Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Nr. 64 11 VIII. 1933 jüdische Rundschau Seite 413 n Timer r die sdies eußeungs-;Roh-, rtung auch Er- ־rage laher, •rstoß nicht e des darc h e) gnis“ 1 auf!llung eilten, zeugherdiese Nicht-!zeitig hnung mit als Ware :blich, ischen ften tsches eshalb d die schein!es in Ware rzengdes darauf [enden Ware ire). ,onate, 1 zwichen ihciten en, ist it der ׳eworwohl t, bei r auch wirken, schaftlässig wich- Frage t, war en Inen; es ׳orden. 1s enti s c h e ril und er des n dem uf hin, isc h e stellten g des ltlichen Frl. K. e auch I zur önnc. II s c hrt. so ti O b ״ en das lassung mg sei uf Anoykottng geje.. Die Unter- ,uch in :amtenen sein, keine jü di• fseebad ind ein /on unerkratzt geheure! Enter ln• isen zu 8 samtie Fnsel lebe n! r h eirreifung uch die Iler des hat die n Schild t*che Geschehende Geschichte Hinweh j Unter all den Arten, Geschichte — auch die, die jeweils um einen und an einem geschieht — zu betrachten, sind zwei in besonderer Weise dadurch bedeutsam, daß sie die Geschichte religiös anschauen, sie in die Gesamt- Wirklichkeit des Glaubens hereinnehmen. Ist dies den beiden gemeinsam, so sind sie in allem übrigen gegensätzlieh. Die eine ist herrschend und herrisch, auch die durchaus profan gesinnten Historiker leben, zumeist ohne «s zu wissen, von ihrer Fülle, sic führt das große Siegel, durch das gekennzeichnet wird, was als Geschichte zu gelten hat. Die andre ist ein Aschenbrödel, nur wenige, kindliche Gemüter, halten Umgang mit ihr, zuweilen erblickt auch ein Theolog sie und verwundert sieh, aber es wird ihm leicht werden, sie zu vergessen. Wir mögen sie die von oben und die von unten nennen. Die Betrachtung ״von oben“ war von je unter den Völkern verbreitet, die ״von unten“ ist die Israels; das Christentum ist der geschichtliche Ort ihrer Verhandlung. Für die Betrachtung ״von oben“ ist die Geschichte ein Handeln Gottes durch die Menschen. Da Gott die Allmacht ist, besteht sein Gesehiehtshandeln, das sich durch die Menschen vollzieht, darin, daß er Menschen Macht verleiht. Diese Menschen, die ״Geschichte machen“, erkämpfen sich die Macht, behaupten sie, üben sie aus. Ihre Macht ist von Gott ermächtigt, ist ״Vollmacht“. Für die Betrachtung ״von unten“ ist die Geschichte ein Handeln zwischen Gott und den Menschen, ein Dialog des Handelns. Gott, der die Allmacht ist, hat in der Schöpfung seinem Geschöpf eine Eigenmächtigkeit zugeteilt, vermöge deren es sowohl auf ihn zu als von ihm ab, sowohl für als wider ihn handeln kann. Geschichte ist, was zwischen Gott und seinem von ihm eingesetzten selbständigen Gesprächspartner geschieht. Der mächtige Mensch steht genau ebenso im Geschichtsdialog wie der machtarme. Für die Betrachtung ״von oben“ ist die Geschichte aus Erfolgen zusammengefügt, und hinter jedem Erfolg steht Gott selber. Aus dem Erfolg, den einer hat, ergibt sich, daß er ermächtigt und gesegnet ist. Wer keinen hat, ist ersichtlich von Gott verleugnet. Geschichte, das ist die Reihe der Macht-Erringungen durch die Ermiichtigten und ihrer Sieg-Ausnutzungen; die Besiegten, die Unmächtigen sind nur Folie. Wo gesiegt wird, ist göttliche Entscheidung, ist Gott; Erfolge sind Offenbarungen. Für die Betrachtung ״von unten“ ist der Erfolg kein Merkmal einer letzten Unterscheidung. Einer kann etwa, weil ihn keine innere Hemmung an der Beseitigung eines andern hindert, zur Macht gelangen; aber ist Hamlets Stiefvater deshalb wirklich schon geschichtsw-ürdiger als Hamlet? Besteht Geschichte aus einem Zwiegespräch zwischen Gottheit und Menschheit, dann mag es oft geschehen, daß der sich nicht ״Durchsetzende“ die rechtmäßigere Antwort gibt und in der Verborgenheit eine unscheinbare, unerkannt bleibende Bestätigung empfängt. Und wenn Gott sich auch etwelcher Mächtigen bedient, um sein Werk, mit dem er die Menschen anredet, auszurichten: den Pfeilen, die er verschießt, sind jene nicht unebenbürtig, die er, blank und kräftig wie sie sind, im Dunkel seines Köchers ruhen läßt. Tun sie da, im Dunkel verharrend, nicht Gottes Werk, das geheimnisvolle, das noch andre und andersartige Taten kennt, als die in der Oeffentliehkeit geschehen und von ihr beglaubigt werden? Hier ist einer, der Macht ausübt; und da ist einer, der diese Machtausübung erleidet; wie, wenn er eben dies um Gottes willen leidet? Gibt es nicht ein Leiden, das von Gott geliebt wird? Ja, heißt es nicht, daß seiner Schechina .selber, die durch die Geschichte wandelt, das Dunkel und das Leid der Gnlut, der ״Verschleppung“, widerfährt? Gottes Geschichlsvveg ist nicht überschaubar wie das Geschichtlein der Geschichtsschreiber. Nicht die All-Macht bloß, auch das All-Leid ist Gottes. Für die Betrachtung ״von oben“ ist die autoritäre Macht von Gott eingesetzt. Wohl wird immer wieder, von Babylon bis ins abendländische Mittelalter und seine Ausläufer verkündigt, daß der Herrscher nicht nur in der Gnade Gottes, sondern auch in der Verantwortung zu ihm stehe, daß also die Gnade nicht bedingungslos, nicht unverwirkbar gespendet sei. Aber mit wie starken Farben wird die Gnade, mit wie blassen die Verantwortung ausgemalt, wie ganz anders weiß die Historie mit jener als mit dieser Ernst zu machen! Wohl kennt die Ge- Schichtsvorstellung des griechischen und nachgriechisehen Zeitalters das Bild der Hybris, in der der Mächtige eine ihm gesetzte Schranke überschreitet und daran untergeht; aber wie sehr wird hier vom offenkundigen Zusammenbrueh, vom abschließenden Mißerfolg aus geurteilt, wogegen all die Hybris unbeachtet bleibt, die in der offenkundigen Geschichte nicht geahndet worden ist! Auch der Betrachtung ״von unten“ gilt die autoritäre Macht als von Gott eingesetzt, aber zugleich als ihrer eigenen Problematik ausgesetzt. ״Verantwortung“ ist hier kein genehmer, geläufiger Begriff, sie ist in der furchtbaren Tatsächlichkeit ihres höchsten Ernstes gefaßt: die Macht, die einem verliehen wurde, ist ein Anspruch Gottes an ihn, auf den er mit seinem Tun und Lassen zu antworten hat, und die Macht ist nur so weit von Gott ermächtigt, als sic vom Menschen verantwortet wird. Macht wird nicht geschenkt, sie wird in Wahrheit vorliehen, sie ist ein Lehen, das entzogen werden kann, wenn cs nicht dem Auftrag gemäß verwaltet worden ist; und wird es gleichwohl nicht entzogen, dann w׳ird die Macht in sich verwirrt und wider sich erregt, das Wehen des Maehtgcistes von der Allmacht her verkehrt sich zu jenem ״bösen Geisten von IHM her“, das Sauls späteres Leben zersetzt. Auch die großen Gewaltherren, die jesajaniseh (10,5) ״ein Stecken des Gotteszorns“ heißen, werden, wenn sie über ihren Werkzeugsberuf hinaus sieh vermessen (10, 13ff.), wie ein Stecken zerschlagen; und wo die Geschichte die Strafe nicht wie bei Sanherib in der Oeffentliehkeit sich vollziehen läßt, weiß die Geschichtssage zu erzählen, wie Ncbukadiiezar, des Menschenverstands beraubt, mit den Tieren des Feldes Gras frißt. Gott führt seinen Dialog mit dem Geschöpf, das von ihm Mächtigkeit von Natur und Macht von Gnaden empfangen hat, und es hat ihm Rede zu stehen, ob es Mächtigkeit und Macht seinem an cs ergangenen Gebot gemäß verwendet habe; aber er führt auch seinen Dialog mit jenem anderen Geschöpf, das den Mißbrauch der Macht erduldet, er nimmt dessen Aufschrei an und steht selber ihm anstatt des Machthabers Rede. Gott verweilt nicht ״oben“ wie eine Sonne, die die heitere Stirn des!Mächtigen umglänzt; wenn Sara ihre Magd Ilagar ״drückt“, wirft er sich in der Gestalt seines Boten nach unten, begegnet auf gleicher Ebene der Umherirrenden und befiehlt ihr, sich unter die Hände der Herrin zu ״drücken“, dem ״Druck“ also, den Gott ״vernommen“ hat, nicht auszuweichen, sondern ihn getrost und der Verheißung gewiß zu ertragen. Gott ist somit nicht ein ruhendes ״Oben“, von dem die unbekümmerten Oberen ihre Autorität fortlaufend geliefert bekommen; wenn sie, dem Auftrag zuwider, die ihrer Macht anvertraute Kreatur bedrücken und sie am Boden liegt, ist Gott nicht mehr oben zu finden, sondern da unten, am Boden bei ihr. Denn ״nah ist ER denen gebrochenen Herzens“ (Ps. 34, 19). Die Betrachtung ״von oben“, die die Geschichte von Gott her zu fassen meint als dem, der den Geschichtsmächtigen ihre Macht verleiht, wird zu einer Betrachtung von unten, wann sie die Untreue der Mächtigen übersieht. Die Betrachtung ״von unten“, die sich beseheidet, die Geschichte von der Menschennot aus zu fassen, wird zu einer Betrachtung von oben, wann sie der Treue Gottes begegnet, der den Leidenden so die Treue hält, daß er, selber in sei.1er ״Einvohnung“ All-Leid erfahrend, den Weg durch die Geschichte geht. Bedeutet dies aber, daß wir, wir von Israel, in unserer Betrachtung ״von unten“ die Möglichkeit besäßen, jeweils des ״objektiven“ Sinns der geschehenden Geschichte inne zu werden, ihn zu erkennen und kenntlich zu machen, Urteil über das Geschehen zu sprechen, zwischen Gottgemäßem und Widergöltlicheiri zu scheiden? Das bedeutet es nicht. Wir besitzen zu dergleichen keinerlei Möglichkeit. Ist Geschichte ein Dialog zwischen Gottheit und Menschheit, dann können wir ihres Sinns jeweils nur da inne werden, wo uns die Anrede trifft, und nur insofern, als wir uns von ihr treffen lassen. Es ist uns also schlechthin verweigert, von der geschehenden Geschichte rechtmäßig zu denken: ״Dies und dies ist ihr Sinn“ oder ״Das da an ihr entspricht, das dort widerspricht dem von Gott Gemeinten“, aber es ist uns gewährt von ihr zu wissen: ״So und so fordert sie mich an, dies ist ihr Anspruch an mich, dies also ihr Sinn für mich.“ Dieser Sinn aber ist nicht ein ״subjektiver“, er ist nicht aus meinem Gefühl oder meiner Reflexion entstanden und in die Dinge verlegt, sondern es ist der Sinn, den ich in der Wirklichkeit verspüre, erfahre, höre. Der Sinn der Geschichte ist nicht eine Idee, die ich unabhängig von meinem persönlichen Leben formulieren kann, mit meinem persönlichen Leben allein vermag ich ihn aufzufangen, denn es ist ein dialogischer Sinn. Rabbi Levi Jizchak von Berditschew pflegte, wenn er in der Pessach-Haggada an die Stelle von den vier Söhnen und in dieser an den vierten Sohn kam, an den, ,,der nicht zu fragen weiß“, zu sagen: ״Der nicht zu fragen weiß, das bin ich, Levi Jizchak von Berditschew. Ich verstehe dich nicht zu fragen, Herr der Welt, und wenn ich’s verstünde, ich brächte es doch nicht fertig. Wie könnte ich mich unterfangen, dich zu fragen, warum alles so geschieht wie es geschieht, warum wir aus einem Exil ins andre getrieben werden, warum unsere Widersacher uns so peinigen! Aber in der Haggada wird zum Vater des Frageunkundigen gesprochen: ,Eröffne du es ihm!‘ Sie beruft sich auf die Schrift, in der geschrieben steht: ,Ansagen sollst du es deinem Sohn!‘ Und ich bin ja, Herr der Welt, dein Kind. Nicht darum bitte ich dich, daß du mir die Geheimnisse deines Weges enthüllest, — ich könnte sie nicht ertragen. Aber das eröffne du mir, tiefer, klarer, was dies hier, das jetzt eben geschieht, mir meint, was es von mir fordert, was du, Herr der Welt, mir damit ansagst. Ach, nicht warum ich leide, will ich wissen, nur ob ich dir zu ,Willen leide,“ Martin Bubet. Jüdische Rassenforschung Ein Vorschlag an die Universität Jerusalem Von Dr. Ignaz Zollschan. Dr. Ignaz Zollschan ist der Verfasser des bereits 1910 erschienenen Buches ״Das Itassenprohlem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlage der jüdischen Rassen/rage“. Seine Ausführungen, die ein Memorandum an das Kuratorium der Universität Jerusalem darstellen, dürfen zweifellos ein allgemeines Interesse beanspruchen. Red. Wenn cs für eine Universität ein (jebiet gibt, auf dem ausschließlich sie allein hochwertige wissenschaftliche Ziele erreichen kann, so hat sic sicherlich auch die Aufgabe, neben derjenigen wissenschaftlichen Tätigkeit, wie sie den für alle Universitäten üblichen Fächern entspricht, gerade dieses Spezialgebict besonders zu pflegen. Die Rassenidcologie hat derzeit für das we'tanschauliclie Bild und die politischen Tendenzen unserer Zeit eine außergewöhnliche Bedeutung gewonnen, insbesondere aber für die politischen Schicksale der Juden. Diese Bedeutung macht es denjenigen Instanzen, welche dafür verantwortlich sind, daß Weltanschauung lind Wissen stets auf der dem menschlichen (leiste erreichbaren Höhe bleiben, zur Pflicht, die Grundlage dieser Theorie der wissenschaftlichen Priilung zu unterziehen. Diese Instanzen sind in erster Linie die Universitäten. Allen anderen Universitäten voran müßte es aber die Universität derjenigen Gemeinschaft sein, deren geschichtliche Wirksamkeit und deren geistige und seelische Art cum Hauptargument dieser Rassenidcologie geworden ist. Schon dieser Gesichtspunkt wurde cs als eine Aulgabe der Universität Jerusalem ei-ein inen lassen, iluen Forschungsinstituten ein ,,Institut für socio I ogische u n cl a n 111 1 ״ p o! o g i s c h e 1 o r s c h u n g" anzugliedern. Diese Anstalt durfte sich in keiner Form mit irgendeiner Art von ״Abwehr des Antisemitismus•‘ befassen. Das wäre eine politische Aufgabe; reine Wissenschaft hat zweckfrei, neutral zu sein. Und wenn auch mog״ licherweise die vorurteilslose Prüfung von Theorie und Idenlogie anderen Instanzen, welche für die Abwehr und Gegenwehr zu schaffen sind, objektives!Material schaffen kann die Arbeit an der Universität selbst muß fern dem Kampf und unbelastet von politischen und apologetischen Zwecken erfolgen. Die Grundlagen dieser in einigen Ländern neu sich bildenden Weltanschauung zu prüfen, ist aber eine rein wissenschaftliche Aufgabe. Jedoch ganz unabhängig davon ergeben von vornherein die ganz besonderen und einzigartigen Formen, unter welche die 'geschichtliche Entwicklung -alle Teile der | m t en heit tür lange und teilweise außerordentlich lauge Zeiträume gestellt hat, eine ganz einzigartige a!11 11 r o p o I o g i s c 1! e 11 n d s o - z i o i o g i s c h e Problemati k, die wissenschaftlich zu untersuchen und in ihrem Augenblicks-Status festzuhaiten eine rühmliche Aufgabe jeder Universität, im besonderen aber derjenigen von Jerusalem sein müßte. Es besteht für diese Hochschule die Möglichkeit, die Fragen des anthropologischen Typus der Juden und der autochthonen palästinensischen B e v 5Ik erung zu untersuchen, sowie vergleichend-anthropologische Untersuchungen der Gruppen von Juden verschiedener Provenienz sowie der umgebenden Bevölkerung an/tistellen. Palästina wäre dazu ein ausgezeichneter Boden oder im gleichen Grade dazu geeignet wie New York, für welches ich zusammelt mit Professor Franz Boas in zwei Memoranden derartige Untersuchungen in den Jahren 1925 und 1926 der Columbia-Universität vorgeschlagen hatte. Die Tätigkeit für die die Medizin berührenden Fragen der Rassenhiologie, der Rassenhygiene und der Eugenik könnten dadurch ebenfalls wesent’ieh gefördert werden und itn weiteren Ausbau eine exakte Fundierung erhalten. Neben den üblichen Methoden der Messung und der Statistik müßten auch die neueren Wege der Röntgen-Methodik, der Blutgruppenuntersuehimg, der Zwillingsforsclumg, der Analyse von Erblinien und des biologischen Experimentes gegangen werden. Das Studium der erbbiologischen Z 11 s a n! m e n hänge wäre aber nicht mir an sich interessant, sondern es kann hinaufführen aut ein bisher überhaupt noch nicht besehfittenes Gebiet, welches aber wieder gerade die Schlüssel• Stellung der Rassen frage selbst bedeutet. Es soll deshalb diese Aufgabe mit einigen Strichen umrisseu werden. Neben den Gesetzen der Erblichkeit, d. h. der Permanenz des Bestehenden, existiert sicher auch noch eine Gesetzmäßigkeit der Typus- A e n d e r 1111 g Denn auf Grund des Selektionsprinzipcs wäre bei sonstiger erbbiologischer Starrheit eine Entwicklung der organischen Welt ja gar nicht denkbar. Die Annahme von solchen Acnderungen des Erbtyps (Idiokinesie) ist jedoch nicht mir eine philosophische Denknotwendigkeit, sondern diese (genotypischen) Acnderungen sind eine empirische. Tatsache, die heute unter dem Namen der Mutation im ganzen Bereiche der Naturwissenschaft allgemein bekannt ist. lieber die Ursachen und die das Auftreten der Mutationen beherrschenden Gesetze wissen wir aber fast noch nichts. Sie zu finden, ist eine der schwersten Aufgaben; was jede einzelne wissenschaftliche Stätte dazu tun kann, ist vorläufig nur, das Material zusammen/־.!tragen und es sorgfältig vor/ubt arbeiten. Dabei wurde natürlich der Nachweis der Veränderbarkeit auch des menschlichen Körpertvpus bei reinen Erblinien von großem Wert sein. Denn die Veränderbarkeit des Ger.oiypus, wenn sie schon bei den somatischen Charakteren nachweisbar wird, wäre gleichbedeutend mit dem Niederbruch des Rassenprin/ipes überhaupt. Denn wenn die ewige Permanenz schon für die Morphologie des Körpers umstritten ist, um wieviel mehr müßte dies erst für die Morphologie des Geistes gelten? Auf der rassenmäßigen Bedingtheit und Unveränderbarkeit der geistigen und seelischen Art jedoch ruht die ganze Rassenideologie. Es drängt damit das Problem zur Lösung, ob für den( geistigen Typus eines Volkes, für seine Begabtin gs-׳ Qualität, für seine seelische Struktur und für die Eigenart׳ und Größe seiner Leistung ein angeborener und spezifischer National-Charakter. d. 11. Jas erbbiologische Gut seiner Rasse allein entscheidend ist. Oder sind cs umgekehrt die von ihm gepflegten T r a d i t i o n s w e r t e, die von ihm früher geleistete eigene geistige Arbeit und die sozialen Faktoren, linier deren Einwirkung es steht, die seine Art und seine Leistung determinieren? Welche Art etwaiger gegenseitiger Beeinflussung läßt sich durch eine vorurteilslose Prüfung als der Wirklichkeit entsprechend feststellen? Und damit kommen wir vom Gebiet der physischen Anthropologie auf dasjenige der Völkerpsychologie, deren Antworten mitentsclieidend sein müssen für oder gegen die Geltung der Rassen-Theorie. Ob z. B. bestimmte Eigentiimlichkeiten der geistigen Form und Funktion rasscnmäfiig Zusammenhängen müssen oder oh sie ohne jeden rassenmäßigen Zusammenhang ubiquitär als bloß zufällige Konvcrgenzbildungen und Spohtan-Variationcn auftreten können, darüber zu einem abschließenden Urteil zu gelangen, ist außerordentlich wichtig. Das sorgsame Studium der Tatsachen auf diesem Gebiete kann unschätzbares Material für dieses Problem liefern. Sowohl bezüglich der phvsischen wie der psychischen Konstanz oder Veränderlichkeit könnten bei den Juden die Untersuchungen von hierhergehörenden Fragen mit großer Erfolgswahrscheinlichkdt in Angriff genommen werden. Zu