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Jüdische Rundschau · 1933-07-25 · Heft 59 (25.7.1933) · p. Seite 368

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 59 (25.7.1933)
Date
1933-07-25
Page
Seite 368 (sequence 4)
Language
German
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Seite 366 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 59, 25. VH. 1933 Erziehung deutscher Judenkinder Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tcl-Avmv, 12. Juli 1933. Bei Beginn der deutschen Einwanderung■ nach Palästina wurde im Lande eine Kommission gebildet, in der alle Kreise, Gruppen und Parteien der palästinensischen Judenheit vertreten waren. Sie hatte eine doppelte Aufgabe: hier sollten die Aktionen, die mit der Aufnahme und der wirtschaftlichen Eingliedert!ng der Immigranten zusammenhingen, konzentriert werden, und hier sollte auch die Verwaltung der für diese Zwecke gesammelten Gelder liegen. Die Kommission ernannte Unterkomniissionen für die verschiedenen Arbeitsgebiete, für städtisehe und für ländliche Siedlung. Sie bestellte einen besonderen Ausschuß für Kulturf ragen und übertrug ihm die Unterbringung «inwandernder Kinder. Diese ״Kulturkommission“ setzt sich aus Mitgliedern des Erzielnmgsdepartements heim Waad Leumi (die Vertretung der palästinensischen Judenheit, die seit kurzem auch für das hebräische Schulnctz verantwortlich ist) lind Vertretern der oben genannten Zentralkommission zusammen. Ihr Vorsitzender ist Dr. Lurje, der seit vielen Jahren mit dem hebräischen Schulwerk aufs engste verknüpft ist und Jahre hindurch an seiner Spitze stauet ihr Sekretär J. Sandbank, einer der Leiter der Kulturarbeit in der Arbeiterorganisation. Miß Szold, die Vorsitzende der Aktion ftir die deutschen Juden in Palästina und frühere Leiterin des Erziehungsdepartements in der Exekutive der JetvKh Agency, beteiligt sich mit Energie an den Arbeiten. Die Kommission hat in den letzten Wochen sämtliche Pläne, die im Zusammenhang mit der Unterbringung deutscher Kinder in Palästina ausgearbeitet wurden, geprüft. Es gab eine große Anzahl solcher Pläne Die palästinensische Judenheit, die naturgemäfi an dem Schicksal der deutschen Juden den tiefsten Anteil nimmt, hat der Ucbersiedlung und Erziehung der kommenden Generation ganz besonderes Interesse zugewandt. Aus den verschiedensten Kreisen kommen Anregungen und Vorschlage. Die Pläne beziehen sieh fürs erste auf mehrere Tausende von Kindern. Man muH bei der Unterbringung zweierlei unterscheiden: Kinder vom Kindergarten an bis zum Abschluß der Volks- oder Mittelschule und Jugend, die die Volksschule abgeschlossen hat und eine berufliche Ausbildung braucht. Für die erste Kategorie, also rund gerechnet Kinder zwischen drei und vior/elm Jahren, ist ein Ausbau und eine Vergrößerung der bestehenden Kindergärten und Schulen notwendig. Neue Klassen sind anzugliedern, eventuell auch neue Anstalten einzuricliteii. Dies kann und wird stufenweise erfolgen, je nach der Anzahl der Kinder, die Aufnahme verlangen. Das ErziehuiigsiJcpartment und die Stadtverwaltung inTel-Awiw regeln diese Fragen von Mal zu Mal und man kann sicher sein, daß kein Kind, das einen Platz in der Schule braucht, ohne Unterrieht bleiben muß. Sehr viel komplizierter ist die Unterbringung von Jugendlichen und ihre Schulung für einen Beruf. Es wird von der Kommission richtig erkannt, daß der Schwerpunkt aller Arbeit dahin zu verlegen ist, daß eine Ucberleitung dieser Jugend in ״produktive“, d. h. landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe erfolgt. Für die Schulung der Jugend werden zuerst alle bestehenden Möglichkeiten geprüft. Diese sind beträchtlich in der Landwirtschaft, einigermaßen unklar und schwierig in handwerklichen Berufen. Bei den landwirtschaftlichen Siedlungen in der Ebene Jesreel und im Jord a n t a 1 wurde eine Umfrage veranstaltet, wieviel Jugendliche in nächster Zukunft zur Ausbildung tintc-rzubringen sind und welche Kosten damit entstehen. Sowohl in den kollektivistischen Betrieben (Kwtizoth) als auch in den individualistischen (Moschawhn) bestehen Untcrbringungs- und Lernmöglichkeiten. Die Kinder können unter Anleitung in der Wirtschaft mitarbeiten und haben auch Gelegenheit zur weiteren geistigen Ausbildung, wie die Kinder der Siedler selbst. Nach den vorgenommenen Berechnungen sind ftir den Unterhalt pro Person und Jahr ungefähr .U 25 notwendig. In den Maschawim wird es allem Anschriu nach möglich sein, die Kinder in den Familien unterzubringen, in den Kwuzoth müssen an verschiedenen Stellen Häuser gebaut werden. Die entsprechende Unterbringung in geeigneten Wohnhäusern ist für eine leichtere Akkiimatisierung wesentlich. Im Moment ist auf diese Weise für 450 Kinder Platz; es ist jedoch möglich, diese Zahl bis auf tausend und fünfzehnhundert zu vergrößern. Eine zweite Aushildungsmöglichkeit ist in den Arbeiterinn tiifa r m e n (״Mischkc Poaloth“) gegeben. Dieses sind landwirtschaftliche Betriebe ftir die Ausbildung von Mädchen, die nicht nach dem Modell einer Schule, sondern einer Kvvuzah aufgehaut sind, mit der Tendenz, den Mädchen nicht nur die Arbeiten als solche, sondern auch die Leitung der Wirtschaft beiztrbrtngen. Diese Farmen haben die Möglichkeit, eine Anzahl von Mädchen gegen eine Bezahlung von ungefähr £2>', pro Monat aufzunehmen. Dem ganzen Zuschnitt der Farmen nach kommen sie mehr für Jugend von 16 oder 17 an in Betracht. ln den bestehenden landwirtschaftlichen Schulen und Landerziehungsheimen sind in ihrer jetzigen Form keine großen Aufnahmemöglichkeiten gegeben. Es bestehen jedoch Plätte für Erweiterung, für die Aufstellung neuer Gebäude, Heranziehung neuer Lehrkräfte usw. Samtliehe dieser Pläne erfordern Neuinvestitionen, zum Teil größeren Umfanges. Unter diesen Anstalten sind zu nennen: Ben- Sc 11 entert, das Lander/ichungslicim bei Ltidd, das bereits in letzter Zeit eine Anzahl von Kindern aus Deutschland aufgenontmen hat. Hier sind nette Gebäude und verschiedene Vergrößerunpen notwendig, um eine Erweiterung der Anstalt durchzufiihrcn. In der landwirtschaftlichen MädchenschuledcrWiz oinNahalal, die eine dreijährige Fachausbildung in allen Zweigen der Landwirtschaft bietet, ist für weitere Aufnahmen vor allem die Wohnungsfrage für die Schiil(■rinnen zu lösen. Diese Anstalt kommt für Jugend von 17 Jahren an in Betracht■ Die Arbeitcrinnenfarm in Jerusalem, hauptsächlich der Hof-Milchwirtschaft und der Raumzucht gewidmet, hat einen Platt für Vergrößerung des Betriebes ausgearbeifet, tun Neuaufnahmen in größerem Umfange durchführen 7.11 können. Schließlich gibt es eine Reihe von Projekten zur Errichtung neuer Ausbildungsanstalten. Kfar Giladi, eine Kwuzah in Obergaliläa nahe der syrischen Grenze, will in dem benachbarten Siedlungspunkt Tel-Chaj, das seit einigen Jahren unbewohnt ist, eine Ausbildungssteile für 50 bis 60 Jugendliche einrichten, die in der Wirtschaft arbeiten und lernen sollen. Biram, der Leiter der Realschule in Haifa, plant die Gründung einer landwirtschaftlichen Mittelschule. Sie soll in Kfar Jeladim errichtet werden, einem Punkte In der Ebene Jesreel, wo früher ein Landerrichtmgsheim für Waisenkinder bestand, das vor einiger Zeit geschlossen wurde. Diese Anstalt soll in enger Verbindung mit der Realschule stehen, den Charakter einer Mittelschule tragen und rechnet mit einem Schulgeld von £ 5 monatlich, abgesehen von größeren Investitionen zur Einrichtung des Betriebes, ist also mehr für Kinder begüterter Eltern gedacht. Die dem Misrachi nahestehende, religiös gerichtete Arbeitergruppe in Petach- Tikvah, Kibuz Rodges, plant die Errichtung eines religiösen Landerzieh utigsheimes. Insgesamt wäre bei Ausführung aller hier skizzierten Projekte Raum für die Ausbildung von gegen 2000 Kindern in der Landwirtschaft. Die bestehenden Möglichkeiten für handwerkliche Ausbildung sind sehr viel geringer als in der Landwirtschaft und auch die Pläne für Vergrößerung bestehender bnv, für Gründung neuer Anstalten auf diesem Gebiete sind begrenzt. An Aufnahmemöglichkeiten in bestehenden Institutionen gibt es: die Hauswirtschaftssehulein Tel -Awiw (Hostel), wo noch zehn Mädchen aufgenommen werden können; die Haus Wirt schafts- und Handfertigkeitsschulc der Misrachi-Frauenorganisatioh in Jerusa- 1 e m, wo Platz für 20—30 Lehrlinge vorhanden ist. Durch eine Vergrößerung der Handwerkerschtile am Techn i k u m in Haifa (gegen ■10 neue Plätze). Plan der H andwcrkermittelschule von Biram (40—50 Plätze), der Handwerkerschule der Alliance IsraeliteUniverseile in Jerusalem (gegen 40 Plätze) sind eine Reihe von Ausbildungsstellen zu schaffen. Dasselbe gilt für die bestehenden Lehrerseminare. Das Technikum in Haifa will im Zusammenhang mit einem Vergrößcrungsplan Platz für Lehrkräfte aus Deutschland schaffen, dasselbe gilt ftir die hebräische Universität in Jerusalem. Für die gründliche und umsichtige Durchführung aller dieser Pläne, für die Vergrößerung der bestehenden Anstalten und ihre Anpassung an die ihnen neu gestellten Aufgaben, für die Gründung neuer Institutionen sind entsprechende Mittel und eine zentralisierte Zusammenfassung der Kräfte Bedingung. Trotz dem Verständnis des palästinensischen Judentums und trotz der großen Bereitschaft, an derUebersiedhmg derKinder mitzuhclfen, ist eine fruchtbare Arbeit ohne die entsprechenden Geldmittel nicht durchzuführen. Palästina allein wird nicht die Kraft haben, die beträchtlichem Summen aufzubringen, die nötig sind, utn eine solche Kindereinwanderung zu regeln und im Lande unterztibriugen. Es ist dieses eine Aufgabe für das gesainte Judentum und Palästina kann nur das Werkzeug in seiner Hand sein. Es wird auch unumgänglich nötig, daß diese Kommission, die glücklich zusammengesetzt ist und bisher gute Arbeit leistet, das zentrale Organ für die A u s f ii 11 - run g der gesamten Plane wird, daß es mit den arbeitenden Stellen in Kontakt steht und die genügende Autoritat erhält, um regelnd zu wirken. « Wie uns weiter aus Jerusalem gemeldet wird, haben die Sammlungen zugunsten der deutschen Juden bis zutn 10. Juli 14 600 Pfund ergeben. Die . E r z j e h u n.g s k o m iru s s i o n des •Hiifskömitees befaßt sieh derzeit mit dem PIan;''1000 jüdischc Kinder aus Deutschland unterztibringcn. Palästina als deutscher Ausfuhrmarkt Die Berliner Korrespondenz ״ludustrie und Hande!“ veröffentlicht aus deutschen Kreisen in Haifa eine Zuschrift, der die ״Voss. Z.tg.“ entnimmt: ״Palästina bcfindet sich, soweit jüdisch und auf den Gebieten der öffentlichen Verwaltung in stürmischem Aufbau und wird allgemein als Insel im Ozean der wirtschaftlichen Wcltdepression hetrachtet. Das Land ist daher als Abnehmer von M a s c h i - nen, Röhren, Automobilen, Pumpen und Baumaterialien trotz seiner Kleinheit (1 Mill. Einwohner) kein unwichtiger Kunde, zumal ununterbrochen neues jüdisches Kapital einströmt. Deutschland hat in Palästina als lmportcur bisher einen der ersten Plätze innegchalten. Nur mit Mühe hat es England verstanden, seine Stellung als Mandatsmacht dazu auszunutzen, hei Ankäufen für Regierung, Eisenbahn, Hafenbau und öffentliche Körperschaften, die fremde Konkurrenz fernzuhalten. Auf dem Gebiete der Pumpen, Wassermesser, Röhren, Djesel- und Elektromotoren war Deutschland bisher führend. Nach der nationalen Revolution in Deutschland ist auch in Palästina der Ruf nach dem Boykott deutscher Waren laut geworden, doch erklang er gerade hier schwächer als in anderen Teilen der Welt und iand bald eine deutliche Gegenströmung. Diese Erscheinung hat ihren wirtschaftlichen und ihren politischen Grund. Der letztere besteht darin, daß die zionistische Partei, bei aller Ablehnung der antisemitischen Tendenzen, insgeheim nicht unzufrieden damit ist, daß ihr der neue Kurs in Deutschland ein hochwertiges Menschenmateriat für die Siedlungen in ihrem Lande z.uführen muß. Der wirtschaftliche Grund ist folgender: Ein Hauptteil der Abnehmer deutscher Maschinenerzeugnisse und anderer ist das jüdische Pflanzer- Element des Orangengebietes. Die Pflanzer hüten sich wohlweislich, das Boykott-Abenteuer mitzumachen; sie sind auf die Erweiterung des Exportes ihrer Orangen und anderer Citrus-Früchte nach Deutschland bedacht. Wenn somit der jüdisch-palästinensische Anteil an der Boykotlbewegung nicht so bedeutend ist, wie man vermuten sollte, so zeigt sich als eigentlich treibendes Element das konkurrierende Ausland, insbesondere die englische Geschäftswelt. Die General-Electric Co. hat sich zusammen mit einer großen englischen Firma der Lcyland Motors, und anderen vereinigt und hier eine Gesellschaft mit bedeutenden Mitteln ״zwecks Ver- Besserung der englisch-palästinensischen Handelsbilanz“ gegründet. Die neue Firma, die Consolidated Ncar East Corp. Ltd., soll mit reichen Lägern ausgestattet werden und den Kampt um den hiesigen Markt durch große Auswahl und Kreditcrweiterung aufnehmeit. Für die deutsche Industrie besteht daher aller Anlaß, sich ohne Zeitverlust darau! cätizttstellen, den hiesigen Absatzmarkt nicht kampflos der ausländischen Konkurrenz zu überlassen.“ Zu dieser Darstellung muß zunächst bemerkt werden, daß die Behauptung, man betrachte in zionistischen Kreisen in Palästina die Entwicklung der jüdischen Verhältnisse in Deutschland nicht ohne Befriedigung, weil hierdurch hochwertige Menschen nach Palästina getrieben werden, denn doch der Sachlage nicht entspricht. Das palästinensische Judentum empfindet zwar Genugtuung darüber, daß in dieser für das Judentum so kritischen Zeit Palästina vielen Menrchefl eine Zufluchtsstätte und, was noch wichtiger ist, Möglichkeit einer seelischen Wiederaufrichtung in aufbauender Arbeit bieten kann. Diese Funktion Palästinas ist nicht zu unterschätzen, ebenso wie deutsch-jüdische Menschen unter Umständen, wenn sie sich dem Lande anpassen, für Palästina eifl wertvolles Element sein können. Die Darstellung des vorstehenden Artikels könnte aber von unaufmerksamen Lesern so gedeutet werden, als ob man sich über das Schicksal der deutschen Juden freute, weil Palästina dabei etwas ״profitiert“. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß dies nicht der Fall ist. Der vorstehende Artikel ist aber besonders auch darum interessant, weil im Gegensatz zu andersgefärbten Berichten, die in der letzten Zeit in einigen deutschen Zeitungen erschienen sind, darauf hingewiesen wird, daß unter den palästinensischen Juden kein organisicrterBoykoit deutscher Waren vor sich geht und daß sogar von sehr wichtigen jüdischen Bevölkermtgsgruppen vor einer antideutschen Boykottbewegung ausdrücklich gewarnt wird. Die Judenfrage ist viel zu ernst, als daß sie in der Form von Boykott- Aktionen erledigt werden könnte. Die ״Jüdische Rundschau“ hat auch schon wiederholt darauf hingewiesen, daß — unabhängig von allen prinzipiellen Gesichtspunkten — rein praktisch die jüdische Palästina-Wanderung und die Verbundenheit der deutschen Juden mit der deutschen Wirtschaft sich zugunsten der deutschen Wirtschaft und des deutschen Exporthandels aitswirken könnte. Es ergibt sich hier die Möglichkeit einer konstruktiven Politik, die zwar nicht alle Wunden heilen, aber doch manchen Schaden mildern könnte. Die Einwände der Jewish Agency Wir haben in der vorigen Nummer den Gedankengang des vom Direktor für Landejttwicklung, F r e n c h, erstatteten Berieht über das Bodenproblem Palästinas wiedergegeben. Unmittelbar nach dem Erscheinen des French-Berichtes veröffentlicht die Exekutive der jewish Agency ihre Einwände zu diesem Bericht. In der Antwort der Jewish Agency, einem von Dr. Arioso ro ff namens der Agency am 10. März, wenige Wochen vor seiner letzten Europa- Reise, gezeichneten Dokument, wird insbesondere darauf hingewiesen, daß der French-Bcricht ebenso wie die Berichte früherer offizieller Untcrsuchungskommissioncn von der irrigen Annahme ausgeht, daß zwischen arabischen und jüdischen Interessen in Palästina ein naturgegebener Gegensatz bestehe. Deshalb und infolge ungenügender Kenntnis der Landesverhältnisse gelange Frcnch zu falschen Folgerungen. Zum Schluß erklärt sich die Agency bereit, der Regierung eigene Vorschläge betreffend die Landen (Wicklung in Palästina zu machen, Vorschläge, von denen sie überzeugt ist, daß sie dem Interesse aller Teile der Bevölkerung Palästinas entsprechen. In dem Schreiben der Jewish Agency wird ausgefiihrt: Die Exekutive sieht sich genötigt, zu erklären, daß sie in der im French-Bcricht dargelegten Politik nicht die Aufstellung eines Planes erblicken kann, wie er anscheinend von der Regierung Seiner Majestät in Aussicht genommen war, als in dem am 13. Februar 1931 an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Ministerpräsidenten Bezug genommen wurde aut ״die umfangreichen Ziele der Entwicklung, die die Regierung׳ Seiner Majestät als das wirksamste Mittel zur Förderung der Errichtung eines Nationalheims für die Juden erachtet“. Die Berichte Mr. Frenchs scheinen auf falschen Voraussetzungen zu beruhen. Sie gehen fortwährend von Befürchtungen statt von Tatsachen aus. Sie sind im ganzen in konstruktiver Hinsicht steril und gehen gründlich fehl in ihren Vorschlägen betreffend eine restriktive Gesetzgebung. Sie sind auf der trügerischen Annahme aufgehaut, daß «ine die jüdische Initiative in Fesseln legende Politik denjenigen, der eine solche Politik vertritt, der Pflicht enthebe, positive Wege und Methoden ftir die Förderung von Juden oder Arabern aufzu/eigen. Di« Unterzeichnete Exekutive ist daher zu dem Schlüsse genötigt, daß diese Berichte nicht als Grundläge einer Land- und Entwicklungspolitik in Palästina, bei deren Durchführung zu kooperieren die Jewisli Agency in der Lage wäre, akzeptiert werden können. Die erste und ernsteste Prämisse der Berichte Mr. Frenchs, die auch die Grundlage der Kontroverse in den letzten Jahren war, ist die von der angeblichen betrachtliehen Verdrängung arabischer Bauern infolge Uebergangs ihres Bodens in jüdische Hände. Die Entfernung von etw׳a 500 Weidcnut/berechtigten und Bauern in einem Zeitraum von zwölf Jahren seit Einsetzung der britischen Verwaltung in Palästina oder durchschnittlich 50 Familien im Jahr kann keineswegs als Ausdruck jenes ominösen Prozesses betrachtet werden, der in den angeführten Dokumenten beschrieben oder angedeutet wird. Selbst wenn Mr, Frenchs ursprüngliche Annahme einer Zahl von 1000 bis 2000 ״dislozierten“ Arabern sich als richtig erwiesen hätte — was nicht der Fall war — so hätte die Lage keine wesentliehe Aenderung erfahren. Der Landentwicklungsdirektor ist an die jüdische Seite des Problems nicht unter dein Gesichtspunkt des Mandates herangetreten, das der Mandatarmaclit die positive Verpilichtung aufcrlegt, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims — ein Ausdruck, der im Vokabular Mr. Frenchs nicht verkommt — zu sichern. Eine Auffassvtng, derzttfolge alles, was dem jüdischen Siedler nützen könnte, notwendigerweise sich als schädlich für den arabischen Bauern erweisen müsse, während jegliche Einschränkung jüdischen Unternchmungswiltcns und Fortschritts automatisch zum Schutz für den arabischen Nachbarn werde, kann mir zu einem Programm führen, das statt ein Instrument der Entwicklung zu sein, zu einem Mittel werden muß, diese zu obstruieren. Was Mr. Frenchs Vorschläge hinsichtlich weiterer Erleichterung jüdischer Siedlung betrifft, so sind sie praktisch w e r 11 o s. Das vorgeschlagene System von Hemmungen und Brcmsuftg en jüdisch-landwirtschaftlichen Fortschritts ist ebenso weitreichend wie der positive Inhalt der French-Bcrichte bedeutungslos ist. Mr. Freneh bringt seine Ueber/cugimg zpm Ausdruck, daß ״diese Maßnahmen in keiner Weise in Widersprach mit der deklarierten Politik der Regierung Seiner Majestät‘‘ ständen, Herr Frcnch irrt. Diese Vorschläge sind nicht nur unvereinbar init den der Mandatarmaclit durch das Mandat auferlegtcu Verpflichtungen, sondern auch vollkommen unverträglich mit den im Briefe des Ministerpräsideuten enthaltenen Zusicherungen. In dem gleichen Maße sind sie den Interessen wirtschaftlichen Fortschritts und der Entwicklung des Gesamtlandes entgegengesetzt. Die Exekutive der Jewish Agency war stets von dem Wunsche erfüllt, tnil der Regierung Seiner Majestät und mit der Palästina-Verwaltung in der Ausarbeitung einer auf den irn Mandat niedergelegten Grundsätzen aufgebauten Ent- Wicklungspolitik zu kooperieren. Sie ist weiterhin bereit, der Regierung Seiner Majestät Vorschläge für einen solchen Plan zu unterbreiten, und würde es begrüßen, wenn ihr Gelegenheit geboten werden würde, mit der Regierung die Einzelheiten eines Programms zu bcsprechen, dessen Hauptpunkte Förderung jüdischer Einwanderung und Siedlung sowie Förderung der allgemeinen Wohlfahrt aller Einwohner des Landes sein würden. Die Jewish Agency verharrt in ihrer Auffassung, daß es keinen Interessenwiderstreit gibt, der eine solche Politik unmöglich machen würde.

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