Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-09-01 · Heft 69-70 (1.9.1933) · p. Seite 474

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 69-70 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653796--24026-2686954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 472 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69/70, 1 IX. 1933 vis io nisten. Eine kleine Kommission berät schon Tage und Nächte, um dem Kongreß einen Vorschlag über die Behandlung des vorliegenden Materials bezüglieh des Mordes an Arlosoroff zu unterbreiten. Immer wieder wird dieser Antrag im Kongreß angekündigt, immer wieder abgesagt. Es handelt sich dabei scheinbar um stilistische Fragen, in Wirklichkeit aber um tiefere Dinge, nämlich um die Parteigruppierung, aus der die neue Leitung hervorgehen soll. Die Lei tun gsb i 1 d u n g ist überaus schwierig, weil es keinen Führer gibt, der eine große Mehrheit des Kongresses zusammenschweißen könnte. Die Zeitungen, auch die Prager Tagesblättcr, sind voll von Gerüchten über Verbandhingen, die von einzelnen Gruppen des Kongresses mit dem in der Schweiz weilenden Dr. Weizmann geführt werden. Manche Zeitungen brachten auch Nachrichten über Eintreffen Weizmanns in Prag oder in einem tschechoslowakischen Kurort, Meldungen, die ebenso frei erfunden sind wie viele andere Sensationsgerüchte, die um den Kongreß kreisen. Richtig ist, daß viele Kongreßteilnehmcr, auch solche, die es nicht offen sagen, eine Rückkehr Weizmanns wünschen würden. Ob aber nach allem, was geschehen ist, und nach den immer noch bestehenden Parteivcrliiiltnissen eine Betrauung ,Weizmanns fruchtbar wäre, muß bezweifelt werden. Man spricht von ״Bedingungen“, die gewisse Kongreßgruppen Weizmann verlegen wollen, oder gar schon vorgelegt haben mit dem Bedeuten, daß sie im Falle der Annahme dieser Bedingungen für Weizmann stimmen wollen. Die Sache ist auch in der Generaldebatte zur Sprache gekommen, wo Weizmanns alte Gegner gegen seine Wiederkehr redeten, darunter der Amerikaner Dr. Wise, der dabei reclit scharfe Töne anschlug. So muß man fürchten, daß ein Versuch einer Weizmann-Restauration nur neue Kämpfe persönlicher und sachlicher Art entfesselt, und es ist schwer zu glauben, daß aus dieser Atmosphäre Gutes kommen könnte. Dennoch empfindet jeder, daß die überragende Persönlichkeit des Zionismus auf diesem Kongreß fehlt. Für Dr. Weizmann, auf dessen Arbeit Palästina und das jüdische Volk nicht verzichten kann, wird eine Aufgabe gefunden werden, die seiner würdig ist. Wie aber der Kongreß aus dem Labyrinth, das er sich selbst gesponnen hat, herausfiuden wird, werden die nächsten Tage lehren müssen. * ■ , . Man muß sich besinnen, daß dies alles nicht das Wesentliche des neuen Judentums ist. Das jüdische Volk leidet an denselben Unzulänglichkeiten ״wie alle Völker“. Der parlamentarische Betrieb verdunkelt nur das Wahre, das dahintersteht. Aber auch dieser Kongreß wird vorübergehen, und dann wird sich zeigen, wie die tiefe, seelische Erschütterung dieser jüdischen Generation, wie der Aufbauiville und die Sehnsucht ihren Ausdruck im wirklichen Leben finden sollen. Kurzer Verhandlungsbericht Die Generaldebatte des Kongresses, über deren Beginn wir bereits in unserer letzten Ausgabe berichtet haben, wurde in der Nncht-.it/ung vom 26. 8. fortgesetzt. Dr. Schmorak (Allgemeiner Zionist) verlangte u. a. die Abschaffung des Zertifikatssystems bei der Einwanderung. Er wünschte eine Politik der nationalen Einheit und des Volks-Gcsamtinteressea. — R u!1 a s c 11 o f f (Arbeiterpartei) wandte sich gegen die Bodenspekulation und verlangte die Organisierung der gesamten Arbeit in Paliistina, Wenn cs notwendig sei, müßten auch Krankheitskeime ans dem zionistischen Körper entfernt werden. — Dr. Sch echt man 11 (Revisionist) behandelte außenpolitische Fragen und wandte sich gegen den French- Bericht. Er kündigte eine Resolution bezüglich Transjordaniens an. — Rabbi Brodt (Misrachi) kritisierte den Weg des Zionismus auf religiösem Gebiete. Bei vielen zionistisehen institutionell fehle die Achtung vor den ’ jüdischen Gesetzen. Der MRr.icni stehe vor der Frage, ob seine Mitarbeit weiter möglich ist. — Dr. Nahmn (ioldmami (Radikaler) betont die Notwendigkeit politischer Arbeit und wandte sich gegen die Taktik Englands. Die jüdischen Massen müßten für Palästina organisiert werden. ln der Sitzung vorn 23. August hielt Präsident So ko low die Gedenkrede für die Toten der letzten zwei Jahre, — Morris Rothenberg (Allgemeiner Zionist, Amerika) verlangte eine stärkere Öeftmmg der Tore Palästinas für die deutschen Juden und die Juden des Ostens. Zur Lösung des Problems sei internationale Mitarbeit notwendig. Die Weit, die die Judenfrage aufgeworfen hat, muß sie lösen. — Präsident M o t z k i n begrüßte hierauf den Direktor der Mandats- Sektion des Völkerbundes C a t a s t i ת i, worauf dieser eine Begrüßungsansprache hielt und dem Kongreß die besten Wunsche mit auf den Weg gab. — Dr. Wein schal (Revisionist) behandelte Fragen wirtschaftlicher Natur und der innerzionistischen Situation, — Mosche Schapira (Hapoel Hamisrachi) begrüßte es, daß Ben Gurion von der Schaffung einer friedlichen Atmosphäre gegenüber dein religiösen Judentum gesprochen habe. — Supraski (Allgemeiner Zionist) stellte fest, daß in den nächsten fünf Jahren der Jischuw auf eine halbe Million Juden gebracht werden könne, Die Frage der Einwanderungsgesetzgebung müsse an die Spitze der zionistischen Politik gestellt werden. —- E. Kaplan (Arbeiterpartes) befaßte sich mit der Frage des Wahlrechts in Palästina und mit den verschiedenen in Palästina bestehenden Arbeitergruppen, Joachim Neiger (Allg, Zionist, Westgalizien) betonte am 29. 8. die Bedeutung der Allgemeinen Zionisten für den Aufbau Palästinas. — Dr. Mayer Ebner befaßte sich mit der wirtschaftlichcn Not des Judentums. Dr. Waldmann (Radikaler) wies auf die Bedeutung der jüdischen Minderheitenrechte hin. — Gottheit (Arbeiterpartei) forderte eine Erweiterung der chaluzischen Einwanderung. — Bogratschoff (Allgemeiner Zionist) behandelte Schul- und Erziehungsträger! und forderte eine einheitliche Kontrolle der Erziehungsarbeit durch die Zionistische Organisation. — Dr. Stephen wise (Allgemeiner Zionist, Amerika) wies auf die Verdienste der Exekutive auf politischem Gebiet hin. Er verlangte, daß der Kongreß die Exekutive unterstütze. —- Remez (Arbeiterpartei) befaßte sich mit dem Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Palästina. — Eh־. Hoff mann (Revisionist) verlangte eine Reform des Kongresses. —־ Dr. Finkeistein (Allgemeiner Zionist, Wien) betonte, daß die Allgemeinen Zionisten in der Arbeiterschaft das hfic&sS« Symbol des JiasjbHW gehen. — Ober« ingenfaur Sir ix k er (demokr. Revisionist) bemängelte, daß Palästina nicht unter der Kontrolle der Zionistischen Onranisation aufgebaut werde. — Barnett Jauner (Allgemeiner Zionist) beklagte sich über den Mangel an Disziplin bei der politischen Arbeit. — Schmuei Ussi schkin (Allgemeiner Zionist, Palästina) beschäftigte sich mft den Oefahren der inneren Spannungen im Jischuw. — Morris Myer (Allgemeiner Zionist) verlangte die Führung Cliaim Weizmanns. — Dr. Grünbaum (Allgemeiner Zionist, Wien) forderte eine Refoiun des Kongreß- Wahlrechtes. — L e v I n s o h n (Arbeiterpartei) wünscht die Schaffung von Territorialverbänden. — Abraham (Allgemeiner Zionist, Südafrika) wendet sich gegen das Parteien- System im Zionismus. — Bernstein (Allgemeiner Zionist, Holland) wünscht eine Verstärkung der Zionistischen Organisation. — Berger (Allgemeiner Zionist, Bessarabien) betont das Primat der zionistischen Disziplin. — Berl Kazneison (Arbeiterpartei) bezeichnet die Arbeiterschaft als die realepolitische Kraft des Zionismus und polemisiert gegen die Revisionisten. — Oiuska (Jemenite) fordert eine erhöhte Ein- Wanderungsmöglichkeit für die Jemeniten. — Avisar (Sepharde) beschäftigt sich mit der Lage der sephardischen Juden. — Fi sh man (Allgemeiner, Zionist, Amerika) wendet sich gegen Stephen Wise. — Torczyner (Allgemeiner Zionist, Belgien) beschäftigt sich mit der Frage der künftigen Exekuflve. .— Melzer (Arbeiterpartei) wünscht eine Organisationsreform. _ Die Beratungen der poiitischeu Kommission In der politischen Kommission erstattete Prof. S. Bro - d e t s k y einen Bericht, in dem er sich scharf gegen die politischen Sonderaktionen der Revisionisten wandte und erklärte, die Tätigkeit der Revisionisten wirke sich auf die zionistische Politik äußerst schädlich aus. Bezüglich zu erwartender politischer Zugeständnisse an die zionistischen Fordeningen seitens Englands äußerte sich Brodetsky wenig optimistisch. Die Ausführungen Brodetskys wurden durch einen Bericht Emanuei Neumans ergänzt, der sich insbesondere mit der transjordanischen Frage befaßte. Die Revisionisten nnd der Arlosoroff-Mord Prag, 28. August. (J. T, A.) Die vom Aktions-Comitd zur Untersuchung der von der Arbeiterpartei gegen die Revisionisten erhobenen Beschuldigungen eingesetzte Kommission stellt in ihrem dem Aktions-Comitd unterbreiteten Bericht, in dem der Vorschlag auf Entsendung einer Untersuchungskommission nach Palästina gemacht wird, fest, daß ein Beweis dafür, daß zwischen gewissen revisionistischen Gruppen in Palästina und der revisionistischen Weltcxekutive ein Zusammenhang besteht, nicht erbracht worden ist. Das Aktions-Comite befaßt sich gegenwärtig mit der Frage, ob die vorgeschlagene Untersucliungskomniission, die nach Palästina entsandt werden soll, vom Aktions-Comitd oder vom Kongreß selbst zu wählen sei. Jerusalem, 28. August, (J.T.A.) Das Zentralkomitee der revisionistischen Organisation Palästinas veröffentlicht im Zusammenhang mit den Aussagen im Zeugenverhör bei der Untersuchung des Mordfalles Arlosoroff eine Erklärung, in der es heißt: 1. In Peiach Tikwah wurde niemals eine Sitzung des revisiohistischen Rates abgehalten. , , 2. ln keiner Sitzung des revisionistischen Rates und aut keinem revisionistischen Meeting wurden jemals Terror* akte erörtert. 3. Achi Mcirs Notizen, die sich auf die Ermordung Dr. Arlosoroffs beziehen und die für die Polizei die Haupt- Unterlage für die Erhebung der Anklage gegen ihn bildeten, steilen nichts anderes dar als die Aufzeichnung zahlreicher Gerüchte, die datrfals in Palästina im Umlauf waren und die er in einem Artikel in der revisionistischen Zeitung ,,Chasith Haam“ verwerten wollte. Der Sekretär der revisionistischen Arbeiterorganisation Palästinas, Gurion, und das Mitglied des Zentralkomitees der palästinensischen Revisionisten Großmanscher Richtung, Herr G uz man, wurden von der Polizei je acht Stunden lang unter Eid vernommen. Beide haben ausgesagt, daß sie 14 Tage nach der Ermordung Arlosoroffs mit Achi Meir zussmmen waren, als dieser verschiedene im Volke verbreitete Gerüchte, die sich auf den Mord bezogert־ aufzeichnete. Eine dieser Aufzeichnungen betraf den angeblichen Beschluß des revisionistischen Rates in Petach Tikwah. Achi Meir habe diese Nachricht als Beispiel für eines der phantastischsten Gerüchte über diese Sache aufgezeichnet. Die Großmuts-Gruppe gibt die Bezeichnung ״Revisionisten“ anl P r a g, 28. August. (J.T.A.) Der Flügel der Revisionisten, der weiterhin die von Jabotinsky abgesetzte Exekutive der Weltunion stützt lind sich bisher als ״d e m o kr a t is c h e Revisionisten“ bezeichnte, hat beschlossen, aut die Be- Zeichnung ״Revisionisten“ in Zukunft zu verzichten. Die Anhänger der Großman-Richtung wollen sich in Zukunft ״Judenstaatszionisten‘‘ nennen. Makkabi <׳ Kampfspiele in Prag Unter Beteiligung von 14 Landeskreisen des Makkabi-Weitverbandes fanden vom 24. bis 27. August die Makkabi-Kampfspiele in Prag statt. Die besten Sportler aus der Galuth sowie 80 Aktive aus dem Makkabi Erez Israel nahmen unter außerordentlicher Anteilnahme der Prager Bevölkerung und vieler Gäste des Zionistenkongresses an den Veranstaltungen teil. Der Deutsche Makkabikreis war nicht vertreten. Die Leistungen in allen Sportdisziplinen standen auf hoher Stufe, obwohl die Ergebnisse in der Leichtathletik durch die ungünstige Witterung beeinflußt wurden. Ganz ausgezeichnet schlug sich der Makkabi Erez Israel, der gegen die besten Makkabim der Galuth Erfolge erzielte, in der Leichtathletik taten sich der zum ersten Male teilnehmende englische Makkabikreis und ganz besonders der österreichische Makkabi hervor. Die Tenniswett kämpfe brachten im Finale des Einzelturniers die mit großer Spannung erwartete Begegnung zwischen dem zurzeit besten jüdischen Tennisspieler der Welt, dem früheren deutschen Meister Daniel Prenn (England) und Hecht (C.S. R.). In Anwesenheit von prominenten Vertretern der englischen Gesellschaft Prags und der C. S. R., im überfüllten Tennisstadion auf der Hetzinsel, schlug Prenn Hecht einwandfrei in 3 Sätzen. Prenn, der am Vortage nicht weniger als 6 Spiele absolvieren mußte, machte anfangs einen ermüdeten Eindruck. Dank seines zweckmäßigen Spiels und seiner größeren Routine konnte Hecht in den ersten 2 Sätzen trotz schönem Spiels nicht aufkommen. Im dritten Satz holte Hecht durch ausgezeichnetes Netzspiel bis auf 4 :4 auf, seine gefähr* liehe Rückhand wurde schließlich von Prenn ausplariert, so daß Prenn 6 : 2, 6 :3, 6 :4 siegte. Im Länderkampf brachte das ,Tennisfinale die Begegnung von England und C. S, R. Da Klein (C.S.R.) gegen ,Witt (England), gesiegt hatte*, stand das Spiel durch den Sieg von Prenn über Hecht 111. Das glänzend eingeapielte Doppel Hecht-Klein siegte glatt mit 6:1, 6 :4, 6 :4 gegen das englische Team Prenn-Witt. Prenn hatte In Witt einen zu schwachen Partner, um gegen die tschechoslowakisehen Spieler eine Chance zu haben. Die Schwimm wettkämpfe brachten recht gute Ergebnisse; in fast allen Konkurrenzen dominierten die Makkabim der C. S. R. Den Höhepunkt der Makkabi-Kampfsplele bildete der Schlußtag am Sonntag, dem 27. August, im Letna-Stadlon waren mehr als 10 000 Zuschauer versammelt, um eine wuchtige Demonstration der Makkabi-Bewcgung zu erleben. Unter den Anwesenden bemerkte man neben diplomatischen Vertrefern der teilnehmenden Länder, den Präsidenten der zionistisehen Weltorganisation, Nahum Sokolow, sowie den Vorsitzenden des Aktions-Comitds Leo Motzkin und zahlreiche Delegierte des Zionistenkongresses. Neben Endkämpfen in der Leichtathletik fanden die musterhaft gezeigten Massenfreiübungen der C.S. R. großen Beifall, ebenso die verschiedenen Sondervorführungen von Jugoslawien, Rumänien und Polen. Musterriegen an verschiedenen Geräten fanden den ungeteilten Beifall der Zuschauer; ganz besonders imponierte der ungarische Turner Sarkany durch Spitzenleistungen am Reck und Barren. Ein überwältigendes Bild bot der Aufmarsch der nach Hunderten zählenden Teilnehmer vor der Ehrentribüne. Nahum Sokolow richtete an die Teilnehmer den Appell, die zionistische Arbeit durch den Sport in unverminderter Stärke fortzusetzen und für die Renaissance des jüdischen Volkes zu arbeiten. Lord M e I e h « 11 und Lady E r 1e i g h überreichten den Siegern der Makkabi-Kampfspiele die Diplome. Lord Melchett schloß die in jeder Beziehung harmonisch verlaufene Veranstaltung mit einer Ansprache. Der Makkabi-Weltverband hat die physische Erziehung des jüdischen Volkes auf seine Fahne geschrieben und wird das Werk unbeirrt fortsetzen. Die vom Makkabikreis der C. S. R. in vorbildlicher Weise vorbereitete und durchgeführte Veranstaltung der Makkabikatnpispiele in Prag bedeutet einen Markstein in der Entwicklung des Weltmakkabi und wird neuen Auftrieb für die zukünftige Arbeit der zionistischen Sportbewegung in der Welt geben. Der Makkabl-Kongreß wurde am 27. August abends im großen Saal der Prager Produktenbörse eröffnet. Nach einer Begrüßungsansprache des Vertreters des tschechoslowakischen Ministeriums für Volksgesundheit, Sektionschef B u r e s c h, ergriff der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, das Wort zu einer Begrtißungsrede. Der Makkabl-Kongreß erhob sich und brachte Sokolow eine langdauernde Ovation dar, Es folgten Ansprachen des Vorsitzenden des tschechoslowakischen Makkabikrcises, A. Herzog, von Vertretern der nationalen jüdischen Fonds, der zionistischen und der jüdischen Parteien. Der Präsident des Board of Deputies, Neville L a s k i, versicherte, er werde seine Kräfte für den Ausbau und die Stärkung des englischen Makkabi einsetzen. Lord Melchett and die deotsche Jodenfrage Lord Melchett hatte, wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 30. 8. meldet, bei einem Presseempfang Ausführungen gemacht, aus denen der Berichterstatter eines Prager Blattes eine Aufforderung zum Boykott deutscher Waren herauslesen zu können glaubte. Lord Melchett erklärt demgegenüber, daß dies keineswegs den Tatsachen entspreche. Die d eqt- »eh e Juden frage, so sagt er in einer;Erklärung, die er nunmehr der Presse zugehen läßt, erfordere eine kon• struktive Lösung, die unter Mitwirkung der deutschen Regierung erfolgen müsse, ״nämlich eine geordnete Aus- Wanderung der jüdischen Jugend nach Palästina“. ״Ich appelliere an die deutsche Regierung, uns das nötige Maß von Gerechtigkeit und Hilfe zuteil werden zu lassen, damit wir mit ihrer Hilfe eine Zukunft für die kommende Generation der deutschen Juden finden.“ Lord Melchett schließt mit der Erklärung, es sei absurd zu behaupten, daß er, der eine so lange und intime Verknüpfung mit Deutschland habe, ein Feind des deutschen Volkes sei. Lord Melchett hatte vor seiner Abreise noch eine Unterredung mit Außenminister Dr. Benesch. Darin dürfte in erster Linie die Frage der Umsiedlung deutscher Juden nach Palästina zur Sprache gekommen sein. Es scheint, daß Lord Melchett Wert darauf gelegt hat, mit Dr. Benesch über die Möglichkeiten einer Völkerbundsanleihe für diesen Zweck zu sprechen. Prot Theodor Lessing erschossen In Marienbad ist Prof. Theodor Lessing erschossen worden. Theodor Lessing war nach dem Siege der nationalen Revolution in Deutschland ins Ausland gegangen; seine Persönlichkeit war politisch stark umstritten. In jungen Jahren hatte sich Lessing taufen lassen, ist jedoch später zum Judentum zurückgekehrt und bekannte sich zu einem Zionismus, der freilich von ihm selbst eigenartig konstruiert und mit sozialistischen Elementen vermischt war. Sein Buch ״Jüdischer Sefbsthaß“ ist ein wesentlieber Beitrag zum Problem der persönlichen Judennot. Allerdings vertrat Lessing auch aut diesem Gebiet den Standpunkt eines Außenseiters, was ,wohl darauf zurückzuführen ist, daß ihm bei aller Originalität seines Geistes die Fälligkeit zur Einordnung in größere Zusammenhänge fehlte. Wissenschaftlich wurde er besonders durch sein Werk ״Untergang der Erde am Geist“, sowie durch seine ״Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“ bekannt. Seit 1926 hatte Lessing seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Hannover eingestellt, nachdem die Studentenschaft gegen ihn demonstriert hatte. Er erreichte ein Alter von 61 Jahren. Theodor Leasings Tod ist der Abschluß einer persönlichen Tragödie, die aus der besonderen Lage des jüdischen Intellektuellen zu erklären ist. IodastrlegelSiide aal KKL-BSden an der Haifa-Bay Der Keren Kajcmeth Lejisrael besitzt im Industrie-Rayon der Haifa-Bay einige Tausend Dunam Boden, auf denen Platze für die Errichtung industrieller Betriebe zu haben sind. Die Größe eines Platzes entspricht dem Bedürfnis des betreffenden industriellen Unternehmens. Die Plätze werden für 49 Jahre in Pacht gegeben jnit dem Recht der Erneuerung de• Pachtvertrages auf weitere 49 Jahre. Die Pachtsumme beträgt jährlich 40/0 vom Bodenpreis, Der Bodenpreis ist verschieden, je nachdem, wie nah oder weit der Platz von Haifa gelegen ist. Als Durchschnittsbodenprels kann tnan mit ungefahr £P 60—60 pro Dunam rechnen. Alle 10 Jahre wird eine nette Schätzung des Preises vorgenommen. Die übrigen wesentlichsten Bedingungen sind: jüdische Arbeit und ver• bot der Arbeit in den getrieben am Sabbat und an jüdischen E.ciert*gen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.