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Jüdische Rundschau · 1933-07-25 · Heft 59 (25.7.1933) · p. Seite 370

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 59 (25.7.1933)
Date
1933-07-25
Page
Seite 370 (sequence 6)
Language
German
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Seite 368 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 59. 25. VII. 1933 Briefe an die Redaktion Juden in der Provinz Guben, 23. Juli. Sehr geehrte Redaktion! Während die Juden in der Großstadt an den Quellen jüdisehen Handelns sitzen, also dem Werden jüdischer Gemeinschaf! nahe genug sind, um mitgerissen zu werden, fehlt dem Kleinstadtjuden der äußere und damit auch der innere Zusammenhang mit dem jüdischen Geschehen überhaupt. Kritiklos autgewachsen in den Gedankengängen der Assimilationszeit. erfassen die Juden in der Kleinstadt nur selten, was vor sich geht. Das Schlagwort der ״zweiten Emanzipation“ läßt sie glauben, daß man mit dem Streben nach Gleichberechtigung eben wieder von vorne anfangen müsse. Das ist die Einstellung derer, die von Zionismus bisher nichts gewußt haben und die im Zionismus jetzt, wenn es ihnen schlecht geht, praktische Erfolge für ihre Kinder erwarten, ohne den Sinn der Sache verstanden zu haben und ohne ihn weiter verstehen zu wollen, als dein Fortkommen ihrer Familie notwendig zu sein scheint. Das liefe Empfinden der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft kommt erst dann, wenn es bei dem Einzelnen absolut nicht mehr weitergeht und wenn er buchstäblich auf den Gemeinschaftsgeist der anderen angewicsei! ist. Oft hört man vollkommen verarmte Juden sagen: Ja, wenn wir früher den Sinn des Pal,isfitiaWerks ciiigesehen hätten, als es uns noch einigermaßen gut ging, hätten wir etwas tun können, aber jetzt können wir nicht mehr. Wenn man das nur von solchen Juden hören würde, die wirklich jeden Pfennig zum Lebensunterhalt einfach braueben, und wenn die!ihrigen, die noch darüber hinaus manches für ihr Wohlergehen tun, sich ihrer Pflicht als Juden bewußt wären, ginge es an. Aber leider hört man gerade von denen, von welchen man weiß, dal! sie durchaus in der Woche oder im Monat ein paar Mark für die gemeinsame Sache erübrigen könnten, Jammern über die Schwere der Zeit. Es ist nicht zu verkennen, daß es heute wahrlich für keinen Juden in Deutschland leicht ist, aber unsere Lage verlangt von jedem, der zu uns gehört, Opfer! Wer das heut noch nicht einsieht, darf sich nicht wundern, wen» die Gemeinschaft ihm im Notfall nicht helfen kann. Diese Erwägungen sind den Kieinstadtjuden zum großen Teil fremd, am meisten denen, die meinen, auf Grund ihres Vermögens sieh um niemanden kümmern zu brauchen, weil einmal niemand ihnen zu ihrem Vermögen geholfen habe und zum anderen voraussichtlich die Hilfe der Gemeinschaft nicht benötigt werden würde. Mit dieser zumindest laschen Einstellung muß aufgeräumt werden. Man muß diesen Menschen einmal sagen, daß sie mit ihrem egozentrischen Standpunkt die Tradition ihrer Väter schänden, und daß sie sich jedes Anrechts auf Hilfe und Mitgefülil der jüdischen Gemeinschaft begeben, wenn sie sich noch heute dem jüdischen Werk verschließen, das den entwurzelten Juden eine neue Lebensgrundlage zu schaffen in der Lage ist, dem Palästinawerk. Hans Seidenberg. * ״Da* Niederländische Dankgebei" Zurzeit London, N. W. 3., den 21. 7. 33. ״Jüdische Rundschau“ Berlin W. In Nr. 56 der ״Jüdischen Rundschau“ lese ich, daß der Text des ״Niederländischen Dankgebet“ von einem Juden, nämlich von dem Wiener Joseph Werl verfaßt sein soll. Ich glaube, daß das auf einem ׳Irrtum beruht. Der Dichter Joseph Wcyl, ein intimer Freund meines Elternhauses, war kein e s w e g s Jude und st a m in t c, soviel ich w c i ß, auch nicht von Juden ab. Allerdings war er ein sehr großer Judenfreund und verkehrte sehr viel in jüdischen Familien, was in ziemlichem Widerspruch zu seinem Berufe (Polizeibeamter) stand. Ich glaube kaum, daß eine Verwechslung mit einem andern Joseph Wey! möglich ist, da der mir persönlich Bekannte sehr viel Texte für Männerchöre verfaßt hat, die sein intimer Freund, der Qiormeister Eduard Kremser des weltberühmten Wiener Männer-Gesangvereins, vertonte. Auch das ״Niederländische Dankgebe!“ ist von Kremser für Männerchor eingerichtet worden und in dieser Form in der ganzen Welt bekann! geworden. Fs ist also wohl anzuriehmen, daß auch der Text für dieses Lied von diesem Freunde des Chormeisters verfaßt wurde, was mir allerdings bisher nicht bekannt war. I lochachtungsvoll Alfred M c y־ e r s b c r g. *»* Wir haben in unserer Notiz in Nr. 5fi der ״Jüdischen Rundschau“ einen Artikel des deutschen Theologen D. Luck e 11 aus der Zeitschrift 11 r i s t 1 i c h e Freiheit“ zitiert, der sehr heftig gegen den jüdischen Geist des Verfassers der deutschen Ueberset/ung des ״Niederländischen Dankgebeles“, Joseph Wcyl, Stellung nahm. Wenn sich jetzt heraimstelit, daß dieser Joseph Wey! gar kein Jude ist, dann wird in der Tat Herr Lücken vor eine überaus schwicrige Situation gestellt. Denn als Wissenschaftler wird er wohl kaum sich die in manchen Zeitungen übliche Methode zu eigen machen können, daß man jeden Menschen, gegen den man in irgendeiner Beziehung polemisieren will, einfach zum ״Juden“ stempelt, auch wenn er rein arischer Abstammung ist. Durch diese Methode, die etwas gegen die Juden beweisen soll, wird erst recht überzeugend bewiesen, daß man nichts beweisen kann. Red. Gesamtarchiv der deutschen Juden Wir erhalten folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung: Das Gesaintarchiv der deutschen Juden ist mit der Durchführung einer überaus bedeutsamen archivstatistischeu z\rbeit beschäftigt. Es richtet dazu an die Vorstände aller jüdischen Gemeinden Deutschlands auf diesem Wege die dringende Bitte, ihm mit möglichster Beschleunigung mitzuteilen, welche Qeburts-, Traurings- und Sterberegister sich im Besitz, der Gemeinden befinden. Auch Mitteilungen über etwa im Besitz von Gemeinden, Vereinen und Einzelpersonen befindliche Mohel- und Memorbüch er und F riedhofs Verzeichnisse sind sehr erwünscht. Ebenso wäre das Gesamtarchiv sehr dankbar für Hinweise darauf, ob und welche Register über den oben bezeichneten Personenstand der deutschen Juden und welche handschriftlichen und gedruckten Bevölkerung s - und Namenslisten verwandter Art bei Magistraten, Gerichtsbehörden, Rabbinatcn, Pfarrämtern, ständischen Archiven und im Besitz von Einzelpersonen sind. Zweckdienliche, möglichst genaue Angaben wolle man umgehend an das Gesamtarcliiv der deutschen Juden, Berlin N 21, Oranienburger Straße 28 (Jüdische Gemeinde), richten. An unsere Abonnenten! Wir bitten hierdurch, das Abonnement für den Monat August durch Ueberweisung des fälligen Betrages von 2 RM. zu erneuern. Denjenigen Abonnenten, die die Abonnementsgebühren durch Nachnahme entrichten, wird in den nächsten Tagen eine Nachnahme zugehen, um deren prompte Einlösung wir ersuchen. Expedition der ״jüdischen Rundschau“ Berlin W 15, Mcinekestr. 10 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 Wahlen zum Zionisten-Kongreß. Wie uns aus England mitgeteilt wird, ergaben die dortigen Wahlen zum Kongreß folgendes Resultat: Allgemeine Zionisten 6 Mandate, Misrachi 1 Mandat, Poale Zion 2 Mandate. Die Revisionisten (Großmann-Gruppe) erhielten 248 Stimmen und die Jabotinsky-Partei 95 Stimmen; beide gingen leer aus. Die LJniversitäts-Bibliothck in Jerusalem, die infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage ist, den dringenden Wünschen ihrer Leser nachzukommcn, bittet die Freunde der Universitäts-Bibliothek, ihr folgende Bücher, die dringend verlangt werden, zu besorgen oder durch Bereit- Stellung von Mitteln deren Anschaffung zu ermöglichen. Diesbezügliche Mitfeilungen sind zu richten an die Universitäts-Bibliothck z. Hd. von Herrn Dr. Bergmann, lerusalem. oder Dr. Walter Fischei, Jerusalem, z. Zt. Frankfurt am Main, Jahnstr. 17. — Wunschliste: A e r e b o e, Hansen und Proemer, Handbuch der Landwirtschaft 1928/29. Burckh a r d t, Jacob, Gesamtausgabe. Gandhi, Jung Indien, Rotapfel-Verlag. ilommse n, Römisches Strafrecht. S e e k, O., Geschichte des Untergangs der antiken Welt. Berlin, Siemenroth, 1897—1913. 5 Vols. geb. Stählin, Der Antisemitismus des Altertums, 1905. Tob ler und Molinier, itinera Hicrosolymitana. v. Winterfcld, Paul, Deutsche Dichter des lateinischeu Mittelalters. D 1111 c m, Pierre, L’evolution des theories physkjues. Buhe in, Pierre, La theoric physique. Benz, R., Geist und Reich 1933. Dwinger, E. E., Wir rufen Deutschland 1933. Gogartcn, F., Politische Ethik 1933. K 0 r f f, Geist der Goethezeit 1923 ff. Korff, Humanismus und Ro mantik 1924. üroos, Helm., Der deutsche Idealismus uiu1 das Christentum 1927. Hirsch, Ein., Die idealistische Philo- Sophie und das Christentum 1926. L ü t g e r t, Die Religion des deutschen Idealismus und ihr Ende, 4 vol. Brunner, Emil, Die Grenzen der Humanität, de Quervain. Alfr., Die theologischen Voraussetzungen der Politik. Ortsgruppen Beckum (Wcstf.). Im Rahmen einer ״Palästina* Woche“ finden nachstehende Veranstaltungen statt: eine ״Palästina-Schau“, ein Vortrag ״Palästina und wir“, eine Freitag-Abcndfeier, dem Gedenken Theodor Herzl gewidmet, schließlich eine hebräische und jüdische Prüfung des Schülerbundes. Der Gedanke einer ״Palästina-Woche“ hat lebhaftes Interesse gefunden. Darmstadt. Am 9. Juli sprach in den Räumen der Starkenburglosc auf Einladung der Zionistischen Vereinigung Herr Adolf Po link (Berlin) über ״Palästina — ein Einwanderungsland". Vor dem interessiert folgenden Publikum gab Herr Pollak einen ausgezeichneten Abriß der bisherigen Entwicklung Palästinas, der insbesondere bei den vielen Nichtzionisten Zustimmung und Begeisterung auslöste. Es meldeten sich spontan neue Mitglieder in großer Anzahl an. Duisburg. Am 20. Tammus fand im Rahmen des Freitag- Abendgottesdienstes anläßlich der Jahrzeit von Theodor Herzl eine Gedenkfeier in der Synagoge statt. Rabbiner Dr. N e 1! mark würdigte in eindrucksvollen Worten die Größe Hcrzls und seines Werkes, dessen volle Bedeutung erst jetzt von allen Kreisen der deutschen Judenheit voll erkannt würde. Herr Frank sang das EI mole rachamim, dein das von Dr. Neumark gesprochene Kaddischgebet folgte. Die würdige Feier machte tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Düsseldorf. Am 5. Juli sprach hier Kurt Blumcnfcld über ״das deutsche Judentum und Palästina“. Der Vortrag, der eine glänzende Kritik des liberalen Judentums mit einer Fülle tiefer menschlicher Einsichten verband, wurde von einem zahlreich erschienenen Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Frankfurt a. M. Ueber die ״Neugestaltung des jüdischen Schulwesens“ sprach vor einer großen Zuhörerschaft am 13. Juni Rabb. Dr. Max Gri'incwald, Mannheim. Dr, Grünewald schilderte die jüdische Schule so, wie er sie erstrebt, nicht ohne gegen die bestehenden jüdischen Schulen zu polemisieren. Der Referent zeichnete ein detailliertes Bild vom Aufbau der neuein zitrichtenden Schulen. In der Aussprache setzte sich Prof. Martin Ruber warm für Orüncwalds Plane ein. —־ Am 29. Juni fand hier eine eindrucksvolle Arlosoroff-Gedcnkfcicr statt, ln ihrem Mittelpunkt stand eine Rede von Dr. Hans Pomeranz, die von musikalischen Darbietungen, hebräischem Chorgesang (Ltg. Fritz Salbcrg) und Rezitation (Phil Rochwerg) wirkungsstark utnrahinf war. Die Ansprache von Dr, Pomeranz, die in ihrer Tiefe weit über das Niveau der üblichen Gedenkfeier-Reden hinausragte, würdigte nicht nur die Schwere des Verlustes, den die ganze jiidenheit erlitt, sondern umriß das ideclikhe und politische Gerüst von Arlosoroffs Zionismus. Pli. R. Frankfurt a. M. Im hiesigen Ftihrerktirsus des jüdischen Jugemlringes sprach Herr Adolf Pollak, Leiter des Zentraikomitees des KKL für Zentraleuropa, über den Sinn und die Aufgaben dieser für den Palästina-Aufbau so wichtigen Institution. Ausgehend von dem Vorschlag Prof. Schapiras auf dem 1. Basler Zionistenkongreß, gab der Redner einen Ueberblick über den Aufbau des KKL und wies nach, dab die Entwicklung in Palästina die Richtigkeit der vom KKL verfolgten Bodenpolitik bestätigt hat. Die Vergrößerung des jüdischen Landbesitzes in Palästina sei entscheidend für unsere Zukunft. Unsere Geschäftsstelle ist für die persönliche Aufgabe von Anzeigen, Abholung von Offerten usw. nur von 9<^ f Tb«| (außer Sonnabend m^ß ÄÄJfc u. Sonntag) geöffnet. Anzeigenschluß lür die Dienstagnummer: Freitag Anzeigenschluß für die Freitagnummer: Dienstag JÜDISCHE RUNDSCHAU Inseratcn-Abteilung / Berlin W15, Meinekestraße 10 Gelsenkirchen. Mit Unterstützung der Gemeinde wird ab 17. Juli in mehreren Tages- und Abendkursen Unterricht in hebräischer Sprache erteilt. Herr Gerschonowitz, Essen, der hier bereits 14 Monate Privatunterricht erteilt hat, ist mit der Leitung der Kurse betraut worden. Anmeldungen nimmt das Gemeindebüro entgegen. Auch Unbemittelte können am Unterricht teilnehmcn. In allen Palästina-Angelegenheiten wird durch den Vertrauensmann des Palästina-Amts Auskunft erteilt. Sprechstunden sind im Gemeindebüro, Zimmer 1, zu erfragen. — Die Sprechstunden der neu eingerichteten ״Wirtschsrtshilte der Synagogengemeinde“ finden täglich (außer Sonnabend und Sonntag) von 16—17 Uhr im Gemeindehaus, Zimmer 3, statt. Göttingen. Seit Ende April besteht eine zionistische Arbeitsgemeinschaft, an der sich viele Mitglieder des hiesigen Jugendvereins und fast alle jüdischen Studenten beteiligen. Pressereferate, Einwanderungs-, Siedlungs- und Ara* bertrage finden einen interessierten Fiörerkreis. Als unbedingter Erfolg ist unsere für Göttingen erstmalige Herzl- Feier anzuschen, an deren Gestaltung die hiesigen führenden jüdischen Kreise mitarbeiteten und die eine beträchtliche Besucherzahl aufwies. Norbert Reich sprach in seiner ergreifenden Rede, neben der Schilderung des Herzischen Schicksals, über die tragische Lage der deutschen Juden. Frau Trude Hahn trug durch ihren künstlerischen Gesangsvortrag wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Das Interesse für den Zionismus ist nach dieser Gedenkstunde erheblich innerhalb der Gemeinde gestiegen. Es wird in dieser Woche eine KKL.-Aktion eingeleitet werden. Hindenburg. In Hindenburg stand auf Anregung des Synagogenvorstandes der Hauptgottesdienst am Sabbat im Zeichen einer Hcrzl-Gcdcnkfeicr. Rabbiner Dr. Vikt o r zeichnete in tiefangelegter Gedenkrede die Zeit Herzls im Vergleich zu unseren Propheten und forderte zu einem stolzen selbstbewußten ludentum auf. Oberkantor Sc ha Ha* mach schloß die Feier mit einem ergreifenden El mole rachamim. Hirschberg. Vor kurzem kam die Wizo nach fängerer Pause wieder zusammen, nebst einer größeren Anzahl Gäste, unter welchen sich mehrere Herren und viele Jugendliehen befanden. Frau Ida Müller, die Vorsitzende der Gruppe, machte einleitende Bemerkungen. Darauf sprach Dr. Martin Bab in fesselnder und formvollendeter Weise über das Thema ״Der Weg des deutschen Juden nach Palästina“. Es wurde beschlossen, die Arbeit ohne Begrenzung auf den Kreis der Wizo intensiv fortzuführen bis zur Gründung einer Ortsgruppe. Kassel. Nach langer Pause hatte die Zionistische Ortsgruppe für den 6. Juli zu einer Veranstaltung eingeladen, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Herrn Adolf P כ i 1 a c k, Jerusalem, über ״Palästina, ein Einxvandcrungsland“ stand, unnötig zu sagen, wie aktuell dieses Thema heute für alle jüdischen Kreise ist. Die unerwartet hohe Besucherzahl von etwa 150 Personen, — darunter Menschen, die unseren Gedankengängen bisher gleichgültig, teilweise sogar ablehnend gegenüberstanden — war bester Beweis für das Interesse, das Palästina heute allgemein entgegengebracht wird. Herr Dr. Kugelmann gedachte zunächst des allzufrüh verstorbenen Dr. Arlosoroff mit ergreifenden Worten der Trauer. Dann hielt Herr Pollack sein Referat, das äußerst aufschlußreich war. Der Referent hob die überragende Bedeutung hervor, die der Frage des Bodens resp. Bodenerwerbs zukommt und erläuterte überzeugend die für die palästinensische Wirtschaft so wuchtigen Funktionen der Fonds, speziell des KKL. Als äußerer Erfolg dieser gut verlaufenen Versammlung sind 17 Neuanmeldungen zur Ortsgruppe sowie ein ansehnlicher Betrag für den KKL zu verzeichnen. Lauenburg. Als Erfolg der Diskussion bei einer C.-V.- Veranstaltung wurde hier nach heftigen Diskussionen eine Gemeindeversammlung einberufen, aus der heraus sich eine zionistische Ortsgruppe bildete. Durch den Kontakt mit der eifrigen Gruppe in Stolp ist auch ein Makkabi Hazair hier entstanden, Stuttgart. Am 13. Juli veranstaltete der Jüdische Jugendring. Stuttgart, einen Vortragsabend. Herr Adolf Pollak, Berlin, sprach in vortrefflicher Weise über ״Palästina als Einwanderungsland". Der Vortrag wurde von den Anwesenden, die in ganz außergewöhnlich großer Zahl erschienen waren, mit starkem Beifall aufgenommen. Danach sprach noch Herr Ellern über seine Eindrücke von Palästina, die er bei seiner kürzlichen Orientierungsreise gesammelt hatte. Wuppertal, ln diesen Tagen übersiedelt der zweite Vorsitzende der Z. O.G., Rechtsanwalt Dr. Leo Adlerstein, nach Erez Israel. Von frühester Jugend unserer Bewegung innig verbunden, erfüllte er die verantwortliche Aufgabe der Ortsgruppenarbeit mit unermüdlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Wir wünschen ihm eine glückliche Alijah! Vermischtes jüdische Schule Klopsfockstr. 58. Für diejenigen Kinder, deren Eltern in den nächsten Monaten nach Palästina übersiedeln wollen, beginnt nach den Sommerferien ein neuer Plan: täglich drei Stunden hebräischer Unterricht und für den Rest des Vormittags nach Wahl Teilnahme an einzelnen Fächern innerhalb der entsprechenden Klassen. Schulgeld wie gewöhnlich. Schriftliche Anmeldungen bis zum 8. August bei der Schulleiterin Frau Nathan, Grunewald, Salzbrunner Straße 24 (Telephon von 8—9 Uhr morgens Schmargendorf 1955). Brith Iwrit. Dienstag, den 1. August, abends 8 Uhr, Allgemeine Mitgliederversammlung in der Meinekestraße 10. Tagesordnung: Auflösung des Vereins. Zusammenschluß jüdischer Gyirmastlklehrerlnnen. Es wird uns mitgeteilt: Die jüdischen Gymnastiklehrerinnen haben sich infolge der erfolgten Gleichschaltung ihres bisherigen Verbandes zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschbssen. Zweck dieses Zusammenschlusses ist die Klärung wirtschaftlicher Fragen der Lehrerinnen sowie Stellung der gymnastischen Lehrtätigkeit in den Dienst jüdischer Erziehungsarbeit. Alle ausgebildetcn Gymnastiklehrerinnen werden ge* beten, ihre Adressen an ״Interessengemeinschaft fachlich ausgebildeter Gymnastiklehrerinnen jüdischer Abkunft", Berlin C 2, Rosenstr. 2/4 (Jugendpflegedezernat), mitzuteilen. Die Lage der Prlvat-Musiklehrcr. Die ״Deutsche T o n k ü n s 11 e r * Z e i t u n g" vom 15. Juli veröffentlicht eine an den Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer in Berlin gerichtete Zuschrift des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, worin auf eine Rückfrage des Ver* bandes die Direktive ausgegeben wird, daß die Bestimmungen über die Anwendung des Arier-Paragraphen bei Privat* schulen und Privatunterricht noch nicht endgültig sind, sondern nur vorbereitenden Charakter haben. Wenn es sich daher auch empfehle, mit der Prüfung der arischen Abkunft der Privatlehrer fortzufahren, so sei doch zunächst kein Unterrichts-Erlaubnisschein einzuzie* hen und keine Entlassung nichtarischer Lehr* kräfte zu fordern. Etwa eingezagene Untcrrichts-Erlaub* nisscheine seien z.urückz.ugcben und ausgesprochene Ent* Iassungea zurückzunehmen.

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