Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 67 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653794--24001-2686927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
933 Nr 67, 25 V'H. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 449 etc Scc h ( e s daß iri c Zahl, . Beim er, 316 bis auf ״ a r h - in Pa- Mittelraiulum einzig len ist, irungen ne Trarn, daß abriken ten auf ־ wurde aft unitrie ist liaft baend die i s t r i e < 1 e i n- ,011׳ der daß die daß die einzuiternehin allzu bei der e außer;angeletor hinie Man- : bis zu . Dieser r. Man izip der ire vor- Gesetz •r lasse; ist u!1die Be- Minderraschen Absatz- Absatz die erlull des keine <ongrel!!enntnis. ersuchsrat über ג n i s a- .Inzwischen batte sich in den hierfür eingesetzten Komitees erwiesen, daß eine Einigung in der Präsidiumsfrage nicht zu erzielen ist. Die Vertreter der Parteien gaben hierüber Erklärungen im Plenum ' ab, worauf der Kongreß die Wahl des Präsidiums durch eine Kampfabstimmung vornahm. Der AI I s r a c h i brachte eine Resolution ein, daß im Präsidium alle Parteien vertreten sein müssen. Die Arbeiterfraktion stellte den Antrag, über diesen Punkt zur Tages- Ordnung überzugehen. Dieser Antrag wurde bei namentlicher Abstimmung mit 151 gegen 149 Stimmen angenommen. Daraut gab der Misrachi durch Rabbiner Brod eine Erklärung ab, daß die misrachistischc Fraktion gegen das Präsidium stimmen und sich an seiner Bildung nicht beteiligen werde. Hierauf wurde mit den Stimmen der Allmeinen, der Arbeiterparteien und der Radikalen und gegen die Stimmen der Misrachistcn und Revisionisten folgendes Präsidium gewählt: Vorsitzender Leo Motzkin, Stell- Vertreter: Ussischkin, Rufeisen, Sprinzak, Kaplansky, Kaplan und Grünbaum. Referat Neumann Das Milglied der Exekutive Emanuel Neu mann berichtote über die wirtschaftliche Entwicklung in Palästina. Die Entwicklung Palästinas ist nichts spezifisches und es sei für den Aufbau des Landes ebenso wie für jedes andere notwendig, nach einem Programm zu arbeiten. Unser Ziel muß darauf gerichtet sein, eine möglichst große Zahl von Juden in Palästina anzusiedeln und sie in den Wirtschaftsprozeß einzugliedern. Etwa 27 Prozent der jüdischen Bevölkerung Palästinas leben auf dem Lande und 17 Prozent haben in der Landwirtschaft Beschäftigung gefunden. Die Städte Palästinas wachsen nicht auf Kosten der Dörfer, wie es anderswo gcschieht, sondern auf Kosten der öaluth. In Palästina kann man die Tendenz zum Land feststellen, denn die Menschen ziehen es vor, lieber auf dem Lande als in der Stadt zu wohnen. In den letzten zwölf Monaten wanderten nach Palästina 20 000 Menschen ein. In den palästinensischen Banken haben Juden 7 Millionen Pfund deponiert, die dem Wirtschaftsprozeß zugeführt werden könnten. Neumann fordert die Juden auf, den großen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina mehr Aufmerksamkeit zu schenken und hofft, daß ein Investment Trust, an dem sich Juden der ganzen Welt beteiligen könnten, ins Leben gerufen wird, was fiir die Entwicklung Palästinas von großer Bedeutung wäre. Wir wissen, daß dies eigentlich Pflicht der Mandatarniacht wäre, da diese aber nichts unternehme, müssen es die Juden allein machen. Mit einem Appell an den Kongreß, die hierzu notwendigen Beschlüsse zu fassen, schließt der Redner. In der Mittwoch-Abend-Sitzung folgten Referate von Leib J a f f e Uber Keren Hajessod, Berl Locker über Organisation und Ussischkin über Keren Kajcmeth. Ussischkin war aus Anlaß seines 70. Geburtstags Gegenstand herzlicher Ovationen. Zur Zeit des Abschlusses dieses Berichtes dauert die Nacht-Sitzung noch fort. * Die Lage der Juden wischen ist wie cn Ausken auf vart. Im 1 Errunirde die Aufbau iise und moderne 1it Milch :h, 2 mit ehenden usgaben en. Die ist um inneren den einn Lande edlungslen, was er Zone; zweite er unter Tie Pro- Igetreide;ser und; Citrusen Arnehier in- »nt von ältliche! nur aus 1at noch Zweiges :hnik ist , sowohl gemacht an ihrer re wich- Aufbau- Jen. Die ten zähtieg und tion von lüht und nterricht Das geplante Referat von Sokolow über die Lage der Juden in der ganzen Welt unter Berücksichtigung Deutsch- Lands und das Referat von Ruppin über Ansiediung deutscher Juden in Palästina sind offenbar in einer schriftlichen Ausfertigung vorzeitig in die Hände von Pressev ertretern geraten. So erklärt es sich, daß einige Tages- Zeitungen bereits am Donnerstag früh Berichte über diese Referate veröffentlichten, obwohl die Referate bis zum Erscheinen dieser Berichte noch nicht gehalten worden sind. Das Referat von Sokolow beschäftigte sich zunächst mit der Lage der Juden in Rußland, wobei er sich scharf gegen die sowjetistischen Zionistenverfolgungen wendet. Sodann ist ein ausführlicher Teil des Referates der Lage der Juden in Polen gewidmet, hauptsächlich der katastrophalen Wirtschaftsnot der polnischen Juden. Schließlich geht dann Sokolow in dem Referat zur Besprechung der Situation der deutschen Juden über. Er wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Theorie von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse. Wir Zionisten wollen am ailerwenigsten der Theorie eines kosmopolitischen Breies das Wort reden, aber wenn wir auch andersartig sind, so lassen wir doch nicht unsere Rasse herabsetzen und unsere Ehre beleidigen. Sokolow betont auch, daß das jüdische Volk keine Feindschaff gegen das deutsche Volk hegt und diesem durch Krieg und Nachkriegszeit schwer geprüften Volk die Segnungen eines gedeihlichen Aufstieges wünscht. Nicht gegen das deutsche Volk, sondern gegen die in Deutschland anftretende Form des Antisemitismus wende er sich in seiner Rede. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen protestiert Sokolow gegen die Verwendüng der ״Protokolle der Weisen von Zion", die längst als Fälschung entlarvt sind. Schließlich gibt er eine Darstellung der Ziele des Zionismus, der eine organisierte Lösung der Judenfrage anstrebt unter Mitwirkung des Völkerbundes und der zivilisierten Welt. Das jüdische Volk selbst ist bereit, in opfervoller Pionierarbeit dieser Lösung den Weg zu bahnen. Die Haltung der Arbeiter In einer Fraktionssitzung der Arbeiterpartei kündigte Ben Gurion an, daß die Part« auf dem Kongreß eine Aenderunz des Statuts der Zionistischen Organisation in der Richtung beantragen werde, daß der Zionistischen Exekutive das Recht gegeben wird, undisziplinierte Gruppen aus der Organisation auszuschließen oder ihnen den Anspruch auf Zuteilung von Einwanderungszertifikaten abzuerkennen. Die Arbeiterpartei, erklärte Ben Gurion ferner, werde für eine durch Koalition sämtlicher Part e i e n mit Ausnahme der Revisionisten gebildete Exekutive rintreten.;r einem wurden en Weg. schreiten iaiion Adolf <cit der 1 gab in 11en und daß ei« 1r beide in der loden• enkaufs• :nerwerb uf wirk- Die Untersuchungs-Kommission Die vom Aktions-Comitc zur U ntersuchung der von der Arbeiterpartei gegen bestimmte revisionistische Gruppen erhobenen Anklagen eingesetzte Kommission ist mit Her Prüfung des ihr von der Arbeiterpartei vorgelegten Materials beschäftigt. Die Arbeiterpartei behauptet, daß gewisse revisionistische Führer für Terrorakte eingetreten seien, was unvereinbar sei mit dem Geiste der Zionistischen Organisation. Es ist unwahrscheinlich, daß die Kommission ihre Arbeiten vor Ablauf der Woche beenden wird. Die Zionistische Exekutive hat dem Aktions-Comitd empfohlen, keine Aenderung des derzeit in Kraft stehenden AIdkommens, das 1929 der erweiterten Jewish Agency zugründe gelegt wurde, vorzuschlagen. Vielmehr solle ein ״gentmcn’s agreement“ mit den Nichtzionisten in der Frage der Reorganisation der Jewish Agency durch Herabsetzung der Zahl ihrer nichtzionistischen Mitglieder angestrebt werden, Ussischkin (Zu seinem 79. Geburtstag.) Wenige Gestalten in unserer Bewegung sind so stark vom Reiz des Geschichtlichen und Persönlichen umwoben, wie Mcnachcm Mendel Ussischkin, der am 1. Ein! — 23. August 1933 — sein siebzigstes Lebensjahr vollendete. Als Repräsentant des nationalen Judentums von seinen Anfängen bis zu seiner heutigen, weltweiten Ausbreitung und seiner schöpferischen Leistung in Palästina hat Ussischkin eine symbolische Bcdcutung erlangt. Es genügt, die Meilensteine seines Lebens und Wirkens aufruweisen, um der heutigen Generation diese einzigartige Persönlichkeit vor Augen zu führen. Der 19jährige Mittelschüler nimmt in Moskau im denkwürdigen Jahr 1882, als die Biluim hinauszogen, an der Gründung der Chowewe Zion teil. Er wird ein junger Leon Pinskers und einige Jahre später dessen Nachfolger in der Leitung des Odessaer Komitees der Chowewe Zion. Aber auch Aehad Haam übt einen starken geistigen Einfluß auf Ussischkin durch die Gründung des Ordens ״Rene-Mosehe“ aus und fortab sind Land und Sprache die beiden Pole, die der Arbeit Ussischkins die Richtung weisen. Schon 1891, kurz nach seiner Hochzeit, macht er die erste Palästinareise, die er uns in seiner unvergeßlichen Rede ״Der Ruf des Bodens“ so packend schildert. Fünf Jahre später trifft er zum ersten Male mit Theodor Herzl in Wien zusammen. Der ״Judenstaat“ sagt Ussischkin nicht viel Neues, alter die Persönlichkeit Herzls macht auf ihn den stärksten Eindruck. Von Wien fährt er nach Paris, um Baron Edmund Rothschild für die notleidenden jüdischen Kolonien der Chowewe Zion stärker zu interessieren. Beim 1. Kongreß sitzt Ussischkin im Präsidium, beim II. und III. kämpft er leidenschaftlich dafür, daß die Jüdische Kolonialbatik nur in Palästina arbeiten und ihr Statut danach abgefaCt sein soll. Die Fragen der praktischen Kolonisationsarbeit und der hebräischen Kultur sind es immer wieder, die ihn bei den folgenden Kongressen bis 1901 beschäftigen. Die denkwürdige Minsker Konferenz von 1902 — die einzige öffentliche Tagung russischer Zionisten — leitet Ussischkin zusammen mit Tschlcnow und Simon Rosenbaum. Aber auf dem VI, Kongreß, wo El-Arisc!1 und Uganda behandelt w׳erden, dem letzten Kongreß unter Herzls Leitung, fehlt LIssischkin. Er ist zum zweiten Male in Palästina und legt dort durch die Organisierung der Kolonien und der Lehrer den Grundstein zur künftigen ״Assefat Haniweharim“. Von Erez Israel zuriiekgekehrt, beginnt Ussischkiu seinen Kampf gegen Uganda, der zwei Jahre über die Charkower Konferenz und die Aktions-Comite-Sitzung im Frühjahr 1904 in Wien bis zum VII. Kongreß in Basel 1905 dauert. Die letzte Auseinandersetzung zwischen Herzl und Ussischkin in Wien war menschlich und zionistisch ein bcdcutendes Erlebnis und endigte in einer Versöhnung der beiden Männer. Drei Monate später geht Ussischkin mit vielen Tausenden hinter Herzls Sarg und findet tiefempfundene Worte bei der großen TrauerRundgcbung für den verstorbenen Führer. Der VII. (Uganda-)Kongreß war in .1einem Verlauf und in seinen Beschlüssen ein Werk Ussischkins. Die von ihm einige Tage vorher cinbcrufene Freiburger Konferenz einte alle ״Zione-Zion" und machte dem territorialistischen Spuk ein Ende. In dem unter dem Vorsitz Dawid Wolffsohns gewählten EAC sitzt auch Ussischkin. Er fühlt sich dort aber nicht wohl, weil die anderen sein stürmisches Tempo nach praktischcr Palästina-Arbeit nicht initmachen wollen. Aber seine Ideen setzen sich durch, denn vom VIII. Kongreß 1907 ab beginnt offiziell die praktische Palästina-Arbeit der Zionistisehen Organisation, die Ussischkin immer wieder gefordert hatte und die auch auf den folgenden Kongressen 1909 (in Hamburg) und 1911 (in Basel) ihren Ausdruck finden. Auf dem XL (Wiener) Kongreß proklamiert Ussischkin (gemeinsam mit Weizmann) die Gründung einer Hebräischen Universität, für die er von einem russischen Juden die ersten 500 009 M. zugesichert erhalten hat. Der Weltkrieg zwingt auch ihn vier Jahre zum Stillstand, aber schon im Spätherbst nimmt er regen und führenden Anteil an den Arbeiten des Nationalrats der ukrainischen Juden. Zu Beginn des Jahres 1919 ist «r in London und Paris. Unvergessen wird seine hebräische Anspräche bei der Friedenskonferenz bleiben, an der er zusammen mit Weizmann und Sokolow teiinahm. Bald darauf fährt er nach Palästina und steht an der Spitze des ״Waad Hazirim“ (Zionist Commission), der damaligen Vertretung der Zionistischen Organisation und des Jischuw. Der Londoner Jahreskonferenz von 1920 legt Ussischkin den ersten Palästinabericht, ein Budget für das nächste Jahr, vor. Er wird in die Exekutive sowie als Vorsitzender des Keren Kajemeth-Dircktoriums gewählt. Der XII. Kongreß (Karlsbad) wählt ihn auch wieder in die Exekutive und gleichzeitig wird über seinen Antrag die Verlegung der KKL-Zentrale von Haag nach Jerusalem beschlossen. Vom XIII. Kongreß (Karlsbad) ab widmet Ussischkin sich fast ausscliließlieh dem KKL. Es beginnt der Aufstieg unseres zentralen Boden-Instituts, wozu Ussischkin durch seine Reisen in Europa, Kanada und Amerika am meisten beiträgt. Die durchschniltiichen Jahreseinnahmen steigen von 100000 auf 250 000 Pfund. Das Tempo der Bodenerwerbungen, zu dem Ussischkin durch die Erwerbung der beiden ersten Flächen im Ernek Jesreel den ersten Anstoß gab, vergrößert sich von Jahr zu Jahr und bringt eine Verfünfzehnfachung des Bodenbesitzes. Neben dem Ernek Jesreel, der heute zum größten Teil in unserem Besitz ist, kommt der weltwirtschaftlich so wichtige Boden in der Haifa-Akkobucht und der durch die Hilf« der kanadischen Zionisten erworbene große Komplex in der Scliaron-Ebene von Wadi-Chawarith. Die Verehrung vor der Persönlichkeit Ussischkins erfordet es, auch bei dieser Gelegenheit offen auszusprechen, daß nicht alle seine Anschauungen über Taktik und Methode und auch nicht alle seine Auffassungen vom Sinn und Wesen des Zionismus von allen Zionisten geteilt werden, in einer großen Bewegung wie der unseren rtruft es Meinungsverschiedenheiten geben, und wir selbst haben oft genug Gelegenheit gehabt, uns mit Ussischkin kritisch auseinanderzusetzen. Ein starker Mann hat viele Gegner, und so kam es, daß nicht nur Herzl in Ussischkin einen Widerspielej sah, nicht nur Wolffsohn erbittert mit ihm die Klinge kreuzte, sondern auch in unserer Zeit zionistische Führer wie Brand eis und Weizmann sich in eine Kampfposition gegen Ussischkin gedrängt sahen. Sein Sturz als Führer der Palästina-Exekutive ist in der Hauptsaehe au* die Einwirkung der Brandeis-Gruppe zurückzuführeu, sein Widerstand gegen die Erweiterung der Jewish Agency und gegen Weizmanns Politik haben ihn in den letzten Jahren wieder häufig in der zionistischen Arena exponiert Aba dieser Kaamf war nkroals kleinlich, sondern immer sachlich, immer getragen von höchsten Idealen, für die Ussischkin mit aller Willenszähigkeit und Kompromißlosigkeit seiner Natur cinstand. Und so konnte cs geschehen, daß bei der Gründungsfeier der erweiterten Agency in Zürich 1929 Ussischkin, der alte Gegner des Plans, die stärksten Worte historischer Würdigung sprach, die bei jener Konferenz fielen. So sehr wir von ihm in vielem abweichen müssen, so sehr wir ihn zeitweise auch bekämpfen mußten, — in dem Respekt und der Verehrung für diese Figur der jüdischen Nationalbewcgung sind alle Zionisten einig, und man kann wohl sagen, daß weit über die zionistischen Reihen hinaus «in Mensch von dieser stets nur auf das Volkswohl gerichteten Energie bei Juden aller Schattierungen Bewunderung und Wertschätzung findet. An den Gedanken, daß der Kämpfer Ussischkin ins Patriarchcnalter getreten ist, kann man sich schwer gewöhnen. Denn vor uns steht er, der leidenschaftliche Verkünder eines nationalen, starken Judentums, die in Roden und Kultur verwurzelte Gestalt. Auf mehr als ein halbes Jahrhundert unablässiger Arbeit für Volk und Land blickt Ussischkin zurück. Alle Zionisten und Freunde Palästinas, das ganze nationalc Judentum gedenkt in diesen Tagen in Verehrung und Dankbarkeit Menacbcm Mendel Ussischkins und beglückwünscht ihn zu seinem Geburtstag. Ausbau der Hebräischen Universität Eine medizinische Fakultät geplant Die Leitung der Hebräi-chen Universität Jerusalem bat ein von I)r. Weizmann, dem Präsidenten der Universität, dem Vorsitzenden des Direktoriums des Judais tischen Instituts Chief Rabbi Pr. J. II. Hertz und dem Univerritatskanzler- Dr. J. L. M a g n 0 s!mtrrzeichnetes Manifest erlassen, in dem darauf hiiigrvriesen wird, daß die Hebräische Universitat in diesem Augenblick dn/u berufen sei, eine entscheielende Rolle in den Bestrebungen zu spielen, die auf Behebung der durch die Ereignisse der letzten Zeit besonders akut gewordenen jüdischen Bildung■-- und Eorschuugsnot gerichtet sind. Die Envciienmg (In־ Universität und ihr Aushau von einem reinen Forschungsinstitut zu einer umfassenden Lcbrstätfe werden angekündigt und an die jüdische Oeffentliehkeit wird der Appell gerichtet, dafür zu sorgen, dali die zu diesem Ausbau erforderliche Erhöhung des Einkommens der Universität um mindestens 15000 Pfund — das ordentliche Budget betragt ll) 000 Pfund — gesichert werde. Wenn es gelingt, neue Mittel auf/ubrinfen, so soll zunächst der Rahmen des J u d a i s t i s c 11 e 11 Instituts zwecks Ausfüllung der Lücken in seinem gegenwärtigen Studienplan erweitert werden. Es wird immer dringlicher, insbesondere im Hinblick auf den Zusammenbruch der älteren Stätten jüdischer Wissenschaft in der Diaspora, das Judaistische Institut der Hebräischen Universität zu einem allumfassenden Zentrum judaistischer Studien irn weitesten Sinne des Wortes zu machen. Es ist geplant, im nächsten Jahre neue Professuren für Hebräisch und jüdische Philosophie zu schaffen und den Lehrplan des Instituts durch Errichtung neuerLeh rstiihle für biblischeGeschichteund Literatur, altisraclitischc Geschichte und Geschichte und Litcraturdcr Pcriodedes zwe iten Tempels zu erweitern. Im Laufe der letzten 5 Jahre wurde eine geisteswissenschaftliche Fakultät ausgebaut, die gegenwärtig das Institut für judaistische und orientalische Studien und die. Abteilung für Philosophie, klassische Sprachen und Geschichte des Altertums und des Mittelalters umfaßt. Nunmehr soll die Fakultät durch Anglicderung neuer Abteilungen für Pädagogik, Psychologie, Geschichte der Ncuzci t, m oder 11 e S p r a c h c 11 und politische O ckonomic erweitert werden. Der naturwissenschaftliche Unlcrrich t heschränkte sich in den letzten zwei Jahren auf Vorlesungen über Biologie. Jetzt ist beabsichtigt, die derzeit bestehenden naturwissenschaftlichen Abteilungen, nämlich die Institute für Ma- 111 e m a t i k, Che m i e, B i o I o g i e, N a t u!geschieht e, Volkshygicnc 11!1 d M i k r o b i o 1 o g 1 «־, zu einer voliständigen naturwissenschaftlichen Fakultät ziisammenzufassen. Der Äusbauplau sicht zu diesem Zweck die Errichtung neuer Abteilungen für physikalische Chemie und theoretische und mathematische Physik, zu denen in einem späteren Zeitpunkt «ine Abteilung für Experimentalphysik treten soll, sowie die Schaffung neuer Lehrkanzeln für reine Mathem a t i k, Physiologie 11 n d P h a r m a z e u t i k vor. Ferner wird die G r ti!1 d u n g ein er medizinischen Fakultät angekündigt. Die Leitung der Universität, so heißt es in der Erklärung, ist der Ueberzeugung, daß es an der Zeit ist, vorbereitende Maßnahmen für die Errichtung einer medizinischcn Fakultät in Erwägung zu ziehen. Aus den in den letzten Monaten cingclaufcnen unzähligen Anfragen scheint die dringende Notwendigkeit hervorzugehen, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Die Universität besitzt bereits gut ausgestattete medizinische Laboratorien und einen hochqualifizierten Stab von Forsebern. Dies ermöglicht den Ausbau eines medizinischen Zentrums, dessen klinischen Kern das Hadassah-Rothschild-Spital bilden würde. Zur Schaffung eines solchen Zentrums wird die Errichtung weiterer Laboratorien für experimentelle Pathologie und Radiologie und die Schaffung kiinischer Lehrstühle für Gynäkologie, innere Medizin, Dermatologie, Chirurgie und pathologische Chemie vorgcschlagen. Ein solches medizinisches Zentrum würde selbstverständlieh nicht eine medizinische Fakultät darstcllen. Doch sind die Universitätsbehörden überzeugt, daß dieser Ausbauplan eine höchst geeignete und rationelle Methode für die allmähliche Entwicklung einer repräsentativen medizinischen Fakultät darstelle. Auf viele Anfragen feilt die Universität mit, daß mit dem nächsten Wintersemester Vorlesungen über Chemie als Hauptfach mit dem Ziel der Erteilung wissenschaftlicher Grade eröffnet werden. Auch wird es im Zusammenhang mit der bevorstehenden Eröffnung des neuen Instituts für Landwirt- Schaftswissenschaft möglich sein, zu Beginn des nächsten Semesters eine beschränkte Anzahl von Studenten in dieses Institut aufzunehnien. Es ist zu hoffen, daß es auf Grund des Ausbaus der eistcswissenschaftlichen Fakultät möglich seih wird, den biserigen vierjährigen Lehrgang, der zur Erreichung des Grades eines Master of Art; führt, zu erweitern. Zu diesen Vorlesungen können diejenigen zugelassen werden, die im Besitze des Abgangszeugnisses einer höheren Schule (Mittelschule) sind, oder die an der Universität die jährlich im Juni und Oktober abgehaltenen Aufnahmeprüfungen bestanden haben. Die Weltorganisation für Hebräische Sprache und Kultur hält gleichzeitig mit dem Zionistenkongreß in Prag eine Konferenz ab, die am 22. d. M. eröffnet wurde. Auch der Verband der ״Allgemeinen Zionisten“ hielt eine Konferenz in Prag ab, in welcher das Programm dieser Gruppe, insbesondere in bezug auf Palästina-Wirtschaftsfragen und Jugendbewegung, festgelegt wurde,