Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 60, 28, VH. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 375 Mitteilung des Palästina'Amts Wir erhalten folgende Mitteilungen: Das Palästina-Interesse des deutschen Judentums beginnt von Woche zu Woche zu wachsen. Das Palästina-Amt, Berlin, sieht sich deshalb in der Lage, der allgemeinen Beratung eine Reihe von Abteilungen anzugliedern, die allen Ratsuchen• den in besonderen Fragen zur Verfügung stehen. Die Abteilungen teilen folgendes mit: 1. Landwirtschaftliche Abteilung. Die landwirtschaftliche Abteilung bearbeitet eine Reihe von Projekten, die sowohl für Eimelsiedler als auch für Siedler in Frage kommen, die sich bestehenden genossenschaftlichen Gruppen oder Gruppen von Einzelsiedlern anschließen wollen. Bei der landwirtschaftlichen Abteilung sollen sich im allgemeinen nur Menschen melden, die über ein Mindestkapital von EP 1000 verfügen. Für diese Menschen liegen eine ganze Reihe von praktischen Plänen vor. Es werden jedoch alle Möglichkeiten geprüft, um für Menschen mit weniger Kapital als £P 1000 die Eingliederung in die Landwirtschaft Palästinas zu erreichen. Deshalb können sich auch in einzelnen Fällen physisch und psycbisch besonders qualifizierte Menschen mit einem geringeren Kapital als £P 1060 an die landwirtschaftliche Abteilung des Palästina-Amts wenden. Alle Schreiben, die landwirtschaftliche Angelegenheiten betreffen,_ sind zu richten an die landwirtschaftliche Abteilung des Palästina-Amts, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Die Sp r e c h s t u n d e der landwirtschaftlichen Abteilung ist täglich von 3—5 Uhr, außer Sonnabend und Sonntag. Es empflehlt sich, telephonische Anmeldung unter Bismarck 7165 bei Dr. Sereni oder Herrn Schkolnik. 2. Abteilung Handwerker-Alijah. Die Abteihing befaßt sich nicht nur mit der Alijah von Handwerkern, die über ein Kapital von £P 250 verfügen, sondern neuerdings auch mit der Beratung von Handwerkern, die teilweise geringeres Vermögen besitzen und die geeignet sind, sich in bestehende und neu zu gründende Handwerker-Genossenschaften in Palästina einzuglicdern. Für die Beratung der letzteren steht ein Palästinenser (Herr Schkolnik) zur Verfügung. Alle Schreiben für diese Abteilung sind zu richten an das Palästina- Amt, Abteilung Handwerker-Alijah, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Sprechstunden täglich von 9—12 Uhr, außer Sonnabend und Sonntag. 3. Abteilung jugend-AIijah. Das Palästina-Amt hat eine besondere Stelle für die Alijah von Kindern und Jugendlichen ins Leben gerufen. Alle Eltern, die die Absicht haben, ihre Kinder zwecks weiterer Schulbildung oder beruflicher Vorbildung oder -Ausbildung vor ihrer eigenen Uebersiedlung nach Palästina zu schicken, können sich an diese Stelle wenden. Schriftliche Anfragen sind an das Palästina-Amt, Abtei- Jung Kinder-AIijah, Berlin W 15, Meinekestr. 10, unter Beantwortung folgender Fragen zu senden: Geschlecht und Alter der Kinder, Schulbildung, Gesundheitszustand, gewünschte Ausbildung und Möglichkeiten eines monatlichen Zuschusses. Sprechstunden der Abteilung Kinder-AIijah im Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10, I. Etage, täglich außer Sonnabend und Sonntag von 1/»4—5 Uhr. Nähere Einzelheiten über die Jugend-AIijah in der nächsten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“. 4. Zertifikats-Abteilung. Die im Mai ausgegebenen Zertifikate sind, wie bereits mitgeteilt, aufgcbraucht. Neue Zertifikate werden erst zum Herbst erwartet. Mündliche und schriftliche Nachfragen über die bisher im Palästina-Amt vorliegenden Anträge sind zwecklos, da die Bearbeitung der Anträge vor Eintreffen der Zertifikate nicht_ erfolgt. Die Zahl der im Herbst eintreffenden Zertifikate ist nicht bekannt. Es werden durch die Zionistische Organisation alle Anstrengungen gemacht, möglichst viele Zertifikate zu erhalten. Die Bewerber für neue Zertifikate sollen zweckmäßigerweise ihre Zertifikats-Fragebogen bei ihrer zuständigen Provinz-Beratungsstelle bzw. zionistischen Ortsgruppe einreieben. Die Ortsgruppen müssen dann schnellstens die Anträge mit erläuternden Bemerkungen über die Person des Antragstellers dem Paläsfina-Amt Berlin weiterreichen. Die Zertifikats-Abteilung des Palästina-Amts Berlin befindet sich Berlin W 15, Meinekestr. 10, II. Etage. Sprechstunden täglich außer Sonnabend und Sonntag von 10—12 Uhr. Wichtig: Aller) Anfragen an das Palästina-Amt oder deren Abteilungen ist Rückporto beizufügen. Anfragen, die eine ausführliche Bearbeitung erfordern, sind 1 RM. in Briefmarken beizufiigen. Palästina-Wirtschaftsstelle Die Palästina-Wirtschaftsstelle beschäftigt sich mit der Beratung aller derjenigen, die größere Wirtschafts-Projekte für Palästina haben. Die Palästina-Wirtschaftsstelle unterhält eine Korrespondcnzstclle in Palästina, durch die sie über alle wirtschaftlichen Fragen Palästinas ständig auf dem lautenden gehalten wird und durch die sie außerdem über spezielle Fragen in Palästina schnellstens Auskunft einholen kann. Die Palästina-Wirtschaftsstelle befindet sich Berlin W 15, Meinekestr. 10, Vorderaufgang, zwei Treppen. Die Sprechstunde der Palästina-Wirtscliaftsstelle ist täglich, außer Sonnabend und Sonntag, von 4—8 Uhr. Es empfiehlt sich vorherige telephonische Anmeldung unter Oliva 7275 und 7276. Jüdische Krlegsoplerversorgung. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten teilt mit, daß er die aus den bisherigen Kriegsbeschädigten ־ Verbänden ausgegliederten jüdischen Kriegsopfer (Kriegsbeschädigte, Kriegerwitwen und Kriegerwaisen) auf Wunsch des Nationalsozialistischen Reichsverbandes Deutscher Kriegsopfer aufgenommen hat. Die Wahrtrehmung ihrer Rechte, vor allem ihrer Rechtsstellung in der künftigen Versorgungsgesetzgebung, liegt nunmehr dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ob. Diese Aufgabe ist nur durchführbar, wenn die über das ganze Deutsche Reich verstreuten jüdischen Kriegsopfer in einer straffen Organisation zusammengefaßt werden. Zu diesem Zwecke bittet der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die jüdischen Kriegsopfer usw., sich umgehend bei der ihrem Wohnsitz zunächst liegenden Ortsgruppe des Reiclisbundes jüdischer Frontsoldaten E. V. zu melden und sich dort den Fragebogen zur Ausfüllung aushändigen zu lassen. Kläre Srodek-Bibliofhek. Aus Palästina wird uns geschrieben: Einige der Freunde von Kläre Srodek, jener jungen Lehrerin, die am 10. Juni in Haifa, als sie einen Ertrinkenden errettete, ums Leben kam, wollen zur Erinnerung, an sie eine Bibliothek auf ihren Namen gründen. Die Bibliothek soll Kindcrlcklüre (in hebräischer Sprache), pädafogische und Sportbüchcr (in allen Sprachen) enthalten. Die ibliothek wird von ihren Freunden zusammengestellt und der Handels- und Gewerbeschule in Haifa, in der Kläre Srodek als Lehrerin tätig war, zum Gebrauch überlassen werden. Spenden in Büchern der oben genannten Art oder in Geld sind zu richten an: Toni Halle, Tel-Awiw, Jarkon- Street 72, oder J. Schachar, Druckerei Jephet, Tel-Awiw, Lilienblumstr. 17, für die Bücherei. Ein neues Fellachenschuiz - Gesetz Das palästinensische Regierungsorgan ״Official Gazette“ veröffentlicht soeben den Text eines neuen Gesetzes über Pichterschutz in Palästina in Uebereinstlmmung mit der vom Koloniahninlster am 14. d. M. im Unterhaus abgegebenen Erklärung. Das neue Gesetz bestimmt, daß ein ״vertragsmäßiger Pächter“, d. h. ein Pächter, der seinen Boden mehr als ein Jahr innehat, von seinem Boden nicht entfernt werden darf, wenn ihm nicht ein anderer, zu seiner Erhaltung geeigneter Boden mit Zustimmung des High Commissioners zugeteilt wird. Der neue Boden muß In der Nachbarschaft desjenigen Bodens, von dem der Pächter entfernt werden soll, liegen. Abgesehen von dieser Hauptbestimmung werden noch eine Reihe anderer einschränkender Bedingungen gemacht, die es praktisch unmöglich machen dürften, Boden, der von derartigen Vertragspächtem besetzt ist, zu kaufen. (Das Gesetz ist wohl zum guten Teil auf die Erfahrungen in Wadi Chawarith zurückzuführen, wo infolge der Entfernung der Pächter von dem vom Nationalfonds erworbenen Boden ernste Konflikte entstanden. Vgl. den Artikel ״Das Bodenproblem Palästinas“ ln Nr. 58 der ״J. R.‘‘) Erweiterung der Jüdischen Volkshochschule Wir erhalten folgende Mitteilung: Die Freie Jüdische Volkshochschule, die mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde seit länger als einem Jahrzehnt im Mittelpunkt aller Bildungsbestrebungen des Berliner Judentums steht, wird im neuen Semester ihr Arbeitsprogramm stark erweitern. War es bisher die Aufgabe dieser Volkshochschule, vor ihren zahlreichen Hörern hauptsächlich jüdische Probleme zu erörtert? und ihnen Kenntnisse auf diesem Gebiete zu vermitteln, so erfordert die Zeit einen Ausbau ihres Wirkungskreises. Die Umschichtung, die vom deutschen Juden verlangt wird, macht eine Umstellung seiner Bildungsstätten erforderlich. Selbstverständlich hält die Freie Jüdische Volkshochschule an ihrer großen Tradition fest. Sie bleibt das Forum, vor dem die Fragen der jüdischen Rcligion, der jüdischen Ethik und der jüdischen Problematik nach wie vor erörtert werden sollen. Daneben aber will sie ihre Hörer mit Kenntnissen ausstatten, die ihnen jetzt im Kampf um eine neue Lebensgestaltung von Bedeutung sind. Infolgedessen werden Sprachkurse eingerichtet, die bcreitsim August beginnen, und zwar Kurse für Hebräisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch, bei Bedarf auch noch für andere moderne Sprachen. Diese Kurse werden in alienGegenden Berlins stattfinden. Sie kosten bei zwei Doppelstunden in der Woche monatlich nur 6 RM. An jedem Kursus sollen höchstens 12 Personen teilnehmen, damit das schnelle Erlernen der Sprache jedem ermöglicht wird. Neben diesen Kursen sollen u. a. Lehrgänge für Maschineschreiben, Buchhaltung, Werbelehrc eingerichtet werden. Vorträge über Wirtschaftskunde, über die Berufsumscli i c h t u n g usw. machen die Hörer mit den aktuellen Fragen vertraut. So wird die Freie Jüdische Volkshochschule es jedem Besucher ermöglichen, sich mit dem praktischen Rüstzeug für die Erfordernisse des Tages auszustatten. Für die Erweiterung der allgemeinen Bildung sorgen Vorträge über Fragen der Kultur, Geschichte, Philosophie, Literatur und bildende Kunst. Um die Hörer über alle für ihren Ausbildungsgang erforderlichen Fragen zu beraten, hat die Freie Jüdische Volkshochschule eine ״H ö r e r b e r a t u n g1“ eingerichtet. Die Sprechstunde findet täglich von 10—12 Uhr statt, auf Wunsch auch zu einer anderen Zeit. Tel. Weidendamm 6072. Jeder Hörer muß Mitglied der Freien Jüdischen Volkshochschule sein. Der Beitrag wird in Vierteljahresbeträgen von 1,25 RM. erhoben. Der Beitrag wird beim Belegen des ersten Kurses voll angerechnet. Anmeldungen und Hörerberatung im Büro der Freien Jüdischen Volkshochschule, Oranienburger Str. 31, Zimmer 36, oder schriftlich. Die Herzl-Feiern Die Zahl der Berichte über die Gedenkfeiern zum 20. Tammus ist in diesem Jahre so groß, daß wir nicht über jede einzelne Stadt berichten können. Die zionistische Idee ist zum Durchbruch gelangt, das zeigt sich nicht nur in der Fülle der Feiern für ihren Schöpfer, sondern auch in der Tatsache, daß zum ersten Maie in Deutschland der überwiegende Teil aller Feiern in den Synagogen stattgefunden hat. Es gibt daneben natürlich auch noch immer Gemeindevertretungen, die die neue Zeit nicht verstehen und abwegige Bedenken haben. Das ist besonders in Berlin aufgefallen, wo die großen Synagogen zwar der Zionistisehen Vereinigung für die Herzl-Feiern ver w eigert, aber einige Tage später dem Kulturbund deutscher Juden zur Verfügung gestellt worden sind. Die Empörung in weiten Kreisen ist darüber groß. Die Feiern fanden im Bachsaal und im Lehrervereinshaus statt. Dr. Auerbachs Rede machte tiefen Eindmck durch die starken persönlichen Erinnerungen an Hcrzl. Dr. K a -!10 witz, der zum letztenmal vor seiner Uebersiedlung nach Palästina sprach, erschütterte die Zuhörer durch die Konfrontation von Herzls Ideen mit dem Geschehen unserer Zeit. G oll anin sang mit aufwühlendem Ausdruck ״El mole rachamirn". Michael Taube holle aus dem wundervollen Klangkörper, den er mit seinem jüdischen Streich- Orchester geschaffen hat, die stärkste Wirkung heraus, insbesondere in der meisterhaften Darbietung des großen Konzertes von Händel. Einladung ZU 3 großen Werbeabenden des KULTURBUNDES DEUTSCHER JUDEN Mittwoch 2. Ansaat Synagoge Fasanenstraße am Donnerstag 3. August Synagoge Levetzowstraßo Montag 7. August Synagoge Rykestrafie 8*/2Uhr Es sprechen: Rabbiner Dr. Bergmann» Rabbiner Dr. Swareenaky, Prediger Dr. Kali Rosenthal, Julias Bab, Dr. Friedrich Brodnltx, Alfred Jaulus, Landgerichtsrat Dr. Arthur lilieathal» Landgerichtsr»t Arthur Raa Orgel — Streichquartett — Spott’scher Synagogenchor Eintritt frei IWMlDMlMIHtMM! Briefe an die Redaktion Jüdische Aerzte in Krankenkassen Berlin, 26. Juli 1933. Sehr geehrte Redaktion! In Ihrem werten Blatt wird in einem Aufsatz über jüdisehe Arbeitnehmer gesagt, diese würden vermutlich auch ihre Mitgliedschaft in den Krankenkassen verlieren. Ferner sei es doch nicht gilt möglich, ihnen zuzumuten, schon jetzt auf nichtjüdische Aerzte angewiesen zu sein. So etwa kann man sinngemäß die Tendenz dieser Ausführungen auffassen. Demgegenüber bleibt festzuhalten, daß etwa die Hälfte aller bisher für Kassen tätig gewesenen Aerzte, Zahnärzte usw. ihre Zulassung behalten. Die jüdischen Arbeitnehmer haben daher für die Dauer ihrer Mitgliedschaft in den Berufskrankenkassen eine genügende Auswahl auch unter den jüdischen Aerzten. Alles dies gilt für die gesetzlichen (Orts־. Betriebs-, Innungs-, Landkrankenkassen) wie für die Ersatzkassen des Verbandes kaufmännischer Berufskassen (V. K. B.) und des Verbandes Freier Krankenkassen (V. f. K.). Mitglieder der Barmer Kasse, der Deutschen Angestefitenkasse, des Vereins ״Halle“ usw., wie der Krankenkasse für das Deutsche Reich (früher Lichterfeldcr Kasse genannt) sind im Aufsuchen jüdischer Kassenärzte unbehindert. Vielleicht bildet diese Information eine kleine Ergänzung zu dem anderen Artikel der ״Jüdischen Rundschau“, der eine Zuschrift aus Aerztekreisen behandelt. Hochachtungsvoll Dr. Salomon. * Aerzte in China Karlsbad, den 22, Juli 1933. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W 15 Da trotz meiner zweiten Zuschrift noch immer zahlreiche Anfragen kommen, wünschte ich vor meiner Abreise folgendes mitzuteikn: Die Aerzte sind in den Großstädten in sogenannten Acrztcfirincn zusammengeschlossen, zumeist chirurgisch ausgebildete Allgemeinpraktikcr und meistens als Angehörige der gleichen Nation. Die Acrztefirmcn haben Pauschalabkommen mit den öffentlichen Behörden und mit den Handelsniederlassungen. Daneben ist auch noch Raum für Privatpraxis, doch ist es ohne Teilhaberschaft an einer Firma äußerst schwierig, Fuß zu fassen. Ich warne deshalb vor überstürzter hemmungsloser Einwanderung. Ich werde am 1. Oktober a.c. wieder in Shanghai sein und schon von hier aus die Errichtung einer Zentralstelle veranlassen, die den Kollegen Möglichkeiten einer Existenz nachweist. Für Nordchina soll diese Stelle in Tientsin, für Mitteichina in Shanghai, für Südchina in Hongkong liegen. Ich bitte, sich im Falle ernster Absichten au meine Adresse, Shanghai, 21 Museum Road, zu wenden. Für Fachärzte gelten die in Mitteleuropa üblichen Be- Stimmungen, die unter der Kontrolle des ״Shanghai Medical Specialists Association“ stehen. Eine gewisse Chance für chirurgisch ausgebildete Praktiker sehe ich in kleineren Städten, die zum Teil im Inneren liegen, wie z. B. Hankow, Tsinanfu, Kiukiang usw. Auch in Küstenorten, die zum Sommeraufenthalt dienen, besteht die Möglichkeit der Niederlassung. Es kommen Tsingtau, Cheefoo, Wei-Hai-Wei, Peitaiho in Frage, ln diese Orte gehen im Sommer die allerdings immer weniger zahlreich werdenden vermögenden Kreise. In Shanghai besteht noch Existenzmöglichkeit für je einen Nervenarzt und Arzt für Kinderheilkunde bzw. Magen- und Darnikrankhciten. Für Zahnärzte sind etwas bessere Möglichkeiten in Shanghai, doch ist dieses Fach auch stark überfüllt. In der Mandschurei liegen die Verhältnisse etwas günstiger, doch sind hier die Japaner im Vordringen. Mit Zionsgruß Dr. Reiß. Kaltarband deutscher Jaden Der Kulturbund deutscher Juden veröffentlicht folgendes Programm seiner geplanten Tätigkeit: Das Theater wird Schauspiel und Oper pflegen, künstlerische Gesamtleitung: Dr. Kurt Singer, vormals Intendant der Städtischen Oper Berlin. Im Programm sind bisher u. a. vorgesehen: Schauspiel: Dramaturgische Leitung: Julius Ba b (stellvertr. Schauspieldirektor); Regie: Oberreg. Dr. Karl Löwen b erg (vorm. Schauspielhaus Frankfurt a. M-), Kurt Bau mann; Gastinszcnierungct!: Victor Ba rnowsky u. a. Geplante Aufführungen: Lessing: ״Nathan der Weise“ Shakespearc: ״Wie es Euch gefällt“, Emil Bernhard: ״Die Jagd Gottes“ (Erstaufführung), Molicrc: ״Der Mysanthrop“. — Oper. Musikalische Oberleitung: Generalmusikdirektor Josef Rosen stock (Mannheim) (stellvertr. Operndirektor); Regie: Dr. Kurt Singer. Mozart: Figaros Hochzeit oder Cosi fan tutte, Beethoven: Fidelio, Donizetti: Don Pasquale, Mchul: Josef in Aegypten, Verdi: Rigoletto, Tschaikowsky: Goldne Schuhe (Erstaufführung). — Konzerte: Abteilungsleiter: Prof. Leonid Kreutzer, Dr. Hermann Schildberger, Dr. Kurt Singer; Dirigenten: Michael Taube, Gastdirigent: Generalmusikdirektor Josef Rosenstock u. a, Symphonische Werke und Konzerte, Kammermusik und Kammerchorkonzerte, Kompositionsabende lebender jüd. Musiker. Unter Mit- Wirkung namhafter Instrumental- und Gesangssolisten. — Kunstausstellungen jüdischer Künstler: Leitung: Dr. Max Osborn und Prof. Eugen Spiro. Ferner umfaßt das Programm eine Reihe von Vorträgen ans dem Gebiet der Geisteswissenschaften, Literatur, Musik, Kunstgeschichte. Jedes Mitglied hat das Recht, einen Vortrag zu wählen. Als Vortragende werden genannt: Dr. Baeck, Prof. Baumgardt, Prof. Kornfeld, Dr. Prinz, Julius Bab, Arthur Eloesser, Max Osborn u. a. Ein genaueres Verzeichnis ist dem Prospekt des Kulturbundes zu entnehmen. Der Mitgliedsbcitrag beträgt 2,50 RM. monatlich, die Mitgliedschaft wird durch schriftliche Anmeldung erworben. Die Mitgliedskarte muß laut behördlicher Vorschrift mit einem Lichtbild versehen sein. Die Geschäftsstelle des Kulturbundes befindet sich Berlin-Charlottenburg, Mommsenstr. 56, wo alle näheren Informationen erhältlich sind. Warnung, ln der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß Leute, die sich als Palästinenser ausgeben, lei Firmen und einzelnen Personen Besuche machen und für verschiedene Unternehmungen werben oder sonstige Anliegen Vorbringen. Es sind uns mehrere Fälle dieser Art mitgeteilt worden, wo der Verdacht besteht, daß unlegitimierte Personen, wenn nicht gar Schwindler, solche Versuche machen. Es ist daher dringend zu empfehlen, sich von Unbekannten dieser Art stets zuverlässige Ausweispapiere vorlegen zu lassen und in Zweifelsfällen beim Palästina-Amt, Berlin, Meinekestr. 10, Bismarck 71 öS, anzufragen.