Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 352 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58, 21. YIL 1933 und von niemandem mehr anerkannt wird, heute noch Führer sein und politische Manöver machen. Oft verschanzen sie sich dabei hinter dem Wort ״vaterländ i s c h“. Da man keinen anderen Weg mehr weiß, um die vom deutschen Volk abgelehnte Assimilation zu tarnen, versucht man es auf diese Weise. Man spricht von ״vaterländischen Juden" im Oegensatz zu anderen, die demgemäß nicht vaterländisch wären. Wer ist vaterländisch? Wie können Juden heute ihre vaterländische Gesinnung bewähren? Wohl nur da* durch, daß sie, mit entschlossener und unverminderter vaterländischer Gesinnung und ohne Groll über ihre Rassen-Abstempclung, den Platz einnehmen, den ihnen der neue Staat anweist. Das bedeutet: daß sie Juden sind und sich als solche bekennen. Eine politische Betätigung ist außerhalb der nationalsozialistischen Partei heute weder zulässig, noch möglich und es wäre Wahnsinn, wenn Juden eine ״deutsche Gruppe“ gründen wollten. Innerhalb der nationalsozialistischen Partei ist aber für Juden kein Platz. Eine kulturelle deutsche Tätigkeit wird als Verfälschung deutschen Wesens abgelehnt. Was also soll der ״deutsche“ Inhalt dieser jüdischen Gruppe sein? Fraglos bleiben die deutschen Juden in die deutschen Zusammenhänge einbezogen, aber als Gruppe können sic nur j ü d i s c h sein. Der Staat wird nicht dulden, daß eine jüdische Gruppe unter der Bezeichnung ״vaterländisch“ deutsches Wesen repräsentieren will. Die I uclcn aber werden nicht dulden, daß Leute, die nicht jüdisch sein wollen, das Judentum repräsentieren. Die Leute, die solche Vorschläge machen, spielen ein gefährliches Spiel. Sie gefährden das Judentum, nach außen und nach innen. Nach außen, indem sie den Anschein erwecken, als ob das deutsche Judentum unter Umgehung der Staatsgrundsätze sich in das deutsche l eben eindrängen wollte; nach innen, indem sie die Kraft der Selbstbesinnung der deutschen Juden schwächen. Denn es ist unzeitgemäß gedacht, wenn Herr Herz* feld heute ״die Scheidung zwischen der deutsch-jüdischen und nationaljüdischen Front“ für notwendig hält. Wir n!! e, gestern deutsch-jüdisch oder nationaljüdisch, stehen heute vor den gleichen Problemen. Wir sollen voneinander lernen, wir sollen nicht taub sein gegen die Stimme der Zeit! Wir können heute nur als Juden leben! Erschweren wir uns nicht gegenseitig diese Aufgabe! Helfen wir, das Judentum aus seiner Lethargie, aus seiner Entstellung und Verzerrung zu erlösen, so daß es lebensfähig ist, seinen Anhängern Halt und seelische Bereicherung bietet und auch vor der deutschen Welt in Ehren unter jüdischem Namen dasteht. Wenn wir das mit ganzem Einsatz, im Bewußtsein der Schwere der Aufgabe, vollbracht haben, dann wird auch der Weg zur ״Gruppen-Emanzipation“, d. h. zu einer ehren- '׳ollen Eingliederung der deutschen Juden in den neuen Staat, offen sein. Die Umgestaltung der Volksschule Die ״Essener N a t i o 1» a I z c i t u n g“ veröffentlicht ein Interview mit dem Referenten für das Volksschulwesen im preußischen Kultusministerium Ministerialrat Dr. Beck, in dem sich dieser über die durch die nationalsozialistische Bilrfungsidee bedingte neue Methode in der Voiksschulerziehung äußerte. Ministerialrat Dr. Beck erklärte u. a., die Kenntnis der rassischen und erbbiologischen Grundlagen des Einzelnen und der Gemeinschaft müßte schon in <j>r Volksschule den jungen Volksgenossen dazu führen, sich als organisches Glied der lebendigen Gemeinschaft zu fühlen. GeschiclitMinferncht sei als Darstellung der schöpferischen Kräfte khensstarker Rassen zu erteilen. Schließlich kündigte .Ministerialrat Dr. Beck gesetzliche Maßnahmen an, durch die die 1׳ in reihung aller Voiksschülcr wie aller Schüler und, Schulffinnni com S. bis zürn 14. Lebensjahr überhaupt in das ,.Jungvolk“, die Vorstufe der Hitler-Jugend, herbeigeführt werden 5 011, Die Durchführung der von Ministerialrat Dr. Beck angekündigten Maßnahmen würde die seelische Situation des jüdi- •־ ג h e n Kindes in der allgemeinen Schule dadurch, daß es außerhalb dieser Zusammenfassung der Schülerschaft bleiben müßte, noch weiter erschweren, wenn nicht durch ent- .'Prechende jüdische Maßnahmen den Kindern ein Aequivaient geboten und sie dadurch vor dem Nihilismus geschützt werden. Antwort an Naumann ln der ״Preußischen Zeitung“, Königsberg, dem offiziellen Organ der NSDAP für Ostpreußen, finden wir am 18. Juli folgende Notiz: jüdische Frechheit Von der Beamtenabteilung der NSDAP, Gau Ostpreußen, erhalten wir nachstehende Mitteilung: Nicht genug, daß im nationalsozialistischen Staat ein ״Verband nationaldeutschcr Juden“ unbehindert im Druck von Rob. Rohde Nachf., Berlin W 35, ein Mitteilungsblatt ״Der nationaldeutsche Jude“, das sich angeblich gegen die Zionisten richtet, herausgeben und darin von ״jüdischen Deutschen“ und ״deutschfühlenden Juden“ faseln darf, besitzt diese Sorte von Menschen die Unverfrorenheit, dieses Blatt leitenden Parteistellen unaufgefordert zugehen zu lassen. Der Zweck ist nicht recht ersichtlich. Sollte tatsächlich eine Beeinflussung für möglich gehalten werden? Ke Beamtenabteilung, Gau Ostpreußen, die auch mit diesen zweifelhaften Presseergüssen bedacht worden Ist, teilt mit, daß sie sich bei der Geschäftsstelle des Verbandes die wettere Zusendung In unmißverständlicher Weise verbeten hat» Es ist aber wohl vergeblich, wenn jemand hoffen wollte, daß Herr Naumann oder seine Anhänger cinsehen werden, auf welchen Irrweg sie sind. Burg Saaleck Ke Zeitungen berichten über eine Veranstaltung auf Burg Saaleck, bei der die durch eigene Hand gefallenen Offiziere Kern und Fischer, die im Juni 1922 den Außenminister Walther Rathenau erschossen haben, Gegenstand großer Ehrungen waren. Der ״Völkische Beobachter“ vom 18. Juli verÖffcntlicht die Reden, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden. Die führenden Personen des neuen Deutschland und der nationalsozialistischen Bewegung haben häufig mit Nachdruck betont, daß zwischen ihnen und den Juden ein tiefer Gegensalz besteht. Am Grabe der beiden Offiziere wurde das Wort von den ״Zwei Welten“ gesprochen. Der Nationalsozialismus wird aber gewiß Verständnis dafür haben, wenn wir als Juden dieses Ereignis nicht wortlos vorübergehen lassen. Das neue Deutschland müßte uns verachten, wenn wir nicht daran erinnerten, daß die Tragödie, die den Anlaß zu dieser Feier gab, auch ein jüdisches Opfer gekostet hat, und daß dieser Jude im besten Glauben, seinem Vaterland mit ganzer Kraft zu dienen, sein Leben verlor. Die Tötung Rathenaus war eine Tat, bei der das jüdische Element eine kaum wegzudenkende Rolle spielte. Im übrigen war cs eine verworrene Zeit, und die Geburt einer neuen Welt bereitete sich vor in den Herzen der durch Krieg und Umsturz tief erschütterten Frontgeneration. Wie kompliziert die Motive der Täter waren und aus welcher revolutionären Gedankenwelt ihre Tat hervorwuchs, hat einer der Beteiligten, Ernst von Salomon, in seinem Buch ״Ke Geächteten“ geschildert. Uns Juden aber steht es an, das Schicksal Rathenaus als eine menschliche und auch jüdische Tragödie zu empfinden. Wir volksbewußten Juden können dies um so eher aussprechen, als wir mit Walther Rathenau weder politisch noch jüdisch etwas gemeinsam hatten. Wir haben die Besetzung des deutschen Außenamtes durch einen Juden nicht gebilligt, wir wußten, daß dies am allerwenigsten dem Judentum Nutzen bringen kann. Wir haben auch Rathenaus Anschauungen über Judentum abgelehnt. Aber wir mußten zugeben, daß dieser Mann mit heißer Liebe am deutschen Vaterland hing und für Deutschland — nicht etwa für irgend etwas ״Jüdisches“ — lebte und sorgte. Er war bei aller seiner Weltaufgeschlossenheit doch kurzsichtig (und ehrgeizig) genug, um nicht zu sehen, daß sein Jude-Sein ihm ein Auftreten auf so exponiertem Posten nicht gestattet. Obwohl er in seiner politischen Tätigkeit mit dem Judentum nichts zu tun hatte, ist sein Leiden und Tod charakteristisch für jüdisches Schicksal, und aus diesem Grunde soll die jüdische Gemeinschaft, um die Rathenau sich nie kümmerte und die doch für ihn verantwortlich gemacht wird, nicht die Augen davor verschließen, was am letzten Sonntag in Saaleck geschah. Es ist ein Nachspiel zu einem Kapitel jüdischer Geschichte ebenso wie deutscher Geschichte. Es lehrt uns schmerzlidh die Grenzen sehen, die dem Wirken von Juden in der nichtjüdischen Welt gesetzt sind. Hier heißt es, nicht Gefühlen sich hingeben, sondern die unerbittliche Realität sehen. Auch beste Absichten verkehren sich im Effekt in ihr Gegenteil, weil derartige große historische Prozesse nicht von dem Willen einzelner Personen abhängen, sondern auf tragischen Entwicklungen beruhen, die nach höheren Gesichtspunkten beurteilt und gemessen werden wollen. Bauer und Händler Wie der ״Angriff“ mitteilt, erklärte Reichsernährungsminister Walter Darrd in einer auf dem Nassauischen Bauerntag in Wetzlar gehaltenen Rede u. a., der Voll- Streckungsschutz für Bauern werde nicht wieder aufgehoben werden, ehe seine Aufhebung im Interesse des Bauern liege, ״jüdische Händler glaubten, den Bauer durch Schulden in Not und Schwierigkeiten bringen zu können, Diesen Herrschaften möchte ich ausdrücklich in aller Oeffentlichkeit sagen: Ich habe nicht drei Jahre in der Reichsleitung der NSDAP, um die Seele des deutschen Bauern gerungen, um mir heute als Reichsernährungsminister die deutschen Bauern durch jüdische Händler von Haus and Hot jagen zu lassen!“ Als Juden muß uns erlaubt sein, zur Vermeidung von Mißverständnissen hierzu zu bemerken: Der Schutz des deut• scher! Bauern, eine der wichtigsten nationalen Maßnahmen, wird den Gläubigern der Bauern vielleicht nicht immer gefallen, aber der Herr Minister wird bei näherer Prüfung ge• wiß feststellen, daß diese Gläubiger nur zum kleinen Teil Juden sind. Die jüdische Gemeinschaft als solche ehrt den Bauer und hat gewiß keine gegen den Bauer gerichteten Absichten. Nicht ״jüdische“ Händler, sondern Händler und Darlehnsgeber überhaupt sind es, deren Geldforderungen der Bauer oft schwer zu tragen hat. Es handelt sich um ein a 11• gemein wirtschaftliches, nicht um ein jüdisches Problem. Kleine Nachrichten Wie aus den eben veröffentlichten amtlichen Ziffern über die Verwaltungswirtschaft der Palästina-Regierung in der Zelt vom 1. April 1932 bis zum 31. März. 1933 hervorgeht, hat die Regierung insgesamt in diesem Zeitraum 2 516 000 Pfund ausgegeben, während Ihre Einkünfte 3016000 Pfund betrugen. Die Regierung hat somit im abgelaufenen Finanzjahr einen Ueherschuß von einer halben Million Pfund erzielt. Im Hinblick auf die Notlage der durch Mißernten betroffenen arabischen Bauern Nordpalästinas hat die Regierung beschlossen, große Notstandsarheiten, hauptsächlich Straßenbau, durchzuführen. 17 arabische Dörfer sollen von der Entrichtung des Zehents befreit werden. Auf einem in Lodz abgehaltenen Meeting der Revisionisten wurde, wie J. T. A. meldet, der 17jährige Malergehilfe Silberstein ein Mitglied der Linken Poale Zion, durch MesseTstiche schwer verletzt. Er wurde ins Hospital eingeliefert. Es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben erhalten zu können. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Anläßlich des Ablaufs der 30 Trauertage nach dem Tode Dr. Arlosoraffs wurde in Warschau ein Aufruf zur Sammlung eines Fonds für die Ansiedlung jüdischer lugeno aus Deutschland in Palästina veröffentlicht. Der Aufruf trägt die Unterschrift der Histadruth in Palästina, des Jüdischen Sejm-Klubs, der Zionistischen Organisation Polens und der Liga für aas Arbeitende Palästina in Polen. Mehrere Berliner Zeitungen brachten unter großer Ueberschrift eine Nachricht über die ״Auflösung einer zionistischen Versammlung in Berlin“, Darin wird berichtet, daß in einer Privatwohnung in der Cuxhaven er Straße eine Versammlung aufgelöst wurde, weil sie nicht olizeilich genehmigt war. Drei der Teilnehmer seien versaftet worden. — Um falschen Gerüchten vorzubeugen, möchten wir bemerken, daß nach unseren Informationen der Vorfall auf einem Mißverständnis beruhte und die Verhafteten nach kurzer Zeit wieder entlassen wurden. Die Wahlen zum 18. Ziomstenkongrcg Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden zum 18. Zionistenkongreß etwa 300 Delegierte entsandt werden (am 17. Zionistenkongreß nahmen 254 Delegierte teil). Die Beteiligung Amerikas wird bei diesem Kongreß weitaus schwächer sein als beim letzten, 17 Delegierte gegenüber 38. Dagegen werden Polen und Palästina in diesem Jahre stärkere Delegationen zum Kongreß entsenden als 1931. Polen inkl. Galizien wird auf dem Kongreß durch 126 Delegierte gegenüber 67 auf dem 17. Kongreß, Palästina durch 49 gegenüber 39 Delegierten vertreten sein. Die parteimäßige Zusammensetzung des Zionistenkongresses läßt sich noch nicht voraussehen, da die Wahlresultäte aus einer Reihe von Ländern, insbesondere aus Kongreßpolen, ausständig sind, ln Polen hat der Wahlkampf eine unerhörte Schärfe erreicht. Aus zahlreichen Ortschaften werden Zusammenstöße zwischen Revisionisten und Linken gemeldet. Die Hauptwahlkommission in Polen hat 7 Kandidatenlisten anerkannt. Ke Zählung der bei den Wahlen zum 18, Zionistenkonrei, in 33 ostgalizisclien Städten abgegebenen Mimmen hat eine Gesamtstimmenzahl von 54 083 ergeben. Die Verteilung auf die einzelnen Parteien ist folgende: Allgemeine Zionisten 17 538; Misrachi 5797; Vereinigte Linke 18 399; Revisionisten (Großmann-Richtung) 2187; Revisionisten (Jabotinsky-Richtung) 7265; ״Akiba“ 1067; Radikale Zionisten (Grünbaum-Gruppe) 549; Hitachduth (der Vereinigten Linken nicht angeschlossene Gruppe) 1212. Aus einer Reifte kleinerer Städte sind die Wahlergebnisse noch ausständig. Sie dürften jedoch keine wesentliche Aendcrung des Gesamtresultats herbeiführen. Es ist damit zu rechnen, daß die Liga für das arbeitende Palästina 12 bis 13 Mandate erhalten wird, die Allgemeinen Zionisten 11 bis 12, der Misrachi 3 bis 4, die Jabotinsky-Qnippe 4 und die Großmann-Gruppe 1 Mandat. Die übrigen Gruppen dürften leer ausgehen. Eine besondere Ueberraschung bei dieser Wahl bildet die vollständige Niederlage der Grünbaum-Gruppe. Vollständige Wahlresultate aus Westgalizien liegen noch nicht vor. In Krakau betrug die Wahlbeteiligung etwa 50 «;0. Von den bisher gezählten 3668 Stimmen entfielen 1513 auf die Allgemeinen Zionisten, 817 auf die Vereinigte Linke, 542 auf den Misrachi und 473 auf die Revisionisten. Stimmenzahlen für ganz Westgalizien liegen noch nicht vor, es wird jedoch angenommen, daß die Verteilung der Mandate folgende sein wird: Allgemeine Zionisten 7, Vereinigte Linke 3, Revisionisten 2, Misrachi 2 Mandate. In Italien wurde ein Kandidat, und zwar ein Allgemeiner Zionist, gewählt, Jerusalem, 18. Juli. (J, T. A.) Bei den Wahlen in Palästina hat die Arbeiterliste einen überwältigenden Erfolg errungen. Von den 65 000 Schekelzahlern Palästinas haben über 50000 an der Wahl teilgenommen. 70 0/0 der Stimmen sind den Arbeiterparteien, 11 °/0 den Revisionisten, 7״/« den Allgemeinen Zionisten^ 5(4 °/0 dem Hapoel Hamisrachi und 3*/* 0/0 dem Misrachi zugefallen. Ke revisionistischen Stimmen wurden für die Jabotinsky-Liste abgegeben. Auf die Liste der Großmann-Richtung entfielen bloß 319, auf die der Radikalen 529 Stimmen. Keine dieser beiden Gruppen konnte somit ein Mandat erlangen. New York, 18. Juli. (J. T. A.) Die Zählung der bei den Wahlen in den Vereinigten Staaten abgegebenen Stimmen ist noch nicht beendet. Nach den bisher festgestellten Resultaten haben die Linken einen bedeutenden Erfolg errungen. Von 14 000 bisher gezählten Stimmen hat die Liste der Vereinigten Poale’Ziojn und Zejre Zjon 7000 erhalten. Es wird erwartet, daß auch'die ■Gesamtzältiühg das gleiche Verhältnis ergebet! wird. Das überraschende Wahlergebnis wird darauf zurückgeführt, daß weite zionistische Kreise das Wahlabkommen der Allgemeinen Zionisten mit der Hadassah resp. der Brandeis- Mack-Gruppe nicht gebilligt und sich deshalb entweder der Stimme enthalten oder für die Linke gestimmt haben. Palästina führt zur jüdischen Religion znrück Lord Mefchett zum Judentum übergefreten. Am 15. Juli fand in der Liberalen Synagoge von Nord- London die Aufnahme Lord Melchet'ts in die jüdische Glaubensgemeinschaft durch den Seelsorger der Synagoge, Rcv. M. L. Perlzweig, Ehrensekretär der English Zionist Federation, statt. Nach dem Gottesdienst teilte Rev. Perlzweig Presscvertretern mit, daß Lord Mekhett, der als Kind getauft und im Bekenntnis der englischen Hochkirche erzogen worden war, seit einigen Jahren keine aktive Verbindung mehr zur Kirche unterhielt. Lord Melchetfs inniger Kontakt mit Juden und jüdischen Einrichtungen, den er durch seine Arbeit für Palästina gefunden habe, habe ihn zum Studium des Judentums geführt, dessen Lehre ihn immer starker angezogen habe. Sein formeller Uebertritt sei auf Grund nachhaltiger Ueberlegung erfolgt. Ein zum Teil wohl von seinem Vater ererbtes Gefühl der Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaff in Palästina sei die Voraussetzung seiner Annäherung an das Judentum gewesen. Die Rückkehr Lord Melchetts zur jüdischen Religion, über die auch eine Reihe deutscher Zeitungen berichteten, ist ein interessantes Symptom für die jüdische Entwickjung unserer Zeit. Vor 30 oder 40 Jahren glaubten jüdisehe Väter, die den Zusammenhang mit dem Judentum verloren hatten, das Richtigste für ihre Kinder zu tun, wenn sie sie taufen ließen. Auf diese Weise sollten die Hindernisse, die das Judentum der Karriere in den Weg stellt, beseitigt werden. Heute aber — wekher Wandel der Zeiten! Auch wo der ohne sein Zutun in der Jugend Getaufte nicht, wie im heutigen Deutschland, zwangsweise ins Judentum zurückgestoßen wird, empfindet er die Unzulässigkeit eines Vorgangs, der ihn von seiner Ahnenkette trennen wollte. Was um die Jahrhundertwende den ״aufgeklärten“ Juden von damals geringfügig schien, ist heute als wesentliches ideelles Gut erkannt. Die E r!1 e u e rti n g desjiidischen Volkes durch den Zionismus und die Entstehung eines neuen Judentums in Palästina hat auch solche Abkömmlinge des jüdischen Stammes, die an dem degenerierten jüdischen Leben der Assimilationszeit kein Interesse mehr hatten, in die jüdische Gemeinschaft zurückgeführt. Welzmafln ans Amerika abgereist New York, 17. Juli. (J.T.A.) Am 15. Juli abends ha* Dr. Ch^im Wejzmann an Bord der ״Berengaria“ die Rückreise nach Europa ängetreten. ln einer vor seiner Abreise abge haltenen Abschiedsversammlung erklärte er, eine furcht״ bare Verantwortung werde in den nächsten zwei Jahren auf den Juden Amerikas ruhen. Denn Amerika Werde in diesem Zeitraum eine höchst bedeutungsvolle Rolle bei der Behandlung der für die Juden in Deutschland erstandenen wirtschaftlichen Probleme, insbesondere der Geldbeschaffung für Ansieditmg deutscher Juden in Palästina, zu spielen haben. Eine Reihe amerikanisch-zionistischer Führer gelobte Weizmann in dieser Versammlung, ihn in seiner Arbeit zu unterstützen und brachte zum Ausdruck daß er allein imstände sei, Zionisten und Nichtzionisten Amerikas Im Kenste des Aufbaus Palästinas so zu einigen, daß ein Maximum an Leistung erzielt werden könne.