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Jüdische Rundschau · 1933-08-11 · Heft 64 (11.8.1933) · p. Seite 417

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 64 (11.8.1933)
Date
1933-08-11
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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August wird die mit der Kontroverse Dr. M a y b a u m — Dr. Friedrich Brodnitz (s. ״J- R.“ Nr. 61) begonnene Auseinandersetzung über die Stellung des C. V. zum Palästina-Problem durch einen Aufsatz einer leitenden Beamtin des Vereins, Dr. Eva Reich mann- J urigmann, fortgesetzt. Frau Dr. Reichmann zitiert zunächst die im Jahre 1913 gefaßte Entschließung des C. V., die «ne Kampfansage an den Zionismus bedeutete und versucht darzutun, daß der C. V. gegen die kolonisatorischen Auswirkungen des Palästinaatifbaus nichts gehabt habe, jedoch die jüdisch-nationale Idee ablehnen zu müssen gemeint habe. Dabei schreibt Frau Dr. Reichmann, offenbar um die heute als Irrtum erkannte damalige Stellung des C. V. doch noch zu verteidigen, den bedenklichen Satz hin, daß ״die jüdischnationale Idee eine Entwicklung zu begünstigen schien, wie sie heute in der Ausscheidung der Juden aus dem deutschen Volkskörper Tatsache zu werden droht“. Diese völlige Verkennung des politischen Gesamtaspektes darf nicht unwidersprochen bleiben. Die jüdisch-nationale Idee hatte k eineswegs den Sinn, eine Ausscheidung der Juden in der Art, wie sie heute in Deutschland erfolgt, «rinderten: sie hatte vielmehr den Sinn, eine solche bei einer Fortsetzung der die Judenfrage ignorierenden Assimilation als sicher zu erwartende kämpferische Auseinandersetzung zu verhüten, indem sie durch Einsicht in die Notwendigkeiten des Juden- Problems vorbeugend wirken wollte. Ist doch auch die heftige antijtidische Haltung des deutschen Volkes gerade durch die Juden gefördert worden, die — im Gegensatz zur jüdisch-nationalen Idee — die bestehende Differenzierung überhaupt nicht anerkennen wollten. Wir können also der gescliätzten Verfasserin keineswegs in dem Punkt zustimmen, daß die heutigen Verhältnisse jene Abgrenzung des C. V. gegen das Nationaljudentum als gerechtfertigt erscheinen lassen. Vielmehr scheint uns genau dasGegenteil der Fall zu sein. Wir sind überzeugt, daß im C. V. und im sonstigen deutschen Judentum sehr viele maßgebende Juden über diese Frage, auch über eine etwaige Möglichkeit einer gruppenhaften Eingliederung der Juden in Deutschland ganz anders denken als früher. Daher ist es auch recht unschön, wenn Frau Dr. Reichmann erklärt, die national-jüdische Idee sei ״so weitgehend verwirklicht worden, daß ihr vor ihrem eigenen Triumph oftmals bange geworden sein dürfte“. Frau Dr. Reichmann als jüdische Publizistin müßte wissen, daß hier von einem ״Triumph der national-jüdischen Idee“ nicht gesprochen werden kann, sondern daß die national-jüdische Idee etwas ganz anderes, nämlich eine sinnvolle, von einem bewußten Judentum mit klarem Willen und mit Einsicht in die realen Verhältnisse herbeigeführte Neuordnung angestrebt hat; was aber durch die assimilatorischen Juden vereitelt wurde, so daß es dahin gekommen ist, daß die Juden, die ja in Deutschland bisher keineswegs von Nationaljuden, sondern nur von Assimilanten der C. V.-Richtung in ihren offiziellen Instanzen geführt worden sind, lediglich passives Objekt des Geschehens sind. In der die deutsche Judenfrage betreffenden Publizistik fanden wir häufig genug seitens deutscher Personlichkeiten den Hinweis darauf, daß das deutsche Judentum (gemeint ist natürlich das assimilatorische) so wenig einsichtsvoll und handlungsfähig ist, daß die Entwicklung über seinen Kopf hinweggehen müsse. So begreiflich es auch scheint, daß in der ״C. V.-Zeltung“ die frühere Stellung des C. V., die aus historischen und psychologischen Bedingungen heraus durchaus erklärlich Ist, verteidigt wird, so scheint uns doch die Situation zu ernst, als daß man sich einer klaren, wenn auch vielleicht bitteren Erkenntnis der wahren Zusammenhänge entziehen dürfte. Im übrigen können wir mit Genugtuung feststellen, daß sich der zweite Teil des Aufsatzes in sehr positiver Form zum Palästina problem äußert und auch offen zugibt, daß weite Kreise des C. V. in dieser Frage eine Anschauungsänderung durchgemacht haben. Die Verfasserin schreibt u. a.: ״Da strahlt in schwerer Notzeit der Stern Palästina auf. Manchen scheint er Erlösung, einzige Hoffnung in tiefem Dunkel; anderen eine Lichtquelle unter mehreren, die den Weg in die Zukunft erleuchten. Allen aber, auch denen, die bisher seine Helle, ja fast seine Existenz leugneten, ist er plötzlich sichtbar geworden... Fest steht, daß es heute, von kaum erwähnenswerten Ausnahmen abgesehen, keinen deutschen Juden mehr geben dürfte, der aus der Tatsache, daß Palästina ist, und daß es so ist, wie eine hoffnungsvolle Entwicklung es zurzeit sein läßt, nicht stärksten Trost in trostarrner Zeit empfinge. Doch dieser Trost enthält zugleich eine Forderung. Er fordert von jedem — mag er nun seine eigene Zukunft oder die seiner Kinder in Palästina gestalten wollen, oder mag er nur Erlcichterung empfinden in dem Gedanken, daß überhaupt dort jüdische Zukunft winkt — er fordert, daß man sich als einfacher Soldat ein reihe in die Armee der Arbeit, die an dem Werke Palästina schafft. Die Forderung ergeht ganz besonders an die, die durch Schicksal gezwungen, den Blick jetzt nach Palästina wenden und sich anschicken, dort etwas zu ernten, von dessen Saat sie sich vorher ausgeschlossen hatten. Sie gehen schuldig-unschuldig einen \K'eg, den nicht sie, sondern andere vor ihnen mit Todesverachtung bahnten. Und dafür ziemt es ihnen, demütig und dankbar zu sein.“ (Sperrungen von uns. — ״J.R.“) Ueber die gegenwärtigen Notwendigkeiten einer Neuorientierung, insbesondere einer Durchbrechung der alten Parteischranken, schreibt Frau I>r. Reichmann folgende.« ״Es gibt in der Stellung zur praktischen Arbeit keinen Unterschied mehr zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Nichtzionisten, die nie geglaubt hatten, Palästina könne auch für sie erbaut werden, gehen hinüber. Zionisten, die nie geglaubt hatten, der Bestand des deutscheu Judentums, den sie ideologisch längst geopfert hatten, würde ihnen noch einmal Gegenstand heißesten Bemühens werden, denken und schaffen für seine Erhaltung. Der Sinn der Arbeit mag hier und dort in Feinheiten voneinander abweichen. Der Schwerpunkt mag bald hierhin, bald dorthin verlegt werden. Im Grunde — ob aus Liebe oder aus Not — wollen alle dasselbe: deutschem Judentum eine Zukunft bereiten. Es ist darum endlich an der Zeit, aus dem Gegen einander der jüdischen Arbeit ein Nebeneinander und hoffentlich bald ein Miteinander zu machen.“ Dies sind Sätze, denen wir gewiß zustimtnen können. Die Probleme sind heute viel zu groß, um sich an die althergebrachten Unterscheidungen zu halten. Worauf es ankommt ist aber, ein positives Programm für die Zukunft zu haben und sich mit entschlossen«• Kraft dafür einzusetzen. Dieses Programm wird aber nur dann den Bedürfnissen der Stunde gerecht werden können, wenn es von einer inneren Begeisterung für das Judentum erfüllt ist und bewußt davon ausgeht, daß nur von dieser Basis aus eine Neugestaltung unseres Lebens möglich ist. Die mitteleuropäische Judenheit Von Dr. Alfred Michaelis, Berlin. Der nachfolgende Artikel macht einige Einwendungen gegen die Ausfahrungen von Dr. Alfred Marcus geltend. Diese Darlegung zeigt nur, wie schwierig das Prahlern liegt. Der Verfasser weist darauf hin, daß es deutsche Juden gibt, die Palästina anders einschätzen als den Schilderungen von Dr. Marcus entspräche. Wir glauben, daß auch Dr. Marcus diese Tatsache nicht bestreiten wird, da er wohl nicht rerallgemeinem wollte, sondern nur einen in Palästina (und in Deutschland) wirklich häufig auftretenclen Typ deutscher Juden charakterisieren wollte mit der erkennbaren Absicht, Menschen dieses Typs rechtzeitig auf ihre Irrlümcr aufmerksam zu machen. Iled. Zu dem Aufsatz von Dr. Alfred Marcus (Haifa) ״Palästinensische Wirtschaft und mitteleuropäische Judenheit“ (״J. R.“ vom 4. August 1933), der über die deutschen Juden Gerieht hält, seien in folgendem einige Gegenbemerkungen vorgebracht: Die einseitige städtiscli-mittelständische Berufsgliederung der deutschen Juden ist seit reichlich einem Menschenalter — und in vorderster Linie von der zionistischen Theorie — erkannt und bekämpft worden. Nicht gegen diese von Dr. Marcus mit Recht hervorgehobene Binsenwahrheit richtet sich die Entgegnung — auch nicht gegen die starke Betonung der Schwierigkeiten einer plötzlichen Masseneingliedcrung deutscher Juden in die palästinensische Wirtschaft. Sie richtet sich gegen den vorwurfsvollen, anklägerisclten und aburteilenden Grundton, der in diesen Ausführungen besonders nuanciert zum Ausdruck kommt und weder durch die Tatsachen gerechtfertigt ist noch vor allem der Einordnung deutscher Juden in das palästinensische Leben besonders förderlich sein dürfte. Wie stellt sich Herr Dr. Marcus eigentlich die Berufs- Umschichtung vor? Für ihn ist es damit abgemacht, sie ״schon vor (2—3) Jahren als dringende Notwendigkeit bezeichnet“ zu haben. Sollen sich etwa inzwischen die Aerzte, Anwälte und Kaufleute eilends in Bauern und Arbeiter verwandelt haben? Vermutlich wären es sehr unzulängliche Vertreter ihres neuen Berufes geworden! Die Berufsschichhmg■ der mitteleuropäischen Juden ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen histo rischen Entwicklung, die sich nicht in wenigen Jahren auslöschen läßt. In ihren Berufen erwachsen gewordene Anwälte, Aerzte und Kaufleute können nicht eines Tages aus ihren Existenzen herausspringen und als Arbeiterlehrlinge und Bauernknechte ein neues Leben beginnen — schon ihre körperliche Konstitution steht dem entgegen. Die Bernfsumschichtung kann in wesentlichem Umfang vernünftigerweise nur als Er- Ziehungsaufgabe an der nächsten Generation aufgefaßt werden. Derartig fundamentale soziale Um- Stellungsprozesse gehen über das Leben einer Generation hinweg. Wir brauchen nur an die unendlichen Schwierigkeiten der Industrieaüslerung der russischen Agrarbevölkerung oder Reagrarisierung eines Teiles der deutschen Industriebevöikerung zu denken, ■wobei es sich nur um den Liebergang von einem körperlichen Arbeitsberuf zu einein anderen unter Einsatz aller staatlichen Hilfsmittel handelt. Um wieviel schwieriger liegen die Dinge bei den Juden, die in der intellektuellen Berufs- Sphäre verwurzelt sind, und von denen jeder auf sich selbst gestellt ist! Die Beurteilung dieser Fragen erfordert andere Maßstabe, als Dr. Marcus sie mit dem Hinweis auf sein Buch anlegt. Die deutschen Juden sind durchaus nicht von jener ebenso rechtzeitig wie vergebens verwarnten Indolenz und Anpassungs- Unfähigkeit, in der Dr. Marcus ihr Wesensmerkmal erblickt. Sie haben auf die erschwerten Existenzbedingungen unerhört frühzeitig und einschneidend reagiert, und zwar in der Weise, in der Kulturvölker auf ökonomischen Druck reagieren: durch Geburtenbeschränkung. Gerade die berölkerungsstatistisc'nen Aufsätze Ernst Kahns in den letzten Nummern der ״J. R.“ haben auf das eindringlichste auf den Geburtenrückgang seit der Jahrhundertwende hingewiesen, wobei das deutsche Judentum in den letzten Jahren den Weltgebnrtenrekord nach unten hält — dasselbe deutsche Judentum, das in den vorhergehenden 50 Jahren in seiner wirtschaftlichen Awfstiegsperiode an der oberen Spitze der Bevölkerungszuwachsstatistik marschierte! Die Reaktion auf die geänderten Existenzbedingungen erfolgte auch in der Tendenz richtig: Der einzige Faktor, der die nahezu ausweglose Situation der deutschen Juden abmildert, ist die abnorm schwache Besetzung der untersten 20er—30er Jahrgänge. Wäre statt der forcierten Geburtenbeschränkung eine forcierte Umstellung auf die urproduzierenden Berufe betrieben worden, so wäre die heutige Situation noch ungleich scliwieriger. Dr. Marcus vergißt, daß der industrielle Arheifsmarkt wie die Landwirtschaft in allen Ländern weit tiefer in der Krise stecken als die kaufmännischen und akademischen Berufe. Kein Land der Welt wäre für jüdische Arbeiter und Bauern aufnahmefähiger als für Kaufleute und Akademiker — und auch die Kapazität Palästinas reichte nicht zur Aufnahme Hunderttausender jüdischer Jugendlicher aus, selbst wenn sie alle Arbeiter und Bauern wären! Inwiefern das mitteleuropäische Judentum also die palästinensische Entwicklung der letzten Jahre ״einfach verschlafen“ hat, bleibt unerfindlich. Wenn das Verschlafen nur darin besteht, daß seinem 8<y״igen Anteil an der Gesamtzahl der Juden nur ein 4—5°/oiger Einwanderungs- ״Deutsche Judenfrage und Palästinasiedlung" Dr. GEORG LANDAUER spricht über dieses Thema am Monfag, dem 14. Augusf, abends 8 Uhr, in der Aula der Schule Kaiser5fräße 2.0/30 Berliner Zionistische Vereinigung OUUPPE ZENTRUM GRUPPE F RI E D RS C W S H AI N anlei! in Palästina während der Jahre 1920—1932 entspricht, d. h., daß in diesen Jahren -101)0—5000 mitteleuropäische Juden mehr nach Palästina hätten einwandern müssen, so war dieses Defizit gewiß weder für den Paiästinaaufbau noch für die hiesige Situation von schicksalsentscheidender Bedeutung und wird jetzt — hoffentlich zum Segen beider — gründlichst nachgeholt. Die objektiven Einordnungsschwierigkeiten, die sich aus der Berufsschichtung der deutschen Juden ergeben, sieht Dr. Marcus durch subjektive Momente verschärft — zunächst die untaugliche anachronistisch-liberale Wirtschaftsauffassung. Mir ist nicht klar geworden, was damit gemeint ist, welches konk r e t e andersartige, ״moderne“ Strukturprinzip die palästinensisehe Wirtschaft beherrscht. Der gewerblich-industrielle Wirtscliaftsfaktor, um den es sich hier handelt, basiert prinzipiell ebenso wie die bisherige mitteleuropäische Wirtschaft auf Unternehmerinitiative, freier Marktwirtschaft und Konkurrenz. Die ״Wirtschaftauffassungeu“, die Dr. Marcus herumagieren läßt, scheinen mir etwas nebelhaft und ideologisch- — Schließlieh die Erwartungen und Aspirationen, die Dr. Marcus den Einwanderern aus Deutschland unterstellt: die einen ein paradiesisches Nichtstueridyll, die anderen großspurige Positionen. Ueber persönliche Beobachtungen und Erfahrungen läßt sich schwer streiten. Nur soviel sei festgestellt: die deutschen Juden haben sich unter Palästina niemals ein derartiges Schlaraffenland vorgestellt — sie waren im Gegenteil von übergroßer Skepsis erfüllt. Lange genug haben sie sich ja ablehnend verhalten und wenn jetzt unter dem Druck der Ereignisse ein Teil nach dort geht, so geschieht das im allgemeinen mit den bescheidensten wirtschaftlichen Aspirationen in der Hoffnung, iri Palästina als Juden unangefochten leben und dein Erwerb mchgehen 7.1t können. Wer Deutschland nicht am 1. April 1933 verlassen hat und seitdem hier die zahllosen Erörterungen über fernere Existenzniöglichkcitcn in allerWelt miterlcht, weiß,wie nüchtern und vorsichtig auch die Aufnahmefähigkeit Palästinas eingeschätzt wird, wie eifrig die Akademiker und höheren Angestellten im Rahmen des Möglichen sich auf einfache, handwerkliche Berufe unmisteilen bestrebt sind. Es mag Fälle der Art, wie sie Dr. Marcus glaubt typisieren zu können, geben — ihre Verallgemeinerung stellt eine Verkennung des Ernstes der Stimmung dar, in der die deutschen Juden ihrer Zukunft entgegensehen. Palästinensische Revisionisten unter Anklage Jaffa, 8. August. (J. T. A.) Am 8. August kam es zur Verhandlung gegen 14 der Revisionisten, die am 23. Juli unter ■der Beschuldigung, einer geheimen revolutionären Organisation (Zionim Machaphanin Brith Jonim) anzugehören, verhaftet worden waren. Die erste Vernehmung der verhafteten Revisionisten, unter denen sich auch der Revisionisteaführcr Aba Achi Meir und der Redakteur des revisionistischen Wochen- Blattes ״Chasit Haam“ Dr, Har-Eve n, sowie der inzwiscl^ im Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord angeklagte Zwi Rosenblatt befanden, erfolgte am 25. Juli durch den Oberrichtet־ von Tel-Awiw Bodilly. Auf Antrag der Polizei verbängte der Richter über die Beschuldigten eine Untersuchungshaft bis zum 8. August, um ״der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit zur Vorbereitung der Anklage“ zu geben. Bei der am 8. August durchgeführten neuerlichen Verbandlung kündigte Staatsanwalt Shitrit die Freilassung der sechs Verhafteten Hille! Zuri, isaac Simanowifsch, Arien Ben Elieser, Zwi Schneidermann, Samuel Weigelmann und Joschua Scharony wegen Mangels an Beweisen in. Dagegen wurde gegen 14 Beschuldigte, nämlich Dwiri Haiperin, Moses Swurai und Jakob Ornstein aus Jerusalem, Salomon Neuinann, Avigdor Kipnis, Zwi Feinberg, Dr. Har-Even, Aba Achi Meir und Maiawski aus Tel-Awiw, Hafsan aus Ramat Gan, Hagtili (Joseph Horowitz) aus Nathania ur.d die einige Tage nach der ersten Verhaftung freigelasscnen, tinmittelbar vor der Verhandlung jedoch wieder verhafteten Beschuldigten Jcwiti und Dr. Lichter die Anklage wegen Vergehens gegen die (anläßlich der Unruhen des Jahres 1929) erlassene Aufruhr Verordnung, deren Verletzung mit drei Jahren Gefängnis bestraft wird, erhoben. Das palastinensische Aufruhrgesetz richtet sich gegen die Zugehörigkeit zu ungesetzlichen Vereinigungen, gegen Verschwörung zum Sturz der Palästinaregierung, zur Armierung der palästinensischen Verfassung auf gewaltsamem Wege, gegen die Erzengung von Feindschaft zwischen einzelnen Klassen oder Teilen der Bevölkerung und gegen den Besitz aufrührerischer Schriften. Staatsanwalt Shitrit forderte den Richter auf, die Untersuchungshaft der Beschuldigten um weitere 1-1 Tage zu verlangem, damit die Polizei in der Zwischenzeit die zahlreichen Dokumente und Briefe, die hei den Haussuchungen beschlagnahmt wurden, übersetzen könne. Kriminalkommissar Tenenbaum erklärte unter Eid, es seien zur Ankiageerhebting hinreichende Beweise vorhanden, woraufhin der Richter die verlangte Haftverlängerung vers fügte. Der Verteidiger beantragte Freilassung deT Gefangenen gegen Kaution. Der Richter entschied, daß Haftentlassung«- anträge für jeden einzelnen Häftling zulässig seien, und daß hei Zustimmung der Polizei zur Haftentlassung diese in jedem einzelnen Falte gegen Erlag einer Kaution von 50 Pfund erfolgen könne. Tagung des CoodcII der Jewish Agency Die Tagesordnung ■der 3. ordentlichen Tagung des Coun• eil der Jewish Agency, die am 31. August und am I. September in Prag abgehalten werden wird, wurde folgendermaßen festgesetzt: 1. Sitzung, Donnerstag, den 31. August: t Eröffnungsrede des Vorsitzenden des Council, O. E. d’Avigdor Goldsinid; 2. Eröffnungsrede des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum Sokolow; 3. Politischer• Bericht der Exekutive; 4. Wahl des Legitimationsausschusses. 2. Sitzung, Donnerstag, den 31. August. 5. Bericht des Legitimationsausschusses; 6. Bericht der Agency-Exekutivc über die Tätigkeitsperiode 1931/32 (landwirtschaftliche Ko- Ionisation, Einwanderung, Finanzen); 7. Bericht über die Pläne einer Reorganisation der Jewish Agency; 8. Wahl der Kommissionen. 3. Sitzung, Freitag, den 1. September. 9. Debatte über die Berichte. 4. Sitzung am 1. September, 10. Fortsetzung der Debatte; II. Berichte der Kommissionen, Abstimmung über deren Vorschläge; 12. Wahl der Organe der Jewish Agency; 13. Schluß der Tagung, Die Londoner i 1t g o s I a w i s c h e Gesandtschaft demontiert die Nachrichten über einen angeblichen Plan, deutsehe Juden in Jugoslawien landwirtschaftlich anzusicdeln.

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