Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58, 21. VII. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 353 933 rc& verden t wer- 1). Die weitaus 3er 38. Jahre Polen egierte •ch 49 lenkontilresul- Konilkampf chaften!n und en hat ienkon- :ebenen!•geben. [e: All- Linke Revislo-!adikale r Verjs einer lusstänng des sn, daß iate erdisrachi Gruppe n. eine ie voll- 1 Hegen ig etwa en 1513! Linke, timmenvor, es Mandate Linke 3, ein All-! in Paden Eras haben rien sind den All-;hi und Stimmen Jste der tadikalen omit ein bei den nmen ist esultaten jen. 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Aufbau und Hilfe sind die Gebote der Stunde. Wenn in vergangenen Zeiten anderwärts Juden in Not waren, standen die deutschen Juden stets an der Spitze der Hilfeleistung. Heute sind sie selbst in der Lage der Hilfesuchenden und erkennen dankbar alle Bemühungen der Juden des Auslandes an, ihnen in ihrer großen seelischen und materiellen Not beizustehen. Aber die entscheidende Hilfe und Aufrichtung kann dem deutschen Judentum nur aus den eigenen Reihen kommen und für den weit überwiegenden Teil innerhalb des Landes, das ihr Vaterland ist und bleibt. Hier gilt es Hand anzulegen: Die Erhaltung der Gemeinden, vor allem auch der Kleingemeinden, das Erziel 11 ngswesen und die körperliche Ertiichtigungder Jugend, Berufsumschichtung und Schaffung von A u s b i 1 - dungsstätten, die sozialen Versicherungen, die Schaffung gemeinnütziger Kreditinstitute, Betätigung in Wissenschaft und Kunst, dazu die gewaltigen Aufgaben des Hilfsw'erks für die in Not Geratenen — das sind die Fragen, vor denen die Vertreter des deutschen Judentums stehen. Alle diese Fragen werden seit dem Ausbruch der Krise von den dafür geschaffenen Organen des deutschen Judentums in anstrengendster und unausgesetzter Arbeit geprüft und, soweit möglich, praktischer Lösung zugeführt. Die Arbeit ist unsagbar schwer und kann nur Schritt für Schritt geleistet werden. Sie wird um so fruchtbarer sein, ie stärker das Vertrauen ist, das sie trägt. Nach dem Ergebnis der Frankfurter Tagung kann inan zu den Führern des deutschen Judentums das Vertrauen haben, daß sie all die weit verzweigten Einzelheiten der piaktischen Arbeit ins Auge lassen und im Rahmen des Möglichen durchführen. So darf die jüdische Allgemeinheit in all der tiefen Sorge und Unruhe, die sie heute erfüllt, die Geberzeugung haben, daß alles, was geschehen kann, planmäßig geschicht, um zu helfen und aufzubaueii. Es ist kein Anlaß zu optimistischer Betrachtung der Sachlage, aber es war niemals jüdische Art, verzweifelt den Kopf hängen zu lassen. Daher ergeht der dringende Appell an idle deutsche Juden, die mehr als je notw'endige Geschlossenheit nach innen und außen hcrzusteHcn, sie durch keinerlei Einzelaktionen zu gefährden und ihrer gewählten Führung volles, riickhaltloses Vertrauen zu bewahren.“ Zu diesem Appell an die jüdisclie Oeffentlicbkeit ist zu sagen: Die Notwendigkeit von Hilfe und Aufbau steht über allen Zweifel fest. Das deutsche Judentum muß die größten Anstrengungen machen, um seine Institutionen aufrecht zu erhalten und um die Aufgaben zu erfüllen, die in dem Communique richtig aufgezählt werden. Wir haben stets den Standpunkt vertreten, daß die jüdischen Gemeinden für die seelisehen und in einem beschränkten Umfang auch für die physischen Bedürfnisse der Juden Sorge zu tragen haben, daß sie vor allem der sozialen Arbeit, dem Erziehungsweser!, der konstruktiven Belebung und der Regeneration der jüdischen Gemeinschaft eine weit höhere Aufmerksamkeit zuwenden müssen als das bisher geschehen ist. Die jüdischen Gemeinden sind ihrem Wesen nach mehr als bloße ״Religions-Gemeinden“, sie sind Volksgemeinden, die sich zu verantwortliehen Körperschaften entwickeln müssen. Leider haben die Gemeinden bisher in dieser Beziehung sehr viel zu wünschen übrig gelassen. Ihre Organe haben sich auf eine Tätigkeit beschränkt, die für die meisten Juden nicht die geringste Attraktionskraft haben konnte. So sind sie mitschuldig gewesen, daß die Juden immer mehr und mehr das Interesse an jüdischen Dingen, insbesondere an der Gemeinde selbst, verloren haben. Wenn nun dieselben Menschen, di« für diese Ent- Wicklung verantwortlich sind, vor die jüdische Oeffentlichkeit treten und unbedingtes Vertrauen fordern, so muß doch in aller Ehrlichkeit und Offenheit erklärt werden, daß sie sich dieses Vertrauen erst verdienen müssen. Es wird uns — und zwar von den Vertrauen Heischenden selbst — erklärt, ״nach der Frankfurter Tagung“ könne man nunmehr dieses Vertrauen haben; wodurch aber die Frankfurter Tagung dieses Wunder vollbracht hat, wird nicht gesagt. Der bisher in den Gemeinden herrschende □eist gibt dem jüdischen Publikum keine Veranlassung, solches Blanco-Vertrauen zu bekunden. Es ist zwar erfreulich, daß die Gemeindefiihrer einschcn, daf5 zu leeren Deklarationen keine Zeit ist. Aber das ist nur ein Fortschritt im Negativen. Die jüdische Gemeinschaft, innerlieh zutiefst erschüttert, in ihrer materiellen Position bedroht und seelisch schwer leidend, verlangt die Aufrichtung eines lebendigen Judentums, das inneren Halt zu geben vermag. Die ״gewählte Führung“ wurde unter ganz anderen Umständen und für ganz andere Zwecke ״gewählt“ und wenn sie den jetzt sich auftürmenden Aufgaben genügen will, wenn sie sich die Kraft und Fähigkeit hierzu zutraut, dann wird die jüdische Öffentlichkeit ihr vielleicht einen gewissen Kredit geben. Aber die jüdische Öffentlichkeit wird heute mehr als je ein kritisches Auge für das, was im Namen des Judentums geschieht, haben müssen. Der Ruf nach Verjüngung, nach einer zeitgemäßen Umgestaltung dieser Führung, der jüngst auch in unserem Blatte besonders eindrucksvoll ertönte, scheint uns der wahre Ausdruck der Empfindungen des deutschen Judentums zu sein. Die neue Zeit verlangt einen neuen Stil. Wir sprechen kein Geheimnis aus, wenn wir sagen, daß jetzt schon die Unzufriedenheit mit der Leitung der Ge• meinden und Verbände im jüdischen Publikum sehr groß ist, und zwar in allen Lagern. Die unbewi c s e n e Versicherung, daß ״alles was geschehen kann, planmäßig geschieht“, und die bloße Aufmunterung, ״nicht den Kopf hängen zu lassen“, genügen da nicht. Auch ist keine Zeit zu bürokratischen Formalitäten. Wir nehmen den Aufruf der Konferenzgeineinschaft der Großgemeinden zur Kenntnis, aber die Initiatoren dieses Aufrufes sollen wissen, daß dieser Aufruf keine Beruliigung für die jüdische Oeffentliclikeit darstellt. Mehr jüdischer Stölzl Die gesellschaftliche Aechhing der Juden Die ״Preußische Zeitung“, Königsberg, berichtet am 11. Juli über ein in Neuhäuser veranstaltetes Strandfest des Königsberger ״Tageblattes“. Die Darstellung, die die Zeitung von einem Vorfall auf diesem Feste bringt, scheint uns für die Lage der Juden in Deutschland so charakteristisch, daß wir den Hauptteil des Berichtes der ״Preußischen Zcitung“ unseren Lesern nachstehend zur Kenntnis geben (Sperrungen von uns). Nach einleitenden Bemerkungen schreibt das Blatt: ,,Mährend wie es neben der, Festteilnchmern vor allen Dingen ־von der Gemeindevertretung Neuliäuser und der dortigen Polizei bestätigt wird — der mit der Organisation und Fodleitung Lieauftrngfe Schriftleiter, der übrigens alter Nationalsozialist ist, das Fest durchaus in!inständigem Rahmen aufgezogen hatte, glaubte der Herr Verlagsdirektor Steiner, der den Geist der Zeit scheinbar nie begreifen wird, cs sich erlauben 7.11 können, seine jüdische. Frau, der man ihre semitische Rasse schon von weitem ansicht, den Volks- »lassen vorfüliren zu können. 80 kam es zu einer unerhörten Provokation, die ihren Höhepunkt darin fand, daß, während er selbst sich zum Strand begab, seine Frau sich ausgerechnet am Tisch der Fest Mt 1mg n iedcrl ie ß. Sie mutete also nicht allein dem Pestlcitcr, sondern auch dem Gemeindevorsteher und den nationalsozialistischen. Gemrmdevertreteni, wie auch den Polizeiorganen, die im Laufe des Tages doch häufig dort Zusammenkommen mußten, zu, daß sie in ihrer Gesell- Schaft die Anordnungen für die Abwicklung des Mfarsenfostes trafen! Diese echt jüdische Herausforderung ist um so krasser, als gleich in der Nähe die uniformierte Kapelle der XfSHO. spielte und zahlreiche Parteigenossen (Helfer, Ordner, Gewerbetreibende u.-\v.) in ständiger Verbindung mit der Festleitimg stehen mußten. Ohwohl die Ullstein-Jüdin an den Parteiabzeichen doch erkennen mußte, daß rings um sie herum viele Nationalsozialisten verkehrten und immer merklicher an ihrer Anwesenheit Anstoß nahmen, sah sie sich nicht zum Rückzug veranlaßt. Uiri Zwischenfälle zu vermeiden und um selbst auch nichts mit dieser Jüdin zu tun zu haben, sah sich der Testierter gezwungen, Frau Paula Steiner schriftlich zum Verlassen dieses Tisches zu ersuchen, was sie dann endlich lat. Sie verließ auch den Festplatz. Nach etwa l'/2 Stunden jedoch hielt es ihr Mann für nötig, sie abermals dem empörten Publikum am Ti sch der Festleitung vorzuführen. Nunmehr fordertc der Fcstleiter, auch auf Beschwerden aus Kreisen des Pubfikums Irin, Herrn Verlagsditcktor Steiner selbst auf, seine Frau zum Verlassen des Festleiturigstischcs zu veranlassen, damit es nicht zu Demomtiationen und Unruhen käme, die bei einem derartigen Massenfest unabsehbare Folgen hätten zeitigen können. Was tat aber Herr Steiner? Er setzte die Massen ruhig dieser Gefahr aus und weigerte sich, dem Verlangen nachzukommen. Daraufhin erklärte der Fcstleiter, daß er die weitere Verantwortung für den geordneten Verlauf des Festes nicht, mehr übernehmen könne, legte die Festleitung nieder und entfernte sich vom dem Festplatz. Dies taten zu gleicher Zeit auch eine ganze Reihe von nationalsozialistisch gesinnten Ordnern, die den Massenvetkelir am Strande überwacht und geregelt hatten. Die Gemeindevertretung von Neuhäuser nahm an einem Sondertisch Platz, um ebenfalls nicht der Gesellschaft der Frau Steiner ausgesetzt zu sein. Immer wieder aber kamen mm im Laufe der Zeit beteiligte Personen 71 dem bisherigen Festleiter und baten ihn dringend, die Organisation des Festes wieder zu übernehmen, was dieser jedoch ablehnen mußte, so lange die Jüdin sich in die Angclege nhei ten der Festleitung — und wäre es auch nur durch ihre Anwesenheit — einzumischen sich er drei stete. Schließlich häuften sich die Klagen und Beschwerden auch bei den Landjägern derart, daß nun diese sich gezwungen sahen, Frau Paula Steiner mitsamt ihrem Manne zu ersuchen, im Interesse der reibungslosen Durchführung des Massenfestes das Feld überhaupt zu räumen. Als Herr Steiner auch jetzt noch Ausflüchte machte, mußten die Landjäger ihn ganz offiziell auffordern, innerhalb einer bestimmten Frist mit seiner Frau das Fest zu verlassen, da beide sonst im Interesse der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Schutzhaft genommen werden müßten. Nun eadlieh bcqiteraten sich die beiden, bleich und schlotternden Knies, mit ihrem eleganten Geschäftswagen, vor aller Augen blamiert, wieder nach. Königsberg zurückzufahren. Jetzt konnte das Test ungestört seinen Verlaut" nehmen.“ So weit die ״Preußische Zeitung“. Wir kennen die Dame, um die es sicli hier handelt, nicht. Aber es ist uns unbegreif lieh, daß sie, nachdem sie mehrmals hinausgeworfen wurde, es für richtig hielt, auf diesem Fest zu verbleiben. Daß sie sich etwas anderes zuschulden kommen ließ als ihre jüdische Abstammung, wird auch von der ״Preußischen Zeitung“ nicht behauptet. So erhalten wir ein Bild davon, in welcher Weise heute jüdische Menschen nur wegen ihres Judentums auch bei ganz harmlosen Anlässen gesellsc halt lieh geächtet werden, als ob sie Aussätzige wären. Demgegenüber gibt es, wie wir glauben, aut jüdischer Seite nr ein einziges Verhalten, nämlich: stolzes Bekenntnis zum Judentum und Fernbleiben von Gesellschäften, bei denen man Juden nicht haben will. Kuastleriätigkdii von Nichtariern Wie der Amtliche Preußische Pressedienst imtteilt, stellte Staatskoinmissar Hinkel in einer zur Aufklärung von Miß- Verständnissen betreffend die Betätigungsmöglichkeit von Ausländern und Nichtariern in den freien Berufen der Kunst im Preußischen Kultusministerium abgehaltenen Aussprache mit Vertretern der bisherigen deutschen Musikverbände, des ״Aus- Schusses für das deutsche Konzertwesen“, des ״Rcichskartells der Musikerschaft“ und der Gruppe Musik des ״Kampfhundes für deutsche Kultur“, folgendes fest: Die Bestimmungen und Absichten, den berufsständischen Aufbau betreffend, berühren nicht di« grundsätzlichen Richtlinien des bekannten preußisehen Konzerterlasses, dem sich der Herr Reichsminister Dr. Goebbels für sein Ministerium vollinhaltlich anschloß. In Preußen soll und kann jeder freischaffende, berufene Künstler, fleich welcher Nationalität, zu Wort kommen. Der berufsstänische Aufbau der deutschen Musikerschaft (im Rahmen der Arbeitsfront) wird sich nicht dagegenstellen. Die künstlerische Betätigung von Ausländern und Nichtariern in den freien Berufen der Kunst soll also — abgesehen von den gesetzliehen Bestimmungen des Beamtcnrecnts — keineswegs verhütd«t werden Wir Juden, die wir heute daran gehen, das Leben der Nation zu erneuern, in Palästina einen Mittelpunkt schöpferischen jüdischen Volkstums zu schaffen und in der Diaspora die jüdischen Miilionenmassen von neuem zu einigen und ihnen einen neuen Weg in die Zukunft zu bahnen, haben als erste, gebietendste die Forderung zu erfüllen, das jüdische Volk wieder fruchtbar und Schaffens־^ stark zu machen. Wir haben viel hohe Worte gebraucht, von ״Renaissance" und ״kultureller Wiedergeburt" und ״nationaler Mission" gespro«■ chen, und wir haben dabei eins vergessen: daß es keine Kultur und keine Wiedergeburt und kein Volk und keine Sendung geben kann, solange wir nicht gelernt haben, wieder zu arbeiten. Das jüdische Volk, das im Galuth die Arbeit vergessen hat, muß, will es eine eigene Zukunft sich schaffen, zu ihr zurückfinden. Chajim Atlosoxoff, ״Der jüdisdm Volkssozialismus“, 1919 Der Jude im Kuliurschaffen Von Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Wir brj 12 firn •nachstehend dir Ausj Uh nntr/ei:. dir R.ihb'nirr Dr. Prinz in 1Irr 1'rranshdfnrn des .,/!ö//«. ',».״.״Ls flnilsclter ./mini“ an! IS. ds. M/s. 1 /71,;.׳״.־׳/׳ml. Krnru Bericht dhrr die \ erunsl 1d i un // rn'nj / < .1' ׳ di! re 1ri-f•!!u anderer Stelle. fied. Wenn allenthalben die gemeinsame Not und das gemeinsame Schicksal Juden in unseren Jagen zusanimengeführt hat, dann ist zu fragen, welchen wirklichen konkreten Sinn diese neue jüdische Sehicksalsgeiueinschaft haben kann. Denn nur daun wird sie Bestand haben, wenn man weiß, worum es geht. Wirft mail diese Frage auf, so wird man zu antworten naben, daß die neue Wirklichkeit auch in unseren Reihen neue Erkenntnisse schaffen muß. Diese neuen Erkenntnisse basieren auf der festen Ueberzeugung, daß Juden in unserer Zeit nur als Juden existieren können. Daß cs keine Tarnung und keine Flucht geben kann, daß überall jüdische Leistung etikettiert werden muß als das, was sie ist. Kultur ist keine Sache des Schreibtisches und des luftleeren Raumes. Sie hängt am Boden und sie vird gestaltet durch die den Menschen innewohnenden sdtopferischen Kräfte. Die Leistung des Juden innerhalb der Kultur, der Beitrag, den der jüdische Künstler leistet, ist mitgeformt und mitbestimmt durch seine jüdische Art und das Besondere seines jüdischen Seins. Jüdischkulturelle Leistungen, gleichgültig, wo sie stehen, werden deshalb mitbestimmt durch die besonderen jüdischen Kräfte, die in ihnen wohnen; und es gilt, sich auf diese, Kräfte zu besinnen. Das wird hier deshalb gesagt, weil der jüdische Künstler bislang von dem Geiste dieser Heimkehr wenig hatte. Er rechnete sich mir in seltenen Fällen zu uns. Jüdische Künstler und Literaten trugen in sich deshalb oft den Bruch ihrer Persönlichkeit, weil sie nicht zu ihrer seelischen Heimat gefunden hatten und weil ihnen nicht bewußt war, wie stark ihre jüdischen Elemente mitschufen. Wir wissen, daß echte schöpferische Kliffe nur lebendig werden und nur dann Ungebrochenlicit in sich tragen, wenn sic sich auf ihre Urelemente bcsinnen. Hat man das aber einmal, trägt man in sich ein völlig sicheres, unerschütterbarcs Bekenntnis zu Judentum und jüdischer Art, dann kann es keine Rückkehr in eine kleinbürgerliche Kunst des Ghettos geben. Dann wird der Weg zu den großen künstlerischen Erlebnissen, die zu den Namen der Großen aller Völker, zu Beethoven und Goethe führen, keine Flucht in eine unverbindüche Welt, sondern gerade in ihnen und nur in ihnen wird dann der besondere Anteil jüdischer Schöpferkraft in der Kultur lebendig werden. Nur so kann es aber auch eine Verständigung mit den anderen Völkern geben. Nur die klare Abgrenzung schafft die Möglichkeit zu einem wirklichen Zwiegespräcli zwischen dem kulturschaffendcn Juden und den kulturschaffenden Völkern. So in dem ehrlichen Bekenntnis seiner Grenzen und seiner Aufgaben begrüßen wir den Kulturbund deutscher Juden, Wird er sich auf diese Ziele nicht besinnen, dann wir er keine Sache sein, für die inan eintreten kann. Wird er nur eine organisatorische Maßnähme sein, dann wird er eine kleine Sache bleiben. Wird er aber diese Heimkehr des jüdischen Künstlers zu seinem Judesein bedeuten, dann werden wir Um begrüßen, weil er dann inmitten einer Riiekkehrbeweguiig die jüdischen schaffenden Künstler zu ״baale teschuwa“, zu Männern der Umkehr gemacht haben wird. Kuriosum der Zeit. Wie Berliner Zeitungen mitteilen, ist ein Reichs verband c h r is 11 i c h-d eu ts ch e r Staatsburger nicht arischer und nicht rein arischer Abstammungmder Bildung begriffen. Der Reichsverbaiul bezwecke den Zusammenschluß aller national-deutsch«! 1 christlichen Staatsbürger nicht arischer und nicht rein arischer Abstammung, die sich mit deutschem Wesen, deutscher An und Kultur unlösbar verbunden fühlen. Er erstrebt ein meinsames, verständnisvolles Zusammenwirken aller deutsche« Volksgenossen auf dem Boden des sozialistisch-deutsche» Nationalgefulds. ,, ■i . . ,T « . '“י״ *urzer ixranKnejt der Vorsitzende de! Jüdischen Gemeinde Jerusalem, isaac Eli. sc&axi