Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-09-01 · Heft 69-70 (1.9.1933) · p. Seite 475

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 69-70 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 475 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653796--24027-2686955
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 69/70, 1. IX. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 Ulinschaftsreferate des Kongresses Die Aufgaben des nationalen Kapitals in Palästina Referat von Adolf Böhm In bezug auf die Rolle des nationalen Kapitals im Aufbauwerk wird in der überhitzten Atmosphäre unserer Partei- und Intcrcsscnkämpfe mit Schlagworten und Kampfparolen gearbeitet, die unscharf und unsachlich sind. Namentlich geschieht dies nach drei Richtungen hin: Erstens werden das nationale Kapital und seine Arbeit in Gegensatz gebracht zu Privatwirtschaft und Privatinitiative, als ob nicht beide wichtige Funktionen im Aufbauwerk hätten und nicht vielfach das nationale Kapital Schrittmacher und Wegbereiter für private Unternehmungen gewesen wäre und noch ist, so daß sich beide Formen Wirtschaftlieber Tätigkeit ergänzen. Zweitens wird nicht unterschieden zwischen der Funktion des nationalen Kapitals im Aufbauwerk und der Art, in welcher es infolge der in der Bewegung herrschenden Macht Verhältnisse an gewendet w i r d. Man setzt nationales Kapital fälschlich gleich Arbeiterwirtschaft, weist darauf hin, svieviei der Arbei-׳ terschaft von den nationalen Fonds zugute gekommen ist. Man vergißt, daß in vielen sehr wichtigen und kostspieligen Fällen das nationale Kapital für Fehler der privaten Institute einspringen mußte, daß gerade daraus die gegenwärtige Belastung des Keren Hajessod resultiert, vergißt auch, was das nationale Kapital für die allgemeine und auch für die private Wirtschaft geleistet hat. Drittens wird i;" ־:er daran vergessen, daß die wichtigsten Institute für den Aufbau auch der jüdischen Privatwirtschaft, wie APC., PLDC., Mortgage Bank, Arbeiterbank, Economic Board (E. B.), Palestine Economic Corporation (PEC.) und dessen Institute, Südafrika-Bank usw., keine Privatwirtschaftliehen Gründungen sind, sondern ihr Kapital ganz oder teilweise aus nationalen oder philozionistischen Kreisen erhalten haben. Wenn sie auch in streng geschäftlicher Weise arbeiten, so sind sie keine Erwerbsunternehmungen im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Trotz dieser, durch unscharfe Einstellung und Parteistreitigkeiten verschuldeten Mißverständnisse kann man sagen: Im Prinzip herrscht in unserer Bewegung keine Meinungsverschiedenheit über die Notwendigkeit von Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Hilfsfonds usw., aber ungemein verbreitet sind irrige Ansichten über: 1. den Wert des bisher vom nationalen Kapital Ge leiste- 2. die Rolle des nationalen Kapitals im Aufbauwerk, 3. seine wichtigen Funktionen für die Z u k u n f t. ad I. Die Leistungen der nationalen Fonds in bezug auf Immigration, Schuiwerk, Sanität usw. werden zwar anerkannt, aber es wird schnell wieder vergessen, was sie für uns bedeuten. Dies gilt vor allem für die Landwirtschaft. Ohne die nationale Arbeit wäre nicht der landwirtschaftliche jüdische Arbeiter entstanden, ohne dessen Vorhandensein wir, wie es vor dem Krieg in den alten Kolonien der Fall war, durchaus arabische Arbeit in jüdischen Siedlungen hätten, ein Zustand, der ן politisch, national und wirtschaftlich den Bankerott unseres Strebens bedeutet hätte, was heute, 16 Jahre nach der Balfour- Deklaration, schon offenkundig wäre. Nationalpolitisch von Wichtigkeit ist natürlich auch, daß nur auf nationalem Boden die jüdische Arbeit gesichert ist. Das braucht auf einem Zionistenkongreß nicht erst erwähnt werden. Wenn darauf hingewiesen wird, daß in der Nachkriegskolonisation auch von Privaten die jüdische Arbeit zur Regel wurde, so begrüßen wir dieses Resultat nationaler Erziehung. Es ist völlig vergessen worden, daß in der Krise 1926—1928 der Keren Hajessod mehr als 100 000 Pfund an Arbeitslosen- Unterstützung aufgewendet hat, daß dabei also das Risiko einer Konjunktur, die durch Fehldispositionen der privaten Wirtschaft und Spekulation zusammenbrach, auf die nation a 1 e n Fonds fiel. Die Gemeinschaft sorgt auch jetzt vor, indem sie die Arbeiter durch Hilfswirtschaften in den Kolonien befestigt. Die Krise 1926—1928 hat gezeigt, daß trotz allem nationaien Enthusiasmus der Arbeiter naturgemäß gerade aus den nicht befestigten Schichten die Rückwanderung erfolgt. Von den 46000 Juden, die auf dem Lande leben, sind zu der Tätigkeit von nationalem Kapital (woruuter auch als gemeinnützig, also nicht privatwirtschaftlich orientiert das philanthropische zu rechnen ist) zunächst 10 000 bis 11000 Menschen der nichtprivatwirtschaftlichen Vorkriegskolonisation (Ica und Zionistische Organisation) und die 8200 vom Keren Hajessod und Hilfsfonds Angesiedeiten zu rechnen. Dazu kommen aber noch alle jene, die mit Hilfe der erwähnten philozionistischen Kreditinstitute und der Pica angesiedelt worden sind. Man kann auch nicht sagen, daß gewisse private Gründungen, wie etwa Tel Mond, privatwirtschaftlichen Erwägungen ihre Entstehung verdanken. Weiter gehören hierher die zirka 12 000 Köpfe starken landwirtschaftlichen Arbeiter, die sowohl nach ihrer Ideologie als auch praktisch von der Hachscharah angefangen bis zur Beisteliung von Hilfswirtschaften durchaus dem natio- Malen Sektor zuzurechnen sind. Bedenkt man weiter, was die philozionistischen Institute auch für die privaten Siedler durch Kreditgewährung getan haben, so ergibt sich die Tatsache, die selbst sehr viele Zionisten überraschen wird, daß das Vorhandensein desüberwiegendsten TeilsderBevöikerung am Lande der Tätigkeit nationalen, resp. gemeinnützigen oderp 11 ilozionist!sehen Kapitals zu danken ist. Wir wissen, daß von dem ganzen jüdischen Bodeneigentum in Palästina noch nicht ein Viertel in privatem Besitz ist. Wird noch in Rechnung gestellt, daß unter privatem Bodenbesitz sich viele Terrains befinden, die von der Ica und Pica erworben wurden und erst dann zu billigsten Bedingungen in Private Hände übergegangen sind, so wird klar, daß die Privatinitiative in derGeulath Haarez eine überaus bescheidene Rolle gespielt hat. Dafür aber ist sie schuld an den Orgien der Bodenspekulation. In bezug auf die Finanz- und Kreditinstitute ist zu wiederholen, daß sie, soweit sie jüdisch sind, zum überwiegenden Teil ihre Entstehung und ihr Kapital nicht der privatwirtschaftlichen Initiative verdanken, sondern nationalen Kreisen. Die Ausdehnung der privaten Orangenpflanzun- Ren ist unabhängig vom nationalen Kapital erfolgt. Aber wenn wir vom nationalen Oesamtinteresse ausgehen, so ist dieses lange noch nicht damit befriedigt, daß die jüdische Citruspro- Auktion rasch steigt, hunderte Pflanzer und über 10 000 Arbei- •er in der Orangenzone sich finden. Wenn wir annehmen wollen, daß keine Absatzkrise eintreten wird, so ist in der privaten Pflanzungszone jene Siedlungsdichte, die im nationalen Interesse geboten ist,!acht erreicht. Auf der großen Fläche von heute vielleicht schon 120 bis 140 000 Dunam jüdischer Pflanzungen könnten bei Zugrundelegutig per 15 Dunam per Familie 8—9000 Familien leben, und zwar als selbstgenügsame Siedler, indes nach dem Ergebnis des letzten Zensus 1621 Eigner von Orangenpflanzungen plus dem schätzungsweisen Zuwachs keine 1700 Eignerbesitzer auf diesem Boden sitzen. Die Nutzung des Bodens in einer solchen Weise, daß die maximalste Zahl von Siedlern darauf angesetzt werden kann, ist nur möglich auf KKL-Boden. Es ist allgemein bekannt, daß der Start von Ruthenberg und Potash-Cy. vom Keren Hajessod finanziert worden ist. Weniger bekannt ist, daß der Keren Hajessod gerade in den ersten Nachkriegsjahren viele zehntausende Pfund für die Förderung von Handel und Industrie und bisher über eine halbe Million Pfund für öffentliche Arbeiten, Arbeiterunterstützungen und dergleichen aufgewendet hat. ad 2 und 3. Die Rolle, die das nationale Kapital im Aufbauwerk gespielt hat, wie sie in flüchtigen Zügen hier nach gezeichnet wurde, ist ihm nicht von vornherein zugew'iesen worden, wenn man vom Erwerb der Böden für gemischte Wirtschaft durch den KKL absieht, sondern sie wurde ihm von der praktischen Entwicklung viel mehr als von theoretischen Ueberlegnngcn diktiert. Von vornherein war vielmehr die einmalige Aufbringung eines sehr großen Kapitals gedacht für Zwecke der Schaffung aller nötigen Hilfsinstitute. Es ist bisher nicht gelungen, die vielen großzügigen Pläne zur Schaffung eines wirklichen aktionsfähigen nationalen Kapitals, die im Laufe der Jahre aufgestelit worden sind, und die noch aufgezählt werden sollen, zu verwirklichen. Wenn daher von der Rolle des nationaien Kapitals im Aufbauwerk gesprochen wurden soll, so müßte dieses erst in ausreichendem Maße beschafft werden können. ״Die deutsche dudenfrage u. unsere zionistische Haltung“ Dr. Georg Landauer spricht Montag, den 4. September 1933, 20.30Uhr, in der Loge, Kleiststr.lO Berliner Zionistische Vereinigung Gruppe Bayerischer Platz — Gruppe Wittenberg - Platz Wenn wir auf unsere Fonds beschränkt bleiben, so wird sich auch bei Wiederzunahme der Eingänge kaum viel anderes machen lassen als bisher. DieAufgabe, die Mittel für in großes System zu beschaffen, bleibt noch mm er bestehen. Im Zuge der Beschaffung von Mitteln für die nationale Kolonisation ist natürlich von wesentlicher Bedeutung, daß die Regierung dazu gebracht werde, aus den Mitteln der neuen Anleihe und aus ihren Uebersehiisscn im Sinne des, Mandates die jüdische Kolonisation zu fördern. Sie hat das nicht nur nie getan, sondern Mr. French hat ihr geraten, die von Ruppin vorgeschlagene Zinsengarantie für eine Agrarbank abzulehnen. Die Situation von heute ist keine andere als die von 1920: die Aufgaben haben sich nur zum Teil geändert, aber ihr Unifang ist gewachsen, dafür sind wir uni die Erfahrung von so vielen Jahren feicher. Dringlicher denn je steht vor uns die Aufgabe, einen großen Betrag für planmäßige Eingliederung einer stark vermehrten Alijah autzubringen. Die Sammlungen für den Notfonds zur An- Siedlung deutscher Juden sind im Zuge. Von Amerika geht ein Plan aus, 25 Millionen Dollar zu sammeln. Jedenfalls ist cs heute psychologisch unmöglich, neben diesen Sammlungen auch noch separat innerhalb der Judenschaft für Aufbringung eines nationalen Zweckkapitals Anstrengungen zu machen. Um so wichtiger wäre die V e r ■ folgung des V ö 1 k c r b u nd s a n 1 e i h c pr o j e k t c s. Welchen Erfolg immer diese Geldaufbringungsaktion haben wird, die nächsten Aufgaben des nationalen Kapitals sind eindeutig gegeben: Die erste und wichtigste ,utgabe ist die Führung einer großzügigen odenpolitik unter Bekämpfung der Bodenpekulation in Stadt und Land. Dies ist eine Existenznotwendigkeit für den werdenden Jischub. Von aussehlaggebender Wichtigkeit ist die Beherrschung des Bodenmarktes. Hier müßten nationales, philozionistisches und privates Kapital Zusammenwirken. Auch das private Kapital hat das dringende Interesse daran, Boden nicht zu wirtschaftlich unrentablen, überhöhten Preisen zu kaufen. Dieses Zusammenwirken ist schon auf der Londoner Konferenz vorgeschlagen worden. Es handelt stell, kurz gesagt, 1 die Schaffung einer zentralen Boden kauf s- ״ :Seilschaft unter führender Mitwirkung des KKL. Es gilt, nicht nur die bestehenden Gesellschaften mit vorhandenem Besitz zusammerizufassen, sondern aus ihnen mit Beteiligung neuen Kapitals und des KKL eine zentrale Bodeneinkaufsinstitution zu schaffen. Dadurch würde gegen die Spekulation vieles gewonnen sein. Diese Gesellschaft wäre in der Lage, den Bodenmarkt zu kontrollieren und die jüdische Nachfrage zu zentralisieren. Sie Könnte größere Flächen kaufen und die privaten Interessenten würden sich nicht selbst auf die Suche nach Verkäufern begeben und durch ihre Konkurrenz die Preise, wenn auch ungewollt, treiben. Die Gesellschaft könnte auch eine richtige Boden- Politik führen, indem sic dort kaufte, wo es nach rationalen Erwägungen für kolonisatorische Zwecke tunlich ist und alle zu vernünftigen Preisen angebotenen Flächen aufnehmen. So könnte eine Bodenreserve geschaffen werden, deren Vorhandensein nötig ist, um erstens nach bestimmten Plänen kolonisieren und bauen zu können, zweitens um abwarten zu können, wenn der Bodenmarkt ungünstig ist. Sie könnte beim Verkauf dem Käufer Verpflichtungen auferlegen 1. der sofertigen Bebauung oder Besiedlung, 2des Vorkaufsrechtes des KKL im Falle der Veräußerung. Für eine solche Gesellschaft würde sich leicht Kapital finden: denn daß bei ihr Sicherheit und Verzinsung nicht zweifelhaft sind, ist von vornherein klar. Die Schaffung einer zentralen Bodenkaulsgesellsctiaft nebst der unablässig notwendigen Stärkung des KKL ist auch deshalb ein unabweisbares Gebot, weil die Erschließung neuer Zonen für die jüdische Kolonisation wie Huieh, Negeb, Jordantal, eventuell Beisan (falLs die Regierung endlich das Unrecht, das sie mit Vergebung dieser Boden begangen hat, gutmachen würde) und Transjordanieu nur möglich ist, durch Vorangehen des nationalen Kapitals. Aber auch in den anderen Zonen hat das nationale Kapital noch große Aufgaben, In der Kästen jchls ist der verfügbare Boden begrenzt. Man rechnet, daß 300 000 bis 350 000 Dunam geeignet für Citrus sind. Nach maximalen Schätzungen werden bis jetzt 2000«) davon bepflanzt sein. Gellt das Tempo so weiter, wie bisher, bei Arabern und Juden, so wird in zwei bis längstens drei Jahren das ganze Areal bepflanzt sein. Der KKL müßte in die Lage versetzt werden, weitere Flächen in dieser Z.one zu kaulen. Denn wie iminei* man sich zu der Frage der Privatwirtschaft in den Pflarizungskolonien und zu der Zukunft der Orangeinvirtschait stellen mag, sicher ist, daß das Gcsaintintcresse erheischt, daß eine möglichst dichte Siedlung auch der beschränkt vorhandenen Bodenfläche Platz finde. Das kamt aber, wie schon gesagt, nur gewährleistet werden aut natio nalem Boden. Außerdem werden auf solchem die Siedler nicht nur Monokultur treiben, sondern daneben auch gemischte Wirtschaft zum Eigenbedarf, werden also krisenfester sein ais die Monokultur treibenden Pflanzer und deren Arbeiter, soweit sie keine Hilfswirtschaften haben. Ein weiteres Gebiet, dem wir noch keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben, ist der H u g c 1 d i s t r i k t. Es wären im Bergland noch Tausende von Dunam erwerbbar. Wenn die Regierung den Fellachen in diesem Distrikt beisichen würde, die Flächen zu arrondieren und die Wirtschäften zu intensivieren, dann könnte noch ein bedeutendes Areal für Neukoloiiisation frei werden. Die Entwicklung eines nationalen Kolonisafionsprouramms ist nicht Sache dieses Referats. Doch sei hier aus prinzipiellen Gründen angemerkt, daß es völlig verfehlt wäre zu glauben, daß in der Struktur der jüdischen Heimstätte eine Verewigung eines Standes lohnemnfaugender Landarbeiter möglich wäre. Die Annahme von Lohnarbeit a u t d e m Lande wird a 11 c 11 von der Arbeiterschaft selbst nur als I) 11 r c h g a 11 g s s t a d i u m z u r Selbständigkeit angesehen, das meistens leider sehr lange dauert . es warten Arbeiter H,ö Jahrzehnte und länger aut Ansiedlung - das aber nicht verewigt werden kann. Zu den bisherigen Aufgaben der Ko Ion isationshilfe tritt jetzt noch die für A11 s i e d 11111 g d c 11 tschcr Jude n, wofür ein besonderer Fonds gesammelt wird. Aber auch in der Sphäre der privat kapitalistisehen Kolonisation können die nötigen Kreditmittel nicht aus eigener Kraft beschafft werden. Die in den Orangenplantagen vergrabenen Millionen könnten zum Teil durch Hypothekenkredite gehoben und neu verwendet werden. Auf dem letzten Farinerkongreß, der anfangs Februar abgehaltea worden ist, wurde von dem Plan der Gründung einer Farm er-Bank berichtet. Bezeichnend ist, daß 85 ״b des veranschlagten Kapitals von 100 000 Pfund von den philozionistisclien Institutionen, Economic Board und Palest. Economic Corporat. und der Pica beschafft werden sollen. Das ist gewiß kein ״nationales“ Kapital, aber wenn es auch näch gesunden ökonomischen Prinzipien verwendet werden soll, doch ebensowenig privates. Wieder zeigt es sich, daß auch die streng geschäftlichen, sicheren Anlagen in Palästina nicht vom Privatkapital allein finanziert werden können. Ich glaube, daß auch der von den Industriellen geplanten Industriebank kein anderer Weg übrigblciben wird, als derjenige, der bei Gründung der Farmer-Bank eingeschlagen werden soll. Aus all diesen Erwägungen geht hervor, daß nach wie vor die S e h a f f u 11 g d e 's Investmenttrusts die dringliehe Notwendigkeit für die Finanzierung des Palästinaaufbaues ist. Wenn einmal die Möglichkeit bestehen wird, die Papiere palästinensischer Institute jederzeit ahzusetzen, zu Kursen, die laufend bekanntgemacht werden, dann wird Anlage suchendes Kapital, vor allem jenes, das heute in den Banken Palästinas in großen Summen brach liegt, solche Papiere in Menge kaufen und das Aufbauwerk in ungeahnter Weise befruchten. Die tatsächliche Entwicklung hat es leider mit sich gebracht, daß das nationale Kapital zwar Bedeutendes leister! konnte, daß aber nicht erreicht werden konnte, was schon vornherein als seine zentrale Aufgabe erkannt worden war: die nationale Kontrolle über das ganze Aufbauwerk durch ein geschlossenes System von Finanzinstituten, die unter nationaler Oberleitung stehen. Welch hohe Meinung mar! auch immer von der schöpferischen Kraft entfalteter Privatinitiative haben mag, und so sehr wir sie zu fördern bestrebt sein müssen, so ist es dennoch klar, daß der Private, selbst wenn er von nationaler Begeisterung erfüllt ist, gar nicht die Funktion, die Fähigkeit und die Möglichkeit hat, das Gesamtinteres.se des Volkes hei seiner Arbeit voll zu wahren. Dies kann nur durch eine nationale Kontrolle des ganzen Aufbauwerkes gewährleistet werden. Eine Geldaufbringung für nationale Aufgaben erfordert zunächst die Einsicht aller Zionisten ohne Unterschied, daß cs hier um Ziele geht, die jeden, das heißt alle, angehen. Es handelt sich um die Schaffung der Vorbedingungen, die nötig sind, um die maximalste Zahl von Juden aller Stände i .1 gesunder Schichtung in Erez Israel zu ver- Fürchte Dich nidht, denn Du sollst nicht zu* schänden werden; schäme Dich nicht, denn Du sollst nicht erröten; sondern die Schande Deines Ledigen* Standes sollst Du vergessen und der Schmach Deiner Witwenschalt nidht fürder gedenken. Denn Dein Herr ist der, der Dich erschaffen hat — Herr der Heerscharen ist sein Name, und Dein Erlöser ist der Heilige Israels — Gott der ganzen Erde wird er genannt. Wie eine verlassene, verhärmte Frau ruft Dich der Herr; kann denn das Weih der Jugendliebe verschmäht werden, spricht Dein Gott, Einen kurzen Augenblick nur gab ich Dich preis, in großem Erbarmen aber will ich Dich wieder sammeln. In aufwalfendem Zorn barg ich einen Augenblick mein Antlitz vor Dir, in ewiger Liebe aber erbarme icb mich Dein, spricht der Herr, der Dich erlöst. Wie die Wasser Noahs ist mir dies: Wie ich einst schwur, daß die Wasser Noahs die Erde nicht fürder überströmen sollen, so schwöre ich Dir zu, Dir nicht mehr zu zürnen und Dich nicht mehr zu schelten. Denn mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken, meine Gnade soll von Dir nicht weichen und mein Bund des Friedens nicht wanken, spricht der Herr, der sich Dein erbarmt. <Jesaja 54, 4—10> Heftara fttr Sabbat, den 2. September

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.