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Jüdische Rundschau · 1933-07-18 · Heft 57 (18.7.1933) · p. Seite 344

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 57 (18.7.1933)
Date
1933-07-18
Page
Seite 344 (sequence 2)
Language
German
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Seite 346 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 18. VE 1933 1 loße Schwärmer, sic waren vielmehr Realisten, die sich von dem Schein der äußeren Zivilisation nicht täuschen ließen und erkannten, daß die abnormale Lage der Juden durch die Emanzipation nicht beseitigt sei, daß die Schwierigkeiten sich verschärfen werden, je mehr die Juden sich assimilieren und in die nichtjüdische Welt eindringen. Jüdische Antisemiten? Weil sie sich zu ihren Großvätern bekannten, die vielleicht noch nicht hoch* kultivierte Bürgerhäuser in Berlin und Frankfurt hatten, die vielleicht, wären sie plötzlich ins Zimmer getreten, manchen Juden der Jahrhundertwende In peinliche Verlegen heit gebracht hätten? Man lebte damals zwar in einem latenten Kampf gegen den überall sich ankündigenden Antisemitismus, aber es war taktlos, dieses Phänomen anzuerkennen und sogar nach dessen Gründen zu forschen. Jüdische Antisemiten, weil sie nicht alles in der jüdischen Gemeinschaft gut und in Ordnung fanden, weil sie das Leben dieser Gemeinschaft von Grund auf ändern wollten, weil sie merkten, daß über der äußeren Tünche eine unerträgliche seelische Verkrüppelung den Charakter bedroht, weil sie sich gegen die Juden wandten, die dem Streben nach Grundlagen für eine bessere Zukunft in den Rücken fielen. Die Zionisten waren weit davon entfernt, Fehler und Mängel der Juden zu vertuschen; sic wußten, daß Fehler bloßgelegt werden müssen, um geändert werden zu können. Ihr Leitmotiv war die heiße Liebe zum Judentum, die brennende Scham über jüdische Schmack, die Sehnsucht nach Größe und Freiheit. Diese Menschen nannte ein Mann wie Hallgarten ״schädlich“ und ״jüdische Antisemiten“, und er gebrauchte seine ganze Macht, um den Grundsatz durchzusetzen: nicht gedacht soll ihrer werden. Hallgarten war nicht der erste beste. Er hat in seiner Art Großes für die Juden getan. Dieser überaus reiche Bankier organisierte die erste große Hilfsaktion für die jüdischen Opfer der russischen Pogrome. Er gehörte in führender Stellung der Alliance Israelite Universelle, dem Hilfsverein der Deutschen Juden, der Ica (Jewish Coloriisation Association) an, war also ein ״internationaler“ Jude; er war zugleich der Gründer und Förderer zahlreicher kultureller Institutionen und hat in Frankfurt und dem westdeutschen Bezirk große soziale Arbeit geleistet, sein Name ist auch mit der Universität Frankfurt a. M. verbunden. Er war ein repräsentativer Jude des vergangenen Zeitalters; es liegt uns fern, sein Wirken oder seine Persönlichkeit herabzusetzen. Es geht hier nicht um eine persönliche Frage, sondern um die Charakteristik eines jüdischen Geschichtsabschnitts. Die Haitung, die Hallgarten zur Judenfrage einnahm und die den Christen Damaschke so befremdete, war typisch. Das Totschweigen des Zionismus galt in den feinen und reichen Kreisen der damaligen Juden als selbstverständliche Ehrensache. In Theodor Herzls Tagebüchern kann man so manches darüber lesen, Auch die ״Neue Freie Presse“, deren Chefredakteur der Jude Moritz Benedikt und deren Feuilletonchef Theodor Herz.1 war, hat den Zionismus nie erwähnt. Die aufstrebende zionistische Bewegung kann ein Lied davon singen, wie die Macht des assimilatorischen Judentums in der Presse sich ausgevvirkt hat. Die ״Judenpresse“ hat tatsächlieh beinahe bis zum Weltkrieg den Zionismus ignoriert. Dazu gehört auch z. B. das ״Berliner Tageblatt“, dessen jüdische Leitung sicher so dachte wie Hallgarten: Zionisten waren ״jüdische Antisemiten“, weil sie Bedenken gegen das Wirken ״getarnter“ Juden hatten. Verhängnisvolle Blindheit des Assimilationsjudentums! Wie in Wahrheit die Sache liegt, dafür haben wir einen unverdächtigen Kronzeugen. Im ״Völkischen Beobachter“ lesen wir in einem Artikel ״Leben und Treiben des Anderen Deutschland in Paris“ am 15. Juli, demselben Tag, an dem uns die Schrift Damaschkes erreicht, u. a. folgendes: ״Nicht zu den Schweigsamen gehört Herr von Gerlach, der einer Pariser Zeitung wahrhaft tragikomisch anmutende Schilderungen seiner Hasenfiucht aus Berlin zur Verfügung gestellt hat. Als er, ohne Reisetasche, in den Zug nach München gestiegen sei, habe er dort ״zu seiner lieberraschung“ Herrn Theodor Wolff vom ״Berliner Tageblatt“ getroffen. Nicht zu unserer Ueberraschung. Von München aus fuhr Herr Wolff, vermutlich mit reichlicher Reisckasse versehen, «auf geheimem Wege ebenfalls nach Pari», Dorade dieser jüdische Journalist hat mit seinen giftig Uzen den, alles Deutsche harnisch in den Dreck ruhenden Artikeln jahrzehntelang eine wahre Pogroms t i m!11 u 11 g in Deutschland geschaffen. Er war — indirekt und ohne es zu wollen — auf seine Art ein Wegbereiter und Propagandist des Nationalsozialismus. Als die Abrechnung in Sicht stand, fuhr er löwenmutig — nach Paris. Seine weniger geldkräftigen Rassegenossen, d i e gerade er in die Tinte geritten hatte, ließ er tapfer itt Deutschland.“ Wir machen uns die hier gegebene Charakteristik des Mannes nicht zu eigen, aber es kommt auch hier nicht auf die Personenfrage an, sondern auf die historische Illustration. In krasser Form wird hier dem Assimilationsjudentum gezeigt, daß sein Weg der falsche war. Diese Menschen haben nicht bewußt eine ״jüdisch“ motivierte Politik getrieben, aber sie glaubten, sich über die Judenfrage völlig hinwegsetzen zu können. Wollte ein Jude sie an ihr Judentum erinnern, wäre das die schwerste Störung ihrer Lebenslüge. Daher: ״jüdische Antisemiten“. Der Zionismus war in jüdischer Hinsicht die Stimme des Gewissens, die man gern unterdrückt, um nicht innerlich unsicher zu werden. Adolf D a m a s c h k e, ein nationaler aufrechter Deutscher, hat die zionistischen Versuche mit großer Sympathie verfolgt, er erkannte darin ein ehrliches Erneuerungsstreben. Immerhin war der Zionismus für Damaschke nicht so wichtig, daß er nicht Hallgartens Wunsch hätte erfüllen können. Er tat cs nicht, weil es ihm widerstrebte, sich einem solchen Drude zu beugen. Seine Zeitung brachte wieder einen Bericht über zio• nistisch-bodenreformerisch« Tendenzen, und das war der Bruch. Damaschke selbst bekam die Aechtung in weiten Kreisen zu spüren (leider ist die Jahreszahl nicht angegeben, aber da Hallgarten 1908 starb, muß es sich um die ersten Jahre des Jahrhunderts handeln). Die Erzählung Damaschkes, für ihn selbst in seiner Einstellung zum Judenproblem sehr aufschlußreich, verdient auch in jüdischen Kreisen bekannt zu werden; denn sie vermag auch Juden (und Nichtjuden) klarzumachen, wie kompliziert die moderne Judenfrage ist. Man muß den historischen Zusammenhängen nachgehen, um die geistigen und soziologischen Grundlagen zu durchschauen. In der neuen Zeit, in der wir jetzt leben, ist die objektive Situation ganz anders geworden. Niemand ״Theodor Herzl lebt“ Zwei Gedenkfeiern zum Jal!rx«ltt«g d•• SchOpler« der Zlonletiaehen Bewegung Dienstag, den 18. Juli, 20 1/״Uhr, im Baehaaal, Lützowstraßa 7» Radnar! ELIAS AUERBAC tt Mittwoch, den 19. Juli 20 Vs Uhr, im Lahrervarelna• haus Aiexanderplatz Radnar: SIEQFRIED KANOWITZ In batdan Falarn: El mola rachamlm! Lao Sollanln Rezitation: Meinhard Maur. Orchester dar Gemelnechaft jüdisch9r Musiker. Leitung: Michael Taube Karlen zu RM I.-, 1.50, 1,—, O.SO Im Büro MolnoIcMtraB* 10 (T0I.1 J t B tmorek 7185-70) und an dar Abanükaaia Berliner Zionistische Vereinigung kann mehr sagen, daß die Juden, die sich frei zum jüdisehen Volk bekennen und auf dieser Basis eine anständige und ehrenvolle Beziehung zur nichtjüdischen Welt finden wollen, ״jüdische Antisemiten“ seien. Der Versuch, jüdische Großväter «der Großmütter hinwegzueskamotieren, ist in einer recht drastischen Weise beantwortet worden. Vielleicht wäre dies anders gekommen, wenn die Juden sich anders verhalten hätten. Aber es ist müßig־, solche Betrachtungen anzustellen. Wichtig ist die Zukunft. Werden die Juden eine Lehre daraus ziehen? Wir hoffen, daß sie es werden. Eine neue Generation ist herangewachsen, die sich nicht mehr der Ahnen schämt, die weiß, daß durch offene Aussprache und v«r allem durch wirkliche Umgestaltung und Aenderung des jüdischen Lebens eine Klärung leichter herbeigeführt werden kann als durch eine Geheimnistuerei, die letzten Endes doch nur Selbsttäuschung ist. Schuhhändler zur Judenfrage Die Zeitschrift ״Schuh und Leder“ veröffentlicht eine Bekanntmachung des ״Reichsverbandes deutscher Schuhhändler e. V.“, worin die Anträge für den demnächst in Erfurt stattfindenderi Verbandstag mitgeteilt werden. Für jüdische Leser sind folgende Anträge von Interesse: 5״. Der Verein Berliner Schuhhändler beantragt die Um- Organisation des Verbandsorgans dergestalt, daß Dffiziell nur ein Verbandsorgan bestehen bleibt. Die Schriftleitung muß, nationalsozialistisch eingestellt, überwiegend die mittelständisclien Schuhhandels-Interessen wahren. Inserate, redaktionelle Besprechungen fremdrassiger Auftraggebet sind abzulennen, die Inseratenabteilung ist grundlegend arisch umzuscha It en.“ 9. (Abs. 2). ״Alle christlichen Mitglieder des Reichsfach־ Verbandes haben ihr Lieferantenverzeichnis dergestalt zu bereinigen, daß bis zum 30. September 1933 Aufträge der Mitgliedsfirmeii nur noch über den christlichen Sc hu h 11 a n d e! s v ert r e t e r, christlichen Schuhfabri kanten zu ge wendet werden. Hierzu wird empfohlen, sich des Reichsbezugsquellenverzeichnisses zu bedienen, das im Sonderdruck vom Reichsverband als Reich sfach verband heratisgegeben, an alle christlichen Schuhliändler gegen Unkostenvergütung abgegeben wird.“ 17. ״Mit Rücksicht auf die Einhaltung der Feiertage in gegenseitiger Selbstachtung ist zu betreiben, daß jüdische Geschäfte und deren Inhaber wie auch das Personal Zeit zu ihren Religionsübungen haben dergestalt, daß alle jüdischen Geschäfte von Freitag abend bis Sonnabend Sonnenuntergang ihre Geschäftsbetriebe geschlossen halten, in gleicher Weise, wie die christlichen Unternehmungen ihren Sonntag heilig halten. Die Symbole christlicher Religionen zu den christlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten, Fronleichnam, Konfirmation und Romnmnion dürfen von jüdischen Geschäften zu Reklamezwecken nicht mehr benutzt werden, ebensowenigwie christliche Geschäftsleute bei Reklamen Etrogin beim iüdisclien Laubhüttenfest reklamcweise verwenden oder Matze zu *len jüdischen Ostern.“ Wir wissen nicht, seit wann sich die Schuhhändlcr zur Aufgabe gemacht haben, um das Seelenheil ihrer jüdischen Berufsgenossen besorgt zu sein. Klar ist aber, daß ihnen darum zu tun ist, den jüdischen Berufsgenossen wirtschaftlich zu ruinieren und aus der Konkurrenz auszuschalten. Wir hoffen, daß die hier wiedetgegeber.cn Anträge vom Verbandstag nicht angenommen werden werden. Aber schon als ״Scherz“ sind sie — wenigstens von unserem jüdischen Standpunkt aus gesehen — recht verletzend. Und wir zweifeln, ob dies 4er rechte Weg ist, am die Wirtschaft so tüchtig zu beleben, wie wir alle es wünschen. Bcaditcn Sie den Bestellschein auf der letzten Seife! Bestellen Sie das Buch ״Ja-Sagen mm Judentum!** Sensationsmeldungen um Botschafter Dodci . ,Die ״Jüdische Rundschau“ brachte in Nr. 55 unter ״Kleine Nachrichten“ die JTA-Meldung aus New York, wonach Botschafter Dodd gesagt haben soll, er habe in bezug auf die deutschen Juden bestimmte Instruktionen. Die Nachricht, deren Zweifelhaftigkeit in die Augen sprang, wurde von an• deren Zeitungen sensationell aufgebauscht. Der ״Völkische Beobachter“ vom 14. d. M. reagierte darauf, indem er zu• nächst die vom ״Hamburger Israelitischen Familienblatt in fettester Schrift“ gebrachte Meldung abdruckt und hinzufügt: ״Soll daraus entnommen werden, daß die Juden in Deutschland auf eine amerikanische Einmischung in innerpolitische deutsche Verhältnisse hoffen?“ Nach Hinweis auf die Rassenfrage in Amerika fährt der ״V.B.״ fort: ״Es wird interessant sein, Näheres über die Meldung zu erfahren. Im übrigen ist cs mehr als merkwürdig, daß eine Zeitung auf diese ,Weise versucht, einen Druck auf den Botschafter einer fremden Macht auszuüben.“ In einer am 14. d. M. abgehaltenen Pressekonferenz in Berlin hat dann Botschafter E)odd, wie zu erwarten war, die Nachricht in aller Form dementiert. Der ״Volk. Beob.“ vom 15. d. M. berichtet darüber: ״Von besonderem Interesse war, daß der Botschafter die Behauptung, er habe bestimmte Instruktionen, von denen er hoffe, daß sie zu einer Verbesserung der Lage der Juden in Deutschland führen würden, als jeder Grundlage entbelirend und völlig frei erfunden bezeichnete. Wir hatten bekanntlich gestern eine Meldung des ״Israelitischen Familienblattes“ wiedergegeben, die eine derartige Behauptung enthielt. Durch die Erklärung des Botschafters ist neuerdings erwiesen, in welch skrupelloser Weise noch heute die jüdische Presse völlig erfundene Nachrichten laueiert und versucht, fremde Diplomaten für ihre Zwecke duzuspannen.“ Dieser vorauszusehende Ausgang der Sache ist weder für den Botschafter noch für die Juden angenehm. Man sollte daraus lernen, mit Sensationsmeldungen vorsichtig zu sein- ״Ausschaltung aus . . " Die ״Chemnitzer Neuesten Nachrichten“ vom 12. d. M. berichten liber die erste Sitzung der Oewerbekamnter Chemnitz. In dem Bericht heißt es u. a.: ״Die Kammer erklärte sich gegen die Ausbildung arlscher Lehrlinge durch jüdische Lehrherren, jüdische Angestellte und in jüdischen Betrieben. Die Gewerbekammer tritt ein für Ausschaltung jüdischer Menschen aus Handwerk, Handel und Gewerbe. Eine bcsondere Regelung auf diesem Gebiete ist noch abzuwarten.“ Wenn jede Volksgruppe die Ausschaltung der Juden aus ihrem Tätigkeitskreis fordert, bleibt die Frage zu beantwarten, auf w׳el ehern Gebiet die Juden eigentlich erwerbstätig sein sollen? Vom Mindcrheitenkongrelj Paris, 16. Juli. (J.T.A.) Das Comitö des Delegations Juives In Paris, dessen Vorsitzender Leo Motzkin Vertreter der jüdischen Minderheiten im Präsidium des Kongresses der europäischen Nationalitäten (Minderheitenkongreß) ist, hat vom Hauptausschuß des Minderheitenkongresses, der vor kurzem in Wien tagte, folgendes vom Präsidenten Dr. Wilfan und vom Generalsekretär Dr. Amende unterzeichnetes Schreiben erhalten: ,,Die Tagung des Hauptausschusses des Minderheitenkongresses wurde heute geschlossen. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die unerschütterliche Solidarität der Minderheitengruppen Europas betont und erklärt wird, daß alle in den Reihen der Minderheitenbewegung vereinigten Minderheiten ebenso wie bisher an den Grund- Prinzipien fcsthalten, die der Minderheitenkongreß in dm acht Jahren seines Bestehens vertreten und für die er seinen Kampf geführt hat.“ Die Untersuchung des Mordes Ueber der Untersuchung in der Mordsache Arioso 10־fl in Palästina schwebt nach wie vor vollständiges Dunk e 1. Die Polizei hält die bisherigen Ergebnisse streng ge- ׳heim. Eine Anzahl von Zeitungen, insbesondere die jüdisehen Zeitungen Polens, veröffentlichen dauernd widersprechende Depeschen aus Palästina. Alle diese Nachrichten sind jedoch, da nicht authentisch, mit größter Vorsicht aut'zunehmen. Der Korrespondent des Warschauer ״Hajnt“ berichtet, daß der verhaftete S t a w s k y zusammen mit 18 anderen jungen Leuten, die ihm ähnlich sehen, einer Anzahl von Zeugen gegeniibergestellt wurde. Einige Zeugen sollen Stawsky erkannt und behauptet haben, sie hätten ihn am Abend des Mordes in Tel-Awivv am Strand gesehen. Dieselbe Zeitung will erfahren haben, daß die Untersuchung?;- behörden zu der Ansicht gelangt sind, der Mord sei von einer Gruppe von 7—8 Menschen organisiert gewesen. Die von einzelnen. Zeitungen verbreitete Nachricht, es seien zwei Araber im Zusammenhang mit der Mordsache verhaftet worden, wurde sofort von der Polizei kategorisch d e - mentiert. Die revisionistischen Zeitungen veröffentlichen gleichfalls eine Anzahl Nachrichten, aus denen hervorgehen soll, daß der Verdacht gegen Stawsky unbegründet sei. Bis zum Vorliegen eines amtlichen Berichtes ist es daher unmöglich, sich ein Bild von den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung zu machen. ¥ Jerusalem, 10. Juli, (J.T. A.) Das Gericht von Tel- Awlw hat über den 19iährigen Juda Minz, Mitglied der revisionistischen Jugendorganisation Brüh Trumneldor, im Zusammenhang mit der Untersuchung zur Aufklärung des Mordes an Dr. Arlosoroff eine ein wöchige Untersuchungshaft verhängt, und zwar zu Vernehmungszwecken. Ein Telegramm der Reichsvertretung. Mehrere Tages- Zeitungen teilen mit, daß die Reichsvertretung der deutschen Juden und die Jüdische Gemeinde zu Berlin folgendes Telegramm an Lord Melehett gerichtet haben: ״Wir widersprechen aufs entschiedenste erneuten Boykottbestrebungen, die für bevorstehenden Wirtschaftskongreß nach Pressenachrichten in Aussicht genommen sind. Wir verlangen, daß — wenn K«ngreb nicht überhaupt abgesagt wird — von solchen Deutschfand schädigenden Aufforderungen und Beschlüssen unbedingt abgesehen wird. Reichsverlretung der deutschen Juden, Jüdische Gemeinde zu Berlin.“ Der Kongreß ist inzwischen bekanntlich vertagt worden. In dem Presse-Communiqut heißt es weiter: ״Die jüdischen Organisationen werden, wie aus ihren Kreisen verlautet, auch weiterhin gegen Veranstaltungen mit Tendenzen, die sich gegen die deutsche Wirtschaft richten, aufs entschiedenste Stellung nehmen.“

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