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Jüdische Rundschau · 1933-07-14 · Heft 56 (14.7.1933) · p. Seite 335

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 56 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
Seite 335 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 56. 14. VII. 1933 JODfSCHE RUNDSCHAU Seite 333 Palästina -Wirtschaft Levante-Messe in Tel-Awiw 1934 Von Dr. J. Adler, Tel-Awiw. Jerusalem, 11. Juli. (J. T. A.) High Commissloner Sir Arthur Wauchope empfing dieser Tage den Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, der ihm über die Vorbereitungen zur Levante-Messe und Ausstellung 1934, Ober die der High Commissioner das Patronat übernommen hat, Bericht erstattete. Der High Commissioner bewies großes Interesse für den Bericht und versprach, demnächst das Ausstellungsterrain zu besuchen. Die nächste Levante- Ausstellung wird dadurch ein besonderes Gepräge erhalten, daß sie mit dem 25jä:.r;gcn Jubiläum der Stadt Tel-Awiw zusammenfällt. Ueber die Vorbereitungen zur Messe berichtet nachstehend unser Mitarbeiter. Mustermessen sind in der Nachkriegszeit ein unentbehrliches Hilfsmittel der Absatzvverbung des Fabrikanten und der Bedarfsdeckung des Groß- und Einzelhändlers geworden. Auch die aufbliihendc Volkswirtschaft des modernen Palästina hat rechtzeitig den Wert einer zweckmä lügen Messe-Organisation erkannt. Vor sieben Jahren fand in Tel-Awiw die erste Levante-Messe statt, zunächst ein schüchterner Versuch, dessen Umfang heute ebenso ,,historisch“ anmutet wie Pläne und Bilder des Tel-Awiw von damals. Seitdem hat der rapide Aufschwung der neuen Industrie- und Handelsmetropole am östlichen Mittelmcer auch die Levante-Messe mit aufwärts getragen. Zwar hielt sie sich auch beim zweiten- und drittenmal noch in verhältnismäßig engem örtlichen Rahmen. Aber bereits die vierte Levante-Messe, die 1929 stattfand, brachte es auf 330 Aussteller — 239 aus Palästina und 121 aus dem Ausland (14 Staaten) —- und auf 120 000 Besucher, ein Ergebnis, das durch die fünfte Messe im Jahre 1932 noch in den Schatten gestellt ward: 405 palästinensische Aussteller, 821 ausländische Aussteller (24 Staaten) und 285 000 Besucher, wobei der Messeumsatz auf annähernd 100 000 pal. Pfund geschätzt worden ist. Da man sich aus reiflich erwogenen Gründen dafür entschieden hat, die Levante-Messe Tel-Awiw — übrigens die einzige und daher besonders attraktive Mustermesse im gesamten vorderen Orient — vorläufig alle zwei Jahre abzuhaiten, so ist nunmehr in letzter Zeit die Vorbereitung der sechsten Messe für das Frühjahr (voraussichtlich Mai) 1934 akut geworden. Die wichtigsten Fragen sind schon beantwortet. War bisher die Wahl des endgültigen Standorts der Messe noch in der Schwebe gewesen, so daß man sich mit provisorischen Hallen auf einem Platze in der Nah« des Bahnhofs behalf, so ist nunmehr ein permanentes Messegelände mit Dauerbauten fesfgelegt, ein Plan, der sich harmonisch in die Stadterweiterung Tel-Awiws einfügt. Das Gelände befindet sich im Norden Tel-Awiws, in unmittelbarer Verbindung mit dem Makkabi-Stadion, an der Mündung des Varkon, auf der Landzunge, die vom linken Flußufer einesteils, von der Mittelmeerküste andernteils gebildet wird. Während 1929 die Messe erst 25 000 Quadratmeter bedeckte und 1932 bereits 50 000 qm, sind jetzt 100000 qm vorgesehen und darüber hinaus Reserveflächen für künftige Ausdehnung bereitgestellt. Der Optimismus der Messeleitung, der sich darin kundgibt, erscheint nicht un- ,begründet. Mag die Investierungs- und Technisierungskonjtinktur natürlich in dem Einwanderungslande Palästina ganz bcsonders zutage treten, so sind doch ähnliche Tendenzen, die dem Einfluß der allgemeinen Weltwirtschaftskrise mildernd entgegenwirken, auch in den Nachbarländern vorhanden, wo allenthalben Probleme der Vcrkehrsvcrbcsserung, der Kraft- Versorgung, der Bodenmelioration und der Assanierung auf der Tagesordnung stehen. Eine Fülle neuer Bedürfnisse ist zu verzeichnen, die ihren Einkaufsmarkt dort suchen werden, wo er sich am nächsten, bequemsten und vollkommensten darbielet. Das ist die Chance Tel-Awiws. Die Messeleitung tut klug daran, daß sie in der sachlichen Gliederung auch diesmal den wichtigsten Gruppen des mittelöstlichen Importbedarfs folgen wird: Baustoffe, Maschinen und Elektrotechnik für Industrie, Handwerk und Landwirtsehalt, Transportmittel — besonders Kraftfahrzeuge — und Textilien. Auf der anderen Seite wird dem abendländischen Einkäufer eine Fülle levantimscher Exportprodukte vorgeführt werden, mit dem heute wichtigsten Ausfuhrartikel Palästinas, der Orange, beginnend. Schließlich hat die Messe es sich zur Aufgabe gemacht, den jungen und für die Nachbarländer schon recht bedeutsamen Fertigwarenindustrien Palästinas eine eindrucksvolle Werbung zu ermöglichen. De- Generalbebauungsplan des neuen Messegeländes ist so weit gediehen, daß schon demnächst der Grundstein für den ersten ständigen Messepalast, den ״Britischen Pavi Hon“, gelegt werden wird. In Tel-Awiw baut man bekanntlieh verblüffend rasch. So werden die Hallen pünktlich zu Messebeginn vollendet sein, darunter auch das künftige Glanzstück neupalästinensischcr Architektur, die Haupthalle der Messe, zugleich Stadthalle Tel-Awiws, und die Räume für den Kurhaus- und Kasinobetrieb des mondänen Seebads Tel- Awiw enthaltend, denn die P!ä!1e der Stadterweiterer i!n Rathause an der Bialikstraße sind von kühner Perspektive: Das neue Messegclände wird den lange entbehrten großen Stadtpark mit umschließen, und ״Tel-Awiw Beach“ soll die ״Riviera des Ostens“ werden. Allzu verwegene Träume? Aber wer von den 300 Menschen, die 1909 auf den Dünen nördlich Jaffas ihre bescheidenen ״Villen“ errichteten, hätte damals zu hoffen gewagt, daß das ,,silberne Jubiläum“, 1931, von einer Stadt gefeiert werden würde, die von der 100 000-Grenzc nicht mehr weit entfernt ist! Wagemutige Pläne — und zähe Arbeit; beides vereinigt ergibt Tel-Awiw. Daraus wird auch die Kraft resultieren, die neue Einwanderung produktiv ins Ganze einzugliedcrn. Unter den Erwartungen, die man mit der Levante-Messe Tel-Awiw 1934 verknüpft, ist gerade die besonders wichtig, daß man vom Messcverlaut genaue Fingerzeige für die Etablierung neuer Betriebe und Erwerbszweige zu erhalten wünscht. Die geplante Palästina «Anleihe London, 12. Juli. (J.T. A.). Im Unterhause richtete Colonel Wedgwood an den Minister für die Kolonien, Sir Philip C u n I i f f e - L i s t er, die Frage, ob schon eine Ent- Scheidung betreffend die Verwendungsart der geplanten Palästina-Anleihe getroffen worden sei, insbesondere, ob darauf Bedacht genommen wurde, daß das aufgewandte Kapitai unbedingt produktiven Zwecken zugeführt werde. Der Kolonienminister erklärte, er werde in der Freitags- Sitzung des Unterhauses im Verlauf der Debatte über das Budget des Kolonialamtes eine Erklärung zu dieser Frage abgeben. Es wird erwartet, daß sich dieser Erklärung eine eingehende Debatte über Palästinafragen anschließen wird. Deutsche Juden als miiielsiändisdhe Kleinsiedler Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 3. Juli 1933. Vor einiger Zeit hatte der Jüdische Nationalfonds (Bodenfonrls der Zionistischen Organisation) eine neue Bodenfläche in Samaria erworben und sie für Besiedlung aufgeschlossen. Die Böden wurden unter verschiedene Gruppen aufgetcilt, von denen einige zum Mittelstand, andere zur Arbeiterschaft gehören. Ein Rest des Areals wurde auf Verlangen der Palästina- Regierung an Beduinen verpachtet, die früher in dieser Gegend sich aufgehalten hatten und sicht vveigerten fortzuziehen. Der Pachtvertrag ist nun abgelaufen und die Regierung hat den Boden räumen lassen. Er steht jetzt für Besiedlung frei. Der Nationalfonds hat das Areal zwecks Organisierung der Besiedhing an ״Jachin“, eine Genossenschaft für landwirtschaftliche Unternehmungen mit beschränkter Haftung, übergeben. Diese hat 50 Siedlerstellen für Ansiedler aus Deutschland freigemacht und einen genauen Kolonisationsplan für das Gelände aufgestellt. Die Böden des Nationalfonds sind unverkäuflich und blciben für immer Eigentum des jüdischen Volkes. Sie werden zur Bearbeitung in Erbpacht vergeben, d. h. der Siedler kann sie nicht verkaufen, sie jedoch, solange er auf dem Lande sitzt, an seine Kinder und Kindeskinder weitergeben und — abgesehen vom Verkauf — denselben Nutzen von ihnen ziehen, als wenn sie sein privater Besitz wären. Er hat auch die Möglichkeit, den Vertrag mit den! Nationalfonds zu lösen, der den Boden dann zur Pacht in andere Hände gibt. Bei den heute üblichen hohen Bodenprciscn ist es für Siedler mit relativ beschränkten Mitteln eine große Erleichterung, wenn sie die Summe für den Bodenkauf sparen und sich mit dem niedrigen jährlichen Pachtzins an den Nationatfonds begnügen können. ״J a c h i n“ ist eine von der Arbeiterorganisation gesebaf- Jene Genossenschaft zur Ausführung landwirtschaftlicher Arbeiten. Sie hat sich in den Jahre!! ihres Bestehens im Lande einen Namen als eine der größten und solidesten Pflanzungsgesellschaftcn gemacht. Die Genossenschaft hat ihr Augenmerk nicht nur auf die Anlage von Pflanzungen gerichtet, sondern sich auch bemüht, ihre Klienten so zu organisieren, daß sie für geschlossene Siedlungen geeignet sind. Der Plan, der jetzt für deutsche Einwanderer aufgestellt ist, baut sieb auf den Erfahrungen der letzten Jahre auf und ist speziell darauf zugeschnitten, daß die Siedler sogleich mit der An- Siedlung beginnen können und schon in den ersten Jahren durch ihre Arbeit ein Minimum für ihre Existenz herauswirtschäften. Der Plan von ״Jachin“ gründet sich auf gemischte Wirtschaft; d. h. er geht davon ab, den Betrieb auf ein Produkt, nämlich Orangen festzulegen, sondern stellt von vornherein die Hälfte des verfügbaren Boden für andere Wirtschaftszweige (Geflügel- und Futterbau, Milchwirtschaft, eventuell Bienenzucht) zurück. Dadurch soll vermieden werden, daß der Siedler völlig von einem Zweig der Wirtschaft abhängig ist, und zwar von einem Produkt, das auf Export angewiesen ist und daher von den Schwankungen des Weltmarktes in hohem Maße beeinflußt wird. Die Einführung weiterer Zweige in den Betrieb ist von um so größerer Wichtigkeit, als sich bereits in Palästina Stimmen erheben, die von einer zu raschen Expansion im Orangenbau warnen. Der Boden für die Siedlung liegt in Wadi Chawarith, einem Block, der an die Böden von Chederah grenzt. Hier sind neun neue Kolonien im Entstehen, die 1000 Familien umfassen werden. Bis nach Haifa, der Hafenstadt im Norden, die zum wichtigsten Handelsplatz dos Landes vorbestimmt ist und den Export der Zitrusfrüchte an sich zu ziehen beginnt, sind es 48 km Entfernung. Bis nach Tel-Awiw im Süden, dem Zentrum jüdischer Initiative, 33 km. Die Chaussee von Haifa nach Tel-Awiw, die jetzt im Bau ist, wird durch den Block von Wadi Chawarith führen und die wichtigste Verkehrsader der Gegend bilden. Seit der Besetzung von Wadi Chawarith durch Juden sind außerordentliche Fortschritte gemacht worden. Es sind Brunnen gebohrt, Pflanzungen angelegt, Häuser und Wege gebaut worden. Den Siedlern dieses Blocks standen die Erfahrungen von Jahrzehnten zur Verfügung und dadurch sind sie instand gesetzt worden, rasch und sicher vorwärts zu kom men. Das Bodenmaß für eine Wirtschaft umfaßt 20 Dunam und ist so angenommen, daß ein Siedler die Fläche mit seiner Familie bearbeiten und davon leben kann. Die Hälfte dieser Einheit ist für Zitruspflanzungcn bestimmt, drei Dunam für Haus und Hof, sieben Dunam für Gemüse- und Futterbau. Jachin übernimmt die Anlage der Pflanzung und ihre Bearbeitung bis zur Fruchtreife, d. h. im Laufe vor! fünf Jahre״. Dieses Arrangement ist hei den Kontrakten von Jach in üblich und entspricht den Anforderungen der meisten Pflanzer. Denn sie bleiben in der Regel im Auslände oder in einer der paUistinensischen Städte, bis die Pflanzungen beginnen Ertrag zu geben und übernehmen erst dann den Betrieb. Da es aber für die deutschen Siedler wichtig ist, nicht warten zu müssen, sondern sobald als möglich auf den Boden zu kommen, hat Jachin für diesen Spezialfall den Plan gehndert. Die Bepflanzung des Bodens beginnt im Oktober dieses Jahres und Jach in verpflichtet sich, die Siedler bei den Arbeiten in diesein Block zu beschäftigen. Außerdem bietet sich ihnen die Möglichkeit, beim Häuserbau der Kolonie und bei öffentlichen Arbeiten — Wegebau, Drainage — Beschäftigung zu finden. Dadurch ergeben sich zwei Vorteile. Die Siedl er lernen arbeiten und erhalten dabei die nötige Anleitung und sie können sofort etwas verdienen. Außerdem wird ihnen die Möglichkeit gegeben, auf den restlichen zehn Dunam, die nicht unter Pflanzungen gelegt werden, ihr Haus zu bauen und ihre Wirtschaft ein zurichten. Bei Gemüse- und Futterbau, Geflügel- und Bienenzucht schafft sich der Siedler dann einen Teil seiner für den Haushalt nötigen Produkte und hat daneben die Möglichkeit, die Ueberschiisse zu verkaufen. Die rasche Entwicklung von Wadi Chawarith wird die Organisierung des Marktes crieirhfern und der Transport in die Städte ist mit Leichtigkeit zu bewerkstelligen. Als Kapital für eine solche Ansiedlting sind rund gerechnet £ 1000 erforderlich. Sie teilen sich folgendermaßen auf: zehn Dunam Pflanzung gegen £ 600. ein Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude gegen £ 160, Einrichtung der Wirtschaft (zusätzliche Wasserinstallaiion, Geräte, lebendes Inventar usw.) gegen £ 140. Außerdem hat der Siedler an den Nationalionds eine Anleihe von £ 120 für den Bodenkauf zu geben, I Palästina ־ Bilderbeilage der ״Jüdischen Rundschau“ wird der nächsten Dienstag-Nummer befliegen. die der Fonds in den Jahren 1938/39 mit einer Verzinsung van 5 «,0׳ zurückzahlt. In den ersten Jahren hat der Siedler zur Bestreitung seiner Lebenskosten seinen Arbeitslohn und die Einkünfte seiner Erwirtschaft, vom fünften Jahre an kommen dazu die Erträge aus der Pflanzung. Der hier skizzierte Plan ist von Dr. Ru pp in, dem Vorsitzenden der Kommission für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, und von Dr. Pinn er und Dr. Bruenn, beide Mitglieder der gleichen Kommission und Leiter der Jaffa Plantation Ltd. geprüft und für gut befunden worden. Eine derartige Ansiedlung verspricht dem Einwanderer eine sichere Existenz. Sie verlangt kräftige Menschen, die bereit sind zu arbeiten und zu lernen und setzt, für die ersten Jahre, eine gewisse Primitivität der Lebensführung voraus. Sie empfiehlt sich daher vor allem für jüngere Menschen, die entweder schon eine landwirtschaftliche Vorbildung besitzen oder fähig sind, sich umzustellen und bei ihrer Uebersiedlung nach Pa- Iästina einen neuen Beruf zu ergreifen und ein neues Leben anzufangen. Palestine Eledrlc Corporation zahlt 8% Dividende Auf der in London abgchaltenen Generalversammlung der Palestine Electric Corporation wurde beschlossen, für das Jahr 1932 eine Dividende von 8׳V0 zur Ausschüttung zu bringen und junge Aktien im Verhältnis von 1 : 10 auszugeben. Aus dem Bericht der Geschäfisleitung ging hervor, daß der Rohertrag im abgelaufencn Jahre, einschließlich eines Vortrags aus dem vorangegangenen Jahr CP 4,328, .CP 87,S31 betrug. Das im Juni 1932 erölfnctc Jordan-Kraftwerk hat zufriedenstellend gearbeitet. Ungeachtet der bedeutenden Ermäßigung des Strompreises vom |amtar 1932 an sind die Brutto-Einnahmcn von CP 139,673 i. J. 1931 auf £P 145,512 i. J. 1932 gestiegen. Die Zahl der Stromabnehmer ist um 3084 auf 15 113 gestiegen. Die Hochspannungsleitungen wurden um 65 Kilometer verlängert, so daß das Hochspannungsleitungsnetz jetzt 291 Kilometer umfaßt. Die Normal- Stromleitungen sind um 59 Kilometer auf 294 Kilometer verlängert worden. Das gesamte Leitungsnetz umfaßt nunmehr 762 Kilometer. Für das Jordan-Kraftwerk wurde eine dritte Wcchselstromturbine bestellt, deren Aufstellung im September d. J. erfolgen soll. Die Gesamtkapazität der der Corporation gehörenden Kraftstationen wird sodann 32 925 PS betragen. Verbesserungen Im Verkehr Europa — Palästina Wie wir erfahren, hat sich der Lloyd Triesfino nunmehr endgültig dazu entschlossen, zwei neue Motorschiffe mit einer Wasserverdrängung von je etwa 8000 Tonnen für den Verkehr Triest-Palästina in Dienst zu stellen. Die beiden Schiffe werden dazu imstande sein, die Strecke Triest—Jaffa innerhalb von zirka 75 Stunden zurückzulegen, während die jetzt im Dienst befindlichen Schiffe des Lloyd Triesfino hierfür 114 Stunden brauchen. Der Zeitpunkt der Indienst- Stellung steht noch nicht ganz genau fest, man rechnet aber damit, daß sie irn Laufe der nächsten Monate erfolgen wird. Fernerhin ist geplant, daß die Cunard-Lirte einen regelmäßigen Schnelldienst, der seinen Ausgangspunkt an der amerikanischen Ostküste nimmt und über Marseille und Genua bzw. Neapel zu den palästinensischen Häfen führt, einrichten wird. Mit der Verwirklichung dieser Pläne ist sehr bald zu rechnen. Der Cimard-Line liegt offenbar daran, den wachsenden Verkehr /,wischen den Vereinigten Staaten und Palästina in die Hand zu bekommen. Erwähnenswert sind schließlich die Pläne, die darauf hinaus!,־rufen, von jugoslavischcn Häfen aus — genannt wird unter anderem Suschak — einen regelmäßigen Schnellverkehr irn 10-Tage-Turnus mit Palästina einzurichtm. ln Zusammenhang hiermit ist auch an die Beteiligung sonstiger europäischer Schiffahrtsünien gedacht, die eventuell ihre Schiffe in die Linie einbringen würden. Die Verhandlungen hierüber befinden sich aber noch in den Anfangsstadien und werden wohl sobald nicht zum Abschluß gelangen. Handwerker mit Kleinkapital Das Berliner Palästina- Amt teilt mit: Für ausgebildcte Handwerker mit einem Kapital von £ 250 (ca. R.M. 3700) besteht die Möglichkeit auf Beautragung eines Einwanderungs-Visums der Kategorie A 3. Bei dem Begriff ״Handwerker“ müssen die Grenzen Verhältnismäßig eng gezogen werden, d. 11., es kommen nur wirkliche Handwerker in Frage (z. B.: Tischler, Maurer, Schneider usw.) und nicht etwa verwandte Berufe (wie 1. B. Masseure, Dentisten usw.). Das Visum gilt für den Antragsteller, dessen Ehefrau und Kinder unter 18 Jahren. Altersbeschränkungen bei dieser Kategorie bestehen nicht. Es wird nur ein erwerbsfähiges Alter vorausgesetzt. Die Abteilung ״Handwcrker-Alijah“ des Palästina-Amtes Berlin übernimmt in geeigneten Fällen die Bearbeitung entsprechender Anträge und die Erledigung sämtlicher damit verbundener Formalitäten. Sprechstunden: täglich von 9—12 Uhr vormittags, außer Sonnabend und Sonntag. Zuschriften sind zu richten an: Palästina-Amt, Abt. Handwerker-Alijah, z. H. Walter Tempel. Berlin W 15, Meinekestr. 10, Tel. J 1, 7165. Pressescbaa Die konservative Londoner ״M o r n i ת g Post“ veröffentlicht am 6. Juli einen Artikel ״Frieden und Wohlstand in Palästina“ von Sir T. Co myn ■Platt. Der Verfasser, der früher dem englischen diplomatischen Dienst angehörte, berichtet über den fast an ein Wunder grenzenden Fortschritt, den Palästina in den letzten zwanzig Jahren genommen hat. Während damals Palästina ein asiatisches Land unter türkischer Herrschaft war, wo selbst die Reiseverhältnisse höchst unsicher waren, ist es heute ein vorbildlich verwaltetes Land mit geordnetem Handel und Wandel, einem überaus starken Automobilverkehr und einer aufblühenden Wirtschaft. Der palästinensische Araber, so erklärt der Verfasser, ist ״kein Narr“, und da er jahrhundertelang in größter Armut gelebt hat, versteht er jetzt die Vorteile der Wirtschaftsbelehung, die durch die jüdische Einwanderung gebracht wird. Ohne die Juden wären die Araber im Eiend geblieben. Zum Schluß seiner begeisterten Beschreibung wirft der Verfasser die Frage auf, was in der Zukunft sein wird, da nach seiner Meinung kein östliches Volk imstande ist, sich nach westliehen Methoden selbst zu regieren. Gegenwärtig hätten weder Juden noch Araber den Wunsch, die britische'Herrschaft beendet zu sehen.

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