Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-07-28 · Heft 60 (28.7.1933) · p. Seite 376

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 60 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653787--23919-2686838
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 374 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 28. Vn. 1933 Der ״Jüdische Tag“ ln Chicago Der Evangelische Presseverband für Württem berg veröffentlichte eine Erklärung, in der er die gegen die Juden getroffenen Maßnahmen zu rechtfertigen und jene Kreise zu beruhigen sucht, die infolge der Judenfeindlichen Politik in Gewissensnot geraten sind. Der Boykott am 1. April und das fernere Vorgehen gegen Juden, so heißt es i!1 dieser Erklärung, habe in manchen christlichen Kreisen eine Gewissensnot verursacht, mit der sie nicht fertig werden können. Die Not möge davon hentihren, daß sie es nicht verstehen können, weshalb hier Schuldig und Unschuldig gleichermaßen getroffen wird. Oder davon, daß sie überhaupt kaum etwas von den schwerer! Gefahren aller Art wüßten, die dem Volk von jüdischer Seite drohen, Oder davon, daß sic den Kampf gegen die Juden in der heutigen Form für zu hart und dem christlichen Gewissen untragbar halten. Es sei daher nötig, einiges dazu zu sagen. Die Erklärung stellt dann die jüdische Gefahr dar, die sich besonders bei der Greuelpropaganda im Ausland gezeigt hätte. Die Greuellüge sei für Deutschland zu einer Lebensgef;ihr geworden. Der Boykott und die anderen Maßnahmen gegen den jüdischen Einfluß seien ״kriegerische“ Handlungen gewesen, entsprungen aus Notwehr. Zum Schluß wird dann wörtlich erklärt: ״Der Kampf gegen die jüdische Gefahr ist nicht durch Boykott und Entlassungen gelöst, sondern dazu bedarf es einer seelisehen Umwandlung des Deutschen. Da6 es eine Juden frage und eine } udengefahrin Deutschland gibt, ist nicht zuletzt auch eine deutsche Schuld. Nur allzu bereitwillig gewährten wir den zersetzenden Einflüssen eines entwurzelten Judentums Eingang in unsere Kultur, In unser sittliebes und politisches Leben. Wenn wir diesen Geist nicht in uns und vor! innen heraus überwinden, sind letztlich alle inulcren Kampfmaßnahmen vergeblich. Es ist heute ein starker Wille zum Neuwerten in unserem Volke. Daß diese verhcißungsvolle Bewegung ihre Kräfte aus den letzten Tiefen hole und daß die nationale Revolution weiterführe zu einer Reformation des deutsch('!’, Menschen, das ist die größte und verantwortungsvollste Aufgabe, die dem deutschen Christen heute gestellt ist.'1 Anläßlich der Veröffentlichung der Grundzüge der Verf ה $ s u n g der neuen Deutschen Evangelischen Kirche veröffentlichte die Tagespresse einen Kommentar, der sich u. a. auch mit der Stellung der Kirchenverfassung zuni Arierprinzip befaßt, ln diesem Zusammenhang wird ausgeführt: ״Da die neue Deutsche Evangelische Kirche keine Staatskirche ist, enthält die Kirchen Verfassung keinen Arier- Paragraphen. Der Arier-Paragraph betrifft völkische Not- Wendigkeiten. Die Verfassung der neuen Kirche dagegen ist vom Evangelium her durch evangelische Notwendigkeiten bestimmt. Das schließt nicht die Abwehr artfremder Einflüsse besonders innerhalb der kirchlichen Führung aus. Aber diese Abwehr betrifft den theologischen Führernach wuchs, jedoch nicht die Gliedschaft der Gemeinde Christi. Sakramentsgemeinschaft, gemeinsame Teilnahme am Gottesdienst sind in einer christlichen Kirche selbstverständlich. Die Frage der Artgemäßheit der kirchlichen Führung wird nicht durch die Verfassung bestimmt, sondern durch die Regelung des theologischen Nachwuchses.“ Da inzwischen die ״Deutschen Christen“ zur Macht gelangt sind, ist abzuwarten, welche Haltung die kirchlieben Behörden in Zukunft einnehmen werden. Judenfrage und Natur Die Judenfrage wird meist nur. von politischen, rassemäßigen Gesichtspunkten gesehen, als Folge der Entmenschlicliung durch die Behandlung im Ghetto, einseitiger Berufs- Schichtung und einer Assimilation, die den Juden als Juden entwurzelt hat und ihn damit oft ״zum Sachwalter von Riehtungen und Bewegungen der nicht jüdischen Welt hat werden lassen, die er zwar geistig beherrscht, die er aber niemals legitim erweise repräsentieren kann“. Aber dies ist eben noch wesentlich, daß der 1500 Jahre dauernde Zwang zu einseitiger Berufsschichtung die Juden nicht allein in anderer Weise sozial in das Leben der Völker eingeordnet hat, sondern sie gerade durch diese einseitige Berutsschiehtimg der Natur und manueller Arbeit entfremdet und sie damit entnervt hat. Dies ist heute noch nicht überwunden. Denn es gibt unter uns Juden noch viele Menschen, die ihrer gesamten menschliehen Haltung nach noch halb im Ghetto leben. Sie haben sich, wenn auch heute nicht mehr eingeengt in die Gassen des Ghettos, noch nicht zurückgefunden zu den natürlichen Quellen des Lebens, zur Erde als Bauer oder Gärtner, zur Landschaft als Wanderer, zu den Tieren als Freund, zum Handwerk, zum Sport als kraftvolle Betätigung. Diese Menschen pflegen dies mit einem Achselzucken abnituri, und die, die daran Freude haben, als Narren zu betrachten. Diese durch den Zwang des Ghettos hervorgerufene Entwur/eltmg ist für uns Juden verhängnisvoller und folgenschwerer geworden als alle ,Angriffe von außen her. Verfolgungen stärken, die Entfremdung von der Natur schwächt den Menschen und trifft i h n in seinem innersten Kern. Das ist es daher, was die meisten Juden noch erleben, begreifen und gestalten müssen: Von Zeit zu Zeit einsam sein, vor allem einsam sein draußen in der Natur. Das bedeutet: Dort allein für sich wandeln, sich verlieren von allem Zeitlichen des Daseins und des eigenen engen ״Ich“, untertauchen in di« Größe und Majestät der Natur, der Landschaft, des Himmels, liebend hier und dort verweilen an dieser und jener Pflanze, hei diesem und jenem Tier, an einem Stück Erde, bis erst leise und zart, denn immer fordernder und machtvoller sich der eigene Pulsschlag dem ewigen vermählt, eins wird, und die Hände liebend, tastend die Weite lind Unendlichkeit der Schöptung streicheln, segnen. So sich selbst gefunden und Eins und Glied des Ganzen geworden, wird sich die Ewigkeit dem Einzelnen mitteilen als beglückende Ruhe und Quelle unerschöpflicher, schöpferi'scher Kraft. Kraft, die ihren Weg sucht zur Höchsteestalfung des inneren und äußeren Daseins, zur Formung der eigenen Persönlichkeit, zu einer tiefen wahren Be- Ziehung von Mensch zu Mensch, von Gatte zu Gatte, von Mensch zu Gott, Menschheit, Volk und Erde — und hiermit wieder zurück zum Ausgangspunkt, Urquell der Lebenskraft. Und die unter uns, die bereits aus deutscher Erde, Landscliaft und Natur dies schöpfen konnten, wird die Trennung voll Schmerzen und Kümmernis sein, aber doch voll hofftutngsvoller, banger Sehnsucht, vermehrt um unsere Liebe zum Judentum, daß diese Beziehung auch dort sich bald eins teilt, wir uns verlieren, finden und gestalten In einem höheren Maße, da es eigener, uns bestimmter Boden ist. Boden, der mehr denn ein anderer in der Welt roh und ohne feste Gestalt ist, der uns ganz fordert, uns aber das Große und Schöne gibt, daß er mit uns, unserem Volke gemeinsam wiedererstcht, wächst und Gestalt ännirnmt. Wir formen den Boden, und der Boden uns, und beide wachsen wieder zu einer unlösbaren Einheit zusammen. Hans Kaiser.BIiitb, ״Romanze eines Volkes" Die ״Jüdische Rundschau“ hat seinerzeit mitgeteilt, daß Anfang Juli anläßlich des ״Jüdischen Tages“ auf der Weltausstellung in Chicago, die unter der Devise ״Jahrhundert des Fortschritte“ arrangiert wird, eine große jüdische Massen- Vorstellung unter dem Titel ״Die Romanze eines Volkes“ stattfand. Die jetzt hier eingelangten amerikanischen Zeitungen bringen ausführliche Berichte über den Verlauf dieses Jüdischen Tages, der sich zu einer jüdischen Massenkundgebung ersten Ranges gestaltete. Diesen Berichten entnehmen wir folgende Einzelheiten: Viele Tausende von amerikanischen Juden aus allen Staaten der Nation besuchten Chicago, um am ״Tag der Judenheit“ und den damit verbundenen Feierlichkeiten tellzunehmen. Die Vorbereitungen haben schon einige Monate vor der Weltausstellung begonnen, um die Teilnahme der Juden an der Ausstellung zu einem gleichwertigen Ereignis im Rahmen der Demonstrationen der anderen Völker zu machen. ״Der Tag der Judenheit“, erklärte Rufus C. Da wes, der Präsident der Weltausstellung, ״ist ein wesentlicher Teil der Weltausstellung, und wir sind stolz darauf, daß es so ist. Wir empfinden, daß es ein fühlbarer Verlust wäre, wenn unsere jüdischen Mitbürger nicht als eine Gruppe in dem Aufzug der Nationen vertreten wären, der die Weltausstellung ■zu einem anschaulichen Ueberblick über die aufbauenden Kräfte moderner Zivilisation machen will. Und wir sind um so eifriger dar- 11m bemüht, dem Tag der Judenheit einen Platz einzuräumen, damit er ein Symbol des Gedankens der Toleranz zwischen den Rassen und Glaubensbekenntnissen, der für die wirkliche amerikanische Meinung kennzeichnend ist, darstellt. Diesem Gedanken entsprach es auch, daß ein hervorragendes Komitee von Christen, wie z. B. Robert Maynard Hutchins, Präsident der Chicagocr Universität und Richter J. McGoorty, unter den aktiven Förderern des Tages der Judenheit ist. Seine Mitarbeit ist höchst wertvoll gewesen, um dem Tag der Judenheit den universellen Charakter und die Ausdehnung zu geben, die die jüdische Mitarbeit an Amerika und aer Welt zurückstrahlen." Der Tag nahm folgenden Verlauf: Im Rahmen der Feierlichkeiten versammelten sich kurz nach 2 Uhr nachmittags 3300 Knaben und Mädchen auf dem ״Soldier’s Field" und marschierten zum riesigen Platz der Halle der Wissenschaften. Dort zeigten sie Volkstänze und Massen-Exerzicren, zur Begeisterung der 25000 Zuschauer, die von den Galerien der Halle aus zusahen. Das Programm der ״Jüdischen Jugend-Ver- Sammlung" wickelte sich wie folgt ab: Ein Horah-Tanz, ausgeführt vom Jugend-Klub Judea; alle Teilnehmenden, 200 Knaben und Mädchen, waren in Weiß und Grün gekleidet. Baseball-Exerzieren; ein athletisches Massen-Exerzieren, die anmutigen Bewegungen eines Baseball-Spielers während des Spiels wiedergebend. Dann ein Volkstanz, ausgeführt von 3ÜO Mädchen. Massen-Fechten, ausgeführt vom Deborah-Knaben-Klub. Massen-Freiübungen und andere Vorführungen und Tänze. Ein Massen-Flaggen-Excrzieren, an dem 1500 teilnahmen, beendete die Schau. Die Feierlichkeiten des Tages begannen mit einem Lunch zu Ehren von Dr. Chaim W ei z m a n n im Administrationsgebäude der Ausstellung. Es folgten die Demonstrationeu auf dem Soldier’s Field, dann ein ״Palästina-Programm", bestehend aus Gesängen, Tänzen und Geschichten für die Keinen auf der sogenannten Zauber-Insel und darauf die erwähnten Veranstaltungen auf dem Platz vor der Halle der Wissenschaften. Beendet wurde der Tag auf dem Soldier’s Field mit der Aufführung des Schauspiels ״Die Romanze eines Volkes“. Die Radio-Station der Chicagoer Zeitung ״Chicago Tribüne“ übertrug das ganze Schauspiel durch Rundfunk. Die Uebertragung nahm 3 Stunden in ,Anspruch. Das Ensemble bestand aus einigen Tausend Darstellern und ein Chor von mehreren hundert geschulter Sänger wirkte mit. Mitten im Soldier’s Field war ein Altar errichtet, an dem ein Mann aus einem Buch zu lesen begann. Als er die Worte ״Breschith bara Elohim“ (Im Anfang schuf Gott...) sprach, setzte Dämmerung ein, die Altarstätte verschwand und bei entsprechenden Lichteffekten entwickelte sich vor den Augen des Riesennublikums die Entstehung einer geordneten Welt aus dem Cnaos und die Oeschichte der Juden mitten in der Oeschichte der gesamten Menschheit wurde vorgeführt. Die lichten Momente und der Leidensweg der Juden im Exil standen plastisch vor den Augen der Zuschauer. Die Einwanderung nach Amerika, wo die Immigranten keinen Verfolgungen ausgesetzt waren, war mit dem Ausdruck der Dankbarkeit und Gelöbnis der Treue verbunden. In allen Momenten wurde auf den Zusammenhang der Juden mit Zion wie auch auf ihre fortwährende Sehnsucht zum Wiederaufbau Palästinas hingewiesen. Die Schlußszene zeigt den Zuschauern das heutige Palästina, die Leistungen der Juden in ihrem eigenen Lande und die Perspektiven der Zukunft. Aus mehreren tausend Kehlen erklingt das Chaluzimlied ״Anti banu arzah liwnoth. / (Wir kamen ins Land, um zu bauen), das Licht von Erez Israel gellt auf und beleuchtet hell alle Winkel der großen Masse, aes jüdischen Volkes. Das riesige Publikum von annähernd 200 000 Menschen, folgte der Darstellung mit größter Aufmerksamkeit und spendete den Veranstaltern reichen Beifall. m1WIWMiMI«HIIWiMIIIIHIIIWHIMIIWHW>HII>Wil)IIIMIHIIIIMIIIIillllllll>nll>l))IIIIIIIIIWIIII»ll>IIBItllll)IIBIIWIIItlllll)lllllll1m1IIIIIH>IIIIIW»ll1nlll»>IMIIIIHIHIII>l1n1llilllll>Bllllll»>IIMHIIII1nllHIIIIIHIIII«lllllll1n1IIMIUI)tllllllnn1lllm1H»HIH*1m|ll>l>Mllllll><ltl1! Ein Misradii'Sdiulcrintcrnat Es war schon immer ein Lieblingsgedanke des derzeitigen Leiters des Misrachi-Lehrerseminars in Jerusalem, Direktor E. M. Lipschütz, mit dem Lehrerseminar ein Internat zu verbinden. Durchschnittlich zwei Drittel der Schüler des Seminars sind nicht aus Jerusalem. Diese Schüler leben in sehr schlechten Verhältnissen, in unmöglichen Wohnungen, ohne ausreichende Ernährung, bei schwerer Lernarbeit. Für diese Schülereine gesunde Atmosphäre zu schaffen, war und ist eine Lebensnotvvendigkeit. Im Schülerheim spielt sich das ganze außerschulische Leben des Schülers ab. Dort ist die Möglichkeit gegeben, durch Schaffung einer wahrhaft jüdischen Atmosphäre weitgehend auf die jüdisch-religiöse Entwicklung der Schüler Einfluß zu nehmen. Da eine Reihe von Anmeldungen zum Misrachi-Lchrerseminjr aus Deutschland vorliegt, hat man sich entschlossen, den längst gehegten Plan des Schülerheims in die Wirklichkeit umzusetzch. Ein Haus für das Internat ist bereits gemietet; es liegt in einer schönen Gegend Jerusalems. Wohnräume und Einrichtung sollen allen Anforderungen moderner Hygiene entsprechen. Der im Schülerheim herrschende Geist soll in Lehre und Leben dem gesetzestreuen Judentum entsprechen. Dal Schülerheim soll die Vorteile eines Internats ohne seine Nachteile besitzen. Vor allem sollen die Schüler nicht das Gefühl der Unfreiheit und des berüchtigten ״Intcrnatszwanges“ haben, sondern vielmehr die Empfindung, in einer großen Schülerfam ilie zu leben. Der Leiter des Internats muß der wahre Freund der Schüler werden. Ohne Uebertreibungen nachzuahmen, soll doch die Selbstverwaltung der Schüler eine große Rolle spielen. Es soll erstrebt werden, dem Schülerheim ein landwirtschaftliches Uebungsgrundstück, zum mindesten einen größeren Garten anzugliedern. Damit soll das gerade für den palästinensischen Lehrer besonders wichtige Verbundensein mit der Landarbeit gewährleistet werden. Für jede Gemeinschaft erhebt sich folgende Frage: welche Idee bindet diese Menschen, beherrscht ihr ganzes Leben derart, daß es ihr dienstbar ist. Es ist selbstverständlich, daß in einem gesetzestreuen jüdischen Schülerheim der Geist der Thora die die verbindende und leitende Idee der Heimgemeinschaft ist. Der Geist der Chaluziuth, der Tchiath Haam und Tchiath Haarez, muß in organische Verbindung und in innerste Be- Ziehung zum Geist der Thora treten. Das Seminar ist auch für die jiidiscli-talmudische Ausbildung junger Juden sehr geeignet. Das Schlußzeugnis bereehtigt zum Eintritt in die Universität in Jerusalem. Es ist dringend zu wünschen, daß der Plan des Scnülerheimes nicht an materiellen Gründen scheitere. Jerusalem. Dr. J. Grün f eld. Z u m 9. AW Ein Rückblick auf unter• Qaaeklehtct ZcrtfBrung dis •rifon Tampal« / Varlut• dar •UtlllcMn SalbaHrdlgkalt ן Kfwutzüp• / Vartralbung tut Spanten! Erat lartal / Ausblick Der Tag unseres Schicksals UelMr dien• Thema sprachen Mittwoch, t. VIII. (10, Aw), *O1/* Uhr Logenheue, Kleletatr. 10 UMmnO Or. M, Bandmann, Dr. F. Bergmann, Dr. H, U. Herrmann, Dr. R. Kaufmann BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Btlirktfrupp* Savlgnyptetz Die Kongre^wahlen in Polen Wie aus Warschau gemeldet wird, sind dort die Resul» täte der zionistischen Kongreßwahlen aus 100 polnischen Ortschaften bereits eingelaufen. Die ״Liga für das Arbeitende Palästina“ erhielt 38 306 Stimmen, an zweiter Stelle stehen die Jabotinsky-Revjsionisten mit 20 467. Es folgt der Misrachl mit 14 228, das Polnische Zentralkomitee (Allgemeine Zionisten) mit 10 518, Großmann- Revisionisten mit 2708 und Eth -Liwnoth mit 1272. Je ent Mandat entfällt auf etwa 1000 Stimmen. Die Wahlen sind in Polen im ganzen großen ruhig verlaufen. An manchen Orten kam es zu Zusammenstoßen zwischen Revisionisten und anderen Zionisten, sowie zu kleineren Gewaltakten. Die polnische Polizei hatte umfangreiche Vorkehrungen getroffen. Mehrere Tage vor der Wahl waren die zionistischen Parteien von der polnischen Regierung aufgefordert worden, für einen ruhigen Verlauf des , Wahlkampfes und der Wahlen zu sorgen. Der Halen Haila ab 1. Anglist benutzbar Die Bau- und Baggerarbeiten im Hafen von Haifa sind nunmehr soweit fortgeschritten, daß das Hafenbecken vom 1. August an von Schiffen mit einer Wasserverdrängung bis zu 18 000 Tonnen benutzt werden kann. Die neuen großen Zoll- und 'Lagerhäuser sind bereits teilweise in Betrieb genommen worden. Am Kai kann allerdings zunächst immer nur ein Schiff anlegen, von Ende August an können gleichzeitig vier Schiffe dort festmachen. Die feierliche Eröffnung des Hafens durch den britischen Oberkominissar des Mandatsgebietes Palästina wird, wie schon mitgeteilt, entweder am 31. Oktober oder am 1. November dieses Jahres stattfinden. Man erwartet, daß der Prinz von ■Wales den Eröffnungsfeierlichkeiten beiwohnen wird. Norderney und die Juden Der ״Angriff“ vom 24. Jul! veröffentlicht unter dem Titel ״Eine Kundgebung auf Norderney“ einen Bericht über einen Vortrag des preußischen Kultusministers Dr. Rust. In dem Bericht heißt es zum Schluß: ״Der Redner kam schließlich noch auf die Haltung der Insel Norderney zur Judenfrage zu sprechen. Man müsse jetzt von Norderney verlangen, so sagte er, daß es *ich für Juda oder für das Banner Adolf Hitlers entscheide." Da der %richt des ״Angriff“ sehr kurz und summarisch ist, weiß man nicht, in welchem Zusammenhang der Minister die Judenfrage besprach. Sollte jedoch gemeint sein, daß der Besuch von Juden in Norderney künftig nicht erwünscht ist, so wäre es für die Juden sehr wichtig, dies zu wissen, da es sehr unangenehm ist, zur Erholung irgendwohin zu kommen, wo man nicht gern gesehen ist. Das Büro der Jüdischen T elegraphen-Agent«r in Berlin ist vorige Woche auf Veranlassung der Ge- Heimen Staatspolizei geschlossen worden. Auf Grund von Verhandlungen wurde die Wiedereröffnung des Büros und das wiedererscheinen des Bulletins gestattet, nachdem der bisherige leitende Redakteur zurückgetreten war. Die Palästina-Regierung teilt soeben mit, daß die neue Wasserversorgung Jerusalems sofort In Angriff genommen wird. Die Ausgaben werden zunächst aus den Ueberschüssen des palästinensischen Staatsschatzes gedeckt werden, später sollen Mittel der geplanten Palästina- Anleihe hierfür herangezogen werden. Die ausreichende Wasserversorgung Jerusalems ist seit langer Zeit eines der dringendsten Bedürfnisse für die Entwicklung der palisti- »«wischen Hauptstadt. Es ist zu hoffen, daß sie jetzt end* lieh mit Eflertfifl zu ßnda wtr/L

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.