Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-08-15 · Heft 65 (15.8.1933) · p. Seite 432

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 65 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
Seite 432 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653792--23980-2686904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 430 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65, 15. Vffl. 1935 ״Deutsche Christen* und Altes Testament Bei der Reichstagung des Studenten-Kampfbundes ״Deut• sehe Christen“ in der Ada der Universität Berlin hielt der Reichsfiihrer das Kampfbundes, Pfarrer Hoff, wie die Zeitrnigen berichten, einen Vortrag über das Thema ״Unsere Stelhing rum Alten Testament“. Dieser Vortrag ist auch für uns Juden sehr interessant, weil die Meinung verbreitet ist, als lehnten die ״Deutschen Christen“ das Alte Testament wegen seines jüdischen Ursprungs rundweg ab. Das beruht auf einer Verwechslung der Glaubensbewegung Deutsche Christen mit der das Alte Testament tatsächlich völlig ablehnenden sogenannten ״Deutsch-Kirche“. Pfarrer Hoff hingegen erklärte, die ,,Deutschen Christen“ wollten das Alte Testament nicht aus der Bibel herausreißen und es auch nicht bespötteln und bekritteln, ״Wir unterscheiden bei aller Ehrfurcht vor der Autorität der Heiligen Schrift als Ganzes das, was göttlich darinnen ist von dem, was menschlich allzumenschlich, was jüdisch ist.“ Er sagte ferner: ״Dazu kommt, daß wir neben diesem Alten Testament auch Gottesoffenbarungen in anderen völkischen Ueberlieferungen, also in der Menschheitsgeschichte und daß wir sie im Naturgeschehen anerkennen. Freilich, alles das führt und muß führen auf Christus als vollkommene und höchste Offenbarung Gottes.“ Im einzelnen hat dann — nach den Presseberichten — Pfarrer Hoff die einzelnen Teile des Alten Testamentes analysiert und festgestellt, was davon für die ״Deutschen Christen“ akzeptabel sei und was nicht. * Die Tagung hat sich selbstverständlich auch mit der Rassenfrage beschäftigt, wobei einer der Führer der Olaubensbewegung Deutsche Christen, der stellvertretende Reichsfiihrer Pfarrer Locrzer erklärte, Volkstum und Rasse seien als ״göttliche Schöpfungsordnungen“ anzusehen und diese Ordnung gemeinsam mit dem Evangelium bilde den Grund der neuen Kirche. Prof. Müller (Jena), so wird weiter berichtet, habe auf der Tagung von der Gefahr der Rassenvergötzung und moderner Ersatzrcligionen gesprochen. Die Theologie habe die Aufgabe, das übervölkische Wesen des Evangeliums zu wahren. Es hat den Anschein, als ob die Beziehungen zwischen Christentum und Rassenidee noch nicht endgültig geklärt wären, Diese Probleme berührt der bekannte Theologe Karl Barth in seiner gegen die Deutsehen Christen gerichteten Kampfschrift ״Theologische Existenz heute“, worin er sich gegen die Berücksichtigung von Elementen wie Blut und Rasse innerhalb der Kirche wendet, die ausschließlich ״durch den heiligen Geist und durch die Taufe bestimmt“ werde. Was die Stellung der Deutschen Christen zur judenmissian betrifft, so erklärte Pfarrer Loerzer einem Vertreter des ״Berliner Tageblattes“, die Deutsehen Christen betrachten aucli die Missionen aller fremden Völker, also auch der Juden, für dringlich. ,,Wir lehnen ganz entschieden den verstiegenen Satz ab, das Judentum stehe unter dem Fluch und sei also nicht zu missionieren. Der Heilige Geist kann alles, und um des Heilandsbefehls willen wird die Juden mission bestehen. Allerdings gibt es den Unterschied des Volkstums: also auch den Unterschied des Deutsch-Christentums und des Judcn-Christentums. Der Glaube der Judenchristen erfährt unsere ungekürzte christliche Achtung und Wertschätzung. Der neue Geist, daß die christlichen Kirchen streng nach ihren Volkstümern getrennt sein müssen, muß auch das Judentum überkommen. Das wird ein Weg zur Aussöhnung und christlichen Brüderlichkeit sein.“ Im 19. Jahrhundert, wurde die Judentaufe häufig als ,,Entreebillett zur europäischen Kultur“ betrachtet. Wenn nun heute die Taufe nicht in die Gemeinschaft des christlichen Volkes hinein führt, sondern eine christliche Gemeinde innerhalb des jüdischen Volkes konstituiert, dann entsteht für die Getauften eine grundsätzlich neue Situation, die gewiß auch für das Judentum als Ganzes nicht ohne Folgen bleiben kann. Jüdische Arbeiter Der ״Völkische Beobachter“ vom 13. August versieht die (von der T. U. verbreitete und in mehreren deutschen Zeitungen veröffentlichte) Nachricht über die Erteilung von 1000 Einreise-Zertifikaten nach Palästina für jüdische Arbeiter aus Deutschland mit der nachstehenden Glosse: ״Hoffentlich versteht die Mandats-Regierung unter ,Arbeiter‘ nicht Handarbeiter; denn sonst könnte sie wohl lange warten auf ihre tausend liebe Gäste.“ Der ,,Völkische Beobachter" irrt. Es stehen viele tausende junger und auch älterer Menschen in Deutschland bereit, um als Arbeiter nach Palästina zu gehen. Diese wenigen Zeilen im ״Völkischen Beobachter“ zeigen in charak* teristischer Weise, wie wenig von den wirklichen jüdischen Verhältnissen der ״Völkische Beobachter“ und die hinter ihm stehenden Kreise in Wahrheit wissen. Es ist ihnen unbekannt, daß sich nicht erst seit dem 30. Januar, sondern seit Jahrzehnten im jüdischen Volk eine gewaltige Bewegung der Regeneration und der Umschichtung vollzieht, daß die jüdische Jugend neue Ideale hat, die sie unmittelbar in einem Leben der Arbeit zu verwirklichen strebt. Wenn der Kreis des, ״Völkischen Beobachter“ diese Tatsachen zu würdigen beginnen wird, dann wird vielleicht der Spott nach lassen und ein Ausgangspunkt auch zu einer Regelung der Judenfrage in Deutschland gegeben Sein. Jüdische Mitglieder in Handwerksorganisationen Aut Grund einer vom Gewerbeverein für Nassau beim Reichsverband des deutschen Handwerks eingegangenen Anfrage betr. Zugehörigkeit jüdischer Handwerksorganisationen hat der Reichsverband des deutschen Handwerks nachfolgende Antwort ersteilt: ,,Die Frage der Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu Handwerksorganisationen ist dahin zu beantworten, daß an der Zugehörigkeit nichts zu ändern ist, soweit zwingende gesetzliche Vorschriften, wie hinsichtlich der Zugehörigkeit zur Handwerkskammer und Zwangsinnung, bestehen. Darüber hinaus würde aber auf jeden Fall zu vermeiden sein, daß die jüdischen Mitglieder der Handwerksorganisalion Aemter in der Organisation bekleiden und insbesondere Vorstandssitze innehaben. Soweit die Zugehörigkeit zur Handwerksorganisation nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, muß es an sich den einzelnen Organisationen überlassen bleiben, die Frage der Zugeliörigkeit jüdischer Mitglieder zu regeln. Grundsätzlich würde aber selbstverständlich auch hier wert darauf zu legen sein, daß jüdische Mitglieder keine Aemter bekleiden und insbesondere keine Vorstandssitze innehaben.“ Die eingebürgerten Ostjuden Wir haben fn Nr. 64 der ״J. R.“ einen im ״Rdchaverwaltungsblatt“ erschienenen Artikel des Ministerialdirigenten Hering über die Zahl der nach dem Krieg eingebürgerten Ostjuden zitiert. Das Conti-Büro veröffentlicht nun gleichfalls eine Reihe von Daten über dieses Thema, die sich anscheinend auf Feststellungen des preußischen Innenministeriums stützen. Aus diesen offiziösen Veröffentlichungen ergibt sich, daß in weiten Kreisen sehr übertriebene Vorstei- 1 u n g e n über die Menge der ostjüdischen Einbürgerungen herrschen. Von 130000 Einbürgerungsanträgen, die von 1919 bis 1931 gestellt worden sind, waren nur ״etwas mehr als 5000" von Ost juden, also nicht ganz vier Prozent. In den Angaben des Conti-Büros heißt es: ״In der Gruppe der 11500 Einbürgerungsanträge von ,Ostausländern' sind auch die Ostjuden enthalten, deren Zahl mit einer besonderen Methode ermittelt wurde. Hier ergab die Erhebung, die keineswegs einfach war, daß in den zwölf Jahren etwas mehr als 5000 Einbürgerungsanträge gestellt wurden. Um nun den wirklichen Umfang der Einbürgerung von Ostjuden feststellen zu können, nat man hier auch noch, was bei den übrigen Teilen der Erhebung nicht geschehen ist, die Zahl der Familienangehörigen, die auf einen Antrag im Durchschnitt entfallen, ermittelt, und ist unter Berücksichtigung gewisser Fehl?rmögHchkeiten zu der Zahl von 12500 in der Zeit von 1919 bis 1931 eingebürgerten Ostjuden gekommen. Uebrigens ließ die Erhebung erkennen, daß die Zahl der Familienangehörigen, die auf einen Antrag des FamUienoberhauptes bei den Ostjuden entfiel, recht gering ist.“ Es heißt dann weiter, daß alle 130 000 Einbürgerungsanlräge nachgeprüft werden müssen, da es sich ja nicht nur um Ostjuden, sondern auch um solche Eingebürgerte, die ihre Zugehörigkeit durch schweren Verstoß gegen die Pflicht der Treue zu Volk und Reich moralisch verwirkt haben, handelt. Falsche ״Information״ Eine in Amsterdam in deutscher Sprache erscheinende Zeitung ״I) i e I n f o r ni a t i o n“ brachte in einer ihrer letzten Ausgaben auf der ersten Seite mit großer zweispaltiger Ueberschritt die Nachricht ״Rabbiner Prinz verhaftet“. Daraufhin richtete Herr Rabbiner Dr. Prinz, wie er uns rnitteilt. an diese Zeitung einen Brief, in dem er sie ersuchte, folgende Berichtigung zu veröffentlichen: ״Unter der Ueberschrlft ,Rabbiner Prinz verhaftet' berichtet ein ,Augenzeuge‘ von einer angeblichen Verhaftung anläßlich eines Gottesdienstes in der Synagoge Fasanen- Straße in Berlin. Ich erkläre hiermit ausdrücklich, daß der Bericht von Anfang bis zu Ende erlogen ist. Weder die Tatsache meiner Verhaftung in der Synagoge, in welcher ich übrigens nie amtiert habe, noch auch die Nachricht, ich sei bereits ,mehrfach verhaftet' gewesen, beruht auf Wahrheit, ich habe deshalb weder II« angeführten noch Worte ähnlichen Inhalts gesprochen. Ich lege auf die Fest- Stellung Wert, daß seit der deutschen Revolution in keinem einzigen Falle jüdische Gottesdienste gestört oder verhindert worden sind, daß vielmehr alle Gottesdienste — obwohl sie oft überfüllt sind — ln absoluter Ordnung und ohne jede Behelligung stattfinden.“ Ob die Berichtigung gebracht wurde, können wir nicht feststellen, da wir die Zeitung nicht zu Gesicht bekommen, Wir möchten aber nicht verfehlen, auch unsererseits bei dieser Gelegenheit darüber Klage zu führen, in welcher unseriösen Weise aus Deutschland stammende Nachrichten über jüdische Angelegenheiten von einem Teil der Auslandspresse, insbesondere aber von den sogenannten Emigranten-Zeitungen wiedergegeben werden. Wir haben uns seit Beginn der deutschen Umwälzung wiederholt über diese Leichtfertigkeit beschweren müssen. Es ist bedauerlich, daß die deutschen Juden in ihrer schweren Lage zu einem Objekt sensationeller journalistischer Ausbeutung geworden sind. Es hat den Anschein, als ob es diesen Zeitungen nicht aui Richtigkeit der Informationen ankäme, sondern auf politische Tendenzen, die durch beliebig erfundenes Nachrichtenmaterial gestützt wer• den sollen. Arische Parteien sollen keine )fidlschen Anwälte wählen Der Gauobmann des Nationalsozialistischen Deutschen Jurisfenbundes Gau Kurhessen, Rechtsanwalt Dr. Oswald F r e i s 1 e r, der Bruder des Staatssekretärs, veröffentlicht in der nationalsozialistischen ״Hessischen Volkswacht“ einen Aufruf, fn dem es u. a. heißt: Es ist leider wiederholt festgestellt worden, daß arische P r 0 z e ß p a r t ei en sich jüdischer Prozeßvertreter bedienen, ja, daß deutsche Prozeßparteien sogar nach der Zeitenwende der nationalen Erhebung jüdische Anwalte mit der Führung ihrer Prozeßangelegenheiten beauftragt haben. Das bedeutet zweifelsfrei ein Verhalten, das mit den Grundsätzen und Richtlinien der völkischen Wiederaufbauarbeit unvereinbar ist. Ein solches Verhalten ist auch dem heute überwiegenden Volksempfinden unverständlich. Der Nationalsozialistische Deutsche Juristenbund wird mit allen Mitteln darauf hinzuwirken bestrebt sein, daß derartige Fälle in Zukunft verschwinden. Die nationale Presse wird im Einvernehmen mit dem Juristenbund derartige Vorkommnisse fortlaufend veröffentlichen. Es darf daher erwartet werden, daß alsdann die wenigen prozeßführenden Parfeien, die den Sinn der nationalen Erhebung heute noch nicht verstanden haben, indem sie sich artfremder Partei Vertreter bedienen, in Zukunft erkennen werden, daß die Wahrung ihrer Rechtsbelange durch deutsche Anwälte und Parteivertreter geboten ist * Die ״Kreuz-Zeitung“ teilt auf Grund einer Rundverfügung mit, daß die Bestellung nichtarischer Rechtsanwalte für arische Mündel mit den Maßnahmen der nationalen Regierung nicht in Einklang zu bringen sei. Gegen die Bestellung jüdischer Rechtsanwälte für jüdische Mündel bestünden keine Bedenken. In der letzten Nummer der Juristischen Wochenschrift gibt die neue Schriftleitung Ihre Richtlinien bekannt Danach kann die Juristische Wochenschrift als Zeitschrift des deutschen Anwaltsvereins Im Bunde nationalsozialistischer deutscher Juristen nur Beiträge von Personen veröffentlichen, die Arier sind. Bücher, deren Verfasser Nicht-Arier oder die ln nichtarischen Verlagsuntemehmungen erschienen sind, werden im Schriftteil nicht besprochen. Anzeigen über solche Bücher werden auch nicht in den Anzeigenteil aufgenommen. Chaim Nachman Bialik mußte sich in Wien einer Ni erens tein-Operation unterziehen. Sein Allgemein• befinden nach der Operation ist zufriedenstellend. Professor William Stern und Dr, Otto Lipmann, der Gründer und bisherige Schriftleiter der Zeitschrift für angewandte Psychologie, haben mit dem jetzt erscheinenden Bande ihre redaktionelle Tätigkeit eingestellt. Streifendienst an Markttagen Dm ״Schönlinker Tageblatt“, Kreisblatt für den Netzekreis, berichtet: Vom Standortältesten des Streifendienstes wurde für Schönlanke eine Kontrolle angesetzt, die mit einigen SA.• bzw. SS.*Männem durchgeführt wird. Sie sollte feststellen, ob das Tragen von Abzeichen bei verschiedenen Personen berechtigt war und ob jüdische Geschäfte nationalsozialistische Artikel in ihren Schaufenstern ausgestellt haben. Weiter sollte die Kontrolle dazu dienen, alle diejenigen Personen, insbesondere Parteigenossen, festzustellen und namhaft zu machen, die jetzt noch in jüdischen Geschäften ge■ kauft haben. Der Streifendienst wird an allen Markttagen durchgeführt. Von vier Personen, die sich nicht ausweisen konnten, wurden Abzeichen eingezogen. Außerdem wurde wegen unerlaubten Tragens das Hakenkreuzabzeichen ent• zogen. Vier Fahrradwimpel wurden beschlagnahmt an Rädern, die sich an Fahrradständern vor jüdischen Geschäften be* fanden. Außerdem wurden dann alle diejenigen Personen festgestellt und namhaft gemacht, die in jüdischen Geschäften _ allein für das Kaufhaus Levy festgestellt worden. Von jetzt ab dürfen alle diejenigen Landwirte, die ihre Fuhrwerke bei einem jüdischen Geschäftsmann unterwirten verkauft sind. Im Hotel Kramp soll für die nächste Sitzung der Parteimitglieder eine Tafel angebracht werden, aut der alle diejenigen namhaft gemacht sind, die in jüdischen Geschäften gekauft haben. Von der Woche Einem Beschluß des Magistrats von F ii r st e n w a 1 d e a. d. Spree zufolge werden jüdischen Händlern während des dort am 23. August stattfindenden Jahrmarktes Plätze an einer abgesonderten und abgelegenen Stelle angewiesen werden. Die Duisburger Getreidebörse hat beschlossen, daß die Schiedsgerichte des Deutschen Landhandelsbundes künftighin nach folgendett Richtlinien zusammengestellt werden sollen: Sind be: einer Streitigkeit beide Streitteile Nichtarier, so besteht das Schiedsgericht aus einem Obmann und zwei nichtarischen Beisitzern. Ist einer der Streitteile Nichtarier, so muß auf sein Verlangen einer der Beisitzer Nichtarier sein. Das gleiche gilt auch für das Oberschiedsgericht. ״Der Deutsche“ veröffentlicht in Nr. 185 unter dem Titel ״Ich habe meinen Lehrling schwer mißhandelt!“ folgende Nachricht: Ein jüdischer Bäcker in Weener in Ostfriesland, .der seinen Lehrling mißhandelt hatte, wurde gezwungen, ein Schild um den Hals zu nehmen mit aer Inschrift: ״Ich habe meinen Lehrling, einen deutschen Volksgenossen, schwer mißhandelt!“ So wurde er von SA. durch die Stadt geführt. Das Berliner Sondergericht verurteilte den 19jährigen jüdischen Schneider Kurt Ihring zu 3 Monaten Gefängnis, weil er sich am 21. Juni in einem Cafä am Alexanderplatz das Abzeichen der NSDAP, ansteckte, obwohl man seine jüdische Herkunft, wie der ״Völkische Beobachter“ schreibt, schon von weitem erkannte. Vor dem Gericht verantwortete sich der Beschuldigte damit, daß er das Abzeichen nur aus Angst vor einem Unbekannten, der ihm gedroht habe, er werde Ihn totschlagen, wenn er sich weigere, es anzustecken, getragen habe. In mehrfachen Veröffentlichungen teilt die Kasseler ״Hessische Volkswacht“ mit, daß In zahlreichen Fällen nicht! üdische Mädchen mit Juden in Ausflugslokalen, Wochenendpensionen und Hotels betroffen worden seien, worauf eine Zwangsgestellung der betreffenden Personen durch SA. oder SS. erfogte. Das Blatt veröffentlicht Namen und Anschrift der betreffenden Personen und kündigt die fortlaufende Veröffentlichung solcher Fälle an. Wie die Zeitungen melden, ist Prof. Dr. Ernst Rüdin. München, zum Führer und Vorsitzenden der Gesellschaft für Rassehygiene ernannt worden. Prof. Rüdin ist besonders bekannt geworden durch seine Forschungen an der Anstalt für Psychiatrie in München, die bekanntlich kürzlich durch den jüdischen Millionär James Loeb eine Millionenstiftung erhalten hat. Auch früher schon hat Loeb diesem Institut große Zuwendungen gemacht. Es ist bemerkenswert, daß ein Forscher an diesem von einem Juden so großzügig geförderten Institut der Führer der Arbeitsgemeinschatt für Rassenhygiene und Rassenpolitik im Sachverständigenbeirat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik wird. Nach dem Verbot, das andere Städte für Juden in ihren geschlossenen Bädern erlassen haben, hat jetzt der Stadtrat Straubing einstimmig beschlossen, den Juden auch das Baden in der Donau im Bereich des Stadtbezirkes zu untersagen. _ Studium in Spanien und Portugal Herr Konsul Brauer, Magdeburg, sendet uns eine Darstellung, der wir nachstehendes entnehmen: Spanien und Portugal bieferj einer gewissen Anzahl jüdischer junger Leute aus Deutschland die Möglichkeit zur weiteren Ausbildung. Auf Grund meines früheren Aufenthaltes auf der iberischen Halbinsel habe ich die Möglichkeit erhalten, die Frage der Unterbringung jüdischer Schüler und Studenten in spanischen und portugiesischen Städten zu studieren. Junge Kaufleute können ferner in Marannenfamilien untergebraent werden, um dort sich beruflich umzustellen und ein Handwerk zu erlernen. Allerdings soll man gegenüber all diesen Möglichkeiten, die nur in sehr beschränktem Rahmen durchführbar sind, immer bedenken, daß eine Aus• Wanderung große Schwierigkeiten mit sich bringt, so daß es unzweckmäßig wäre, aus Deutschland fortzugehen, wenn man noch die Möglichkeit einer Existenz besitzt. Eine überstürzt« Auswanderung nach Spanien und Portugal z. B. könnte nur dazu führen, daß die Existenz derjenigen bedroht wird, die dort ein Unterkommen gefunden haben. Aus diesem Grunde müssen alle Projekte dieser Art mit größter Vorsicht behandelt werden. Der Bürgerkrieg In Kuba New York, 11. August. (J.T.A.) In New York sin׳ Meldungen dngetroffen, denen zufolge die jüdische Be völkerungin Havanna und anderen kubanischen Städte durch den dort herrschenden Bürgerkrieg und Generalstreil und die damit in Zusammenhang stehenden Ruhestörunge: und Terrorakte schwer betroffen wurde. Die genaue Zah der im Lauf der Ereignisse verwundeten oder ver hafteten luden steht noch nicht fest. Etwa 600 jüdisch Familien leben in kubanischen Provinzortschaften, ihr Schick sai gibt Anlaß zu schwerer Beunruhigung, ln Havanna sin* Nachrichten eingetroffen, aus denen hervorgeht, daß in de Provinz vielfach Wohnungen und Geschäfte von Judas et brachen und geplündert wurden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.