Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 57 (18.7.1933)
- Date
- 1933-07-18
- Page
- Seite 345 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57,18. Vn. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 347 Das Judentum als Religion Von Rabbiner Dr. J. Bergmann. Dieser Tage erschien im Verlag Rubin Maß, Berlin, ein Buch von Rabbiner Dr. J. Bergmann, Berlin, ״Das Judentum, Gedanke und Gestaltung“, lieber die Absicht des Buches sagt der Verfasser in der Einleitung: ״ln diesem Buch soll das Judentum in seinen Gedanken und Gestaltungen, seinem Geiste und seinen Formen, seinem Ideengehalt und seiner Frömmigkeit geschillert werden. Es soll gezeigt werden, welche Kräfte das Judentum formten und aus Gegensätzen eine Harmonie schufen Der Verfasser stellt uns zum Vorabdruck das Schluß• kapital des Buches zur Verfügung, das wir nachstehend (etwas gekürzt) wiedergeben. Red. Die jüdische Lehre ging von Zion aus, sie wanderte nach Babylonien kam nach Alexandrien und Rom und verbreitete sich über aas weite Erdenrund. Das Prophetenwort ״von Zion geht die Lehre aus und das Wort des Ewigen von Jerusalem* wurde umgeprägt. Bald hieß es, daß die Lehre und das Ootteswort von Bari und Otranto, bald dagegen, daß sie von Frankreich und Deutschland oder gar von Sanaa und Tin ca m in Arabien ausgehen. Die jüdische Lehre zog durch die Welt und schritt durch die Zeiten. Die Bibel wuchs ein Jahrtausend, der Talmud acht Jahr• hunderte; das jüdische Rcfigionsgesetz wurde fast zweitausend Jahre weitergebildet, bis seine Kodifizierung im Schulchan Aruch einen Abschluß gefunden hatte, der eine Weiterbildung keineswegs ausschloß. Das jüdische Gebetbuch enthält Stellen aus der Bibel, Gebete von Gesetzeslehren, religiöse Lieder von mittelalterlichen Dichtern, Hymnen von Mystikern und die Glaubenssätze des Rcligionsphilosopiien Maimonides. Wie Bibel, Talmud, Gesetz- und Gebetbuch, so ist auch das Juden• tum selbst in Jahrtausenden gewachsen. Es ist durch ve'rschie• dene Länder und Zeiten gewandert, aber es ist nicht etwa ein Konglomerat verschiedenartiger Erscheinungen geworden, so-ndem eine Welt von durchaus einheitlichem Geist geblieben. Des Judentums Wurzel war der Prophetismus; sie gab dem Stamme, je höher er aufwtichs, den Lebenssaft, der seine Zweige und Gestaltungen durchströmte. Vom Prophetismus kam die dynamische Kraft, die fortdauernd das religiöse Emp• finden beseelte und das sittliche Wollen trieb. Das Ideal, das von den Propheten ausging, suchte im Gesetz Verwirklichung; das Gesetz war der Weg zur Lebensheiligung und wurde lebendiger Gottesumgang. In der Religionsphilosophie wurde um die Versöhnung zwischen Autorität und Freiheit, zwischen göttlicher Offenbarung und menschlicher Vernunft gerungen; die Vernunft durchdrang die Religion und erkämpfte der Denk• freiheit ihren Platz. In der Mystik erhob sich der Glaube zur Gottesschau und Gottrinung, ohne zur Weltflucht und Askese zu führen; als Religion prophetischen Geistes aktiv, lebens- und weltbejahend, ist das Judentum die Lehre von der Weltvervollkommnung, aber nicht Weltüberwindung geworden. Wie in jede Religion mischten sich auch in das Judentum Eie• mente der Volksfrömmigkeit und des Aberglaubens; die Lehrer des Judentums waren nicht ohne Erfolg bemüht, den Glauben vom Aberglauben zu scheiden. Als die ״Religion der Väter“ hielt das Judentum die Kontinuität aufrecht, aber es folgte auch dem Gesetz der Entwicklung, lieber das weite Erdenrund verstreut, blieb die jüdische Gemeinschaft durch den Glauben geeint; in der Mannigfaltigkeit der Geister blieb die Zusammengehörigkeit der Herzen. Universalen Geistes und für die Ideen der Umwelt aufnahmebereit, hat das Judentum seine religiöse Eigenart, seine Seele bewahrt. Als Glaubensgemeinde von anderen Religionen getrennt und abgeschlossen, hat es niemals seine menschheitsnmfassenden Glaubenshoff־ nungen aufgegeben. Von den Religionsphilosophen dogmatisiert, ist das Judentum eine Religion ohne dogmatische Bindüng geblieben. Weder hat eine geistliche Hierarchie über ihm noch eine weltliche Macht ihm zur Seite gestanden; es lebte ״nicht durch Macht und nicht durch Gewalt“, sondern durch den Geist. Der Geist schuf aus Gegensätzen Einheit und Harmonie und überwand Widerstände ohne Zahl. Das wesentliche Merkmal des jüdischen Geistes ist das Religiöse und das Ethische und das Verbundensein beider miteinander. Ob man als die Grundidee der jüdischen Ethik mit Samuel David Luzzatto das Mitleid oder mit Achad Haam die absolute Gerechtigkeit bezeichnet, immer schöpft im Judentum das Ethische seine Kraft aus dem Religiösen, und das Religiöse sucht ewig im Ethischen seine Vollendung. Der Geist des Judentums wird im Prophetenwort gekennzeichnet: ״Ich legte meine Worte in deinen Mund, und mit dem Schatten meiner Hand deckte ich dich, zu pflanzen den Himmel und zu gründen die Erde“. Auf den Himmel und die Erde war der Geist gerichtet. Der Prophet, der vom Volke gefordert, daß es Gott suche; der Psalmendichter, der gesungen: ״Gottes Nähe ist mein Gut“; der Gesetzeslehrer, der im Lenrhause die Schriftdeutung vorgetragen hat, man müsse Gott ״mit ganzer Seele״ lieben, ״auch wenn er dir deine Seele nimmt“; der Märtyrer, der in den Flammen des Scheiterhaufens gesungen: ״In deine Hand befehle ich meinen Geist“; der Religionsphilosoph, der den Glaubenssatz geprägt: ״Ich glaube fest und wahrhaft, daß Gott der Schöpfer und der Lenker alles Erschaffenen ist“; der Sittenlehrer, der gelehrt hat, der Zweck des Erdendaseins sei, Gott zu dienen; der Mystiker, dessen ständiges Wort gelautet: Dich, nur Dich, mein Gott, suche ich“ — alle diese Frommen haben ihren Blick zum Himmel emporgerichtet und in die Welt des Göttlichen und Uebernatiirlichen hinübergeschaut. Aber in allen Frommen des Judentums war mit dem Verlangen nach dem Ueberweltlichen das Streben nach der Vervollkommnung■ dieser Welt, mit dem Religiösen war das Ethische, mit der Gottesliebe die Menschenliebe innig verbunden. Der Jenseitsglaube, der das Sinnen und Hoffen der Menschen auf das Himmlische hinlenkte, hatte ein Gegengewicht in der Hoffmmg auf das Gottesreich, das auf dieser Erde erstehen sollt«. Die Forderung, durch die sittliche Tat ein ״Mitschöpfer Gottes“ zu werden, hat den Gläubigen im Judentum vor frommem Schwärmen bewahrt. Auf Israel ruhte der Geist der Gotteserkenntnis. der die Herzen zum Himmel rief; in Israel war aber auch der Geist der sittlichen Kraft und Tat, der die Mensehen trieb, an der Vervollkommnung der Erde mitzuwirken. Vor dem Geiste Israels hat der Himmel sich aufgetan; ihm war aber auch die Erde eine heilige Stätte und wert, daß auf ihr von den Menschen das Reich Gottes errichtet werde. Schreibt nicht an Privatleute In Palästina! Aus Leserkreisen in Palästina wird uns geschrieben, daß einzelne Persönlichkeiten, besonders aus Deutschland stammende, mit einer gewaltigen Menge von Anfragen auch ihnen Unbekannter aus Deutschland überflutet werden. Zwar bemüht sich jeder, nach bestem Wissen zu raten, aber meist sind diese Anfragen eine übermäßige und unzweckmäßige Belastung einzelner Personen in Palästina, die doch nicht die richtige Adresse sind. Aus diesem Grunde werden wir gebeten, allen Leuten, die Informationen aus Palästina bcnötigen, dringend nahezulegen, sich nicht an Privatpersonen zu wenden, sondern an die Adresse der Hitachduth Olc Germania. Tet-Awiw, P.O. B.226, die ja zu dem Zweck gegründet wurde, um deutschen Juden Auskünfte jeder Art zu erteilen. Theater in Palästina Uraufführung der Hakima: H. Säckler: Rachaw Tel-Awiw, Im Juni 1933. Wenn alle Bühnen der Welt etwas verbindet, so ist es ״der Schrei nach Repertoire“. Für die Habima aber insbesondere ist die Repertoire-Frage eine Existenz-Frage. Denn wir haben leider in der jüdischen Literatur keine großen Klassiker im Sinne eines Shakespeare oder eines Goethe, die zur Not immer wieder in ihren Ländern die Theater füllen. Ein Uebergreifen aber auf die Weltliteratur kann für die Habima immer nur Notbehelf sein, selbst wenn ein derartiger Versuch gelingt und etwa eine so reizende Aufführung hervorbringt wie Shakespeares ״Was Ihr wollt“. Es ist also auf das freudigste zu begrüßen, wenn sich Autoren finden, die imstande sind, für die Habima Stücke zu schaffen, welche — irn besten Sinne — im Nationalen wurzeln. Die Bibel ist für diesen Zweck eine fast unerschöpfliche Quelle, und eines seiner reizvollsten Themen hat den neuen Habima-Autor inspiriert. Es scheint mir, daß man dein knappen Bericht in den Anfangskapiteln des Buches Jehoschua mit Sicherheit entnehmen kann, daß Rachaw in der Politik Jerichos etwa die?!eiche Rolle gespielt hat wie Cleopatra, die Pompadour, osefine und andere ״große Frauen“ in der Politik ihrer Zeit. Es hätte für den Autor die Möglichkeit gegeben, die Figur Rachaws zeitlos oder modern zu gestalten und den Vorwurf aus dem Buche Jehoschua nur zu verwenden, um den immer wiederkehrenden, übernationalen weiblichen Einfluß zu demonstrieren, der ״Geschichte macht“. Säckler hat dies unterlassen, weil er mit ähnlichen, an anderen Figuren bereits erprobten Versuchen nicht in Konkurrenz treten wollte, vielleicht auch, weil er glaubte, daß die Habima, die leider immer noch völlig in einem russischen Expressionismus wurzeit, dieser Aufgabe nicht gewachsen sei. Die Aufführungen ״Die heilige Flamme“ und ״Ketten“ haben deutlich gezeigt, daß die Habima wundervoll dort ist, wo sie wirkliche Enscmblekunst zeigen kann, wo das Milieu Uebersteigerungen der Temperamente und der Gesten gestattet oder gar erfordert (״Ketten“), daß sie aber sofort auf ein — nicht einmal immer gleichmäßiges — Durchschnittsniveau herabsinkt, sowie es sich darum handelt, Menschen von heute mit Sprache, Bewegungen, Kleidern unserer Zeit zu verkörpern. Unklar aber erscheint es, weshalb sich der Verfasser damit begnügt, das Leben innerhalb der Mauern Jerichos zu zeigen und als Vertreter des Volkes Israel, in Verhältnismäßig nichtssagenden Auftritten, nur die beiden Kundschafter jehoschuas erscheinen läßt. Gerade die physische und psychische Beschaffenheit Jisraels, des Volkes, das eben jm Begriff steht, sich ein Land zu erobern, bodenständig zu werden nach langer, langer Wanderung, der Kulturstand des Volkes mit dem einzigen unsichtbaren Gott, die Führer- Persönlichkeit eines Jehoschua — das hat unser verstärktes Interesse und hiervon etwas zu erleben und zu spüren hatte man erwartet. Für die Figur Rachaws ist eine dankbare Rolle entstanden, der die einzigartige R 0 w i n a alles an Fraulichkeit, Klugheit, Herz und Geist gibt, was in sie hineingelegt werden kann. F i n k e 1 gibt ohne Uebertreibung den König von Jericho. Meskin,'für dessen großes Können auch in diesem Stück eine wesentlichere Aufgabe gewesen wäre, kann selbst in der kleinsten Rolle nicht verschwinden. Klatzkin bewährt sich wieder, Tamara Rubens, Bruck, Benjamini und Bertonow. (Die letzten Drei hätten von der Regie ein wenig gedämpft werden können.) Höhepunkt der Aufführung: (neben der Leistung der Rowina) ein Tempeltanz, von M. Omstein arrangiert, nach neuer Musik von A. D. Jacobsohn. Regisseur ist — wie in ״Ketten“ — Tschemerinski. Bei ״Rachaw“ wäre vor allem das Tempo zu steigern. Die an sich gute Szene im 2. Akt zwischen Rachaw und dem König wird durch unzureichendes Bühnenbild und schlechte Beleuchtung beeinträchtigt, während die Szenerie (R. Rüben) sonst nichts zu wünschen übrig läßt. Wenn der Autor das wirkliche Erkennen Gottes sich für Rachaw als Schlußeffekt aufspart bis die Mauern schon Zusammenstürzen (und sich damit bewußt in einen Gegensatz zum Bericht des Tanach stellt), dann muß dieser Schluß viel stärker und kraftvoller gestaltet werden, als es geschah. Man bringt die Rowina um einen Teil ihrer Wirkung, wenn sie, nach ein aar nervösen Gängen zwischen Leichen, plötzlich mit einem chlußsatz ihre Gottesanerkennung verkünden soll. Man merkt dieser Aufführung wieder die Intensität, die Liebe und die Kraft an, mit der alle Habima-Leute ihrer Arbeit hingegeben sind. Und gerade deshalb hat sie Anspruch darauf und muß selbst Anspruch darauf erheben, nur mit den Maßstäben gemessen zu werden, die für die Allerbesten aufbewahrt sind. Man sollte nun in Kürze versuchen, ob man nicht auch ohne aufgemalte Muskeln und in Felder aufgeteilte Gesichter mit so viel Hingabe und guten Resultaten spielen kann. Der Weg zum Naturalismus eines Reinhardt, den die Habima allmählich beschreiten m u ß, ist die große Aufgabe, die ihrer wartet. Und — jüdische Dichter, vor die Front! Manfred Geis. Sara Osnath Halevi Ein kleines schlankes jemcnitcnmädel — ein kleines bieg* sames Stimmchen — Was ist schon dabei? Aber in diesem Stimmcheii ist jener nachzittemdc fast heisere Schlußton, den wir bei der Bcrgner so lieben. Und dieses Stimmchen, unendlich nuanciert — und dieser gertenschlanke Knabenkörpcr haben es in sich. Sic verzaUbern einen im Handumdrehen. Und dann die Hände — ein schriäbelndes Taubenpaar bald, bald zuengclde Schlangen — selbständige Wesen, die die Dinge — kaum benannt — schon aus dem Nichts hervorholen, malen, umreitlcu sie, daß sie in ihrem Eigenleben vor uns stehen. So sind sie. Dazu ein Mienenspiel so beredt, so lebendig, daß jedes Wort nicht nur gehört, sondern auch förmlich gesellen wird. Das ganze beseelt von klugen lieben Augen, daß es einem so warm ums Herz wird. Und diese Augen bringen es wahrhaftig noch fertig so schelmisch unschuldig über sich, über uns, über weiß Gott was alles zu staunen . . . Sara Osnath Halevi bringt alte jemenitische Lieder, spaniolische Romanzen (hebräisch), Fdlachenlieder, Lieder von Bialik, Hameiri u. a., Kinderlieder und — wenn Ihr wollt — Tel-Awiwer ״Gassensongs“. Jawohl, soetwas gibts auch! Singt sie? Tanzt die Halevi ihre Lieder? Sie spielt sie dar, stellt sie vor uns hin mit einer natürlichen Leichtigkeit, mit einer zephirartigen Unbeschwertheit, als tanze und singe sie sich seihst zum Spaß. Aber wie sie das macht! Diese Anmut, diese stille Innigkeit und Hingabe! Das ist große Kunst — ganz großes Format. Das ist ein kostbares Erlebnis. Das ist eines der Wunder des neuen Palästina! Mit einer einzigen Geste legt die Halevi die Seele ihres jemenitischen Stammes bloß — seine große Vergangenheit, die Erniedrigung der letzten Jahre und das befreite Aufatmen im Ercz. Alles das ist drinnen: die Orientalin, die Beduinen- und Wüstcnlochtcr, die zuechtige Jemenitin, die Jüdin — ja, das ist cs! Die jüdische Tochter! So ist sie in Odessa, auf der Nalewlta, im Whitechapel. Wie sind sie alle doch verwandt. Oder macht dies die Kunst der Halevi, daß sich uns diese Vorstellung aufdrängt? Sara Osnath Halevi, dieses kleine Persönchen strahlt in Wahrheit Persönlichkeit aus und ist — wie sagen doch die Filmleute? — hundertprozentig. Hier wäre Neuland fürs Entdeckerauge. Tel-Awiw, im Juni. M. Lieber. Juden und Kunst In der ״Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 13. Juli veröffentlicht im Unterhaifniigsblatt Prof. Karl Hofer einen Aufsatz ״Der Kampf um die Kuns t“, worin er sich gegen die absprechenden Urteile wendet, die größte kirnst■ lerische Werke heute häufig erfahren. Er bedauert, daß eine so mächtige, das ganze Volk durchschüttelnde Bewegung gerade in der Kunst das Mittelmaß und Epigonentum zu favorisieren scheint. Bei der Besprechung der Kritik, die an der bildenden Kunst heute geübt wird, bemerkt Prof. Hofer: ״Da sachliche Argumente nicht mehr vor- 7.11 bringen sind gegen eine Kunst, die wieder zurückführt zu den Quellen künstlerischen Gestaltens, und vor allem deutschen Gestaltens, bedient man sich des heute unfehl• barsten Mittels zur Vernichtung: des Vorwurfes des Juden• tums oder zumindest des jüdischen Geistes. Demgegenüber muß ein für allemal feslgestellt werden, daß nächst dem Militär kein menschlicher Tätigkeitsbezirk so judenfrei ist wie die bildende Kunst, so frei auch von jeglichem jiidl■ sehen Einfluß itn Gegensatz zur Literatur, Musik und The• ater. In der gesamten deutschen Bildnerei seit dem Mitfei• alter hat als einzige Ausnahme der jüdische Meister Max Liebermann ejne Rolle gespielt. Der jüdische Kunsthandel hai aut aas Schaffen deutscher Künstler keinen Einfluß ausüben können. In der bildenden Kunst sind die Verhältnisse gänzlich anders gelagert wie auf dem Gebiet der Literatur, der Musik und des Theaters.“ Mordprozesse Jerusalem, 12. Juli. (J.T. A.) Vor dem Strafgericht in Nablus wurde die Verhandlung gegen vier Araber durchgeführt, die unter der Beschuldigung, den ehemaligen jü• dischcn Legionär Joseph Benjamini in Nathania getötet zu haben, verhaftet worden waren. Einer der Angeklagten wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, die drei übrigen wurden freigesprochen. Die jüdischen Siedler Arie Erman und Joseph Bedrak hatten sich am 13. Juli vor dem Gericht in Haifa wegen Tötung eines Beduinen bei dem Zusammenstoß zwi• sehen jüdischen Wächtern und arabischen Hirten in Pardcss Chana im Dezember 1932 zu verantworten. Erman wurde frei• fesprochen. Bedrak zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, wischen den Kolonisten von Pardcss China und dem Beduinenstamm, dem der Getötete angehörte, wurde im Februar ein Friedenspakt geschlossen. Die arabische nationalistische Jugendorganisation hal beschlossen, einen sich über Palästina und die Nachbarländer erstreckenden Sportverband zu schaffen. Kleine Nachrichten Die nächste Sitzung des Kuratoriums (Board of Governors) der Hebräischen Universität wurde für Oktober diesmal 7um erstenmal nach Palästina, einberufen. Der Tagung, die itn Universitätsgebäude von Jerusalem stattfinden soll, wird auch Dr. Weizmann als Präsident der Hebräischcn Universität beiwohnen. Anfang August findet in Zürich eine Zusammenkunft mehrerer amerikanischer Mitglieder des Akademischen Rats der Universität mit dem U11ivcrsitätskanzler Dr. .Magnes statt. Einer Ankündigung des australischen Landesverteidigungsministers Sir George P e a r c e zufolge, wird die australischc Bundesregierung־ demnächst umfangreiche Pläne für den kolonisatorischen Ausbau von א o r d au st r a 1 i e n fertigstellen. Minister Pearrc erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Regierung für den Gedanken der Errichtung einer großen jüdischen Siedlung in diesem Gebiet außerordentliches Interesse zeige. (Da die klimatischen Bedingungen sehr ung ünstig sind, muß diese Meldung mit großer Vorsicht aufgenonunen werden. — A. d, R.) Die griechisch« Regierung hat eine Proklamation erlassen, in der die antisemitische Kampagne der venizeiistischen Opposition schärfstens gebrandmarkt wird. Der Kampf der Oppositionsparteien gegen die nationale Einheit, heißt es in der Proklamation, kommt einerseits in einer Offensive gegen die Juden, andererseits in einem Haßfeldzug gegen die Flüchtlinge zum Ausdruck. Die Regierung ist entschlossen, diese antinationale Spaltung um jeder! Preis zu unterdrücken. ln Alcazarquivir bei Tanger (Marokko) ist es zu ernsten judenfeindlicheti Ausschreitungen gekommen, bei denen zahlreiche Juden verwundet wurden. Den unmittelbaren Anlaß bildete eine spanisch-jüdische Theatcraiifführung, bei der drastische Szenen aus der Zeit der arabischen Herrschaft in Spanien dargestcllt wurden. Beim Versuche, arabische Hirten, die ungeachtet des Räumuntrsbefehls ihre Herden in Wadi Chawarith weiden ließen, zu verhaften, wurde ein britischer Polizist durch Messerstiche schwer verletzt. Er wurde in das Regierungshospital in Nablus überführt. In Hebron fand die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen jeschiwa in Anwesenheit von Vertretern der Palästina-Regierung und der jüdischen Institutionen statt. Die früher in Hebron bestandene Jeschiwa wurde bekanntlieh während der Unruhen des Jahres 1929 zerstört. In Beer Tuvia, einer der jüdischen Siedlungen, die 1929 zerstört wurden, geht der Wiederaufbau in raschem Tempo vor sich. Am 10. Juli hat sich der High Cotnmissioner in Begleitung des Mitglieds der Palästina-Exekutive, Dr. Hexter, iin Flugzeug nach Beer Tuvia begeben, um sich vorn Stand der Wiederaufbauarbeit zu überzeuge».