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Jüdische Rundschau · 1933-08-29 · Heft 68 (29.8.1933) · p. Seite 464

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 68 (29.8.1933)
Date
1933-08-29
Page
Seite 464 (sequence 4)
Language
German
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Seite 466 I 0 DI S CH E RUNDSCHAU Nr. 68, 29. Vm. 1933 Bibel das Buch, aus dem bis zum heutigen Tage Milliarden von Menschen Belehrung, Erbauung und Trost in den Nöten des Lebens gefunden haben. In den letzten drei Jahrhundenen englischer Geschichte, welche das Fundament zum heutigen Britischen Weltreich gelegt haben, war die Bibel 03s höchste Wort in Literatur und Gesetzgebung, das nationale Epos Britanniens mit dem Hoch und Niedrig, Klein und Groß vertraut war. Die Staatsmänner, die das britische Weltreich aufgebaut haben und diejenigen, die es heute verwalten, haben eine so eindringende Kenntnis der Bibel, daß sie viele Juden beschämen. Friedrich Nietzsche, auf den unsere Gegner sich so gerne berufen, sagt: ״,Im jüdischen alten Testament, dem Buche der göttlichen Gerechtigkeit gibt es Menschen, Dinge und Reden in einem so großen Stil, daß das griechische und indische Schrifttum ihm nichts zur Seite 7.u stellen hat.“ Ohne das Judentum wäre weder das Christenturn, noch der Islam möglich gewesen. Daß aber Christentum und Islam für das Schicksal der Menschheit in den fetzten zwei Jahrtausenden größere Bedeutung■ haben als irgendeine sonstige geistige Bewegung oder als irgendwelche technische oder materielle Errungenschaften, bedarf keiner weiteren Darltgung. Es gibt Stimmen, welche den gewaltigen Einfluß des Judentums aut die Weitgeschichte, sei es direkt, sei es durch Christentum und Islam, anerkennen, aber in diesem Einfluß den Krebsschaden der Kulturentwicklung sehen. Das Judentum und das auf ihm auf gebaute Christentum wird beschuldigt, die Entwicklung der Weltkiilhir im hellenistischen _ Sinn zerschlagen und dadurch unermeßlichen Schaden angerichtet zu haben. Mit diesen Gegnern des Judentums zu streiten, ist deshalb nutzlos, weil es über alle Vor- Stellungskraft hinausgeht, zu sagen, ־wie die Weit heute aussehen würde, wenn der Hellenismus freie Bahn gehabt hätte. Alle Vermutungen darüber sind Hirngespinste, Die Welt ist kein Mechani-umis, bei dem man berechnen kann, wie sein Gang gewesen wäre, wenn ein Rad in seinem Getriebe durch ein anderes Rad ersetzt worden wäre. Die Weltg c s e h i c 11 t e ist vielmehr die Komponente 11 n - z;i h I i g e r m e 11 s c h I i c h e r T r i e b k r ii f t c, die organisch auseinander und miteinander wachsen. Wer meint, daß der Gang der Weltgeschichte nicht der richtige war und daß er eigentlich Mitte anders sein sollen, konnte ebenso gilt die Entwicklung, durch welche diese (Hier jene Pflanze hervorgebracht wurde, als schlecht bezeichnen und an Stelle dieser wirklichen Pilan/e eine andere imaginäre Pflanze verlangen. Was i in Laute von Jahrtausenden geschichtlich geworden'ist, muß von uns als etwas Unabänderliches, Naturhaftes angesehen werden. Bei dieser Betrachtungsweise kann die Frage nicht!:uiten, ob der Einfluß des Judentums gut oder schlecht war, sondert! ln welchem Maße das Judentum Bausteine zur heutigen Wcltkultnr beigetragen hat Und da kann es angesichts der großen Rolle der Reilgion in der Wcltkultnr und angesichts des großen Anteils der Juden an der Religionsenfwicklung nicht zweifelhaft sein, daß es nur wenige Völker gibt, die sich mit den Juden in bezug auf ihren Beitrag zur Wcltkultnr messen können. Aber die Leistungen der Juden beschränken sich nicht auf das religiöse Gebiet. Es würde mich viel zu weit führen, wollte ich liier eine Uebersicht über die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik, der Kunst geben. In dieser schicksalsschweren Zeit, In der der Niederbruch der deutschen Juden uns wieder einmal das besondere Schicksal des jüdischen Volkes vor Augen geführt und uns gelehrt hat, daß unsere Leidenszeit noch nicht zu Ende ist, hält uns die Tatsache aufrecht, daß so viele führende Persönlichkeiten lind Gruppen in der weit uns ihre Sympathie bezeigt haben, fcs muß jetzt unsere Aufgabe sein, die Sympathien der Welt und die Hilfsbereitschaft der Judcnheit zu einer großen Tat zu verdichten und dem Teil der Juden, die in Deutschland nicht mehr bleiben können, in anderen Ländern eine Zuflucht zu verschaffen, wo sie in Sicherheit leben und arbeiten können. Von diesem Kongreß soll die Parol e ausgehen, welche die Juden der Welt, welcher Richtung sie auch angehören, zu einer einheitlichen Aktion aufruft und in den deutschen Juden’ die i '<׳ ‘fnung erweckt, daß es aus ihrer Not einen Ausweg gibt. Letzte Nachrichten Die Frage der Leitungsbildung Prag, 29. August, morgens (telephon.) Der Kongreß hat noch nicht wieder getagt, weil die Revisionisten-Frage bisher unentschieden ist. Inzwisdiea beginnen die Gruppierungen sich in der Frage der Leitung«- bildung zu vollziehen. Es heißt, daß man auch mit Dr. W« izmann, der nicht in Prag anwesend ist, verhandelt hat, Weizmann habe aber jede Beteiligung an irgendwelchen Kombinationen abgelehnt. Einwanderongsspcrre In Kanada? Canadian Press meldet, wie das 8״-Uhr-Abemiblatt" vom 28. 8. berichtet, aus Quebec: Der Stadtrat habe den Minister für Einwanderungsfragen, Gordon, ersucht, die Einwanderung ron deutschen Juden zu verhindern mit der Begründung, daß eine umfangreiche Einwanderung von Juden nach Kanada einen Staat innerhalb des Staates errichten würde, da die Juden nicht leicht assimiliert werden könnten. Ueberdles liege es im Interesse der christlichen Rassen Kanadas, die Einwanderung nichtchristlicher Personen zu verhindern. יי Es bleibt abzuwarten, Inwieweit sich diese Meldung bestätigt. Soeben erschienen! Schriftenreihe der Jüdischen Rundschau - Neue Folge — i. Zionismus und Zionistische Organisation Der Zionismus und sein Werk Von Dr. Georg Herlitz Eine kurze Einführung ln die Geschichte der Zlenlstischen Organisation, ihren Aufbau und Ihre Leistungen, und in die Tätigkeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Preis 30 Pfennig. B«1 Po»tb«st*llung 35 Pfennig In Brlefmarktn •Intendsn Unentbehrlich für unsere neuen Leser und für die Informierung jüdischer und nlchtjüdlsclier Interessenten. Die Resolutionen zur deutschen Judenfrage Wir geben nachstehend (mit einigen Kürzungen) die auch vom ״Völk. Beobachter“ und andern Blättern veröffentlichten Prager Resolutionen wieder. I. Der XVlIf, ZlonlstenkongreB, versammelt in Prag, erachfet es als seine Pflicht, in seiner ersten Willenskundgebung seine Stimme zu erheben und seiner Erschütterung über das tragische Schicksal der deutschen Juden und seiner Entrüstung über ihre Entrechtung und Entehrung Ausdruck zu geben. Nach einem Jahrhundert der Emanzipation der Juden und der Anerkennung der Gleichberechtigung eines jeden Volkes und Individuums im Rahmen des Staates Ist es im gegenwürtigen Deutschland soweit gekommen, daß eine halbe Million Juden ihrer elementarsten Menschenrechte beraubt, daß durch die offizielle Sanktionierung von Rassenvorurteilen die Würde und die Ehre des jüdischen Volkes beleidigt werden, und daß eine Politik und Gesetzgebung statuiert werde, deren Grundprinzipien die Existenzgrundlagen des jüdischen Volkes vernichten müßten. Der Zionistenkongrefl, eingedenk der Prinzipien der Frei* heit und Gleichberechtigung aller Vplker, Rassen, Religionen, Weltanschauungen und Individuen und der Postulate menschlicher Gerechtigkeit, die von jeher die sittliche Grundlage der zionistischen Idee gebildet haben; getragen von jenem Selbstbewußtscin und Stolzgefühl, aus dem die nationale Renaissancebewegung des jüdischen Volkes entstanden ist, frei vom Gefühl der Feindseligkeit egen das deutsche Volk, aber durchdrungen von der erpflichtung zur Wahrung der Rechte des jüdischen Volkes in der Welt, erhebt feierlichen Protest gegen das ungeheuerliche Unrecht, das den deutschen Juden angetan worden ist, gegen die systematische Politik ihrer staatsbürgediehen, ökonomischen und sozialen Entrechtung, gegen ihre gesellschaftliche und menschliche Diffamierung und gegen die Behinderung ihrer religiösen Lebensformen durch das Verbot der Schechita. Die Entrechtung der Juden Deutschlands stellt eine neue furchtbare Erscheinungsform der Jahrhunderte alten Juden frage dar, wie sie der große Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, aufgezeigt hat, und deren Lösung Ziel und Inhalt der zionistischen Bewegung ist Die Ueberzeugung von der Wahrheit der zlonistlsehen Lösung der Judenfrage und der Kampf der Zionisten für die Verwirklichung des zionistischen Ideals kann jedoch niemals mit der Bereitschaft verknüpft sein, zu irgendwelchem Verzicht aut die volle Gleichberechtigung und die Sicherung der Lebensrechte der jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern. Abgesehen davon, daß die Geschehnisse in Deutschland einen aer wertvollsten Bestandteile des jüdischen Volkes in seiner Existenzmöglichkeit bedrohen, bedeutet die Erschütterung der Daseins-Möglichkeiten der jüdischen Gemeinschaft eines Landes die Gefährdung der Existenz aller anderen jüdischen Gemeinschaften der Welf. Aus dieser Erkenntnis heraus hält es der XVIII- Zionistenkongreß für notwendig, neben dem Protest gegen die Oeschehnisse folgende Forderungen zu erheben: 1. Der Kongreß erachtet es ab Pflicht der gesamten zivilisierten Welt, vor allem auch des Völkerbundes, dem jüdischen Volk in seinem Kampf um die Wiedererlangung um die Rechte der Juden in Deutschland zu helfen. Der Kongreß erwartet von den Völkern und Regierungen, daß sie alle Maßnahmen ergreifen werden, um den Juden Deutschlands die Einwanderung und die Schaffung von Existenzmöglichkeiten zu erleichtern. 2. Der Kongreß erachtet es als die Pflicht der Mandatarmacht, die Tore Palästinas für die größtmögliche Einwanderung deutscher Juden zu öffnen, Ihre Ansiedlung zu erleichtern und alles za tun, damit das jüdische Nationalheim, dessen Errichtung der Hauptinhalt des Mandates ist, im schnellsten Tempo und im größten Umfang aufgebaut wird, um so eine unerschütterliche Existenzgrundlag« für das jüdische Volk zu schaffen, dessen Dasein seit Jahrhunderten nicht so gefährdet war wie heute. 3. Der Kongreß appelliert an die Oeffentlichkeit der Welt, an alle Staaten, die ihre Solidarität mit dem Inhalt des Palästinamandats bekundet haben und an den Völkerbund, der seine Durchführung zu überwachen hat, dem jüdischen Volke durch aktive Hilfe, vor allem ln Form internationaler, politischer und finanzieller Koo* perationln seinen Bemühungen um den Aufbau des Nationalheims beizustehen. II. Im Hinblick auf die Katastrophe, die die Juden in Deutschland getroffen hat, hält es der XV1I1. Zlonistenkongreß für seine Pflicht, ein Wort der Mahnung und des Rufes an das jüdische Volk in seiner Gesamtheit zu richten. Noch niemals in der Geschichte des Zionismus hat sich die volle Richtigkeit der zionistischen Analyse der jüdischen Gesamtsituation und die Berechtigung der zionistischen Lösung der Judenfrage in solch tragischer und überzeugender Weise manifestiert. Die Geschehnisse in Deutschland besteein den endgültigen Zusammenbruch all jener ilusionen, die in der bürgerlichen Emanzipation allein oder gar in der gewollten Assimilation eine Lösung der Judenfrage erblickt haben, den Zusammenbruch aller Versuche, die Solidarität und das gemeinsame Schicksal des jfidisehen Volkes zu leugnen. Die Katastrophe in Deutschland hat bewiesen, daß der Zionismus und aas jüdische Nationalheim in Palästina die einzige Lösung der Judenfrage ist. Das zionistische Ideal in allen seinen Auswirkungen gibt der jüdischen Gemeinschaft und jedem ihrer Mitglieder die innere Kraft und Fähigkeit, allen Angriffen auf ihre Ehre und Existenz Widerstand zu leisten. Kein anderes Land der Weit bietet heute auch nur in annähernd gleichem Maße Zuflucht und Existenzmöglichkeit für die Zehntausende verdrängter und entwurzelter deutscher Juden. In der Tragödie des deutschen Juden* tums gibt es nur einen Lichtblick: Erez IsraeL Daher fordert der XVIII. Zionistenkongreß das jüdische Volk auf, über alle Parteigegensätze hinweg das Bewußtsein des gemeinsamen historischen Schicksals In sich neu zu erwecken und alle seine Energie, seine Fähigkeit, seine Mittel in den Dienst zur Verwirklichung des zionistischen Endziels zu stellen. Der schnellste Aulbau des Nationalheimes ist die entscheidende Aufgabe dieser Generation, * Der ״Völk. Beobachter" druckt die Resolution des Prager Kongresses in ihrem Hauptteil ab und bemerkt dazu: ״Hervomiheben ist bei Bewertung dieses arroganten Angriffes, daß die Juden in Deutschland in Ausübung ihrer religiösen Tätigkeit nirgends behindert worden sind. Nirgends ist eine Synagoge geschlossen oder beschädigt worden, nirgends wurde ein Jude auf dem Wege dahin beilstigi Der Vorwurf ist von einem heimtückischen Motiv geleitet: Man möchte durch diese Entschließung tllea Natkx nen der Welt beibringen, daß In Deutschland eine religiös e Verfolgung *tattfindej Zweifellos wird dieser verlogene Vorwurf seine Früchte zeitigen in einer verschirrten Hetze gegen das neue Deutschland. Da sämtliche Zionisten der Welt (die Vertreter Deutschlands sind vorsichtshalber nicht erschienen) für diese Ent- Schließung gestimmt haben, so haben ■wir es hier mit einer programmatischen Einheitsfront, des gesamten zionistisehen Weltjudentums zu tun, das sich jetzt erst recht bemühen wird, die Souveränität der anderen Staaten für die jüdischen Sonderinteressen einzuspannen. Interessant ist die Forderung, daß die ganze sogenannte ״zivilisierte Welt“ sich für die Juden einsetzen müsse und der Aufruf an den Völkerbund, sieh im Kampt für die jüdisehen Privatinteressen einzusetzen! Das alles stellt eine un erhörte E inmischung in innerpolitische deutsche Verhältnisse dar, denn was sich in Deutschland abgespielt hat, ist eine rein deutsche Revolution gewesen, welche die Rechte anderer Staaten und Völker nicht angetastet hat. Wenn die Herren glauben, durch derartige verlogene Angriffe und provozierende Entschließungen die Lage der Juden in Deutschland zu bessern, so irren sie außerordentlieh. Man wird sich den Wortlaut der Resolution in Deutschland genau betrachten und beobachten, welche tatsächlichen Folgerungen aus ihnen gezogen werden. Deutschland ist bemüht, mit den anderen Völkern und Staaten freundschaft• lieh zusammenzuwirken, um die Wunder» des Krieges ni heilen und einen wahren Frieden herbei zuführen. Wir können sicht annehmen, daß es im Interesse dieser Staaten liegt, nun zugunsten alljüdischer Bestrebungen ihre Volkskraft gegen Deutschland für die Privatgeschäfte des zio• nistischen Judentums einzusetzen.“ Wenn der ״Völkische Beobachter“ in diesem seinem Kommentar sich dagegen wendet, daß Nachrichten über eine Behinderung der religiösen Tätigkeit der Juden in Deutschland verbreitet werden, so ist er vollständig itn Recht. Auch von deutsch-jüdischer Seite ist stets betont worden, daß die Ausübung der jüdischen Religion in keiner Weise behindert wird. Der Text aer Resolution spricht freilich auch nicht von einer allgemeinen Behinderung des religiösen Lebens, sondern wendet sich gegen das Verbot der Schechita. Nach unserer Meinung wäre dieser Protest besser aus der Resolution we gg e blie be n. Wahrscheinlich haben orthodoxe Delegierte aut dem Kongreß, in völliger Verkennung des politischen Sinns einer solcher» Resolution, auf diesem Punkt bestanden. Trotzdem wird, so hoffen wir, niemand aus diesem Passus den Vor• wurf herauslesen wollen, als ob in Deutschland eine ״reügiöse Verfolgung“ stattfände. Jeder versteht, und es ist auch in den maßgebenden Gesetzen und Kundgebungen genügend deutlich geworden, daß die Judenfrage in Deutschland nicht als Angelegenheit der Religion, sondern als Rassen• frage betrachtet wird. Religionsverfolgungen bestehen in Sowjetrußland, und gegen diese hat auch Präsident Sokolow in seinem Referat Stellung genommen. Was die anderen Einwände des ״V. B." betrifft, so ver• weisen wir auf die Ausführungen unseres heutigen Leitartikels, Von besonderem Interesse ist aber die Schilderung, die der ״Volk. Beobachter“ aus Prag über den Verlaui dieser Sitzung gibt. Aus diesem Bericht müssen auch die Leser des ״V. B.“ ersehen, daß die Boykottparole von! Kongreß mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. In dem Bericht heißt es: ״Am Donnerstagabend wurde von dem Kongreß ein! Resolution zur deutschen Judenfrage zur Abstimmung ge■ bracht. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit gegen die Revisionisten angenommen. Diese ihrerseits beantragtes eine eigene Resolution, welche in versteckter Welse zum Boykott gegen Deutschland auffordert. Als diese Resolution von der Mehrheit abgelehnt wurde, verließ der Führer der Revisionisten, Jabotinsky, den Saal, holte seine Frau (!) und versuchte mit ihr am Arm (!) aul Königsart durch ein aus seinen jugendlichen Anhängern ge• bildetes Spalier den Saal zu betreten (!). Er wurde von Ordnen! und seinen Gegnern daran gehindert, und die ganze lächerliche Theaterszene des durch seinen pariamen• »arischen Durchfall schwer beleidigten Revisionistenführers endete mit einer heftigen Prügelei. Dabei gab es zahlreiche Ohrfeigen und die Gegner be• spuckten (!) sich gegenseitig. Einige junge Juden wurden verwundet. Da die Krawalle sich vor den Toren des tschechischen Prager Repräsentantenhauses aut der Straße fortsetzten tmd trotz der späten Nachtsunde eine große Menschenmenge sich ansammelte, mußte die Prager Polizei ein Ueberlallkommando von 60 Mann ln Lastwagen herbeirufen, die einen der jüdischen Hauptschreier verhaftete und die Ruhe ■wiederherstellte.“ * Prag, 27. August 1933. Der Punkt der Tagesordnung, der sich mit der dcut• sehen Judenfrage beschäftigte, wurde Donnerstag nachts zum Abschluß gebracht Für den internen Verlauf des Kongresses war es bedeutsam, daß es hierbei zu einer überaus heftigen Kontroverse mit den Revisionisten kam. Die Spannung zwischen der Mehrheit des Kon gresses und den Revisionisten wächst immer stärker. Voji ihr ist die Atmosphäre des Kongresses beherrscht. Freitag früh trat der Kongreß in die Generaldebatte ein. Jabotinsky hat es rorgezogen, diesmal nicht in der Generaldebatte zu sprechen. So verlief die General• debatte äußerlich ruhig. Als in der Nachtsitzung von Sonnabend der Revisionist Schechtmann das Wort ergriff, verließ die ganze Arbeiterdclegation geschlossen den Saal. Die aus Palästina inzwischen in Prag eingetroffenen Nachrichten über den Verlauf der Untersuchung in der Mordsache Ariosoroff haben einen ungeheueren Eindruck gemacht und die Situation noch verschärft Weite Kreise des Kongresses sind der Ansicht, daß die Schuld der terroristischen revisionistischen Gruppe an der gräßlichen Mordtat nunmehr erwiesen sei. Es ist ein überaus kritischer Moment, nicht nur für den Kongreß, sondern für die ganze Bewegung. Un• abhängig davon, was der Kongreß hm wird, müßten diese Erfahrungen zu einer Selbstbesinnung führen, die die Grundfragen nach Sinn und Wesen der jüdischen Erneuerungsbewegung neu vor das Gewissen des Vol• ket stellt,

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