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Jüdische Rundschau · 1933-07-14 · Heft 56 (14.7.1933) · p. Seite 334

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 56 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
Seite 334 (sequence 4)
Language
German
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Seite 332 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 14 VH. 1933 Ruf nach Führung Von L. Marx Wir gehen den nachstehenden Ausführungen eines geschätzten Einsenders gern Raum, 1 peil, wie wir auch aus anderen Einsendungen und Zuschriften wissen, die von ihm vertretene Anschauung keineswegs vereinzelt ist, sondern einem immer allgemeiner werdenden Gefühl entspricht. Wir glauben, daß aus diesen Zeilen keine Angriffe gegen in ihrer Art verdiente Persönlichkeiten, sondern echte Sorge um das Schicksal des deutschen Judentums in dieser Zeit kcrausgclesen werden müssen. Red. Den Juden Deutschlands sind in HO Tagen viele Positionen genommen worden, die sie in 100 Jahren errungen hatten. Aber dafür wurde ihnen eines gegeben, was den meisten von ihnen all diese 100 Jahre gefehlt hatte: die Ueberzeugung, daß es ihre Sache ist, das jüdische Leben zu gestalten, und das Bewußtsein der Verpflichtung gegenüber den kommenden Geschlechtern, die diese Aufgabe in sich schließt. Das kann kein Trost sein und kein Ersatz für Verlorenes, aber es ist eine Tatsache. Es ist traurig, daß es all der schweren Schicksalsnot dieser Tage bedurfte, uni endlich allen deutschen Juden das Wissen einzuhämmern — und sind es wirklich schon alle, die es wissen? —, daß es Sache der Juden sei, als Juden jüdisch zu leben. Aber es ist eine Tatsache. Dreifach stellt sich die alt-neue Aufgabe dar: Sie fordert menschliche Hilfe, wo immer sic nottut. Sie fordert Erziehung im weitesten Sinn. In erster Linie aber fordert sie F u h r u n g. — Die erste Forcierung wird mit aller denkbaren Bereitschaft nach Vermögen erfüllt. An Hilfe haben es Juden luden — 11ml anderen — gegenüber nie fehlen lassen. Sie wird als selbstverständlich empfunden und cs sind Kräfte genug da, die sich dafür zur Verfügung stellen. Die zweite ist das ceterurn cciisco der ,.Jüdischen Rundschau“ geworden, kann also hier und heute füglich 'übergangen werden. Aber der Schrei 11;1 e 11 F ü h r 11 n g kann nicht laut genug erhoben werden. Indes — ist er denn berechtigt? Haben wir nicht wer weiß wie viel tadellos arbeitende Organisationen, haben wir nicht die Reidisvcrtretung, und stehen nicht überall treffliche, kluge und allen Vertrauens würdige Männer an der Spitze, deren langjährige Erfahrung, deren Beziehungen und deren soziale Stelhing volle Bürgschaft dafür gewähren, daß die Wahrung unserer Interessen in den besten Händen liegt? Gewiß, das alles stimmt aufs Haar. Nur leider stimmt auch das: daß in der ganzen entscheidenden Zeit seit der Machtergreifung durch die jetzige Regierung unsere inneren Angelegenheiten nicht um eines Haares Breite vorwärts gekommen sind. Dali wir inmitten der brausenden Sturme einer Revolution von ungeheurer Tragweite wie auf einer Insel sitzen, von der die rings um uns tobende Brandang zwar Tag für Tag ein Stück wegfrißt, auf der wir aber genau so weiterleben, als ob nichts geschehen wäre und nichts geschehen könnte. F.s ist kein Deichhauptmann da, der das Volk zusammenriefe und jeden an seinen Platz, stellte, um Verwahrungen zu bauen. Es ist kein Turm zu sehen, von dem ein Leuchten ausginge, und an dessen stummer aber iinzerstörbarer Wucht sich die Stürme brächen und zuletzt besänftigten. Mit einem Wort gesagt: esfchlt die Führung — die sichtbare Führung. Die Bewegung, die jetzt die Geschicke Deutschlands bestimmt und damit auch das äußere Schicksal der deutschen Juden, ist eine junge Bewegung. Was ihre Führer vielleicht am entscheidensten kennzeichnet, das ist ihr Jungsein, ihre unverbrauchte, keinen Kompromiß und keine Rücksicht kennende Kraft. Die Männer dagegen, die unsere Angelegenbeiten zu vertreten haben, zeichnen sich, mit geringen Ausnahmen, durch die Würde und die ausgeglichene Weisheit des Alters aus. Und hier scheint uns ein wesentlicher Grund ihres Versagens — es muß schon erlaubt sein, in aller Ehrerbietu!1g und ohne Vorwurf dieses Wort auszusprechen — zu suchen zu sein. Es ist der Unterschied der Generationen, der hier zutage tritt, ln der deutschen Revolution ist etwas zum Durchbruch gekommen, was mit Fug als Welt von heute bezeichnet werden kann, während bei uns Juden — nicht von den Einzelnen, nicht von zerstreuten Stimmen, die hier und dort, und besonders deutlich sichtbar und vernehmbar in der ,,Jüdischen Rundschau“ laut werden, wird hier gesprochen, sondern von den Kreisen, die nach wie vor die Verantwortung für das Leben der jüdischen Gemeinschaft tragen — die W e 11 v o n g c s t e r n am Ruder ist. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß■ es nicht die höhere oder geringere Zahl der Lebensjahre ist, um die es hier geht. Wir haben 50-jährige, die schon von je Wegbereiter der jiidisehen Zukunft waren, und 30-jährige, die das Gestern in sich nie überwinden werden. Es steht außer Frage, daß unsere lei- E nden Männer durchaus nach Willen und Weltanschauung der .Mehrheit der deutschen Juden auch heute noch gemäß sind, aber 'ic Welt von heute“ hat mit dem Cieitungsrecht der Mehriwit gründlich aufgeräumt. Sie hat es durch das Prinzip der Führung ersetzt. Sie hat außerdem die Bl utsverbund cn• heit, die Rasse in einem neuen, vorher nie gekannten Ausmaß zur Grundlage aller Staatspolitik gemacht. Kurz gesagt, sie spricht eine Sprache, die von der Sprache des Gestern so vorschieden ist, daß zwischen beiden keine Verständigungsmöglichkeit besteht. Dies scheint man bei uns Juden noch nicht zu wissen. Demi nichts von dem wenigen, was überhaupt bei uns geschieht, scheint der Tatsache Rechnung zu tragen, daß sich inzwischen die Welt verändert hat. Das müssen sich alle jene, die auf ihr Deutschsein, ihre Vaterlandsliebe, ihre Verdienste um Deutschland pochend, die Regierenden umstimmen zu können glauben, in oft genug besdiä- . mender und kränkender Weise immer wieder sagen lassen, vorausgesetzt, daß man sie überhaupt einer Antwort würdigt. Die Welt von heute will nicht mit der Welt von gestern sprechen• Diese ist ganz einfach für sie erledigt. Wo sie innerhalb des deutsch-christlichen Lebensraums noch zu Tage tritt, wird sie mit eisernem Besen weggekehrt. Bei uns Juden, die ja aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden sollen, wird sie ignoriert, weil wir als eine Gruppe von Fremden angesehen werden, an deren inneren Angelegcnhciten der neue Staat nicht interessiert ist. Wäre dies anders — wäre auch bei uns Juden die Stimme der heutigen Welt an führender Stelle vernehmbar, so könnte es nicht ausbleiben, daß man nach und nach auf sie aufmerksam werden und sich zu einem Gespräch mit ihr entschließen würde. Es gäbe Punkte genug, über die man sich, wenn die Grenzen abgesteckt sind, verständigen könnte. Esist undenkbar, daß eine nach innen erträgliche, nach außen beruhigend wirkende Neugestaltung der Stellung derjudenim DeutschenReichohnetätigeMit- Wirkung jüdischer Führer vorgenommen werdenkann. Es ist unerläßlich, über die Eingliederung der Juden in den neuen Staat, ihre Benifsumschidhtung und Wanderung, ihre geistige und körperliche Erziehung, über ihren Anteil an Siedlung, Arbeits- und Heeresdienst, und schließlich über ihre staatsrechtliche und bürgerliche Stellutig überhaupt eine Aussprache herbeizuführen. Freilich — dringend notwendig wäre cs, daß vorher unter uns Juden selbst über all diese Aufgaben Klarheit und Einigkeit herrschte. Aber so wie die Dinge liege!!, ist daran nicht zu denken. Die Zahl der Sehenden ist klein. Nur sie können den Weg bereiten und das tun, was eben jetzt zu tun ist. Aber dazu müßten sie die Vollmachten haben, die ihnen fehlen. Denn die Sehenden sind — von Ausnahmen abgesehen — mit den Führenden nidit identisch. Deshalb muß hier die Forderung nach einer gründlichen Wandlung in der Art der Wahrung unserer Angelegenheiten aufgestellt werden. Der einmal lautgewordene Ruf nach der berufenen Führung darf von nun an nicht mehr verstummen, so wenig wie der nach der jüdischen Schule, die wir in brauchbarer Form ja auch nur dann bekommen werden, wenn die Führung da ist, die sie aus neuem Geist heraus zu errichten und mit neuem Geist zu erfüllen imstande ist. Die Forderung ist zu verwirklichen, wenn die Männer, denen jetzt di« Angelegenheiten des deutschen Judentums anvertraut sind, den Ruf der Weisheit, der sie umgibt, redrtfertigen. Ehe Verhältnisse bei unserer übers ganze weite Reich zerstreuten Minderheit sind nicht so gelagert, daß da einer aufstehen und ״die Macht ergreifen“ könnte. Der Anstoß zur Erneuerung mag von außen her kommen. Die Stimmen, die sie fordern, gebieterisch fordern, werden sich vervielfachen. Aber das entscheidende Tun — freiwillige BeschränkurigdereigenenBefugnisseundUebertragung aller nötigen Vollmachten an einen ganz kleinen Kreis von Menschen, die den Mut, die Kraft, den Willen und den Zukunftsglauben besitzen, ohne die keine wirkliche Führung denkbar ist — Menschen, die gesucht und gefunden werden müssen, soll das deutsche Judentum nicht verkümmern und zugrunde gehen, — das ist die historische Aufgabe der Männer, die bis heute das deutsche Judentum vertreten. Videant consulcs! Hochschulen nnd nichtarische Studenten Am 16. Juni sind die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz gegen die Ueberfüllung der deutschen Selmlen und Hochschulen vom 25. April erschienen, soweit dieses Gesetz die Aufnahme der Studierenden an den Hochschu- I e n betrifft. Wie im Gesetz selber wird unterschieden zwischen den nichtarischen Erstmatrik!liierten und den späteren Semestern. Die Erstsemester erhalten nur eine vorläufige Einschreibebescheinigung und werden innerhalb der Fakultäten auf 1,5 ßo beschränkt. Für di« Gesamtzahl der nichtarischen Studierenden an jeder Hochschule ist die Höchstzahl auf 5 v. H. festgesetzt. Nach den Ausführungsbestimmungen kann jedoch der Immatrikulationsausschuß die Höchstzahlen ohne Angabe von Gründen sowohl für die Erstaufnahmen wie für die Gesamtheit der nichtarischen Studenten herabsetzen. Weiter enthält die Durchführungsverordnung Gesichtspunkte der Au s w a h 1 der aufzunchmenden und abzuweisenden Nichtarier. Von den zur ersten Immatrikulation Kommenden sind vor allem die zu berücksichtigen, deren persönliehe und wissenschaftliche Eignung zum Sfudium feststeht. Die persönliche Eignung wird darin gesehen, ״daß der Bewerber den Nachweis führt, daß sowohl er wie seine Vorfahren in engerer Beziehung zum Deutschtum gestanden haben“. Diese Formulierung ist etwas unbestimmt. Es ist wohl anzunehmen, daß hierdurch die Abkömmlinge alteingesessener Familien im Gegensatz zu Neii-Einwanderern gerneint sind. Von den schon Immatrikulierten sind in erster Linie die ersten Semester auszuschließen, wenn sie die Höchstzahl überschreiten; ferner solche, denen eine Betätigung im marxistischen Sinne nachgewiesen werden kann. Diejenigen, die bereits in der Abschlußprüfung stehen oder sich zur Prüfung gemeldet haben, sind als erste zuzulassen. Im übrigen gelten dieselben Gesichtspunkte wie für die Erstimmatrikulierten. Als ״n i ch t a r i s c h“ gilt nach Abs. 7, wer von nichfarisehen Eltern und Großeltern abstammt, wobei es genügt, ,.wenn ein Elternteil oder ein GroßeHernteil der jüdischen Religion angehört hat“. Nach Abs. 8 dagegen fallen Abkömmlinge von Ehen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen sind, nicht unter das Gesetz, wenn ein Elternteil oder beide Großeltern arischer Abkunft sind. Sie werden auch nicht aut die Anteilszahlen in den beiden Kategorien angerechnet. Der scheinbare Widerspruch beider Absätze klärt sich dadurch auf, daß jetzt praktisch alle Abkömmlinge von Mischehen (da diese Ehen ja vor Inkrafttreten des Gesetzes geschlossen sind), unter die Bestimmung des Absatzes 8 fallen, während die Definition des Abs. 7 für die Zukunft gilt. Aus Oberschlesien Die Mehrzahl der jüdischen Aerzte in Ober- Schlesien, welchen Mitte Juni sämtliche öffentliche Kassen per 1. Juli gekündigt worden' waren, ist, wie uns aus Gl eiwitz berichtet wird, durch Verfügung des Innenministeriums wieder zur Ausübung der Ortskrankenkassenpraxis zugelasscn worden. Auch in Gleiwiiz, O.-S,, ist, wie uns berichtet wird, jiidisehen Personen der Zutritt zum städt. Freischwimmbad im Wilhelmspark nicht gestattet; eine Aufschrift entsprechenden Inhalts ist in der Nähe des Eingangs über der Kasse angebracht. — Der Gleiwitzer Naturheilverein hingegen bringt in einem in seinem Richtersdorfer Freibad befindlichen Piakat zum Ausdruck, daß laut Bundesbescliluß jüdische Mitglieder nach wie vor die Anstalt benutzen können. Der Roman von Max Brod ,,Die Frau, die nicht enttäuscht“, aus dem wir in Nr. 45/46 der ״Jüdischen Rundschau“ einen Vorabdruck brachten, erscheint demnächst im Verlag Paul Zsolnay, Wien. Ill!llllllilllllll!lllllllllllllllll(llllllllllll iillll Haben Sie schon einen neuen Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau" für das neue Quartal (ab 1. Juli) geworben? Jüdische Markihändlcr in Schutzhaft Die ״Jenaische Zeitung“ berichtet. Zum Erfurter Jahrmarkt, der gegenwärtig sfattfindet, kamen, wie in früheren Jahren, viele, darunter auch ausländische, Juden mit ihren Waren. Da von weiten Kreisen nachdrücklich gefordert wurde, daß die jüdischen Händler aus dem Jahrmarktsbild der Stadt verschwinden, sah sich die Polizei gezwungen, im Laufe des Donnerstag vormittag Maßnahmen zu ergreifen, um einerseits den berechtigten Wünsehen der Erfurter Einwohnerschaft entgegenzukommen und andererseits den persönlichen Schutz der jüdischen Händler auf dem Jahrmarkt zu gewährleisten. Von der Polizei, die durch Hilfspolizei verstärkt war, wurden etwa 30 jüdische Händler in Schutzhaft genommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Es wurde ihnen erklärt, daß die Polizei für eine befristete Zeit ihnen vollen Schut z gewährt, daß ihnen im übrigen aber empfohlen wird, durch ihr Auftreten auf dem Markt die Erfurter Einwohner- Schaft nicht weiter zu provozieren, da dann die Polizei jede Verantwortung abiehnen müsse. Ein groteskes Fehlurteil Vor dem Saarbrückener Gericht hatte sich ein Buchhändler zu verantworten, der im Schaufenster seines Ladens Bücher antisemitischen Inhalts, darunter solche, in denen den Juden der Vorwurf gemacht wird, Chrisienblut zu rituellen Zw ecken zu gebrauchen, ausgelegt hatte. Der Vorsitzende des Gerichtshofs, Messinger, w׳ies die Klage gegen den Buchhändler mit der Begründung ab, die Behauptung, Juden verwendeten Christenblut zu rituellen Zwecken, stelle keine Aufreizung dar, da die Behauptung den Tatsachen ent• spreche. Wir nehmen an, daß es bei diesem grotesken Fehlurteil nicht sein Bewenden haben wird. lll!|{lilim1ilflllllllll!l|[llKI11lllHltllllllfillli1n1ill1mHllllliilllilHlltlHII»HI1nnm11lin1illUHtltfQUtlHm1HI1nHiHiHitWM In aller Kurze Die Exekutive der Jewish Agency hat J. Ben-Zwi, den Leiter des Waad Leumi, aufgefordert, das durch den Tod Dr. Arlosoroffs verwaiste politische Dezernat in der Jerusalemer Exekutive zu übernehmen. Ben-Zwi hat mit Zustimmung der Arbeiter-Organisation das Amt bereits angetreten. Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, die 3. ordentliche Tagung des Council der Jewish Agency für den 31. August und 1. September 1933 nach Prag (Tschechoslowakei) einzuberufen. Am 9. Juli fand in der Londoner Albert Hall ein j ü - discher Bittgottesdienst statt, bei dem Chief Rabbi Dr. Hertz die Predigt hielt. Die Predigt gipfelte in der Forderung, nicht nur der materiellen Notlage der deutschen luden zu gedenken, sondern vor allem ihrer geistigen, seelischen Not und die religiösen und Erziehungs-Institutionen der deutschen Juden vor dem Untergang zu bewahren. Die ausl ralische Regierun g hat den Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Perth in Westaustralien D. I. Frcedman zum Delegierten für die im September zusammentretende Völkerbunasversammlung ernannt. Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Stockholm, Laurence A. S te i n h a r d t, ein New Yorker jüdischer Rechtsanwalt, der im April d. J. von Roosevelt auf seinen gegenwärtigen Posten berufen wurde, ist beauftragt: worden, die die Interessen der Vereinigten Staaten berührenden politischen Vorgänge in Sowjetrußland zu verfolgen. Es verlautet, daß Steinhardt dazu ausersehen sei, der erste amerikanische Botschafter in Sowjetrußland zu werden, sobald dieses von den Vereinigten Staaten anerkannt sein wird. Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht die Namen von 213 jüdischen oder von Juden abstammenden Notaren, die in Berlin auf Grund des Gesetzes zur Wiede:- herstellung des Berufsbeamtentums aus ihrem Amt entlassen wurden. Gleichfalls auf Grund des Gesetzes zur Wiederher- Stellung des Berufsbeamtentums wurden 34 richterliche und staatsanwaltschaftliche Beamte, unter ihnen eine größere Anzahl von Juden, in den Ruhestand versetzt. ln der Siedlung Kirjath Chajim, einer nach Dr. Arlosoroff benannten Arbeitervorstadt an der Bucht von Haifa, wurden 200 Arbeiterhäuser fertiggestellt. Weitere 200 Häuser sollen demnächst errichtet werden. Der Keren Kajemeth hat 3000 Dunam zur Verfügung gestellt. Einstein und die Universität Jerusalem. In den letzten Tagen ging durch die deutsche Presse eine TU.-Meldung unter der Uebcrschrift ״Juden unter sich“, worin berichtet wird, daß Dr. Weizmann in New York über Ein- Steins Ablehnung, nach Jerusalem zu gehen, gesprochen hat, wobei Einstein sich kritisch über verschiedene Einrichtungen der Jerusalemer Universität geäußert haben soll. Die TU.-Meldung basiert auf Sensationsmeldungen, die tatsächlich auch in einem Teil der jüdischen Presse verbreitet waren. Wie jetzt dazu mitgeteilt wird, besteben Aussichten, die Meinungsverschiedenheiten beizulegen, und das Kuratorium der Jerusalemer Universität, das demnächst in Zürich Zusammentritt, wird die von Einstein vorgeschlagenen Reformen der Verwaltung und Struktur der Universität behandeln. ,Ja-sagen zum Judentum!" Eine Aufsaizreihe der ״Jüdischen Rundschau" Von zahlreichen Lesern ist uns die Anregung zugegangen, die wichtigsten Aufsätze der ,Jüdischen Rundschau“ seit dem 5. März 1933 in einem Buch zu sammeln. Dieses Buch soll einen dokumentarischen Wert haben; Es soll zeige/, wie ein maßgebender Teil des deutschen Judentums auf die Vorgänge der großen Umwälzung reagiert hat. Die Tatsache, daß weit Uber die zionistischen Kreise hinaus der ״Jü dischen Rundschau“ Zustimmungen zu ihrer Haltung aus gesprochen wurden, beweist, daß es erlaubt ist, hier von einer repräsentativen Stimme des deutschen Juden tums zu sprechen. Es wurde in der ״Jüdischen Rundschau gesagt, was eine große Zahl der deutschen Juden fühlte Diese Aeußerungen sollen, wie man uns schrieb, nicht mit dem Tage vergehen, sondern in der haltbareren Form einer Buch-Publikation aufbewahrt werden. Wir haben uns entschlossen, diese Anregung aufzugreifen. Demnächst erscheint ein Sammelbuch unter dem Titel ״Ja-sagen zum Judentum“, das die wichtigsten Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ aus der letzten Zen enthält. Wir glauben, daß alle unsere Leser diese Veröffentlichung begrüßen werden. Die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ können das Buch unter Vor- Zugsbedingungen (zum Preise von 2,25 AL) erhalten, wenn sie es sofort bei der ״Jüd. Rundschau1*, Berlin W 15, Meinekestr. 10, bestellen.

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