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Jüdische Rundschau · 1933-07-28 · Heft 60 (28.7.1933) · p. Seite 374

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 60 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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Seite 372 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 6% 28, VH, 1933 Die ״Times“ and der Jadenpnnkl Wie die Tageszeitungen berichten, hat die Londoner ״Tiin e s1• mit dem Abdruck einer Serie von vier Artikeln mit Aus• Zügen aus Hitlers Buch ״M ein Kampf“ begonnen. Die deutsfte Presse gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, daß liier zum ersten Male der Versuch gemacht wird, in England ein besseres Verständnis der deutschen Vorgänge zu verbreiten. Die ,,Times“ leitet die Veröffentlichungen mit einem redaktionelien Artikel ein, der von der deutschen Presse als ein Beweis eines wenigstens teilweise durchbrechenden Verstandnisses gewertet wird. In der Tat versucht der Artikel der ״T1mes“ dem englischen Leser begreiflich zu machen, daß die deutsche Revolution nicht ein rein politisches Ereignis ist, sondern eine große geistige Umwälzung bedeutet. Es wird darauf hingewiesen, daß der moralische und politische Niedergang der Nachkriegsjahre im deutschen Volk starke innere Gegenkräfte weckte, die durch Hitler zu einem politischen Ausdruck gelangten. Diese seelischen Wurzeln des Nationalsozialismus sind es, die auch Außenstehenden die Bewegung begreiflich machen können. Die ״Jüdische Rundschau“ kann darauf verweisen, daß sie bereits vor mehreren Jahren, lange bevor der Nationalsozialismus zur Macht gelangte, gerade jüdischen Lesern, die gewöhnlich nur die jüdische Seite der Sache sahen, vor Augen geführt hat, daß die idealis t i s c 11 e deutsche Jugend sich gegen ein korruptes, ideen-־ loses und zu frivolem Materialismus neigendes Bürgertum der Nachkricgsjahre innerlich ablehnend verhalten mußte. Die Jugend aller Völker, nicht zuletzt die jüdische Jugend, kennt ähnliche Empfindungen. Der Wunsch, die Entartungserscheiinnigen der modernen Gesellschaft zu überwinden und ru einer aus tiefsten Kräften des Volkstums schöpfenden Erneuer 11 n g zu gelangen, war eine der stärksten Mächte, die bfesonders die Jugend zu einer Verneinung der bestehenden Zustände und 711 einem Anschluß an die revolutionäre Bewegung trieb. Wenn die deutsche Presse in diesen Artikeln der ״Times“ der! Anfang einer besseren Verständigung sieht, so stellt sie doch gleichzeitig fest, daß in bezug auf den judenpunkt die englische ()Öffentlichkeit dieses Verständnis für den Nationalsozialismus nicht besitzt. Der zitierte Leitartikel der ״Times“ erwähnt die antisemitische Grundlage des Nationalsozia-!Ismus und bemerkt dazu, daß hier der ״Hitlerismus“ ein ״nicht beneidenswertes Element“ in sich hat, das er mit keiner der anderen Diktaturen teile. Bei der Veröffentlichung des zweiten Abschnittes der Auszüge, der ausschließlich der Juden frage gewidmet ist, macht die ״Times“ eine Vorbemerkung, aus der hervorgeht — was übrigens ohnedies schon aus zahlreichen engiisehen Aeußerungen bekannt ist —, daß der Antisemitismus von den Engländern nicht verstanden wird und die Herstellung von S y m p a 111 i e n zwischen England und dem neuen Deutschland erschwert. Die deutschen Juden betrachten diese Sachlage mit großer Besorgnis. Wir sind der Anschauung, daß es Mittel und Wege gegeben hätte, um die Judenfrage in Deutschland in solche Bahnen zu lenken, daß die Schwierigkeiten, die sich aus der Einstellung des Auslandes ergeben, vermieden oder gemildert worden wären. Da der neue Staat auf r a s s i s c h - v ö 1 k i - sehen Grundlagen aufgebaut wird, so bedeutet für ihn die Judenfrage fraglos ein schwieriges Problem. Aber es muß ein Weg gefunden werden, um eine Eingliederung der Juden auch in dieses Staatssystem, das sich von der liberalen Demokratie des Westens fundamental unterscheidet, zustandezubringen. Einsichtige deutsche Juden, die das Bestehen einer Judenfrage nicht leugnen, hätten hier vielleicht die Möglichkeit gehabt, konstruktiv mitzuwirken. Wir glauben nicht, daß die Judenfrage für Deutschland wirklich die gewaltige Bedeufung hat, die ihr gegeben wurde. Die deutschen Juden wünsehen nicht, daß um ihretwillen das Verständnis zwischen deutsehen! und englischem Volk (gemäß der Meinung der ״Times“) getriibt werde, aber da sic lediglich Objekt des Geschehens sind und keinerlei Möglichkeit der Mitwirkung haben, können sie nur die Hoffnung aussprechen, daß nach der nunmehr erfolgten Konsolidierung des nationalsozialistischen Staates bald auch der Moment kommen möge, wo eine für den Staat und für die Juden tragbare Regelung gefunden wird, so daß dieser Punkt allmählich aus der internationalen Diskussion, die ohnedies genug arideren Stoff zu bewältigen hat, verschwindet. Die Haltung der englischen Juden Ueber die wichtige Tagung des Board of Deputies am 23. Juli, über die bereits eine Reihe deutscher Zeitungen kurz berichtet hat, erhalten wir nunmehr aus London einen ausführlicheren Bericht. Bekanntlich wurde bei dieser Sitzung ein Antrag, einen Boykott deutscher Waren zu problamieren, mit 110 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Dem Bericht ist ferner?11 entnehmen: Der Vorsitzende des Board, Ncviile L a s k i, erklärte, daß die englischen Juden die Notwendigkeit einer großen A u f b a u A k t ion zur Abhilfe gegen die entstandene Judennot einschen. Das ״Auswärtige Komitee“ (״Joint Foreign Committee“) der englischen Judenschaft hat daher den Beschluß gefaßt, daß Laski als ״Beobachter“ an dem Zionistenkongreß in Prag teilnehme.. Eine entsprechende Einladung sei bereits von der Zionistischen Organisation ergangen, und es sei eine bedeufungsvolle Tatsache, daß zum ersten Male ein Präsident des Board of Dcputies einer solchen Einladung Folge leiste. Die Jewish Agency, so führte Laski weiter aus, ist damit beschäftigt, Pläne für die Ansiedlung und Berufstmischichtung deutscher Juden in Palästina auszuarbeiten. In den Richtlinien, die das Auswärtige Komitee dem Board of Deputies vorlegt, heißt es: ״Es ist notwendig, daß Vertreter jüdischer Organisationen aller Länder eine Konferenz abhalten, um die Frage zu beraten, wie den in Deutschland depossedierten Juden am besten zu helfen sei. Das Präsidium des Auswärtigen Komitees soll Einladune 11 zu einer solchen Konferenz für Oktober 1933 aussenden, nter den lebenswichtigen Fragen, die behandelt werden müssen, ist vor allem die Frage der An Siedlung von Juden, die Deutschland verlassen haben oder noch verlassen werden, in anderen Ländern, insbesondere in Palästina. Es ist klar, daß Pläne auf einer rein philanthropischen Basis für dieses Problem nicht ausreichen; die jüngste Geschichte biete aber Beispiele, daß verschiedene Fragen dieser Art durch eine Kooperation der Völker geregelt wurden, und diese Präzedenzfalle sollen eingehend studiert werden.“ In einer Zusammenfassung, die später bekanntgegeben wurde heißt es: ״Wir führen keinen Kampf gegen Deutschland. Die Deutschen haben ein volles Recht, ihre Regierungsform nach ihrem Belieben zu wählen und ihren Staat im Einklang mit ihren polnischen Ansehauungen zu führen. Wogegen wir uns wenden ist lediglich die Diskrimination gegen die jüdischen Bürger Deutschlands. Im Namen der Humanität können wir nicht gleichgültig bleiben, wenn innerhalb Deutschland eine Art jüdischer Parias geschaffen wird. Wir alle sind mit unseren Brüdern in Deutschland darin einig, daß wir dem deutschen Volk nur Gutes wünschen. Wir wollen Deutschland auf dem Wege von Glück und Wohlstand aufwärtssteigen sehen, aber wir wünsehen, daß es den jüdischen Bürgern in Deutschland gestattet sei, diesen Weg Schulter an Schulter mit ihren nichtjüdischen Bürgern zu marschieren.“ Der Board of Deputies stimmt schließlich zu, daß angesiehts der heutigen besonderen Aufgaben das Auswärtige Komitee durch eine Reihe von außenstehenden Persönlichkeiten erweitert werde und zwar sollen folgende Personen kooptiert werden: Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz. O. E. d’Avigdor Goldsmid Prof. Norman Bentwich, Lionel L. Cohen, Sir Robert Waley Cohen, H. A. Goodman, Sir Philip Hartog, M. Gordon Liverman, Lord Melchett, Major H. L. Nathan, Otto M. Schiff und Nahum Sokolow. Erleichterung palästinensischer Einbürgerung? Die ״Vosslsche Zeitung“ meldet aus London: Der konservative Abgeordnete Commander Locker* Lampson hat Im englischen Parlament eine Gesetzesvorläge eingebracht, durch die die Möglichkeit zur Erwerbung des Staatsbürgerrechts für außerhalb des brltisehen Empires lebende Juden erweitert werden könnte. Gedacht Ist an die erleichterte Erwerbung der palästinensischen Staatsangehörigkeit für Juden, die in anderen Staaten Ihr Bürgerrecht verloren haben. Die Gesetzesvorlage hat das Haus in erster Lesung passiert. (Bevor man diese Nachricht beurteilen kann, muß man nähere Einzelheiten abwarten. — Red.) Wie aus weiter vorliegenden Berichten hervorgeht, betonte der Antragsteller Locker-Lampson in seiner Unterhaus-Rede, er sei weder ein Jude, noch sei er jemals antideutsch gewesen. (Locker-Lampson hat kurz nach Hitlers Machtergreifung ein Telegramm an den Reichskanzler gesandt, worin er sich als ein Bewunderer Hitlers bekannte, den er mehrmals in Deutschland sprechen gehört habe. — A. d. R.) Er gehöre zu den wenigen konservativen Abgeordneten, die nach dem Kriege stets für Gerechtigkeit gegenüber Deutschland und fair play eingetreten sind. Er müsse aber auch gerechterweise feststellen, daß gerade deutsehe Juden es waren, die sich am nachhaltigsten für Deutschland eingesetzt haben, und denen es gelungen ist, in England viele Sympathien für Deutschland zu gewinnen. Wenn heute viele bedeutende deutsche Juden — der Redner exemplifizierte auf Einstein, der auf der Zuhörertribüne saß — sich im Ausland befinden und sich ihrer Heimat beraubt fühlen und wenn der Völkerbund nichts unternehme, dann müsse Großbritannien, das selbst ״ein Völkerbund im kleinen“ ist und das Mandat über Palästina hält, diesen Menschen eine neue Staatsbürgerschaft und damit zugleich einen Schutz schaffen. Die milgl&dde Konferenz in Amsterdam Die Berliner ״Germania“ berichtet: Am letzten Tage der ״Jüdischen Weltkonferenz“ in Amsterdam wurde die Gründüng einer ״Jüdischen wirtschaftlichen Weltföderation“ beschlossen. Für den Herbst soll, sofern die Vorbereitungsarbeiten bis dahin genügend gefördert sind, ein Weltkongreß einberufen werden. Ferner wurde ein Hauotausschuß der Föderation eingesetzt; zum Ehrenvorsitzenden wurde Rechtsanwalt U n t e r m e y e r und zum Vorsitzenden Lord Melchett gewählt. Dem Ausschuß gehören ferner zwei Vertreter aus Amerika sowie ie ein Vertreter aus Frankreich, Belgien, Holland, Polen und Aegypten an. Schließlich wurde eine scharfe politische Entschließung angenommen, nach der der Völkerbund um sein Eingreifen zugunsten der deutschen Juden gebeten werden soll. Dem ״Berliner Lokal-Anzeiger“ drahtet sein Amsterdamer Korrespondent: Die auf Initiative des amerikanischen Rechtsanwaltes Dr. Samuel Untermeyer nach Amsterdam einberufene ״internationale jüdische Konferenz“ gestaltete sich zu einem vollkommenen Fiasko. Nur 30 Personen nahmen an dieser mit großem Aplomb als Weltjudenkongreß angekündigten Tagung teil. Die offiziellen jüdischen Organisationen in Holland, England, Frankreich und in den Vereinigten Staaten hatten die Veranstaltung, die sich in erster Linie mit der Verschärfung der Propaganda gegen Deutschland befaßte, desavouiert. Die ״Jüd. Rundschau“ hat sich — in Uebercinstimmung mit allen maßgebenden jüdischen Stellen Deutschlands — bereits mehrfach gegen die antideutsche Boykotthetze ausgesprochen, die kein richtiges Mittel zur Behebung der deutsehen Judennot ist. Zur Lösung der deutschen Judenfrage bedart es konstruktiver Methoden und nicht Deinonstrationen und Proteste. Rasse als Rechisfaegriff Im' Verlauf einer im Auditorium der Kölner Univ e r s i t ii t gehaltenen Rede sagte — laut Presseberichten — Reichsjustizkommissar Minister Dr. Frank, das deutsehe Recht sei heute berufen, die formale Sicherung und unverbrüchliche Garantie der nationalsozialistischen Revolution zu werden. Das Recht könne nur bestehen, wenn es auch die Seele des Volkes besitze. Nicht Kommentare seien entscheidend, sondern das elementare Rechtsgefühl. Um diese Rechtsauffassung restlos durchzusetzen, müßten alle r a s s efremden, undeutschen Elemente aus dem Ju■ ristenstand entfernt werden, die bisher im deutschen Rechtsichen eine unheilvolle Rolle gespielt hätten. In dieser Frage gäbe es für den Nationalsozialisten kein Debattieren. Der Sinn der Revolution sei verloren, wenn man den Rassegedanken nicht in den Vordergrund stelle. Der Begriff der Rasse müsse zum Rechtsbegriff gemacht werden, dann sei die ewige Jugend des deutschen Volkes gesichert. * In derb im Reichsgesetzblatt erschienenen Gesetz zur Aenderung der Zivilprozeßordnung wird der 8 1032 ZPO. dahin ergänzt, daß Nich tarier im Sinne des Beamtengesetzes als Schiedsrichter abgelehnt werden können. Der 9. Aw der traditionelle Traaertag des Jü dis dien Volke* fällt in diesem Jahre auf den 1. August. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ S. August) wird aus diesem Anlaß einen Artikel über die edeutung des 9. Aw iür unsere Zeit von Rabbiner Dr.,Max Wiener» sowie Originalübersetzungen altjüdischer Legenden, die das Ereignis der Zerstörung des Tempels m 9. Aw itmranken, veröffentlichen Schriftsteller und Musiker Vorige Woche veröffentlichten die Zeitungen eine Mittellang des Reichsverbandes deutscher Schriftsteller, wonach auch Schriftstellern nichiarischer Abkunft die Mitglied- Schaft im Verein gestattet werde. Unmittelbar darauf wurde jedoch ein Dementi ausgegeben, worin es hieß, daß diese Notiz ohne Wissen der verantwortlichen Instanzen des Verbandes veröffentlicht wurde. Für die Aufnahme, in. den Schriftstellerverband seien in der Arierfrage die Richtlinien des Beamtengesetzes maßgebend. Nunmehr berichtet die ״Voss. Ztg.“ am 25. d. M. über die erfolgte Gründung der ersten beiden Fachschaften des ״Reichsverbandes deutscher Schriftsteller“. Wie hierbei Hans Richter, Schriftführer des Reichsverbandes, ausführte, erstrebt die Organisation die Zusammenfassung des deutschen Schrifttums in einem großen Verbände.. Die bisher bestehenden drei großen Schriftsteller-Organisationen, der Verband deutscher Erzähler, der Schutzverband deutscher Schriftsteiler und der Deutsche Schriftsteller-Verband, werden sich in den Reichsverband auflösen- Dieser Einheitsverband soll dann zu einer Zwangsorganisation ausgebaut werden. Nur wer dieser Organisation angehöre, solle die Möglichkeit haben, in Deutschland ein Buch erscheinen zu lassen. Mitglied des Verbandes kann• jeder d e u t sc h b 1 üt i g e, politisch einwandfreie Schriftsteiler werden. Die Organisation hat auf parlamentarischen Aufbau verzichtet. Die Verwaltung geschieht durch die Reichs-, Gau- und Ortsgruppen-Leitung. Wir können nicht glauben, daß hier gemeint sein soll, daß nicht-deulschbliitige Schriftsteller in Deutschland kein Buch mehr herausgeben dürfen. Dieselbe Nummer der ״Voss. Ztg.“ meldet: Einige große Künstler, größte Namen des internationalen Musiklebens, Ausländer und Deutsche, die im Ausland leben, Juden und Nichtjuden, an die Furtwängler die Einladung gerichtet hat, als Solisten in den Berliner Philharmonischen Konzerten des nächsten Winters mitzuwirken, haben mit Absagen geantwort et; und sie haben die Absage übereinstimmend begründet mit der gebotenen Solidarität gegenüber denjenigen ihrer Kollegen, denen die nationale Revolution die Möglichkeit genommen hat, weiterhin in Deutschland zu wirken. Die ״Vossische Zeitung“ wendet sich gegen diese ״gefährliche Solidarität“ und weist darauf hin, daß gerade Deutschland auch ein autarkes Musikleben aufbauen könnte. Es sei bedauerlich, daß der ״symbolische“ Schritt Furtwänglers, das Musikleben nach dem Ausnahmezustand det Revolution wieder einen ״normalen Zustand“ zuzuführen, mißglückt ist. * Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt» hat der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbiidung in einem an die Universitäts-, Hochschul- und Akademiebibliotheken gerichteten Runderlaß darauf hingewiesen, daß für die wissenschaftlichen Bibliotheken die Beschlagnahme oder Vernichtung jüdischer oder marxistischer Literatur nicht in Frage kommt. Der Ausleihung dieser Literatur ist aber in Zukunft besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie darf nur noch erfolgen, wenn der Entleiher den Nachweis führt, daß er die Bücher zu ernster wissensehaftlicher Forschungsarbeit benötigt. Sterilislernogsgesetz nod Mischehe Angesichts der soeben erschienenen Gesetze über die Zulassung von Sterilisierung in einzelnen Fällen bei körperlich und geistig minderwertigen Personen ist es von einem gewissen Interesse, daß in manchen Kreisen ein Zusammenhang zwischen diesem Gesetz und der Rassenfrage, soweit sie die Vermischung mit Fremd rassigen betrifft, konstruiert wird. So z. B. veröffentlicht das ״DeutscheAerzteblatt“ vom 15. Juli einen Artikel, betitelt ״Das Judentum in Deutschland“, der sich mit der Frage der M i s c h e h e beschäftigt. Die Statistik, so führt der Artikel aus, gibt über die Mischehe kein richtiges Kid, weil statistisch nur die konfessionell Verschiedenen erlaßt werden, wogegen diejenigen Fälle, wo der eine Partner die Religion des andern annimmt, der Erfassung entgehen. Nach Anführung eifriger Ziffern über die Zunahme der Mischehen in Berlin schreibt der Verfasser; ״In erschütternder Weise zeigt dieses Zahlenmaterial, daß das jüdische Element von uns bereits sehr stark aufgenommen worden und darüber hinaus in weiterem Eindringen begriffen ist. Es bedarf also aller Kraft, um diesen Prozeß aufzuhalten! Deshalb ist die Forderung eines Verbotes der Mischehe eine selbstverständliche Forderung völkischer Selbsterhaltung. Die neuen Gesetze, die als Sterilisierungsgesetz demnächst der Oeffentlichkeit unterbreitet werden, werden diesen Grundsätzen bis zur äußersten Konsequenz wahrscheinlich noch nicht gerecht werden, aus dem Grunde, weil die Oeffentlichkeit der Rassenfrage bisher noch nicht in dem gewünschten Maße ihre Aufmerksamkeit gesdienkt hat. Jede Erneuerung eines Volkes bzw. jede Revolution, die von einer biologischen Erkenntnis getragen wird, wie die nationalsozialistische, wird ihren Weg folgerichtig weiterschreiten müssen und vor jeden einzelnen von uns das Ziel setzen, der Erneuerung unseres Volkes dadurch Rechnung zu tragen, daß das Erbgut und die Rassenwerte, die wir in uns tragen, gepflegt werden, und daß Mischehen, die den organischen Aufbau des Staates gefährden könnten, verhindert werden.“ Inwiefern das Mischehe-Verbot dadurch bekräftigt werden soll, daß nach der Meinung des Verfassers dieses Artikels die Sterilisierungsgesetze ״bis zur äußersten Konsequenz“ geführt werden, ist nicht ohne weiteres zu verstehen. Von der Universität Jerusalem Wir erhalten folgende Mitteilung: Eine unformelle Zusammenkunft des Akademischen Rat es.der Hebräisehen Universität in Jerusalem findet statt am Dienstag, dem 8. August, im physikalischen Institut der Universität, Utrecht, Holland. — Die diesjährige Sitzung des Verwaltungsrates des Judaistischen Institutes der Universität Jerusalem findet statt am 10. August im Hotel d’Angleterre in Gent, Persönliche Einladungen ergehen nicht. Zur gefl. Beachtung! f Am Montag und Donnerstag hat die Redaktion der ,Jüdischen Rundschau“ keine Sprechstundje, da an diesen Tagen Redaktionsschluß ist. •Auch telephonische Auskünfte können an diesen Tagen nicht erteilt ■werden.

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