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Jüdische Rundschau · 1933-07-25 · Heft 59 (25.7.1933) · p. Seite 369

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 59 (25.7.1933)
Date
1933-07-25
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 59, 25. VII. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 367 Jüdische Stücke auf Pariser Bühnen Jüdische Themen stehen zurzeit hoch im Kurs in der französischen Literatur. Nachdem die Brüder Tharand mit ihren oberflächlichen Büchern, das ostjüdische Volksleben behandelnd, großen Erfolg hatten, versuchen sich eine große Anzahl französischer Schriftsteller auf diesem Gebiete. Von den Werken, die hierdurch entstanden sind, verdienen nur Irene Nemirowski’s ״David Goldcr“ und Albert Cohen’s ״Solal“ Erwähnung. Aber auch die anderen Autoren fanden viele Leser und bewirkten, daß das jüdische Problem heute in Frankreich überall lebhaftes Interesse erweckt und viel diskutiert wird. Dies dürfte wohl die Ursache sein, daß kürzlich, fast gleichzeitig, drei verschiedene Pariser Theater Stücke jüdischen Inhalts aufführten. ״Les Juifs“ (Die Juden) ist eine Uebersetzung des bekannten Dramas des verstorbenen russischen Schriftstellers Tschirikoff. Die Handlung dieses Stückes spielt, ebenso wie diejenige von ״Maison d’Israel“ (Haus Israel), dessen Autor Matäi Roussou ist, im zaristischen Rußland. Der Höhepunkt beider Stücke, deren Analyse übrigend frappant ist, bildet ein Pogrom. Aber während Roussou dem Publikum die schrecklichen Folgen einer Judenverfolgung vor Augen führt, läßt Tschirikoff bei Ausbruch des Pogroms den Vorhang niedergehen, ln beiden Stücken finden wir dieselben Typen, die den Anspruch erheben, charakteristisch für das jüdische Volk zu sein: marxistischer Student, begeistertet Zionist, jüdisches Mädchen, das sich in einen Christen verliebt. Natürlich fehlt auch der vom Film her bekannte und immer wiederkehrende Konflikt, zwischen dem alten gesetzestreuen und unerbittlichen Vater und seinen vom Judentum abfallenden Kinde nicht. Die einzige wahre Figur, die nicht den Eindruck einer alterprobten Schablone macht, ist Roussous Benjamin. Dieser junge Mensch ist an den ungeheuren Leiden seines Stammes seelisch zugrunde gegangen. Er hat den Glauben an eine bessere Zukunft, an die Menschheit verloren. Resigniert und indifferent gegen alles verlebt er still und zurückgezogen seine Tage. Er stellt den schwachen geschlagenen Teil unseres Volkes dar. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in beiden Werken sehr wenig von der wahren jüdischen Seele zu spüren ist. Dies mag teilweise daher kommen, daß sich das französische Theater, dessen Hauptstärke in den leichten Salonstücken liegt, nicht gut für solche Stücke, deren Charaktcr der französischen Bühne vollkommen fremd ist, eignet. Der Hauptgrund dafür ist aber, daß sich die französischen Schriftsteller, welche sich mit jüdischen Problemen beschäftigen, die Sache zu leicht machen. Sie arbeiten im allgemeinen nach einem aiterprobten Schema und suchen das Publikum dadurch zu fesseln, daß sie ihm die ״eigenartigen“ Gcbrauche des jüdischen Volkes beschreiben. Die Folge davon ist, daß der Nichtjude, der das Judentum nur aus dieser Literatur kennt, eine unmögliche Vorstellung von unserem Volke hat. Ganz anderer Art, als die beiden obengenannten, ist das dritte Stück, ״Ezechiel“ betitelt, und von Albert Cohen, dem Autor des bereits erwähnten Romans ״Soial“, geschrieben. Dieser Einakter stellt den schwerreichen Börsen- Juden und den armen Wanderjuden auf die Bühne. Durch eine Reihe von Zufällen erfährt jener von dem armen Juden, daß sein Sohn, der Finanzniinister in England ist, soeben gestorben ist. Ezechiel — so heißt der Reiche — ist wie vom Schlage gerührt. Er weint, schreit, macht verzweifelte Gesten , . . wird er vor Kummer sterben? Nein; denn er hat sich die Sache überlegt. Er wird trotz seinem hohen Alter die Tochter des armen Juden heiraten, die sehr schön ist. Er wird, so rechnet er, mit ihr einen Sohn haben, und der wird den Toten voll und ganz ersetzen. Nachdem er dieses Kalkül beendet hat, telephoniert er zur Börse und betreibt seine gewöhnlichen Finanzgeschäfte. Dieses sonderbar anmutende Stück gab Anlaß zu verschiedenen Pfeifkonzerten, da man dem Stücke, dessen Autor iude ist, eine antisemitische Tendenz vorwarf. Herr Cohen at sich hier offenbar einen eigentümlichen Spaß erlauben wollen, der heute besonders unangenehm empfunden wird. Paris. Josef Franck. Gegen innerfüdisdke Störer Wir haben in der letzten Nummer der ״Jüd. Rundschau“ gegen die Tendenzen, einzelne jüdische Gruppen als ״vaterländisch“ besonders herauszustreichen und dadurch das unliebsame Schauspiel inneren Haders zu geben, Steilung genotnmen. ln der letzten Nr. der ״C. V. - Z c i t u n g“ finden wir gleichfalls eine Ablehnung solcher Versuche. Im Leitartikel wird von der Notwendigkeit einer Einheitsfront gesprochen, wobei es heißt: ״Die Voraussetzungen für diese Forderung sind recht einfach: Ablehnung des Standpunktes, daß die Menschen nach ihrer innerjüdischen Gesinnung stärkeren oder geringeren Anspruch auf Wiedererlangung unserer Rechte haben; Ablehnung der Ansicht, daß ein Mehr an jüdischer Haltung innerhalb einer jüdischen Gemeinschaft eine Belastung wäre; Verzicht auf agitatorische Ausnutzung des durch Zeitverhältnisse in zahlreichen Köpfen entstandenen Ressentiments.“ Es ist zwar noch nicht viel, wenn man sagt, daß innerhalb einer jüdischen Gemeinschaft ein Mehr an jüdischer Haltung keine ״Belastung“ darstellt, aber da man weiß, was gemeint ist, verdient diese Aeußerung des C.-V.-Organs registriert zu werden. In der Zeitschrift ״Gesundheitslehrer“ vom 15. Juli, die an der Spitze des Blattes einen Aufruf an die deutschen Aerzte vom Reichskommissar Dr. Wagner enthält, finden wir einen Aufsatz ״Rassenhygiene und Impfung“, der dadurch bemerkenswert ist, daß er im Gegensatz zu den meisten anderen Veröffentlichungen, die man jetzt häufig in Aerzteblättern findet, jüdischen Leistungen Gercchtigkeit widerfahren läßt. Es wird auf einen Artikel Bezug genommen, der sich heftig gegen die Pockenimpfung wandte und wo behauptet worden war: ״Die Pockenimpfung ist der erste geglückte Großangriff des Juden gegen die Erbgesund heit.“ Im Anschluß an diese Aeußerungen veröffentlichi nun der ״Gesundheitslehrer" einen Artikel von Prof. Dr. Freiherr von Verseht! er, vom Kaiser-Wilheim-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, der die Behauptungen von der Schädlichkeit der Impfung widerlegt, sodann eine Aeußerung von Prof. Dr. Gins vom Preu- Bischen Institut für Infektionskrankheiten Robert Koch, der darauf hinweist, daß der erste, der gegen die Impfung protestierte, der in Berlin hochangesehene Arzt und Philosoph Markus Herz zu Beginn des 19. Jahrhunderts war. Gins weist ferner darauf hin, daß die Juden später die eifrigsten Anhänger der Impfung waren und sic unter ihren Stammesgenossen mit großer Energie und mit Erfolg verbreiteten, woraus geschlossen werden kann, daß sic damit nicht eine Verschiechterung der Rasse bezweckten. Es habe sich vielmehr erwiesen, daß im Krieg die polnischen Juden, weil sie geimpft waren, viel weniger den Kriegsseuchen erlagen als Nichtjuden. Aber auch das gegen die Impfung gerichtete Flugblatt berufe sich auf jüdische Gelehrte als Kronzeugen, Wir gehen einen füdbehen Weg Von Edmund Jaeobsohn (Rostock). Der Einsender der nachfolgenden Zeilen teilt ms mit, daß diese als Erwiderung des in der ״CW .-Zeitung" vom, 13. Juli erschienenen Artikels ״Wir gehen einen deutschen Weg“ von Hans-Joachim Scho cp 8 gemeint sind. Red. Der neue Staat hai die Judenfrage aufgerollt. Gelöst werden kann sie nur־ wenn wir uns innerlich auf die neue Situation umstellen. Diese Umstellung ist bisher nur zum Teil voll־ zogen. Wir haben eine lebendige jüdische Gemeinschaft in Verbundenheit mit der deutschen Heimat schaffen wollen. Ob diese Lösung möglich, ob sie richtig war, mag dahingestellt bleiben; sie war unser Ziel. Der Weg dazu ist uns verbaut; verbaut deshalb, weil das Deutschtum, das uns als Untergrund der Symbiose vorschwebte, uns genommen ist. Wir müssen einen Sinn hineinlegen in das, was über uns verhängt ist. Wir können an eine himmlische Strafe glauben und um dieser verdienten Strafe willen alles Leid freudig tragen. Eine Strafe hat Zcitcharakter, sie kann lebenslänglich sein und ein Menschenleben zerstören, noch das dritte una vierte Geschlecht kann sie treffen. Aber daß Generationen in unabsehbarer Folge dieser Strafe verfallen, daß ist nicht Sinn, das ist Sinnlosigkeit. Wir sind uns darüber klar, daß der Nationalsozialismus nicht aus Bosheit oder Dummheit die Judenfragc aufgeroilt hat. Sie bestand längst vordem; daß sie aufgerollt wurde, entspricht nur dem Ethos des neuen Staates. Eine Illusion ist es zu glauben, daß eine nochmalige Aufroliung der Judenfrage eine Lösung aus einem anderen Geiste finden könne. Die deutsche Judenheit, soweit sie bisher nicht zionistisch war, erlebt die Ereignisse der Gegenwart in drei Altersschichten. De Aelteren, die bessere Tage in Deutschland erlebt, die für Deutschland an der Front gestanden haben, verlieren nicht die Hoffnung, daß der neue Staat bei dieser Regelung nicht beharren werde. De Jungen um 20 herum, aufgewachsen unter dem Druck der Judenfrage, lehnen sich innerlich gegen die neue Regelung auf, aber sie wissen, daß sie endgültig sein wird. Alles kommt darauf an, aus diesen Trotzjuden der Gegenwart aktive jüdische Menschen zu machen. Die Jüngsten, die heute in die Schule kommen, ahnen nur, daß etwas um sie vorgeht. Und doch ist ihnen und allen, die nach ihnen kommen, das traurigste Schicksal beschieden: sie wachsen auf und lernen ״anders“ zu sein. Und was heißt unter der Herr- Schaft des Freund-Feind-Prinzips ״anders“, wenn nicht ״minderwertig?“ Menschen, seelisch verkrüppelt, nicht fähig, dem Leben standzuhalten. Hat diese ״Strafe“ Sinn? Dürfen wir es wagen, kommenden Generationen dieses Schicksal unvermeidbar aufzuerlegen? Soviel Leidensmut diese Lösung beweist, soviel Verantwortungslosigkeit. ,,Sohnschaft verpflichtet“! Aber nicht, kritiklos das fortzusetzen, was unsern Vätern mißglückt ist, sondern aus ihren Fehlem zu lernen. Wir wollen leben, mehr als vegetieren, mehr als nur leiden. Wir wollen denen, die nach uns kommen, wieder jenen Rückhalt in der Gemeinschaft geben, in die sie hineingeboren sind, den Rückhalt, der uns verlorenzugehen drohte. Wo wir auch unser Leben vollenden, wir gehen einen jüdischen Weg! Mttkkabikampltpiele nach Prag verlegt Wir erhalten vom Sportverband Makkabi nachstehende Mitteilung: Das Makkabi-Weltverbandssportfest ist von Cernauti nach Prag verlegt worden. Es findet nunmehr vom 20. bis 27. August, der Makkabikongreß vom 28. bis 29. August in Prag statt. Das Programm wird dasselbe bleiben. Zar Lage der indischen Aerzte Aus jüdischen Aerztekreisen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß zwar die Lage aller jüdischen Aerzte durch die gegenwärtigen Verhältnisse schwierig geworden ist, insbesondere sind aber diejenigen jüdischen Aerzte, denen die Zulassung zu den Krankenkassen gcnommen wurde, in einer äußerst schwierigen Wirtschaftliehen Lage. Auch die Ausschaltung׳■ von den Mittelstands- Versicherungen trifft, wie uns mitgeteilt wird, nur diejenigen jüdischen Aerzte, denen auch die Krankenkassen entzogen wurden. Diese Aerzte müssen also auf den größten Teil ihrer bisherigen christlichen Patienten verzichten. Jüdische Patienten, die den Privatversicherungen angehören, dürfen nach wie vor auch Rechnungen jüdischer Aerzte präsentieren. Es wird daher von manchen Seiten angeregt, den jüdischen Privatpatienten nahezulegen, daß sie bei ihrer Aerztewahl vor allem die nicht zu den Kassen zu gelassenen jüdischen Aerzte berücksichtigen, damit diese wenigstens auf diese Weise einen Klientenkreis behalten, da sie sonst materiell vollständig ruiniert sind. Es ist sehr schwierig, in einer solchen Frage dem Publikum Ratschläge zu erteilen, da bei der Wahl eines Arztes sicherlich häufig auch andere Gesichtspunkte maßgebend sind als der, dem Arzt eine materielle Förderung zuteil werden zu lassen. Wo aber die übrigen Umstände es erlauben, glauben wir, daß es eine Pflicht der gegenseitigen Hilfe und des sozialen Empfindens ist, der hier gegebenen Anregung nachzukommen. Wir vermuten, daß auch bei den zu den Krankenkassen zugelassenen jüdischen Aerzten Verständnis für diesen Gesichtspunkt zugunsten ihrer benachteiligten Kollegen vorhanden sein wird. Mu$ das sein? Aus Kiel wird uns eine Postkarte geschickt, die in einer Zeitungsbude in der Hauptstraße für 2 Pf. das Stück an das Publikum verkauft wird. Auf der Karte steht folgendes Gedicht: Deutsches Gebet. O, Herr, schick uns den Moses wieder, Damit er seine Glaubensbrüder Wegführet ins gelobte Land. Noch einmal laß das Meer sich teilen, Damit die hohen Wassersäulen Feststehn wie eine Felsenwand. Wenn dann in einer Meeresrinne Die ganze Judenschaft ist drinne, O, Herr, dann mach die Klappe zu; Ersäufe sie mit Roß und Wagen, Erhör des Weltalls ernste Klagen, Dann haben alle Völker Ruh'. Der Verfertiger dieses Gedichte* hat unrecht. Des ist kein ״Deutsches Gebet“. Wir haben zwar keine Legitimation, für das Deutschtum zu sprechen, aber wir kennen das deutsche Volk und den deutschen Geist gut getiu^, um sagen zu können, daß es sich bei diesem Gedicht um «ne bedauerliche Entg I ei s u n g handelt, bei der das Wort ״Gebet“ einen blasphemischen Beigeschmack hat und dessen menschliche Haltung sicher nicht als ״deutsch“ bezeichnet werden kann. Palästina M (flirtscbaftateil Industrie I. Neugründangen De Palästina-Wirtschaftsstelle Berlin (siehe unten), teilt uns folgende aus Palästina stammenden Informationen mit: 1. Farben: Zwei Farben-, Lack- und Firnißfabriken, die eine in der Nähe von Rechoboth, die andere bei Haifa, sollen in nächster Zeit errichtet werden. Die Kapitalsinvcstition der einen Firma wird auf £ 6000 geschätzt. 2. Chemische Reinigung: Die erste modern eingerichtete chemische Reinigungsfabrik in Tcl-Awiw, ״Alpha“, hat einen großen Teil der 60 kleinen Reinigungsanstalten in Tel-Awiw aufgesogen. Diese fungieren jetzt als die Filialen der ״Alpha“ zur Annahme und Auslieferung der Kleidungsstücke. Die Reinigung selbst wird mit modernen Maschinen und mit Assurdinstoff chemisch in einem großen Kessel durchgeführt. Die Preise, die ״Alpha“ fordert, sind doppelt so hoch wie die, die bisher verlangt wurden. Der Unterschied liegt in der Qualität der Bearbeitung. ״Alpha“ bedient Tel-Awiw und Jerusalem durch Autodienst. Haifa ist etwas zu weit entfernt und kann vielleicht eine Möglichkeit für dieses Gebiet geben. Als hindernd müßte die geringe Bevölkerungszahl betrachtet werden. 3. Wäsche-Fabrikation: Die bisherigen Wäschefabrik-Werkstätten hatten sich hauptsächlich auf Herrenwäsche spezialisiert. Neuerdings wurden einige moderne Werkstätten, die auch Bett- und Damenwäsche hcrstcllcn, gegründet. 4. Schokolade: In Ramath-Gan wird eine große Schokoladentabrik von einer Rigaer Firma errichtet. 5. Elektrische Batterien: Es wurde eine Fabrik für elektrische Batterien gegründet, die 10 Arbeiter beschäftigen soll. These Werkstätte wird den gesamten Bedarf Palästinas und Syriens decken können. 6. Glasfabrik. Eine große Glashütte in Polen gründet eine Glasfabrik in Palästina. Die Analysen des Sandes an zwei Stellen Palästinas haben äußerst günstige Resultate ergeben. Vorläufig werden hauptsächlich Fensterglas und Flaschen produziert werden. Der Absatz wird sich außer auf Palästina und Syrien auch auf andere Länder erstrecken. 7. Fabrik für Kacheln und Keramik. In der Nähe von Haifa wird eine Fabrik für Kacheln, Keramik und sanitäre keramische Waren gegründet. Die Fabrik wird vorerst Kacheln und keramische Artikel produzieren. Später wird die Produktion von sanitären keramischen Artikeln in Angriff genommen werden. Der Gesamtbedarf an Kacheln und keramisehen Produkten stellte sich in Palästina im Jalire 1932 auf £P 70000. Der größte Teil der Rohmaterialien wird auf Grund von Untersuchungen des Chemischen Laboratoriums der Universität Jerusalem im Lande gefunden. 8. Da m p f wä sc 11 c r e i: In Ramath-Gan, der neuen Indusfrievorstadt Tel-Awiws, wurde der Bau einer großen Dampfwäscherei begonnen. Bis zum Jahre 1933 existierte in Palästina nur eine kleine Dampfwäscherei in Tel-Awiw. Im Jahre 1933 wurde eine zweite Dampfwäscherci, ebenfalls j!1 Tel-Awiw, gegründet. Diese Wäschereien beginnen jetzt auch für den privaten Markt zu arbeiten, nachdem sie sich bisher hauptsächlich auf die vielen Hotels als Lieferanten gestützt hatten. De Wäschereien besitzen eigene Autos, mit denen sie auch die Kolonien, Jerusalem und Haifa bedienen können. II. Möglichkeiten für neue Unternehmungen t. Errichtung einer Fabrik für Sperrholzplatten. 2. Errichtung einer Fabrik für Zinn- und Bleituben. 3. Errichtung einer Werkstatt für Nieten. 4. Verwertung von Pyriten aus Zypern zum Schmelzen von Eisen und Kupfer, Erzeugung von Schwefelsäuren und ev. Superphosphaten. 5. Verwertung von Bitumen, die im Lande gefunden werden. 6. Auswertung von Marmorbrüchen in der Umgegend von Jerusalem. 7. Errichtung einer Sfrcichgarnspinneret und -Weberei mit Appreturanstalt. 8. Erzeugung von Gummi-Artikeln. 9. Gerberei für alle Ledersorten. 10. Fabrik für Elektromotoren, elektrotechnische Ar• tikel und isolierten elektrischen Draht. 11. Fabrik für E m a i I I e w a r e n. 12. Spielzcugfabrik. III. Roden für induifrielle Unternehmungen Boden für industrielle Unternehmungen kann in der Näh« von Tcl-Awiw oder in der Nähe von Haifa gekauft werden. Der Boden in der Umgebung von Tel-Awiw ist bereits ziemlieh teuer. Ein Dunatn Boden für industrielle Unternehmungen wird in Ramat Gan, in der Nähe von Tel-Awiw, mit £ 200 bis 300 bezahlt. In etwas größerer Entfernung wird Boden zu £ 150 pro Dunam angeboten. In Tel-Awiw selbst ist Boden für industriclie Unternehmungen außerordentlich teuer, in dieser Hinsicht ist die Lage in Haifa viel besser. Die P. L. D. C. besitzt in der Nähe von Haifa für Industriezweckc geeigneten Boden im Preise von £ 300 bis 400 per Dunam. Diese Preise beziehen sich auf Boden, der direkt in der Stadt liegt. In kleiner Entfernung von der Stadt kann Boden von der P. L. D. C. oder von der Haifa-Bay zum Preise von £ 100 pro Dunam erworben werden. Der Keren Kajemeth Lejisrael verpachtet Boden für industrielle Zwecke in der Haifa-Bucht auf dem Wege nach Akko zum Pachtzins von 4 <0י jährlich vom Preise des Bodens. Der Bodenpreis wird mit £ 50 bis 60 pro Dunam berechnet. Nur schriftliche Anfragen sind zu richten an die Palästina-Wirtschaftsstelle, Berlin W 15, Xantencr Straße 20. Kurze Nachrichten Eine Abordnung der Landwirte und Plantagen- Besitzer hat bei dem Oberkommissar vorgesprochen und ihn ersucht, bei der englischen Regierung wegen Aufhebung des Zolles für den Import von palästinensischen Apfelsinen nach England vorstellig zu werden und Verhandlangen mit Regierungen anderer Länder (Tschechoslowakei, Ungarn usw.) zu veranlassen. Der Oberkommissar hat versprechen, sein möglichstes zu tun. Drei neue Banken sind gegründet worden. Eine Persisch-palästinensischc Bank mit 3000 Pfund Grundkapital, eine palästinensisch-baltische Bank mit 25 000 Pfund und eine Jerusalemer Stadtbank. Die letztere (״City bank of Jerusalem“) hat bereits ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Versuche, Kartoffeln in Palästina anzupflanzen, sind von gutem Erfolg gekrönt. Man erwartet, daß in diesem Jahre bereits 1000 Tonnen Kartoffeln in Palästina erzeugt werden. Die Regierung erklärt, die Kartoffelerzeugung durch Schutzzölle fördern zu wollen.!

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