Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- Seite 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58, 21. VTT. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 355 Fortschrittes durchaus so schnell, wie es die Umstände erfordern, und wird es vermutlich auch weiterhin bleiben unter Berücksichtigung des bereits zu erwartenden betrachtliehen Zuwachses in der Produktion von Orangen und Grape Fruit, der Wahrscheinlichkeit, daß die Preise fall e. n werden, wenn diese größere Produktion au? den Markt geworfen wird, und der Zeit, die zum Zweck von Untersuchungen, Experimenten und anderen Mitteln zur Herab- Setzung der Produktionskosten unvermeidlich verstreichen muß, bevor sich die Entwicklung der Industrie voll auswirken kann. Die Wege der modernen Landwirtschaft«- geschichte sind besät mit den Zusammenbrüchen, die in der ganzen Weit eine zu schnelle und zu weitgehende Aus- Wertung von Produktionsmöglichkeiten herbeigeführt hat, indem sie eine Uebersättigung der auswärtigen Märkte und den Ruin der allzu zuversichtlichen Produzenten bewirkte. Die Gefahr eines ähnlichen Zusammenbruches der Citrus- Industrie in Palästina muß vorausgesehen und mit größter Wachsamkeit ferngehalten werden, um so mehr, als kein Beweis dafür vorhanden ist, daß die Citrus-Kultur durch einen anderen rentablen Landwirtschaftszweig ersetzt werden könnte, sobald ihr der Boden entzogen würde. Die übrigen Gebiete könnten, die technische Möglichkeit ihrer Bewässerung und damit ihre Fähigkeit, rentable Ernten zu produzieren, vorausgesetzt, die Wicdcransicdlung landloser Araber und die Kolonisierung• einwandernder Juden durch allmähliche, eine Reihe von Jahren erfordernde Entwicklung ermöglichen; damit würde der Druck aut die westlichen Teile Palästinas erleichtert werden. Seihst wenn es keine unüberwindlichen technischen Schwierigkeiten für die Wasserversorgung dieser Gebiete oder einiger von ihnen gäbe, so blieben doch die entscheidenden Fragen, ob ausreichende Märkte für die auf dem bewässerten Land erzielten Ernten gefunden werden könnten, und ob Aussicht bestehe, daß die Regierung auf eine entsprechende Rückerstattung ihrer Auslagen rechnen könne. Die Niederlassung einer erheblichen Zahl von Personen auf Ländereien zu ermutigen, die die Regierung unter großen Kosten zur Verfügung steilen würde, und für die nicht begründete Aus- Sicht auf Erzielung rentabler Ernten bestünde, hieße Schwicrigkeiten für die Siedler herbeiführen, die Regierung diskreditieren und den palästinensischen Steuerzahlern eine finanziehe Last aufbürden, die sie schwerlich tragen könnten. Es mag sein, daß sich mit der Zeit die Möglichkeit ergeben wird, andere Exportprodukte zu ziehen oder die Produktions- und Absatzkosten der schon jetzt gezogenen Produkte so zu senken, daß der Export rentabel bleibt; aber ich sehe mich zu dem Schlüsse genötigt, daß die Ausnutzung neu erschlossener Gebiete, wenn Miltei zu ihrer Erschließung aufgebracht werden könnten, im gegenwärtigen Stadium der landwirtschaftlichen Entwicklung In Palästina nicht wirtschaftlich erscheint. Die Forderung nach baldiger Reorganisierung der bcstehenden Siedlung im Beisan- und Hule 11-Gebiet und nach Ncukolonisicrung der einzigen großen Gebiete im Lande, nämlich derjenigen im J o r d a n t a 1 — drei Projekte, die_dauernd stärkstes Interesse bei den Juden finden — ist von einem gewissen Standpunkt wohl zu verstehen; aber diese Forderung gründet sicli auf höchst optimistische Erwartungen. Der Frcnch-Bcriclit skizziert im Anschluß an diese Be- Pachtungen den von der Jcwish Agency unterbreiteten Vorschlag, mit finanzieller Regierungshilfe "eine jüdische Agrar- und Siedlungsbank zur Erleichterung• der Anlage neuer Siedlungen zu schaffen, und unterzieht den Plan einer eingehenden Kritik. Er kommt zu dem Schlüsse, daß er seine Annahme nicht empfehien könne. Es stehe außer Zweite!, daß die palästinensische Landwirtschaft nicht die hohen Zinsen würde bezahlen können, die eine solche Bank zur Deckung ihrer Auslagen und Verluste festsetzen müßte. Ich bin daher, erklärt French, zu dem Schluß genötigt, daß die Regierung, wenn sie eine Anleihe aufnehmen und sie zum Ankauf von Schuldscheinen einer solchen Bank verwenden würde, ihre Auslagen nicht riiekerstattet bekommen könnte, so daß die Last des Zinsendienstes und der Amortisation den Steuer- Zahlern des Landes direkt aufgebürdet werden würde. Für eine zu 5 0/0 aufgenommene und innerhalb 40 Jahren rückzahlbare Anleihe von 1 Million Pfund müßte der palästinensische Steuerzahler 40 Jahreszahlungen von 60 000 Pfund oder insgesamt 2 400 000 Pfund auf bringen. Die Lage wäre dieselbe, wenn die Regierung Verzinsung und Rückzahlung einer öffentlichen Ausgabe von Schuldscheinen garantieren oder eine Subvention iin erforderlichen Ausmaß gewähren würde. ־ Der einzige Zweck, für den die Regierung berechtigterweise langfristige Kredite für jüdische Landwirt- Schaft zur Verfügung stellen könnte, sind solche Wirt- Schaftsverbesserungen, durch die eine Ertrags- Steigerung bewirkt werden kann. Wo die Erteilung soleher Kredite wünschenswert erscheint, wäre der richtigste Weg, die Mittel einer kommerziellen Bank zu einem Zinsfuß zur Verfügung zu stellen, der es der betreffenden Institution ermöglicht, die volle Verantwortung für die Erteilung der Kredite zu übernehmen. (Die Entgegnung der Jewish Agency auf den French-Bericht bringen wir in der nächsten Nummer.) Jüdische IMillionenstiftung lUr Deotsclilaid Die Berliner״Alontagspost“ berichtet: Der New Yorker Bankier James Loeb, der frühere Inhaber der Bankfirtna Kuhn, Loeb u. Cie., der im Mai d. J. in Murnau starb, vermachte, wie die gestrige Teslanienteröff- T!ung beim New Yorker Nachlaßgericht ergab, der Mimchener Forsclumgsanstalt für Psychiatrie eine Million Dollar. Ferner wurde der Gemeinde Murnau eine Stiftung von 20 000 Dollar für notleidende Einwohner־ gemacht. Das Museum für Kleinkunst in München erhielt eine wertvolle Kunstsammlung. Die Stradivarigeige, die einst Eigentum Paganims war, hat Loeb dem Münchener Kammermusiker Hös! hinteriassen. Wie weiter aus New York gemeldet wird, hat Loeb ferner zwei Millionen Dollar für Wohl fahrt? an stalten in Deutschland und Amerika bestimmt. 25 Ü00 Dollar hat er dem Jüdischen Schwesternheim in Hamburg־ hinterlassen. Ob er sonst für jüdische Zwecke Legate hinteriassen hat, ist noch nicht bekannt, Es bleibt abzuwarten, wie die bedachten Institute und Stellen auf diese Vermächtnisse eines Juden reagieren werden. Eingesandt. Wir erhalten folgende Zuschrift:!in Aufträge des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten beabsichtige ich, Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und Kriegsedichte gefallener deutscher Juden auszugsweise zu verffentlichen. Es ergeht an alle die herzliche Bitte, das zur Verfügung stehende Material (unter Angabe des Truppenteils, der Charge, des Zivilberufes sowie des Ortes und der Zeit, wo der betreffende Frontkämpfer gefallen ist) an die Adresse von Dr. Ernst Fraenkcl, Syndikus des Reichs- Bundes jüdischer Frontsoldaten E. V., Berlin W 13, Kurfürstendämm 200, einzusenden. Kosten entstehen den Einsendern nicht; das Material wird nach Gebrauch zurückgegeben. Balbo ist kein jfude Seit dem ersten Rom-Flug des Ministerpräsidenten Göring wurde von einer Sensationspresse aus unkontrollierterer Quelle die unrichtige Nachricht verbreitet, der italienische Luftfahrtminister Balbo sei jüdischer A b s t a m m u n g. Ein großer Teil der jüdischen Presse hat diese Meldung nachgedruckt. Die ״Jüdische Rundschau“, die die falsche Nachricht nicht brachte, wurde wiederholt aus Leserkreisen befragt und hat die Frager darüber informiert, daß unseres Wissens die Angäbe falsch ist. Es lag offenbar eine Verwechslung mit dem italienischen Finanzminister Jung vor, der jüdischer Abstanimung ist. Daß der Irrtum auch in Italien verbreitet zu sein scheint, beweist ein in Italien geschriebener Artikel des Antisemiten Wilhelm Stapel im ״Deutschen Volkstum“ der sich die Behauptung zu eigen macht. Die Angelegenheit hatte jetzt in Deutschland ein Nachspiel, worüber wie folgt berichtet wird: ״Wie der Anitl, Preuß. Pressedienst mitteilt, ist das dreimonatige Verbot der ״Deutschen Zeitung“ auf persönliche Anordnung des Preuß. Ministerpräsidenten Göring erfolgt. Gleichzeitig hat der Ministerpräsident angeordnet, daß der verantwortliche Redakteur ins Konzentrationslager gebracht wird. Der Ministerpräsident hat sich zu dieser Maßnahme veranlaßt gesehen wegen eines Aufsatzes, in dem behauptet wird, daß der italienische Luftfahrtminister Baiho ein getaut t er Jude sein soll. Diese Verleumdung stammt von der Wiener Judenprcssc und verfolgt den Zweck, die freundlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem italienischen Volke zu untergraben. Ministerpräsident Göring wird auch in Zukunft unnachsichtlich gegen jede Zeitung vergehen, deren Verhalten geeignet ist, dieaußenpolitischen Beziehungen Deutschlands zu stören.“ Das Verbot der ,,Deutschen Zeitung“ wurde inzwischen, nach entsprechender Entschuldigung der Redaktion, wieder aufgehoben. Der ״Völkische Beobachter“ veröffentlicht am IS. Juli auf der ersten Seite ein telegraphisch übermitteltes Bild aus Chicago, das die Begrüßung Balbos durch den Gouvcrneur Horner von Illinois zeigt. Der abgebildefc Henry Horner ist wirklich ein Jude. Die Verwendung der Palästina-Anleihe Jerusalem, 17. Juli. (J.T. A.) In einem offiziellen Cotnmuniqud der Palästina-Regierung wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß von der geplanten Zweimillionen- Anleihe, deren Ausgabe in der Unterhaussitzung vom 14. Juli vom Kolonienminisler Sir Philip Cunliffe-Lister angekündigt wurde, 250 000 Pfund zur Ansiedlung landloser Araber verwendet werden sollen. Weitere namhafte Beträge sollen der Kredithilfe für sämtliche Zweige der Landwirtschalt, ein anderer Teil der Anleihesumme solle der Durchführung dringend notwendiger öffentlicher Arbeiten dienen, die im allgemeinen Interesse des Landes liegen, wie Wasserversorgung und Drainage. Einzelheiten sollen später bekannt gemacht werden. Die Regierung hat nach langwierigen Verhandlungen über die Heranziehung jüdischer Arbeiter bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten der Exekutive der Jewish Agency mitgeteilt, daß etwa ein Drittel des für die Durchführung Öffentlicher Arbeiten bestimmten Budgets zur Bezahlung jüdischer Arbeitskräfte verwendet werden soll. Weitere Einzelheiten über die Verwendung■ der Anleihe werden vermutlich anläßlich der offizieller« Vorlage des Gesetzentwurfs im Unterhaus rnitgcteilt werden. Nach dem üblichen parlamentarischen Hergang wird das Gesetz, durch das die Regierung ermächtigt werden soll, die Anleihe zu garantieren, vom Parlament in drei Lesungen behandelt werden. Dabei wird den Abgeordneten Gelegenheit gegeben werden, Aufgaben und Ziele der Anleihe zu erörtern. Ein Teil der englischen Presse unter der Führung von ״Daily Mail“ protestiert dagegen, daß die bcabsichtigte Palästina-Anleihe von der britischen Regierung garantiert werden soll. Palästina sei ein Mandatsland und solle sich um seine Finanzen selbst kümmern. Es wird dabei oifenbar übersehen, daß Palästina ungewöhnlich hohe Budgetüber- Schüsse hat, so daß von einer Inanspruchnahme der britischen Garantie vorläufig nicht die Rede ist. Der Korrespondent der ״Times“ in Jerusalem drahtet, daß die Kommentare der jüdischen Presse zur Vcröffcntiicluing des French-Bcrichtcs abfällig sind. Die gleichzeitig in Jerusalem veröffentlichte Antwort der Jewish Agency wende sich gegegen die Behauptung, daß es unmöglich sei, den Arabern zu helfen, ohne die Juden zu beschränken. | Ernst Simon David Am 12. Juli starb Ernst David im Büro des Palcstine and Egypt Lloyd Ltd. in Kairo an seinem Schreibtisch. Er starb wie er gelebt hat, still bei der Arbeit. Er kam vor acht Jahren ins Land. Sein Kommen war eine Selbstverständlichkeit, die sich aus seiner zionistischen und religiösen Lebensauffassung ergab. Ernst David trat in den Palcstine and Egypt Lloyd ein, der damals ein kleines Reisebüro war und begann ruhig und zielsicher zu arbeiten. Seiner Systematik und seinem Willen verdankt die Firma viel, das Land noch mehr. Er brachte die ersten großen Touristen gruppen nach Tel- Awiw; durch ihn vor allem wurden die Kolonien des Emek und des Scharon Programtnpunkte jedes, auch des nichtjüdisehen Besuchers. Und noch eins gelang ihm: die Zusammenarbeit mit den Arabern. Alle Menschen seines Kreises liebten ihn und sein Tod bedeutet einen Schlag für die praktische Zusammenarbeit der beiden Völker. Wir, die wir bleiben, wollen versuchen, seinen Weg weiterzugehen. Jerusalem. Walter Turnowsky. Breslau. Dieser Tage übersicdelt Hugo Schachtel nach Palästina. Hugo Schachte! ist einer der ältesten Zionisten Deutschlands und weit über den deutschen Kreis hinaus bekannt. Seine besonderen Verdienste liegen auf dem Gebiet der Verbreitung• des Gedankens des Jüdischen Nationai-Fonds, dessen Bedeutung er schon lange vor dem Krieg erkannte. Wir verdanken ihm auch eine Reihe von Publikationen, darunter das besonders populär gewordene ״Zionistischc Merkbuch“, das freilich heute durch den schnellen Gang der Entwicklung bereits veraltet ist, aber zu seiner Zeit ein überaus beliebtes Informationsmittef über Palästina war. Hugo Schachtel findet in Palästina bereits seine Kinder vor, die vor ihm übcrgesiedelt sind. So sind alle Voraus- Setzungen gegeben, dal unser Hugo Schachtel noch viele glückliche Jahre im Lande verlebt. Kulturbund Deutscher Juden In Berlin wurde mit der von Staatskommissar Hinkel erteilten Genehmigung der preußischen Regierung der ״Kulturbund deutscher Juden“ gegründet, der es sich zur Aufgäbe gemacht hat, die künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland zu pflegen. In einer unter dem Vorsitz des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes Dr. Kurt Singer, ehemaligen Intendanten der Berliner städtischen Bühnen, abgehaltenen Pressebesprechung setzten der Vorsitzende und der ebenfalls dem Vorstand angehörende Kritiker und Dramaturg Julius Bab die allgemeinen Ziele und nächsten Aufgaben des Bundes auseinander. Es ist beabsichtigt, zunächst in Berlin eine Theatergemeinde zu schaffen, deren Mitglieder Anspruch auf monatlich einmaligen Besuch einer Theateraufführung, eines Konzertes und eines Vortragsabends haben sollen. Es soll ein eigenes Schauspiel- sowie ein Opcm-Ensemblc, durchwegs aus jüdischen Künstlern bestehend, sowie ein Orchester geschaffen werden. Die Thcatcraufführungen (Schauspiel und Oper) sollen in einem zu pachtenden Theater täglich stattfinden. Bei der Auswahl der zur Aufführung gelangenden Stücke sollen neben allgemein künstlerischen Gesichtspunkten auch die Notwendigkeit der Förderung jüdischer Künstler und das Bedürfnis des jüdischen Publikums nach Dar- Stellungen, in denen jüdische Stoffe behandelt werden, Berücksiclitigung finden. Für die musikalische Leitung der Oper wurde der ehemalige Generalmusikdirektor des Mannheimer Nationaltheaters, Josef Rosen stock, gewonnen, der auch als Komponist bekannt ist und fünf Jahre lang an der Metropolitan-Opcra in New York tätig war. Dein E h r e n p r ä s j d i u in des Hundes gehören Rabbiner Dr. Leo Baeck, Martin Btiber, Arthur Eloesser, Georg Hermanu, Prof. Lconid Kreutzer, Prof. Dr. h. c. Max Liebermarin, Dr. Max Osborn, Prof. Dr. Franz < )ppenheimer und Jacob Wassermann, dem Vorstand Intendant I )r. Kurt Singer, Kritiker und Dramaturg Julius Bah, Regisseur Kurt Baumann, Landgefichtsrat Dr. Arthur Lilienthai, Dr. Löwenstein. Dr. Friedrich Ollendorff, Amtsgerichtsrat Rau. Frau Dr. Eva Reichmann-jimgiuami und Dr. Hermann Schildberger an. Der Kulturbund hat seine Tätigkeit mit zwei Propag a 11 d a - V e r a 11 s t a 11 11 n g e n eröffnet, mit denen er das Berliner indische Publikum über seine Ziele informieren wollte. Die Versammlungen am Montag in der Synagoge Prinzregentenstraße (wo sogar eine zweite Versammlung arrangiert werden mußte) und am Dienstag in der Synagoge Oranienburger Straße waren überfüllt. Fs wurden Ansprachen gehalten von Rabbiner Baeck, Rabbiner Wien e r, Rabbiner Prinz, ferner den Leitern des Kulturbundes Dr. Singer und Julius Bab. Außerdem sind schöne Chorgesänge unter Leitung des Cliordirigenten Spott und Rezitationen von Frau Herrnstadt-Oettingcn zu erwähnen. Bei dem Versuch der Zusammenfassung aller jüdischen Kreise ist es nicht zu verwundern, daß die grundsätzliche Ein- Stellung zu den Zielen des Kulturbundes nicht bei allen Teilnehmern die gleiche ist. Daß Juden kulturelle und kirnstlerisehe Darbietungen nur als Juden und im jüdischen Kreise erleben dürfen, ist ein solches Novum, daß man zunächst noch eine gewisse Desorientierung feststcllen muß. Wir bringen an anderer Stelle die Ausführungen, die Rabbiner Dr. Prinz bei dieser Gelegenheit machte. Daß eine jüdische Vereinigung dieser Art nur dann Sinn haben kann, wenn sie als bewußt jüdisches Ereignis erlebt wird, scheint uns über allen Zweifeln klar. Es soll aber nicht vergessen werden, daß der Kulturbund nicht mir prinzipiell jüdische, sondern auch ges e 11 s c I! a f 11 i c h e und soziale Motive hat. Es barsdclt sich darum, einer großen Zahl von jüdischen Künstlern die Möglichkeit der Ausübung ihres Berufes zu geben, ferner dem jüdischen Publikum eine Stätte ungestörten Kunstgeniisscs zu bieten. Ls ist selbstverständlich, daß dabei die Amorderungen in jeder Beziehung hoch gespannt werden müssen, und daß man nicht den Anschein erwecken darf, als ob eine ״jüdische“ Sache mit der Nonchalance behandelt werden darf, die leider bei Juden jüdischen Dingen gegenüber oft festzustellen war. Wir werden in einer der nächsten Nummern ausführlieber über die Absichten des Kulturbundes berichten und uns dann auch noch grundsätzlich damit beschäftigen. Mitteilungen des K. J.V. 1. Palästina-Reise. Wir wollen im Laufe des September die Bundesbrüder zusammenfassen, die an einer Palästina* Reise Interesse haben. Wir hoffen, in einigen Tagen schon nähere Auskünfte geben zu können, bitten jedoch jetzt schon, dal! sich alle Bundesbrüder melden, die an einer Reise interessiert sind. In Frage kommt eine Reise ab Genua am 11. September mit dem Dampfer ,,Roma“ oder um die gleiche Zeit ab Marseille mit dem Dampfer ״Champollion“. Nähere Mitteilungen über Preise für diese Dampfer werden wir allen, die sich dafür interessieren, gern zukommen lassen. Was die Reise im Lande anbetrifft, so möchten wir dieses Mai nur eine sehr kurze, gemeinschaftliche Reise stattfinden fassen, um den Bundesbrüdcrn viel Gelegenheit zu geben, möglichst viel freie Zeit zu ihrer eigenen Verfügung zu haben. Wir denken dabei nur an eine 8—lOtägige gemeinschaftlichc Reise im Lande, im Verlauf derer die wichtigsten Zentren der landwirtschaftlichen Siedlungen und industriellen Plätze gezeigt werden. Wir bitten um sofortige Mitteilung, wer für diese Reise in Frage kommt. Die Preise für die reine Schiffsreise dürften sich etwa auf: 3 .Klasse ca. 270 RM., 2. Klasse ca. 475 RM. stellen, von Marseille resp. Genua bis Haifa und zurück bis Hafen. 2. Es wird sofort ein Zahnarzt gesucht mit 10 000 RM. Vermögen, der sich an einem Projekt in Aegypten beteiligen kann. — Meldungen an Bbr. Hans Friedenthai, p. Adr. KJV., Berlin-Charlottenburg, Bleibtreustr. 50. Präsidium des KJV. Ein neues hebräisches Lehrspiel. ״Hebräisch schnell gelernt“ ist jetzt beinahe zu einer Parole der Zeit geworden. Manch einer kann es noch nicht schnell genug mit dem Hebräischeii haben und möchte das jahrelang leider Versäumte rasch einholen. Aber der Zug der Zeit ergriff auch die Kleinen, die erst noch am Anfang sind und die aber auch ״modernen“ hebräischen Unterricht erhalten möchten. Für diese sorgte nun die bekannte hebräische Buchhandlung von M. G o n z e r, Berlin, Oranienburger Str. 26, und Bach- Straße Bg. 488, die letztens ein originelles hebräisches Lehrspie! in der Form eines elektrischen Wörterbuches unter dem sinnreichen Namen ״Chasmalion“ (chasitial ־־־ Elektrizität, miion =־ Wörterbuch) als Viersprachen-Lexikon in Hebrnisch-Deutsch-Englisch-Französisch herausgebracht hat, das die notwendigsten Grundwörter enthält und für unsere Kleinen ein sehr amüsantes und lehrreiches Spiel ist. Beim Drücken am den richtigen Knopf erscheint das entsprechende hebriiische Wort und leuchtet elektrisch auf. Dieses Lehrspiel ist überaus amüsant und geeignet für das Haus, wie auch für Kindergarten und Schule. (Näheres s. Inserat.)