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Jüdische Rundschau · 1933-08-18 · Heft 66 (18.8.1933) · p. Seite 440

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 66 (18.8.1933)
Date
1933-08-18
Page
Seite 440 (sequence 4)
Language
German
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Seite 438 01ן>ISCHE RUNDSCHAU Nr. 66, 18. VW! 1933 Juden werden Arbeiter Dm Berufsproblem $Uhl im Mittelpunkt des Interesses der jüdischen Jugend Deutschlands. Man ist sieh einig, daß auf diesem Gebiete nichts so schädlich ist, wie den Dingen ihren Lauf m lassen. Die Aktivität der verschiedenen hierfür in Betracht kommenden Stellen, nicht zuletzt auch der organisierten jüdischen Jugend seihst, ist daher nicht gering. Andererseits muß die Feststellung gemacht werden, daß die Frage der beruflichen Neugliederung des deutschen Judentums bisher nur mit wenig Sy siematik angefaßt worden ist, was sich nicht zuletzt aus den besonders großen äußeren Schwierigkeiten erklärt, die bei der praktischen Behandlung dieser Angelegenheit auftauchen. Wir glauben aber, daß die Notwendigkeit einer organisierten und systematisierten Behandlung des Berufsproblems eine der wichtigsten Aufgaben ist, die in der nächsten Zukunft vom deutschen Judentum gelöst werden müssen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage der beruflichen Umschichtung mit dem Ziele der Eingliederung jüdischer Jugendlicher in das lieben Palästinas. Auch hierbei gilt es, zum Teil neue Wege zu erschließen, um die Ausbildung sicher zu stellen und Palästina ein, produktives Element zuzujUhren. Ausschnitte aus diesem Interessengebiet werden in den nachfolgenden Beiträgen behandelt. Ausbildung und Ansiedlung Die llita chdulh Oie j Germania sendet uns umfassendes Material über die Projekte der Ausbildung und Ansiedlung von Einwanderern aus Deutschland, denen wir die nachstehend verwendeten Zahlen entnehmen. Im Mittelpunkt des Interesses nicht nur der deutschen Zionisten, sondern weitester Teile der Monistischen Bewegung überhaupt stellt irn Augenblick die Frage der Einordnung deutscher Juden in <1 a s Wirtschaftsleben Pa- I ästinas. Fs war für den Zionismus stets eine Grundlage seiner Konzeption von der Lösung der Judenfrage, daß die Uebersiedlung nach Palästina nicht als ein gewöhnliches Transportunternehmen zu betrachten ist, sondern daß der Akt der Uebersiedlung zugleich ein Weg der Umschichtung zu neuen Lebens- und Wirtschaftsformen ist. Die Ueberführung vors Menschen nach Palästina soll ja nicht nur eine Anhäufung von Juden an irgend einem Punkt der Welt bedeuten, sondern die Grundlagen für ein gesunderes, auf normalen lind den Bedingtmgen des Landes angepaßten Grundlagen beruhendes Wirtschaftsleben schaffen. Palästina war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten das Ziel nur einer kleinen Zahl von Menschen aus Deutsch-!and, die aus ihrer intensiven zionistischen Gesinnung heraus, abgetrieben in erster Linie von idealistischen Beweggründen, den Weg ins Land fanden. Nunmehr hat sich dieser Zustand gründlich gewandelt. Palästina ist zu dem wichtigsten Auswanderungsland für deutsche Juden geworden, auf das sich das reale Interesse von Zehntausenden jüdischer Familien richtet. Um so mehr gilt es, in aller Klarheit und Konkretheit darauf hinzuweisen, ln welcher Richtung sich Uebersiedlung und Umschichtung von Menschen aus Deutschland nach Palästina zu vollziehen hat. Palästina selbst ist bereit, eine wachsende Zahl deutscher Juden aufzunehmen. Während alle anderen Länder sich in der Regel bemühen, Zuzug von sich fernzuhalten, und während die Juden in ihnen sich zumeist damit begnügen, für den Weitertransport Sorge zu tragen, ist das Interesse des palästinensischen Jischuw darauf gerichtet, einer möglichst großen Zahl von Ein- Wanderern zu einer produktiven Existenz zu verhelfen. Die Pläne, die man hierfür aufgestellt hat, geben uns ein Bild davon, welche Möglichkeiten für berufliche Ausbildung jüdischer junger Menschen aus Deutschland in Palästina selbst bestehen und wie die Bedingungen der landwirtschaftlichen Ansiedlung sind. Die Kommissionfür Ansiedlung deutscher Juden hat sich mit diesen Fragen eingehend beschäftigt; wir entnehmen ihrem Programm, daß u a. in Tel-Awiw die Möglichkeit zur handwerklichen Ausbildung von etwa 190 Lehrlingen pro Jahr besteht. Diese Ausbildungsmöglichkeit verteilt sich auf die Berufe des Ver- Schalungsarbeiters, Bautischlers, Möbeltischlers, Stellmachers für Aufobusse, Bauarbeiters, Anstreichers, Webers, Bauschlossers, Gießers und der mechanischen Schlosserei und Reparaturwerkstatt. In Jerusalem und Haifa dürften etwa weitere 110 Arbeitsplätze auf diesen Gebieten zu finden sein. Neben dieser handwerklich - städtischen Berufsausbildung steht die Berufsausbildung von M enschen in der Landwirtschaft. Hierbei handelt es sich um eine Verbindung von Arbeitsbeschaffung für frisch cinwanderndc Men- Scheu, die sogleich eine Existenzmöglichkeit haben müssen, mit ihrer Gewöhnung an schwere körperliche Arbeit und der Erlernung landwirtschaftlicher Fächer. Nach dm vorgenommenen Ermittlungen bestehen für etwa 2600 Menschen derartige Arbeit smöglichk eiten. Hiervon entfallen auf die Pflanzlingskolonien etwa 1630 Arbeitsplätze, und zwar teilweise in den bestehenden Kibbuzim und Kwmoth, teilweise in Einwanderer-Charuwoth, gelegentlich in Einrichtungen besonderer Art für Berufsausbildung. In den landwirtschaftlichen Siedlungspunkten bestehen weitere 980 Arbeitsplätze, z.T. direkt ווי den Siedlungen, z. T. in öffentlichen Arbeiten in der Land- Wirtschaft, wofür allerdings die Gewährung von Krediten an die Siedlungen erforderlich wäre. Wir haben diese Angaben hier angeführt, nicht um im einzelnen bestimmte berufliche Wege zu weisen, die ja schließlieh nur individuell erschlossen werden können, sondern um zu zeigen, in welcher Richtung■ die Bemühungen um die Eingiiederung von Menschen aus Deutschland in das produktive Leben Palästinas gehen. Weiter sind die hier gemachten Angaben unter dem Gesichtspunkt wesentlich, daß sie uns einen ungefähren Eindruck von der Größenordnung vermitteln, mit der wir auf dem Gebiete der Hachscharah-Möglichkciten in Palästina selbst vorerst rechnen können. Das Kolonisations-Departement der Pa läitina-Exekutive der Jewish Agency hat sich in Zusammenarbeit mit der Kommission für Ansiedlung deutscher Juden auch mit der Frage beschäftigt, welche Zahl von Familien auf den vorhandenen Böden des Keren Kajemeth und in den Wirtschaften des Keren Hajessod angesiedelt werden können. Man Ist hierbei zu einer Gesamtzahl von rund 1000 Familien gelangt, davon etwas mehr als ein Viertel in Kwuieth und knapp drei Viertel als Einzelsiedler. Hiervon können rund 43Ö Familien mit der Arbeit sofort beginnen, während man an den übrigen vorgesehenen Punkten noch gewisse Vorbereitungsarbeiten durchführen muß. Der Geldbedarf, der sich aus dieser Kolonisation ergibt, ist mit rund 537 000 Pfund berechnet worden. Das pro Familie für die Ansiedlung erforderlich Kapitat ist dabei mit 325 Pfund in Kwuzoth und 540 Pfund in Mo- •chawim sowohl bei bewässerten wie bei unbewässerten Wirtschäften angesetzt worden. Selbstverständlich ist dabei der Boden als vom K. K. L. zur Verfügung gestellt in die Rechnung nicht eingesetzt. Auch diese Zahlen haben für uns ganz besonderes Interesse. Sie machen die große Aufgabe deutlich, die vorder zionistischen Bewegung und dem gesamten Judentum steht. Es ist heute nicht damit getan, kleine Hilfsaktionen durchzuführen, die wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, und es ist uns auch nicht damit gedient, Erklärungen der Sympathie zu erhalten. Heute gilt es, ein großzügiges Werk konstruktiver Hilfe in Gang zu setzen. Die Ansiedlung von 1000Familien aus Deutschland würde ja nicht nur bedeuten, daß diesen in die Landwirtschaft überführten Personen eine neue Existenz gegeben wird, sondern sie erschließt zugleich die Möglichkeit, daß auf der wirtschaftlichen Basis, die eine derartige landwirtschaftlichc Siedlung ist, sich andere Berufsgruppen eine selbständige Existenz schaffen, so daß weit über den Kreis derjenigen hinaus, die angesiedelt werden, die Möglichkeit zu einer Seßhaftmachung von Menschen aus Deutschland in Palästina gegeben ist. Damit aber ist die Voraussetzung dafür geschaffen, daß ein erheblicher Teil der jungen Generation des deutschen Judentums den Ausweg in eine bessere Zukunft findet. Gewiß ist dieser Weg für den Einzelnen schwierig und für eine ganze Generation von Menschen mit unerhörten Opfern verbunden. Wir glauben aber, daß diese Opfer, die auf beiden Seiten gebracht werden müssen — sowohl von denjenigen, die den Weg des Neubeginns in Palästina gehen, wie auch vom Judentum der Welt, das die!Mittel für eine wirkliche konstruktive Hilfe zur Verfügung stellen muß die einzige Chance sind, die für uns überhaupt besteht. _ Handwerkliche Berufsumschichtung Von Rechtsanwalt Moses, Karlsruhe. Aus der großen Zahl der Probleme, die mit der Frage der Berufsumschichtung der jüdischen Jugend Deutschlands verbunden sind, soll hier nur ein Punkt behandelt werden: der Uebergang zum Handwerk, und zwar mit dem Ziele der späteren Auswanderung. Der jetzige Zustand ist so, daß eine große Anzahl junger Menschen ohne Planung oder einheitliche Leitung sich Handwerks-Lchrbzv. Volontärstellen beschafft haben. Den überwiegenden Anteil unter allen handwerklichen Berufen scheint dabei der Beruf des Schlossers, speziell der Auto- Schlosser zu haben, vielfach kombiniert mit dem Beruf des Chauffeurs. Während z, B. in der Landwirtschaft die Gefahr eines zu großen Angebots an jungen Landwirten kaum aufkommen kann, ist bei dem ungeleitcten Hineinströmen der Jugend in gewisse Handwerksberufe mit der Möglichkeit zu rechnen, daß diejenigen Schwierigkeiten und Nachteile auftreten, die bei jedem ungeregelten Angebot von Arbeitskräften auftauchen. Die ungünstigen Folgen sind zunächst solche der Ges a m t w i rt s ch a f t: Entweder gelingt cs den ausgelernten Handwerkern, sich selbständig zu machen; dann wird die Gefahr einer unlauteren Konkurrenz mit den üblichen Folgen — Schleuderpreise oder schlechte Arbeit — nahe liegen. Oder die ausgelernten Handwerker suchen Arbeit in Betrieben, wobei Arbeitslosigkeit und Lohndruck entsteht. Die Nachteile privat wirtschaftlicher Natur liegen klar zutage: die Kosten der Erlernung des Berufs werden nicht wieder eingebracht, man muß nötigenfalls in einen anderen Beruf hineingehen. Die vollkommenste Regelung wäre die. daß eine Zentralstelle die Zahl festsetzt, nach der sich die Proportion zwischen landwirtschaftlicher und handw e r k 1 i c h e r Vorbereitung für Palästina errechnen läßt, daß also z. B. s/5 der ins Land Aufzunehmenden Landwirte, -/5 Handwerker einschließlich der Spe/ialarbeiter sein dürften. Zu dieser oder irgendeiner anderen Planung fehlt es vorläufig an jedem Ansatz. So ist vermutlich mit der Tatsache zu rechnen, daß die Gruppe Bauhandwerk noch gar nicht oder in mir geringer Zahl von jungen jüdischen Lehrlingen in Deutschland besetzt ist; überwiegend ist die Metallvcrarbeitung gewählt worden, und ein geringerer Teil hat sich atit die übrigen Handwerksarten verteilt. Das Aufsurhen geeigneter Lehrstellen ist bisher noch ein Versuch geblieben, der — in zahllosen Einzelberatungen erörtert — nur in geringem Umfange gelungen ist. An und für sich ist der Abschluß eines Lehr- Vertrages für den Handwerksmeister uneingeschränkt gestattet: praktische Gründe verschiedenster Art lassen aber den Abschluß eines Lehrvertrages nur in den seltensten Fällen zu; es kommt vielmehr nur die Ausbildung in der Form des Volontär-Verhältnisses, ohne Kost, Wohnung, Lehrgeld und festgelegte Dauer der Ausbildung in Betracht. Auch hier müßten Normen über die Mindestdauer eines solchen Lchrverhältnisses festgesetzt werden, um einen ungesunden Wettbewerb unter den Lehrlingen zu vereiteln. Der Abschluß eines solchen Volontär-Vertrags ist an und für sich ebenfalls keinen Beschränkungen linier- Worten; vermutlich ist er sogar dem selbständigen Handwerker gestattet, der die Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen nicht besitzt, da es sich ja nicht um Lehrlinge im Sinne der Gewerbeordnung handelt. Sehr schwer möglich wird die Einstellung von Volontären in Fabriken sein, solange nicht von behördlicher Seite das Einverständnis mit dieser Art der Ausbildung zum Ausdruck gebracht worden ist. Auf diese Art der Schulung wird jedoch nicht verzichtet werden können, da die Heranbildung eines Stabes von Werkmeistern und Vorarbeitern nur in Fabrikbetrieben erfolgen kann. Hierbei vollzieht sich eine enge Berührung mit deutschen Volkswirtschaftlichen Interessen. Es ist unbestreitbar, daß das Anlernen eines jungen Handwerkers oder Facharbeiters in einer deutschen Werkstätte oder Fabrik eine außerordentlich große Werbung für die deutsche Industrie werden kann. Der hier Ausgebildete wird an und mit der Maschine schaffen wollen, an der er gelernt hat; er wird die Erzeugnisse der betreffenden Fabrik besser kennen als die Erzeugnisse anderer Firmen und Länder und wird deswegen z. B. bei der Wahl einer Maschine das ihm bekannte Produkt bevorzuget!. Auf Hachscharah in Holland Wir erhalten den nachfolgenden Brief eines jungen in Holland auf Hachscharah befindlichen Chaluz zur Verfügung gestellt, der als Stimmungsbild recht interessant ist. (Red.) Ich will Euch über mein jetziges Leben — ein Leben, das sich ganz anders gestaltet, als ich bisher gewohnt war — berichten. Es werden in diesem Brief aber auch Fragen behandelt werden, die nicht nur mich persönlich angehen, denn ich bin ja nur ein kleines Glied in der großen Kette, die sich chaiuzische Jugend nennt. Für einen Menschen, der zur Hachscharah geht mit Vorstellungen wie: Leben in einer Gemeinschaft, damit verbunden gegenseitige Hilfe beim Lösen von Problemen, Erziehung zum kibbuzischen Leben, bietet Holland nur eine Enttäuschung. Will man seine Hachscharah in Holland durchwachen, so muß einem schon vorher die Einsicht übermittelt worden sein: ״Du kannst in Ergz Israel nur in einem Kibbuz (Gemeinschafts-Siedlung) leben. In Holland bekommst du nur noch die Ausbildung, die man nötig hat, um in Palästina nicht dem Kibbuz zur Last zu fallen.“ Hier leben selten mehrere Chawerim dicht beisammen; jeder ist auf sich selbst angewiesen. Dies ist für viele eine schwere Prüfung. ich lebe in einem Dorfe von 15 Familien. Hier werde ich nun meine Ausbildung durchmachen. Die Ausbildung ist sehr gut, und zwar aus folgenden Gründen: Die Bauern kennen nichts anderes als Arbeit, sie verlangen deshalb von ihren Knechten, daß sie sich ganz mit der Arbeit verbunden fühlen, d. h. daß sie mit Freude die Arbeit leisten. Mein Bauer z. B. hat Verständnis fiir das ganz Neue, das ich hier erlebe, und mit Witzen und freundlicliem Verhalten in jeder Beziehung macht er mir die Sache sehr leicht und angenehm. Dein Knecht, der manchmal versucht hat, mich anzutreiben, gab er die entsprechende Andeutung. Der Knecht sieht in mir jetzt den ״Gelehrten“, der Arbeiter werden will. Soll das Verhältnis zum Bauer das gleiche bleiben, so muß ich mich ihm, wenn auch nur äußerlich, vollkommen angleichen, d. h. ich muß als Knecht leben. An die Arbeit habe ich mich so gewöhnt, daß ich ohne sie nicht mehr leben könnte. Dies macht sich an Regentagen bemerkbar; man arbeitet nur ganz wenig im Hause, dann wird für mich der Tag endlos lang, während sonst die Tage für mich Sekunden sind. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich schon drei Monate hier bin- Die Heuzeit ist vorüber. Sie wird viel besprochen, weil in ihr bei brennender Hitze, in einem entsetzlichen Tempo von morgens 4Va Uhr bis Einbruch der Dunkelheit gearbeitet wird, ln dem Clialuz-Zentrum, dem ich angchöre, lebe ich im schwersten Betriebe. Die andern Chawerim sind bei kleineren Bauern untergebracht, während mein Bauer sehr reich ist. jeden Tag werden 200 Liter Milch an die Fabrik abgeliefert. Zwei Tage bevor ich ankani, hat der Bauer einen Stier für. 1500 Gulden nach Spanien verkauft. Trotzdem lebt er, wie es billiger nicht sein kann. Den Speisezettel, den ich Euch nun aufstelle gibt es jeden Tag: 4• 2 Uhr: 2 Schnitten Weißbrot mit Butter und 2 Tassen Kaffee; 8 Uhr: 7 Pfannkuchen mit einem vollen Teller Milchbrei; 11 Uhr: 2 Tassen Tee mit einer Schnitte Brot; 1 Uhr: 2 Teller Kartoffeln; da. ich kein Fleisch esse, bekomme ich Eier dazu und Milchbrei; 3 Uiir: 2 Tassen Tee ohne Zucker; 6 Uhr: 7 Schnitten Brot und 4 Tassen Kaffee; 8 Ohr: 3 Tassen Kaffee. Bei diesem Essen blühe und gedeihe ich wie eine Rose. Abwechslung im Essen gibt es nur Sonntags. Der Bauer raucht statt der Pfeife eine Zigarre und ich anstatt der Pfeife 5 Zigaretten. Der Hechaluz sorgt dafür, daß jeder Material zum Selbstarbeiten bekommt. Denn Chaluziuth ohne Kenntnis der hebräisclien Sprache, der jüdischen Geschichte, der Verhältnisse in Palästina ist ein Unding. Ich bekomme jede Woche eine hebräische Zeitung und deutsche Zeitungen. Ich lese augenblicklich eine hebräische Erzählung, außerdem lerne ich Grammatik. Mag es noch so spät sein, ich lerne jeden Abend. Vom Technischen Institut Haifa Die Verwaltung des Technischen Instituts Haifa schreibt uns: Die sich mehrenden Anfragen von jungen Leuten aus Deutschland, die ein Gewerbe ergreifen oder Ingenieurfächer studieren wollen, zeigen, daß über das Haifaer Technische Institut (das ״Teelinion“) recht mangelhafte Vor- Stellungen bestehen. Es sollen hier daher einige gedrängte Angaben gemacht werden, die auch geeignet sind, viel unnütze Korrespondenz zu ersparen. Das Technion besteht aus zwei Abteilungen, einer für Bauingenieur wesen und einer für Architektur. Die Unterrichtsfächer, die Unterrichtsmethoden in Vorlesungen und praktische Uebungen entsprechen denen ähnlicher Technischen Hochschulen Europas. Unterrichtssprache ist durchaus hebräisch. Reifezeugnis Ist Aufnahmebedingung. Unterrichtsdauer vier Jahre. Die Diplomprüfungen dauern etwa sechs Monate und werden vor einer besonderen Kommission abgehalten und von der Regierung überwacht. Es besteht am Technion keine weitgehende Spezialisierung. Vielmehr werden die Studenten so ausgebildet, daß sie nach Schluß des Unterrichts an jeder Bautätigkeit mitzuarbeiten imstande sind und ihre weitere Spezialisierung durch ihre praktische Tätigkeit erwerben können. Die Urteile ihrer Arbeitgeber waren bisher durchweg günstig. Sämtliche Absolventen des Technion (etwa ICK) in fünf Jahrgängen) fanden Beschäftigung in ihrem Fach und sind bei der Regierung, beim Hafenbau, Straßenbau, bei Kanalisation, Be- und Entwässerungs-, Vermessungsarbeiten usw.( bei Munizipali־ täten, bei jüdischen Siedlungsanstalten, wie J.N.-F., Zion. Exekutive. Pica, bei privaten Bauunternehmern und als Bauaufseher beschäftigt. Die Frage des zu verleihenden Titels ist bei einer solchen jungen Anstalt begreiflicherweise noch nicht geklärt, insbesondere da in Palästina noch kein gesetzlicher Schutz des Ingenieurtitels besteht. Doch war es kein Hindernis für die jungen Haifaer Ingenieure, Viele von ihnen fanden Arbeit sofort nach Abschluß des Studiums und konnten bis jetzt keine Zeit finden, um an die Diplomprüfungen zu gehen.

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