen Entartungen zu noch schärferen Maßnahmen gegriffen averden.“ ln Bens heim wurde — wie mitgeteilt wird — am Sonnabend ein jüdischer Einwohner nach Osthofen gebracht, weil er den Hitlergruß durch eine beleidigende Glossierung herabgewürdigt habe. Der Wormser Polizeibericht meldet laut ״Frankfurter Zeltung“ vom 31. August: Trotz verschiedener Warnungen hat schon wieder ein hiesiger jüdischer Händler versucht, sich in anstößiger Weise einem christlichen Mädchen zu nähern. Der Betreffende wurde, wie verschiedene seiner Rassegenossen, dem Konzentrationslager Osthofen zugeführt. — Ferner wurden sieben Personen in das Konzentrationslager eingewiesen, w'eil sie versuchten, den Staat und dessen Organe und Einrichtungen verächtlich zu machen. Wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 31. August berichtet, meldet die ״Hessische Volkswacht“, Kassel, folgendes: ״Der Jude Walter Lieberg, Lessingstr. 18, der Sohn eines der׳ Mitarbeiter der Metallwerke: Lieberg & Co-, Bettenhausen, hat ein Verhältnis mit einem Christenmädel Jandy aus der Uhlandstraße. Die Mutter des Mädchens unternimmt nichts gegen das Verhältnis, sondern duldet es. Das ״Christen"-Mädchen stellt sich auf den Standpunkt, daß auch die Regierung ihnen das Verhältnis nicht verbieten könne. Um der Bevölkerung diese sauberen Leutchen zu zeigen und ihnen das Verwerfliche ihrer Oesinnung klar zu machen, führten SS.-Pioniere den Juden, sein Verhältnis und die Mutter durch die Straßen Kassels.“ Ein ähnlicher Fall hat sich am Samstag, den 26. August, wie die ״Oberhessiscbe Zeitung“ berichtet, in M a r b u r g a. L. zugetragen. ״An deutschen Berichten nar deutsche Anwälte“ Die ״Hessische Volkswacht“ ist laut ״Frankfurter Zeitung“ vom 29. August jetzt im Anschluß an einen Aufrut von Rechtsanwalt Dr. Oswald F reis ler (Kasse!) als Gatiführer des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes dazu übergegangen, unter der Ueberschrift ״An deutsehen Gerichten nur deutsche Anwälte“ die Namen von solchen Prozeßparfeien zu veröffentlichen, die sich nichtarischer Anwälte bedient haben. Als Einleitung schreibt die ״Hessische Volkswacht“ dazu: ״Im Anschluß an den Aufruf des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes, den wir am Freitag, dem 11. August, veröffentlichten, geben wir unseren Lesern unten eine Aufstellung von einzelnen Prozeßparteien bekannt, die sich nicht schämten, jü.- dische Rechtsanwälte in Anspruch zu nehmen.“ Es folgt dann eine Aufstellung von mehr als dreißig Prozeßparteien mit Angabe des Aktenzeichens und mit Benennting der in Anspruch genommenen Rechtsanwälte. Einige der aufgeführten Anwälte sind durch inzwischen erfolgte Entscheidung in der Liste der Anwälte gelöscht worden. Bei den meisten aber handelt es sich um solche Anwälte, die auf Grand der gesetzlichen Bestimmungen als Alfanwälte oder als Frontkämpfer zum Berufe zugelassen blieben. Der Gauführer des NS. Juristenbundes, S c 11 r o e r, MdR., Wuppertal, erläßt 1t. ״Wuppertaler Zeitung“ vom 29. 8. nachstehenden Aufruf: Die jüdische Greuelpropaganda ist zwar dank der energischen Gegenmaßnahmen der nationalsozialistischen Regierunf niedergekämpft worden. Immer wieder versucht aber die jüdische Hetze, mit neuen Vorstößen die friedliche Aufbauarbeit in Deutschland zu stören und die Beziehungen zu aiMlrreti Völkern zu trüben. Der Aufbau des neuen deutschen Staates erstrebt die Zusammenfassung aller Volkskreise und aller produktiven Kräfte Im Volke unserer heutigen Zeit und die Mitwirkung aller Volkskreise zur Verwirklichung dieser Bestrebungen. Wer sich der Zielsetzung der nationalen Regierung in seiner persönlichen Einstellung widersetzt, sabotiert die Bestrebungen der Regierung und damit den Aufbau des neuen deutschen Staates. Ausschaltung jeder artfremden Beeinflussung oder gar Beherrschung deutschen Volkstums, deutschen Wirtschaftslebens und deutschen Rechtslebens ist aber einer der richtunggebenden Gesichtspunkte der nationalen Wiederaufbauarbeit. Es ist leider wiederholt festgestellt worden, daß arische Prozeßparteien sich jüdischer Parteivertreter bedienen, ja, daß deutsche Prozeßparteien sogar nach der Zeitwende der nationalen Erhebung jüdische Anwälte mit der Führung ihrer Prozeßangelegenheiten beauftragt haben. So haben sogar die Bayriscne Handels!• und Hypothekenbank A.-G. München, der Stuttgarter Verein sich in Rechts- Streitigkeiten von jüdischen Rechtsanwälten vertreten lassen. Auch die neuerdings als deutsches Unternehmen bezeichnete Leon 11. Tietz A.-G. (jetzt K a u f h o f A.-G.) in Remscheid bedient sich weiterhin der Hilfe eines jüdischen Anwalts. Das bedeutet ganz zweifelsfrei ein Verhalten, das mit den Grundsätzen und Richtlinien der völkischen Wiederaufbauarbeit unvereinbar ist. Ein solches Verhalten ist auch dem heute überwiegenden Volksempfindcn unverständlich. Der Nationalsozialistische Deutsche Juristenbund wird mit all en zulässigen Mitteln darauf hinzu wirken bestrebt sein, daß derartige Fälle in Zukunft verschwinden. Was ist eine ״deuisdie Firma"? Die nationalsozialistische Zeitschrift ״Die deutsche Volkswirtschaft“ hat sich laut ״Frankf. Ztg.“ vom 31. 8. in ihrer neuesten Ausgabe mit den verschiedenen, in der öffentlichen Diskussion vertretenen Auffassungen von dem Begriff ״deutsche Firma“ beschäftigt. Sie unterscheidet drei Ansichten in dieser Frage. Nach der ersten, die den Begriff so eng wie nur denkbar faßt, sei eine Firma erst dann als ״deutsch“ anzusprechen, wenn die Inhaber mindestens seit drei Generationen arisch seien, wenn das gesamte beschäftigte Personal gleichfalls seit drei Generationen arisch sei und das Kapital sich in arischen Händen befinde. In der Wirtschaft habe sich, so meint das Blatt, die Meinung herauskristallisiert, daß unter allen Umständen Wert darauf gelegt werden müsse, daß ״das semitische Eiement in der Führung der Wirtschaft entsprechend seinem Anteil an der Bevölkerung zurückgcdrängt“ und durch arische Persönlichkeiten ersetzt werde. Für die erste Zeit erscheine es, nach Meinung dieser Kreise, als ausreichend, in der Leitung der Unternehmen den arischen Einfluß überwiegen zu wissen. Die Frage des Kapitalbesitzes spiele, solange die Mittel, das jüdische Kapital durch arisches zu ersetzen, nicht zur Verfügung stehen, keine Rolle. Als dritte Auffassung wird in dem Artikel diejenige wiedergegeben, die als die amtliche bekannt ist. In den vor einiger Zeit von der Reichsregierung veröffentlichten Riehtlinien für öffentliche Aufträge ist sie zum Ausdruck gekommen. Der Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung sollte hiernach allen anderen Erwägungen übergeordnet sein. Der erwähnte Artikel stellt nun die Konsequenzen dieses amtlichen Standpunktes folgendermaßen dar: ״Als Niederschlag der Neuordnung in der Auftragserteilung von Behördenlieferungen hat sich die Gewohnheit herausgestellt, ausschließlich das Produkt in den Vordergrund zu stellen. Es muß der Reichsregierung, die in den letzten Monaten all ihre Macht darauf konzentriert hat, durch Arbeitsbeschaffung die Millionen der Erwerbslosen zu aktiven und bewußten Deutschen und Gliedern des nationalsozialistischen Staates zu machen, vor allen Dingen darauf ankommen, den bestehenden Wirtschaftsapparat voll und ganz auszunutzen und Störungen auch geringer Art, die das Arbeitsbeschaffungsprogramm durch Arbeiterentlassungen beeinträchtigen können, ausruschalten. Nach den Richtlinien der Reichsregierung sind daher deutsche Waren unter allen Umständen“zu bevorzugen. Als deutsche Waren sind anzusehen solche, die von deutsehen Arbeitern aus deutschen Rohstoffen hergcstellt werde n.“ Abschließend bemerkt der Verfasser des Artikels, es müsse sich im organischen Wachsen ein Umbau vollziehen. Es werde also eine gewisse Zeit vergehen, bevor die notwendige und gewünschte Beschneidung des Einflusses des Judentums in der deutschen Wirtschaft und Zurückführung auf einen entsprechend kleineren Anteil durchgeführt sein wird. Die Erziehung in den Berufsnnd Fachscholen Wie der Amtliche Preußische Pressedienst initteilt, hat der Preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit in einem grundlegenden Erlaß die volks- und staatsbürgerliche Erziehung und den staatsbürgerlichen Unterricht in den ihm unterstehenden Berufs-und Fachschulen neu geregelt.. Ziel dieser Er- Ziehung ist, wie es in dem Erlaß heißt, der in Blut und Boden wurzelnde, rassisch bewufte, seinem Staat und Volk durch den Beruf dienende deutsehe Mensch, der sich organisch und willig־ in die überindividuelle Staatspersönlichkeit einordnet. Der Erlaß unterscheidet zwischen volksbürgcrlicher und staatsbürgerlicher Er- Ziehung. Die Volks bürgerliche Erziehung habe das Gefühl der volklichen Zusammengehörigkeit so zum Bewußtsein zu bringen, daß es eine Macht über den Einzelnen gewinnt, die allen volksfremden, zersetzenden Einflüssen standhält. Beson• derc Aufmerksamkeit sei der Rassenkunde, dem Auslandsdeutschtum und dem Versailler Vertrag zu schenken. Schwieriger noch als die Erziehung des Volksbürgers, so heißt es dann weiter, sei die Erziehung zum Staatsbürger als dem politischen Menschen. Der Staat sei ein individuelles, sittliches Wesen, das um seiner selbst willen dem Einzelnen Opfer auferlegen müsse. Die Erziehung zum Staate erfordere zunächst die Disziplinierung des ganzen Menschen, die nicht durch Erörterungen und Belehrungen über den Staat zu erreichen sei. Die ״Aliensteiner Zeitung“ vom 29. 8. veröffentlicht folgende Zuschrift: Der Nationalsozialistische Lehrerbund, Kreis Neidenbürg, veranstaltete einen antisemitischen Propagandamonat in 89 Dörfern des Kreises. 22 Redner hatten sich freiwillig gemeldet, um diesen Aufklärungsfeldzug zu unternehmen. Die Bevölkerung nahm diese Propaganda äußerst dankbar auf; fast jede Versammlung war bis aut den letzten Platz gefüllt. Ueber 15000 Besucher konnten gezählt werden. Das sind 75 der Gesamtbevölkernig des Kreises. Ueberall zeigte es sich nach dem Vortrag, daß diese Aufklärung äußerst not tat; denn es ist doch erst vielen dadurch ein Licht aufgegangen, wie jüdische Habgier, Gemeinheit und Lüge das deutsche Volk in den Abgrund gebracht haben. Den meisten ist erst dadurch klar' geworden, daß der Jude fremdrassig ist und dadurch nie deutsch fühlen und nie deutsch handeln kann. Alle Vorträge verfehlten nicht ihre Wirkung. Ueberall zeigte sich der einmutige Wille: Los von Juda! Unser Geld gehört nur in deutsche Häuser. Der Stadtrat von Nördlingen veröffentlicht folgenden Beschluß: ״Juden ist der Zutritt sowohl zum städtischen Freibad w׳!e zum städtischen Volksbad in der Turnhalle verboten.“ Dr. Max Marcus, Privatdozent an der Berliner Universitat, wurde als chirurgischer Chefarzt an das Krankenhaus der Hadtissah in Tel-Awiw berufen.

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