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Jüdische Rundschau · 1933-08-29 · Heft 68 (29.8.1933) · p. Seite 465

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 68 (29.8.1933)
Date
1933-08-29
Page
Seite 465 (sequence 5)
Language
German
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1933 modische Rundschau Seite 467 ׳✓ Nr. 68, 29 YKI. 1933! relii dieser »er ver- Deutsch• esc Ent• 1ier init zionistist recht atea für genannte isse und die jüdiungin se dar, sine rein! anderer :erlogene -age der arordent- Deutsch- Schlichen bland ist ndschaft• feges ru Wir kon- ' Staaten e Volks• des zio• 1 seinem aber eine : it der er voller Seife jüdischen Jer Resomeinen ich gegen mg wäre 1I1e be n. em Kon- 1ns einer Trotzdem den Vorine ״reli- 1 ist auch genügend and nicht iassenstehen in Sokolow t, so ver- :itartikels, rung, die 3 Verla ui auch die ol e vorn In dem greß ein! rnung gegegen die :antragt e- 'eise zum Als diese erließ der aal, holte t (!) au! ngem ge• urde von und die parlamentenführers egner ben wurden!echisclien;ortsetzt eti henmenge!in Lieberrufen, die die Kühe 1933. der dcut- 1g nacht! rlauf des zu einet des Kon• ־ stärker, eherrschi. i e batte ht in der Generaloso i und Kon ter* e an r für Un iißten 1, die Beginn der Generaldebatte Am Freitag, dem 25. August, wurde die Generaldebatte durch den palästinensischen Arbeiterführer Ben Gnrion eröffnet Ben Gurfon befaßte sich mit der Rolle der Chaiuzfm als Träger des Aufbauwerks und der Einwanderung von Arbeiterpionieren, ferner mit den Beziehungen zwischen Juden und Arabern, dem Verhältnis zwischen Arbeitern und Kapital und dem Standpunkt der Arbeiterschaft zu religiösen Problemen. Gegenüber den von gewissen zionistischen Gruppen immer wieder gegen die palästinensische Arbeiterschaft erhobenen Vorwürfen erklärte Ben Gurion mit Nachdruck, die Arbeiterschaft stehe auf dem Standpunkt, daß Angehörige aller Volksschichten in Palästina willkommen sein müssen. Allerdings müßten die Chaluzim bei der Einwanderung in erster Reihe berücksichtigt werden, denn sie stellten das für die Aufbauarbeit geeignetste Menschenmaterial. Zur Besprechung der Ar ab erfrage übergehend, erklärte Ben Gurion, es wäre falsch, bei der Behandlung dieser Frage ausschließlich die in Palästina ansässigen Araber in Betracht zu ziehen. Man müsse auch mit den 15—16 Millionen Arabern rechnen, die in den Ländern des Mittelmeerbeckens wohnen. Elfte Lösung des ganzen Fragenkomplexes werde durch verstärkte jüdische Einwanderung nach Palästina und Stärkung des Jischuw herbeigeführt werden. Daneben müsse man unausgesetzt versuchen, unter Anwendung aufrichtiger Methoden einen direkten Kontakt mit den Arabern herzustellen. Man müsse sich von der Vorstellung freimachen, als ob die Berührung mit den Arabern eine bloß vorübergehende Erscheinung sei. Es handle sich hier um eine endgültig im Lande ansässige Bevölkerung, um ständige Nachbarn, mit denen man Verständigung suchen und Kooperation! anstreben müsse. Was die Stellungnahme der Histadruth zu religiösen Fragen anbelange, so vertrete sie den Grundsatz der Achtung vor jeder persönlichen religiösen Ueberzeugung. Dr. Schwarzbart Hellte im Namen der Allgemeinen Zionisten fest, daß diese heute im Vergleich zu anderen Fraktionen sehr geschlossen auftreten. Sie anerkennen die Tätigkeit der abtretenden Exekutive, die den besten Willen gezeigt und große Anstrengungen gemacht habe, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Als Voraussetzung für ersprießliche weitere Tätigkeit fordern die Allgemeinen Zionisten Einigkeit innerhalb der Zionistisehen Organisation. Sie begrüßen daher den Mut, mit dem sich die Exekutive entschlossen habe, gegen Störer dieser Einheit aufzutreten. Es müsse unterstrichen werden, daß gerade jene Fraktion, die sich, als Erbin des Herzischen Vennächtnisses befrachtet, in bezug auf die Einheit der Zionistischen Organisation zerstörend wirkt. Wenn man an der Exekutive Kritik übe, so müsse man auch erwägen, ob andere Exekutiven über die Schwierigkeiten, die sien der abtretenden Exekutive entgegenstellten, hätten siegen können. Der Redner glaubt, daß dies kaum der Fall sei. Keinesfalb aber sei es angängig, daß außerhalb der Organisation Stehende die Leistungen der Exekutive kritisieren. Was die Frage der J e - wish Agency anbelange, so bestehe kein Grund, das Abkommen mit den Nichtzionisten, das auf dem Fifty-Fifty- Prinzip aufgebaut Ist, formell zu kündigen. Man müsse den Nichtzionisten klarmachen, daß die Zionisten, die für den Aufbau weit mehr an Arbeit, Geldmitteln und Menschen beistellen, Anspruch auf einen größeren Anteil an der Leitung hätten. Die Notwendigkeit, eine starke Mitte in der Organ*- sation zu bilden, habe sich bereits bei der Konstituierung des Kongreßpräsidiums gezeigt. Die Stärkung der Mrttelgruppe sei die Voraussetzung für die Entgiftung der politischen Atmosphäre innerhalb der Organisation. Als Präsident Motzkin den Redner der revisionistisehen Fraktion aufrief, blieb es auf den Bänken der Revisionisten vollkommen still. Die Fraktion nominierte keinen Redner und gab auch keine Erklärung über ihren Wortverzicht ab. Präsident Motzkin machte die Revisionisten darauf aufmerksam, daß sie dadurch, daß sie In diesem Augenblick keinen Redner stellen, den Anspruch auf die ihnen als drittstärkster Fraktion zustehende Redezeit verlören. Sie würden wohl später noch Gelegenheit haben, in die Generaldebatte einzugreifen. jedoch bloß unter den kleinerem Fraktionen, denen nur die halbe Redezeit zusteht Als letzter Redner in dieser Sitzung sprach Rabbi Mehr Berlin namens des MTsrach!- Er erklärte, die zionistische Politik sei in der letzten Kongreßperiode allzu schwächlich geführt worden. Auf die politischen Schläge der letzten Zeit habe die zionistische Front nicht mit der entsprechenden Schärfe reagiert Die Verhältnisse im Zionismus seien in London und Jerusalem wohlbekannt und deshalb nehme man aut Proteststimmungen im Zionismus keine Rücksicht, beachte zionistische Forderungen nicht und noch weniger fürchte man sie. Rabbi Berlin verlangte, daß ganze zionistisehe Staatspolitik gemacht werde. Er protestierte weiter gegen die Nichterfüllung der Forderungen des Misrachl aut religiösem Gebiet und beklagte es besonders, daß die Exekutive einmal den Abschluß eines Vertrages zugelassen habe, obwohl die Erfüllung des Vertrages Sabbathentweihung durch die beschäftigten Arbeiter erforderte. Man hätte einen solchen Vertrag nicht abschließen dürfen, selbst wenn dann der Auftrag, wie befürchtet worden war, für die jüdische Arbeit verloren gegangen wäre. An die Arbeiterschaft, deren große Opfer im Dienste des Aufbauwerkes Rabbi Berlin anerkannte und lobte, richtete er den Appell, die Gefühle der religiösen Kreise Palästinas zu achten. Er führte weiter Klage gegen die Zurücksetzung der Misrachisten bei der Alijah. Selbst der Hapoel Hamisr a c h i poche in den Alijah-Büros an verschlossene Türen. An die Arbeiterpartei richtete Rabbi Berlin die Bitte, Selbst- Beschränkung zu üben. Wehe uns allen, rief Rabbi Berlin, wenn wir den Kongreß nicht einig verlassen, sondern in einem Augenblick, da es gilt, Gegensätze zu überwinden und sich über einen engherzigen Parteistandpunkt zu erheben, nicht an das jüdische Volk außerhalb des Kongreßraumes denken, sondern uns weiterhin als Mehrheit und Minderheit gegenüberstehen. Für alle müsse der zionistische Primat gelten: jüdische Religion, jüdisches Volkstum, zionistischer Staatsgedanke, das ganze Volk — nicht aber eine einzelne Partei. In der Nachmittagssitzung sprach Jixchak GxÜnbaum ira Namen der Radikalen. Er behandelte zunächst das Verhältnis zu England und setzte sich mit der Frage der angeblich verdrängten Araber auseinander. Die Quote für die Alijah müsse entscheidend erhöht werden, da ein organisierter Exodus aus einer Reihe von Ländern notwendig sei. Der Druck sei auch in Osteuropa ungeheuer. Alle Teile des Volkes drängen nach Erez IsraeL Palästina könne nur durch Arbeit wirklich für uns erobert werden. Die Verwirklichung des Zionismus ist unmöglich ohne Aenderung der Struktur des jüdischen Volkes. Der Zionismus darf aber auch über die immer mehr verarmenden bürgerlichen jüdischen Massen nicht zur Tagesordnung übergehen. Mit Resolutionen aller• dings kann man diesen Menschen nicht helfen. Ei gibt unter uns Menschen, welche jede äußere Frage in eine innere verwandeln wollen. Diese stärken uns nicht, sondern sie demoralisieren uns. Als letzter Redner sprach Mefr Grotstnann für die Demokratischen Revisionisten. Er betonte, daß für seine Fraktion die Beschlüsse von Calais nicht mehr existieren. Es gebe für jeden Zionisten nur einen Platz, und das ist die Zionistische Organisation, Die politische Lage ln Palästina sei schlecht. Die Antwort auf das judenproblem sei der Judenstaat. Allen Juden müsse die Möglichkeit der Einwanderung nach Erez Israel gegeben werden. Der Jewish Agency- Kontra kt sei zu kündigen und eine neue Instanz für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten zu schaffen. laflacr Mordontersachnng und Kongreß Die Nachrichten über den Fortgang der Vernehmungen ln der Untersuchung wegen der Ermordung Dr. Arlosoroffs wurden am Sonnabend, dem 26. August, auf dem Prager Kongreß bekannt und lösten in der Nachtsitzupg vom Sonnabend zum Sonntag, die bia 2 Uhr morgens dauerte, außerordentliche Spannung aus. Der Arbeiterführer Bert Katzen ־ eison hatte eine offenbar mit den Enthüllungen vor dem Jaffaer Gericht in Zusammenhang stehende Erklärung zur Verlesung eingereicht. Präsident Motzkin unterbrach die Sitzung ,und ordnete eine Beratung des Präsidiums an, das darüber entscheiden soll, ob die Erklärung Katzenclsons zuzulassen ist. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilte Motzkin dem Kongreß mit, das Präsidium habe beschlossen, seine Entscheidung über die Zulassung der Erklärung Katzenelsons bis zum Sonntag-Abend zu verschieben, und werde in der Zwischenzeit auf telegraphischem und telephonischem Wege authentisches Material über den Stand der Untersuchung fm Mordfalie Arlosoroff aus Palästina einfordern. Bis dahin werde keine Plenarsitzung des Kongresses einbertifen werden. Dagegen werden der Permanenzausschuß und die Kommissionen konstituiert und am Sonntag-Mittag eine wichtige Sonder- Sitzung des Präsidiums abhalten. * Prag, den 28. August, mittags (telephon.) Infolge der großen Erregung, die durch die Nachrichten aus Palästina über den auf der dortigen revisionistischen Gruppe lastenden Verdacht der Mitschuld an der Ermordung Arlosoroffs hier herrscht, konnten am Sonntag keine Plenarsitzungen des Kongresses stattfinden. Nur das Aktions-Comitee hielt mehrere Sitzungen ab. Die Nachtsitzung des A. C. vom Sonntag auf Montag soll sehr stürmisch verlaufen sein, brachte jedoch keine endgültige Kläning der Angelegenheit. Es verlautet, daß der Kongreß eine eigene Untersuchungskommission zur Prüfung der Mitschuld der Revision!- sten nach Palästina entsenden wird, und daß die Exekutive vom Kongreß die Vollmacht erhalten wird, je nach dem Ergebnis dieser Untersuchung dann von sich aus alles weitere zu veranlassen. Am Montag Vormittag wurde wieder eine Pienarsitzung des Kongresses abgelialten. Präsident Sokolow hielt in hebräischer Sprache die Gedenkrede auf die seit dem letzten Kongreß dahingeschiedenen Toten der Bewegung. Im Anschluß daran wurde die Generaldebatte fortgesetzt, wobei insbesondere die Rede des Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rottenberg, hervorzuheben ist, der Vorschläge für die Finanzierung der Ansiedlung deutscher Juden ln Palästina machte. Im Laufe der Vormittagssitzung ergriff auch der beim Kongreß anwesende Direktor der Mandatskommission des Völkerbundes Catastini das Wort, um im Namen des Völkerbunds-Sekrefariats dem Kongreß die Sympathie für die zionistische Bewegung auszusprechen. Von den Veranstaltungen, die rings um den Kongreß stattfinden, sind besonders hervorzuheben die M ak k abi-Kampf sp iei e, die am Sonntag Nachmittag bei herrlichem Wetter im Prager Stadion unter großer Beteiligung des Publikums stattfanden. Ehrung Ussisdikms In der Abendsitzung vom 23. 8. war Ussischkin, wie wir bereits kurz meldeten, Gegenstand lebhafter Ovationen anläßlich seines 70. Geburtstages. Nachdem Ussischkin in dieser Sitzung sein Referat über: ״Die Aufgaben des Keren Kajemeth“ gehalten hatte, sprach der Kongreß- Präsident Leo Motzkin die Glückwünsche des Kongresses aus, dann legte der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, dar, wie innig Ussischkin mit der zionistisehen Bewegung verwachsen ist, in deren Geschichte er seinen Namen mit unvergänglichen Lettern eingegraben hat. Nachdem Dr. Mossinson, Rabbi Meir Berlin, im Namen der palästinensischen Arbeiter Uri Zaslavski, sodann Stephen Wise dem Jubilar feierliche und freudige Glückwünsche dargebracht hatten, nahm der Kongreß mit nicht enden wollenden Akklamationen folgende Resolution an: I. Der XVIII, Zionistenkongreß beglückwünscht Menachem Ussischkin zu seinem 70. Geburtstag. II. In Würdigung der unvergänglichen Verdienste, die der Jubilar sich in einer mehr als 5üjährlgen, ununterbrochenen Arbeit für Volk, Land und Sprache erworben hat, beschließt der Kongreß, eine Siedlung auf den Namen Menadiem Ussischkin zu gründen. IH. Der Kongreß erwartet, daß alle Teile der zionistisehen Weltorganisation es als eine Ehrenpflicht betrachten werden, die notwendigen Mittel für die Erwerbung des Bodens so rasch wie nur möglich aufzubringen. IV. Eine, der Bedeutung des Anlasses würdige Aktion soll unmittelbar nach dem Kongreß in allen Ländern einsetzen. V. Der Kongreß gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß das ganze, an dem Aufbau Palästinas beteiligte Judentum dem hervorragenden Repräsentanten des jüdischen Renaissance-Gedankens den Tribut seiner Verehrung und Dankbarkeit durch die Errichtung dieser Siedlung zollen ■wird. Die Vorgänge bei der Präsidentenwahl Ueber die Vorgänge, die der Präsidentenwahl des Kongresses vorausgingen, schreibt unser Prager F. W.-.Mit• arbeiten Der XVHL Zionfstenkongreß hafte einen schweren Anfang. Die Stockungen, Hemmungen und Reibungen, welche sonst am Ende des Kongresses einzutreten pflegten, wenn es sich um die Wahl der Exekutive handelt, gab es bereits zu Beginn des Kongresses, als das Präsidium gewählt werden sollte. Das war die Folge der gespannten inneren Situation, die der Mord an Arlosoroff und alles, was zu dessen Aufklärung bekanntgeworden ist, hervorgerufen haben. Der grauenvolle Verdacht, daß Arlosoroff von einem Revisionisten erschossen worden ist, ja, daß geradezu ein Komplott bestanden habe, suchte nach einer parlamentarischen Entladüng und fand sie gleich zu Anfang in der Weigerung der linken Parteien, im Präsidium mit revisionistischen Vertretern, zu sitzen, solange die bei Gericht schwebende Angelegenheit der Ermordung Arlosoroffs und des Anteils der revisionistisehen Propaganda an diesem Verbrechen nicht klargestellt ist. Tagelang verhandelte man im Aktionskomitee über dieses Problem und kam schließlich zu dem Resultat, die Entscheidüng in offener Feldschlacht, will sagen im Plenum des Konresses zu suchen. Und nun begann, nachdem während der eit dieser Verhandlungen ohne gewähltes Präsidium unter dem Vorsitze Sokolows eine Reihe von Referaten abgehalten worden war, ein parlamentarisches Schachspiel. Das Zentrum hatte folgenden Ausweg gefunden: Es beantragte, daß alle Parteien das Recht haben sollten, ihre Kandidaten zu nominieren, wobei kraft der Stimmenverteilung mit großer Wahrscheinlichkeit die Kandidaten der Revisionisten durchgefalkn ■waren. Dieser geschickte t Antrag des klugen Zentrums, bei welchem die Demokratie gewahrt vorden wäre, und die Revisionisten doch nicht gewählt worden wären, wurde durchkreuzt durch einen Schachzug der noch klügeren Misrachi, die den Revisionisten zu Hilfe sprangen. Die Misrachi beantragten nämlich die prinzipielle Abstimmung darüber, daß in traditioneller und demokratischer Weise alle Parteien im Präsidium vertreten sein sollten. Dieser Antrag rollte die K a וזו p.f s t e 11 u ח g der Linken auf, zwang sie dazu,, zu erklären, daß sie mit einer Partei, auf der offiziell eine so schwere Beschuldigung laste, nicht zusammen im Präsidium sitzen könne und brachte überdies das Zentrum in die schwierige Situation, für oder gegen einen dernokratischen Grundsatz stimmen zu müssen. Die Linken beantworteten diesen Schachzug der Misrachi mit dem Antrag aut U ebergang zur Tagesordnung, auf welchen wiederum die Revisionisten mit einem Antrag auf namentliehe Abstimmung antworteten, den sie, obwohl es sich um einen formal nur formalen Antrag handelte, bei Sokolow durchsetzten. Damit war die Karripftiatur geklärt. Obwohl das Zentrum fast geschlossen auf Grund eines Fraktionsbe- Schlusses gegen den Uebergang zur Tagesordnung stimmte, blieb die Linke, infolge der Verstärkung durch die radikale Grünbaum-Qruppe, mit zwei Stimmen (151:149) in der ALajorifät. Der Antrag war gefallen. Hierauf wurde das Präsidium gewählt, in welchem weder Revisionisten noch die Misrachi vertreten sind. So endete dieser erste Kampf mit einem knappen Sieg der Linken. Die Atmosphäre war damit einigermaßen gereinigt und der Kongreß konnte unter einem Präsidium, dem freilich Misrachi und Revisionisten ihr Vertrauen verweigerten, seine Verhandlungen fortsetzen. Die Makkabi-Kampfspiele in Prag Prag, 25. August. (J. T. A.) Am 24. August wurden in Prag die Makkabi-Kampfspiele feierlich eröffnet. An dem Einzug in das Belvedere-Stadion beteiligten sich Sportler aus vierzehn Ländern: Palästina, England, Dänemark, Finnland, Frankreich, Danzig, Litauen, Ungarn, Holland, Jugoslawien, Polen, Oesterreich, Rumänien und der Tschechoslowakei. Das größte Aufsehen erregte das Team Englands. Lebhaft akklamlert wurde das palästinensische Team und die rumänische Mannschaff. Die sportlichen Konkurrenzen umfaßten alle Arten der Leichtathletik: Fußball (Rumänien schlug Palästina 6:1), Tennis, Tischtennis, Fechten, Boxen und Schwimmen. Im Boxen gewann Polen fünf Meisterschaften. Der Boxkampf des finnischen Makkahi Gurewitsch gegen Friedmann (Tschechoslowakei) mußte wegen allzu großer Ueberlegenheit des ersteren abgebrochen werden. Am Freitagmorgen begannen die Mehrkämpfe der Turner und Turnerinnen. Die Leichtathletik-, Fußball- und Tenniskonkurrenzen wurden fortgesetzt. Sensatlonsbeririitfrstalbr! Aber den Kongreß Das ,,8-Uhr-Abendblatt“, Berlin, vom 28. 8. berichtet unter der Schlagzeile ״Sensation auf dem Zionisten- Kongreß“ über die Vorgänge, die sich aut dem Kongreß anläßlich der letzten Ergebnisse im Prozeß wegen des Arlosoroff-Mordes abgespielt haben. Wir unterschätzen gewiß nicht die Bedeutung dieser Vorgänge für die weitere innerzionistische Entwicklung, halten jedoch eine derartige aut die Sensationslust des Publikums abgestellte Berichterstattung in jeder Beziehung für unerwünscht. Klarstellung. Der dem Prager Kongreß gewidmete Leitartikel des ״Völkischen Beobachters“ vom 24. August ist von einigen Zeitungen im Auszug wiedergegeben worden, so z. B. von der ״Vossischen Zeitung“ und dem ,,Berliner Börsen- Courier“. In diesen Auszügen heißt es u. a.: ״Rosenberg erörterte dann dfe Forderung, der! Prager Zionisteit-Kongreß zu einer ständig tagenden Boykottzentraie gegen Deutschland zu gestalten, usw.“ — Diese Art der Wiedergabe von Rosenbergs Artikel kann leicht irreführen. Denn leider hat der Bearbeiter, von dem der Auszug gemacht wurde, unterlassen, mitzuteilen, daß Rosenberg in seinem Artikel feststem, daß diese Forderungen nur von der revisionistischen Gruppe, die eine kleine Minderheit auf dem Kongreß bildet, erhoben wird. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn dies auch von den anderen Zeitungen hervorgehoben worden wäre. Eine Aeußerung Dr. Luthers. Wie wir einer T. U.-Meldüng aus New York vom 19. August entnehmen, hat der deutsche Botschafter Dr. Luther nach seinem Eintreffen in New York Pressevertretern eine Unterredung gewährt, ln welcher er einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage in Deutschland gab. Er erwähnte dabei auch das Konkordat und die Verhältnisse in der protestantischen Kirche und fuhr dann fort: ״Die in den Vereinigten Staaten miß verstandene Judenfrage werde auf bestmögliche Weise geregelt werden.“ Diese Aeußerung Dr. Luthers nach seiner Rückkehr aus Deutschland verdient sicherlich großes Interesse. Professor Simon Dtibnow, der lange Zeit in Berlin lebte, ist am 24. August zu dauernder Niederlassung in Riga eingetrolfec.

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