Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-09-01 · Heft 69-70 (1.9.1933) · p. Seite 476

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 69-70 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 476 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653796--24028-2686956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 474 TODISCHE RUNDSCHAU Nr. 69/70, 1. IX. 1933 Die Jandwirtschaftliche Kolonisation Palästinas Referat von Agronom J. Wilkamky Zwischen der Wirtschaft des Einreinen und der Volkswirt- Schaft gibt es Auffassungsverschiedenheiten in bezug auf Maßstab von Raum und Zeit. Der Atem des Einzelnen ist kurz, auf die Länge eines Tages bemessen. Die nationale Wirtschaft ist langatmig und kann ein Vierteljahr!:undert überdauern. Der Dilettant, der etwas Gemüse und Früchte züchtet, sieht die ganze Welt von seinem Gärtchen aus. Der Bauer, der Erfolg hat, wenn er für seine Wirtschaft einige Kühe oder einige Dunam Fmchtbäume hinzubekommt, n«g־t dazu, seinen Versuch als erfahrenes und geprüftes Heilmittel gegen jedes Ökomimische Unheil vorzuseniagen. Der Kolonisator kann aber nicht ein Rezept für den Einzelnen als Heilmittel fü r die Vielen b etrachten. Auf zwei entgegengesetzten Grundlagen sind heute selbst- «haltende Wirtschaften zu errichten, auf Grund von Citrusfrüchten und auf Grund von Kornbrot. Die Citmsfrüchte setzen die Form der intensiven Wirtschaft fest, Weizen die extensive. Jede stellt nach ihrer Art eine ein־ liebliche Wirtschaft dar. Die eine zeichnet sich durch die Hohe der Einnahmen pro Dunam aus, die andere gewinnt an Kraft durch die Erweiterungsmöglichkeit der Wirtschaftsein heit bis zu über 500 Dunam, und dem arbeitenden Mensehen einen anständigen Lebensstandard zu sichern, da ein einzelner mit Hilfe der Mechanisierung sogar 1000 Dunam bearbeiten kann. Die übrigen Zweige der Landwirtschaft haben zum Teil in technischer Hinsicht noch die Versuchspfriode nicht dtirebgernacht, zum Teil gibt es für ihre Prolinkte keine aufiinlimsfähigen Märkte, oder sie kommen diesen beiden elementaren Forderungen zur gleichen Zeit nicht nach. Im l aufe der letzten zehn Jahre sind wir zu einer der größten Errungenschaften in unserer Volkswirtschaft gelangt. Wir haben d i e g c m i s c 111 e W i r t s c 11 a f t in ihrem gegenw,artigen Aufbau errichtet. Der Ernel; mit seinen Keren Haj«.׳s sod-Wirt schaf teil auf Nationalfondsboden versorgt mit Milch, Eiern, Gemüse und verschiedenen Früchten den jüdischeu jischuw im Lande. Eine moderne Wirtschaft von 1j>0 Dunam!!״bewässerten Bodens ist imstande, zwanzig Familien mit Milch zu versorgen, sechs Familien mit Eiern, drei mit Geflügelfleisch, zwei mit fiemüse und vier mit versclüedenen Früchten. Ihre Kapazität Ist aber noch viel größer. Die bestellenden Wirtschaften sind imstande, ohne grolle invesfitionsausgabeti 20 Millionen Liter Milch zum Verkaufe zu produzieren. Es besieht aber keine Hoffnung, daß in der nächsten Zukunft die Bevölkerung der Städte das Zwanzigfache oder auch nur das Fünffache der Bevölkerung auf dem Lande betragen wird. Wir sind daher auf Auslandsnt ä r k t e angewiesen. Bei der Auswahl der Zonen kommt die Küstenzone als erste in Betracht, als zweite die Täler über dem Wasser- Spiegel, als dritte die Täfer unter dem Wasserspiegel und als letzte die Gebirgskette. Der höchste Ort ist iu diesem Falle der letzte in der Reihe und der tiefste kommt vor dem letzten. Bei der Wahl der Wirtschaftstypen: die Citrus- Früchte, die intensiven ,,Mosaik-Wirtschaften“, die extensiven Arneliorations-Wirlsclmften. Jeder Wirtschaftstyp muß seine natürliche Zone behalten. Die Fläche der Citruspflanzungen nimmt von Jahr zu Jahr 1מ und ihre Bedeutung in unserem wirtschaftlichen Bewußtsein nimmt ab. Die Extremen wollen, daß weitere Pflanzungen aufhören, die Gemäßigten — bestimmte Beschränkungen. Kein landwirtschaftlicher Zweig kann an Stelle der Citrus- §flanzungen kommen, wenn sie sich in ihrer natürlichen /«.ne und a 1! f n a t ü r ü c h e 111 1 c1 c h t e n Boden be- Finden. Keine Früchte sind vorläufig mit den Citrusfrüchten konkurrenzfähig. Sie stehen in erster Reihe, weil sie gemäß der Natur des Landes, der Natur des für sie bestimmten Bodens und unserer eigenen Natur Monopolfrüchte sind. Die nationale gemischte Wirtschaft bildet Für uns eine I.ebensfrage. Ais Volk können wir unsere Existenz nicht von einem Zweig, und möge er noch so schön und fundiert sein, abhängig machen. Aber die Wirtschaft des Einzelnen muß nicht gegen die Natur vielgestaltig sein. In der natürlichen Citruszone müssen die Wirtschaften einförmig sein. Jeder Ersatz: bedeutet eine Verschwendung vom Standpunkte der Volkswirtschaft. Auch zwecks Vielgcstaitung sind die Einnahmen eines Dunanis nicht von 30 bis 40 Pfund auf K) Pfund herabzusetzen. Die Citruszone stellt einen starken Markt zum Ankauf der Produkte dar, die die Landwirte des Etnek in ihren Wirtschaften produzieren. Der Stoffwechsel und Blutkreislauf irr, nationalen Organismus ist in Ordnung und stimmt mit den Gesetzen überein. Das gesamte Land ist nach seinen Zonen und Bodenarten verschiedenartig. Die Zone der gemischten Wirt- Schaft ist in ihrer Fläche um ein Vielfaches größer als die Citruszone. Wir müssen das ganze Land als eine große Farm betrachten und jeder Zweig soll an seine Stelle kommen. Wir sollen nicht Naturgrcri/.en verschiebe!! wollen. Bei jeder innen Existcnzquclle, die wir In unserer entstehenden Volkswirtschaft zu entwickeln beginnen, müssen wir als Endpunkt den Weltmarkt, als Ausgangspunkt aber den inneren Markt nehmen. Der innere Markt kann nicht als Endziel an und für sich gelten, da er nicht als Basis zu einer weiten Kolonisation dienen kann. Aber als Aufnahmeplatz für die Produktion einer Anzahl von Wirtschaften hat er doch seine grolle Bedeutung. Wir müssen einen kleinen W i r t s c h a f t s t y וז ק s fördern, der der arbeitenden Familie alle Speiseerzeugnisse Liefert und nur den IJcherschuI! auf den Markt bringt. Die Hauptlin ien, die die Eigenschaft dieser Wirtschaft festsetzen, sind folgende: Eine kleine Flächeneinheit, volle Selbstversorgung, Verkauf des Ueberschusses, beschränktes Fnvestilionskapital, keine Mechanisierung, Grundlage zum Ver- Raut auf dem lokalen Markt. Diese Wirtschaft wird sich unterscheiden von der gemischten Wirtschaft, die in ihren Zweigen verbunden ist —■ eine ״Mosaik“-Wirtschaft. Die Vorteile dieser Wirtschaft liegen in der Beschränkung der Investitionssmnmc. Sie wird außer dem Boden etwa H 300 kosten bei einer Beschränkung der Flächeneinheit auf zwölf bis fünfzehn Dunam, bei einer Beschränkung des notwendigen Geldumsatzes, damit diese Wirtschaft den Markt nicht mit zuviel Produkten überschwemmen muß, um so die zahlreichen Ausgaben, die mit der Mechanisierung verbunden sind, zu decken usw. Die Ausgaben dieser Wirtschaft müssen auf das Minimum beschränkt sein, und die Einnahmen dienen hauptsächlich zur Ernährung der arbeitenden Familie. Ihre Eigentümlichkeit liegt in ihrer Unabhängigkeit von dem Weltniarkt und seiner Konkurrenzkraft, in der sicheren Einnahme Für den Ansiedler nach Ablauf von etwa drei Monaten seit seinem Seßhaftwerden, ohne daß er Arbeit bei anderen zu suchen hat, bis die Pflanzungen Früchte abwerfe!1. in der Periode der letzten zehn Jahre von 1921 bis 1931 wurde insgesamt in der jüdischen Landwirtschaft ein Betrag von nahezu 10 Millionen Pfund angelegt. Von diesem Betrag wurden für den Erwerb von Böden etwa 31/i Millionen ausgegeben, für Ameliorationen in Verbindung mit der ersten Bodenverbesserung, mit Drainage und Einrichtung der Bewässerung, Trockenlegung von Sfimp- Een, Bewaldung, Straßenbau mehr als 1 Million. Für landwirtschaftliche Industrien wurden efwa 700 000 Pfund vermsgabl. Au die«a lav.cstitioncü beteiligte» sich die zis» nistischen Fonds, der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod, mit mehr als 3 Millionen Pfund; die Pica beim Aufbau der Kolonisation und der landwirtschaftlichen Industrie mit 2 Millionen, das Privatkapital mit etwa 5 Millionen. Die Wirtschaften des Keren Hajessod, die etwa 1600 Einheiten zählen, befinden sich auf dem Scheidewege zwischen Aufstieg und Stillstand. Ihre völlige Gesundung liegt in der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern, da ihre Wirkung sofort eintritt und man nicht auf eine längere Wachstumsperiode warten muß wie bei den Pflanzungen und da die Einnahmen selbst täglich bar eingehen, ohne daß man auf die Ernte am Ende des Jahres, warten muß. Wenn wir eine organisierte Milchindustrie hätten, wären unsere bestehenden Siedlungen längst konsolidiert und es wäre Raum frei für neue Wirtschaften. Die K 0 nkurren zfä h igkeit der verschiedenen Produkte wird in vielen Fällen von der Möglichkeit bestimmt, ihren Produzenten im Gesamtbetrag einen Lebensstandard zu sichern, unter den man nicht sinken kann. Wenn dieser Lebensstandard beispielsweise in einer Summe von 100 Pfund jährlich zum Ausdruck käme, so wäre er durch die Erzeugung von 10 000 Liter Milch zum Preise von je 2Grusch esichert, oder mit 20000 Liter zum Preise von 1 Grüsch. Die rträge hören nur dann auf, konkurrenzfähig zu sein, wenn die nötige Steigerung der Quantität die Produktionskraft der arbeitenden Fanrilie auf einer bestimmten Bodenfläche übersteigt. Aber wenn die Möglichkeit der Aufbewahrung der Erträge, die auf den Markt kommen, nicht bestellt, wird sogar die Möglichkeit genommen, mit den äußeren Erträgen aui dem inneren Markte zu konkurrieren. An zweiter Stelle nach der Veredlung der Qualität steht die Frage, wie man die Quantitäten verwertet. Die Gefahr besteht bei den ersten Früchten der neuen Pflanzungen, daß sie den Markt überschwemmen und unsere Früchte in Verruf bringen. Mit Vesardnungen werden wir dieser Gefahr nicht beikommen. Man muß ihr mit positiven Heilmitteln begegnen. In den U. S. A., in Australien und Südamerika macht man alle notwendigen Anstrengungen, die Orangen in Säfte und andere Formen von Konserven zu verwandeln. In Kalifornien und Florida wurden an die 56 000 Extraktoren eingerichtet, die an 3 Millionen Kisten liefern. Derartige Maschinen wurden auch in Australien, Südamerika, Neuseeland cingeführt. Oh.ne ein spezielles Forschungsinstitut, das sich mit der Suche von Wegen für eine hochqualitative Produktion und für Nebenproduktion befaßt, werden wir nicht zum Ziel kommen. Der Grundstock wurde in dem_chemischen und bakteriologischen Laborastorium gelegt, das in der landyvirtschaftlichen Versuchsstation in Rechoboth aus den Mitteln der Stiftung Israel Sieff geschaffen wurde und an dessen Spitze Chaim Weizmann steht Die Konkurrenz am d*en Weltmarkt gleicht einem Wettrennen. Der Erfolg des Läufers wird von seinen Fähigkeiten und dem pünktlichen Start bestimmt. Wenn einer dem zweiten nur um einen Augenblick zuvorkommt, wird er ihn nicht erreichen, es sei denn, daß seine Fähigkeiten doppelt so groß sind. Letzte Nachrichten Die Resolution in der Revisionisten-Frage Prag, 1. 9. früh (telephonisch). Die immer hinausgeschobene, mit Besorgnis erwartete Sitzung, in der das Resultat der Arbeit der Sechser- Kommission in bezug auf die Revisionisten dem Kongreß bekanntgegeben werden sollte, fand am Donnerstag Nachmittag statt und verlief viel ruhiger, als man erwartet hatte. Es kam zu keiner Spaltung und zu keinem Exodus der Revisionisten. Die Revisionisten begnügten sich mit einigen sehr schwächlichen und erkünstelten Demonstrationen und Zwischenrufen. Die Mehrheit des Kongresses nahm die Demonstrationen der Revisionisten mit vollständiger Ruhe auf, so daß jeder Anlaß zu weiteren Zwischenfällen entfiel. Die Resolution, die namens der Mehrheit des A.-C. vom Präsidenten Motzkin dem Kongreß vorgeschlagen wurde, besagt in ihrem Hauptteil folgendes: Da der Präsident des A.-C. dem Kongreß berichtete, daß Beschuldigungen erhoben worden sind, wonach in Erez Israel Personen oder ein Personenkreis existieren, die sich zur Zionistischen Organisation zählen und die die Anwendüng von Gewaltmitteln zu politischen Zwecken propagieren und da solche Tendenzen kn Widerspruch stehen zu den Grundprinzipien jüdischer Moral und eine Gefahr bilden für den Aufbau Erez Israels, beschließt der Kongreß, daß das neue A.-Cln seiner ersten Sitzung eine Kommission ernennen soll, die in Palästina eine umfassende und gründliehe Untersuchung hinsichtlich aller Tatsachen durchführen soll: die im Zusammenhang stehen mit den erwähnten Beschuldigungen. Die Kommission soll das Ergebnis ihrer Untersuchungen und ihre Empfehlungen dem A.-C. unterbreiten, welches bevollmächtigt wird, alle Maßnahmen zu treffen, die in wirksamer Weise dazu dienen können, diesen Tendenzen, falls Ihr Vorhandensein bewiesen werden sollte, ein Ende zu machen und Elemente in der zionlstisehen Bewegung zu beseitigen, die die Schuld oder Verantwortung für solche Tendenzen tragen. Hierzu erklärte Präsident Motzkin, daß durch diese Resolution nicht in das schwebende Gerichtsverfahren in der Mordsache Arlosoroff eingegriffen werden soll. Nach dieser Erklärung des Präsidenten wurden dann noch abweichende Resolutionen von der revisionistisehen Gruppe (Jabotinsky) und von der von den Revisionisten abgesplitterten sogenannten Judenstaatspa rtei (Stricker) vorgelesen. Beide Resolutionen wandten sich gegen die Entsendung der Untersuchungskommission. Eine Debatte über die Erklärungen wurde nicht zugelassen. Die Resolution der Mehrheit der Kommission wurde mit 197 zu 62 Stimmen an geaommen. Dann war die Sitzung beendet. In der Nacht- Sitzung wurde zur Abstimmung über die Anträge der Kommissionen übergegangen. Es wurden zunächst verschieden« Anträge bezüglich Keren Hajessod und Keren Kajemeth behandelt Man rechnet damit, daß! der Kongreß Sonntag früh zu Ende geht. Zugleich mit dem Kongreß tagt jetzt der Council der Jewish Agency, wo Donnerstag Nachmittag Sokolow und Brodetsky Referate hielten, Der Council ist jedoch nur ziemlich schwach besucht, Probleme der städtlsehen Kolonisation Referat von H. Farbsfein Bezüglich der industriellen Möglichkeiten In Palästina hat die Exekutive der Agency in einem Memorandum, das; sie Herrn Simpson überreichte, betont, daß die entscheidende Frage in der Entwicklung der Industrie in Erez Israel nicht bedingt ist durch die hindernden Kräfte, wie Schwierigkeiten in der Beschaffung von Rohmaterialien und der Auffindung von Absatzmärkten, sondern einzig und allein durch die Zahl der Juden, die bereit sind, mit ihrem Vermögen und ihrer Erfahrung nach Palästina zu kommen. Und das ist wirklich die Hauptsache. Da gewisse Kreise, unjer ihnen auch Kreise der Leitung der Jewish Agency für Erez Israel, der Meinung zuneigen, daß die Industrie keinen wichtigen Raum in der Oekonomie des Jischuw einnehmen könne und solle, ist es am Platze, den großen Wert aufzuzeigen, den die Industrie für Erez Israel hat, wenn wir die Absatzmärkte in Anschlag bringen. Der natürliche Markt für die jüdische Industrie ist Erez Israel und die Nachbarländer zu einer Zeit, da die Märkte für Qualitätswaren fern sind. Die industrielle Produktion besitzt alle Vorzüge der georaphischen Lage, während unsere Edelfrüchte alle achteile der großen Entfernung haben und die Konkurrenten, die sich in einer günstigeren geographischen Lage befinden, im Vorteile sind. Unsere Landwirtschaft basiert auf einer einzigen Gattung von Produktion, «׳ährend unsere Industrie! jetzt schon unzählige Arten von Waren produziert und sich I daher sehr schnell den Aenderungen auf dem Markt anpassen kann. Die durchschnittliche Kapitalsinvestierung der Arbeiter in der Industrie ist viel kleiner als die in der Land- Wirtschaft, der durchschnittliche Arbeitslohn in der Industrie stellt sich viel höher als in der Landwirtschaft, dir jüdische Industrie beschäftigt ihre Arbeiter das ganze Jahr hindurch, während ja die Landwirtschaft die Arbeiter nur saisonmäßig beschäftigt. Die Großindustrie ist nicht quantitativ, sondern qualitativ bedeutend. Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, daß sich die Großindustrie von der jüdischen Kleinindustrie separiert hat, und es* hat auch den Anschein, als ob sie mit dem ״kleinen Mann“ überhaupt nicht in Kontakt kommen will. Was die Klein- und M i 11 el s t a n ds ind ust r i e anbetrifft, so ist es erstaunlich, daß die Juden in der Oaluth die Bemühungen dieser Unternehmungen in ihrem schweren Existenzkampf nicht zu schützen wußten. Man vergißt, wieviel die palästinensische Industrie verloren hat, indem sie Tausenden von jüdischen Arbeitern eine technische Schulung gegeben una ihre Unternehmungen unter schwersten Bedingungen geschaffen hat. Sind es nicht Positionen, die eine nationale Würdigung verdiene»? Die Immigrationsabteilung hat die Forderungen der jüdischcn Industrie in ihren Verhandlungen mit der Regierung una in den internen Angelegenheiten unberücksichtigt gclassen. Man hat bei der Verteilung der Zertifikate die Fprderungen der Industrie außer ach? gelassen und eine Lage geschaffen, durch die der Unternehmer, der einen industriellen Betrieb gründen wollte, eine besondere Einreisebewilligung für qualifizierte Arbeiter, ohne die man auch die Maschinen nicht aufstellen konnte, besorgen mußte. Eines der größten Hindernisse der Entwicklung der pa- Iästincnsischen Kleinindustrie ist die Bestimmung der Immigrationsabteilung der palästinensischen Regierung, derzufolge von den Kapitalisten )000 resp. 500 Pfund verlangt werden. ־ Um ־det Regierung zu beweisen, daß diese ihre Forderengen unberechtigt sind, haben wir den Direktor der Immigrationsabteilung eingeladen, in unserer Begleitung manche industrieunternehmungen ia Tel-Awiw zu besichtigen und sich zu überzeugen, daß der Erfolg der Kleinindustriellen, die auch mit beschränktem Kapital angefangen haben, auf ihre Erfahrung, Initiative und Eifer zurückzuführen ist. Nachdem mehrere Unternehmungen von uns gemeinsam besichtigt wurden und sich der Direktor von der Richtigkeit unserer Behauptungen überzeugt hatte, blieben unsere Forderungen ohne jegliche Gründe unerfüllt. Ferner hielt sich die Mandatsregierung an das Prinzip, daß nur Leute bis zu ihrem 35. Lebensjahr für die Arbeit und Immigration nach Palästina geeignet sind. Es ist iächerlieh zu benaupten, daß Juden, die in ihrem 36. oder höheren Lebensjahr stehen, für den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina ungeeignet sind. Die Regierung verhalte sich zur Industrie grundsätzlich nicht negativ. Dagegen lehne die Regierung eine Erhöhung der Einfuhrzölle für Industrieprodukte ab, obwohl die Zollsätze In den meisten Ländern des Mittleren Ostens erhöht wurden. Was den Absatz der palästinensischen Industrieprodukte betrifft, so erklärte Farbstein, daß dieser vor allem in den Nachbarländern, wie Syrien, Libanon und Irak gefunden werden müsse. Das Agency-Department für Handel und Industrie habe nach Untersuchung der Verhältnisse in diesen Ländern Agenturen geschaffen unter der Leitung־ von Personen, die in kaufmännischen und Begierungskreisen Einfluß besitzen und die sich um den Absatz der Paläsfinaprodukte zu kümmern haben. Die Entwicklung der Industrie und des Handels sei, wie aus den Ziffern hervorgehe, eine stetige gewesen. Die Ereignisse des Jahres 1929 und der arabische Boykott hätten die Industrie nicht beeinflußt. Keine Fabrik wurde geschlossen, Arbeitslosigkeit hat sich nicht irgendwie stärker fühlbar gemacht. Die Jahre der Kinderkrankheiten seien vorüber. Die Ausfuhr betrug 1925 1 298 (KW Pfund, 1927 1 900 000, 1929 L554 000, 1930 1 896000, 1931 1662161 und 1932 2 381491 Pfund. Die entsprechenden Importziffern sind 7 338000, 6 184 MO, 7161000, 6 985 000, 6119187 und 8 120 797 Pfund. Auf den Kopf gerechnet ist die Importziffer heute dieselbe wie in den Jahren 1927 bis 1930, nämlich 8 Pfund. Unter Berücksichtigung der Zunahme der palästinensischen Bevölkerungszahl sei dies eine sehr wichtige Erscheinung. Der Export zeige dagegen eine sehr bedeutende Entwicklung: Er betrug 1931 pro Kopf 1,70 Pfund, 1932 2,40 Pfund, Welche Exportmöglichkeiten in die Nachbar*!ander bestehen, zeigen folgende Importziffem: Syrien und Libanon 8 970 000, Cypern 1350 000, Mesopotamien 6 240 000, Aden 4160000, Aegypten 28 130 000, Persien 7180000 und Türkei 11610000 Pfund, Infolge seiner geographischen Lage sei Palästina bei der Belieferung dieser Länder trotz der industriellen Ueberschüssc Europas, Amerikas und Japans im Vorteil. Die Zahl der Unternehmungen betrug 1922/23: 1858, 1930: 2230 und 1933 : 3281. Die Zahl der in den industriellen Betrieben Beschäftigten betrug in diesen Jahren 4580, 11000 und 16492, wozu noch 15450 Personen kommen, die in bereits fertiggestellten, aber noch nicht betriebenen Fabriken arbeiten, und 500! die demnächst noch in die bisherigen Betriebe eingestellt werden sollen. Das investiert« Kapital betrug in den entsprechenden Jahren 418 000, 2 285 000 und 4598 083 Pfund. Die Produktionskosten (allgemeine Ausgaben) betrugen 1930: 1 925 465 Pfund, 1933 : 2 856350 Pfund (davon 950000 Pfund Arbeitslöhne). Der Pr oduk tlouö wert betrug 1930: 25IQS0Q. J9.3D 2 8.25 52Q Wund,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.