Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 65 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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־Nr. 65, 15. VD1.1933 JÜDISCHE RUNDSCHAD Seite 431 Mit dem Thespiskarren durch Palästina Van Dr. Qretel Esther Carow. So etwas gibt es auch heute noch!! Es war ein richtiger Thespiskarren, auf dem ich mit den Schauspielern des palästinensischen Arbeitertheaters ״Ohel“ durch Erez Israel fuhr, — nur hatte er zeitgemäß keine Pferde vor der Deichsel, sondera einen eingebauten Motor. Palästina Ist ein kleines Land; seine Theaterbesucher entsprechen an Zahl etwa denen einer mittleren deutschen Provmzstadt und wohnen im ganzen Lande verstreut. Tel-Awiw, wo der ״Oliel“ seinen Sitz hat, kann mit einem Stück im Jahre nur etwa 25mal bespielt werden, wobei ich voraussetze, daß jeder Besucher mindestens zweimal in diese Vorstellung gehtj was bd dem sehr theaterfreudigen Publikum durchschmttiich hier in der Tat geschieht. Da aber die palästinensischen Theater bisher immer nur zwei Stücke im Jahre herausbrachten, sind sie trotzdem gezwungen, ihr Publikum im ganzen Lande zu suchen: der ״Ohel“ fährt mehrmals nach Haifa und Jerusalem und in die nahegelegenen größeren Dörfer wie Petach Tikwah oder Rechowoth; er unternimmt außerdem jedes Jahr zwd Tourneen nach Tiberias und in die entfernten jüdischen Siedlungen des Emek. Gleich zu Beginn unseres Engagements-Antritts — der ״Ohel“ hat vor etwa einem halben Jahre den deutschen Regisseur Alfred Wolf (zuletzt Neues Theater Frankfurt a. M.) und mich selbst als Dramaturgin verpflichtet! — begleiteten wir unser Theater auf einer solchen lOtägigen Tournee mit der letzten Inszenierung ״Ba schefel“-Nachtasyl von Gorkj, des Begründers der Bühne Halevy. Nachdem schon die gesamte Dekoration und alle Kostüme mit einem Lastauto vorangeschickt worden waren, ging es früh am Morgen von Tel- Awiw fort, mit einem großen Omnibus, der einschließlich Führer für die ganzen 10 Tage vom Theater gemietet worden war. Wir fuhren in östündiger Fahrt nach Tiberias, wo es ein wunderschönes Kammerspieltheater gibt, in dem der ״Oliel“ zwei Vorstellungen gab. Von dort ging es dann weiter ins Emek, von Kfar Jecheskel nach Nahalal und weiter nach Haifa und Chedera. Diese Autobusfahrten, die oft stundenlang dauern, und meistens mitten in der Nacht nach den Vorstellungen unternommen wurden, waren von einer ganz romantischen Abenteuerlichkeit, Da ist rings umher tiefste Finsternis, nur der kleine Lichtstreifen vor dem Wagen wirft seinen Schein auch in das Dunkel des Wageninnern, wo die Schauspieler sitzen, müde von der Vorstellung und gleichzeitig aufgekratzt, erregt, wie eben Schauspieler nach dem Spiel auf der ganzen Welt sind. Sie lachen, sie diskutieren, sie singen, — ich habe in diesen zehn Fahrttagen viele hebräische Lieder gehört und gelernt. Der ״Ohel“ ist gut bekannt und sehr beliebt 1m fanzen Lande; fast alle seine Mitglieder haben, bevor sie chauspieler wurden, jahrelang als Arbeiter und Bauern auf einer Kwuzah oder einer Moschawah gelebt. So wird denn bei den Tagesfahrten der Autobus überall mit Jubel begrüßt. Beinahe in jedem jüdischen Ort, durch den wir kommen, winken Bekannte und oft müssen wir anhalten, weil ein Freund einen Händedruck austauschen will. Wo wir spielen, wird uns auch im kleinsten Häuschen bereitwillig und sehr gastfreundlich Quartier eingeräumt, und fast immer gibt es ein festliches Essen der Gemeinde mit vielen Ansprachen, Freundschaftsbeteuerungen und mit Spiel und Vorträgen unserer Darsteller. . Die Theatergebäude selbst, für denen wir spielen, sind meist Eigentum der betreffenden Orte. (Kein Theatergebäude des Landes — auch nicht in den großen Städten — ist im Besitz eines Theaterensembles, — sie müssen immer pro Vor- Stellung belegt und meist bezahlt werden!) Es sind einfache, große Säle aus Fachwerk oder Holz, mit Bühnen, denen eigentlich jede Theatereinrichtung fehlt. Wir spielen wirklich, wie im Mittelalter, auf ein paar Brettern, die die Welt bedeuten! Jeder Vorhang, jeder Stuhl und Tisch, muß vom Theater niitgeführt werden. In aufopferungsvoller, anstrengender Arbeit bauen dann die Schauspieler des ״Ohel“ selbst ihre Dekoration an jedem Ort auf und wieder ab. (Die Be- Zahlung für diese Bauarbeit ist ihr einziger Barverdienst, denn für ihr Spiel erhalten sie seit acht Jahren nur Verpflegung und, aut den Tourneen, Unterkunft!) In ein solches Theater im Emek dürfte die deutsche Bau- und Feuerpolizei nicht kommen, — sie würde hier ganz einfach erbleichen und vor Schreck Kopf stehen'! Aber alle Primitivität und alle Schwierigkeiten werden vollkommen nebensächlich vor dem Eindruck dieser Zuschauer! Was für ein prachtvolles Publikum ist dasl Da sitzen diese jüdischen Bauern, die das Landleben kräftig, rauh ynd einfach gemacht hat, und die doch ihren Intellekt des geistigen Juden nicht verloren haben, der sie einst vor Jahren nach Palästina trieb. Der Zionismus hat sie dazu gebracht sich ganz der Landarbeit zu widmen, sie haben für ihre Ueberzeugung die Kultur der Städte verlassen, in denen sie geboren wurden. Keine gute Musik, kein Theater, wenig literarische Anregung, — wieviel Entbehrung mag ihnen das auferlegt haben! Aber nun ist das Theater bei ihnen, das nur zweimal im Jahr kommt, und zaubert ihnen alles Verlorene und Aufgegebene wieder vor. .Das ist ein großer Festtag für sie, aut den sie sich wochenlang freuen! Alles muß ins Theater *gehen. Von weit her kommen sie zu jeder unserer Aufführungen auf Erntewagen oder gar auf den langsamen Traktoren, aus den Kwuzoth und den Dörfern, bis die Theater beängstigend voll sind. Es sind keine unkritischen Menschen, die den Zuschauerraum füllen, — sonst wären es ja keine Juden!, — aber es sind andachtsvolle und dankbare Menschen; das herrlichste Theaterpublikum, das sich ein Schauspieler nur wünschen kann! Sie bringen ihre Kinder auch in die schwierigsten Vor- Stellungen mit, und ganz selbstverständlich werden ihnen die vordersten und besten Plätze ein geräumt. Die Kinder sollen doch erfahren, was das ist: Theater, auch wenn sie noch nicht verstehen können! Am andern Morgen aber, vor der Abfahrt, bitten sie noch um eine Kinderdarbietung, und unsere Genossen vom ״Ohe!“ lesen eine Stunde lang den ganz Kleinen lustige Geschichten vor, während draußen schon der Chauffeur unserer Kutsche zur Weiterfahrt tutet. Herrlich uneigennützige Schauspieler! Ihre Arbeitszeit ist auf diesen Tourneen manchmal wirklich vierundzwanzigstiindig. Nur ehrlichster Enthusiasmus, verbunden mit dem stolzen Gefühl, denen da draußen wirklich etwas ganz wesentliches geben zu können, läßt sie solche Wochen durchhalten! Dazu kommen die ganz unbeschreiblich schwierigen und primitiven Garderobenverhältnisse auf dem Lande! Ich habe auf meiner Thespisfahrt Ankleideräume gesehen, die aus einem Kellerraum unterhalb der Bühne bestanden, und andere, die im Nebenhaus lagen, so daß die Darsteller im Kostüm über die Straße zur Bühne gehen mußten. Einzelgarderoben sind ein ganz unbekannter Luxus; den Spiegel führt jeder Schauspieler in seinem Köfferchen bei sich, um ihn dann vor sich auf den Tisch zu stellen; die Beleuchtung tut den Augen meistens schon nach wenigen Minuten weh, und auch nur die Abtrennung zwischen dem Raum für Männer und dem für Frauen muß das Theater mit einem mitgeführten Vorhang selbst herstellen. Weil es aber gute Schauspieler sind, richtige Komödianten, und dazu noch einfache, jüdische Arbeiter, die alle Not und alle Entbehrungen ihres Landes kennen und gern ertragen, schweißt sie das alles nur noch enger zusammen. Es entsteht um das Kollektiv des ״Ohei“ har eine ganz charakteristische Luft von Mimentum, von Schminke, Puder und vielerlei Allotria, und gerade das verbindet sie fester als alles andere mit Ihrem Publikum. End Io« könnte man berichten von den Abenteuern dieser Tourneen I Da ist die Bühne, die sie einmal mitten auf freiem Feld von Strohgarben errichteten; oder das schöne, große, offene Amphitheater in Haifa, in das während der Vorstellung der ganze südliche Sternenhimmel hineinleuchtet. (Freilich ist das auch sehr nötig, denn wegen der schwierigen Kraftstrom- Versorgung in Palästina kann es dort gelegentlich Vorkommen, daß minutenlang das Licht versagt. Unsere Schauspieler verharrten dabei eine Zelt hindurch, die ihnen endlos Vorkommen mußte, unbeweglich in ihrer Bühnenpose, während das Publikum diszipliniert schwieg.) Da ist vor allem das Theater in Sch’chunath Boruchow! Ein Privatmann, der Lehrer des Dorfes, hat es aus eigenen Mitteln an die Rückwand seines Hauses angebaut, während auf dem freien Platz davor zwischen dichten Bäumen selbstgezimmerte Bänke stehen. Die Bühne, die der Theaterfreund unentgeltlich zur Verfügung stellt, ist so klein, daß unsere Dekorationen nicht hineinpassen; die Garderoben bilden die Zimmer des Lehrerhauses, die bis auf den letzten Schrank extra für unsere Vorstellung ausgeräumt wurden. Aber es wird gespielt auf diesem Theater, und es wird vorzüglich und mit Anspannung gespielt, gerade weil man so vielerlei Mängel auszugleichen hat. Und unten das Publikum sitzt drei Stunden lang auf den harten, unbequemen Bänken ohne Lehne und lauscht atemlos init glänzenden Augen. Thespiskarren, fahrende Komödianten? —י Gewiß! Aber noch nie habe ich so dankbar und so begeistert gespürt, was für eine herrliche Sache es ist um das Theater, und wie verwachsen es ist mit dem Leben dieses so theaterbegabten und theaterfrohen jüdischen Volkes. Der ״Ohel“ arbeitet zurzeit an einer Aufführung der ״Dreigroschenoper״ (Opera be grusch), die in etwa 14 Tagen herauskommen wird. Der neue deutsche Regisseur wird diesem Spiel eine andere Form und einen anderen Stil geben, als ihn das palästinensische Theater kennt, das bisher rein russisch nach dem berühmten Vorbild der Stanislawsky- Bühne orientiert war. Das Erlebnis der Tournee durch Palästina aber hat Alfred Wolf zugleich viele neue Ideen für seine Arbeit geschenkt, die die Inszenierung dem jüdischen Lande anpassen werden; es hat ihm auch den Mut gegeben, an den Erfolg gerade dieses deutschen Stückes zu glauben, dessen Wesen 1m eigentlichen Kern bestes und unverfälscht primitives Theater ist, und das aus diesem Grunde der Arbeit des ״Ohe!“ tief verwandt ist. Zum Beweise sei mir gestattet die Definition anzuführen, die das Stück zu Beginn für seinen Titel bringt, und die wohl in einem abgewandelten Sinne auf die Aufführungen unserer Theaterreise anzuwenden ist, — etwa so, daß man für ״Bettler“ und ״Arm“ die Begriffe ״einfach“ und ״primitiv“ einsetzi: Dieses Stück heißt die ״Bettleroper", weil es so arm ist, wie nur Bettler es sich leisten können, und weil es gleichzeitig so reich ist, wie nur Bettler e9 sich erträumen köiüien. Meiallhäuser für Palästina Wir erhalten folgende Zuschrift: Seit einiger Zeit hört man viel von Metallhäusern sprechen, die man fix und fertig aufstellungsfähig nach Palästina mitnehmen kann. Me Arbeitsgemeinschaft für technische Hachscharah im K. J. V. hat sich darum seit längerer Zeit damit beschäftigt, die verschiedenen Bauweisen bzw. Systeme zu prüfen, um zu verhüten, daß für Palästina ungeeignete Systeme in Vorschlag gebracht werden, wodurch viel Schaden verursacht werden könnte. Auch sollte untersucht werden, ob Metallhäuser überhaupt als für Palästina geeignet angesehen werden können. Erfahrungen liegen für Palästina noch nicht vor. Es ist lediglich bekannt, daß sich Metallhäuser in den Tropen bereits gut bewährt haben. Das ist besonders darauf zurückruführen, daß man es bei diesen Systemen in der Hand hat, die Isolierfähigkeit des Hauses gegen Wärme nach Belieben einzurichten. Die vielfach verbreitete Anschauung, daß Metallhäuser in heißen Ländern nicht brauchbar sein könnten, weil es darin zu warm sein würde, ist falsch. Die Brauchbarkeit dieser Häuser hängt lediglich von ihrer Konstruktion und insbesondere von der Ausführung der Isolierschichten ab. Man kann ohne Schwierigkeiten Metallhäuser herstellen, deren Isolierfähigkeit einer Stein- bzw. Ziegelwand von 80 cm Dicke und mehr entspricht. Das ist aber für Palästina gar nicht nötig. Dort sind die Häuser vielfach nur mit etwa 30 cm starken Wänden gebaut und reichen vollkommen aus. Man braucht also an die Metallhäuser auch nur ähnliche Anforderungen zu stellen. Unter den vorhandenen Systemen von Metallhäusem sind zwei Arten zu unterscheiden: Solche aus gemischten Baustoffen und Ganzmetall-Häuser. Die ersteren bestehen im wesentlichen aus einer Tragkonstruktion aus Holz, welche mit Metallblech bedeckt ist. Die Ganzmetall-Häuser bestehen dagegen, wie schon der Name andeutet, ganz aus Metall. Beide Systeme verwenden Wärme-Isoliermittel, sögenannte Wärmedämmstoffe, die teils äußerlich, teils zwischen den Wandplatten angeordnet sind. Von den beiden Systemen muß dem Ganzmetati- Bau, bei dem sämtliche tragende Teile einschließlich der Decke und des Daches aus Metall ausgeführt sind, der Vorzug gegeben werden. Die einheitliche Verwendung des gleichen Materials für die ganze Konstruktion ist nicht nur vom rein technischen Standpunkte als zweckmäßiger anzusehen. Bei den größeren Temperatur-Differenzen, die in Palästina auftreten. ist es wichtig, daß die Reaktion der verwendeten Materialien auf die Wärmeeinflüsse gleichartig ist, um ungünstige Einflösse auf die Dauerhaftigkeit ,und das Aussehen des Hauses zu vermeiden. Das ist aber nur bei den Ganzmetall-Häusern zu erreichen. Häuser, deren Skelett z. B. aus Holz und die Wandbekleidung aus Metall besteht, werden diesen Einflüssen voraussichtlich viel weniger gewachsen sein. ' Von den Metallbauweisen, die für Palästina in Frage kommen konnten, wurde eine Konstruktion ausgewählt, welche die an ein solches Haus zu stellenden Anforderungen erfüllt und ein einfaches und bequemes Zusammenbauen an Ort und Stelle gestattet. Die Lamellen, aus denen das Haus zusammengesetzt ist, sind vollkommen montagefertig, also einschließlich Wärme-Isolation, in der Fabrik hergestellt, so daß bei der Aufstellung nur ein verhältnismäßig geringfügiger Aufwand erforderlich ist. Ein weiterer Vorzug dieser Bauweise ist noch, daß man nicht an bestimmte Typen gebunden ist. Es macht keinerlei Schwierigkeiten, in dieser Bauweise Schulbauten, Fabrikgebäude u. ä. herzustcllen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diejenigen Palästinawanderer, die ein transportables Haus wach Palästina mitnehmen wollen, geeignete Objekte zu durchaus mäßigen Preisen und günstigen Bedingungen erwerben können. ״Wer sich näher informieren will, wende sich an den Beauftragten der Arbeitsgemeinschaft, Architekten Walter Kretschmer, Berlin-Charlottenburg, Kastanien-Allee 32, TeL: Heerstraße 0612. Die Aufstellung im Lande macht keinerlei Schwierigkeiten. Es stehen bereits geeignete Fachleute zur Verfügung, welche die Montage ausführen können.!ng. Adolf Locker. Nach der Einwanderung Ein Privaibrief •tu P«ll*tfn• Wir erhalten den nachstehenden Brief von einem unserer Leser zur Verfügung gestellt, der von einem jungen Einwanderer aus Deutschland vor kurzem geschrie• ben worden ist. Obwohl selbstverständlich hierbei zu bcrücksichtigen ist, daß es sich um zufällige Eindrücke handelt, die nicht verallgemeinert werden müssen, dürfte der Brief doch von Interesse sein, da er von gewissen Schwierigkeiten und Aufgaben einen lebendigen Eindruck gibt. Red. .... Wo ich wohne? Die ersten 2—3 Wochen im Hotel (Preis 1,50—2 RM.). Jetzt habe ich ein sehr hübsches großes Zimmer mit Balkon, zwei Betten, Sopha usw. (Preis 45 RM. mit Bettwäsche). Ihr müßt nicht denken, daß man hier etwa unzivitisiert lebt. Ich nehme jeden Morgen mein Brausebad und wasche mich auch tagsüber nach Belieben. Klimatisch ist es hier durchaus zu ertragen, es war bisher allerdings verhältnismäßig kühl. Die Hitze wirkt nur durch ihre Dauer, so daß wir frisch Einwandernden nicht so darunter zu leiden haben. Insbesondere geht in den Städten am Meer (Haifa und Tel-Awiw) dauernd von 10 Uhr ab Seewind. Wenn man im Haus zu arbeiten hat, ist es gar nicht schlimm. Die berufliche Frage ist viel schwieriger. Fs gehört eben mehr dazu, um in Palästina mit Menschen aus allen Erdteilen zusammenzuleben, als die Ereignisse der letzten Monate. Erst wenn man diese Lebensbasis gefunden hat, kann man an berufliche Fragen gehen. In der Stadt als Angestellter anzukommen, ist sehr schwer und ein Zufall. Es gibt zwar einen Stellennachweis der Arbeiterorganisation. Jedoch bleibt es meist der Findigkeit, den Beziehungen und hauptsächlich dem Zufall überlassen, eine Stellung zu finden. Als Korrespondent oder älmliches anzukommen, ist hier sehr schwer, da drei Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch) außer Hebräisch verlangt werden. Für Mädchen ist es häufig möglich, als perfektes Hausmädchen evtl, im Hotel oder iri einer Pension an zukommen. Außer zu handwerklichen Berufen ist es schwer, zu städtisehen Berufen zu raten. Ein kaufmännischer Angestellter muß verschiedene Branchen beherrschen, und ein selbständiger Kaufmann muß immerhin erhebliches Geld haben, da bei einem Import aus Europa größere Warenvorräte nötig sind. Die Hauptmoglichkeiten liegen nach wie vor für Leute ohne Kapital 'auf dem Land. Hier können sie jederzeit Arbeit als Ungelernte erhalten. In den verschiedensten Formen der Gemeinschaften gibt es genügend Möglichkeiten, einen entsprechenden Lebensrahmen zu finden. Allerdings muß man dabei auf das sonst gewohnte Maß von Komfort verzichten. Freiheit zum Eigenleben, solange sie keine zu hohe finanzielle Belastung für die Gemeinschaft bedeutet, gibt es. Der Beitrag zu den Gemeinschaften ist minimal. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Das Leben kann hier für jeden sehr angenehm werden, wenn er es versteht, sich in die Gemeinschaft einzuordnen. Auch für alleinstehende Frauen ist dies sehr leicht. Man lernt sehr viel Menschen kennen, und bei den häufig stattfindenden Feiern gibt es genügend Gelegenheit, Bekanntschäften zu machen. In Tel-Awiw ist das Leben ganz großstädtisch, nicht etwa wie in einer deutschen Stadt mit dieser Einwohnerzahl. Grundsätzlich läßt sich zu allem sagen: Man kann sich in die hiesigen Verhältnisse nur einordnen, wenn man den unbedingten Glauben an das Palästinawerk hat, wenn man nicht nur aus der augenblicklichen Situation heraus Zionist ist. Das Land ist schon sehr weit gebracht, man darf aber nie vergessen, auciri nicht hier in Tel-Awiw, daß jede Stellung ein Plonierposter! ist, auf dem viel zu leisten und unter Umständen nur wenig zu verdienen ist. Solange man glaubt, genau so gut in ein anderes Land gehen zu können, soll man nicht herkommen. Deshalb: Wer in Palästina am zionistischen Aufbauwerk mitarbeiten will, soll herkommen. Für jeden wird sich Arbeit finden. Aber wer glaubt, hier bessere Stellungen zu finden und mehr Geld zu verdienen, soll nicht kommen, er wird bald enttäuscht sein. ״Der moderne Zionismus, Ziele und Zahlen.“ Es Ist zu begrüßen, daß jetzt in der Schriftenreihe zur Diskussion des Zionismus, die von der J. A. Verb. ״Barissia“ in Prag herausgegeben wird, aus der Feder von Viktor Bauer ein Werk erscheint, in welchem in gedrängter Form alles zuzusammengefaßt wird, was der Jude, der sich über den Zionismus orientieren will, braucht. Nach einer Darstellung der Geschichte des Zionismus wird der Leser in die ideologischen Grundlagen der Bewegung eingefiihrt, und schließlich wird gezeigt, was bisher geschaffen und erreicht wurde. In der Broschüre werden Auszüge aus dem Berichte der Mandatarmacht an die Mandatskommission des Völkerbundes gebracht, und der neueste Bericht der Jewish Agency wird verwertet, so daß das allerneueste Ziffernmaterial (Juni 1933) benutzt wird. Namentlich diejenigen, die durch die Ereignisse der letzten Zeit eingesehen haben, daß der Zionismus nicht bloß eine Utopie oder ein schöner Traum ist, sonden! eine historische Notwendigkeit für die Juden, werden aus diesem Hefte alle notwendigen Informationen schöpfen können. Das gutgedruckte, schön ausgestattete Werk, das mit einem Verzeichnis der notwendigen technischen Ausdrücke und einer Palästinakarte versehen ist, wird im Einzelverkauf ca. 5—6 Kc. kosten bei Bestellungen von mindestens 10 Stück ermäßigt sich der Preis auf 3 Kc. samt Porto. Bestellungen sind direkt an den Verfasser, Prag MII, Nerudova 36, zu richten. Es ist zu hoffen, daß die Ortsgruppen von dieser Gelegenheit Gebrauch machen werden. Bestellungen könne» schoß jetzt an den Verlag gerichtet werden. Eckstein. Das Palästina-Amt, Berlin W15, Meinekestr. 10, weist nochmals darauf hin, daß allen Anfragen, auch an die einzelnen Abteilungen des Palästina-Amtes, Rückporto bei* gefügt werden muß. Bei Anfragen, die ausführliche Antwort׳ verlangen, muß 1 RM. in Briefmarken beigelegt werden- Wir bitten alle Interessenten, unbedingt hierauf zu achten, da die Spesen des Palästina-Amtes sonst ins Ungemessene wachsen. Der Alltag in Erez Israel Ellcm U»bra1t»ln — Ee Cbuol Euo Sartnl — Glwath &r«nner Zwei PalKatlaefiier, dl« an wichtigen Punkt•» ■uuarM Slidloajiwerk*■ fahrend arbeiten, berichte» aus dem Leben Jüdischer Siedlungen in Palästina Mittwoch, de» 16. Aagut! 20j4 Uhr• Im Cafe Leon, Lehnfncr Platz BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG CnqifMi ••▼!,ayplatx » Lahnlner Platz